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Morton oder die große Tour

Charles Sealsfield: Morton oder die große Tour - Kapitel 3
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleMorton oder die große Tour
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180710
projectidc21879ca
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I.
Der verlorene Hut.

Draußen heulte der Sturm – auf der Bühne donnerte Richard: »Ein Pferd, ein Pferd: mein Königreich für ein Pferd!«, und der rasende König überschrie den Donner des Sturmes, und die schöne Welt von Philadelphia horchte in atemloser Stille dem großen Zauberer, der ihr den gekrönten Bösewicht ihrer Vorwelt mit so furchtbarer Wahrheit vor die Sinne rief; – da ließ sich aus einer der glänzendsten Mittellogen ein düsteres Gestöhne vernehmen, und aller Köpfe wandten sich in der Richtung, in der die Schmerzenslaute hörbar wurden; eine der Türen des Korridors flog rasch auf, und ein junger Mann stürzte durch dieselbe, murmelnd: » She is lost, my Mary is lost Sie ist verloren, meine Mary ist verloren!

Die Nacht war, was wir ein galy Sehr stürmisch, mit heftigen Windstößen. nennen. Der Nordost heulte in so rasenden Stößen von Neujersey herüber, daß die tausend Schiffe des Hafens wie gepeitschte Sklaven auf ihren Ankertauen tanzten und gleich belebten Wesen Klagelaute von sich gaben, die weit hinauf in die Straßen wie die zu Tode geängstigter Tiere erklangen; dazwischen krachten die Masten, klapperten und pfiffen Segelbäume und Taue, und Regen und Hagel schmetterten wie Pelotonfeuer aus hunderttausend Musketen im kalten Nebelwetter aus dem schmutzig grauschwarzen Himmel herab. – Der junge Mann stürzte unaufhaltsam die Wallnutstreet hinab, dem Strom zu, der Stadt und Land verschlingen zu wollen schien.

Es waren nicht Schritte, es waren Riesensätze, mit denen er dem Werfte zusprang, von welchem er nur noch durch eines jener Vorwerke getrennt war, die sich in und vor die sogenannte Waterstreet Waterstreet, die dem Delaware entlang laufende Straße, in die sowohl die Wallnut- als Chesnutstreet auslaufen. hingenistet haben, um die Ansicht einer unserer schönsten Städte zur häßlichsten zu verunstalten.

Ein fahler Lichtstreifen öffnete sich am chaotischen Himmel, durch den der Mond bleich und gespenstisch durchschaute, wie um den furchtbaren Abgrund in seiner ganzen Gräßlichkeit erscheinen zu lassen. Nicht fünf Schritte vor ihm raste der Delaware. Die mannshohen Wogen, vom entsetzlichen Sturme aufgepeitscht, schienen aus der Tiefe der Hölle aufzuzischen und ihr Opfer mit schrecklichen Lachen anzugrinsen. Der tobende Sturm kochte, heulte und brüllte und sandte die tobenden Wasser mit so rasender Gewalt über die Werft, daß die Framehäuser dröhnend aus ihren Fugen gehoben wurden. – Ein entsetzliches Lachen entfuhr ihm, als er diesen Greuel der Zerstörung schaute und den Fuß zum letzten Sprunge hob.

»Herr!« rief es auf einmal aus der halb geöffneten Türe der schmutzigen Kneipe mit rohem Gelächter, »habt Euern Hut verloren!« – Und ein Dutzend Stimmen fiel mit Roßgewieher ein: »Hat seinen Hut verloren.«

Und Köpfe streckten sich zugleich durch die Türe und durch die Fenster, um den merkwürdigen Mann zu schauen, der es wagen konnte, in der geregelten Bruderstadt ohne Hut auf dem Kopfe in den Straßen umherzulaufen.

Wir Philadelphier sind nämlich ein sehr ordnungsliebendes, geregeltes Volk, das seinen Hut fest auf dem Kopfe trägt, und es war daher kein Wunder, wenn der Zuruf den Jüngling auf einmal wie festbannte. Er stand, als wäre er von einer unsichtbaren Zauberhand berührt; dann zuckte er zusammen und schwankte einen Schritt seitwärts.

»Fest Steuerbord, mein Mann! Seid einen ganzen Strich aus Eurem Laufe«, schrie der eine der Kneipengäste.

» D–n your eyes JimV–t seien deine Augen, James. fiel ein anderer ein; – »geht Südost bei Ost; gerade zur Hölle.«

»Ein Verdeckpassagier, dem der Faden ausgegangen«, brüllte ein dritter.

Diese laut gebrüllten Worte machten den Jüngling laut aufschaudern. Er trat wieder einen Schritt zurück.

» Pshaw!« gellte eine frische Stimme, und ein Kopf streckte sich abermals aus der Türe der Rumkneipe. »Ich wette fünf Smallers, der spließt sich mit der Salzbraut zusammen.«

»Sauft ein paar Gallons Erbsenwasser«, schrie ein anderer.

»Er sauft nicht«, überschrie sie ein dritter, der aus der Türe und dem Jüngling näher getreten war, dem er, ohne ein Wort zu sagen, die Hand auf die Schulter legte. »Seid auf der Leeseite So viel als links, in falscher Richtung., mein Mann! Wollt Euch mit der nassen Braut zusammenschließen? May I be d–d to hell if you shall Mag ich zur Hölle v–t werden, wenn Ihr dürft.. Und er sauft nicht«, schrie er, indem er dem Jüngling beide Hände auf die Schulter legte.

Dieser stand, ohne ein Wort zu sagen; aber seine Brust hob sich hörbar, und ein grausiges Stöhnen verkündete den entsetzlichen Kampf, der in seinem Innern tobte.

»Er sauft nicht«, rief der Mann wieder. »Was gilt's, zehn Smallers?«

»Es gilt, er sauft«, brüllte es aus der Türe mit rasendem Gelächter.

Und die ganze Bande Matrosen war bei den verschiedenen Ausrufungen, die gleich Schlagwörtern aufeinander gebrüllt wurden, aufgesprungen und getaumelt und drängte sich durch die Türe an den Jüngling heran, der noch immer wie leblos dastand.

»Kürzt seine Steigbügel«, rief der eine.

» D–n your eyes, if it aint a gemman« V–t seien Eure Augen, wenn das nicht ein Gentleman ist., der andere.

Unter diesen Worten war ein halbes Dutzend an den Jüngling herangekommen. Eine Stimme schrie im Tone höchsten Erstaunens: D–n your eyes, d'ont you see, it is Captain Morton. V–t! Seht Ihr nicht, daß es Kapitän Morton ist?«

» Captain Morton of the Mary« Kapitän Morton von der Mary., schrie ein anderer. » Captain of the Mary, ein so schönes Schiff, als je im Erbsenwasser schwamm.«

»Kapitän Morton, brauchen Sie ein halbes Dutzend Kernjungens, sind gestern von der Aspasia abbezahlt worden. Aber mit Ihnen, bei Gott! wollen wir und sollten wir unsere Dollars noch heute versilbern.«

»Gehen wir alle!« riefen alle.

Und in demselben Augenblick hielten auch alle inne, und die Stimme war ihnen wie abgeschnitten. Die Matrosen hatten nämlich den Jüngling so umgeben, daß die Strahlen der Lichter aus den Kneipenfenstern sich in seinem Gesichte brachen. Dieser Anblick hatte ihnen die Sprache auf einmal benommen. Es war etwas in diesem Gesichte, das furchtbar sprach. Es lag eine Riesenkraft in diesem Gesichte, aber auch ein Riesenschmerz in dem gräßlichen Hohne, der sich auf Stirne und um die Lippen hingelagert hatte. In diesem stieren Blicke, diesen zusammengepreßten bleichen, blauen Lippen und ihrem kalten Hohne stand die Resignation des Todes mit entsetzlicher Deutlichkeit geschrieben.

Die Matrosen stierten ihn eine Weile an, sprachlos, keines Wortes mächtig.

»Kapitän Morton!« hob endlich einer leise und wie furchtsam an.

» She is lost, the Mary is lost«, murmelte der Jüngling in sich hinein.

»Kapitän Morton, das wissen wir nicht«, sprach ein anderer in demselben dumpfen Tone; »bei Gott! wir wissen es nicht. Haben aber unsere Hängematten da bei Beattie aufgeschlagen, trinken unsern steifen Grog, Tom, Jones, Ned, James, Micke und Ben, und da schreit Ben etwas von einem, der seinen Hut verloren, und denken, Sie sind einer der Verdeckspassagiere oder auch Kajütenabenteurer, die das Passagegeld schuldig geblieben sind, und die da kommen –«

»Man weiß nicht woher«, fiel ein anderer bekräftigend ein.

»Und gehen«, fuhr ein vierter fort, »man weiß nicht wohin.«

»Und so wetteten wir auf eine glückliche Fahrt. Hätten wir aber gewußt, daß Sie es sind, Kapitän Morton, dann freilich –«

»Kapitän Morton fürchtet nicht 's Erbsenwasser, so es gesoffen sein muß. Ist ein Seemann und ein geborener Bürger.«

»Aber kein Bürger sauft Erbsenwasser, solange noch Grog und Toddy zu haben sind.«

»Hast deine zehn Smallers gewonnen, Tom«, fiel ein anderer ein. »Wer wird auf einen Bürger wetten?«

»Kein Bürger sauft Erbsenwasser, wenn's nicht sein muß; überläßt das den Franzosen und den v–ten Briten!«

Und der Jüngling sah auf einmal verlegen und wie beschämt die Matrosen an, und der Schauer fing an, ihn zu fassen. Es war der Todesschauer, der mit der Scham und dem Leben kämpfte.

»Morton!« riefen auf einmal mehrere Stimmen.

»Morton, um Gottes willen, Morton!« jammerte eine Silberstimme, und zwei der schönsten Hände umfaßten des Jünglings Hals und hingen sich um ihn, und die Gestalt umklammerte ihn wie zum Leben und Sterben.

»Morton!« rief das bildschöne Mädchen. – »Morton, was tun Sie, um Gottes willen? Und Morton, Sie wollten? – Morton! Morton! Sie könnten –?«

Und das ätherische Wesen, das kaum sechzehn Jahre zählte, hing, eine süße Last, am Halse des stierenden Jünglings und schien ihn zur Erde ziehen zu wollen, auf daß er ihr nicht von dieser entfliehe. Eine gewaltige Welle schlug über die Werft heran und hüllte die beiden in ihr nasses, kaltes Kleid.

Sie fühlte es nicht – ihr Auge hing an dem seinigen; dann schauderte sie zusammen. In der Todesangst um den schönen Flüchtling hatte sie Pelisse, Schal und Hut vergessen und war im leichten Logenkleide durch den Sturm und Hagel geeilt, ihn zu retten. Sie zitterte an allen Gliedern, indem sie rief: »Morton! Um Gottes willen, Morton!«

» She is lost«, murmelte Morton – » it is too late, she is lost – all is lost. Sie ist verloren. – Es ist zu spät. – Sie ist verloren. – Alles ist verloren.«

» Who is lost? Wer ist verloren?« rief einer der Begleiter der jungen Dame.

» She is lost«, murmelte er wieder, indem er mechanisch auf den schwarzen Strom deutete. – » She is lost

»Aber mein Gott!« fiel ein anderer ein. – »Morton, was soll das? Was träumt dir, was fällt dir ein? Sie ist kaum vor vier Tagen unter Segel gegangen, deine Mary; ein funkelnagelneues Schiff, kaum drei Jahre alt. Was träumt dir ums Himmelswillen? Morton, was ficht dich an? Zum Teufel mit deinen Träumen und Ahnungen!«

»Kapitän Morton,« fiel einer der ältern Matrosen ein, »haben Sie das Seegespenst gesehen?«

»Ist Ihnen das Seegespenst erschienen?« riefen die Matrosen alle.

Der Jüngling murmelte bloß: » She is lost. I tell you, she is lost

»Morton!« riefen die drei Freunde; »ums Himmels willen! Morton, sei ein Mann! Im entscheidenden Momente der Vorstellung läuft er davon, von wegen einer Ahnung, weil ein Gekrach und ein Pfeifen sich im Theater hören läßt, und Sturmesgeheul.«

»Was sich ganz natürlich erklären läßt; denn seit Jahren hatten wir keinen so entsetzlichen Nordoster.«

»Ist Ihnen das Seegespenst erschienen, Kapitän Morton?« fragte wieder einer der Matrosen kopfschüttelnd; »das Seegespenst? Und dachten Sie in dem Augenblick an die Mary?«

Morton sah den Matrosen starr an und nickte in stummer Verzweiflung.

»Ich glaube, Leute, Ihr seid alle verrückt«, schrie einer der Freunde.

Die Matrosen brummten ein » damn ye!« und sahen den Sprecher seitwärts an.

»Soll mich die Katze kneipen,« hob einer an, »aber der Landkrebs da, Jungens?« Und er ballte beide Fäuste.

»Und wenn wir halb über Bord sind, Sir – damn ye, Sir V–e Sie Gott, Herr. – so sind es unsere Dollars, Sir, und wir sind in einem freien Lande, Sir!«

»Hoffen wir, Sir!« fiel ein dritter ein.

»Und ah, die Mary war ein prächtiges Schiff«, ein vierter.

»Als je im Winde ging«, bekräftigte der erste; »schwamm wie eine Ente, war eine Freude am Rade zu stehen; konntet sie just mit dem Daumen und Zeigefinger drehen, wohin Ihr wolltet, bei Gott!«

»Arme Mary!«

»Nun, auf meine Ehre! Ihr seid alle verrückt«, rief wieder einer der Freunde.

»Wollen dich verrücken, du gottv–ter Landkrebs«, schrien mehrere, und ihre Fäuste ballten sich; doch Tom und Jim nahmen zum Glück großmütig die Partei des Mannes.

»Halt, Mister Broadhend!« brüllte Jim. »Glauben Sie, was Sie wollen, aber wollen Ihnen sagen –«

»Glauben, ein Schiff ist just so ein Ding von Holz und Eisen, das keine Empfindung hat? Sag' Ihnen aber,« schrie Tom, » damn ye, es hat mehr Empfindung –«

»Als so ein v–ter Landkrebs, wie Ihr seid«, fiel ein anderer ein.

»Und so hat es«, schrie ein dritter; »und lassen Sie sich sagen –«

»Aber, liebe Männer!«

» D–n ihre lieben Männer. – Wer sind liebe Männer? Sie gottv–ten lieben Männer!«

»Pah, könnte Ihnen mehr erzählen: als ich mit der Sarah Tompkins letztes Jahr in der Südsee war. Eine prächtige Fahrt, war zwei Jahre zwei Wochen aus. Mein Anteil betrug fünfhundert Dollars Der Anteil der Matrosen an Südseewalfischfängen beträgt in der Regel 3-500 Dollars, öfters auch mehr.. He! –«

»Bei meiner Seele!« schrie der Freund.

»Halt, Gentlemen!« überschrie ihn der Matrose – »doppelten das Kap Horn. Sahen da der verdammten Mutter Careys Hühner Mother Careys Chicken – Sturmvögel., und mitten unter diesen –«

»Bei meiner Seele!« riefen die drei Freunde, »da stehen wir, Narrheiten anzuhören, und Miß Georgiana erfriert uns in den Armen.«

Es war wirklich hohe Zeit, in die erstarrten Glieder des holden Geschöpfes erwärmende Bewegung zu bringen. Sie hing mehr leblos als lebendig in den Armen des Jünglings, der, noch immer alles um sich her vergessend, wild auf den tobenden Delaware stierte. Die drei Freunde lösten sie von seinem Halse, hüllten sie in einen Überrock und schlugen dann so eilig, als es der leidende Zustand der beiden erlaubte, die Richtung nach Chesnutstreet ein.

»Mister Broadhend, Mister Philipps, – ho! Ihr v–ten Landkrebse, Ihr!«

»Seid keine Seemänner, keine Seemänner, – wollen Seemänner sein, und glauben nicht an das Seegespenst. Hat Kapitän Morton das Seegespenst gesehen, gebe ich ihm keine fünf Smallers für seine Mary.«

»War aber doch ein verdammt sauberes Ding, die Mary.«

»Ging so prächtig im Wind.«

»Machte ihre dreizehn Knoten mir nichts, dir nichts, keine Fuge, kein yard arm wich.«

» Halloo! Polly, Molly, dear chuckies! Haben zehn Smallers zu vertrinken, Holla, Polly, Molly, dear chuckies! Hurra! We live in a free country He da! Polly, Molly, teure Schnäbleins – wir leben in einem freien Lande.

Die Polly, Molly, dear chuckies sprangen aus der Kneipe, legten ihre Arme um die Nacken ihrer Beaux und zogen sie unter dem Gebrülle: »Tom Taylor hat seinen Hut verloren« in die Kneipe.

Zwischen den schwarz aufgepeitschten Fluten des Delaware und den liebreizenden Hoffnungen, die sich in den tränenfeuchten Augen der holden Georgiana spiegelten, der glänzenden Chesnutstreet, deren prachtvolle Marmorpaläste ihnen nun entgegen traten, und der ekelhaften Kneipe, deren schmutzige Ecke das Ziel der irdischen Laufbahn des lebenskräftigen Jünglings werden sollte, lag eine Welt von Abstand, und doch wieder nur ein kurzer Schritt. War es das Furchtbare, das in der Idee des Selbstmordes liegt, das Grausen, das bei dem Anblick des Selbstmörders selbst den Starkgeformten ergreift: die Freunde waren mit allen Symptomen unbezwingbaren Schauders und höchster Aufregung neben dem Jüngling einhergeschritten; Georgiana hatte seinen Arm fahren lassen und schwankte halb getragen zwischen den stummen Männern hinauf, Blicke auf ihn heftend, aus denen Abscheu und Entsetzen zu sprechen begannen. Sie waren an einem glänzenden palastartigen Hause in der Mitte der Straße angekommen, als sie am Fuße der Marmortreppe wie leblos zusammensank. Einen Blick der verletzten Weiblichkeit und namenlosen Leides warf sie noch auf ihn, und dann schloß sie die Augen, als fürchte sie den Selbstmörder länger zu schauen. Er aber lächelte bitter, blickte die beiden Freunde mit stieren Augen an, wie sie die Ohnmächtige in das Haus trugen, und schritt dann weiter. Einer der Freunde war ihm gefolgt. Am obern Ende der Straße bogen sie in eine Seitengasse ein und hielten dann vor einem kleinen Hause. Der Freund zog die Klingel, und es erschien ein alter Neger, in der einen Hand ein Licht, in der andern ein versiegeltes Billett.

»Massa Verdorben, statt Mister oder auch Master.!« sprach der Schwarze. »Massa! Wo haben Ihren Hut gelassen? Massa! Was werden die Philadelphier sagen, wenn Massa ohne Hut herumlaufen sehen? – Massa Brown aus Merchants Kaffeehause Ihnen das gesandt.«

Der Jüngling riß das Billett auf und las: » Lost near Cap Hatteras the fine vessel Mary, bound to Veracruz, men saved Ging verloren nahe am Kap Hatteras das schöne Schiff Mary, nach Veracruz bestimmt. Die Mannschaft ist gerettet.

Und ein höhnisch-bitteres Lächeln zuckte wieder um seinen Mund, als er dem Freunde im wahnsinnigen Triumphe die Zeilen vor die Augen hielt.

Dieser durchlas sie kalt.

»Mache deinem Herrn starken Tee und bringe ihn zu Bette«, sprach er, und dann wandte er sich und verließ das Haus.

Der Neger schüttelte den Kopf.

»Massa!« rief er, indem er den Herrn, der in dumpfer Bewußtlosigkeit auf die Treppe hingesunken war, aufrichtete. »Massa!« rief er nochmals. Doch dieser gab keine Antwort. Auf einmal sprang er auf, ballte die Faust, schlug sich vor die Stirne, und ein gräßliches Lächeln zuckte um seinen Mund.

»Massa!« sprach der Neger. »Wo haben Ihren Hut gelassen, und was da haben für einen Teerhut? Meiner Seele, des Tom Taylors Teerhut sein, sein Zeichen darin stehen. Tom Taylors Hut sein, den Massa in Havre just vor Neuyork-Hotel aus dem Wasser gezogen. Massa, ehe acht Tage vergehen, einen Trip Trip – Ausflug. nach Havre machen. Massa der Hut Glück bedeuten; Massa frisch auf – nicht alles verloren sein.«

Der Jüngling nahm den Hut mechanisch vom Kopfe.

»Sattle mir den Cyrus!«

»Massa, ums Himmels willen! Elf Uhr sein. Was mit Cyrus wollen in diesem Wetter? Cyrus überritten werden. Wie Cyrus auf dem Longisland Races Die berühmten Pferdewettrennen, neun Meilen von Neuyork. bestehen?«

»Wir sind in einem freien Lande; sattle mir den Cyrus.«

Der Neger ging, den Cyrus zu satteln; der Jüngling warf einen andern Hut auf den Kopf, den Mantel über den Rücken, und eine Stunde darauf hatte er die Bruderstadt zwanzig Meilen hinter sich.

»Pah, wird doch noch irgendeinen Fleck in der Union geben, wo der Enkel von – n sich ungestört ersäufen kann«, murmelte er zwischen den Zähnen.

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