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Nächte der Venus

Reinhold Eichacker: Nächte der Venus - Kapitel 11
Quellenangabe
authorReinhold Eichacker
titleNächte der Venus
publisherUniversal-Verlag
printrun26.-50. Tausend
yearo.J.
firstpub
illustratorE. Deetjen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170112
projectid755b6cc7
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Königin der Nacht.

Du wolltest nur im Dunkel mich beglücken
und mich zum König Deiner Liebe küssen,
und niemals dürfe ich im Tag Dich kennen
und niemals Deinen Stand und Namen wissen.
Blind müsse ich wie einen Traum Dich träumen
und nur dem Sang der Sinne selig lauschen,
Dein süßes Fleisch, die Wollust Deiner Glieder,
des Leibes Atem sollten mich berauschen.

Du hieltest Wort – und kamst, als aller Sterne
tagfremde Augen schlummernd sich geschlossen;
mit Deinem Schleier war ein Hauch von Rosen
in meines Zimmers Finsternis geflossen –
dann fiel das Tor ins Schloß, und es war Nacht ...!
– – – Ein Sturm zerfetzte unseres Atems Segel,
und unser Herzschlag läutete wie Glocken,
– so nahmst Du langsam meine heißen Hände
und legtest zärtlich sie in Deine Locken
und löstest sie durch mich zu weichen Wellen,
die endlos in das All des Dunkels sanken
und mir entglitten, eh ich Dich umschlungen –
– Du warst verhaucht, wie brünstige Gedanken.
... Und wieder sprach zu uns der Stunde Stille –
da hörte ich Dein Kleid zu Boden wehen,
ich trank die Nacht in atemlosen Zügen
und meiner Augen Blindheit ward zum Flehen;
mein Blut schrie auf, wie sich die Ozeane
dem Silberlicht des Monds entgegenbäumen –
dann ... fühlte ich Dich selbst, – wie eine Woge
aus niegekannter Lust mich überschäumen.
– Ich war ein Hauch, ein Seufzer nur geworden,
es riß mich fort, es warf mich auf und nieder ...
... – mich schlang das All – und stürzte mich zersprühend
zum Tod der Liebe tief in Deine Glieder.
So tief verfleischt war unser ganzes Leben,
daß unsere Körper sich nicht wiederkannten,
daß unserer Bisse blutberauschten Küsse
gleich heißen Wunden in uns selber brannten.
Und meine Lippen nahmen Deine Brüste
wie reife Früchte, die den Tod bereiten,
und Deine Schenkel lohten in den meinen
gleich Hexen, die durch Scheiterhaufen schreiten,
und meine Augen, die zur Nacht erblindet,
umjauchzten Dich in ewigem Gestalten,
in meinen Armen schien ich nicht ein Leben,
nein, jedes Weib, das je gelebt, zu halten!
– Ich wußte nicht, ob Deiner Augen Gärten
das Schwarz der Nacht, den Glanz der Sonne trugen,
ob Deine Locken lichtscheu oder golden
gleich Meeresschaum um meine Lenden schlugen,
Ich wußte nicht, ob Du ein Kind des Himmels,
ob Du der Hölle teuflischstes Verlangen,
ich wußte nur, daß alle meine Sinne
sich ganz in Deiner Seligkeit gefangen.
Ich wußte nur, daß mich Frau Venus küßte,
die mir die Sehnsucht meiner Träume brachte,
ich wußte nur, daß ich auf Deinen Lippen
als Lied verklang – und als ein Gott erwachte.
– Du warst verweht, – wie Du als Traum gekommen
und tiefstem Taumel folgte kein Ernüchtern,
nun stirbt die Sehnsucht niemals meinen Augen
und meine Nacht erstrahlt in ewigen Lichtern!

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