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Mexicanische Nächte ? Zweiter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Zweiter Theil - Kapitel 8
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typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Zweiter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
year1865
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VII.

Nach der Schlacht.

Cuellar rauchte gemächlich seine Cigarette; seine linke Hand ruhte auf seinem langen, auf den Boden gestützten Degen; es lag eine reizende Lässigkeit in der Art und Weise, wie er sich an der Thür des Salons aufrecht hielt, seine sanften Blicke umherschweifen und durch Mund und Nasenlöcher, mit der sinnlichen Begierde eines wahrhaft Genießenden, dichte, bläuliche Rauchwolken ausströmen ließ.

»Verzeiht, Sennores,« sagte er, »bevor wir weiter gehen, ist es nothwendig, uns zu verständigen, ich glaube Euch eine kleine Einwendung machen zu müssen.«

»Sprecht, Sennor,« erwiderte der Graf.

»Unterhandeln wir, das ist auch mein Wunsch; ich bin ein nachgiebiger Mann, wie Ihr seht, allein macht keine übermäßigen Forderungen, welche ich gezwungen sein würde Euch zu verweigern; denn ich brauche Euch nicht zu sagen, daß, wenn Ihr entschlossen seid, ich es nicht weniger bin, und wenn ich auch für Euch wie für mich einen vortheilhaften Vergleich wünsche, ich dennoch vorziehen würde, mich mit Euch in die Luft zu sprengen, als harten Anforderungen zu genügen, zumal ich glaube, daß ich früher oder später einmal so enden werde und demnach nicht böse sein würde, in so guter Gesellschaft zum Teufel zu gehen.«

Obwohl diese Worte mit lächelndem Munde gesprochen wurden, so täuschte sich der Graf doch nicht über den entschlossenen Ausdruck des Mannes, mit dem er es zu thun hatte.

»Oh! Sennor,« sagte er, »Ihr kennt uns schlecht, wenn Ihr voraussetzt, daß wir fähig wären, das Unmögliche zu verlangen, da indessen unsere Situation eine gute ist, so wollen wir daraus Nutzen ziehen.«

»Und ich stimme Euch durchaus bei, Caballero, aber da Ihr Franzose seid und Eure Landsleute Alles, auch das Gewagteste unternehmen, so habe ich es für meine Pflicht gehalten, Euch diesen Einwand zu machen.«

»Seid überzeugt, Sennor,« erwiderte der Graf, indem er dieselbe Ruhe, wie der Andere zeigte, »daß wir nur vernünftige Bedingungen fordern werden.«

»Fordern werdet!« wiederholte Cuellar, indem er einen besonderen Nachdruck auf diese beiden Worte legte.

»Meiner Treu, ja; wir werden Euch daher nicht verbindlich machen, uns die Hacienda wieder zu übergeben, denn wir wissen, daß wenn Ihr heute hinausginget, Ihr morgen den Angriff von Neuem beginnen würdet.«

»Ihr besitzt einen großen Scharfblick, Sennor; kommt jedoch zur Sache, ich bitte Euch.«

»Wohlan, Ihr werdet uns zuerst die armen Peonen, die dem Blutbad entgangen sind, ausliefern.«

»Darin sehe ich keine Schwierigkeit.«

»Mit ihren Waffen, ihren Pferden und das Wenige, was sie besitzen.«

»Ich gebe es zu, weiter.«

»Don Andrès de-la-Cruz, seiner Tochter, dem Haushofmeister Leo Carral, meinem Freund, mir und sämmtlichen in diesen Saal geflüchteten Frauen und Kinder soll freier Abzug, ohne jede Beunruhigung gewährt werden.«

Cuellar schnitt ein Gesicht.

»Ferner?« sagte er.

»Verzeihung, seid Ihr damit einverstanden?«

»Ja, und was außerdem?«

»Mein Freund und ich sind Fremde, Franzosen, Mexiko ist, soviel ich weiß, mit unserm Lande nicht in Krieg verwickelt.«

»Es könnte dahin kommen,« spottete Cuellar.

»Vielleicht, aber inzwischen sind wir in Frieden und haben ein Recht auf Euren Schutz.«

»Habt Ihr nicht gegen uns gekämpft?«

»Allerdings, aber es war eine rechtmäßige Vertheidigung; man griff uns an, folglich mußten wir uns vertheidigen.«

»Gut, gut, weiter.«

»Wir wünschen also, daß uns das Recht zugestanden werde, Alles, was uns gehört, mitnehmen zu können.«

»Ist dies Alles?«

»Beinahe, nehmt Ihr diese Bedingungen an?«

»Ja, ich nehme sie an.«

»Gut, so bleibt uns nur noch eine kleine Formalität zu erfüllen.«

»Eine Formalität! welche denn?«

»Die der Bürgen.«

»Wie Bürgen; habt Ihr nicht mein Wort?«

»Allerdings.«

»Was verlangt Ihr also noch mehr?«

»Ich habe es Euch gesagt, eine Bürgschaft. Ihr seht wohl ein, Sennor, daß ich das Leben meiner Gefährten und das meinige, ich werde nicht sagen Euch, denn ich habe Euer Wort, aber Euren Soldaten anvertrauen werde, welche, so tapfere Guerilleros sie auch sind, sich keinen Scrupel machen würden, so bald wir in ihre Hände fielen, ein Lösegeld für uns zu fordern und vielleicht noch Schlimmeres zu thun. Ihr befehligt keine regulären Truppen, Sennor, und so streng Eure Disciplin, in Eurer Cuadrilla sein mag, so bezweifle ich doch, daß dieselbe so weit geht, Eure Gefangenen zu respectiren, sobald Eure Gegenwart sie nicht schützt.«

Durch diese Worte des Grafen innerlich geschmeichelt, lächelte Cuellar anmuthig.

»Hm!« sagte er, »was Ihr da sagt, kann bis auf einen gewissen Punkt wahr sein. Kurz, welches sind die Bürgen, die Ihr verlangt, und wie viel sind deren?«

»Ein einziger, Sennor, Ihr seht, daß dies sehr wenig ist.«

»Sehr wenig, in der That, aber wer ist es?«

»Ihr selbst,« antwortete der Graf gerade heraus.

»Canarios!« lachte Cuellar spöttisch, »Ihr habt keinen schlechten Geschmack! Dieser Eine wird Euch in der That genügen.«

»Deshalb wollen wir auch keinen Anderen.«

»Das trifft sich sehr unglücklich.«

»Warum denn?«

»Weil ich es verweigere, Caraï! Und was würde mir als Sicherheit dienen, wenn's beliebt?«

»Das Wort eines französischen Edelmannes, Caballero,« antwortete der Graf stolz, »ein Wort, welches noch niemals gebrochen wurde.«

»Ei, ich nehme es an, Caballero,« erwiderte Cuellar mit jener ihm eigenen Gutmüthigkeit, nach welcher man geneigt ist, ihn für den besten Menschen von der Welt zu halten, »mag daraus werden, was da will; ich bin neugierig dieses Wort, auf welches die Europäer so stolz sind, ein Wenig auf die Probe zu stellen. Abgemacht also, ich diene Euch als Geißel; wie lange soll ich bei Euch bleiben? Es ist sehr wichtig für mich dies zu ordnen.«

»Wir verlangen nichts Anderes, als daß Ihr uns bis in die Nähe von Puebla führt; einmal dort, seid Ihr frei, ja, Ihr könnt sogar, wenn's Euch beliebt, eine Escorte mitnehmen, um Euren Rückzug zu sichern.«

»Nun, so ist Alles beschlossen, ich bin der Eurige, Caballero, Don Melchior, Ihr werdet während meiner Abwesenheit hier bleiben und darüber wachen, daß Alles in Ordnung bleibt.«

»Ja,« antwortete Don Melchior düster.

Nachdem der Graf dem Haushofmeister einige leise Worte zugeflüstert hatte, wandte er sich von Neuem an Cuellar.

»Sennor,« sagte er, »wollt Ihr so gütig sein und Befehl geben, daß die Peonen hier hergeführt werden; dann soll Leo Carral, während Ihr hier bleibt, alle Vorbereitungen zu unserer Abreise treffen.«

»Gut,« bemerkte Cuellar; »der Haushofmeister kann an seine Geschäfte gehen. Hört, Ihr Andern,« setzte er hinzu, indem er das Wort an die noch immer unbeweglichen Guerilleros richtete, »dieser Mann ist frei; man führe die Peonen hier her.«

Etwa fünfzehn arme Bursche, mit zerfetzten, blutbedeckten Kleidern, traten wie man überein gekommen war, bewaffnet, in den Saal; sie waren der ganze Ueberrest der Vertheidiger der Hacienda.

Darauf überschritt Cuellar die Schwelle des Gemaches und begab sich hinter die Barrikade.

Don Melchior, der wohl die falsche Stellung fühlte, in der er sich befand, als er sich allein den Belagerten gegenüber sah, wollte sich entfernen; aber Don Andrès erhob sich und ihn mit kräftiger, befehlender Stimme zurückrufend, sagte er:

»Halt, Melchior, so dürfen wir uns nicht trennen, jetzt, wo wir uns auf Erden niemals wiedersehen werden; eine letzte Erklärung ist zwischen uns unumgänglich nothwendig geworden.«

Don Melchior bebte bei dem Tone dieser Stimme, seine Stirn erbleichte, er machte eine Bewegung, als wollte er entfliehen, aber plötzlich blieb er stehen und seinen Kopf aufwerfend, sagte er:

»Was wollt Ihr von mir?« Sprecht, ich höre.«

Eine lange Zeit hafteten des Greises Augen auf seinem Sohn mit einem Ausdruck voll Liebe, Zorn und Verachtung, endlich, nach einer gewaltsamen Anstrengung über sich selbst nahm er das Wort.

»Warum wollt Ihr Euch entfernen?« sagte er zu ihm; »etwa weil Euch das Verbrechen, welches Ihr begangen habt, Entsetzen einflößt, oder fliehet Ihr mit der Wuth im Herzen, den Vatermord vereitelt und Euren Vater trotz Eurer Bemühung ihm das Leben zu rauben gerettet zu sehen? Gott hat das vollständige Gelingen Eurer düstern Pläne nicht gestattet; er straft mich wegen meiner Schwäche für Euch und für den Platz, den Ihr Euch in meinem Herzen angemaßt habt, ich muß einen Augenblick der Verirrung theuer bezahlen, aber dennoch ist endlich der Schleier, der meine Augen bedeckte, gefallen. Geht, Elender, traget das unauslöschliche Zeichen an Eurer Stirn, seid verflucht! und möge dieser Fluch, den ich über Euch ausspreche, ewig auf Eurem Herzen lasten! Geht, Vatermörder, ich kenne Euch nicht mehr!«

Trotz aller Kühnheit vermochte Don Melchior den unversöhnlichen Blick seines Vaters nicht zu ertragen; eine Leichenblässe bedeckte sein Gesicht, ein convulsivisches Zittern bewegte seine Glieder, sein Kopf beugte sich unter dem Gewichte dieses Fluches und er wich langsamen Schrittes, ohne sich umzuwenden, zurück, als folgte er einer höheren Gewalt, die seinen Willen beherrschte, und verschwand endlich unter den Guerilleros, die ihm in einer Bewegung des Entsetzens Platz machten.

Ein düsteres Schweigen herrschte im Saale, alle diese so wenig gefühlvollen Menschen unterlagen dennoch dem Einflüsse dieses schrecklichen Fluches, welchen ein Vater über einen schuldigen Sohn ausgesprochen.

Cuellar war der Erste, der seine Kaltblütigkeit wieder erlangte.

»Ihr habt nicht recht gethan,« sagte er kopfschüttelnd zu Don Andrès, »Eurem Sohn diesen empfindlichen Schimpf in Gegenwart Aller anzuthun.«

»Ja, ja,« versetzte der Greis traurig, »ich verstehe Euch, er wird sich rächen; was kümmert mich das; ist nicht mein Leben für immer gebrochen?«

Und den Kopf auf seine Brust neigend, versank der Greis in schmerzliches Nachdenken.

»Wachet über ihn,« sagte Cuellar zu dem Grafen, »ich kenne Don Melchior, er ist ein wahrhafter Indianer.«

Inzwischen hatte sich Donna Dolores, die bis zu diesem Augenblick furchtsam mitten unter ihren Frauen versteckt geblieben war, erhoben und einige Meubel bei Seite rückend, schlich sie leise zu Don Andrès und setzte sich neben ihn.

Dieser rührte sich nicht, er hatte sie nicht kommen hören.

Sie neigte sich zu ihm, nahm seine beiden Hände in die ihrigen, küßte ihn sanft auf die Stirn und sagte mit melodischer Stimme, deren innige Zärtlichkeit unmöglich zu beschreiben ist:

»Mein Vater, mein guter Vater, bleibt Euch denn nicht ein Kind, welches Euch liebt und ehrt? Laßt Euch nicht so durch den Schmerz niederdrücken; blicket mich an, mein Vater, ich bin Eure Tochter, liebt Ihr mich denn nicht, mich, die ich Euch so sehr liebe?«

Don Andrès erhob sein in Thränen gebadetes Gesicht und indem er seine Arme um das junge Mädchen schlang, rief er mit unaussprechlicher Zärtlichkeit:

»Oh! ich Undankbarer, ich zweifelte an der unendlichen Güte Gottes, meine Tochter bleibt mir ja! Ich bin nicht mehr allein auf der Welt, ich kann noch glücklich sein!«

»Ja, mein Vater, Gott hat Euch prüfen wollen, aber er wird Euch in Eurem Schmerz nicht verlassen; seid stark gegen das Unglück, überlaßt Euren undankbaren Sohn seiner Reue, nehmt den schrecklichen Fluch, den Ihr über ihn ausgesprochen habt, von ihm, laßt ihn zu Euren Füßen zurückkehren, ich bin gewiß, er ist nur verirrt, wie sollte er Euch nicht lieben, mein edler Vater, der Ihr stets so groß und gütig seid.«

»Sprich mir niemals wieder von Deinem Bruder, Kind,« antwortete der Greis mit wilder Energie, »dieser Mensch existirt für mich nicht; Du hast keinen Bruder, hast nie einen gehabt! Verzeih mir, daß ich Dich getäuscht habe, indem ich Dich glauben ließ, dieser Elende sei ein Glied unserer Familie; nein, dieses Ungeheuer ist nicht mein Sohn, man hat mich selbst betrogen, als man behauptete, dasselbe Blut fließe in seinen Adern wie in den meinigen.«

»Mein Vater, ich bitte Euch um des Himmels willen, beruhigt Euch.«

»Bleib', armes Kind,« begann er wieder, indem er sie in seine Arme preßte, »verlaß mich nicht, ich muß Dich hier neben mir fühlen, damit ich nicht glaube, allein auf der Welt zu sein und um die Kraft zu haben, meine Verzweiflung zu überwinden. Oh! sage mir noch einmal, daß Du mich liebst, Du weißt nicht, wie wohl diese Worte meinem Herzen thun und wie sehr sie meinen Schmerz erleichtern.«

»Die Guerilleros hatten sich indessen in alle Theile der Hacienda zerstreut, sie plünderten und verwüsteten Alles, zerbrachen die Meubel und öffneten mit einer Geschicklichkeit die Schlösser, welche eine lange Gewohnheit bewies, nur das Zimmer des Grafen wurde nach den gemachten Zugeständnissen respectirt. Raimbaut und Ibarru, durch Leo Carral von ihrem langen Schildwachstehen erlöst, waren in voller Thätigkeit, die Koffer und Felleisen des Grafen und Dominique's auf Maulesel zu laden. Die Guerilleros hatten ihnen einige Minuten mit schlauer Miene zugesehen, indem sie unter einander über die ungeschickte Art und Weise lachten, mit welcher die beiden Diener die Maulthiere beluden, dann hatten sie Raimbaut ihre Dienste angeboten, die dieser bereitwillig annahm. Da sah man denn dieselben Leute – die sich einen Augenblick vorher nicht den geringsten Scrupel gemacht haben würden, sich aller dieser Gegenstände, zu bemächtigen, die für sie von großem Werthe waren – auf das Eifrigste beschäftigt, dieselben sorgsam auf zu packen, ohne daß ihnen auch nur einmal der Gedanke gekommen wäre, sich den geringsten Gegenstand anzueignen.

Dank ihrer verständigen Mitwirkung, war das Gepäck der beiden jungen Leute in sehr kurzer Zeit auf drei Maulesel geladen; Leo Carral hatte nur noch die zur Reise nöthigen Pferde satteln zu lassen, was im Handumdrehen geschehen war, solche Eile und guten Willen zeigten die Guerilleros, die Pferde aus dem Corral zu holen und sie in den Hof zu führen.

Leo Carral trat darauf in den Salon und meldete, daß Alles zur Abreise bereit sei.

»Meine Herren,« sagte der Graf, »wir wollen aufbrechen, wenn's Ihnen beliebt.«

»Gehen wir denn.«

Sie verließen den Saal, von den Guerilleros umgeben, die ihnen mit gewaltigem Geschrei folgten, aber doch nicht wagten, ihnen zu nahe zu kommen, was jedenfalls der Respect vor ihrem Befehlshaber veranlaßte.

Als Diejenigen, welche die Hacienda verlassen sollten, zu Pferde saßen, ebenso wie die zehn, durch einen Unteroffizier befehligten Guerilleros, die ihrem Oberst bei der Rückkehr als Escorte dienen sollten, wandte sich dieser an seine Soldaten, indem er ihnen empfahl, während seiner Abwesenheit in Allem Don Melchior de-la-Cruz Folge zu leisten; darauf gab er das Zeichen zum Aufbruch. Mit den Frauen und Kindern inbegriffen, bestand die kleine Caravane aus beinahe sechszig Personen; dies war Alles, was von zweihundert Dienern der Hacienda übrig geblieben war.

Cuellar ritt an der Seite des Grafen dem Zuge voran; hinter ihnen befand sich Donna Dolores, zwischen ihrem Vater und Dominique; dann kamen die Peonen, welche unter Leitung Carral's und der beiden Diener des Grafen die beladenen Maulthiere führten; die Guerilleros bildeten die Nachhut.

Sie ritten in langsamem Schritt den Hügel hinab und befanden sich bald in der Ebene. Die Nacht war finster, es war gegen zwei Uhr Morgens, eine eisige Kälte ließ die betrübten Reisenden unter ihren Zarapen vor Frost zittern.

Sie schlugen die Straße nach Puebla ein, welche sie nach ungefähr zwanzig Minuten erreichten und folgten derselben in schnellerem Trabe.

Die Stadt war nur fünf bis sechs Meilen entfernt, sie hatten daher die Hoffnung, dieselbe mit Sonnenaufgang oder wenigstens in den ersten Morgenstunden zu erreichen.

Plötzlich färbte ein mächtiger Schein den Himmel dunkelroth und erleuchtete weithin das Land.

Es war die Hacienda, welche in Flammen stand.

Bei diesem Anblick warf Don Andrès einen traurigen Blick hinter sich und seufzte tief, aber er sprach kein Wort.

Nur Cuellar sprach; er versuchte dem Grafen zu beweisen, daß der Krieg schlimme Nothwendigkeiten habe, daß da Don Andrès seit langer Zeit als ein ergebener Anhänger Miramon's denuncirt, die Einnahme und Zerstörung der Hacienda nur eine Folge davon sei, Alles Bemerkungen, die zu beantworten der Graf, der das Unnütze einer Discussion mit einem solchen Manne einsah, sich nicht die Mühe gab.

So ritten sie seit ungefähr drei Stunden, ohne daß der geringste Unfall die Einförmigkeit ihrer Reise gestört hätte.

Der Tag brach an und bei dem ersten Schein der Morgenröthe bemerkte man die hohen Thürme Puebla's, deren schwarze Silhouetten sich noch unklar auf dem tiefblauen Himmel abhoben.

Der Graf ließ hier die Caravane Halt machen.

»Sennor,« wandte er sich darauf an Cuellar, »Ihr habt treu die zwischen uns festgesetzten Bedingungen erfüllt, empfangt hiermit meinen und meiner unglücklichen Freunde Dank; wir sind höchstens noch zwei Meilen von Puebla entfernt, der Tag ist angebrochen, es ist daher unnütz, daß Ihr uns noch weiter begleitet.«

»In der That, Sennor, ich glaube auch, daß Ihr jetzt meine Begleitung entbehren könnt, und da Ihr es mir erlaubt, so werde ich Euch verlassen, indem ich Euch über Das, was vorgefallen, mein Bedauern ausspreche; leider bin ich nicht Herr...«

»Brechen wir davon ab, ich bitte Euch,« unterbrach ihn der Graf; es ist jetzt wenigstens nicht mehr zu ändern, wir wollen also nicht weiter dabei verweilen.«

Cuellar verneigte sich.

»Ein Wort, Sennor Conde,« sagte er mit leiser Stimme.

Der junge Mann ritt an ihn heran.

»Bevor wir uns trennen,« sagte der Guerilleros, »laßt mich Euch einen Rath geben.«

»Ich höre, Sennor.«

»Ihr seid noch weit von Puebla entfernt, welches Ihr vor zwei Stunden nicht erreicht: seid auf Eurer Hut, überwacht sorgfältig das Land um Euch.«

»Was wollt Ihr damit sagen, Sennor.«

»Man weiß nicht, was geschehen kann; ich wiederhole Euch: seid wachsam.«

»Lebt wohl, Sennor,« antwortete mechanisch der junge Mann, indem er seinen Gruß erwiederte.

Nachdem er höflich von seinen Reisegefährten Abschied genommen hatte, setzte sich der Guerilleros an die Spitze seiner Soldaten und entfernte sich im Galopp, nicht ohne noch einmal dem jungen Manne durch eine bezeichnende Geberde Vorsicht anzuempfehlen.

Der Graf sah mit nachdenklicher Miene ihn davon sprengen.

»Was hast Du, Freund?« fragte ihn Dominique.

Ludovic berichtete ihm, was Cuellar ihm gesagt hatte.

Der Vaquero runzelte die Stirn.

»Da steckt Etwas dahinter,« sagte er; »auf jeden Fall ist der Rath gut und wir würden Unrecht thun, ihn zu vernachlässigen.«

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