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Mexicanische Nächte ? Dritter Theil

Gustave Aimard: Mexicanische Nächte ? Dritter Theil - Kapitel 6
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typefiction
authorGustav Aimard
titleMexicanische Nächte ? Dritter Theil
publisherVerlag von Chr. E. Kollmann
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V.

Die Offenbarung.

Es herrschte ein ziemlich langes Schweigen, während die drei Gäste in tiefe Gedanken verloren waren. Endlich brach Don Adolfo den Zauber, der sie zu fesseln schien, indem er plötzlich wieder das Wort nahm:

»Die Prinzessin hatte einen Bruder, damals ein junger Mann von höchstens zwei und zwanzig Jahren; ein hübscher Cavalier, geschickt in allen Leibesübungen, tapfer wie sein Degen, sehr beliebt bei den Damen, verbarg er unter einem frivolen Aeußern, einen ernsten Charakter, einen bedeutenden Verstand und eine unbezähmbare Energie. Dieser Bruder, welchen wir Octave nennen wollen, hatte für seine Schwester eine aufrichtige Freundschaft und Zuneigung; liebte sie wegen Alles, was sie gelitten hatte, und er forderte sie zuerst auf, den Palast ihres verstorbenen Gemahls zu verlassen und in ihre Familie zurück zu kehren, ihr Witthum reklamiren und alle Dienstanerbietungen des Fürsten, ihres Schwagers, zurückzuweisen. Octav empfand, ohne daß Etwas in den Augen der Welt sein Betragen dem Prinzen gegenüber gerechtfertigt hätte, einen lebhaften Widerwillen gegen diesen.

»Dennoch hatte er nicht alle Verbindungen mit ihm abgebrochen; er besuchte ihn zuweilen, obwohl höchst selten.

»Diese Besuche, stets kalt und zurückhaltend von Seiten des jungen Mannes, waren dagegen herzlich und zuvorkommend von dem Prinzen, welcher durch seine anmuthigen Manieren, seine unaufhörlich erneuerten Dienstanerbietungen diesen Mann, dessen Widerwillen er errathen, hatte, zu fesseln suchte.

»Die Prinzessin erzog ihre Tochter fern von der Welt, im Schooße ihrer Familie, mit unbegrenzter Zärtlichkeit. Seit dem Tode ihres Mannes hatte sie die Trauer nicht wieder abgelegt; aber diese Trauer trug sie mehr noch in ihrem Herzen, denn die Katastrophe, welche ihr ihren Gemahl geraubt hatte, war ihrer Erinnerung stets gegenwärtig und mit jener Zähigkeit liebender Herzen, für welche es keine Zeit giebt, war ihr Schmerz noch eben so groß wie am ersten Tage. Wenn zuweilen der Name ihres Schwagers zufällig erwähnt wurde, so durchlief plötzlich ein convulsivisches Zittern ihren ganzen Körper, ihr bleiches Gesicht wurde leichenfarben, und ihre großen, fieberhaft brennenden, in Thränen schimmernden Augen richteten sich dann mit einem seltsamen Ausdruck des Vorwurfs und der Verzweiflung auf ihren Bruder Octave, als wollte sie sagen, daß die Rache, die er ihr versprochen, lange auf sich warten lasse.

»Der Fürst, jetzt ein gemachter Mann, hatte darüber nachgedacht, daß er der Letzte seines Geschlechts und es dringend nöthig sei, wenn er nicht wollte, daß die Güter und Titel seiner Familie an entfernte Seitenlinien übergingen, einen Erben seines Namens zu haben. Demzufolge hatte er Verbindungen mit mehren hohen Familien des Landes angeknüpft, und zu der Zeit, zu welcher wir gelangt sind, das heißt ungefähr acht Jahre nach dem Tode seines Bruders, sprach man viel von der demnächstigen Vermählung des Prinzen mit der Tochter eines der edelsten Häuser des deutschen Bundes.

»Alle Convenienzen fanden sich bei dieser Verbindung, die bestimmt war, die Wichtigkeit und den schon sprichwörtlich gewordenen Reichthum des Hauses Oppenheim-Schlewig noch zu vermehren, vereinigt; die Braut war jung, schön und mit dem regierenden Hause von Habsburg entfernt verwandt. Der Prinz knüpfte daher an diese Verbindung die größte Wichtigkeit und bemühte sich, die Schließung derselben so viel als möglich zu beschleunigen.

»Mittlerweile war der Graf Octave genöthigt, zur Regelung gewisser Geschäftsinteressen, seinen Aufenthaltsort zu verlassen um sich für einige Tage nach einer höchstens einige zwanzig Meilen entfernten Stadt zu begeben.

»Der junge Mann nahm von seiner Schwester Abschied, stieg in die Postkutsche und reiste ab.

»Am dritten Tage langte er Abends gegen 8 Uhr in der Stadt Bruneck an und stieg in einem Hause ab, welches ihm gehörte und auf dem Marktplatz der Stadt, kaum einige Schritt von dem Palast des Verwaltungsrathes lag.

»Bruneck ist eine sehr hübsche, kleine Stadt in Tyrol, deren Bevölkerung, die sich auf höchstens sechszehnhundert Einwohner beläuft, noch heute die patriarchalisch einfachen und strengen Sitten von vor sechzig Jahren bewahrt hat.

»Der Graf Octave bemerkte bei seinem Eintritt in die Stadt zu seiner Ueberraschung, daß daselbst die größte Aufregung herrschte; trotz der späten Stunde waren die Straßen, welche die Postkutsche passirte, mit einer bewegten Volksmenge angefüllt, die mit lautem Geschrei nach allen Seiten lief; der größte Theil der Häuser war illuminirt und auf dem Platze große Feuer angezündet.

»Sobald der Graf in seinem Hause angelangt war, erkundigte er sich, als er sich zum Abendessen niedersetzte, nach der Ursache dieser außergewöhnlichen Aufregung.

»Er vernahm Folgendes:

»Tyrol ist ein außerordentlich bergiges Land, es ist die Schweiz Oesterreich's; der größte Theil dieser Berge dient indessen zahlreichen Bösewichtern zum Zufluchtsort, die sich allein damit beschäftigen, für die Reisenden, welche ihr böser Stern in ihre Hände führt ein Lösegeld zu fordern, und die Dörfer und oft selbst ziemlich bedeutende Flecken zu plündern.

Seit einer Reihe von Jahren hatte ein geschickter und kühnerer Banditenhäuptling als die andern, an der Spitze einer beträchtlichen Truppe entschlossener und wohl disciplinirter Männer die Gegend verwüstet, indem er die Reisenden angriff, die Dörfer plünderte und in Brand steckte, und keinen Anstand nahm, den Detachements Soldaten die Stirn zu bieten die zu seiner Verfolgung ausgesandt wurden und oft sehr Übel zugerichtet von ihrer Begegnung mit ihm heimkehrten. Dieser Mann hatte den Bewohnern dieser Gegend endlich einen solchen Schrecken eingeflößt, daß sie sich buchstäblich seiner Herrschaft unterwarfen und ihm zitternd gehorchten, in der festen Ueberzeugung, daß es unmöglich sei, ihn zu besiegen. Die Oesterreichische Regierung hatte natürlich diesen mit den Räubern abgeschlossenen Pact nicht zulassen wollen, sondern faßte den Entschluß, die Sache um jeden Preis zu beendigen, indem sie die energischsten Mittel anwandte, um sich des Banditen zu bemächtigen.

Eine lange Zeit hindurch waren alle Anstrengungen fruchtlos: dieser durch seine Spione außerordentlich gut bediente Mann, war stets von Allem unterrichtet, was man gegen ihn in's Werk setzte; er richtete darnach seine Pläne ein, und es gelang ihm leicht, sich den Verfolgungen zu entziehen und jeder Schlinge zu entschlüpfen.

Was die wachthabende Gewalt nicht vermochte, bewerkstelligte jedoch endlich der Verrath: einer der Bundesgenossen des Rotharm (dies war der Kriegsname des Räubers), der sich bei einer reichen Beutetheilung durch seinen Häuptling übervortheilt glaubte, beschloß, sich an ihm zu rächen und ihn zu verrathen.

Eine Woche später wurde Rotharm von den Truppen überrascht und mit den Hauptverbündeten seiner Bande gefangen genommen.

Die wenigen Männer, welche entkommen waren, fielen bald, durch die Gefangennahme ihres Häuptlings demoralisirt, ebenfalls in die Hände der Soldaten, so daß die ganze Räuberbande zerstört worden war.

Der Proceß dauerte nur kurze Zeit, sie wurden zum Tode verurtheilt und das Urtheil sogleich vollzogen.

Nur der Häuptling und seine beiden ersten Lieutenants wurden reservirt, um an ihnen eine exemplarische Strafe zu constatiren.

Das Urtheil sollte am nächsten Tage vollzogen werden. Das war der Grund, weshalb die Stadt Bruneck in freudiger Aufregung war.

Die Einwohner der benachbarten Orte waren herbeigeströmt, um der Todesstrafe des Mannes beizuwohnen, vor welchem sie so lange gezittert hatten, und um das für sie so anziehende Schauspiel nicht zu versäumen, lagerten sie in den Straßen und auf den Plätzen, und sahen mit Ungeduld der Stunde der Execution entgegen.

Der Graf legte nur geringe Wichtigkeit auf diese Nachrichten, und da er sich durch seine zweitägige Reise auf schlechten Wegen ermüdet fühlte, so schickte er sich nach beendetem Abendessen an, sich zur Ruhe zu begeben.

In diesem Augenblick, wo er sein Schlafzimmer betrat, erschien ein Diener und sprach leise mit dem Kammerdiener.

»Was giebt es?« fragte der Graf Octave, indem er sich umwendete.

»Verzeihung, Herr Graf,« antwortete ehrerbietig der Diener, »ein Mann ist unten, der Eure Excellenz zu sprechen wünscht.«

»Mich sprechen? – zu dieser Stunde?« fragte der Graf erstaunt; »es ist nicht möglich, daß man, wo ich kaum angekommen bin, schon von meiner Anwesenheit unterrichtet ist; sagt dem Mann, daß er morgen wiederkommen soll, heut Abend sei es zu spät.«

»Ich habe es ihm gesagt, Herr Graf, und er gab wir zur Antwort, daß morgen nicht mehr Zeit dazu sein würde.«

»Nun, das ist seltsam! wer ist denn dieser Mann?«

»Ein Priester, Herr Graf, und er hat hinzugesetzt, daß das, was er Eurer Excellenz zu sagen habe, von großer Wichtigkeit sei und er inständig darum bitte, vorgelassen zu werden.«

Sehr in Verlegenheit über einen solchen Besuch zu so später Stunde, brachte der Graf seine Toilette wieder in Ordnung und begab sich begierig auf die Lösung des Räthsels, in den Salon.

Ein Priester stand in der Mitte des Zimmers.

Es war ein Mann in bereits vorgerücktem Alter, seine schneeweißen Haare fielen in langen Locken auf seine Schultern herab und verliehen ihm ein ehrwürdiges Aussehen, welches noch durch den über sein Gesicht verbreiteten Ausdruck von Güte und ruhiger Größe vervollständigt wurde.

Der Graf grüßte ihn ehrfurchtsvoll und lud ihn durch einen Wink ein, Platz zu nehmen.

»Entschuldigen Sie mich, Herr Graf,« begann er, indem er sich verneigte und stehen blieb. »Ich bin Beichtvater des Gefängnisses, mein Herr; Sie werden ohne Zweifel von der Gefangennahme mehrer Missethäter gehört haben?«

»In der That, mein Herr, man hat mir Einiges darüber berichtet.«

»An mehren dieser Unglücklichen,« fuhr er fort, »ist bereits die schreckliche Strafe vollzogen worden, zu welcher sie die menschliche Gerechtigkeit verurtheilt hatte; der Schuldigste von Allen, ihr Häuptling, soll die seinige morgen mit Anbruch des Tages erleiden.«

»Ich weiß es, mein Herr.«

»Jener Mann,« sprach der Almosenier weiter, »hat, Dank meiner Bemühungen, ihn zur Reue zu bewegen, im letzten Augenblick wo er im Begriff ist vor Gott, seinem höchsten Richter, zu erscheinen, um eine furchtbare Rechenschaft abzulegen, Gewissensbisse gefühlt. Ihre Ankunft in dieser Stadt, die er, ich weiß nicht auf welche Weise vernommen hat, ist ihm als ein Wink der Vorsehung erschienen; er hat mich sogleich rufen lassen und mich gebeten, zu Ihnen zu gehen, Herr Graf.«

»Zu mir!« rief der junge Mann erstaunt; »welche Gemeinschaft kann zwischen mir und diesem Elenden bestehen?«

»Ich weiß es nicht, Herr Graf, er hat mir nichts darüber gesagt, allein er fleht Sie an, sich nach seinem Kerker zu begeben, da er Ihnen ein Geheimniß von der höchsten Wichtigkeit anzuvertrauen wünscht.«

»Was Sie mir da sagen, mein Herr, bringt mich in Verwirrung; jener Mann ist mir vollkommen fremd, ich begreife nicht, auf welche Weise mein Leben mit dem seinigen verknüpft sein kann.«

»Er wird es Ihnen ohne Zweifel erklären, Herr Graf; aber ich bitte Sie, bewilligen Sie diese Unterredung, um welche der Mann Sie anfleht, ohne länger zu zögern,« setzte der Priester hinzu. »Schon seit einer Reihe von Jahren bin ich Beichtvater der Gefangenen und habe leider viele Verbrecher sterben sehen. Man lügt nicht im Angesichte des Todes, selbst der stärkste und tapferste Mensch fühlt sich klein und schwach der Ewigkeit gegenüber; er zittert, und da er nicht mehr auf die Güte der Menschen zu hoffen wagt, nimmt er seine Zuflucht zu Gott. Der unglückliche Rotharm, der morgen den Tod erleiden soll, weiß, daß Nichts ihn dem schrecklichen Schicksal, welches ihn erwartet, entziehen kann, zu welchem Zweck also würde er auf der Schwelle des Todes um diese Unterredung bitten, wenn nicht, um vielleicht durch diese Eröffnung eines seiner schrecklichsten Verbrechen, vielleicht das geheimste von allen, wieder gut zu machen. Glauben Sie mir, Herr Graf, es ist ein Wink der Vorsehung; nicht der Zufall hat Sie gerade in diesem Augenblick hierher geführt. Folgen Sie mir, steigen Sie mit mir in den Kerker hinab, wo der Unglückliche Ihrer Ankunft mit der lebhaftesten Angst entgegen sieht, indem er die Minuten zählt, Selbst angenommen, daß diese Mittheilung nicht von so großer Wichtigkeit für Sie wäre, wie dieser Unglückliche vermuthet, würden Sie einem Manne, der dem Tode entgegen geht, diesen letzten Trost versagen? ich bitte Sie, Herr Graf, kommen Sie und folgen Sie mir.«

Der Entschluß des jungen Mannes war bald gefaßt.

Der Graf hüllte sich in einen Mantel und verließ in Begleitung des Priesters das Haus.

Trotz der späten Stunde – es war nahe an Mitternacht – war der Platz noch voller Menschen, die Menge wuchs mit jedem Augenblick durch das Herbeiströmen neuer Ankömmlinge aus den benachbarten Dörfern; überall hatte man Bivouaks errichtet.

Der Graf und sein Führer bahnten sich mit ziemlicher Schwierigkeit einen Weg durch die Menge bis zu dem Gefängniß, vor welchem zahlreiche Schildwachen aufgestellt waren.

Auf ein Wort des Almoseniers erhielten sie sogleich Zutritt in dasselbe. Der würdige Priester schritt dem Grafen voran und von einem Kerkermeister gefolgt, begaben sie sich zu dem Verurtheilten.

Der Kerkermeister, eine Laterne in der Hand, führte sie schweigend durch eine lange Reihe von Corridoren, endlich vor einer von unten bis oben mit Eisen beschlagenen Thür Halt machend, sagte er:

»Tretet ein.«

Sie befanden sich in dem Kerker.

Wir wenden diesen gebräuchlichen Ausdruck an, obgleich das Zimmer, in welches sie eingetreten waren, nicht im Geringsten einem Kerker glich.

Es war ein ziemlich großes Gemach, welches durch zwei, außen mit Eisenstäben vergitterten Fenstern erhellt wurde; das Meublement bestand aus einem Bett, das heißt einem Rahmen, auf welchem eine Ochsenhaut ausgebreitet lag, einem Tisch und mehren Stühlen, an der Wand hing ein Spiegel. Im Hintergrunde befand sich ein Altar, der schwarz behangen war; hier wohnte der Verurtheilte, nach dem Ausspruch der Geschwornen, den Messen bei, welche der Beichtvater der Gefangenen täglich Morgens und Abends abhielt.«

Bei diesen Einzelheiten über den Gottesdienst, welche Gewohnheit nur in Spanien und in den von diesem Lande abhängenden Colonien existirt, tauschten die beiden Zuhörer verstohlen einen Blick des Einverständnisses aus, welchen der Abenteurer nicht bemerkte.

Ohne eine Ahnung von dem eben begangenen Fehler zu haben, fuhr dieser fort: »Der Verurtheilte saß aus einem Equipal, den Ellbogen auf den Tisch gestützt, den Kopf in der Hand ruhend, las er bei dem Scheine einer qualmenden Lampe.

Bei dem Eintritt der Besucher erhob er sich sogleich und begrüßte sie mit großer Höflichkeit.

»Meine Herren, »vollen Sie gefälligst Platz nehmen und mir die Ehre erweisen, einige Augenblicke auf die Personen, welche ich habe rufen lassen, zu warten,« sagte er, indem er sich den Butaccas näherte, »ihre Gegenwart ist unumgänglich? nöthig, damit später Niemand die Wahrhaftigkeit der Eröffnung, welche ich Ihnen zu machen wünsche, in Zweifel ziehen kann.«

Der Almosenier und der Graf machten ein Zeichen der Zustimmung und setzten sich.

Es herrschte einige Minuten ein tiefes Schweigen, welches nur durch den gleichmäßigen Schritt der vor dem Kerker auf und ab gehenden Schildwache gestört wurde.

Rotharm hatte sich wieder auf seinen Equipal gesetzt, und schien nachzusinnen.

Der Graf benutzte dies, um ihn genauer zu betrachten.

Er war ein Mann von höchstens fünfunddreißig bis vierzig Jahren.

Seine hohe Gestalt war gut gebaut, seine Bewegungen hatten etwas Stattliches und Elegantes. Sein etwas starker Kopf war ohne Zweifel in Folge der Gewohnheit zu befehlen, etwas zurückgeworfen, seine Gesichtszüge waren schön und ausdrucksvoll, sein Blick senkte sich von oben herab und hatte eine außerordentliche Festigkeit; ein seltsamer Ausdruck von Sanftmuth und Energie lag über seinem Gesichte verbreitet und verlieh ihm etwas Fremdartiges; sein blauschwarzes, dickes Haar fiel in natürlichen Locken auf seine Schultern herab.

Sein Anzug von schwarzem Sammet und ungewöhnlichem Schnitt contrastirte mit der matten Blässe seines Gesichts und ließ, wenn möglich, seine Persönlichkeit noch ergreifender erscheinen.

Da ließ sich draußen ein Geräusch von Schritten vernehmen, ein Schlüssel drehte sich im Schloß, die Thür ging auf und zwei Männer traten ein.

Nachdem der Kerkermeister sie schweigend in das Gemach geführt, entfernte er sich und schloß die Thür hinter sich.

Der eine dieser beiden Männer war der Direktor des Gefängnisses, ein noch rüstiger Greis trotz seiner siebenzig Jahre, mit ruhigen Gesichtszügen und ehrwürdigem Aussehen, dessen ziemlich kurz geschnittene, spärliche Haare hinten auf den Kragen seines Kleides fielen.

Der andere war ein Officier, ein Major, wie seine Epauletten bewiesen; er war jung und schien dreißig Jahre alt zu sein, seine Züge hatten nichts Außergewöhnliches; es war einer jener Männer, die geboren sind, die Uniform zu tragen, und die in einem bürgerlichen Anzug lächerlich erscheinen würden.

Beide grüßten höflich und warteten schweigend, daß man ihnen erklären sollte, weshalb sie nach dem Kerker gerufen worden waren.

Der Verurtheilte bemerkte es; nach den ersten ausgetauschten Begrüßungen, beeilte er sich, ihnen die Gründe auseinander zu setzen, welche ihn veranlaßt hatten, sie in seinem letzten Lebensaugenblicke zu sich zu bitten.

»Meine Herren,« begann er mit fester Stimme, »in kaum einigen Stunden werde ich die menschliche Gerechtigkeit befriedigt haben, und vor der furchtbaren Gottes erscheinen. Seit dem Tage, wo ich den Kampf gegen die Gesellschaft begonnen, habe ich viele Verbrechen begangen, und bin ein Mitschuldiger vieler gehässiger Attentate geworden. Das Urtheil, welches mich trifft, ist gerecht, und obwohl entschlossen, als Mann, dem der Tod niemals ein Schrecken gewesen, mich der Todesstrafe zu unterwerfen, glaube ich Ihnen mit der größten Aufrichtigkeit und Demuth bekennen zu müssen, daß ich meine Verbrechen bereue, und daß ich, weit entfernt, unbußfertig zu sterben, meinen letzten Athemzug aushauchen werde, indem ich Gott nicht um Verzeihung, sondern um Barmherzigkeit anflehe.«

»Wohl, mein Sohn,« unterbrach ihn sanft der Priester, »nehmt Eure Zuflucht zu Gott, seine Gnade ist unendlich.«

Es trat ein kurzes Schweigen ein. Endlich fuhr Rotharm fort:

»Ich möchte in diesem letzten Augenblicke alles Böse, was ich gethan, wieder gut machen; ach! leider ist das unmöglich, meine Opfer sind todt, keine menschliche Macht könnte ihnen das Leben wiedergeben, welches ich ihnen so feige geraubt habe; aber unter diesen Verbrechen ist eins, vielleicht das schrecklichste von allen, welches ich freilich nicht gänzlich ungeschehen machen kann; dennoch aber hoffe ich die Folgen desselben zu ändern, indem ich Ihnen die näheren Umstände mittheile und den Namen des Mannes nenne, der mein Mitschuldiger war. Gott hat mir ohne Zweifel diese Buße auferlegt, indem er so unvermuthet den Grafen Octave in diese Stadt führte; ich unterwerfe mich ohne Murren seinem Willen, vielleicht wird Er um meines Gehorsams willen, Barmherzigkeit an mir üben. Indem ich Sie, meine Herren, bat, zu mir zu kommen, habe ich der am Meisten bei meiner Geschichte interessierten Person, die nöthigen Zeugen verschaffen wollen, damit später die menschliche Gerechtigkeit, ohne Furcht vor einer Täuschung, gegen den Schuldigen einzuschreiten vermag. Also, meine Herren, zeichnen Sie meine Worte auf, denn ich schwöre Ihnen am Rande des Grabes, dieselben sind von der lautersten Wahrhaftigkeit.«

Der Verurtheilte hielt einen Augenblick inne, als suchte er seine Gedanken zu sammeln.

Die Anwesenden sahen mit gespannter Erwartung seinen Mittheilungen entgegen; der Graf hauptsächlich suchte vergeblich die Angst, welche sein Herz bedrückte, unter einem gleichgültigen Aeußern zu verbergen. Eine geheime Ahnung sagte ihm, daß endlich Licht in das undurchdringliche Geheimniß kommen würde, welches seine Familie umgab und das er bis dahin vergeblich zu erforschen gesucht.

Rotharm begann wieder, nachdem er unter den auf seinem Tische liegenden Papieren ein ziemlich starkes Heft ausgewählt hatte, welches er geöffnet vor sich hinlegte.

»Obwohl acht Jahre seit der Zeit verflossen sind,« sagte er, »wo sich diese Begebenheiten ereignet haben, so genügten mir doch, sobald ich die Ankunft des Grafen Octave in der Stadt vernahm, einige Stunden, um die Geschichte in ihren Einzelheiten niederzuschreiben. Diese schreckliche Erzählung ist es, welche ich Ihnen, meine Herren, vorlesen will, dann bitte ich Jeden von Ihnen seinen Namen unter meine Unterschrift zu setzen, um die Aechtheit dieses Manuscripts zu beglaubigen, wofern es der Graf für seine Pflicht halten sollte, im Interesse seiner Familie und zur Bestrafung des Schuldigen davon Gebrauch zu machen. Ich bin bei dem Allen nur der bezahlte Mitschuldige gewesen und das Werkzeug, dessen man sich bediente, um das Opfer zu ereilen.«

»Diese Vorsicht ist sehr gut,« meinte der Director des Gefängnisses, »wir werden ohne Zögern diesen Bericht unterzeichnen.«

»Haben Sie Dank, meine Herren,« erwiderte der Graf, »obwohl ich eben so wie Sie unwissend in Bezug auf die Thatsachen bin, die wir hören werden, so habe ich dennoch aus gewissen Gründen die Ueberzeugung gewonnen, daß Das, was ich hören werde, von hoher Wichtigkeit für das Glück einiger Glieder meiner Familie ist.«

»Sie werden sogleich darüber urtheilen, Herr Graf,« sagte der Gefangene, und er begann mit der Lesung seines Manuscripts.

Dies dauerte zwei Stunden.

Der Inhalt war folgender: Als der Prinz von Oppenheim-Schlewig getödtet worden war, hatte ihn eine Kugel des hinter einem Gebüsch im Hinterhalt liegenden Rotharm getroffen, der von dem jüngsten Sohn des Prinzen für diesen Vatermord bezahlt worden war.

Einmal auf der Bahn des Verbrechens ging der junge Mann ohne Gewissensbisse immer weiter, nur um den Zweck zu erreichen, in den Besitz des väterlichen Vermögens zu gelangen. Nach einem Vatermord war ein Brudermord für ihn nichts mehr, er führte ihn mit grausamem Vorbedacht aus; andere, wo möglich noch schrecklichere Verbrechen wurden mit einer so ergreifenden Wahrheit in allen ihren Einzelheiten erzählt und durch unerschütterliche Beweise bestätigt, daß die von dem Gefangenen herbeigerufenen Zeugen sich mit Entsetzen fragten, ob es möglich sei, daß ein so grausames Ungeheuer existire, und welche furchtbare Strafe die göttliche Gerechtigkeit, mit welcher es seit so langen Jahren spielte, demselben vorbehalte. Als die Prinzessin den Tod ihres Gemahls erfahrend, von Mutterwehen ergriffen wurde, gebar sie nicht, wie alle Welt glaubte, eine Tochter sondern Zwillinge, von denen der Knabe geraubt wurde, den der Prinz verschwinden ließ, um die Clausel des Testaments seines Vaters, welches dem Sohne die Titel und das Gesammtvermögen der Familie vererbte, zu annulliren.

Das Gesicht in den Händen vergraben, glaubte sich der Graf, von einem furchtbaren Alpdrücken erfaßt; ungeachtet des Vorurtheils, welches er stets gegen seinen Schwager empfunden hatte, würde er ihn niemals in Verdacht gehabt haben, daß er mit kaltem Blute und in so langen Zwischenräumen, eine Reihe schändlicher und wohl überlegter Verbrechen unter dem Einfluß der häßlichsten und verächtlichsten Leidenschaft, dem Durst nach Geld, begehen konnte. Er fragte sich, ob trotz der unwiderlegbaren Beweise, welche er so unvermuthet besaß, in dem ganzen Kaiserreich sich ein Tribunal finden würde, um die Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, so schändliche und außer der menschlichen Natur liegende Missethaten zu verfolgen. Auf der andern Seite entehrte diese in die Öffentlichkeit gebrachte Entdeckung eine Familie, mit welcher die seinige zu nahe verbunden war, als daß die Entehrung nicht auch auf seine Familie zurück fallen sollte.

Alle diese Gedanken durchkreuzten das Hirn des Grafen, verursachten ihm die furchtbarsten Qualen und vermehrten seine Verlegenheit.

Er wußte nicht, welchen Entschluß er fassen sollte; in einem so ernsten Falle wagte er weder Jemand um Rath zu fragen, noch eine Stütze außer sich selbst zu suchen.

Rotharm erhob sich und näherte sich dem Grafen.

»Mein Herr,« sagte er zu ihm, »nehmen Sie dieses Manuscript: von nun an gehört es Ihnen.«

Der Graf nahm mechanisch das ihm dargereichte Papier.

»Ich begreife Ihr Erstaunen und Ihr Entsetzen, mein Herr,« fuhr der Verurtheilte fort, »diese Mittheilungen sind so furchtbar, daß sie, trotz ihres Stempels der Wahrheit, trotz der ungewöhnlichen Umstände, unter welchen sie niedergeschrieben worden sind, und trotz der Autorität der Personen, die sich nach Lesung derselben unterzeichnet haben, in Gefahr sind, in Zweifel gezogen zu werden; deshalb will ich, um jeden Verdacht von Verleumdung von Ihnen abzuwenden, diesem Manuscript noch Beweisstücke hinzufügen.«

»Ihr habt Beweise?« fragte der Graf schaudernd.

»Ja, ich habe deren. Wollen Sie die Güte haben und diese Brieftasche öffnen; sie enthält einige zwanzig an mich adressirte Briefe Ihres Schwagers und alle stehen in Beziehung zu dem in diesem Manuscript enthaltenen Thatsachen.«

»Oh! mein Gott! mein Gott!« rief der Graf, indem er die Hände faltete; dann aber wandte er sich plötzlich zu Rotharm mit den Worten: »Das ist allerdings höchst seltsam.«

Der Gefangene lächelte.

»Ich verstehe Sie,« antwortete er, »Sie verlangen zu wissen, wie es kommt, daß im Besitz so compromittirender Briefe für den Prinzen von Oppenheim, dieser sich nicht seiner Macht bedient hat, um mich zu vernichten und sich dieser Beweise seiner Schuld wieder zu bemächtigen.

»In der That,« erwiderte der Graf, erstaunt sich so gut errathen zu sehen, »mein Schwager ist ein Mann von außerordentlicher Vorsicht, er hatte ein zu großes Interesse, diese ihn überführenden Beweise zu vernichten.«

»Gewiß, und ich bin davon überzeugt, er würde es nicht unterlassen haben, alle Mittel in Bewegung zu setzen, um dieses Ziel zu erreichen; aber der Prinz wußte nicht, daß diese Beweise in meinen Händen geblieben waren. Der Grund hiervon ist folgender: Jedes Mal, wenn der Prinz mir in einem Briefe eine Zusammenkunft festgesetzt hatte, verbrannte ich in seiner Gegenwart einen ganz ähnlichen Brief wie den, welchen ich von ihm empfangen hatte, um ihm zu beweisen, welches Vertrauen ich in ihn setzte, so daß er niemals auch nur ahnte, daß ich sie aufbewahrt haben könnte. Später, nach der Niederkunft seiner Schwägerin, nachdem der Fürst seinen Zweck erreicht hatte, glaubte ich, daß er sich gern von mir befreien würde, ich kam ihm daher zuvor, indem ich das Land plötzlich verließ. Nachdem ich drei Jahre in der Fremde zugebracht, ließ ich das Gerücht meines Todes verbreiten, und richtete es so ein, daß diese Nachricht auf ganz natürliche Weise als unumstößliche Gewißheit zu den Ohren des Prinzen gelangte. Darauf kam ich wieder hierher zurück. – Der Prinz kannte nie meinen Namen; wir Abenteurer haben nicht allein die Gewohnheit, den Namen oft zu wechseln, da das Incognito für uns ein Schutz ist, sondern wir haben sogar drei oder vier Namen auf einmal, um jede Vermuthung irre zu führen, wodurch wir in vollkommener Sicherheit sind so daß, selbst wenn der Prinz, was ich nicht weiß, Nachforschungen hätte anstellen lassen, er dennoch nichts erfahren haben würde.«

»Aber zu welchem Zweck hattet Ihr diese Briefe aufgehoben?«

»Zu dem einfachen Zweck, um mich ihrer bei ihm zu bedienen, und ihn durch die Furcht vor einer Entdeckung zu zwingen, mir die nöthigen Summen zu liefern, sobald mich die Lust anwandeln sollte, meine gefährliche Laufbahn aufzugeben. Unvermuthet gefangen genommen, habe ich davon nicht den gewünschten Gebrauch machen können, aber jetzt bedaure ich dieses nicht.«

»Ich danke Euch,« entgegnete der Graf bewegt, »aber um Euch für einen so großen Dienst erkenntlich zu sein, sagt mir, ob ich nichts für Euch zu thun vermag.«

Rotharm blickte verstohlen um sich; der Beichtvater und die beiden Officiere hatten sich, um dem Grafen vollkommene Freiheit zu lassen, sich mit dem Gefangenen zu unterhalten, in die entfernteste Ecke des Kerkers zurückgezogen und schienen in einem lebhaften Gespräch begriffen.

»Ach! Herr Graf,« sagte er mit leiser Stimme, »jetzt ist es zu spät; ich hätte gewünscht ...«

»Sprecht, vielleicht kann ich Euch diesen letzten Wunsch befriedigen.«

»Wohlan! es sei. Nicht der Tod schreckt mich, wohl aber das Schaffot zu besteigen, und lebend dem Gespött und den Beschimpfungen dieses Volkes, welches so lange vor mir gezittert hat, preis gegeben zu sein; das ist es, was meine letzten Augenblicke stört und mich betrübt macht. Ich wünschte die Erwartung dieser wilden Menge, welche sich in der Hoffnung auf meine Todesstrafe freut, in der Weise zu täuschen, daß sie, wenn der Augenblick gekommen, nur noch meinen Leichnam findet. Sie sehen wohl, daß Sie nichts für, mich thun können, Herr Graf.«

»Ihr irrt Euch,« erwiderte dieser rasch, »im Gegentheil, ich vermag Alles: ich kann nicht allein Euch der Todesstrafe entziehen, sondern auch Eure beiden Gefährten werden derselben durch einen freiwilligen Tod entgehen, wenn sie es wollen.«

Ein Freudenstrahl blitzte in den Augen des Verurtheilten.

»Sprachen Sie die Wahrheit?« rief er.

»Still,« machte der Graf; »welches Interesse sollte ich haben. Euch zu täuschen, da es doch mein lebhaftester Wunsch ist, Euch meine Dankbarkeit zu beweisen.«

»In der That, aber durch welches Mittel?«

»Hört mich an: Dieser Ring, an meinem Finger enthält ein außerordentlich starkes Gift, man braucht nur die Kapsel zu öffnen und den Inhalt desselben einzuathmen, um zu sterben. Das Gift tödtet ohne Schmerz mit der Schnelligkeit des Blitzes. Einer meiner Vorfahren brachte diesen Ring von Neu-Spanien mit, wo er Vicekönig gewesen war. Die tiefe Kenntniß der Indianer, Gifte zu bereiten, wird Euch bekannt sein; da nehmt den Ring, wollt Ihr ihn?«

»Gewiß,« rief er, indem er ihn rasch ergriff und in seinem Busen verbargt; »haben Sie Dank, Herr Graf, Sie schulden mir nichts mehr, wir sind quitt; Sie thun für mich mehr durch das Geschenk dieses Ringes, als ich für Sie zu thun vermochte; haben Sie nochmals Dank! Ich sowohl wie meine armen Gefährten werden dem schimpflichen Schicksal entgehen, welches uns erwartet.«

Darauf traten sie zu den andern Personen, die ihre Unterredung abbrachen, als sie bemerkten, daß die ihrige zu Ende war.

»Meine Herren,« sagte Rotharm, »ich danke Ihnen aufrichtig dafür, daß Sie den Enthüllungen beiwohnten, die zu machen, mir mein Gewissen vorschrieb, jetzt fühle ich mich ruhiger; nur noch wenige kurze Augenblicke trennen mich vom Tode. Wäre es zu viel, wenn ich um die Vergünstigung bäte, mich auf kurze Zeit mit meinen beiden Gefährten, die auch verurtheilt sind, heute den Tod zu erleiden allein zu lassen?«

»Das ist ein letzter Trost,« sprach der Priester.

Der Director des Gefängnisses überlegte einen Augenblick.

»Ich sehe kein Hinderniß, Euch diese Bitte zu erfüllen,« sagte er endlich; »ich will die nöthigen Befehle geben, damit Eure Gefährten hierher geführt werden, Ihr mögt bis zu dem Augenblick der Hinrichtung beisammen bleiben.«

»Habt Dank, mein Herr,« rief Rotharm bewegt, »diese Gnade, die einzige welche Sie mir bewilligen können, ist für mich von hohem Werthe; seien Sie gesegnet für so viel Güte!«

Auf den Befehl des Directors des Gefängnisses rief die Schildwache den Kerkermeister herbei, welcher den Kerker öffnete.

»Leben Sie wohl, meine Herren,« sagte der Verurtheilte, »Gott sei mit Ihnen!«

Sie entfernten sich.

Nachdem der Graf von dem Priester und den beiden andern Personen Abschied genommen hatte, verließ er daß Gefängniß, ging über den mit einer dichten Menschenmasse angefüllten Platz und kehrte eilig in seine Wohnung zurück.

In diesem Augenblick schlug es sechs Uhr: dies war die zu der Hinrichtung festgesetzte Stunde.

Plötzlich herrschte wie durch Zauber eine Todesstille in dieser, einen Augenblick vorher so bewegten Menge.

Ihre Rache sollte endlich befriedigt werden.

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