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Nach den Mondbergen

Friedrich Wilhelm Mader: Nach den Mondbergen - Kapitel 19
Quellenangabe
type
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleNach den Mondbergen
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
printrunZwölfte Auflage
yearo.J.
firstpub1911
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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16. Der weiße König.

Angesichts der Grenze wurde gelagert.

Einige Warundi, die in der Nähe ihre Herden hüteten, gerieten beim Anblick der Weißen in gewaltige Aufregung und stießen an einem fort Rufe aus, die aber bei der Entfernung nicht verstanden werden konnten; darauf zogen sie sich ins Innere des Landes zurück.

Wie besorgt aber war Schulze, als am nächsten Morgen das Toben und Schreien einer gewaltigen Volksmenge wie fernes Meeresbrausen an sein Ohr schallte.

Er trat vor das Zelt und sah in der Entfernung von etwa einem halben Kilometer einen Zug von Negern, die mehrere Hundert an der Zahl zu sein schienen, sich der Grenze nahen.

Die Leute zeigten die höchste Aufregung, fuchtelten mit den Armen und stießen gellende Schreie aus.

Inzwischen hatte der ungewohnte Lärm auch die übrigen Weißen aus den Zelten gelockt, und Leusohn und Helene sahen ebenfalls mit besorgten Mienen den Nahenden entgegen.

Der Professor wunderte sich nur, daß seine Schwarzen gar keine Angst verrieten, vielmehr lachten und scherzten, als handle es sich um einen Spaß.

»Das ist bedenklich!« nahm Schulze endlich das Wort. »Die Warunda wollen uns offenbar den Eintritt in ihr Land verwehren, und angesichts ihrer drohenden und feindseligen Haltung fürchte ich, wir könnten nicht ohne Blutvergießen den Weitermarsch erzwingen.«

»Und ob wir ihn mit Gewalt erzwingen könnten?« fragte Leusohn kopfschüttelnd. »Sie sind hier bereits in solcher Zahl versammelt, dazu so wohl bewaffnet, daß der Ausgang eines Kampfes zum mindesten zweifelhaft erscheint.«

»Erlauben Sie,« widersprach Flitmore, »ich bin schon mehr in Afrika gereist, und so viel ich beurteilen kann, ist die Aufregung dieser Leute, so wild sie sich gebärden, eher eine freudige als drohende. Ich glaube, sie wollen uns mit offenen Armen aufnehmen.«

»Hm!« machte Schulze. »Eine eigentümliche Art ist dieses Gebaren für einen freundlichen Empfang. Immerhin möchten Sie nicht unrecht haben. Ich erinnere mich, daß mancher Neuling in Afrika zu seinem eigenen Schaden solche wilde Freundschaftsbezeugungen als kriegerische Kundgebungen auffaßte.

»So beschwerte sich beispielsweise Hauptmann von Francois über die drohende und feindselige Haltung verschiedener Stämme, die Wißmann hernach als durchaus harmlos und friedlich gesinnt erkannte. Die Häuptlinge hatten sich um die weißen Gäste förmlich gerissen, so erfreut waren sie über den ehrenvollen Besuch. Francois aber hatte ihre Äußerungen tobender Freude für Wutausbrüche gehalten. Solch ein Mißverständnis kann leicht verhängnisvolle Folgen haben, wenn man sich zu voreiligen Schritten hinreißen läßt.«

»Unsre Träger und Askaris,« mischte sich Hendrik ein, »scheinen jedenfalls die Kundgebungen der Warundi nicht für bedenklich zu halten und auch nach meinen Erfahrungen möchte ich Lord Flitmore recht geben. Da sehen Sie doch! Wir werden tatsächlich mit hohen Ehren und begeisterter Freude begrüßt!«

Die Schar der Warundi war inzwischen bis zur Grenze gekommen. Sie kamen, die weißen Fremdlinge zu empfangen, von deren Ankunft die Hirten ihnen Nachricht gegeben hatten, eine Kunde, die wie ein Lauffeuer das ganze Land durcheilte.

Die Leute zeigten sich als kräftige, wohlgewachsene Gestalten, anmutig in ihren Bewegungen und mit edelgeschnittenen, zum Teil wirklich schönen Gesichtszügen.

Sie trugen keine Waffen; denn das, was Schulze und Leusohn aus der Ferne für geschwungene Speere gehalten hatten, erwies sich nun in der Nähe als blumenumwundene Stäbe und schwanke Laubzweige, die mit hellen Jubelrufen in der Luft geschwenkt wurden.

Nun hielt die Karawane angesichts dieser freudigen Menge, die an der Grenze stehen blieb, in aller Ruhe ihr Frühmahl; dann wurden die Zelte abgebrochen, die Träger nahmen die Lasten auf und der Abmarsch erfolgte.

Beim Nahen der Karawane teilte sich die Menge der Warundi und ließ in ihrer Mitte eine Gasse frei.

Leusohn ritt diesmal auf seinem Reitstiere voran und wagte sich, nicht ohne einige Beklemmung, mitten in die Gasse hinein.

Da trat ihm ein hochgewachsener Häuptling entgegen, neigte vor ihm seinen Blumenstab und rief: »Mwesi, Mkasi ya Urundi, Viheko visima, tuli Wahutu!«

Diese Anrede bedeutete zu deutsch, wie Schulze später erklärte: »Mwesi, Beherrscher von Urundi, großer König, wir sind deine Sklaven!«

»Passen Sie auf,« sagte der Professor, als er die Worte vernahm, »Doktor, die Leute halten Sie für den Mwesi, den weißen König, der von Norden kommen soll, nachdem er sich im Geisterwasser verjüngt hat; sie hoffen auf den Wiederanbruch der goldenen Zeit ihrer alten Sagen. Genau so ist es hier Oskar Baumann ergangen, der auch in Urundi als der Mwesi begrüßt wurde. Ähnlich wurden Witzmann und Pogge von den Baschilanga begrüßt, die in ihnen ihre zwei in der Fremde gestorbenen Häuptlinge sahen, die aus dem Geisterwasser als Weiße zurückgekehrt seien.«

Nun kam den Reisenden eine Schar Frauen und Mädchen entgegen, die vor ihnen einen kunstvollen Tanz aufführten, mit anmutigen Bewegungen der hocherhobenen Arme ihre Laubzweige schwingend. Es war ein wirklicher Genuß, den reizvollen Verschlingungen des Reigens zuzusehen.

Durch das ganze Land wurde die Karawane von einer stets wachsenden Volksmenge begleitet, die bald nach Tausenden zählte.

Immer wieder wurden Tänze aufgeführt, teils von den Männern, teils von den Frauen, und auch die kleinen, nackten Kinder machten komische Sprünge, um im Tanze ihre Freude kundzugeben.

Die Kinder ließ man springen, wie sie wollten; machte aber ein Erwachsener den kleinsten Fehler in dem wirklich kunstreichen und schwierigen Tanz, so wurde der Sünder oder die Sünderin mit Hohngeschrei oder gar mit Prügeln davongejagt.

Überall wurde die Karawane aufs reichlichste mit Lebensmitteln versorgt; großhörnige Rinder, Ziegen und Schafe, Unmengen von Bananen und Hülsenfrüchten, zahlreiche Krüge mit Pombe wurden an einem fort in das jeweilige Lager unsrer Freunde gebracht, ohne daß irgend etwas gefordert oder erbeten worden wäre.

»Dem Mwesi gehört alles!« hieß es immer wieder, und ihm gegenüber verstummte selbst die sonst unvermeidliche Bettelei der Neger.

Auf Hendriks Rat nahm denn auch Leusohn, der hier notgedrungen den Herrn der Karawane spielen mußte, alle Gaben mit königlicher Würde entgegen, ohne den Versuch zu machen, etwas zu bezahlen; kurz, er verhielt sich, wie es dem Landesherrn zukam, da er als solcher angesehen wurde.

Auch sein königliches Gefolge nahm den begeisterten Zoll getreuer Untertanen als etwas Selbstverständliches entgegen denn bald hatten alle begriffen, was von ihnen gehalten wurde.

Freilich hatte der Triumphzug auch das ungemein Lästige, daß ein ungestörtes Beisammensein unmöglich wurde. Tag und Nacht war die kleine Schar von einer ehrfürchtigen Menge umgeben, deren Ehrfurcht sich leider in lauten Ausbrüchen gefiel.

Erst in der Nähe der Quelle des Kagera-Nils blieben die Warundi scheu zurück. Dies war nämlich die Stätte, wo ihre alten Könige begraben lagen, vor deren umgehenden Geistern das Volk sich fürchtete.

Schulze war außer sich vor Freude, als er diese eine Quelle des alten Nils erblickte und als auf den Bergmatten in der Nähe des Quellbaches ein Lager aufgeschlagen wurde, wo man ganz in Ruhe für sich war, unbelästigt von zudringlichen »Zankudos«, wie er sich ausdrückte, womit er die begeisterten Warundi, unhöflich genug, mit schwärmenden Schnaken verglich.

Leusohn fragte nun Schulze, warum eigentlich diese Leute eine so merkwürdige fanatische Begeisterung an den Tag legten, und was das eigentlich für eine Bewandtnis habe mit dem Mwesi, für den sie ihn hielten.

»Das will ich Ihnen erklären,« sagte der Professor bereitwillig, da er aus Baumanns Reisewerk mit der Mwesisage vertraut war. »Das Volk von Urundi wurde vor Zeiten von einer weißen Herrscherfamilie regiert, wahrscheinlich viele Jahrhunderte hindurch ...«

»Jahrtausende!« warf Lord Flitmore bestimmt ein.

»Nun, meinetwegen Jahrtausende! Woher sie kamen ist unbekannt ...«

»Vom Norden, von Ägypten,« unterbrach wiederum der Engländer.

»Oho!« rief Schulze verwundert. »Woher wollen Sie das wissen?«

»Von einer Mumie.«

»Na, das wird interessant!« war des Professors verblüffter Ausruf. »So legen Sie denn mal los, Lord!«

»Später, später!« wehrte Flitmore ab. »Doch will ich Ihnen soviel sagen, als zur Geschichte des Mwesi gehört. Die Mumie also offenbarte mir folgendes: »Sie selber sei der Leichnam eines Königs, und zwar des Bruders eines berühmten Eroberers, der an den langen See gezogen sei, der hinter der Mittagssonne liegt. Hier eroberte er ein weitausgedehntes Reich und wohnte an den Quellen des kleinen Nil. Er herrschte über schwarze Völker und wurde angebetet als der Mond, dessen Name ihm beigelegt wurde, wegen seines weißen Antlitzes. Sein Reich wurde das Land des Mondes genannt.«

»Das sind in der Tat interessante Aufschlüsse,« bemerkte Schulze. »Nun, es scheint, die Schwarzen haben sich unter der Herrschaft jener weißen Könige wohlgefühlt. Der letzte dieser Mwesis ist auf einem Kriegszuge verschollen, vor mehr als hundert Jahren; aber die Leute haben den festen Glauben, er lebe noch und werde von Norden her wieder kommen. Als nun Baumann, als erster Weißer, von Norden ins Land kam, wurde er allgemein für den Mwesi gehalten und mit der gleichen Bewunderung empfangen und begleitet wie wir.

»Nun ist es Freund Leusohn, in dem sie ihren verheißenen Mwesi erblicken und verehren. Na, Doktor, überlegen Sie sich's; es ist Ihnen ein Leichtes, hier unumschränkter Gebieter über einen besonders schönen und liebenswürdigen Volksstamm Afrikas zu werden. Sie könnten diesen armen Negern eine ungeheure Wohltat erweisen und ihnen ohne Mühe die Segnungen der Kultur erschließen; denn als Mwesi wird man Ihnen alles mögliche Vertrauen und unbedingten Gehorsam entgegenbringen.«

Leusohn lachte: »Danke! Habe zurzeit wenig Lust, mich auf solche Abenteuer einzulassen; später einmal will ich mir's überlegen.«

»Es ist merkwürdig,« fuhr der Professor nach einer Pause fort, »wie man überall die Sage einer vergangenen goldenen Zeit antrifft, auf deren Wiederanbruch die Völker hoffen: in Afrika wie in Europa, Asien und Amerika. So haben auch die Waganda im mächtigen Reiche Uganda ihre Kintu-Sage.«

»Lassen Sie uns doch diese Sage hören,« bat Helene. »Ich lausche so gern den alten goldenen Sagen.«

»Gerne!« erklärte Schulze. »Also! Auch Uganda soll einst durch nordische Einwanderer bevölkert gewesen sein.«

»Ganz richtig,« unterbrach Flitmore, »durch Ägypter; Uganda gehörte zum Reiche des Mwesi und wurde von einem Vasallenkönig desselben beherrscht.«

»Meinetwegen, da Sie doch alles wissen,« genehmigte Schulze, sich aufs neue über des Lords geheimnisvolle Kenntnisse wundernd. »Also! Der erste weiße Herrscher des Landes war Kintu, ein milder und weichherziger König, der keinerlei Blutvergießen duldete.

»Als nun sein Volk unbotmäßig, lasterhaft, gottlos und gewalttätig wurde, verließ er das Land, und mit seinem Weggang fand die goldene Zeit ihr Ende.

»Sein ältester Sohn Tschwa übernahm die Regierung, dem wiederum sein Sohn Kamiera, dann sein Enkel Kimera folgte, ein Mann von Riesengröße und ein gewaltiger Jäger, der zuerst die Hunde zur Jagd abrichtete.«

»Also der Nimrod Ugandas,« sagte der bibelfeste Hendrik.

»Ganz richtig! Alle diese Nachkommen Kintus ließen überall nach dem verschollenen Ahnen forschen, der für unsterblich gehalten wurde, aber ohne Erfolg.

»Den genannten Königen folgten andere in der Regierung, stets die Söhne des Vorgängers: Almaß, Tembo ...«

»Wohl der Erfinder des Palmweins,« lachte Leusohn.

»Wohl möglich! Ferner Kigara, Wanpamba, Kaima und Nakivingi, ein Held und Eroberer, dem der tapfere Kibaga diente, der fliegen konnte, und seinem Herrn durch diese Kunst zu manchem Siege verhalf. Aber sein Weib, vom Stamme der Wanyoro, kam hinter sein Geheimnis und verriet es ihren bedrängten Stammesgenossen, die daher auf die Geschosse aus der Luft achteten und schließlich Kibaga von einem Baum herabschossen.«

»Samson und Delila,« meinte Sannah.

»Ja!« bestätigte der Professor. »Ein ganz ähnlicher weiblicher Verrat, wie er in Geschichte und Sage oft vorkommt.

»Auf Nakivingi folgten Morondo, der Karl der Große Ugandas, und verschiedene andere Könige, deren Namen mir nicht mehr gegenwärtig sind. Einer derselben, Maanda, hatte das Glück, den verschollenen Ahnen Kintu wieder aufzufinden, da seine edle Gesinnung ihn dazu würdig machte.

»Kintu hatte ihn durch einen Bauern, dem er im Traum erschienen war, aufgefordert, an einen bestimmten Ort im Walde zu kommen, nur von seiner Mutter begleitet, sonst dürfe ihm niemand folgen, nicht einmal sein Hund.

»Allein Maandas Katikiro oder Minister sah den König mit seiner Mutter allein in den Wald gehen und folgte ihnen heimlich, aus Sorge um ihr Leben.«

»Das hatte zur Folge, daß Maanda zwar seinen Ahnen traf, der, von vielen Kriegern umgeben, im Walde thronte. Allein Kintu verschwand vor seinen Augen mit seinem ganzen Gefolge, weil sein Gebot übertreten worden war.«

»Alle Nachfolger Maandas setzten die Nachforschungen nach Kintu fort, doch immer vergeblich.«

»Wir erfahren noch von den wunderbaren Taten des Helden Wakinguru unter König Tschabagu, ferner von dem Großvater Mtesas, dem König Kamanya, der Ukedi eroberte, das mächtige Reich, dessen Krieger eiserne Rüstungen trugen und furchtbare Kriegsdoggen mit sich führten, und endlich von Mtesas Vater, Suna II., unterworfen wurden. Dieser Bluttyrann versuchte vergeblich die Unterwerfung Usogas und schloß endlich einen Scheinfrieden mit dem Volke, um die friedlich eingeladenen Wasoga zu überfallen und dreißigtausend an der Zahl gefangen zu nehmen. Die Männer ließ er dann lebendig in Stücke zerhacken. – Doch genug von der bluttriefenden Geschichte Ugandas!«

Als die Karawane von den heiligen Bergen, den Missosi ya Mwesi, wieder Herabstieg, schloß sich ihr sofort die jubelnde Volksmenge wieder an und umdrängte Leusohn in einer Weise, daß er ernstlich ärgerlich wurde. Aber er wußte sich nicht zu helfen.

Als nun gar abends eine Abordnung der Askaris in seinem Zelte erschien und erklärte, sie wünschten nicht weiter ins Unbekannte zu reisen, sondern zögen vor, noch länger hier zu verweilen, wo man umsonst so gut verpflegt werde, und dann den Heimweg anzutreten, warf er den Schwarzen in seiner bösen Stimmung einige harte Gegenstände an den Kopf.

Als er sie daraufhin fragte, ob sie sonst noch etwas wollten, erklärten die Somalis vergnügt: »O nein, wir sind jetzt ganz zufrieden und werden euch folgen, wohin ihr wollt!«

Leusohn war ganz überrascht über diesen unerwarteten Erfolg seines neumodischen Verfahrens.

Nun zog die Karawane auf einem andern Wege der Grenze zu, zurück nach Westen. Überall im Lande traf man auf eine Bevölkerung von Watussi, die sich durch ihre helle Farbe und ihre fast europäischen Gesichtszüge auszeichneten.

Sie hüteten ihre langhörnigen Rinder und erklärten, die Fremdlinge dürften ohne des Königs Erlaubnis das Land nicht verlassen.

Als ein Fluß, dessen Ufer von Papyrussümpfen eingeschlossen waren, den Weitermarsch hinderte, flochten die begleitenden Warundi lange Seile aus Papyrusschilf, spannten sie über den Fluß und befestigten Papyrusbündel darauf, so daß in unglaublich kurzer Zeit eine Brücke fertig war, über die die ganze Karawane samt Eseln und Reitstieren wandern konnte.

Als aber die Leute sahen, daß Leusohn mit seinem Zuge ihre Grenzen verlassen wollte, flehten sie ihn an, bei ihnen zu bleiben.

Glücklicherweise wagten sie es jedoch nicht, sich seinem königlichen Belieben zu widersetzen, und als er gegen ihre Bitten taub blieb, begnügten sie sich damit, ihm noch lange nachzurufen: »Gansa, gansa, Mwami! – Sei gegrüßt, sei gegrüßt, Häuptling!«

Schulze, der eine Gelegenheit zu einem billigen Witze nie gerne unbenützt ließ, sagte: »Sehen Sie, Doktor! So sind die Leute; da Sie nun ihr Land schnöde verlassen, werden Sie von den erzürnten Seelen bereits ›Gänsehäuptling‹ genannt. Ein schmeichelhafter Titel, was?«

»Nun, da bin ich doch immerhin noch Häuptling,« gab Leusohn zurück. »Sie aber, Verehrtester, werden offenbar nur zur Herde gerechnet.«

Der Professor war mit seiner Witzelei bös hereingefallen.

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