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Morgenländische Märchen

Wilhelm Ruland: Morgenländische Märchen - Kapitel 52
Quellenangabe
typefairy
authorWilhelm Ruland
titleMorgenländische Märchen
publisherGeorg Müller
year1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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projectid3c092c45
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Der Wanderer von Bagdad

Es lebte ein Mann in Bagdad, der große Reichtümer besaß; aber sein ganzer Reichtum ging verloren, und er wurde zum Bettler. Eines Nachts, während er sich unruhig auf dem Lager wälzte, sah er im Traum jemand, der zu ihm sprach: »Wahrhaftig, dein Glück ist in Kairo, dorthin solltest du gehen.«

Am folgenden Morgen rüstete er sich und wanderte nach Kairo. Es war Abend, als er anlangte, und er ging in eine Moschee, um zu schlafen. Neben der Moschee stand ein Haus, und Gott (dessen Name gelobt sei) fügte es, daß Diebe in die Moschee eindrangen und von dort in das Nachbarhaus schlichen, um zu stehlen.

Aber die Bewohner jenes Hauses hörten den Lärm und erhoben ein Geschrei, worauf der Wali mit den Wächtern erschien. Und die Diebe ergriffen die Flucht. Dann trat der Wali in die Moschee ein und fand dort den Menschen von Bagdad, welcher schlief. Und er ergriff ihn und ließ ihn mit Ruten peitschen, so daß er zu sterben vermeinte; dann schleppten sie ihn ins Gefängnis, wo er drei Tage eingekerkert blieb.

Hierauf ließ ihn der Wali zu sich rufen und fragte ihn: »Von welchem Land bist du?« »Von Bagdad«, antwortete jener. »Und aus welchem Grunde bist du nach Kairo gekommen?« Jener antwortete: »Ich sah im Traum einen Menschen, der sprach zu mir: ›Wahrhaftig, dein Glück ist in Kairo. Dorthin solltest du gehen.‹ Und als ich nach Kairo kam, fand ich, daß das Glück, von dem jener gesprochen, in den Rutenstreichen bestand, die du mir hast verabreichen lassen.«

Da lachte der Wali so laut, daß seine Diener herbeistürzten, und er sprach zu dem Mann: »Du hast wenig Weisheit; ich habe dreimal hintereinander einen Menschen gesehen, der mir sagte: ›Wahrhaftig, in Bagdad ist ein Haus an einer gewissen Stelle, und so sieht es aus, und dieses Haus hat in seinem Hof einen Garten; darin ist ein Brunnen, und in dessen Tiefe liegt ein großer Schatz: Gehe hin und hole ihn!‹ Aber ich bin nicht hingegangen. Du aber, dessen Weisheit nicht allzu groß ist, wanderst von einer Stadt in eine andere, einer Sache wegen, die du im Schlaf gesehen hast, und die nichts anderes ist als das Gespenst verwirrter Träume.«

Dann gab er ihm ein Geldstück, damit er in seine Heimat zurückkehren könne. Der Mann nahm es dankend an und kehrte nach Bagdad zurück. Und er grübelte über das, was er gehört hatte, und es ergab sich, daß sein Haus jenes war, das der Wali beschrieben hatte. Er schritt in den Garten zu dem Springbrunnen, untersuchte dessen Tiefe und fand dort einen großen Schatz. Er lobte Gott über diese wundersame Verkettung der Dinge.

*

 

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