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Montecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel

Fritz Reuter: Montecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleMontecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel
authorFritz Reuter
firstpub1868
year1891
publisherHinstorff'sche Hofbuchhandlung Verlagsconto
addressWismar
titleMontecchi un Capuletti oder De Reis' nah Konstantinopel
pages213-223
created20050126
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Fritz Reuter

De meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti

oder

De Reis' nah Konstantinopel.

Von

Fritz Reuter.

Besonderer Abdruck aus der Volks-Ausgabe der sämmtl. Werke.

4. Auflage.

Wismar.
Hinstorff'sche Hofbuchhandlung Verlagsconto.
1891.

An minen leiwen Fründ, Gisbert, Friherr von Vincke.

            De Einen säden: 't is en Fluß,
De Annern säden: Hexenschuß,
De Drüdden säden: 't is de Gicht,
Ok Rheumatismus is 't villicht.
Mi dücht, de Nam' is einerlei,
Wenn Einen recht dat Krüz deiht weih;
De Nam' verdriwwt Di keine Pin,
Un ok woll nich de Medizin.
Ne, ganz wat anners möt dat sin. –

Wenn Einer up den Rücken liggt,
Vör Weihdag' binah lud'hals' schriggt,
Un 't kümmt tau em en leiwen Mann
Un sett't sick an sin Bedd heran
Un redt mit em en fründlich Wurt,
Slickt sick de Weihdag' sachten furt.. –

Dat hest Du dahn vör en por Johr.
As richt'ge Dokter sattst Du dor,
As dunntaumal de Hex mi schaten.
Dunn redst Du fründlich, unverdraten
Von dit un dat un denn noch wat,
Un all de Weihdag', de ick hatt,
De gung dor so bi lütten fläuten
Vör Dine truen Fründlichkeiten. –

Dunn heww ick 't so bi mi bedacht:
Din true Gaudheit ded dat sacht,
Un ded tau mine annern Gören
Dat jüngste ut de Döp mi böhren.
Un is de Jung' ok noch so dumm,
Denn helpt dat nich! Nu Vadder kumm!
En gauden Nam' kann doch nich schaden –
Un Din, süh, de geföllt mi sihr –
Un tau 'ne lust'ge Kindelbir,
Dor will'n w' de Rezensenten laden.

Isenack, den 18sten in den Augustmand 1868.

Fritz Reuter.

Je, Rostock! – Jeden Meckelnbörger geiht dat Hart up un männigmal ok de Geldbüdel, wenn von Rostock de Red' is. Wat in ollen Tiden Tyrus un Sidon was för de Welt wegen den Handel, wat vördem Athen was för de Welt wegen Kunst un Wissenschaft, dat is up Stunns Rostock för den Meckelnbörger, un Warnemünn' is sin Piräus, un 't SpillWinde, Spindel, Gangspill. Auf dem westlichen, in die Ostsee vorragenden Hafendamm vor Warnemünde befindet sich eine solche Winde großen Maßstabes, um bei schwerem Wetter Schiffe vermittels eines Taues in den Hafen zu befördern. Nach dieser Winde wird auch der ganze Hafendamm Spill genannt. müßt eigentlich Sunium döfft warden, un dor, wo 't nah Papendörp 'rute geiht, müßt de Akropolis stahn, un unner de Swibbagens von dat Rathhus müßt Aristoteles mit sine Schäulers ümmer up un dal, up un dal gahn, ahn dat em en KrewtKrebs; die Rostocker Stadtsoldaten (Polizeidiener) trugen früher eine rothe Uniform und wurden deshalb spottweise »Krebse«, später, in blauer Uniform, »Hechte« genannt. wat tau befehlen hadd.

De Landmann seggt: »en beten nah Rostock führen«, de Avkat seggt: »en beten nah Rostock führen«, un wenn wi des' beiden Stänn' in Meckelnborg in 't Og' fat't hewwen, denn bruken wi uns üm dat, wat de annern seggen, nich vel tau bekümmern. – De Seestadt Rostock is de Up un Dal-Sprung för jeden richtigen Meckelnbörger. – Ok min Upsprung is sei mal west, as ick von de groten Schaulen mal 'ne Tram' höger up de Universetät hüppen ded; æwer dat is all lang' her, un wi weiten uns nich mihr recht dorup tau besinnen, vör Allen nich up Professer Elwersen sine Institutschonen. Aewer dat weit ick doch noch, dat wi Studenten en idel lustig Lewen führen deden, dat wi uns bi Nachtslapentid mit de Krewt 'rümme jogen, dese ollen, braven, städtschen Krigsknechts, de dunn nich mihr roth, ne, all blag wiren, un dat wi ok Finstern insmeten. Wi lös'ten de grote, sociale Frag' un stift'ten 'ne ›Allgemeinheit‹ unner uns, de de ßackermentschen Constantisten un Vandalen schändliche Wis' de ›Gemeinheit‹ näumen deden. Wi lös'ten noch annere sihr wichtige Fragen, wenn wi in unsere ›Kränzchen‹ tausamen seten, tau 'm Exempel up mine Stuw' de wichtige Frag': ›Was ist die Ehre?‹, würden æwer so bald nich slüssig doræwer, as Sir John; æwer mi treckten sei dorbi 'ne Kus' ut, denn, as mine allgemeinen Frünn' von mi furt gungen, hadd ick as Voß ›die Ehre‹, de Zech tau betahlen. Wi gungen mit Fackeln von Korlshoff in de Stadt herin un sungen dat erhebende Lied: ›Höret die Geschichte von der Wasserfluth‹, un as wi up den ollen Mark kemen gegen den ollen, scheiwen Petrithorm, dunn wiren de Vers' all, un ick makte in de Geschwindigkeit noch einen dortau:

»Da schickt der Noah 'ne Taub' hinaus,
Die bracht' en grünes Blatt nach Haus.«

Un wat uns' Öbberst was, de sel Pastor Knitzky tau Groten-Varchow, de kamm nah mi 'ranne un kloppte mi up de Schuller un säd: so süll ick man bibliwen, denn würd woll wat ut mi warden, un wenn ick so 'ne Vers' mihr maken künn, so smet dat en Licht up de Allgemeinheit, un 't gereikte ehr tau 'ne Freud' un tau 'ne Ihr; un ick makte denn ok noch fix en Stückerner fiw Vers' wider, de ick æwer – Gott sei Dank! – vergeten heww; un ick glöwte em dat ok All ihrlich tau, denn ick was man Voß, un hei was all in sin achtes Semester. Un dunn treckten wi up den nigen Mark un smeten uns' Fackeln up en Hümpel un sungen: »Freiheit, die ich meine«, un de Krewt stunnen üm uns 'rüm, säden æwer nicks; un as sei nahsten fragt wiren, worüm sei nicks gegen den Stratenspektakel dahn hadden, hadden sei jo seggt, 't wir tau fierlich west, sei hadden 't dauhn wullt, æwer as sei 't hadden dauhn wullt, dunn hadd dat Lied ehr æwernamen, un 't wir ehr ordentlich den Puckel dalkrapen. – So was 't dunn; æwer 't is all lang' her, un Vele, de dunn up den Ball, den wi de braven Rostocker Philisters bi Schleuders gewen, un up den de olle, gaude Professer Fritsche noch fröhlich nah de Melodie danzte: »Ich und mein Fläschchen sind immer beisammen«, danzen nu nich mihr, un annere Tiden sünd nu æwer de Welt kamen. –

Ok för Rostock sünd annere Tiden kamen, ick will hoffen: betere; denn in Rostock is sörredeß 'ne Inwanderung gescheihn, de vel in den Munn' führt, wat grad' nich nödig wir, æwer sei führt ok vel in de Tasch, un dat is ümmer nödig. Dat is de Inwanderung von de Fetthamel, de uns eben so vel tau raden upgiwwt, as de Inwanderung von de Hyksos in Aegypten, de Herakliden in den Peloponnes, de Ziguner un Juden in Europa. – As ick in Rostock in den Anfang von de dörtiger Johren noch begäng' was, kemen sei all vör, æwer man sprangwis so tau Termins- un Pingstmarks-Tiden.zu Termins- und Pfingsmarkts-Zeiten. In Mecklenburg sind der Antoni- und Johannestermin (17.–23. Jan. und 24.–30. Juni) die landesüblichen Termine für Abwickelung der hypothekarischen Geldgeschäfte, in Anlaß deren, wie bei dem 14tägigen Pfingstmarkt in Rostock ein besonders lebhafter Fremdenverkehr stattfindet. Ehre Hauptinwanderung möt so, nah minen dummen Verstand un Aewerslag, in de virtiger Johren fallen un hett sörredeß ümmer taunamen. – Nu willen æwer anner Lüd' ok woll girn weiten, wat dit för 'ne besondere Ort is, un wil dat sick nu de Ansicht in 'n Allgemeinen fast sett't hett, dat de plattdütsche Sprak sick nich tau gelihrte Saken paßt, so will ick de Beschriwung von den richtigem Fetthamel ut 'ne hochdütsche Naturgeschicht afschriwen un hir her setten. – »Der gemeine Fetthammel (caper ovinus pinguis, genuis: homo, Linné) weicht im Aeußern nur wenig von seinen stammverwandten Arten ab, so daß viele Naturforscher keine besondere Species in ihm erblicken wollen, dem wir jedoch nicht beistimmen können, weil er sich durch Lebensweise und Gewohnheiten hinlänglich unterscheidet. Wenn er geht, geht er auf zwei Beinen, seine Bewegungen sind langsam und bedächtig, die Hände legt er in den Schoß; im ungereizten Zustande ist er ganz ungefährlich, im gereizten kann er bösartig werden. Die Nackenmuskeln sind bei ihm sehr ausgebildet, weswegen er denn auch gezwungen ist, Kopf und Nase sehr hoch zu halten. Er ist im Ganzen von langweiligem und verdrießlichem Naturell, nur zur Futterstunde wird er aufgeweckt. Er lebt in Herden in der SocietéSocieté, stattliches Gebäude einer geschlossenen Gesellschaft gehörig, die besonders Kaufleute, Gelehrte und Rentiers zu ihren Mitgliedern zählt. und am Markt in der Sonne bald über und bald unter der Erde, im Tunnel. Kunstsinn ist ihm nicht ganz abzusprechen, er läßt sich an seinen Wohnplätzen des Abends im Zwielichten Walzer und Schottische vorspielen, liebt auch Bilder, wenn sie bunt und in Kartenformat sind. Von den Wissenschaften hält er nichts, es sei denn die Rechnenkunst; der Metallreiz verfehlt nie seinen Eindruck auf ihn zu üben; schneidet auch coupons.« Dit seggt de hochdütsche Naturforscher; de Hauptsak æwer vergett hei, hei seggt nicks von de swore Last, de dese armen Minschen tau dragen hewwen, nicks von de grote Arbeit un de velen Geschäften, de up ehr liggen. – So as de Fetthamel des Morgens sin ›blühendes Lager‹ verlett (as de oll Homer seggt), denn geiht sine Noth an. Irst möt hei Koffe drinken, un sine leiwe Fru fängt sick mit em an tau schellen, dat hei sick mit Koffebohnen hett anführen laten; denn möt hei Winters un Sommers 'rute un möt de Häuner faudern, sin Nahwer faudert denn sine Kuhnen, un de drüdde Nahwer sine Ahnten un Gäus', un de virte sine Duwen; en beten Veih möten sei æwerall üm sick hewwen. Wenn dit tau Schick is, geiht hei ut, geiht nah 'n nigen Mark un fröggt, wat de Botter gelt, wat de Tüften gellen, wat dat Bund Peiterßill gelt. Dit deiht hei nich tau sinen, dit deiht hei tau 'm besten von de ganze Welt, dat Handel un Wandel nich stockt; hei köfft des Morgens noch nich glik, indem dat gegen Middag, wenn de ollen Wiwer sick mör seten hewwen, wollfeiler warden möt. Hei geiht de Blaudstrat dal nah den Hoppenmark un fröggt nah de Kurnpris', dat heit quantswis; hei ward jo doch kein Narr sin un Kurn köpen, hei kriggt jo naug Kurn von sinen Herrn Sæhn Krischan, de nu dat Gaud bewirthschaft't. Hei geiht wedder t'rügg un föllt in den Tunnel un möt nu dor abslutemang wat vertehren; hei mag nich recht, æwer dennoch: hei is sinen Stand dat schüllig, hei is fruges comsumere natus un so ett hei Frühstück. Jochen Bohm seggt tau em: »Kumm mit nah Kopmann Berkholzen, dor is Ohm un Sohm un Drohm ok, will'n uns dor en beten vertellen«; un hei geiht mit, un dor sitten sei nu bet Middag den armen Kopmann, de ok sine Geschäften hett, up de Wracksid, hollen den Mann von de Arbeit af un fragen nah Geld un Kurnkurs. – Wenn hei denn æwer den nigen Mark nah Hus geiht un de Botter wollfeil köpen will, denn is sei weg – de ßackermentschen Upköpers! Dor künn de Polizei doch ok woll wat gegen dauhn: »Warum keine Prügelbank für die Kerls einrichten?« – Nu geiht hei in Sorgen, wat sine leiwe Fru seggen ward, tau Hus. Ja hei hett sine swore Last! – Sine Fru seggt hüt nicks, denn sei is sihr in Angst, dat hei mit Botter andragen kümmt, un dat künn ehr nich passen, Herr Sæhn Krischan hett weck von dat Gaud schickt. – De Fauderstunn' geiht denn ok ganz fidel hen. – Nah Disch möt hei en beten rauhn up de vele Arbeit; hei will dat Bauk lesen, wat hei sick vör en Wochener vir ut de Leihbibliothek halt hett, un wat sick betitelt: ›Ueber die Slechtigkeit der Menschen und der menschlichen Einrichtungen‹; æwer hei slöppt dorbi in, denn de Kirl seggt em nicks Nig's; dat, wat de seggt, weit hei all lang' ut eig'ne Erfahrung. – Ja, de Minschen sünd slicht, slicht, sihr slicht, un hei slöppt den Slap der Gerechten. Wenn hei denn mäuhsam upwakt, denn follt em in, dat dat sine Schülligkeit is, sick för sine Fomilie tau erhollen, un dat de Dokter seggt hett, hei müßte wegen Korthalsigkeit spaziren gahn. Na, nah so vel Arbeit kann hei sick ok woll 'ne lütte Verlöschung günnen; hei geiht up den Wall spaziren, nu wenn 't dull kümmt, ward hei en Strandlöper. Ohm un Bohm un Sohm un Drohm kamen em entgegen, un as hei dit fründschaftliche Publikum üm sick hett, fängt hei an tau reden un redt as en Bauk, hei stört't sick tau 'm Besten von de Minschheit un de Seestadt Rostock ahn Besinnen köpplings in de städtschen Angelegenheiten, hei makt up den Wall de prächtigsten nigen Anlagen, haut hir Böm af un plant't dor wedder weck hen, hei bugt för de gauden Rostocker de schönsten städtschen Gebüde, hei verwalt't de ganze Kämmeri un löppt in de Rostocker Haid' as Holtwohrer 'rümmer, un tauletzt sett't hei den Herrn Senator Blanken as irsten Burmeister in; Allens för ümsünst, ahn dat hei einen Gröschen Gehalt verlangt. Wenn hei dit taurecht hett, smitt hei sick up dat ganze Land Meckelnborg un seggt tau den Großherzog: »Königliche Hoheiten, nemen S' nich æwel, æwer ick help Sei en beten bi 't Regiren.« Un ick weit nich, wenn ick so Großherzog wir, wat ick mi den Mann nich as Finanzminister tauläd: so 'n Fetthamel as Finanzminister müßte den meckelnbörgschen Staatskredit hellschen up de Strümp bringen. So wirkt hei nu 'rümmer un ward ›zu seiner Last noch And'rer Lasten tragen;‹ æwer angripen deiht dat doch, hei möt sick en beten verhalen, hei geiht also in de Societé un versammelt sick dor. Hei lett sick en Glas heites, forsches Gedränk gewen, wat hei ›Krock‹ näumt un sett't sick mit Ohmen un Bohmen un Sohmen an den Lommerdisch un arbeit't nu dor wedder förfötsch d'rup los. Ditmal nich tau 'm allgemeinen Besten, ditmal tau 'm Besten von sine Fomili, denn dat is hei ehr schüllig. – Is hei noch jung un en geburnen Fetthamel, dat heit so ein, de dat Geld von wegen sine Herrn Öllern her hett un sick bether sülwst mit dat Geldverdeinen nich afgewen hett, denn separirt hei sick gegen Klock hen tau teihn ut de Societé, sleiht den Kragen von sinen Mantäng æwer den Kopp, wegen de Polezei, un slickt un drückt sick dörch de Straten, bet hei dat Hus finnt, wo grad' denn' Abend swore Geschäften mit rechtsch un linksch bedrewen warden, un lett sick tau 'm Besten von de Minschheit dor utposen.

So deilt de richtige un brave Fetthamel sine schöne Tid schön in, in sure Arbeit un säute Wolldahten för de Minschheit. Dormit will ick æwer nich seggen, dat dat dormit bi Jedwereinen afdahn is; ne! weck leggen sick noch swore Lasten as Nebengeschäften up: so heww ick einen kennt, de hadd sick jo von de Rostocker Kämmeri de Jagd up den nigen Mark pacht't un schot nu dor den Dag æwer ümmer ümschichtig ut dat rechte un ut dat linke Näs'lock nah Sparlings 'rümmer, un wenn hei des Abends paddenmäud' in sin Bedd lagg, denn dankte hei unsen Herrgott för sine Gnaden, dat hei em so 'n schönes duwwellöpiges Gewehr midden in 't Gesicht sett't hadd. – Ja, de ein' bedriwwt dit, de anner dat as Nebengeschäft.

Aewer wat bedriwwst Du mit dese ganze Fetthameli? – Mine leiwen Frünn', wenn Einer en langen Strämel von en por Fetthamel vertellen will, denn möt hei irst seggen, wat dese Ort in 'n Allgemeinen beseggen will; Utnamen sünd jo dormit nich utslaten, un wenn Ji dit Blatt ümslagen willt, denn wardt Ji so 'ne Utnamen von de Regel ok finnen, un ick denk, Ji sælt mit dese Utnamen woll taufreden sin, tau 'm wenigsten mit dat ein' Part, un sei sülwst warden keinen Haß up mi smiten, wil dat ick en por lustige Geschichten von ehr vertellt heww. – »Und sollte noch Eener – ich glob' aber, es ward Keener,« as de Schüttenkönig tau Triptis hir in Thüringen in sine Red' säd; denn hei möt bedenken, wat sall up de Letzt ut mine ganze Schriftstelleri warden, wenn sick Keiner mihr ut pure Minschenleiw' dortau hergiwwt, dat ick mal von em reden darw. – Vertell ick 'ne Geschicht von en Eddelmann un en Riddergaudsbesitter, denn dreih'n sei mi den Rüggen tau un seggen: »Herr, Sie sind ein Demokrat, Sie scheuen weder menschliche noch göttliche Einrichtungen!« – Vertell ick 'ne Preistergeschicht, denn seggt de Ort: »Herr, Sie sind kein Christ, Sie sind ein Heide!« un de Pott is intwei. – Segg ick mal wat von de Burmeisters, denn seggt ein oder de anner von ehr: »Schämen S' sick wat! Dat 's en slichten Vagel, de sin eigen Nest besmutzt. – Sei sünd jo sülwst en Burmeistersæhn. – Mak ick mi mal an so 'n Schaulmeister un Semeristen 'ranner, denn heit dat: »Dat 's kein Kunst, so 'n gedrückten un geplagten Stand noch wider dal tau drücken!« un de Semerist sett't noch woll spitz hentau: »Sie glauben auch wohl, Sie sind was Besseres, als wir; aber Sie sind doch auch Schulmeister gewesen.« Un ick segg denn: »»dor hewwen Sei Recht. – Aewer – nemen S' nich æwel – Sei kamen ok in des' Geschicht vör, æwer nich bösortig, blot plesirlich.«« – Vertell ick mal von en Börger, denn seggt hei: »Herr, uns laten S' taufreden: Wi möten uns' Stüern un Afgawen dragen, un nu sælen wi sogor noch nahvertollen.«nachverzollen; beim Eintritt Mecklenburgs in den Zollverein, 1868, wurde von den zollpflichtigen Waaren eine die betreffenden Geschäftsleute empfindlich schädigende »Nachsteuer« erhoben. – So bliwen mi denn nu man blot noch de Buren un de Daglöhners æwrig, un de ollen Buren willen nu ok nich mihr ehren breiden Puckel herhollen, dat Einer dor lustig up danzen kann, un seggen tau so 'n Schriftsteller: »Snurrerwohr! Wi sünd de längste Tid dumme Buren west; wi warden nu Erbzins'pächters,Seit 1867 ist im Mecklenburgischen Domanium mit der allgemeinen Vererbpachtung der bis dahin im Zeitpachtbesitz gewesenen Bauerstellen begonnen. un dat klauke – Un de Daglöhners seggen: »So is 't recht! Wo de Tun am sidsten is, springen de Hunn' æwer. – Gahn S' hen nah de Annern, von uns is kein Fett tau halen.« Un de Lüd' hewwen Recht; worum sall ick mi in de Kathens von de misera contribuens plebs 'rümmer driwen, wenn ick en Flag weit, wo mi idel Fett entgegenbläuht? – Dorüm heww ick mi also mit de ollen Herrn bemengt, de sei Fetthamel nennen.

Un nu kümmt de Geschicht.

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