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Mexicanische Nächte ? Vierter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Vierter Theil - Kapitel 6
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typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Vierter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
year1865
correctorreuters@abc.de
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V.

Ein letzter Entschluß.

Der anbrechende Tag begann mit röthlichem Schimmer den Himmel zu färben, als die beiden Reiter die Guarita-de-San-Autonio erreichten.

Schon seit einiger Zeit hatten sie die Schnelligkeit ihres Rittes gemäßigt, ihre Masken abgenommen und so viel als möglich ihre zerknitterten, beschmutzten und durch die zahllosen Unfälle ihres nächtlichen Unternehmens beschädigten Kleider wieder in Ordnung gebracht.

Einige Schritte von der Guarita mischten sie sich unter eine Gruppe von Indianern, die sich auf den Markt begaben, so daß es ihnen leicht wurde, in die Stadt zu gelangen, ohne bemerkt zu werden.

Don Jaime lenkte sogleich nach dem Hause, welches er in der Straße San-Franzisko, bei der Plaza-Mayor bewohnte.

Dort angekommen, verabschiedete er Lopez, dem buchstäblich vor Müdigkeit die Augen zufielen, trotz der längeren Rast, die ihm das Verweilen seines Herrn im Palo-Quemado gestattet hatte. Er traf Verabredung mit ihm zu einer Zusammenkunft für den Abend, worauf er sich in sein Zimmer zurückzog. Dieses Gemach war eine wahrhaft spartanische Wohnung; das Mobiliar, auf das Einfachste beschränkt, bestand nur aus einem hölzernen Bettrahmen, der mit einer Büffelhaut überspannt war, während ein alter Sattel als Kopfkissen und ein schwarzes Bärenfell als Decke diente. Ein mit Papieren und einigen Büchern beladener Tisch, ein Schemel, ein Koffer, der seine Kleidungsstücke enthielt, und eine mit Waffen aller Art bedeckte Hakenleiste vervollständigte mit den an der Wand aufgehängten Harnischen dies seltsame Meublement, wozu noch ein in einer Ecke des Zimmers befindlicher, mit allen Toilettengegenständen besetzter Waschtisch kam, vor welchem eine Zarape einen Vorhang bildete.

Don Jaime verband seine Wunden, nachdem er sie sorgfältig nach indianischer Weise mit Wasser und Salz gewaschen hatte, darauf setzte er sich an den Tisch und begann die Papiere durchzusehen, die er sich mit so großer Mühe verschafft hatte und deren Besitz ihm beinahe das Leben gekostet hätte.

Bald war er gänzlich in diese Arbeit, die ihn lebhaft zu interessiren schien, vertieft.

Endlich, gegen zehn Uhr Morgens, stand er auf, faltete die Papiere zusammen, legte sie in eine Brieftasche, welche er in eine Tasche seines Dolmans steckte, warf eine Zarape über seine Schultern, nahm einen Vigognehut mit breiter Goldgolilla und verließ in diesem eben so eleganten, als malerischen Anzuge seine Wohnung.

Don Jaime hatte, wie sich der Leser erinnern wird, Don Felipe sein Ehrenwort gegeben, sein Testamentsvollstrecker zu sein, und dieses heilige Versprechen war es, welches ihn zu seinem Ausgang veranlaßte.

Gegen sechs Uhr Abends kehrte er zurück; sein Versprechen war erfüllt, er hatte der Mutter und Schwester Don Felipe's das Vermögen übergeben, zu dessen Erbinnen sie so unvermuthet ein Messerstich gemacht hatte.

An der Thür seines Hauses fand der Abenteurer Lopez, der vollständig wie neu geboren, seiner harrte.

Der Peone hatte ein bescheidenes Mahl für seinen Gebieter angerichtet.

»Was giebt es Neues?« fragte ihn Don Jaime, indem er sich an den Tisch setzte und mit gutem Appetit zu speisen begann.

»Nicht viel, mein Gebieter,« antwortete er, »es ist nur ein Adjutant Seiner Excellenz des Präsidenten gekommen.«

»Ah!« machte fragend Don Jaime.

»Der Präsident läßt Sie bitten, um acht Uhr in den Palast zu kommen, er wünscht Sie zu sehen.«

»Ich werde gehen; was hast Du weiter gehört? Bist Du nicht ausgegangen?«

»Verzeihung, mein Gebieter, ich war wie gewöhnlich bei dem Barbier.«

»Und Du hast dort nichts gehört?«

»Nur zweierlei.«

»Laß das Erste hören.«

»Man sagt, die Juaristen dringen in Geschwindmärschen gegen die Hauptstadt vor, sie sind nur noch drei Tagreisen von hier, wie man berichtet.«

»Diese Nachricht ist ziemlich wahrscheinlich, der Feind muß in diesem Augenblick eine Concentrirung seiner Truppen bewirken; und dann?«

Lopez fing an zu lachen.

»Warum lachst Du, Bursche?« fragte ihn Don Jaime.

»Die zweite Nachricht, die ich vernommen habe, veranlaßt mich dazu, Herr.«

»Sie ist wohl recht närrisch?«

»Ei, Sie mögen selbst darüber urtheilen: man sagt, daß einer der gefürchtetsten Anführer der Guerilleros des Don Benito Juarez diesen Morgen, durch einen Messerstich getödtet, in einem Saale des Rancho-del-Palo-Quemado aufgefunden worden ist.«

»Oh! oh!« meinte Don Jaime, nun auch lächelnd, »und weiß man, wie dieses unglückliche Ereigniß herbeigeführt worden ist?«

»Niemand weiß es zu sagen, mein Gebieter, es scheint, daß der Colonel auf Kundschaft ausgeritten war bis zu dem Palo-Quemado, wo er Halt machte, um die Nacht daselbst zuzubringen. Man hatte Schildwachen um das Haus gestellt, um das Wohl des Anführers zu bewachen, und Niemand, außer zwei unbekannte Reiter sind in den Rancho gekommen. Nach der Entfernung dieser beiden Reiter, die mit dem Colonel eine lange Unterredung gehabt, fand man diesen im Saale von einem Messer durchbohrt. Man vermuthet, daß ein Streit zwischen dem Colonel und den beiden Unbekannten stattgefunden hat und diese ihn getödtet haben; aber dieses Ereigniß ist in solcher Stille ausgeführt worden, daß die nur wenige Schritte davon ruhenden Soldaten nicht das Geringste vernommen haben.«

»Das ist in der That sonderbar.«

»Es scheint, mein Gebieter, daß dieser Colonel Don Felipe Irzabal ein furchtbarer Räuber ohne Glauben noch Gesetz war, von dem man sich unzählige Grausamkeiten erzählt.«

»Da dies wahr ist, mein lieber Lopez, ist es so am Besten, und wir haben uns nicht mehr mit diesem Burschen zu beschäftigen,« sagte Don Jaime, indem er sich erhob.

»Ah! er wird wohl auch ohne uns zum Teufel gehen.«

»Das ist sehr wahrscheinlich; wenn er nicht schon dort sein sollte. Ich will einen Spaziergang durch die Stadt machen, um die achte Stunde abzuwarten; um zehn Uhr wirst Du mich an der Pforte des Palastes mit zwei Pferden und Waffen erwarten, im Fall wir gezwungen sein sollten, wieder wie vergangene Nacht eine Mondscheinpromenade zu machen.«

»Ja, mein Gebieter, ich werde Sie zur festgesetzten Stunde erwarten.«

»Wofern ich Dich nicht benachrichtigen lasse, daß ich Deiner nicht bedarf.«

»Sehr wohl, Herr.«

Don Jaime entfernte sich darauf und machte einen kurzen Spaziergang, aber nur unter den Portalen der Plaza-Mayor, um sich zur angegebenen Stunde im Palaste einzufinden.

Pünktlich um acht Uhr stellte sich der Abenteurer an der Pforte des Palastes ein.

Ein Huissier erwartete ihn, um ihn zu dem Präsidenten zu führen.

Der General Miramon ging trübe und nachdenklich in einem kleinen, an seine Privatzimmer grenzenden Salon auf und nieder. Als er Don Jaime erblickte, erheiterte sich sein Gesicht.

»Seid willkommen, mein Freund,« sagte er zu ihm, indem er ihm freundlich die Hand reichte; »ich war ungeduldig, Euch zu sehen, denn Ihr seid der einzige Mann, der mich versteht und mit dem ich offen sprechen kann, kommt, setzt Euch zu mir und plaudern wir. Wollt Ihr?«

»Ich finde Sie betrübt, General; sollte Ihnen etwas Unangenehmes widerfahren sein?«

»Nein, mein Freund, nichts; aber Ihr wißt wohl, daß ich schon seit langer Zeit keinen Grund habe, heiter zu sein. Ich komme von meiner Frau: das arme Weib zittert, nicht für sich, sondern für ihre Kinder; das gute, sanfte Geschöpf sieht Alles schwarz und prophezeihet furchtbares Unglück. Sie ist ganz trostlos und das betrübt mich.«

»Aber, General; warum lassen Sie Madame Miramon nicht die Stadt, die vielleicht bald belagert werden wird, verlassen?«

»Ich habe es ihr schon mehrmals vorgeschlagen, ich habe selbst darauf im Interesse ihrer Kinder gedrungen, indem ich gebieterisch diese Trennung forderte. Dennoch hat sie sich geweigert. Ihr wißt, wie sehr sie mich liebt, sie theilt sich in Liebe für mich und ihre Kinder, und kann sich nicht überwinden, einen Entschluß zu fassen; ich selbst wage nicht, sie zur Abreise zu zwingen, wenn auch meine Verlegenheit außerordentlich ist.«

Der General wendete, einen Seufzer unterdrückend, den Kopf ab.

Es trat ein Schweigen ein.

Don Jaime sah ein, daß es an ihm sei, der für den General so peinlichen Unterredung eine andere Wendung zu geben.

»Und Ihre Gefangenen?« fragte er ihn.

»Nach dieser Seite hin ist Alles arrangirt; sie haben, Gott sei Dank, nichts mehr für ihre Sicherheit zu fürchten; auch habe ich ihnen die Erlaubniß ertheilt, ihre Freunde und Verwandten in der Stadt besuchen zu dürfen.«

»Um so besser, General, ich gestehe Ihnen, daß ich einen Augenblick für sie fürchtete.«

»Ei, mein Freund, ich kann Euch jetzt offen sagen, daß ich vielleicht noch mehr Furcht hatte als Ihr, denn bei dieser Gelegenheit war meine Ehre im Spiel.«

»Allerdings. Doch lassen Sie hören: Haben Sie irgend einen neuen Plan?«

Ehe der General antwortete, ging er durch den Saal und hob die Portièren in die Höhe, um sich zu vergewissern, daß Niemand sie belausche.

»Ja,« sagte er endlich, indem er zu Don Jaime zurückkehrte; »ja, mein Freund, ich habe einen Plan, denn ich will auf einmal mit Allem zu Ende kommen: entweder werde ich unterliegen, oder meine Feinde werden für immer geschlagen sein.«

»Gebe Gott, daß es Ihnen gelingt, General.«

»Mein Sieg von gestern hat mir, wenn nicht die Hoffnung, so doch den Muth wieder gegeben, ich will einen entscheidenden Schlag wagen. Ich habe jetzt nichts mehr zu schonen, ich will Alles für Alles wagen, das Glück kann mir wieder lächeln.«

Sie traten darauf zu einem Tische, wo eine große Karte der mexikanischen Conföderation ausgebreitet lag, die an verschiedenen Punkten mit einer Menge Stecknadeln durchstochen war.

Der Präsident fuhr fort.

»Don Benito Juarez hat von seiner Hauptstadt Vera-Cruz aus die Concentrirung der Truppen anbefohlen, um sie nach Mexiko zu führen, den einzigen Punct, den wir noch besitzen, wo wir leider eingeschlossen sind. Seht hier, das Corps des Generals Ortega von elftausend Mann alter Truppen kommt aus dem Innern, nämlich aus Guadalajara, und vereinigt auf seinem Durchmarsch all' die im Lande zerstreuten kleinen Detachements mit seiner Macht. Amondia und Gazza, welche sich an der Küste hinziehen, kommen von Jalapa und führen sechstausend Mann reguläre Truppen mit sich, noch unterstützt durch die Guerillas von Cuellar, Carvajal und Don Felipe Neri Irzabal.«

»Was diesen Letzteren betrifft, General, so haben Sie sich nicht weiter mit ihm zu beschäftigen, er ist todt.«

»Zugegeben, aber seine Bande existirt noch immer.«

»Das ist freilich wahr.«

»Nun aber werden diese Corps, die von verschiedenen Seiten zugleich ankommen, nicht zögern, wenn wir sie gewähren lassen, sich zu vereinigen und uns in einen eisernen Kreis einschließen, da sie beinahe eine Macht von zwanzigtausend Mann bilden; über welche Macht können wir verfügen, um ihnen Widerstand zu leisten?«

»Aber – ...«

»Ich will es Euch sagen: indem wir alle unsere Hülfsquellen erschöpfen, werde ich nur über siebentausend, höchstens, wenn ich die Leperos etc. bewaffne, über achttausend Mann verfügen können; Ihr werdet zugeben, daß dies eine schwache Armee ist.«

»Im offenen Felde, ja, General; aber hier, in Mexiko, mit der furchtbaren Artillerie, über welche Sie gebieten, mehr als hundertundzwanzig Kanonen, werden Sie leicht einen ernsten Widerstand leisten können; und wenn sich der Feind entschließt, die Hauptstadt zu belagern, so werden Ströme von Blut fließen, bevor es ihm gelingt, sich in ihren Besitz zu setzen.«

»Ja, mein Freund, was Ihr sagt, ist wahr, aber, Ihr wißt, ich bin ein menschenfreundlicher und gemäßigter Mann; die Stadt ist nicht in der Lage, um sich zu vertheidigen, wir haben weder Lebensmittel, noch Vorräthe, noch Mittel, sie uns zu verschaffen, da uns das Land nicht mehr gehört und wir auf drei bis vier Meilen rings um die Stadt, von einem uns feindseligen Netze eingeschlossen sind. Begreift Ihr, mein Freund, welches die Schrecken einer Belagerung unter so mißlichen Umständen sein würden und welchen furchtbaren Verheerungen die Hauptstadt Mexiko's, die schönste und herrlichste Stadt der neuen Welt, zum Opfer fallen würde? Nein, schon der einzige Gedanke, welches Elend über diese unglückliche Bevölkerung hereinbrechen würde, zernagt mir das Herz, niemals werde ich dazu meine Zustimmung geben, es bis zum Aeußersten kommen zu lassen.«

»Wohlan, General, Sie sprechen wie ein Mann von Herz, der sein Land wahrhaft liebt; ich wünschte, daß Ihre Feinde Sie so sprechen hörten.«

»Mein Gott, mein lieber Freund, Diejenigen, die Ihr meine Feinde nennt, existiren in Wirklichkeit nicht, das weiß ich sehr gut. Zu wiederholten Malen sind mir persönlich, indem man mir sehr vortheilhafte und ehrenwerthe Bedingungen anbot, Vorschläge gemacht worden; sobald ich unterliege, werde ich den sonderbaren Fall darbieten, der wohl selten in Mexiko dasteht, ein Präsident der Republik zu sein, der von den ihn achtenden Leuten gestürzt, in seinem Sturze alle Sympathien seiner Feinde begräbt.«

»Ja, ja, General, und es ist noch nicht so lange her, wo, wenn Sie in die Entfernung gewisser Personen, welche ich nicht nennen mag, eingewilligt hätten, Alles gütlich beigelegt worden wäre.«

»Ich weiß es wie Ihr, mein Freund, aber es wäre eine Feigheit gewesen, die ich nicht begehen wollte; die Personen, auf welche Ihr anspielt, sind mir ergeben, sie lieben mich; wir werden mit einander fallen oder siegen.«

»Die Gesinnungen, welche Sie aussprechen, General, sind zu edel, als daß ich versuchen sollte, sie zu bestreiten.«

»Habt Dank, lassen wir diesen Gegenstand und kommen wir auf das Gesagte zurück; ich will nicht durch meinen Fehler die Zerstörung der Hauptstadt herbeiführen und sie den blutigen Plünderungen aussetzen, welche stets der Einnahme belagerter Städte folgen. Juarez' Guerillas sind mir bekannt, die Banditen, aus denen sie gebildet sind, würden, wenn man ihnen die Stadt überließe, namenlosen Jammer verursachen; glaubt mir, mein Freund, sie würden keinen Stein auf dem andern lassen.«

»Das ist leider nur zu wahrscheinlich, General; aber was gedenken Sie zu thun? Welches ist Ihr Plan? Sie haben ohne Zweifel nicht die Absicht, sich den Händen Ihrer Feinde zu überliefern.«

»Wohl hatte ich einen Augenblick diesen Gedanken, aber ich habe darauf verzichtet; mein Plan, den ich gefaßt habe, ist einfach folgender: Ich will mit der Elite meiner Truppen, ungefähr achttausend Mann, die Stadt verlassen und auf den Feind losgehen, ihn überraschen und einzeln schlagen, bevor seine verschiedenen Corps Zeit gehabt haben, ihre Vereinigung zu bewerkstelligen.«

»Dieser Plan ist sehr einfach in der That, General; meiner Ansicht nach bietet derselbe große Chancen eines glücklichen Erfolgs.«

»Alles wird von der ersten Schlacht abhängen: gewonnen, bin ich gerettet, verloren, ist Alles beendet!«

»Gott ist groß, General! Der Sieg ist nicht immer den großen Bataillonen aufgehoben.«

»Nun, der Erfolg wird es lehren!«

»Wann gedenken Sie, Ihren Plan in Ausführung zu bringen?«

»In einigen Tagen, ich muß ihn vorbereiten, noch bevor zehn Tage vergehen, werde ich im Stande sein zu handeln und unmittelbar die Stadt verlassen; ich kann auf Euch rechnen, nicht wahr?«

»Wahrhaftig, General, gehöre ich Ihnen nicht mit Leib und Seele?«

»Ich weiß es, mein Freund, aber nun genug der Politik; ich bitte Euch, begleitet mich jetzt zu meiner Gemahlin, sie wünscht lebhaft, Euch zu sehen.«

»Diese freundliche Einladung entzückt mich, General, ich hätte indessen gewünscht, über eine wichtige Sache mit Ihnen zu sprechen.«

»Später, später, ich bitte Euch, laßt uns von Geschäften abbrechen, vielleicht handelt es sich um eine neue Abtrünnigkeit oder einen Verräther zu bestrafen? Ich vernehme seit einiger Zeit genug solcher schlechten Nachrichten, um zu wünschen, mir einen kleinen Aufschub zu gönnen. Wie jener Alte sagte: Auf morgen die ernsten Geschäfte.«

»Ja,« antwortete Don Jaime betonend, »und morgen war es zu spät.«

»Mag es sein, Gott ist gnädig! Und so wollen wir uns der Gegenwart erfreuen. Das ist das einzige Gut, welches uns bleibt, weil die Zukunft uns nicht mehr gehört.«

Und Don Jaime's Arm ergreifend, zog er ihn, ohne daß dieser länger zu widerstehen wagte, sanft mit sich fort, zu den Gemächern der Madame Miramon, einer reizenden, liebenden und furchtsamen Frau, ein hütender Engel des Generals, welche die Größe ihres Gemahls mit Schrecken erfüllte und die sich nur in dem häuslichen Leben zwischen ihren beiden Kindern glücklich fühlte.

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