Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Gustave Aimard >

Mexicanische Nächte ? Vierter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Vierter Theil - Kapitel 11
Quellenangabe
pfad/aimard/mexnaec4/mexnaec4.xml
typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Vierter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
year1865
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120119
projectid06def70a
Schließen

Navigation:

X.

Epilog.

Das Beil.

 

Die politischen Ereignisse nahmen indessen mit unheilvoller Schnelligkeit ihren Fortgang.

Die an den General Ortega abgesandte Deputation war nach Mexiko zurückgekehrt, ohne eine Capitulation bewilligt erhalten zu haben.

Die Lage wurde außerordentlich kritisch; unter diesen Umständen gab der General Miramon den Beweis seiner großen Selbstverläugnung: er beschloß, da er die Stadt Mexiko nicht mehr compromittiren wollte, sie noch in derselben Nacht zu verlassen.

Er begab sich zu dem Magistrat und schlug ihm vor, provisorisch einen Präsidenten oder einen Alcaden zu ernennen, welcher durch seine früheren Beziehungen zu der siegenden Partei im Stande wäre, die Stadt zu retten.

Die Wahl des Magistrats fiel auf den General Beriozabal, welcher edelmüthig diese schwierige Mission annahm.

Seine erste Sorge war, die auswärtigen Gesandten zu bitten, ihre Landestruppen zu bewaffnen, um die in Unordnung gerathene Polizei wieder herzustellen und über die allgemeine Sicherheit zu wachen.

Inzwischen bereitete Miramon Alles zu seiner Abreise vor.

Da er seine Frau und seine Kinder auf einer Flucht, die einen blutigen Ausgang haben konnte, nicht mit sich nehmen konnte, so beschloß er, sie der spanischen Gesandtschaft anzuvertrauen, wo man sie mit allen den Rücksichten empfing, die ihre unglückliche Lage erheischte.

Wenn Miramon gewollt hätte, würde er sich haben entfernen können, ohne Gewaltthätigkeiten von Seiten der Parteigänger Juarez' fürchten zu müssen. Wenn man ihn auch als politischen Gegner betrachtete, so haßte ihn doch Niemand persönlich als Feind.

Es waren ihm selbst zu wiederholten Malen Vorschläge gemacht worden, sich allein zu retten, aber mit jenem ritterlichen Zartgefühl, das eine der schönen Seiten seines Charakters ist, hatte er es ausgeschlagen, denn er wollte gewisse Personen, die für ihn gekämpft und sich für seine Sache compromittirt hatten, nicht im letzten Augenblick dem unversöhnlichen Hasse ihrer Feinde preisgeben.

Sicherlich war dieses Gefühl ehrenwerth; und selbst seine Gegner waren genöthigt, diese edle Handlungsweise zu bewundern.

Don Jaime de-Birar hatte einen Theil des Tages bei dem General zugebracht, indem er ihn auf's Beste zu trösten suchte und um ihn die zerstreuten Ueberreste – wir wollen nicht sagen, seiner Armee, sie existirte in der That nicht mehr – sondern der verschiedenen Corps zu sammeln, welche noch unentschlossen schwankten, welcher Partei zu dienen sie sich entschließen sollten.

Nachdem der Graf de-la-Saulay und der Herzog von Tobar – denn wir werden Dominique von nun an den Namen geben, der ihm zukommt – den Damen den ganzen Abend Gesellschaft geleistet und über die seltsamen Ereignisse des vorhergehenden Tages geplaudert hatten, nahmen sie endlich, ziemlich beunruhigt durch die lange Abwesenheit Don Jaime's in Folge der in diesem Augenblick in der Stadt herrschenden Verwirrung, Abschied; sie hatten eben ihre Wohnung betreten und schickten sich an, sich zur Ruhe zu begeben, als Raimbaut, der Diener des Grafen, Lopez meldete.

Der Peone trat, wie zu einer gefahrvollen Expedition bewaffnet, in's Zimmer.

»Oh! oh!« rief ihm der Herzog entgegen, »was für ein Arsenal tragt Ihr bei Euch, Freund Lopez!«

»Habt Ihr uns eine Mittheilung zu machen,« fragte der Graf.

»Ich habe Eurer Herrlichkeit nur Folgendes zu sagen: Zwei und eins ist drei.«

»Bei Gott!« riefen die beiden jungen Leute, indem sie rasch aufsprangen, »wir sind bereit, was sollen wir thun?«

»Sich selbst und Ihre Diener bewaffnen, die Pferde bereit halten und warten.«

»Es geht also etwas vor?«

»Ich weiß es nicht, Herr; mein Gebieter wird es Ihnen sagen.«

»Er wird also kommen?«

»Noch bevor eine Stunde vergeht, wird er hier sein, er hat mir den Befehl gegeben, bei Ihnen zu bleiben.«

»Gut, so benutzt diese Zeit, um Euch auszuruhen, wir werden indessen unsere Vorkehrungen treffen.«

Gegen elf Uhr Abends langte Don Jaime an; seine Freunde hatten ihre Reisekleider angelegt, sie trugen Sporen an ihren Füßen und Revolver in ihren Gürteln, ihre Säbel und Flinten lagen vor ihnen auf einem Tische, während sie sich die Zeit des Wartens mit Rauchen verkürzten.

»Bravo,« sagte Don Jaime eintretend, »so können wir aufbrechen.«

»Wenn es Euch beliebt.«

»Gehen wir weit?« fragte der Herzog.

»Ich glaube nicht, aber es könnte vielleicht ein Treffen stattfinden.«

»Um so besser,« meinten sie.

»Wir haben beinahe noch eine halbe Stunde für uns, das ist mehr als ich bedarf, um Euch mitzutheilen, was ich beabsichtige.«

»Wohlan, wir sind ganz Ohr.«

»Ihr wißt, daß ich mit dem General Miramon auf's Innigste befreundet bin,« begann er.

Die jungen Leute machten ein bejahendes Zeichen.

»So vernehmt denn, was vorgeht: Der General hat beinahe fünfzehnhundert Mann gesammelt, er hofft mit dieser Escorte Vera-Cruz zu erreichen, wo er sich einschiffen wird; er bricht diese Nacht, um ein Uhr Morgens auf.«

»Sind die Dinge schon so weit?« fragte der Graf.

»Alles ist beendet: Mexiko ist den Juaristen übergeben.«

»Um so schlimmer, aber das geht uns nichts an,« sagte der Graf.

»Bei allem Diesen kann ich nicht begreifen, welche Rolle wir dabei zu spielen haben,« warf der Herzog ein.

»Es ist folgende,« fuhr Don Jaime fort.

»Miramon glaubt auf die fünfzehnhundert Mann, die seine Eskorte bilden, rechnen zu können, ich bin vom Gegentheil überzeugt: die Soldaten lieben ihn, das ist wahr, aber sie verabscheuen gewisse Personen, die ihn begleiten. Ich weiß, daß man den Truppen angeboten hat, diese Personen auszuliefern, und ich fürchte, daß sie sich überreden lassen und bei dieser Gelegenheit auch Miramon zum Gefangenen gemacht werden wird.«

»Das wird aller Wahrscheinlichkeit nach geschehen,« meinte kopfschüttelnd der Graf.

»Wohlan, dies ist es gerade, was ich vermeiden will,« versetzte Don Jaime energisch, »und deßhalb rechnete ich auf Euch.«

»Wahrhaftig, Ihr hattet Recht.«

»Ihr konntet keine bessere Wahl treffen.«

»Ihr und ich, Lopez, Leo Carral und Eure beiden Diener, wir bilden eine Gesammtmacht von sieben entschlossenen Männern, auf welche man, im Fall die Dinge sich zum Bösen wenden sollten, rechnen kann. Noch mehr, Eure Eigenschaft als Fremder, die Sorgfalt, mit der Ihr ein zurückgezogenes Leben führtet und vermieden habt, die Blicke auf Euch zu lenken, werden uns erlauben, unser Werk auszuführen und den General bei Euch zu verbergen.«

»Wo er vollkommen in Sicherheit sein wird.«

»Ueberdies ist Alles, was ich sage, noch sehr ungewiß; die Umstände werden uns leiten. Vielleicht wird die Eskorte dem General treu bleiben und dann wäre unsre Mitwirkung unnütz, wir haben nur zurück zu kehren, nachdem wir ihn weit genug von der Stadt begleitet haben, um ihn in Sicherheit zu wissen.«

»Nun denn, mit Gottes Hülfe,« sagte der Graf, »es liegt in dem jungen Manne etwas Großes und Ritterliches, was mich anzieht, es würde mir daher nicht unlieb sein, wenn mir eine Gelegenheit geboten würde, ihm nützlich zu sein.«

»Da wir über Alles im Klaren sind, so laßt uns aufbrechen,« fügte der Herzog hinzu; »es drängt mich, bald in der Nähe dieses tapfern Generals zu sein; aber vor Allem habt Ihr, frage ich, an die Sicherheit meiner Mutter gedacht?«

»Sei ohne Sorge, lieber Neffe; der spanische Gesandte hat auf meine Bitte eine Wache von Kaufleuten unserer Nation in ihr Haus gelegt; weder sie, noch Carmen oder Dolores haben etwas zu fürchten, überdies ist Estevan bei ihnen, und Dank seines Ansehens bei Juarez, würde er allein genügen, sie wirksam zu beschützen.«

»Auf denn zur Schlacht!« riefen die beiden jungen Leute, indem sie freudig aufsprangen.

Sie hüllten sich in ihre Mäntel und nahmen ihre Waffen.

»So laßt uns aufbrechen,« sagte Don Jaime.

Die Diener waren schon zur Stelle.

Die sieben Reiter verließen das Haus und schlugen die Richtung nach der Plaza-Mayor ein, wo die Truppen sich versammelten.

Die Häuser waren illuminirt, eine unermeßliche Menschenmenge wogte durch die Straßen; aber die vollkommenste Ruhe herrschte in der Stadt, die nach allen Richtungen unaufhörlich von starken Patrouillen aus Franzosen, Engländern und Spaniern durchkreuzt wurde, welche mit der größten Selbstverläugnung über die Handhabung der Ordnung und allgemeine Sicherheit während dieser anarchischen Zwischenzeit wachten, welche stets von dem Fall der einen Regierung bis zur Einsetzung der anderen eintritt.

Die Plaza-Mayor war sehr belebt, die Soldaten verbrüderten sich mit dem Volke, plauderten und lachten, als ereignete sich in diesem Augenblick das Allergewöhnlichste von der Welt.

Der General Miramon, von einer ziemlich zahlreichen Gruppe von Offizieren umgeben, die seiner Sache treu geblieben oder solcher, die sich zu sehr compromittirt hatten, um gute Bedingungen von dem Sieger hoffen zu können, und es vorgezogen, ihn auf seiner Flucht zu begleiten, statt in der Stadt zu bleiben – zeigte eine Ruhe und Freudigkeit, die wahrscheinlich seinem Herzen sehr fremd war. Uebrigens plauderte er mit Geist, vertheidigte ohne Bitterkeit die Handlungen seiner Regierung und nahm ohne Vorwürfe und ohne Gegenbeschuldigungen Abschied von Denjenigen, welche ihn aus Egoismus verlassen hatten und deren Werk sein Fall war.

»Ah!« sagte er, als er Don Jaime erblickte und ihm entgegen trat, »Ihr kommt also wirklich mit mir? Ich hatte gehofft, Ihr würdet Eure Meinung ändern.«

»Ei, General,« antwortete er heiter, »das ist in der That liebenswürdig.«

»Ihr wißt wohl, daß Ihr mir nichts übelnehmen dürft.«

»Der Beweis dafür ist, daß ich Ihnen zwei meiner Freunde zuführe, die Sie durchaus begleiten wollen.«

»Ich bitte sie, meinen Dank dafür zu empfangen: ein Mann ist glücklich, wenn er, indem er von seiner Höhe stürzt, Freunde um sich sieht, wodurch ihm der Fall weniger schwer gemacht wird.«

»Darüber dürfen Sie sich nicht beklagen, General, denn Ihnen fehlt es nicht an Freunden,« antwortete ihm der Graf, indem er sich artig verneigte.

»In der That,« murmelte er, indem er einen trüben Blick umherschweifen ließ, »ich bin noch nicht allein.«

Die Unterhaltung wurde einige Zeit in diesem Tone fortgeführt.

Eine Stunde später ertönte die Mitternachtsstunde von Sagrario.

Miramon richtete sich in die Höhe.

»Lassen Sie uns aufbrechen, meine Herren,« sagte er mit fester Stimme, »die Stunde ist gekommen, die Stadt zu verlassen.«

»Blast zum Aufbruch,« rief ein Offizier.

Die Trompeten ertönten.

Eine rasche Bewegung bemächtigte sich der Menge, welche unter den Portalen zusammengedrängt stand.

Die Soldaten stiegen zu Pferde und ordneten sich in Reihe und Glied.

Dann trat wie durch Zauber die Ruhe wieder ein und eine Todesstille herrschte auf diesem weiten Platze, auf dem das Volk Kopf an Kopf gedrängt stand.

Miramon hielt sich gerade und entschlossen auf seinem Pferde in der Mitte seiner Truppen. Don Jaime und seine Gefährten waren in die Reihen des Generalstabs getreten, welcher den General umgab.

Nach einer augenblicklichen Zögerung warf der Präsident einen letzten, trüben Blick auf den düstern Palast, den kein Licht erhellte.

»Vorwärts!« rief er.

Die Truppen setzten sich in Marsch.

In demselben Augenblick ertönte von allen Seiten der Ruf: »Es lebe Miramon!«

Der General neigte sich zu Don Jaime.

»Sie bedauern mich schon,« sagte er mit leiser Stimme, »und ich bin noch nicht fort.«

Die Truppen ritten langsam durch die Stadt, gefolgt von der Menge, die hierdurch dem gestürzten Präsidenten ihre letzte Huldigung darbringen zu wollen schien, um ihm einen Beweis der Achtung zu geben, die sich seine Person erworben hatte.

Endlich gegen zwei Uhr Morgens überschritt man die Barriere und befand sich in freiem Felde; bald erschien die Stadt nur noch wie ein leuchtender Punct am Horizont.

Die Truppen waren trübe und schweigsam.

Dennoch setzten sie ihren Marsch unaufhaltsam fort.

Plötzlich machte sich eine Stockung fühlbar, eine dumpfe Bewegung herrschte in den Reihen.

»Aufgepaßt! es geht etwas vor,« flüsterte Don Jaime seinen Freunden zu.

Bald vermehrte sich die Bewegung: einige Rufe der Vorposten ließen sich vernehmen.

»Was geht denn vor?« fragte Miramon.

»Ihre Soldaten empören sich,« antwortete ihm Don Jaime gerade heraus.

»Ah! das ist nicht möglich!« rief er aus.

In demselben Augenblick ließ sich ein furchtbarer Lärm von Geschrei und Pfeifen vernehmen, in welchem der Ruf:

»Es lebe Juarez! das Beil! das Beil!« vorherrschte.

Das Beil ist in Mexiko das Symbol der Verbündung.

Das Beil mit Freudejauchzen begrüßen, ist das Zeichen der Empörung.

Der Ruf lief augenblicklich von Reihe zu Reihe, wurde allgemein und bald hatte die Verwirrung und Unordnung den höchsten Gipfel erreicht.

Die unter die Soldaten gemischten Parteigänger Juarez' stießen ein wahres Mordgeschrei gegen die Feinde aus, die sie nicht entschlüpfen lassen wollten; die Säbel waren aus den Scheiden, die Lanzen eingelegt, ein Zusammenstoß schien bevorzustehen.

»General, wir müssen fliehen!« sagte Don Jaime rasch.

»Niemals,« antwortete der Präsident, »ich werde mit meinen Freunden sterben!«

»Sie werden ermordet werden, ohne daß es Ihnen gelingt, sie zu retten; überdies, sehen Sie: sie verlassen Sie selbst.«

Es war in der That so: die Freunde des Präsidenten hatten sich aufgelöst und zerstreuten sich nach allen Richtungen.

»Was ist zu thun?« rief der General.

»Sich Bahn brechen,« erwiderte Don Jaime, und ohne dem Präsidenten Zeit zum Nachdenken zu lassen, rief er mit donnernder Stimme: »Vorwärts!«

In demselben Augenblick stürzten die Empörer mit gesenkten Lanzen auf die kleine Gruppe zu, in deren Mitte sich Miramon befand.

Es herrschte einige Minuten eine schreckliche Verwirrung: Don Jaime und seinen Freunden gelang es, gut bewaffnet und beritten wie sie waren, sich einen freien Durchgang zu bahnen und den General in ihrer Mitte mit fortzuziehen.

Darauf begann ein wilder Ritt.

»Wohin gehen wir?« fragte der Präsident.

»Nach Mexiko! das ist der einzige Ort, wo man Sie nicht suchen wird.«

Eine Stunde später passirten sie wieder die Barriere und betraten die Stadt in Gemeinschaft mit den zerstreuten Soldaten, die den betäubenden Ruf erschallen ließen: »Es lebe Juarez!« und sie selbst schrieen stärker, wie Die, welche sie umgaben.

Einmal in der Stadt angekommen, trennten sie sich; Miramon und Don Jaime blieben allein: die Vorsicht forderte, daß die Flüchtigen nur einzeln in ihre Behausung zurückkehrten.

Gegen vier Uhr Morgens waren sie sämmtlich in Sicherheit.

Die Truppen Juarez' erreichten, nur einige Stunden dem General Ortega vorangehend, die Stadt.

Dank den zwischen dem General Beriozabal und den fremden Residenten getroffenen Maßregeln, wurde der Wechsel der Regierung ohne Erschütterung bewerkstelligt; am nächsten Tage erschien die Stadt eben so ruhig, als wenn nichts Außerordentliches sich ereignet hätte.

Dennoch war Don Jaime nicht beruhigt; er fürchtete, daß wenn Miramon länger in der Stadt blieb, seine Gegenwart bekannt werden würde; er suchte daher nach einer Gelegenheit, ihn entschlüpfen zu lassen, und begann schon zu verzweifeln, ein Mittel zu finden, als der Zufall ihm eines darbot, auf welches zu rechnen er weit entfernt gewesen war.

Mehre Tage waren verflossen, die Revolution hatte ihren Lauf gehabt und die Dinge gingen ihren gewöhnlichen Gang, als endlich Juarez von Vera-Cruz anlangte und seinen Einzug in die Stadt hielt.

Die erste Sorge des neuen Präsidenten war – wie es Miramon vorausgesehen hatte – den spanischen Gesandten seine Ausweisung aus dem Gebiete der mexikanischen Republik unterzeichnen zu lassen.

Aehnliche Unterzeichnungen mußten an demselben Tage der Legat des heiligen Stuhls und die Repräsentanten von Guatemala und Ecuador machen.

Diese rohe Vertreibung, in den beleidigendsten Ausdrücken abgefaßt und ganz gegen die zwischen civilisirten Völkern gestalteten Principien verstoßend, verursachte einen allgemeinen Schrecken.

Bestürzung herrschte in der Stadt: was sollte man von einer Regierung erwarten, welche mit solchen Handlungen begann?

Die Gelegenheit, welche Don Jaime so lange suchte, bot sich ihm endlich dar.

Miramon sollte nicht mit dem spanischen Gesandten, sondern mit dem Repräsentanten von Guatemala abreisen.

So geschah es in der That.

Die Abreise der vertriebenen Minister fand an demselben Tage statt. Es waren der Gesandte von Spanien, der Legat des heiligen Stuhles, der Gesandte von Guatemala und der von Ecuador; ferner waren der Erzbischof von Mexiko und fünf mexikanische Bischöfe, welche die ganze bischöfliche Würde des Bundes bildeten, von dem Gebiete der Republik verbannt worden und benutzten die Escorte der Gesandten, um die Hauptstadt zu verlassen.

Miramon, dessen Frau und Kinder schon einige Tage früher abgereist waren, folgte unter einer Verkleidung, die ihn unkenntlich machte, dem Gesandten von Guatemala.

Der Graf de-la-Sulay und der Herzog von Tobar begleiteten Donna Maria und die beiden jungen Mädchen nach Vera-Cruz.

Don Jaime hatte seinen Freund nicht verlassen wollen, er reiste in Begleitung Lopez' mit dem Gesandten. Nur Don Estevan blieb in Mexiko.

Wir wollen nicht die Beleidigungen und Schmähungen berichten, welche die vertriebenen Gesandten und Geistlichen auf ihrer Reise zu erdulden hatten; von Puebla, wo man sie als Gefangene zurückhielt, bis Vera-Cruz, wo man sie bedrohte, sie mit Steinen warf und die Bevölkerung zur äußersten Erbitterung gegen den Legaten und die unglücklichen verbannten Bischöfe gelangte.

Die Dinge erreichten endlich eine solche Höhe, daß der französische Consul sich genöthigt sah, den Beistand einer französischen Kriegsbrigg und eines in Sacrificios ankernden spanischen Schiffes zu reclamiren, welche sogleich bewaffnete Mannschaft an's Land setzten.

Miramon war erkannt worden, aber Dank der Energie des französischen Consuls und des Commandanten der Brigg, gelang es ihm, seinen Feinden zu entgehen.

Zwei Tage später segelte der Velasco, das der spanischen Kriegsmarine angehörende Fahrzeug, nach Havanna und trug unsere Freunde an seinem Bord davon.

*

Am 15. Januar 1863 wurde in Havanna eine Doppelhochzeit gefeiert.

Die des Grafen de-la-Saulay mit Donna Carmen de-Tobar und die des Herzogs de-Tobar mit Donna Dolores de-la-Cruz.

Die Zeugen waren der Gesandte Ihrer katholischen Majestät in Mexiko, der General Miramon, der Commandant des Velasco, und der Exminister von Guatemala.

Der Legat des heiligen Stuhles ertheilte den Neuvermählten den Segen.

Der Graf de-la-Saulay, sagt man, ist soeben nach Mexiko zurückgereist, um Dank der französischen Vermittelung die unermeßlichen Güter, welche seine Gemahlin in diesem Lande besitzt und welche die Regierung Juarez' sich angeeignet hat, zurückzufordern.

Don Jaime de-Bivar begleitet seinen Freund.

Leo Carral ist mit ihnen.

 

Ende.

 

 

Druck von C. G. Naumann in Leipzig.

Verlagswerbung
 << Kapitel 10 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.