Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Kurt Aram >

Nach Sibirien mit hunderttausend Deutschen

Kurt Aram: Nach Sibirien mit hunderttausend Deutschen - Kapitel 14
Quellenangabe
typereport
authorKurt Aram
titleNach Sibirien mit hunderttausend Deutschen
publisherVerlag Ullstein & Co.
year1915
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid
Schließen

Navigation:

Die Befreiung

Eine Russin, die Frau eines Deutschen, ist auf seine Veranlassung nach Wjatka gefahren, dort die Gefangenenlisten einzusehen. Ihr Mann hat ihr nicht mitgeteilt, welches Interesse wir daran haben. Es ist besser, sie weiß das nicht. Wir möchten nämlich gerne erfahren, was für Deutsche in dem »richtigen« Gouvernement untergebracht sind und ob sich darunter nicht Tifliser Bekannte befinden.

In einer Kleinstadt des »richtigen« Gouvernements lebt ein guter Bekannter von uns. Wir schicken ihm folgendes Telegramm: »Dein Vetter (und nun folgt mein Name) lebt hier, hat erfahren, daß du dort lebst, und bittet den Gouverneur, zu dir reisen zu dürfen. Bitte du auch.«

Wir sind zwar keineswegs verwandt und der Mann wird zunächst über das Telegramm verblüfft sein, aber wenn er nicht auf den Kopf gefallen ist, wird er auf die Vetternschaft eingehen und verstehen, daß wir unsere Gründe dafür haben.

Wir haben uns nicht verrechnet, wie sein Antworttelegramm beweist. Er hat schon an seinen Gouverneur telegraphiert und ich telegraphiere jetzt an meinen. Es wäre ja nicht das erstemal, daß Gouverneure gestattet haben, daß Verwandte auf Antrag zueinander übersiedeln dürfen.

Nach wenigen Tagen schon erhalte ich die Erlaubnis, mit meiner Frau zu meinem Vetter in X, Gouvernement Y, unter polizeilicher Bedeckung übersiedeln zu dürfen.

Die Kameraden freuen sich, daß der Streich gelungen ist. Sie haben alle ein Interesse daran, mich in meinem Bestreben, aus der Mausefalle wieder herauszukommen, zu unterstützen. Sie denken, so erfährt man doch endlich in Deutschland, wie die russische Regierung mit uns umspringt, und die deutsche Regierung wird dann schon dafür Sorge tragen, daß unser Los menschlicher wird.

Wir nehmen Abschied voneinander. Es ist eine schwere Stunde. Wie viel haben wir gemeinsam durchgemacht. Das bindet aneinander. Alle wollen uns an die Bahn begleiten, aber das Betreten des Bahnhofs ist den Deutschen verboten. Ach was, denken die meisten, wir gehen doch mit. Ob sie uns dann für einige Tage oder Wochen einsperren, darauf kommt es nun auch nicht mehr an. Aber schließlich siegt doch die Vernunft.

Niemand begleitet uns auf die Bahn außer zwei Polizisten, die uns in dem neuen Gouvernement abliefern müssen.

Die Prozedur auf der Polizei in X ist dieselbe, die wir schon von Wjatka her kennen. Von der Polizei werden wir zu unserem »Vetter« gebracht, bei dem wir wohnen.

In diesem Gouvernement herrscht ein schärferer Wind gegen die Deutschen. Der Gouverneur ist ein Deutschenfresser, und jeder Isprawnik im Gouvernement weiß es und richtet sich danach. Man darf bei Anbruch der Dunkelheit überhaupt nicht mehr ausgehen. Mehr als drei Deutsche dürfen sich auch am Tage zusammen nicht auf der Straße zeigen. Deutsch zu sprechen, ist verboten und wird mit Gefängnis bestraft. Wer nicht Russisch kann, hat eben stumm zu sein. Die Stuben der Deutschen werden regelmäßig von Polizisten revidiert. Es gibt Haussuchungen und andere Schikanen mehr. Aber trotz alledem lassen sich die Deutschen auch hier nicht unterkriegen. Ihre Anpassungsfähigkeit ist staunenswert. Ihre Mittel sind freilich noch beschränkter als die der Deutschen in Wjatka, aber auch hier hat man gemeinsame Küchen für die Ärmsten eingerichtet und gemeinsame Stuben für sie gemietet. Auch hier findet meine Frau sofort reichliche Arbeit an Kranken, deren man sich ganz besonders annimmt. Man hat sogar ein förmliches Überwachungssystem organisiert, das den Deutschen zugute kommt, die an schweren Depressionen leiden, sich in ihre Hütten wie in Höhlen verkriechen und sich eines unbewachten Augenblicks aufhängen würden. Diese armen Kameraden mit den zerrütteten Nerven werden nicht einen Augenblick allein gelassen. Am meisten Sorge macht uns ein Kunstmaler aus dem Kaukasus. Er gehörte zu denen, die gefesselt durch Tiflis getrieben wurden, und der mit den zweiundzwanzig anderen durch sieben russische Zuchthäuser mußte, bevor er hier ankam. Das hat ihn geistig und seelisch gebrochen.

Auch darf hier in der Kreisstadt wirklich niemand bleiben, der nicht 45 Jahre alt ist oder Arbeit gefunden hat. Alle anderen sind längst auf die Dörfer verschickt worden und müssen dort langsam zugrundegehen. Mit Bestechung kann man hier nicht arbeiten. So sind denn außer den Deutschen über 45 Jahre nur noch eine größere Anzahl Musikanten hiergeblieben. Sie haben sich zu einer Kapelle zusammengetan und geben jede Woche zweimal ein Konzert im russischen Klub. Aber auch hier müssen sie die Hälfte des kümmerlichen Verdienstes an die Polizei abliefern für – das russische Rote Kreuz.

Meinen »Vetter« kläre ich natürlich sofort darüber auf, um was es sich handelt. Er ruft seine Vertrauensmänner zusammen und instruiert sie. Alle sind mit Feuereifer dabei, mir zu helfen.

Schon am ersten Tage nach meiner Ankunft habe ich ein längst verabredetes Telegramm an einen einflußreichen Armenier nach Tiflis gesandt. Er wird nun den Gouverneur entsprechend bearbeiten. Ich selbst habe, als mir aus Tiflis der Empfang des Telegramms bestätigt wurde, an den Gouverneur telegraphiert und unter Hinweis auf den Erlaß des Ministers des Innern, um einen Auslandspaß gebeten, da ich 45 Jahre alt sei.

Auch auf der hiesigen Polizei arbeitet ein Deutscher und er hat sich sofort meines Passes versichert, als er erfährt, worum es sich handelt. Das ist nämlich sehr wichtig. Immer wieder verschwinden deutsche Pässe. Die russische Regierung braucht sie, um ihre Spione damit auszustatten, daß sie möglichst leicht über die Grenze nach Österreich und Deutschland kommen. Der Isprawnik hat sofort eine genaue Abschrift meines Passes mit seiner Unterschrift herstellen müssen. Diese beglaubigte Abschrift geht nun mit einem schriftlichen Gesuch um einen Auslandspaß an den Gouverneur. Das Gesuch wird auch gleich mit dem kostspieligen Stempel versehen und beigefügt wird noch die Quittung der Bezirkskasse, daß ich den Betrag für den Auslandspaß schon eingezahlt habe. Man hat es dem Gouverneur also so bequem wie nur irgend möglich gemacht und ihm jeden Vorwand genommen, die Angelegenheit unnütz in die Länge zu ziehen.

Als acht Tage vergehen, ohne daß der Gouverneur etwas von sich hören läßt, reist wieder eine unserer Frauen, eine Russin, nach der Gouvernementshauptstadt und macht etwas Feuer in der Kanzlei des Gouverneurs, daß sie sofort den Auslandspaß schicken, wenn der Gouverneur den Befehl erteilt ...

Was Menschen tun können, ist geschehen. Mein Originalpaß, der deutsche Paß, ist sogar von der Polizei verschwunden. Aber diesmal nicht in die Tasche der russischen Behörde, sondern in meine Tasche. Ich brauche den deutschen Paß ja, um nach Deutschland hereinzukommen. Habe ich ihn nicht, läßt man mich womöglich gar nicht durch.

Nun sitzen wir wieder und warten ... Und die Kameraden werden von Tag zu Tag ungeduldiger.

Zwei Deutsche vom Dorf haben sich abends zu uns geschlichen. Sie riskieren ihren Kopf, aber das macht ihnen nichts. Es geht auf Weihnachten zu. Sie wollen Einkäufe für den Weihnachtsbaum machen. Sie kommen als Abgesandte von zwanzig Kameraden, die auf vier Dörfer verteilt sind. Sie werden gemeinsam einen Weihnachtsbaum schmücken. Sie haben zwar nur noch wenige Rubel, aber ein Weihnachtsbaum muß sein! Ob sie dann nachher etwas früher oder später verhungern, das ist Nebensache. O, ihr Kinder, ihr prachtvollen deutschen Menschen!

Ob wir auch noch hier Weihnachten feiern werden, oder ob wir vielleicht ... Still, daran darf man gar nicht denken. Das ist unmöglich auszudenken ...

Eines Morgens in aller Herrgottsfrühe klopft es stürmisch an unser Tor und in unser Zimmer treten zwei Soldaten aus der »Reserve« in Tiflis. Sie strahlen über das ganze Gesicht und wir schütteln uns die Hände. Die guten Kerle. Aber woher wissen sie, daß meine Frau und ich hier sind?

Sie haben wieder einmal zwei Deutsche aus dem Kaukasus hierher bringen müssen. Das war diesmal aber wirklich keine leichte Arbeit. Der eine, bisher dänischer Wahlkonsul in Batum, muß unterwegs einen Anfall von Geistesstörung gehabt haben. Die Soldaten erzählen, daß er, während sie schliefen, mitten in der Nacht eins ihrer Seitengewehre gegen den Zugführer zückte und ihn erstechen wollte. Der Zugführer schrie natürlich, sie wurden wach und konnten gerade noch das Schlimmste verhindern. Aber auf der nächsten Station machte der Zugführer Anzeige. Ein Glück, daß es eine so kleine Station war, daß der Gendarm keine Zeit hatte, selbst ein Protokoll aufzunehmen. Der Zug mußte sofort wieder weiter und der Gendarm konnte den Vorfall nur telegraphisch nach der nächsten größeren Station melden. Bis dahin war glücklicherweise noch eine Stunde Zeit. Was nun? Die beiden Soldaten hatten natürlich nicht schlafen dürfen. Kam die Sache heraus, kamen sie vor ein Kriegsgericht. Dann Ade Weib und Kind und Leben. Sie bearbeiteten also den Zugführer. Auch der Deutsche, der nun wieder zu sich gekommen war, half mit. Natürlich spielte auch der Rubel seine Rolle. Kurz und gut, als bei der größeren Station drei Gendarmen erschienen, um die Soldaten und die beiden Deutschen zu arretieren, wußte der Zugführer von gar nichts mehr. Es sei ihm nicht das geringste geschehen. Er bestritt alles, er leugnete alles, er schwor bei allen Heiligen, daß niemand auch nur den Versuch gemacht habe, ihm ein Haar zu krümmen ... So mußten die Gendarmen denn schließlich wieder unverrichteter Sache abziehen. Aber die Soldaten waren froh, den Kranken loszuwerden, und so hatten sie ihn denn gleich nach Ankunft bei der hiesigen Polizei eingeliefert. Auf dem Tisch des Isprawnik aber habe ein Auslandspaß gelegen mit meinem Namen. Dadurch erfuhren sie, daß ich hier sei, und sie hätten sich gleich auf den Weg gemacht, um mich zu finden und mir als erste diese Freudenbotschaft zu bringen.

Wirklich und wahrhaftig, mein Auslandspaß ist da?

Die Soldaten strahlen und bestätigen es. Nun, ich konnte mir nicht helfen, ich habe ihnen einen Kuß gegeben.

Es dauerte nicht lange, da erschien auch der »Vetter« mit anderen Deutschen. Sie wußten es ebenfalls schon durch den Deutschen, der auf der Polizei arbeitete. Ich solle gleich zu ihm kommen.

Auch die beiden Soldaten zogen mit uns auf die Polizei. Das ließen sie sich nicht nehmen.

Der Isprawnik war nicht anwesend, aber gegen ein Trinkgeld wurde mir der Paß sofort ausgehändigt, ein ganz gewöhnlicher Auslandspaß, der sich nur durch eine einzige Bemerkung von anderen unterschied. In ihr hieß es, daß mir auf Grund des Ministerialerlasses vom soundsovielten, mir, dem deutschen Untertan, bisher kriegsgefangen im Gouvernement Y, das Verlassen russischen Staatsgebiets via Petrograd-Raumo gestattet sei. Mir samt meiner Frau.

Im Triumph zogen wir mit dem Paß zu unserer Wohnung, wo meine Frau schon mit Packen beschäftigt war. Sie hatte es sehr eilig, fortzukommen, noch heute wollte sie abfahren. Ich sträubte mich erst dagegen. Morgen war auch noch ein Tag. Bis dahin konnte ich die Wünsche der anderen entgegennehmen, Adressen ihrer Angehörigen in Deutschland, um sie zu benachrichtigen und dergleichen mehr. Aber der »Vetter« nahm mich beiseite und erklärte mir, meine Frau habe ganz recht. Je schneller wir fortkämen, um so besser.

Also packte meine Frau weiter und der »Vetter« und ich nahmen einen Schlitten, um zur Bahnstation zu fahren, die eine gute halbe Stunde von dem Nest entfernt war, und die Züge zu studieren.

Wieder einmal herrschte ein gewaltiger Schneesturm und blies der Wind vom Ural her, er schnitt wie mit spitzen Messern durch unsere dicken Hammelpelze. Auf der Bahn hieß es, der Frühzug nach Wjatka, der hier um sechs Uhr morgens durchkommen sollte, sei immer noch nicht da und werde wohl erst gegen Abend passieren. Schneeverwehungen. Der Zug aber, der am Abend hier durchkommen sollte, käme schwerlich vor nächstem Morgen.

Wir fuhren wieder in das Nest zurück und berieten, was da zu tun sei. Alle drängten, daß wir die erste Gelegenheit benutzten. Alle waren voller Unruhe, es könne ein Gegenbefehl kommen.

Also fuhr einer unserer Kameraden wieder zum Bahnhof, um dort zu warten, bis der Frühzug von der vorhergehenden Station gemeldet wurde, und uns dann abzuholen.

Die Landsleute kommen und gehen. Sehr schnell hat es sich unter allen herumgesprochen, daß wir den Auslandspaß erhalten haben und noch heute abreisen. Die Landsleute stellen uns einen Eßkorb zusammen und kaufen für uns Tee und Zucker und Wurst bei unserem Freund, einem tatarischen Kolonialwarenhändler. Der Tatar, Mohammedaner natürlich, stammt aus dem Kasanschen und haßt die Russen. Er ist ein kleiner, schwächlicher Mensch. Das hat ihn aber nicht gehindert, vier große russische Soldaten, die in seinem Laden über die Heldentaten, die sie demnächst gegen die Deutschen unternehmen würden, bramarbasierten, kurzerhand und eigenhändig aus dem Laden zu werfen.

Die Landsleute schreiben mir Adressen ihrer Angehörigen in Deutschland auf. Ich werde sie aufsuchen, wenn ich glücklich über die Grenze komme, oder ihnen schreiben.

Es wird Abend. Unser Zimmer ist voll von Deutschen. Jeder hat uns noch etwas zu sagen, zu raten oder noch eine Adresse zu geben.

Der »Vetter« hat uns noch ein opulentes Mahl bereitet, damit wir den Eßkorb erst morgen angreifen. Wer weiß, für wie lange er vorhalten muß. Schneeverwehungen. Da kann man zu einer Reise, die drei Tage dauert, eine Woche brauchen und länger.

Der Schlitten mit unserem Wachtposten vom Bahnhof erscheint. Es wird Zeit, daß wir zur Bahn fahren. Der Zug dürfte in einer Stunde einlaufen.

Wir verabschieden uns. Wir werden schreiben. Wir werden alles tun, um in Deutschland für die Kameraden in Rußland zu wirken ... So helfen wir uns über den schweren, schweren Abschied.

Zur Bahn kommen nur der »Vetter« und unser Wachtposten mit. Deutsche dürfen natürlich auch hier nicht auf den Bahnhof, aber die beiden sehen so russisch aus in ihren Hammelpelzen und hohen Fellmützen, sie sprechen vollkommen Russisch, man wird sie nie für Deutsche halten. Sie wollen unter allen Umständen schon deshalb mit zur Bahn, um die Billette zu nehmen und uns sicher in einem Abteil erster Klasse unterzubringen, denn wir müssen erster Klasse fahren. Da ist man gegen Belästigungen immer noch am sichersten, und die Kontrolle ist nicht so scharf.

Der Bahnhof ist vollgepfropft mit Soldaten. Man kann kaum durchkommen. Ein Militärzug ist eingelaufen. Er bringt neues Kanonenfutter nach Polen. In dem allgemeinen Gedränge kümmert sich niemand um uns.

Der »Vetter« ist überaus geschäftig, nimmt Billette, läuft hin und her, fragt nach rechts und links und nimmt uns beiseite. Wir sollen mit dem Militärzug fahren. Er hat einen Anhängewagen für Zivilisten. Da werden wir unterkommen. Der Militärzug kommt mindestens so schnell von der Stelle wie der Personenzug. Eher schneller. Und wenn man nach uns suchen sollte, sucht man sicherlich nicht gleich in einem Militärzug.

Wir unterwerfen uns selbstverständlich den Wünschen des »Vetters«, der sich in Rußland besser auskennt als wir.

Die beiden Kameraden bringen uns zu dem Anhängewagen des Militärzuges. Eine kurze Unterredung mit dem Zugführer, ein inhaltschwerer Händedruck mit ihm und er schließt uns ein Halbkupee erster Klasse auf.

Jetzt nur dreist sein und nicht furchtsam werden.

Wir stehen im Gang vor unserem Kupee und unterhalten uns. Das heißt, die beiden Kameraden sprechen laut und reichlich Russisch mit uns. Wenn wir es auch nur höchst mangelhaft verstehen, das schadet nichts. Die Hauptsache ist, daß die anderen Passagiere des Wagens, darunter vor allem ein hoher russischer Offizier mit seiner Donna, die fürchterlich nach Parfüm riecht, und die unser Nachbarabteil in Besitz haben, uns für Russen halten und nicht mißtrauisch werden. Die Kameraden reden und reden und gestikulieren und lachen, alles echt russisch, bis sich der Zug in Bewegung setzt. Draußen weinen Weiber und Kinder, Angehörige der Soldaten, es ist jammervoll ... Noch ein Händedruck und die beiden Kameraden springen ab.

Wir schließen die Kupeetür, wir sind allein. Draußen jammern immer noch die Weiber und Kinder hinter dem langsam abfahrenden Zuge drein.

Wir sehen uns um. Wahr und wahrhaftig, ein Kupee erster Klasse, geräumig, bequem. So gut haben wir es seit langem nicht gehabt. Wir trauen uns noch gar nicht, es uns bequem zu machen ...

Es klopft an die Tür. Ich öffne mürrisch die Tür. Wir stellen uns schlaftrunken und wortkarg.

Draußen der Zugführer, ein Schaffner und ein kontrollierender Offizier. Sie verlangen die Billette, die ich ihnen hinstrecke, heftig gähnend. Wenn sie nur nicht auch die Pässe verlangen.

Aber wie sollen sie auf die Idee kommen, daß die beiden Inhaber dieses Abteils in einem Militärzug Deutsche sind? So eine Idee kann ihnen gar nicht kommen. Der Zugführer greift dankend an die Mütze, der Schaffner auch, der Offizier geht weiter. Ich werfe die Kupeetür zu, schließe ab, wir sind wieder allein.

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.