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Mexicanische Nächte ? Dritter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Dritter Theil - Kapitel 7
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typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Dritter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
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VI.

Der Rächer.

Sobald der Graf seine Wohnung erreicht hatte, gab er Befehl zur Abreise; er hatte vollständig das Geschäft vergessen, um welches er nach Bruneck gekommen war; überdies, selbst wenn dasselbe noch wichtiger gewesen wäre, als es für ihn war, würde es ihn nicht zurückgehalten haben, so groß war seine Eile, fort zu kommen.

Indessen sah er sich genöthigt, noch einige Stunden in der Stadt zu verweilen; es war unmöglich, vor drei Uhr Nachmittags Pferde zu bekommen.

Er benutzte diesen Umstand, um ein Wenig zu ruhen; denn er war in der That äußerst ermüdet.

Bald fiel er in einen so tiefen Schlaf, daß er nicht einmal das Geschrei und die Verwünschungen der wüthenden Volksmenge vernahm, als man ihr, anstatt drei Verbrecher, welche sie seit so langer Zeit erwartete, um sich an ihrer Todesqual zu ergötzen und dadurch ihre Rache zu stillen, drei Leichname überlieferte.

In dem Augenblick, wo der Kerkermeister und die Gerichtsbeamten das Gefängniß betraten, um die Verurtheilten zur Richtstätte zu führen, hatten sie dieselben todt gefunden. –

Als der Graf wieder erwachte, war Alles beendet, die Läden waren geöffnet und die Stadt bot den gewöhnlichen Anblick dar.

Der Graf fragte nach seinem Wagen; er stand angespannt vor der Thür des Hauses.

Die letzten Vorbereitungen waren bald beendet; und so ging der Graf hinunter.

»Wohin gehen wir, Excellenz?« fragte der Postillon, mit der Hand am Hute.

»Wir nehmen den Weg nach Wien,« antwortete der Graf, indem er sich bequem in die Wagenecke lehnte.

Der Postillon knallte mit der Peitsche und fort ging es im Galopp.

Der Graf hatte überlegt und war zu folgendem Resultat gelangt:

Eine einzige Person war mächtig genug, um ihm schnelle Gerechtigkeit angedeihen zulassen; diese Person war der Kaiser.

Er ging daher direct nach Wien, um sich an denselben zu wenden.

Bruneck ist von Wien ziemlich weit entfernt; überhaupt waren zu jener Zeit, wo die Eisenbahnen erst im Entstehen begriffen, und nur auf gewissen Linien existirten, die Reisen lang, ermüdend und beschwerlich.

Die gegenwärtige dauerte siebenundzwanzig Tage.

Die erste Sorge des Grafen bei seiner Ankunft war, sich nach Seiner kaiserlichen Majestät zu erkundigen.

Der Hof befand sich in Schönbrunn.

Nun aber liegt Schönbrunn, das St.-Cloud der österreichischen Kaiser, nur etwa dreiviertel Stunden von Wien entfernt.

Um jedoch nicht durch ein falsches Verfahren seine kostbare Zeit zu verlieren, mußte er so schnell als möglich eine Audienz bei dem Kaiser zu erhalten suchen.

Der Graf Octave war von zu hohem Adel, um lange warten zu müssen: zwei Tage nach seiner Ankunft in Wien wurde ihm eine Audienz bewilligt.

Der Palast von Schönbrunn liegt wie wir bereits erwähnten, kaum dreiviertel Stunden von Wien, vor der Vorstadt Mariahilf etwas nach links.

Dieser kaiserliche Palast, von Joseph I. begonnen und von Maria Theresia vollendet, ist von einfacher, eleganter und anmuthiger Bauart, der es indessen nicht an einer gewissen Majestät fehlt.

Er besteht aus einem großen Hauptgebäude mit zwei Seitenflügeln, eine doppelte Treppe bildet den Aufgang zur Säulenhalle, die in das erste Stockwerk führt. Niedrige, mit dem Hauptgebäude parallele Gebäude dienen zu Wohnungen für die Dienerschaft und zu den Ställen, und verbinden die beiden äußersten Enden der Seitenflügel, welche nur an der Perronlinie eine zehn Meter breite Oeffnung lassen, zu deren beiden Seiten sich je ein Obelisk erhebt, um den Hof zu bezeichnen und abzuschließen.

Eine über die Wien, einen kleinen Fluß, der sich in die Donau ergießt, befindliche Brücke führt zum Schlosse, hinter welchem sich amphitheatralisch ein prächtiger Garten erhebt, der durch ein mitten auf einem prächtigen Grasplatz stehendes Belvedere beherrscht wird, zu welchem auf beiden Seiten schattige Laubgänge führen.

Schönbrunn, berühmt durch den zwiefachen Aufenthalt, welchen Napoleon der I. dort nahm und durch den schmerzlichen Todeskampf seines Sohnes, trägt den Stempel unbeschreiblicher Traurigkeit in sich. Alles darin ist düster und öde; dem Hofe mit seiner formellen Etiquette und seinen brillanten Paraden gelingt es nur unvollkommen, diesen Leichnam von Zeit zu Zeit zu beleben. Schönbrunn ist wie der Palast von Versailles nur ein Körper ohne Seele: nichts ist im Stande, ihm Leben zu verleihen.

Der Graf kam in Schönbrunn zehn Minuten vor der um Mittag festgesetzten Stunde seiner Audienz an.

Ein Kammerdiener erwartete ihn; er führte ihn sogleich zu Sr. Majestät.

Der Kaiser befand sich in einem Privatsalon, und lehnte am Kamine.

Der Empfang, welcher dem Grafen zu Theil wurde, war äußerst freundlich.

Die Audienz war lang, sie dauerte beinahe vier Stunden; Keiner hat je erfahren, was zwischen dem Kaiser und dem Vasallen verhandelt wurde.

Nur die letzten Worte dieser vertrauten Unterredung wurden vernommen.

In dem Augenblicke, als der Graf von dem Kaiser Abschied nahm, sagte dieser, indem er ihm die Hand zum Kusse reichte:

»Ich glaube, es ist besser, so zu handeln; man muß überhaupt im Interesse des ganzen Adels, um welchen Preis es auch sei, den schrecklichen Scandal zu vermeiden suchen, welchen die Entdeckung einer so entsetzlichen Sache hervorbringen würde; meine Unterstützung wird Ihnen nicht fehlen; gehen Sie, Herr Graf, Gott gebe, daß Sie mit den Mitteln, die ich zu Ihrer Verfügung stelle, Ihren Zweck erreichen.«

Der Graf verbeugte sich ehrfurchtsvoll und verließ den Salon.

Noch an demselben Abend reiste er von Wien ab und schlug den Weg nach seiner Heimat ein.

Zu gleicher Zeit mit ihm reiste ein von dem Kaiser abgesandter Cabinetscourir denselben Weg.

Hier hielt der Abenteurer in seiner Erzählung inne, und sich zu dem Grafen wendend, sagte er:

»Vermuthet Ihr, was zwischen dem Kaiser und dem Grafen vorgegangen war?«

»Beinahe,« antwortete dieser.

»Ah! meinte der Erstere erstaunt, »ich bin neugierig, das Resultat Eurer Gedanken kennen zu lernen.«

»Ihr wünscht also, daß ich es Euch sage?«

»Gewiß.«

»Mein lieber Don Adolfo,« nahm der Graf wieder das Wort, »wie Ihr wißt, bin ich von Adel; in Frankreich ist der König nur der erste Edelmann seines Reiches, der primus inter pares, und ich glaube, daß es beinahe überall so ist. Nun aber berührt irgend ein Angriff gegen ein Glied des Adels eben so ernst den Souverain, wie alle andere Edeln jedes Reichs. Als der König von Frankreich den Grafen von Horn verurtheilte, auf dem Grèveplatz lebendig gerädert zu werden, weil er einen Juden in der Quincampoixstraße bestohlen und ermordet hatte, antwortete er einem Hofherren, welcher sich bei ihm zu Gunsten des Schuldigen verwendete und ihm vorstellte, daß der Graf Horn, mit den souverainen Familien verbunden, sein Verwandter sei: »Sobald ich schlechtes Blut habe, lasse ich mir zur Ader,« und wandte dem Bittsteller den Rücken; dies hinderte den Adel nicht, seine Kutschen zu der Hinrichtung des Grafen Horn zu schicken. Nun ist die Sache, von welcher Ihr redet, beinahe dieselbe; nur ist der österreichische Kaiser, obgleich er einsieht, daß der Schuldige bestraft werden muß, weniger gerecht als der Regent von Frankreich und weicht vor der Oeffentlichkeit zurück, welche nach ihm den ganzen Adel seines Landes treffen würde. Deßhalb ist er, wie alle schwache Menschen, auf halbem Wege stehen geblieben, das heißt, er hat dem Grafen wahrscheinlich eine Vollmacht gegeben, vermittelst welcher dieser bei der ersten Gelegenheit auf seinen edlen Verwandten losgehen, ihn tödten oder ihn selbst ermorden lassen kann, ohne irgend einen Proceß, um sich, indem er seinen Feind über Seite schafft, die nachgesuchte Gerechtigkeit zu verschaffen. Denn sobald der Prinz todt ist, würde es leicht sein, seiner Schwägerin und ihrem Sohne – wenn es gelänge, denselben aufzufinden – die Titel und das Vermögen wieder zu geben, dessen sein Onkel ihn so verbrecherischer Weise beraubt hat. Das ist es, was nach meiner Meinung zwischen dem Kaiser und dem Grafen in dieser langen Audienz zu Schönbrunn hätte beschlossen werden sollen.«

»Es geschah in der That so, Herr Graf; allein der Kaiser forderte, daß die Feindseligkeiten zwischen dem Grafen und dem Prinzen nicht eher beginnen sollten, als bis dieser sich außerhalb der Grenzen des Kaiserreichs befände. Ferner ersuchte der Graf den Kaiser, diejenigen Mittel zu seiner Disposition zu stellen, deren er bedurfte, um seinen Neffen, wenn derselbe noch am Leben sein sollte, wiederaufzufinden, wozu der Kaiser seine Einwilligung gab.

»Der Graf kehrte mit einer Vollmacht Sr. Majestät versehen, auf sein Schloß zurück. Diese Vollmacht verlieh ihm die ausgedehnteste Macht, um seine Rache zu verfolgen, und war außerdem mit einem kaiserlichen Schreiben versehen, um ihm je nach Bedürfniß die Mitwirkung aller kaiserlichen Agenten in Oesterreich sowohl wie im Auslande zu sichern.

»Der Graf war, wie Ihr begreifen werdet, nur wenig von den Bedingungen befriedigt, welche ihm der Kaiser auferlegt hatte; aber da er die Unmöglichkeit einsah, mehr zu erlangen, so war er gezwungen, sich darein zu ergeben.

»Sicherlich hätte er, welches auch die Folgen sein mochten, einen öffentlichen Proceß der schändlichen und elenden Rache, die man ihm gestattete, vorgezogen; aber besser war es noch immer im Interesse seiner Schwester und seines Neffen, diese halben Vergünstigungen erhalten zu haben, als an einer formellen Weigerung zu scheitern.

»Er begann also sogleich die eifrigsten Nachforschungen nach seinem Neffen; zu diesem Zweck enthielten die Papiere Rotharm's die kostbarsten Berichte. Ohne seiner Schwester etwas zu sagen, aus Furcht ihr falsche Hoffnungen zu machen, setzte er die Sache in's Werk. Was soll ich mehr sagen, meine Freunde? Seine Nachforschungen waren lange vergeblich und dauern noch fort, die Situation beginnt indessen sich zu lichten, der Graf ist so glücklich gewesen, seinen Neffen wiederzufinden. Seit dieser Entdeckung hat er den jungen Mann nie aus den Augen verloren, obwohl dieser noch nicht die heiligen Bande kennt, welche ihn an den Mann knüpfen, der ihn erzogen hat und der ihn wie einen Vater liebt. Der Graf hat dieses Geheimniß selbst seiner Schwester gegenüber bewahrt, da er es ihr nur dann entdecken wollte, wenn er zugleich hinzufügen könnte, daß die Gerechtigkeit den Schuldigen getroffen und endlich ihr seit so vielen Jahren beweinter Gatte gerächt ist.

»Obwohl seit dieser Zeit die beiden Feinde oft einander gegenüber standen und manche Gelegenheit dem Grafen sich bot, seinen Feind zu tödten, so hat er sich doch niemals durch seinen Haß fortreißen lassen, oder um aufrichtiger zu sein, sein Haß hat ihm die Kraft verliehen, zu warten; der Graf will seinen Feind tödten, aber er will, daß er vorher entehrt sei und nicht in einem ehrenwerthen Kampfe besiegt falle, sondern wie ein Verbrecher gerichtet werde, indem er endlich die Strafe für seine Missethaten empfängt.«

Nachdem der Abenteurer diese letzten Worte ausgesprochen hatte, schwieg er.

Eine tiefe Stille herrschte unter den drei Anwesenden.

Die Nacht war vorüber; weißliche Lichtstreifen drangen durch die halb offenen Fenster; der Schein der Kerzen erblich; ein dumpfes Geräusch zeigte an, daß die Stadt aus ihrem Schlummer erwache und die entfernten Glocken der Klöster und Kirchen riefen die Gläubigen zur Frühmesse.

Der Abenteurer erhob sich von seinem Sitz und schritt im Zimmer auf und nieder, indem er zuweilen einen durchdringenden Blick auf seine beiden Gefährten warf.

Dominique, in seine Butacca zurückgelehnt, rauchte mechanisch mit halbgeschlossenen Augen seine indianische Pfeife. Der Graf de-la-Saulay trommelte mit seinen Händen ein Stückchen auf dem Tische, während er aus dem Winkel seines Auges den Bewegungen des Abenteurers folgte.

»Don Adolfo,« sagte er plötzlich, indem er den Kopf in die Höhe hob und ihn fest anblickte, »ist denn Eure Geschichte zu Ende?«

»Ja,« antwortete lakonisch der Abenteurer.

»Ihr habt nichts hinzuzufügen?«

»Nein.«

»Nun, mein Freund, Ihr werdet mich entschuldigen, aber ich glaube, daß Ihr Euch irrt.«

»Ich verstehe Euch nicht, mein lieber Graf.«

»Ich will mich erklären, aber unter einer Bedingung.«

»Welche?«

»Daß Ihr mich nicht unterbrecht.«

»Es geschehe, wie Ihr verlangt. Nun, ich höre.«

Und er begann wieder seinen Spaziergang.

»Mein Freund,« begann der Graf, »als ich in Amerika landete, war das erste sympathische Gesicht, welches mir begegnete, das Eurige. Obwohl Beide in sehr verschiedenen Lagen, hat es dem Zufall gefallen, uns mit so vieler Beharrlichkeit zu vereinigen, daß die anfangs oberflächliche Bekanntschaft, ohne daß wir selbst wissen, auf welche Weise, zu einer aufrichtigen und tiefen Neigung geworden ist. Man verbindet sich aber nicht mit einem Manne wie ich es mit Euch gethan habe, ohne den Character dieses Mannes ein Wenig zu studiren; das habe ich gethan und Ihr werdet es in Bezug auf mich auch gethan haben. Nun aber glaube ich, Euch genau genug zu kennen, mein Freund, um überzeugt zu sein, daß Ihr heute Nacht zu dem alleinigen Zweck in unser Haus gekommen seid, um hier zu soupiren, oder vielmehr, gerade heraus gesagt, um ein Gelage zu halten, was weder mit Eurem Character noch mit Euren Sitten übereinstimmt, da Ihr der mäßigste Mann seid, den ich bis jetzt kennen gelernt habe. Deßhalb nun frage ich mich, weßhalb Ihr, der Ihr sonst mit Euren Worten und hauptsächlich mit Geheimnissen geizt, Ihr uns diese interessante Geschichte mitgetheilt habt, die dem Anscheine nach uns in keiner Weise etwas angeht, und für uns nur ein durchaus secundaires Interesse haben dürfte. Ich muß mir diese Frage dahin beantworten, daß Ihr diesen Abend hierhergekommen seid, nicht um ein Abendessen, dessen Ihr nicht bedurftet, bei uns zu verlangen, sondern nur um uns diese Geschichte mitzutheilen, die Euch mehr interessirt als vielleicht uns. Daraus schließe ich, daß Ihr uns noch Etwas zu sagen, oder um deutlicher zu reden, noch Etwas von uns zu fordern habt.«

»In der That, das ist klar,« sagte Dominique.

»Wohlan, ja, Alles was Ihr voraussetzt, ist wahr. Das Abendessen war nur ein Vorwand und ich bin in Wahrheit heute Nacht nur in der Absicht hierhergekommen, um Euch diese Geschichte mitzutheilen.«

»Ei, das nenne ich wenigstens offen gesprochen,« sprach Dominique erfreut.

»Allein, ich gestehe Euch jetzt,« fuhr der Abenteurer betrübt fort, »daß ich nun aus Furcht zögere.«

»Ihr habt Furcht, Ihr – und warum?« riefen die beiden jungen Leute überrascht.

»Weil diese lange Geschichte nächstens eine schreckliche Entwicklung haben wird und ich, in der Absicht hierhergekommen. Eure Mitwirkung zu erbitten, jetzt vor dem Gedanken zurückschrecke. Euch, so jung, glücklich und sorglos, indirect in diese furchtbare Geschichte zu verwickeln, der Ihr fremd bleiben solltet. Ich bitte Euch, meine Freunde, vergeßt, was Ihr gehört habt.«

»Nein, auf meine Ehre, Don Adolfo,« rief der Graf energisch aus, »so soll es nicht sein, das schwöre ich Euch, ich spreche für mich und für Dominique. Ihr bedürft unserer, hier sind wir; ich weiß nicht, welches geheime Interesse Ihr bei dieser Sache habt, ich will nicht einmal die Beweggründe zu erforschen suchen, die Euch so handeln lassen, aber ich wiederhole Euch, uns von Euch entfernen, wenn Ihr einer großen Gefahr entgegen geht, welche wir, indem wir sie theilen, vielleicht von Euch abwenden könnten, bewiese uns, daß Ihr weder Achtung noch Freundschaft für uns habt, und uns mehr als junge Leute ohne Festigkeit, denn als muthige Männer betrachtet.«

»Ihr geht zu weit, mein lieber Graf,« fiel ihm der Abenteurer lebhaft in's Wort; »ich habe nie solche Gedanken gehabt, weit entfernt; allein, ich wiederhole Euch, ich zittere bei dem Gedanken, daß ich Euch in diese Sache, die Euch nichts angeht, mischen soll.«

»Verzeiht mir, mein Freund, von dem Augenblicke an, wo sie Euch interessirt, geht sie auch uns an, und wir haben das Recht, uns hinein zu mischen.«

Der Abenteurer senkte das Haupt und schritt wieder erregt im Salon auf und nieder.

»Nun, so sei es,« sagte er nach einer Weile, »da Ihr es fordert, meine Freunde, so wollen wir vereint handeln. Ihr werdet mich in Dem unterstützen, was ich unternommen habe, dann bleibt mir die Hoffnung, daß wir zum Ziel gelangen werden.«

»Davon bin ich überzeugt,« setzte der Graf hinzu.

»So laßt uns aufbrechen,« sprach Dominique, indem er sich vom Tische erhob.

»Noch nicht, aber der Augenblick ist nahe; ich versichere Euch, daß Ihr nicht lange mehr zu warten habt; noch eine letzte Gesundheit und ein letztes Lebewohl. – Ah! ich vergaß, in dem Falle, daß ich nicht selbst kommen könnte, soll das Losungswort sein: »Eins und zwei sind drei.« Das ist sehr einfach, Ihr werdet Euch daran erinnern, nicht wahr?«

»Gewiß.«

»Nun denn, lebt wohl!«

Fünf Minuten später hatte der Abenteurer das Haus verlassen.

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