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Mexicanische Nächte ? Zweiter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Zweiter Theil - Kapitel 7
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typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Zweiter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
year1865
correctorreuters@abc.de
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VI.

Der Kampf.

Bei der schrecklichen Ladung, welche die Guerilleros empfangen hatten, waren sie mit Schrecken zurückgewichen. Von Denjenigen überrascht, die sie zu überrumpeln gedachten, zum Plündern, aber nicht zum Kampfe vorbereitet, war ihr erster Gedanke, die Flucht zu ergreifen, und so entstand eine unbeschreibliche Unordnung in ihren Reihen.

Die Vertheidiger der Hacienda, deren Zahl sich bedeutend vermehrt hatte, benutzten diese Stockung, um ihnen einen neuen Kugelregen zuzusenden.

Indessen mußte ein Entschluß gefaßt werden: entweder unter dem Feuer vordringen oder auf die ganze Expedition verzichten.

Der Besitzer des Hacienda war reich, das wußten die Guerilleros; seit langer Zeit schon wünschten sie sich dieser Reichthümer zu bemächtigen, die sie, ob mit Recht oder Unrecht, in der Hacienda verborgen glaubten; es that ihnen leid, auf diese so lange vorbereitete Expedition zu verzichten, von der sie sich so außerordentliche Resultate versprachen.

Inzwischen hagelten die Kugeln noch immer auf sie herab, ohne daß sie es wagten, die Bresche zu überschreiten. Ihre mehr als sie selbst bei dem Gelingen ihres Vorhabens interessirten Anführer machten jeder Zögerung ein Ende, indem sie sich entschlossen mit Hacken und Hammer bewaffneten, nicht allein um die Oeffnung größer zu machen, sondern vielmehr um die Mauer abzubrechen, denn sie sahen ein, daß es ihnen nur durch einen plötzlichen Einbruch gelingen konnte, das Hinderniß, welches ihnen die Vertheidiger der Hacienda entgegen setzten, zu überwinden.

Diese unterhielten tapfer das Feuer, aber ihre Schüsse waren größtentheils verloren, die Guerilleros arbeiteten geschützt und hüteten sich wohl, sich vor der Bresche zu zeigen.

»Sie haben ihre Taktik geändert,« bemerkte der Graf zu Dominique; »sie wollen jetzt die Mauer umbrechen, bald werden sie den Kampf wieder beginnen, und,« setzte er hinzu, indem er einen betrübten Blick um sich warf, »wir werden besiegt werden, die Männer, welche uns unterstützen, sind nicht fähig, einem kräftigen Angriffe zu widerstehen.«

»Du hast Recht, Freund, die Lage ist ernst,« erwiderte der junge Mann.

»Was thun?« fragte der Haushofmeister.

»Ah! eine Idee!« rief plötzlich Dominique, indem er sich vor die Stirn schlug, »habt Ihr Pulver hier?«

»Ja, Gott sei Dank, daran fehlt es uns nicht, aber wozu soll es dienen?«

»Laßt so schnell als möglich ein Fäßchen herbringen, ich verantworte das Uebrige.«

»Nichts leichter als das.«

»So geht denn.«

Der Haushofmeister eilte davon.

»Was willst Du thun?« fragte ihn der Graf.

»Du wirst es sehen,« antwortete der junge Mann, dessen Blick funkelte; »wahrhaftig, das ist ein köstlicher Gedanke, der mir da gekommen ist. Diese Banditen werden sich wahrscheinlich der Hacienda bemächtigen, wir sind zu schwach, um ihnen zu widerstehen, es ist für sie nur noch eine Sache der Zeit, aber es soll ihnen theuer zu stehen kommen.«

»Ich begreife Dich nicht.«

»Ah!« fuhr der junge Mann in fieberhaftes Erregung fort, »sie wollen sich eine weite Passage machen, laß es gut sein, ich selbst werde ihnen Bahn brechen.«

In diesem Augenblick kam der Hauhofsmeister mit einem Handwagen zurück, auf welchem drei Fäßchen Pulver lagen, jedes derselben enthielt ungefähr hundert und zwanzig Pfund Pulver.

»Drei Fässer!« rief Dominique freudig aus; »um so besser, da werden wir jeder eins haben.«

»Aber was willst Du thun?«

»Ich will sie in die Luft sprengen,« rief er. »Allons, an's Werk, ahmet mir nach.«

Er nahm eins der Fässer und schlug den Boden ein; der Graf und Leo Carral thaten dasselbe.

»Jetzt zurück Ihr Anderen!« sagte er zu den über diese unheimlichen Vorbereitungen erschreckten Peonen, »aber stellt das Schießen nicht ein, um sie in der Unruhe zu erhalten.«

Die drei Männer blieben mit den beiden Dienern des Grafen, welche ihren Herrn nicht verlassen wollten, allein.

Mit wenigen Worten setzte Dominique seinen Gefährten seinen Plan aus einander.

Sie nahmen hierauf die Pulverfässer und hinter den Bäumen fortschleichend, näherten sie sich der Grotte.

Die im Innern der Höhle mit dem Umbrechen der Mauer beschäftigten Belagerer, die sich dem fortwährenden Feuer der Peonen vor der Bresche nicht aussetzen wollten, bemerkten nichts von Dem, was draußen vorging, es war daher für die fünf Männer leicht bis an den Fuß der Mauer zu dringen, ohne entdeckt zu werden.

Dominique stellte die drei Pulverfässer so, daß sie den Fuß der Mauer berührten, und auf dieselben häufte er, von seinen Gefährten unterstützt, sämmtliche Steine, die er finden konnte, dann nahm er sein Feuerzeug, zog den Docht heraus, von dem er ein höchstens zehn Centimeter langes Stück abschnitt, zündete ihn an, und pflanzte ihn in eins der Pulverfässer.

»Zurück! zurück!« rief er mit leiser Stimme, »die Mauer hält nicht mehr. Seht, sie neigt sich, in wenigen Augenblicken wird sie fallen.«

Und seinen Gefährten voran, entfernte er sich im raschesten Laufe.

Fast sämmtliche Vertheidiger der Hazienda, ungefähr vierzig an der Zahl, mit Don Andrès an der Spitze, waren am Eingang der Huerta versammelt.

»Warum lauft Ihr so eilig?« fragte er die jungen Leute, »kommen die Banditen?«

»Nein, nein,« antwortete Dominique, »noch nicht, aber Ihr werdet bald von ihnen hören.«

»Wo ist Donna Dolores,« fragte ihn der Graf.

»In meinem Zimmer mit ihren Frauen, vollkommen in Sicherheit.«

»Schießt doch, Ihr Andern,« rief Dominique den Peonen zu.

Diese begannen von Neuem ein höllisches Feuer.

»Raimbaut,« sagte der Graf mit leiser Stimme, »man muß Alles bedenken, nehmt Lanca Ibarrú mit Euch und sattelt fünf Pferde; das eine mit einem Damensattel, Ihr versteht mich, nicht wahr?«

»Ja, Herr Graf.«

»Diese Pferde führt Ihr an die Pforte, welche sich am Ende der Huerta befindet. Dort erwartet Ihr mich mit Ibarrú, Beide wohl bewaffnet; geht.«

Raimbaut entfernte sich sogleich, ebenso ruhig, als wenn nichts Außerordentliches um ihn in diesem Augenblicke vorging.

»Ah!« sagte mit einem Seufzer des Bedauerns Don Andrès, »wenn Melchior hier wäre, würde er uns sehr nützlich sein.«

»Er wird bald hier sein, seid außer Sorge, Sennor,« antwortete ironisch der Graf.

»Aber wo kann er sein?«

»Hm! wer weiß!«

»Ah! ah!« rief Dominique, »jetzt giebt es Etwas dort unten.«

In der That, die unter den wiederholten Schlägen der Guerilleros kräftig erschütterten Steine begannen nach außen zu fallen. Die Bresche erweiterte sich schnell, endlich löste sich ein Theil der Mauer in einem Stück los und stürzte in den Garten.

Die Guerilleros stießen einen Freudenschrei aus, warfen ihre Hacken fort, ergriffen ihre Waffen und schickten sich an, hinüber zu springen. Da vernahm man plötzlich einen Krach, die Erde erbebte wie durch einen vulkanischen Ausbruch, eine Rauchwolke stieg zum Himmel und massenweise flogen die durch die Explosion zerstreuten Trümmer nach allen Richtungen hin.

Ein einziger, furchtbarer Schrei ertönte durch den Raum, dann lag über dieser ganzen Scene eine Todesstille.

»Vorwärts! vorwärts!« rief Dominique.

Die durch die Mine verursachten Verwüstungen waren entsetzlich; der Eingang des unterirdischen Ganges, vollständig eingestürzt und durch Massen von Erde und aufgehäuften Steinen verstopft, hatte jede Passage unmöglich gemacht. Nur hier und da bemerkte man mitten unter den Trümmern entstellte Ueberreste, welche wenige Augenblicke vorher Menschen gewesen waren. Die Katastrophe mußte furchtbar gewesen sein, aber das Innere des unterirdischen Ganges hatte das Geheimniß bewahrt.

»Oh! Gott sei gelobt! wir sind gerettet,« rief Don Andrès.

»Ja, ja,« versetzte der Haushofmeister, »wenn sich nicht andere Belagerer auf einer andern Seite zeigen.«

Plötzlich, wie wenn der Zufall ihm Recht geben wollte, ließ sich ein furchtbares Geschrei mit einzeln Schüssen untermischt, vernehmen, und eine plötzliche Flamme stieg von der Hacienda auf, welche die Landschaft mit unheimlichem Scheine beleuchtete.

»Zu den Waffen! zu den Waffen!« riefen die in Verwirrung herbeistürzenden Peonen, »die Guerilleros! die Guerilleros!«

Und in der That, bald sah man in den röthlichen Reflexen der die Gebäude verschlingenden Feuersbrunst die schwarzen Silhouetten von mehr als hundert Männern, die, ihre Waffen schwingend, herbei eilten und ein wahres Wuthgeheul ausstießen.

Einige Schritte diesen Banditen voraus, bemerkte man einen Mann, mit einem Säbel in der einen, eine Fackel in der andern Hand haltend.

»Don Melchior!« rief der Greis verzweiflungsvoll.

»Ei, ich werde ihn zurückhalten« sagte Dominique, indem er auf ihn anlegte.

Don Andres warf sich auf die erhobene Waffe.

»Er ist mein Sohn!« sagte er.

»Hm! ich glaube, daß Ihr es bereuen werdet, ihm das Leben gerettet zu haben, Sennor,« antwortete Dominique kalt.

Don Andrès, von dem Grafen und Dominique fortgerissen, hatte sich in sein Zimmer geflüchtet, dessen Ausgänge die Peonen verbarrikadirten und durch das Fenster ein wohlgenährtes Feuer auf die Belagerer unterhielten.

Don Melchior war im Einverständniß mit den Parteigängern Juarez'. Wie der Haushofmeister dem Grafen ganz recht gesagt, hatte der junge Mann, aus Verzweiflung über die demnächstige Heirath seiner Schwester und den unvermeidlichen Verlust des Vermögens, dessen einziger Erbe zu sein er seit langer Zeit die Hoffnung hegte, kein Maß gehalten und unter gewissen, von Cuellar angenommenen Bedingungen diesem versprochen, ihm die Hacienda zu überliefern, und alle Vorbereitungen darnach getroffen.

Es war daher beschlossen worden, daß ein Theil der Cuadrilla unter dem Befehl entschlossener Officiere, einen Ueberfall durch den unterirdischen Gang, dessen Geheimniß der junge Mann verrathen hatte, versuchen sollte.

Gleichzeitig, während diese Truppe operiren würde, sollte die andere Hälfte der Cuadrilla unter der Leitung Cuellar's selbst und von Don Melchior geführt, schweigend die Mauern der Hacienda auf der Seite des Corrals erklettern, welche man zu schützen sehr wahrscheinlich vernachlässigen würde, um die Gebäude, die von hier aus ziemlich entfernt waren, zu vertheidigen.

Wir haben berichtet, welches der Erfolg dieses doppelten Angriffs war.

Cuellar hatte bei dieser Affaire, was er noch nicht wußte, die vorzüglichste Hälfte seiner Cuadrilla verloren, sie lag begraben unter den Trümmern des unterirdischen Ganges; mit dem, was ihm an Männern blieb, unterhielt er in diesem Augenblick einen erbitterten Kampf gegen die Peonen der Hacienda, die sich, da sie wußten, daß sie es mit der Bande Cuellar's, den wüthendsten und blutgierigsten Guerilleros Juarez' zu thun hatten, die keine Gnade gewährte, mit jener Energie der Verzweiflung schlugen, welche die Kräfte verzehnfacht.

Inzwischen wurde der Kampf fortgesetzt; die in den Zimmern verbarrikadirten Peonen hatten die Fenster mit Allem verschanzt, was ihnen in die Hände fiel, und schossen, auf diese Weise gedeckt, auf die im Hofe zerstreuten Belagerer, denen sie erhebliche Verluste beibrachten.

Cuellar war nicht allein wüthend über diesen unvermutheten Widerstand, sondern auch über die unbegreifliche Verspätung der Soldaten seiner Cuadrilla welche durch den unterirdischen Gang kommen und schon längst hätten zu ihm stoßen sollen.

Er hatte freilich das Geräusch der Explosion vernommen, aber da er in entgegengesetzter Richtung noch weit von der Hacienda entfernt war, so erreichte dasselbe nur dumpf und unbestimmt sein Ohr, und er dachte nicht weiter darüber nach; allein die unerklärliche Zögerung seiner Kameraden in diesem Augenblick, wo ihre Hülfe so nothwendig gewesen wäre, verursachte ihm lebhafte Unruhe. Eben war er im Begriff einige seiner Leute mit dem Auftrag auszusenden, die Ankunft der Verspäteten zu beeilen, als plötzlich Siegsgeschrei aus dem Innern des Gebäudes, welches sie angriffen, ertönte, und mehrere Guerilleros am Fenster erschienen, indem sie jubelnd ihre Waffen schwangen.

Dank Don Melchior war dieser entscheidende Erfolg erlangt worden. Während die Hauptabtheilung der Belagerer die Gebäude von vorn angriffen, hatte er sich von einigen entschlossenen Männern begleitet, in der Dunkelheit an ein niedriges Fenster geschlichen, welches man in der Verwirrung wie die andern zu verbarrikadiren vergessen hatte, war durch dasselbe in das Innere der Hacienda gelangt und hatte durch sein unvermuthetes Erscheinen, die Belagerten in Schrecken gesetzt, auf welche seine Begleiter mit Säbel und Pistolen bewaffnet, eindrangen.

Von jetzt an war es kein Kampf mehr zu nennen, sondern eine entsetzliche Schlächterei; trotz ihrer Bitten, wurden die Peonen von ihren Siegern niedergestoßen und durch die Fenster in den Hof gestürzt.

Die Guerilleros überschwemmten bald alle Gebäude der Hacienda, indem sie von Zimmer zu Zimmer die unglücklichen Peonen verfolgten und ohne Barmherzigkeit mordeten.

So erreichten sie einen großen Saal, dessen Flügelthüren weit geöffnet waren, aber dort angekommen, hielten sie nicht allein inne, sondern wichen mit einer instinctmäßigen Bewegung des Schreckens vor dem Schauspiel, welches sich ihren Blicken darbot, zurück.

Der Salon war prächtig erleuchtet durch viele Kerzen, die sich auf allen Candelabern und Meubeln befanden.

In einer Ecke des Saales war vermittelst über einander gehäufter Meubel eine Barrikade errichtet worden. Hinter diese Barrikade hatte sich Donna Dolores mit all' ihren Frauen und den Kindern der Peonen geflüchtet; zwei Schritt vor dieser Verschanzung standen vier Männer unbeweglich, eine Flinte in der einen, ein Pistol in der andern Hand. Diese vier Männer waren Don Andrès, der Graf, Dominique und Leo Carral; zwei offene Pulverfässer standen neben ihnen.

»Halt,« sagte der Graf mit spöttischer Stimme, »halt, ich bitte, Caballeros, einen Schritt weiter und wir sprengen uns Alle in die Luft. Ueberschreitet also nicht die Schwelle dieses Zimmers, wenn's beliebt.«

Die Guerilleros hüteten sich wohl, dieser höflichen Aufforderung nicht Folge zu leisten, denn sie hatten auf den ersten Blick erkannt, mit wem sie es zu thun hatten.

Don Melchior stampfte vor Wuth mit dem Fuße, als er sich so zur Ohnmacht gezwungen sah.

»Was wollt Ihr?« sagte er mit erstickter Stimme.

»Von Euch, nichts; wir sind Ehrenmänner und werden nicht mit einem Elenden Eurer Sorte unterhandeln.«

»Ihr werdet wie Hunde erschossen werden, verfluchte Franzosen.«

»Ich fordere Euch auf, Eure Drohung auszuführen,« antwortete der Graf, indem er kalt den Revolver, den er in der Hand hielt, auf das neben ihm stehende offene Pulverfaß richtete.

Die Guerilleros wichen zurück, indem sie ein Geschrei des Entsetzens ausstießen.

»Schießt nicht! schießt nicht!« riefen sie, »hier kommt der Colonel!«

In der That erschien Cuellar.

Cuellar ist ein furchtbarer Bandit; diese Behauptung wird Niemand überraschen; aber man muß ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er eine Tapferkeit ohne gleichen besitzt.

Er bahnte sich einen Weg durch seine Soldaten und stand bald allein den Uebrigen voran.

Er verneigte sich mit Anmuth vor den vier Männern und prüfte sie mit schlauer Miene, indem er nachlässig eine Cigarette zwischen seinen Fingern drehte.

»Aber!« sagte er heiter, »das ist in der That erfinderisch, ich mache Euch mein aufrichtiges Compliment, Caballeros. Diese Teufel von Franzosen haben, auf mein Ehrenwort, ganz unglaubliche Ideen,« setzte er, wie zu sich selbst redend, hinzu, »sie geben sich niemals eine Blöße, dies dort ist genug, um uns Alle in's Paradies zu schicken.«

»Und im äußersten Falle werden wir nicht weniger zögern, es zu thun, als wir Anstand genommen haben die Soldaten, welche Ihr durch die Grotte sandtet, in die Luft zu sprengen.«

»Wie?« sagte Cuellar erbleichend, »was sagt Ihr von meinen Soldaten?«

»Ich sage,« erwiderte der Graf kalt, »daß Ihr die Leichname derselben in dem unterirdischen Gange suchen lassen könnt; sie werden alle darin sein, denn sie sind alle geblieben.«

Ein Schreckensschauder durchlief bei diesen Worten die Reihen der Guerilleros.

Es trat eine tiefe Stille ein.

Cuellar überlegte.

Bald darauf erhob er den Kopf; jede Spur von Bewegung war auf seinem Gesicht verschwunden, er blickte um sich, als suchte er etwas.

»Wünscht Ihr Feuer?« fragte Dominique und ging mit einem Licht in der Hand auf ihn zu, »zündet doch Eure Cigarette an, Sennor.«

Und er reichte ihm höflich die Kerze.

»Habt Dank, Sennor,« erwiderte er.

Dominique kehrte wieder zu seinen Gefährten zurück.

»Ihr verlangt also eine Capitulation,« sagte Cuellar.

»Ihr irrt, Sennor,« gab ihm der Graf kalt zur Antwort, »wir bieten sie Euch im Gegentheil an.«

»Ihr bietet sie uns an?« meinte erstaunt der Guerillero.

»Ja, weil wir die Herren unseres Lebens sind.«

»Erlaubt,« versetzte Cuellar, »dies ist nur scheinbar der Fall, denn indem Ihr uns in die Luft sprengt, geschieht Euch dasselbe.«

»Ei! natürlich ist es so.«

Cuellar dachte nach.

»Laßt sehen,« sagte er nach einer Weile, »führen wir keinen Krieg mit Worten, kommen wir wie Männer zur Sache: Was wollt Ihr?«

»Ich werde es Euch sagen,« entgegnete der Graf.

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