Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Reinhold Eichacker >

Nächte der Venus

Reinhold Eichacker: Nächte der Venus - Kapitel 20
Quellenangabe
authorReinhold Eichacker
titleNächte der Venus
publisherUniversal-Verlag
printrun26.-50. Tausend
yearo.J.
firstpub
illustratorE. Deetjen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170112
projectid755b6cc7
Schließen

Navigation:

Nach dem Gewitter.

Auf Deinen bleichen Wangen stand der Zorn, –
des Unmuts Wolken lagen schwer und hart,
auf Deiner Stirne, die sich leidend spannte,
und jedes meiner Worte war ein Dorn,
mein Lächeln selbst schien Dir ein Geißelhieb,
der Deiner Seele tiefste Blößen kannte. – – –
– – – Und Deine dunklen Augen flammten Haß,
und ihre kalten Blitze suchten Wunden,
und Deine roten Lippen wurden blaß,
wenn sie des Abscheus letztes Wort gefunden.
In alter Feindschaft zischte unser Blut
den Kampf, den Mann und Weib der Urzeit stritten,
und tiefste Fremdheit, die verträumt geruht,
ließ unserer Seelen Lebensband zerschnitten. –
Da fiel ein Wort –
                  ich sah Dich heimlich an,
und fühlte, wie Du schön in Deinem Hassen,
sah, wie Du, ganz in Deines Blutes Bann,
Dich ganz des Kampfes Wollust überlassen.
Und ich genoß!:
                  der Adern feines Spiel,
genoß ihr schnelles Kommen und Verschwinden,
und sah, wenn meiner Antwort Klinge fiel,
sich neu Dein Blut und Deinen Blick entzünden;
ich sah, wie sich Dein nachtgelocktes Haupt
voll Kraft und Schwung aus stolzem Nacken reckte,
ich sah, wie sich Dein gertenschlanker Leib
im Vollgenuß erhoffter Siege streckte;
ich sah, wie Deine Brust sich stürmend hob,
wie Deine Arme sich weiß-nervig spannten,
wie alle Sinne nur das eine Ziel:
restlos zu siegen oder fallen, kannten.
– – Und meine Augen grüßten Deinen Haß
und tranken seine Glut, wie Deine Liebe,
und lachend fing des Wortes Gegenschlag
gleich Rosenketten Deine Geißelhiebe;
von meinen Lippen war mir ungewußt
der Ruf der Luft: »wie bist Du schön!« – geflossen,
– da sank Dein Arm entwaffnet in den Schoß
und alles; – alles, Wange, Hals und Brust
war plötzlich wie von Flammen übergossen!
– – – Du sahst mich an, mit traumerwachtem Blick
und neue Röte folgte dem Erblassen –
da wußten wir, daß tiefste Liebe war
all unser Leid und alles unser Hassen.
Da wußten wir, daß unser heißes Blut
im Tode noch den andern segnen müsse, –
– und wie im Zürnen Du Dich ganz gelebt,
gabst Du Dich ganz dem Wüten meiner Küsse.

 << Kapitel 19  Kapitel 21 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.