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Menschen und Werke

Georg Brandes: Menschen und Werke - Kapitel 10
Quellenangabe
typeessay
authorGeorg Brandes
titleMenschen und Werke
publisherLiterarische Anstalt Rütten & Loening
year1894
correctorJosef Muehlgassner
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8. Fjodor Dostojewski.

Zuerst – in nicht wenig verschiedener Form – erschienen in »Deutsche litterarische Volkshefte, herausgegeben von Leo Berg, Heft 3, Berlin, Brachvogel & Ranft, 1890.«

(1888)

Im Gegensatz zu dem nationalen Pessimismus bei Turgenjew steht bei Dostojewski der nationale Optimismus. Der grosse Skeptiker Turgenjew, der an so wenig glaubte, glaubte an die Kultur Westeuropas. Dostojewski achtete den Occident gering und glaubte an Russland. Kann man die Produktion Turgenjews beinahe als Emigrantenlitteratur ansehen, so stehen wir mit Dostojewski ganz auf russischem Boden; er ist der autochthone Dichter, der echte Barbar ohne einen Tropfen klassischen Blutes in seinen Adern. Man betrachte dieses Antlitz! halb russisches Bauerngesicht, halb Verbrecherphysiognomie, mit flachgedrückter Nase, kleinen, durchbohrenden Augen unter Augenlidern, die vor Nervosität zittern, langem, dichtem, unordentlichem Bart und hellem Kopfhaar; dazu eine Denker- und Dichter-Stirn, gross und wohlgeformt, der ausdruckvollste Mund, der selbst geschlossen von zahllosen Qualen zu reden scheint, von abgrundstiefer Wehmuth, von krankhaften Lüsten, unendlichem Mitleid, leidenschaftlichem Neid, Unruhe und Verbissenheit! Man betrachte diesen Körper, der nur Nerv ist, klein und schmächtig, krummgebeugt und zäh, von Kindheit an behaftet mit Krämpfen und Hallucinationen! Dieses Aeussere – beim ersten Blick unansehnlich und gemein, bei näherer Betrachtung unheimlich genial, entschieden krankhaft und entschieden aussergewöhnlich – spricht von Dostojewskis epileptischem Genie, von dem Born der Milde, der seine Seele erfüllte, von den Wellen eines fast wahnwitzigen Scharfsinnes, die ihm oft zum Kopf stiegen, endlich von jenem Ehrgeiz, der Grösse in der Bestrebung, und jenem Neide, der Kleinliches in der Seele schafft.

Ein Charakter, der an Rousseau erinnert, reizbar und misstrauisch, mit Anfällen von Gemeinheit und doch des höchsten Aufschwungs fähig. Obwohl seine Familie zu dem russischen Klein-Adel gehörte, aus welchem in der Regel die untergeordneten Beamten hervorgehen, war er doch durch und durch, wie Rousseau, Demokrat. Ist er auch noch ferner ein Ideenfanatiker, wie Rousseau, so unterscheidet er sich doch von ihm durch tiefe, seelische Züge: Rousseau ist Deist, aber trotz aller Empfindsamkeit kein Christ, ein Feind der christlichen Demuth und jeder Art von Unterwerfung unter das Schicksal. Dostojewski hingegen ist – ganz gleichgültig ob sein dogmatischer Glaube orthodox war oder nicht – in seinem ganzen Gefühlsleben der typische Christ. Seine Werke machen ein wahres Repertorium von christlich aufgefassten Charakteren und Gemüthszuständen aus. Alle seine Personen sind Kranke, Sünder oder Heilige beiderlei Geschlechts, und der Uebergang vom Sünder zum Bekehrten, von der Sünderin zur Heiligen, vom leiblich Kranken zum seelisch Gesunden vollzieht sich bald durch langsame Läuterung, bald blitzartig wie in dem Neuen Testament, ja zuweilen ist die Sünderin zugleich eine Heilige, und der grösste Verbrecher ebenso nahe daran, bewunderungswürdig wie ein Schurke zu sein. Physiologisch und psychologisch sind alle diese Typen von Armen und Elenden, von unwissenden Herzensguten, einfältig zarten Naturen, edlen Freudenmädchen, nervösen Verstörten, beständig an Hallucinationen Leidenden, begabten Epileptikern, schwärmerischen Märtyrern – gerade dieselben Typen, die wir bei den Aposteln und Schülern des ersten christlichen Zeitalters ahnen.

I.

Fjodor Michalowitsch Dostojewski wurde im October 1821 zu Moskau im Armenhospital geboren, wo sein Vater als Arzt angestellt war. Die Familie hatte viele Kinder und wenig Vermögen. Fjodor und sein Bruder Alexis, mit dem ihn das Leben hindurch vertraute Freundschaft und gleiche litterarische Interessen verband, wurden auf die militärische Ingenieurschule nach Petersburg geschickt und gingen aus derselben als Unterlieutenants hervor. Aber bereits nach einem Jahre (1844) suchte Fjodor seinen Abschied beim Militärdienst, um ganz der Litteratur zu leben. Er litt schon damals unter der Krankheit, die sich noch verschlimmerte, als er in Sibirien mit Peitschenhieben gezüchtigt wurde, er hatte Krämpfe und war ausserdem visionär. Der Stoffe, die er später behandelt, und seines Talentes wegen, Verbrecherpsychologie zu geben, ist folgende Aussage von ihm zu einem Freunde charakteristisch: »Die Niedergeschlagenheit, die bei mir auf die epileptischen Anfälle folgt, hat das Bezeichnende: ich fühle mich wie ein grosser Verbrecher; es kommt mir vor, als ob eine unbekannte Schuld, eine verbrecherische That mein Gewissen bedrücke.«

24 Jahre alt schrieb er den Roman »Arme Leute«. Am Schluss seines Lebens hat er in dem »Tagebuch eines Schriftstellers« die Umstände erzählt, unter welchen sein erster Eintritt in die Litteratur erfolgte. Als er seinen Roman geschrieben hatte und nicht wusste, wie er das Manuscript anbringen sollte, bewog er einen seiner Freunde, den später bekannten Schriftsteller Grigorowitsch dazu, es dem Dichter Njekrassow zu überbringen. Des Morgens um 3 Uhr hörte Dostojewski ein Klopfen an seiner Thür. Es war Grigorowitsch; er kam mit Njekrassow zurück, der den Roman bereits gelesen hatte und so erfüllt von ihm war, dass er sich gedrungen fühlte, den Verfasser sogleich an sein Herz zu drücken. Als er spät am Morgen des nächsten Tages Dostojewski verliess, ging er mit dem Manuscript sogleich zu Bjelinski, »dem russischen Gedanken-Orakel, dem Kritiker, dessen blosser Name die Debütanten entsetzte.« – »Ein neuer Gogol ist auferstanden« – rief Njekrassow, indem er in die Thür trat. – »Ja, gewiss, sie schiessen auch heutzutage wie Pilze empor!« antwortete Bjelinski ärgerlich und griff unwillig nach dem Manuscript. Aber die Wirkung auf ihn war dieselbe wie auf Njekrassow. Als der Verfasser ihn besuchte, rief er ihm leidenschaftlich zu: »Verstehen Sie selbst, jung wie Sie sind, wie wahr das ist, was Sie geschrieben haben? Ich glaube nicht. Aber es ist wahre, künstlerische Inspiration darin. Respectiren Sie selbst die Gaben, die Sie empfangen haben, und Sie werden ein grosser Schriftsteller.«

Um diese Ueberraschung und diese Begeisterung verstehen zu können, muss man sich erinnern, dass die russische Litteratur noch keinen einzigen Versuch dieser Art enthielt ausser Gogol's »Mantel«, und dass Turgenjew's »Tagebuch eines Jägers« erst fünf Jahre später erschien. Als ein paar Monate nach der Unterredung Bjelinski's mit Dostojewski »Arme Leute« gedruckt vorlag, war des Verfassers litterarisches Ansehen mit Einem Schlage begründet.

Die Unruhe und Vielseitigkeit seines Wesens kann man schon daran erkennen, dass er unmittelbar, nachdem er in einer Richtung debutirt hatte, die sich der nähert, welche Dickens kurz zuvor eingeschlagen hatte, mit einer werthlosen und komischen Novelle in Paul de Kock's Manier: »Die Frau eines Andern und der Ehemann unter dem Bette«, fortfahren konnte.

Er hatte früh übermässig viel gelesen. Zwölf Jahre alt hatte er schon Karamsin und Walter Scott, Geschichte und geschichtliche Romane in Menge durchwühlt. Das Lesen griff ihn an, nervös, reizbar, furchtsam, empfindsam, überentwickelt wie er war, noch dazu mit der ungewöhnlichsten Fähigkeit ausgerüstet, sich in gedachte Situationen zu versetzen. Auf der Ingenieurschule las er besonders eifrig Balzac, schwärmte für Père Goriot, der mit seinem ganzen geistigen Gepräge eine von den Voraussetzungen für seine eigenen Romane hergiebt, und übersetzte »Eugénie Grandet«, beschäftigte sich im Uebrigen viel mit George Sand und Eugène Sue, Dickens und Hoffmann, die alle in seinen Productionen zu erkennen sind. In dieser ersten Jugendperiode war Dostojewski noch eine Beute der verschiedenartigsten Einflüsse. Er hat selbst in seinen späteren Jahren erzählt, wie Bjelinski ihn zum Socialismus führte und, wie er es nennt, sich bestrebte ihn zum Atheismus zu bekehren. Derselbe Hass und dieselbe Undankbarkeit gegen die Männer, die auf seine Jugend einwirkten, Herzen, Bjelinski u. s. w., und der seinen Ausdruck in dem Roman: »Die Dämonen« (Die Besessenen) erhalten hat, macht sich in diesem bitteren und giftigen Versuche geltend, die Schuld für seine Jugendüberzeugungen auf einen Todten zu werfen. Man muss sich erinnern, dass es ein alter Reactionär ist, der da spricht, und zu seiner Vertheidigung sich erinnern, dass Dostojewski ein vom Leben gemisshandelter Mann war.

Am 23. April 1849, des Morgens um 5 Uhr, wurde er zugleich mit dreiunddreissig andern jungen Männern gefangen genommen.

Er hatte längere Zeit einem Kreise angehört, der sich um einen gewissen Petraschewski gebildet hatte, einen Anhänger von Fourier's System; in diesen Zusammenkünften ward laut und unvorsichtig gesprochen; der Führer war als echter Fourierist ein Feind von Göttern und Königen, ein Gegner der Ehe und des Eigenthums in ihren herrschenden Gestalten. Die Anklage gegen Dostojewski persönlich lautete auf: Theilnahme an den Begegnungen des Kreises, Aeusserungen über die Strenge der Censur, Vorlesen oder doch Zuhören beim Vorlesen verbotener Broschüren, endlich Versprechen möglicher Hülfe zur Errichtung einer Druckerei.

Die Angeklagten wurden nach dem Kastel geführt und dort in den Kasematten isolirt. Sie blieben dort acht Monate ohne andere Zerstreuung als die Verhöre. Erst gegen Ende ihrer Gefängnisszeit wurden ihnen einige Erbauungsbücher gestattet. Der arme Dichter, der allein auf den Umgang mit seinen Gedanken angewiesen war, fühlte sich wie unter einer Luftpumpe.

Am 22. December wurden die Angeklagten, die man für schuldig befunden hatte, nach dem Semenowski-Platz geführt, wo bereits ein Schafott errichtet war. Bei einer Kälte von 21 Grad Réaumur zwang man sie, sich bis aufs blosse Hemd auszuziehen um ihr Urtheil zu vernehmen. Das Vorlesen dauerte eine halbe Stunde. Als es begann, wandte sich der stets optimistische Dostojewski zu seinem Nachbar und sagte: »Sollte es möglich sein, dass man uns hinrichten will?« Statt zu antworten zeigte der Gefragte nur auf einige Gegenstände, die unter Wagendecken verborgen standen, und wie Särge aussahen. Das Todesurtheil endete mit den Worten: »... sind dazu verurtheilt erschossen zu werden.« Ein Priester mit dem Crucifix in der Hand trat nun vor und forderte die zum Tode Verurtheilten auf, zu beichten. Sie schlugen es alle bis auf eine einzige Ausnahme ab. Man band darauf Petraschewski und zwei andere von den Anführern an Pfähle. Ein Offizier liess seine Compagnie Soldaten die Gewehre laden und ertheilte die ersten Commando-Worte. Erst in diesem Augenblick wurde eine weisse Standarte geschwungen und den Verurtheilten mitgetheilt, dass der Kaiser ihre Strafe geändert habe. Unten am Schafott warteten die Schlitten, die sie nach Sibirien bringen sollten. Dostojewski war zu zehnjähriger Zwangsarbeit verurtheilt. Die Strafe wurde jedoch später zu fünf Jahre Zuchthaus und vierjährige Dienstzeit als gemeiner Soldat mit Verlust des Adelstandes und der bürgerlichen Rechte verändert. In Tobolsk trennten sich die Wege der Gefangenen; sie sagten einander Lebewohl. Man legte ihnen Fussfesseln an, rasirte ihre Köpfe und schickte sie in ihre verschiedenen Bestimmungsorte.

Was Dostojewski in dem sibirischen Zuchthaus unter Verworfenen und Bettlern, Unwissenden und Wilden, Verbrechern und Verzweifelten sah und fühlte, erlebte und erlitt, das hat er in indirecter Form der Welt in seinen »Aufzeichnungen aus dem todten Hause« mitgetheilt, in beschreibender und psychologischer Hinsicht einem der grössten Meisterwerke, das irgend eine Litteratur aufzuweisen hat. Hätte er in eigenem Namen geschrieben und sein Verbrechen als ein politisches bezeichnet, würde das Buch nicht die Censur passirt haben. Wir treffen daher einen erdichteten Erzähler, der in plötzlicher Leidenschaft ein gewöhnliches Kriminalverbrechen begangen hat, und auf dessen Rechnung die Beobachtungen kommen. Was Dostojewski nicht erzählt, ist, dass er selbst persönlich der Gegenstand jener entsetzlichen körperlichen Strafen war, die er beschreibt.

Von 1849-1859 war Dostojewski für die Litteratur völlig todt. –

37 Jahre alt kehrte er von Sibirien mit zerrüttetem Nervensystem zurück. Eine grosse Veränderung war mit ihm vorgegangen. In den vier Jahren, die er in der Zwangsanstalt zugebracht hatte, hatte er nur ein einziges Buch bei sich gehabt, das Neue Testament, und er hatte es wieder und wieder gelesen. Alle Empörung in seiner Seele war erloschen. Er sah nicht allein jetzt ein, mit wie geringer Menschenkenntniss er so jung die Welt hatte reformiren wollen, und wie wenig jener abstrakte Idealismus verschlug; sondern er war auch durchaus fromm und demüthig, gehorsam und unterthänig geworden. Er fand seine Strafe gerecht; ja, noch mehr, er war Kaiser Nikolai für sie dankbar. Er bildete sich ein, dass er ohne sie wahnsinnig geworden wäre; meinte, dass das geheimnissvolle Entsetzen, das er stets bei Anbruch der Dunkelheit fühlte, unter normalen Verhältnissen ihm den Verstand geraubt haben würde; nun nahmen wirkliche Leiden diesem die Macht.

Zunächst hatte er einen tiefen Einblick in das Seelenleben des russischen Volkes erhalten. Sein Geschick hatte ihm die Einsicht in das eröffnet, was gewöhnlich als die Kloake der Menschheit gilt, und er hatte bei jedem, selbst dem am tiefsten Gesunkenen trotz aller Niedrigkeit etwas Werthvolles gefunden. Gleichzeitig damit, dass er den Glauben an den Nutzen und die Möglichkeit einer politischen Revolution verloren hatte, gewann er den Glauben an eine sittliche Revolution im Geiste des Evangeliums. Er kehrte deshalb als der Philanthrop unter den russischen Dichtern, als der Dichter der hilflosen Parias zurück.

Mit Recht ist anderswo gesagt: was Wilberforce im englischen Parlament für die Neger gewesen, das wurde Dostojewski in der russischen Litteratur für das Proletariat, d. h. ihr Fürsprecher. Er ist als Künstler wahrheitsliebend genug, um den Paria nicht sonderlich zu verschönen, als Poet schwärmerisch genug, um das Bestehen eines »göttlichen Funkens« selbst bei diesen Elenden zu verkünden. Ja noch mehr, die Moral, die er verkündet, ist vielleicht der reinste Ausdruck für die Paria-Moral, und reiner vielleicht noch als das historische Christenthum, worin sich auch andere Moral-Elemente finden.

Dieses stete Preisen des Selbstlosen, Aufopfernden (im Gegensatz zu dem, der seine volle Kraft einsetzt für Selbsterhaltung, Selbstentwicklung und Machterweiterung) entspringt jedoch keineswegs dem Geist der Selbstlosigkeit. Der Nächste lobt die Selbstlosigkeit, weil er Vortheil davon hat; dächte er selbstlos, würde er alles von sich weisen, was ihm zum Vortheil gereichen kann. Hierin liegt der Grundwiderspruch dieser Moral, dass ihre Beweggründe gegen ihr Prinzip streiten. Sie wird verkündet zum Besten der missglückten Menschen und hat deshalb in der Regel keine eifrigeren und wärmeren Fürsprecher als die Art von Misslungenen, die nicht selbstständiges Geistesleben genug haben, um in ihrer eigenen Ideenwelt leben zu können, aber sogenannte Bildung genug, um darunter zu leiden, und deren tiefstes Wesen der Neid ist. Was für Begabung und Bildung auch solche Menschen haben, es bereitet ihnen nur Qual; sie leben in einem steten Bedürfniss der Rache gegen die, von denen sie argwöhnen, dass sie geniessen.

Dostojewski entwickelt sich zu einem kolossalen Muster dieses Typus, als er die schlimmsten Misshandlungen seines Lebens hinter sich hat und nun arm, bald verschuldet und in steten, endlosen Geldverlegenheiten, abhängig von den Verlegern, deren Vorschüsse ihm den Lebensunterhalt verschaffen, aufs Neue anfangen soll, sich einen Weg in der Litteratur zu bahnen.

Das erste Buch, das er nach seiner Rückkehr von Sibirien schreibt, »Erniedrigte und Beleidigte« gehört nicht zu seinen besten Werken, es enthält Charaktere, die er bereits in seinem ersten Buch angedeutet hatte und die später bei ihm wiederkehren. Er hatte von Sibirien eine junge Frau mitgebracht, in welche er verliebt war, die Wittwe eines der Anhänger Petraschewski's, der in der Gefangenschaft starb. Sie ihrerseits liebte einen andern, und Dostojewski's Briefe zeigen, wie er ein ganzes Jahr daran arbeitete, sie mit seinem Nebenbuhler zu vereinen und wie er seine Freunde in Bewegung setzte um die Hindernisse für die Verbindung dieser beiden aus dem Wege zu räumen. Dieser Kampf endete indessen damit, dass er sie selbst heirathete.

Diese Wirklichkeit liegt der Handlung in den »Erniedrigten und Beleidigten« zu Grunde, worin übrigens die Gestalten, die an Dickens erinnern, keinen lebenswahren Eindruck machen.

Dostojewski warf sich auf die Journalistik, die während seines ganzen Lebens ihre Anziehung auf ihn bewahrte und welcher er viel Zeit und Kraft gewidmet hat. Er wurde Mitarbeiter an den von seinem Bruder Michael herausgegebenen slavophilen Zeitschriften, zuerst »Die Zeit«, dann »Die Epoche« und predigte Liebe und Bewunderung für Russland, »das nicht mit dem Verstände begriffen werden kann, sondern an das man glauben muss.«

Im Jahre 1865 verliert er seine erste Gattin und seinen Bruder Alexis; Michaels zweite Zeitschrift geht ein, und Fjodor flüchtet ins Ausland, um seinen Gläubigern zu entgehen. Er hat keine Freude an der Reise, die er durch Deutschland, durch Frankreich und Italien macht. Er hat stets epileptische Anfälle, und muss heimkehren, um seine Verleger um neue Vorschüsse zu bitten, die ihm auch, aber unter den ungünstigsten Bedingungen, gewährt werden. Von der Reise bringt er einen einzigen tiefen Eindruck mit, den einer Hinrichtung, deren Zuschauer er in Lyon gewesen ist. Sie hat ihm den Augenblick seines Lebens zurückgerufen, in dem er sich am tiefsten erschüttert fühlte, und an den die Erinnerung stets in seinen Romanen wiederkehrt: jene Morgenstunde auf dem Schafott am 22. December 1849. 1862 machte er einen mächtigen Eindruck auf die Lesewelt mit seinen »Erinnerungen aus dem todten Hause«; 1866 aber schlug er völlig durch mit »Verbrechen und Strafe« (Raskolnikow), das einen Beitrag zu der Psychologie des damaligen Russlands lieferte, wie kaum ein anderes Werk. Was das Buch schildert, ist nur anscheinend etwas Specielles; in Wirklichkeit rollt es ein allgemeines grosses Gesellschaftsbild auf.

II.

Das Problem, das im engeren Sinne als das des Buches bezeichnet werden kann, ist ein Problem, mit dem die meisten denkenden Köpfe sich beschäftigt haben: die sich selbst widersprechende Doppelbetrachtung der Gesellschaft von dem Werth des Menschenlebens. Man findet das Problem in Bismarcks Reden tüchtig behandelt. Gesammelte Reden des Fürsten Bismarck. (Hahn 1. 895.) Es beschäftigte mich als vor mehreren Jahren in Berlin ein Mord an einem mehr als 82 Jahre alten Weibe verübt worden, die von einem der vielen Liebhaber, welche sie durch Geld gewonnen hatte, erschlagen wurde. Das Problem war dieses: hat das Menschenleben unbedingten Werth? Warum beantwortet die moderne Gesellschaft diese Frage auf sich selbst widersprechende Weise? Sie straft mit den härtesten Strafen die Mutter, die ihr neugeborenes Kind tödtet, ohne Rücksicht darauf, dass sie nur aus Furcht vor Schande oder vor Mangel sich selbst einen weit grösseren Verlust und einen weit grösseren Schmerz zufügt als der Gesellschaft; ja sie bestraft sie, selbst wenn ihr Beweggrund der gewesen ist, das Kind vor all' dem Elend zu behüten, das es zu erwarten hätte. Die Gesellschaft fordert, dass der volle Kelch irdischen Unglücks über das Haupt des kleinen Wesens ausgegossen werden soll. Aber die Gesellschaft widersetzt sich nicht der Anlage von Fabriken, deren Betrieb den Arbeitern Krankheit und frühen Tod bringt, ja sie betrachtet sogar die Anlage einer solchen Fabrik in einer industrielosen Gegend als eine Wohlthat.

Derjenige, der sich in Dostojewski's Werk mit diesem Problem befasst, ist Raskolnikow, ein junger russischer Student, ungewöhnlich schön, mit feinen Gesichtszügen und schwarzen seelenvollen Augen, hervorragend begabt, aber arm, wie nur ein russischer Student arm ist, in tiefstes Elend gerathen, in Lumpen gehüllt, mit einem Hut, den man nicht ansehen kann ohne zu lachen. Aus Armuth hat er die Studien aufgegeben, sich vergebens bemüht, sich zu ernähren und ist tiefer und tiefer gesunken. Er ist verschlossen, mürrisch, misstrauisch und hypochondrisch; er ist stolz, aber zugleich grossmüthig und gut; er verräth sehr ungern seine Gefühle. Er ist ehrgeizig mit Anlage zu grosser Kühnheit, aber oft so missmuthig, dass er kalt und gefühllos bis zur Unmenschlichkeit erscheint. Er ist von Gemüth Melancholiker, finster und auffahrend, hochmüthig und hochherzig, traurig über den Unglückszustand des Menschengeschlechts und mit einer stets brennenden Begier, den Menschen ein Helfer in grossem Stil zu sein. Er ist seinem tiefsten Wesen nach unfähig. Man ist das nach des Verfassers Meinung durchgehend in Russland, wo alle wünschen ohne Arbeit und Mühe schnell reich zu werden, und wo man daran gewöhnt ist, dass Alles, was man überhaupt erreicht, Einem fix und fertig in den Schoss fällt, gewohnt, am Gängelband geführt zu werden, gewohnt, seine ganze geistige Nahrung von andern vorgekaut zu bekommen. Seit fast 200 Jahren hat man sich jeder öffentlichen Wirksamkeit entwöhnt.

War Raskolnikow von Natur schon melancholisch, so bietet die Armuth seiner Melancholie neue Nahrung. Schon sein elendes Zimmer verstimmt ihn unausgesetzt. Der schmutzige, enge Raum engt seine Seele ein. Er kann seine Miethe nicht bezahlen, und leidet oft Hunger. An den langen Winterabenden hat er kein Licht, liegt im Dunkeln, arbeitet zuletzt nicht einmal um sich Licht zu verschaffen; auf seinem Bücherbrett sind die Collegienhefte mit fingerdickem Staub bedeckt. Er träumt, träumt beständig ...

Träumt von einer abscheulichen, alten Wucherin, steinreich und geizig, von der er dann und wann geborgt hat, und von einem sie betreffenden Gespräche, dessen Zeuge er einmal in einer Kneipe war. Da sass ein Student und sagte: »Die verfluchte Alte möchte ich todtschlagen und berauben und ich versichere Dich, dass ich auch nicht die geringsten Gewissensbisse spüren würde.« Er sagte das zwar im Scherz, setzte aber im Ernst fort: »Auf der einen Seite eine dumme, elende, niederträchtige Alte, die nicht allein Niemandem nützt, sondern Allen schadet, mit denen sie in Berührung kommt; auf der andern Seite junge, frische Kräfte, die zu Grunde gehen aus Mangel an Unterstützung und zwar zu Tausenden; hunderte, vielleicht tausende von Existenzen, die auf den rechten Weg gebracht werden könnten, Dutzende von Familien, die von Elend, Ausschweifungen, widerlichen Krankheiten befreit werden könnten – Alles durch das Geld dieser Alten ... und was hat überhaupt die Existenz dieser schwindsüchtigen, dummen und niederträchtigen Alten auf der allgemeinen Wagschaale des Lebens für eine Bedeutung? Nicht mehr als das Leben einer Laus, einer Schabe und nicht einmal soviel; denn die Alte ist weit schädlicher, da sie das Leben Anderer untergräbt.«

Die Worte schlagen in Raskolnikow's Seele ein, weil gerade derselbe Gedanke in seinem Kopfe schwirrt, rumoren fort in seinem Hirn wie das Küchlein im Ei, umsomehr, da zu seinem eigenen Elend das der Wesen getreten ist, die ihm die theuersten sind. Seine alte Mutter, die draussen in ihrer Provinzstadt von einer Pension von 120 Rubeln lebt, und die durch Stricken und Sticken, das ihre armen Augen verdirbt, noch 20 Rubel im Jahre dazu verdient, schickt ihm einen Brief, aus dessen milden, rücksichtsvollen Ausdrücken hervorgeht, dass seine einzige, heiss geliebte Schwester, so stolz und schön sie auch ist, im Begriff steht, sich durch eine abscheuliche Ehe zu opfern, um ihn auf der Universität halten und die Mutter in ihren alten Tagen unterstützen zu können. Er fährt auf, sträubt sich wider den Stachel, will, seiner reinen .Schwester verbieten, sich auf diese schreckliche Ehe einzulassen. Aber mit welchem Recht verbieten? Wie verhindern? Was kann er ihr dafür bieten? Ihr und der Mutter seine ganze Zukunft zu widmen, wenn er erst seine Studien vollendet und eine Stelle erlangt hat! In zehn Jahren vielleicht! Aber bis dahin ist seine Mutter blind oder todt vom Fasten und von der Auszehrung und bis dahin ist die Schwester ... was kann nicht in zehn Jahren geschehen!

Er hat sich früh eine eigene Theorie über Verbrechen gebildet, dass der ungewöhnliche Mensch das Recht habe, nicht das offizielle Recht, sondern eins, welches ihm das Gewissen giebt, gewisse Hindernisse und Schranken, die andere Menschen hemmen, zu überschreiten; einzig und allein doch in dem Fall, dass seine Idee, eine Idee, die auf das Menschenglück ausgeht, ein solches Ueberschreiten fordert. Wenn Männer wie Kepler und Newton ihre Entdeckungen auf keine Weise der Menschheit hätten zugänglich machen können als durch Aufopferung von Menschenleben, die ihren Entdeckungen Hindernisse in den Weg legten, so hätten sie das Recht gehabt, ja wären sogar dazu verpflichtet, sie aus dem Wege zu räumen. Die Erfahrung lehrt ihn, dass fast alle Gesetzgeber und Reformatoren der Menschheit von den ältesten an bis zu Lykurg, Solon, Muhamed, Napoleon Verbrecher gewesen sind, schon dadurch, dass sie ein neues Gesetz schufen und ein altes umstiessen, das der Gesellschaft als heilig galt und von den Vorfahren überliefert war, und dass sie vor Blutvergiessen nicht zurückgeschaudert haben, nicht einmal vor dem Vergiessen ganz unschuldigen Blutes, das mit Heldenmuth zum Schutz des alten Gesetzes aufgeopfert wurde. Die Menge erkennt nicht das Recht solcher Menschen, sie richtet sie hin oder hängt sie, wenn sie es vermag, aber die folgenden Geschlechter stellen diese Ermordeten auf Piedestale und erweisen ihnen Ehrerbietung. Und ist er nicht selbst ein solcher ungewöhnlicher Mensch?

Aber sein ganzes Wesen empört sich gegen die That. Sie ist ihm zu ekelhaft, allzu widrig. Eine alte Frau mit einer Axt zu Boden zu schlagen! All' sein Stolz, alles Adlige in seiner Natur krümmt und windet sich.

Doch die Tage gehen – und es ist kein anderer Ausweg; langsam, langsam macht er sich mit dem Gedanken vertraut; durch einen ganz merkwürdigen Zufall erfährt er die Zeit, wann die alte Frau an einem bestimmten Abend allein sein wird ... es ist als wäre er mit dem Zipfel seines Kleides in das Rad einer Maschine gekommen, die ihn mit sich fortwirbelt, und mit einer Mischung von verzweifelter Entschlossenheit und kindlichem Leichtsinn in dem Augenblick des Verbrechens vollführt er den Mord – und noch einen Mord; denn ihre Schwester, ein armes, einfältiges und gutmüthiges Geschöpf, tritt ein, als Raskolnikow gerade begonnen hat, die Taschen der Todten zu untersuchen, und er tödtet sie mit noch einem Schlage.

Aber er war der That nicht gewachsen oder zu edel angelegt für die Unthat – wie man es nehmen will. Er kann morden im Nachtwandler-Wahnsinn, aber er versteht nicht zu stehlen.

Er eignet sich nur ein paar werthlose Sachen an entrinnt mit äusserster Mühe dem Schicksal, am Ort, der That ergriffen zu werden; und nun beginnt die Periode seines Lebens, in der er nicht mehr im Stande ist, etwas anderes zu thun, als über seine Unthat nachzugrübeln. Er vertilgt alle ihre materiellen Spuren; aber er geht in dem Gedanken auf, sie zu verbergen und verräth sich doch unversehens jeden Tag mehr denen, die den Schuldigen suchen. Dies ist jedoch nicht die Hauptsache; keine äussere Entdeckung vernichtet ihn, sondern eine innere, die, dass er nicht eine von jenen auserwählten ungewöhnlichen Naturen ist, denen alles erlaubt ist. Er vermag nach der Ausführung seines Verbrechens nicht mehr, sich zu der Höhe zu erheben, von der er es betrachtete, ehe es vollbracht war. Er verzehrt sich allmählich. »Nein«, sagt er zu sich selbst, »jene Menschen, die man bewundert, sind nicht so beschaffen wie ich. Der wahre Herrscher, dem alles erlaubt ist, vernichtet Toulon, bemächtigt sich mit den Bajonetten der Macht in Paris, vergisst ein Heer in Egypten, opfert eine halbe Million Menschen auf dem Feldzuge nach Moskau, macht dann in Wilna ein Wortspiel darüber – und nach seinem Tode werden ihm Götzenbilder errichtet. Solche Menschen müssen wohl von Erz sein, nicht von Fleisch und Blut«! Und ein Nebengedanke bringt ihn fast zum Lachen: »Napoleon – die Pyramiden, Waterloo – und ein ekelhaftes, kleines, altes, wuchertreibendes Weib mit einem rothbeschlagenen Koffer unter ihrem Bett. Würde wohl ein Napoleon unter das Bett einer solchen alten Frau kriechen? ... Unsinn!«

Er bereut nicht den Mord der Alten; er betrachtet immer noch ihr Leben als ein unnützes, ihren Tod als etwas Gleichgültiges, sogar Nützliches. Die Alte ist und bleibt ihm Nebensache; er wollte ja durch ihren Tod nur einem Prinzip zum Leben verhelfen; nicht einen Menschen, sondern ein Vorurtheil tödten und die Kluft überschreiten, welche die Alltagsseelen, die zum gewöhnlichen Tross gehören, von den Schaaren der Auserwählten trennt. Er hat das Vorurtheil getödtet, ist aber dennoch auf dieser Seite der Kluft stehen geblieben. Er ist grenzenlos elend, elender als je zuvor.

Er hat nichts Böses gethan. Er wollte nur an einer hungernden Mutter nicht vorübergehen und seinen Rubel nicht in der Tasche behalten. Und wie gewissenhaft hat er gehandelt! Er versicherte sich ja erst durch sorgsame Selbstprüfung, dass er die Schranke nicht um sinnliche Triebe zu stillen, sondern um eines grossen Zieles willen überschreiten wollte; dann suchte er sich unter all' den »unnützen Läusen« die aller unnützeste aus und endlich beschloss er, indem er jene Frau ermordete, nur soviel zu nehmen, als ihm zu seinem nächsten Ziel unbedingt nöthig war.

Aber nicht die Alte hat er getroffen; sich selbst, sein eigenes Ich. Seine That ist ihm weit über den Kopf gewachsen, sie hat ihn vollständig isoliert, ihn ganz in sich selbst zurückgeworfen. Das Geheimniss quält ihn bis zum Wahnsinn, und die Qual, eine »Laus« zu sein wie all' die Andern, vernichtet ihn.

Sobald er den Mord begangen hat, fühlt er sich einsam, fremd vor sich selbst, und zu ewigem Schweigen verdammt. Es ist ihm, als könnte er niemals mehr mit Anderen sprechen. Bald darauf wird er von einem wahnsinnigen Drang gequält, sich zu verrathen, selbst alles zu erzählen. Er würfe am liebsten sogleich den ganzen Raub in den Kanal, er denkt nicht daran, ihn anzuwenden, vergisst ihn unter einem Stein am Bauplatz. Er begreift selbst nicht, was mit ihm geschehen ist, aber es ist ihm, als wäre er von seiner Vergangenheit abgetrennt wie durch den Schnitt einer Scheere. Es kommt ein Augenblick, wo er am liebsten gleich ins Wasser spränge, um dem Allen ein Ende zu machen. Auf seine Umgebung macht er den Eindruck eines Verrückten. Aber er trifft menschliches Elend in dessen schlimmsten Gestalten – einen sterbenden Trunkenbold, eine brustkranke Wittwe mit einem Nest voll Kinder ohne Brod, ein edles junges Mädchen, das sich zum Freudenmädchen hat erniedrigen müssen um seinen kleinen Geschwistern Nahrung zu verschaffen – und der Drang, Edelmuth zu zeigen, zu helfen, giebt ihm auf kurze Zeit den Glauben an das Leben wieder. Doch dem kurzen Aufschwung folgen neue Qualen. Der Gedanke martert ihn, ob die Andern nicht alles wüssten, so dass er eine ganz unnütze Comödie spiele, wenn er sich vor gewissen Leuten verstellt. Und wirklich giebt es Leute, die auf der Spur sind: Einen, der alles geahnt und ihn ganz durchschaut hat, und dieser Eine ist ein genialer Jurist, ein Untersuchungsrichter. Raskolnikow wird jedoch weder in Haft genommen, noch verhört, nein, was zuletzt seine Lippen öffnet und ihn zur Selbstanzeige zwingt, ist ein rein inneres, seelisches Ereigniss. Lange bevor dies zum Ausbruch kommt, kommt es ihm vor, als nähere sich der Augenblick, da er sich verrathen müsse, und er vergleicht selbst das Gefühl von dem Kommen dieses Augenblicks mit seinem früheren Empfinden der Nothwendigkeit, eben damals die Alte ermorden zu müssen. Doch jenes Gefühl wird beständig durchkreuzt von dem Gefühl des auflodernden Hasses gegen die Mitwelt; er nährt einen mörderischen Hass gegen Die, von denen er ahnt oder fürchtet, dass sie um sein Geheimniss wüssten. Wenn er in seinen einsamen Betrachtungen sich selbst die Fragen vorlegt, was er unter diesen oder jenen Umständen thun müsse, um nicht überlistet zu werden, ist der Ausbruch »dann tödte ich ihn«, die stete Antwort auf alle solche auftauchenden Fragen. Ja zuletzt entdeckt er mit Schrecken, dass er sogar an Mutter und Schwester, die er stets so lieb gehabt, zuweilen mit einem Gefühle von Hass denkt.

Und dieser Hass und all' diese Qual ist entsprungen aus Liebe. Hätte er nur nicht so heiss geliebt, so wäre dies Alles nicht geschehen!

Wäre seine Seele kalt gewesen, er selbst nicht kühn, hochherzig und ernsthaft, er wäre niemals ein Mörder geworden. Mehr und mehr fühlt er sich in dieser schrecklichen Zeit zu jenem jungen, oben erwähnten Mädchen hingezogen, das aus Liebe zu seinen kleinen Geschwistern eine Dirne geworden. Sie konnte selbst bei angestrengtester Arbeit niemals das zum Lebensunterhalt Nöthige durch Tagelohn verdienen, und die Mutter selbst hat sie auf die Strasse getrieben. Mitleid hat ihn in Verbindung mit ihr gebracht, Bewunderung für den Adel und die Reinheit ihres Wesens – denn kein Tropfen wirklicher Unzucht ist noch in ihr Herz gedrungen – bewegt ihn, sie aufzusuchen. Er ehrt die von der Welt Verstossene. Auch sie hat ja »die Schranken überschritten«, auch sie hat Hand an ein Menschenleben gelegt, an ihr eigenes, hat sich geopfert und sich unnütz geopfert; aber sie steht seelisch hoch über ihm. Und sie wird nach und nach sein Gewissen. Eines Tages, da er lange schweigend in ihr weinendes Antlitz geblickt, wirft er sich vor ihr nieder und küsst ihre Füsse.

»Was thun Sie? Was thun Sie? Das mir!«

Er antwortet: »Nicht vor Dir habe ich mich gebeugt – ich habe mich gebeugt vor dem ganzen Leiden des Menschengeschlechts.«

Sonjas Bitte ist, er solle selbst sein Verbrechen anzeigen, »sein Martyrium auf sich nehmen«; sie will ihn niemals verlassen, will ihm in die Verbannung nach Sibirien folgen als Zuchthäuslerin. Er weigert sich lange. Auch seine Schwester ruft ihm zu, sich selbst anzuzeigen; sie sieht in diesem Schritt die einzige Rettung von der Selbstverzehrung, in die er gesunken ist. Aber als sie den Ausdruck Verbrechen gebraucht, empört er sich. »Dass ich eine widerwärtige, schädliche Laus, eine alte Wucherin ermordet, für deren Tod einem vierzig Sünden vergeben werden könnten, ein Wesen, das den armen Leuten das Blut aussaugte – das soll ein Verbrechen sein!« – »Du hast Blut vergossen«! ruft die Schwester verzweifelt aus, – »Blut«! antwortet Raskolnikow. »Alle vergiessen es – es fliesst und ist stets auf Erden in Strömen geflossen, es wird wie Champagner vergossen, und man wird deshalb auf dem Capitol gekrönt und Wohlthäter der Menschheit genannt – ich selbst wollte ja nur das Gute, und würde hunderttausend gute Thaten für diese eine Dummheit begangen haben, und es war nicht einmal eine Dummheit, nur eine Ungeschicktheit. Durch diese Dummheit wollte ich mir nur eine unabhängige Stellung verschaffen, den ersten Schritt thun, und dann sollte dies alles durch einen verhältnissmässig unermesslichen Nutzen aufgewogen werden. Aber nicht einmal den ersten Schritt habe ich ausführen können, weil ich ein Lump bin! Das ist das Ganze!«

Doch Sonja ist auf die Länge stärker als er. Er kann den Bitten des bei all' ihrer Demuth und Bescheidenheit starken Weibes, die That zu bekennen, nicht widerstehen; und der Roman endet mit Raskolnikows Selbstanklage auf dem Polizeikontor: »Ich bin es gewesen, der die alte Registratorswittwe und ihre Schwester mit einer Axt mordete und darauf ihr Eigenthum raubte.«

III.

Dostojewski hat in dieser Erzählung offenbar ein Zeitbild geben wollen. »Was hier vorliegt«, sagt im dritten Theil des Buches der Untersuchungsrichter Porphyrius zu dem Helden, »ist deutlich genug ein phantastisches, trauriges Produkt der neuen Zeitrichtung: es ist eine That, die nur die Neuzeit hervorbringen kann, die Zeit, in der es Brauch ist, seine Gefühle zurück zu zwingen und Phrasen anzuführen wie die: dass Blut »erfrischend« wirkt; es sind Phantasien, die aus Büchern stammen; es ist ein Herz, das krampfhaft von Theorien überreizt ist; es ist eine Entschlossenheit, die bis zum Verbrechen geht, wie wenn fremde Füsse ihn dahin trügen.« Der Verfasser hat augenscheinlich die politische Gährung im Auge, obgleich er sich wohl hütet, ein Wort über Politik fallen zu lassen. Es findet sich eine unzweifelhafte Hindeutung auf Kaisermord. »Es ist doch gut«, sagt Porphyrius zu Raskolnikow, »dass es nur ein elendes, altes Weib war, das Ihr ermordetet; wenn Ihre Theorie eine andere Richtung genommen hätte, so wäre Euer Verbrechen vielleicht noch eine hundert millionenmal fürchterlichere That geworden.« Und es findet sich nebenbei durch einen Traum, den Raskolnikow hat, während er über dem Mordgedanken brütet und sich davor entsetzt, eine Schilderung, die zwar nirgends direct auf das russische Volk angewendet wird, die aber unzweifelhaft in einem Sinnbild die finsterste Vorstellung von den Zuständen geben will.

Der Held sieht im Traume ein klägliches, mageres, hellbraunes Bauernpferd, das vor einem ungeheuern Lastwagen gespannt ist, den es unmöglich ziehen kann; aber von dem rohen Besitzer des Wagens wird es wieder und wieder gepeitscht ohne Gnade, über das Maul, über die Augen, erst mit einer Peitsche, dann mit drei Peitschen auf einmal; es stöhnt und keucht, kann kaum athmen, zieht, bleibt stehen, versucht wieder zu ziehen, kann den Hagel von Schlägen nicht länger aushalten und beginnt endlich unter allgemeinem Gelächter auszuschlagen. Es wird von Neuem gepeitscht – während einige das Tamburin dazu schlagen, einer ein freches Lied singt und ein Frauenzimmer vergnügt Nüsse knackt – gepeitscht über das Maul und über die Augen. Da selbst wuchtige Schläge mit einer Wagenstange über den Rücken das Pferd nicht weiter treiben können, greift der Besitzer zu einer grossen Eisenstange und giebt ihm hiermit einen Schlag. Es versucht zum letzten Mal zu ziehen; da schlägt es noch ein Hieb entseelt zu Boden. Wo der sociale Zustand der Art ist, wie er hier symbolisch geschildert wird, da ist es kein Wunder, wenn sich in der Seele der Jugend blutige Gedanken regen.

Ist es auch kein politischer Verbrecher, den Dostojewski dargestellt hat, so ist es doch einer, dessen Verbrechen das Gemeinschaftliche mit einem politischen hat, dass es kein niedriges ist; nicht ausgeführt in der gemeinen Absicht, sich grösseren Wohlstand zu verschaffen, sondern bis zu einem gewissen Grade uneigennützig, und vor allem, es ist ausgeführt von einer Person, die im Augenblick des Verbrechens keinen Zweifel an ihrem Recht hegt. Vergleicht man indessen die Männer und Frauen, die wir in späteren Jahren in Russland wegen Mordanschlags verurtheilt gesehen haben, und nicht weniger die, welche als Theilnehmer am Kaisermord hingerichtet wurden, mit diesem Mörder, so ist der Gegensatz auffallend. Jene gingen keineswegs durch die seelischen Folgen ihrer That zu Grunde; sie waren als Verschworene, in und nach dem Augenblick des Mordes, in voller Uebereinstimmung mit ihrem innersten Wesen; ihre Ueberzeugung blieb unverrückt und unangefochten bis zuletzt. Wären sie nicht aus dem Wege geschafft worden, würden sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Leben zu Ende gelebt haben ohne eine andere Erinnerung, als eine ruhige und stolze zu bewahren an ihre Mordattentate auf Personen, deren Ausrottung sie für eine gute That, ja sogar für ihre Pflicht hielten. Raskolnikow hingegen geht unter den Folgen des Mordes zu Grunde.

Er ist wie die politischen Verbrecher von einem bestimmten Grundsatz ausgegangen, der zwar im Buche nicht genannt wird, aber nichts destoweniger seiner Handlungsweise zu Grunde liegt, dem nämlich, dass der Zweck das Mittel heiligt. Dieser Satz, den die Einfalt missverstanden und der Jesuitismus missbraucht hat, ist genau und buchstäblich wahr. Das Wort »heiligt« weist darauf hin, dass ein guter, würdiger Zweck gemeint ist. Einen guten, würdigen Zweck hat derjenige, der wirkliche Werthe erhalten oder hervorbringen will.

Gesetzt nun, dass Einer sein gutes Ziel nur erreichen kann, indem er Leid zufügt, und gesetzt, dass dieses Leid geringer wäre als das, welches erstehen würde, wenn er es unterliesse, das Mittel anzuwenden; gesetzt, z. B., dass ein Mann das Wohl seiner Mitbürger will und diesen guten Zweck nur erreichen kann, indem er einen einzelnen Mann entfernt (es sei ein mit ansteckender Krankheit Behafteter oder ein Tyrann): so ist seine Handlung rühmenswerth, wenn er von den beiden Uebeln – wovon das eine oder das andere mit Nothwendigkeit eintritt – das kleinste wählt. Der naheliegende Einwand, dass er die Folgen seiner That nicht übersehen kann, bedeutet nichts, da die Moral auf die Absicht, nicht auf das Resultat sieht. Im täglichen Leben bezweifelt deshalb auch niemand die Richtigkeit des Satzes; man ist vollkommen mit dem Gedanken vertraut, dass es keine unbedingten Pflichten giebt. Die Gesellschaft lehrt: Du darfst nicht tödten, aber fügt hinzu: ausgenommen, wenn das Vaterland (der gute Zweck) es fordert, denn da ist es nicht erlaubt, sondern Pflicht, die grösstmögliche Anzahl Feinde unschädlich zu machen. Die Gesellschaft lehrt, es ist eine schlechte Handlung, Arm oder Bein eines Anderen abzuschneiden, fügt aber hinzu: wenn der Arzt Arm oder Bein amputirt in der Absicht, das Leben eines Kranken oder Verwundeten zu retten, so heiligt der gute Zweck das Mittel.

Damit der Satz gültig sein soll, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein: Der Zweck muss gut sein. – Der Zweck darf durch keine anderen Mittel zu erreichen sein, als durch schmerzbereitende, auch nicht durch ein in geringerem Grade schmerzbereitendes Mittel als das angewandte. – Das Leid, das als Schmerz angewandt wird, muss geringer sein als das, welches ohne Anwendung des Mittels entstehen würde. – Mit Rücksicht auf alle diese Punkte wird der typische russische Terrorist vor wie nach seinem Eingriff in den Gang der Ereignisse völlig unbekümmert sein. Warum ist es Raskolnikow nicht?

Obwohl Dostojewski unzweifelhaft nicht das Geringste für politische Terroristen übrig gehabt hat, da doch selbst politische Fortschrittsmänner ihm verhasst waren, so hat er doch in diesem Punkt eine ausserordentliche Feinheit des Empfindens gezeigt. Er bestreitet eigentlich nicht die Richtigkeit von Raskolnikows Raisonnement, aber zeigt, dass er unklar über seinen Zweck ist, ungewiss, ob es wirklich ein guter ist oder nicht. Zu Sonja sagt dieser einen Monat nach dem Morde verzweifelt, dass er stets unsicher gewesen sei. Wenn er sich selbst prüft, findet er, dass er im Grunde nicht gemordet hat um seine Mutter zu unterstützen, auch nicht um ein Wohlthäter der Menschheit zu werden, sondern um zu erfahren, ob er wie alle andern, »eine Laus« wäre, nicht ein Mensch, das heisst, ob er im Stande wäre, die Schranken zu überschreiten oder nicht. Er ist unsicher über sein Ziel und unsicher über seine innere Berechtigung, dieses bestimmte Ziel zu verfolgen, das nach seiner eigenen Theorie nur von den Auserkorenen mit allen Mitteln erstrebt werden darf. Da er ganze Tage hindurch sich mit der Frage quälte, ob Napoleon so gehandelt haben würde, fühlte er bereits dunkel, dass er nicht ein Napoleon war.

Deshalb wird er von den Consequenzen der That völlig überwältigt. Er wollte nur ein altes Ungeheuer tödten, aber kaum war dies geschehen, so zwang ihn die Nothwendigkeit, um nicht entdeckt zu werden, ein armes gutmüthiges Geschöpf zu tödten, das niemals irgend einem Menschen Leid zugefügt hatte, ja immer ein Opfer anderer gewesen war. Er wird später selbst genöthigt, Lisaweta's geistige Verwandtschaft mit der von ihm so hoch geschätzten Sonja zu erkennen. Er sagt irgendwo: »O, wie ich jenes elende, alte Weib hasse; ich glaube, ich könnte sie noch einmal niederschlagen, wenn sie zum Leben erwachte! Aber die arme Lisaweta! Warum musste sie hinzukommen! Sonderbar, dass ich fast niemals an sie denke, als ob ich sie gar nicht getödtet habe! Lisaweta! Sonja! ... Ihr Armen! Ihr Milden mit den furchtsamen Augen ... Ihr Lieben ... Warum weint Ihr nicht? Warum stöhnt Ihr nicht einmal? sie geben Alles hin mit ihrem milden, stillen Blick.«

Doch weit mehr als dieser nicht gewollte Mord Lisawetas martert ihn die Unruhe, entdeckt zu werden und dieses System von Verstellen, Leugnen und Lügen, worin er sich verwickelt! Sein Verstand ist nicht solid genug, um dies auszuhalten und er ist, bis er sich selbst anzeigt, beständig am Rand des Wahnsinns. In einem Epilog, der in Sibirien spielt, lässt Dostojewski Raskolnikows trotziges und doch gebrochenes Wesen in Zärtlichkeit sich auflösen und durch Sonjas treue, aushaltende Liebe zum Lebensmuth gestärkt werden. Raskolnikow ist »ungläubig«, aber Sonja glaubt. Noch ehe Raskolnikow seine Schuld bekannt hat, findet sich eine ergreifende Scene, wie Sonja ihm laut aus dem Neuen Testament vorliest, eine Scene, in welcher das Talglicht in dem krummen Leuchter des elenden Zimmers mit Einem Male den Mörder, das gefallene Mädchen und das Evangelium beleuchtet – eine geniale und wahrhaft christliche Scene. In dem Epilog, zu welchem Dostojewski offenbar seine eigenen Erfahrungen aus Sibirien hat benutzen wollen, tritt seine religiöse Ueberzeugung direct und doctrinär vor. Ueberhaupt hat man, wie ich eine junge russische Dame es ausdrücken hörte, sehr oft bei Dostojewski ein Gefühl, als ob seine geschaffenen Gestalten tiefer schauten als der Dichter selbst. Er hat es nicht vermocht, die Tragweite seiner Production zu übersehen.

IV.

Wollte man nun die Nebenpersonen nur annähernd mit derselben Sorgfalt studiren, mit welcher hier der Charakter der Hauptperson erforscht ist, so würde man finden, dass sie fast ohne Ausnahme, ein Dutzend etwa der Zahl nach, durch die Kraft und Wahrheit, mit der sie gezeichnet sind, auf der Höhe des Helden stehen; und alle stehen in Verhältniss zu ihm. Es ist keine überflüssige Person in diesem Buche. Zu den bewunderungswürdigsten Gestalten gehört der Untersuchungsrichter Porphyrius, ein juristisches Genie, und der Gutsbesitzer Swidrigailow, eine mannigfach zusammengesetzte Natur, ein Wollüstling, der sich in Raskolnikows Schwester verliebt hat und ihr nachstellt. Er ist ein Verstandesmensch, ein vortrefflicher Kopf und besitzt, obwohl er einen ungebüssten Mord oder auch mehrere auf seinem Gewissen hat, Muth und Ehrgefühl auf seine Weise. Er bildet, als Mörder aus Eigennutz, durch zahlreiche Einzelheiten in seiner Handlungs- und Denkweise einen Gegensatz zu dem Helden des Buches, der sich gegen Swidrigailows Behauptung sträubt, dass sie einen bestimmten, gemeinsamen Grundzug hätten.

Die Charakterzeichnung bei Dostojewski ist ersten Ranges; sie ist tief und kräftig. Gleichwohl lässt sie nach Dickens' Weise fast das ganze Geschlechtsleben wenn nicht unberührt, so doch ungeschildert. Der Dichter scheut auf diesem Gebiet das Paradoxon nicht, so die sittlich untadelhafte Dirne, jedem feil und doch vor Reinheit strahlend – sie erinnert mehr an eine Antithese in menschlicher Gestalt von Victor Hugo als an eine wirkliche Persönlichkeit.

Die Scheu vor Schilderungen des natürlichen Sinnenlebens ist um so auffallender, als hier wie in den meisten andern Büchern des Dichters unnatürlicher, empörender Geschlechtstrieb gestreift wird. Man bemerke hier Swidrigailows hässliches Verlangen nach kleinen zarten Mädchen. Und man vergleiche die staunenerregende Inquisition in den »Besessenen«, wo Schatow den Stawrogin ausfragt, ob es wahr sei, dass er in Petersburg einem geheimen Club angehört habe, der Befriedigung unnatürlicher Wollust zum Ziele hatte, ob er wirklich gesagt habe, dass der Marquis de Sade bei ihm in die Schule gehen könnte, und ob er Kinder verführt und gemissbraucht habe. Es ist klar, dass Dostojewskis Phantasie sich häufig um solche naturwidrigen Lüste drehte, eben weil seinem Gedankengang zufolge einer gesunden Sinnlichkeit kein Raum gelassen wurde. Sein Hang zur Schilderung körperlicher Leiden, das lange Verweilen bei Grausamkeiten deutet auch auf unnatürliche Lustgefühle. Eigenthümlich ist es, dass Turgenjew wieder und wieder auf Vergleiche zwischen Dostojewski und de Sade zurückkommt. Es geschieht zwar meist aus Unwillen darüber, dass sein gehasster Rivale so häufig als Heiliger dargestellt wurde, aber es ist offenbar Turgenjews Ueberzeugung gewesen, dass hier physiologisch und psychologisch eine wirkliche Verwandtschaft stattfand. Turgenjews Brief an Saltykow vom 24. September 1882.

Soviel ist jedenfalls klar, dass Dostojewskis Begabung mit einer perversen Nervosität zusammen hing.

So hoch auch die Charakterzeichnung in »Verbrechen und Strafe« steht, leidet das Buch doch unter der Unvollkommenheit des Vortrages. Die dialogisirten Partien sind ohne Vergleich die besten. Sobald der Dichter selbst redend auftritt, hört die Kunst auf. Dostojewski vermochte nicht wie Turgenjew den Franzosen ihre Erzählerkunst abzulauschen; was er sich von ihnen aneignete, war ihr Humanitätsideal, eine volkstümliche Grundansicht, die mit derjenigen Louis Blanc's und Victor Hugo's verwandt ist.

Er, der in so hohem Grade die Gabe des Dichters hatte, war in geringem Grade Künstler. Seine Schriften liess er alle drucken, wie sie ihm aus der Feder flossen, ohne irgend welches Durcharbeiten, geschweige Umarbeiten. Er ging nicht darauf aus, ihnen durch Zusammendrängen oder Ausscheiden die höchste ihm mögliche Vollkommenheit mitzutheilen, sondern arbeitete wie ein blosser Publicist, und darum ist er durchgehends zu weitläufig.

So ist es gerade bei seinem vorzüglichsten Werke klar, dass er im ersten Theil gar nichts von der Abhandlung gewusst hat, die er im zweiten Theil Raskolnikow über seine Theorie geschrieben haben lässt. Bestimmte Aeusserungen im ersten Theil widersprechen sogar dem, dass der Held eine solche geschrieben haben kann. Es entspricht nur wenig der modernen Kunst des Vortrags, wenn der Dichter an verschiedenen Stellen des Raskolnikow Wendungen gebraucht wie: » Später erfuhr man, dass Swidrigailow an dem Abend noch einen Besuch gemacht habe« oder »als er sich später, lange danach, jener Zeit erinnerte, war es ihm klar, dass sein Bewusstsein zuweilen umnebelt gewesen sein müsste« oder » später erschien es Sonja wunderbar, dass sie so mit einem Male es begriffen hatte«. Mit solchen Wendungen sucht ein Dichter die Lücken und Versäumnisse der Schilderung auszubessern. Irgendwo schreibt Dostojewski sogar mit echter altmodischer Naivetät: »Wir wollen vorläufig die ganze Gedankenreihe liegen lassen, durch welche Raskolnikow zu diesem Resultat gekommen war; wir haben ohnehin schon zu weit vorgegriffen. Wir fügen nur noch hinzu, dass die factischen, rein materiellen Schwierigkeiten bei dem Unternehmen eine ganz nebensächliche Rolle für ihn spielten.« Vorgreifen und Entschuldigungen für Vorgreifen, haben in einem Roman ebensowenig Platz wie Lücken und Lückenbüsser.

Bereits aus »Verbrechen und Strafe« sieht man, inwiefern Dostojewski ein Dichter des Proletariats genannt werden kann. Er hat wie kein anderer das Proletariat der Intelligenz wie das der Unwissenheit gekannt und verstanden.

Seine Haupteigenschaft, wenn er es darstellt, ist eine Art psychologischer Clairvoyance, die ihn der vornehmen Welt gegenüber im Stich lässt (z. B. der Fürst in »Erniedrigte und Beleidigte«). Die Stärke und Weite dieser Clairvoyance merkt man besonders, wenn der gesunde seelische Zustand an das Gebiet des Wahnsinns streift. Er hat den menschlichen Seelenzuständen gegenüber den sichern Blick eines Irrenarztes, aber es geht ihm zuweilen wie den Irrenärzten, dass die stete Gewohnheit, seelische Abnormitäten vor Augen zu haben, ihn dazu verführt, das Abnorme überall zu sehen und nach und nach das Gleichgewicht seines eigenen Verstandes ins Schwanken bringt.

Er nimmt gerne seinen Stand auf der schmalen Scheidelinie, die vernünftigen Gedankengang von exaltirtem und zweckmässige Handlungsweise von verbrecherischer trennen. Von diesem schmalen und niedrigen Damm blickt er hinaus nach beiden Seiten und vergisst niemals, den Leser darauf aufmerksam zu machen, wie schmal und niedrig diese Scheide zwischen Gesundheit und Krankheit, Recht und Unrecht in Wirklichkeit sei. Mit besonderer Virtuosität malt er den geistigen Schwindel aus, der den Menschen zwingt, sich in einen Abgrund von Verbrechen oder Aufopferung zu stürzen. Er kennt wie kein anderer die anziehende Macht der Abgründe.

Als Kenner des Seelenlebens ist er ganz Patholog. Die unendliche Sensibilität, eine Folge seines epileptischen Naturells, ist zugleich seine Stärke. Seine eigene Krankhaftigkeit, seine nervösen Anfälle, seine Hallucinationen, seine Krämpfe kehren bei den Personen wieder, die er schildert. Der Schrecken, der ihn durchschauerte, zuerst als er die Todesstrafe, später als er die Peitschenstrafe vor Augen hatte, begegnet uns in der Haltung seiner Hauptpersonen gegenüber der Aussicht auf Strafe wieder (Raskolnikow, eine Menge Personen in »Das todte Haus«, Dmitri in »Die Brüder Karamazow«) am deutlichsten jedoch vielleicht in »Der Idiot«, wo der Held gleich im Beginn des Buches einem Kammerdiener alle die Schrecken der zum Tode Verurtheilten vorstellt. Es wird hier entwickelt, dass das Tödten in Folge eines Todesurtheils unverhältnissmässig abscheulicher sei als selbst der fürchterlichste Mord, und damit geschlossen: Vielleicht giebt es einen Menschen, dem ein Todesurtheil nur vorgelesen worden, um ihn zu martern. – Immer dieser Hintergrund von Qual und Angst!

Die meisten der Personen Dostojewski's sind hellseherisch. So allein in »Die Brüder Karamazow« der jüngste der Brüder Alioscha, der in den Seelen liest und das Verborgene sieht, und der edle Mönch Zossima, der Heilige des Buches, der Dmitris Versuchung zum Vatermord voraussieht und sich in christlicher Mystik vor ihm auf die Knie wirft, vor ihm als dem Sündigsten und darum dem Heile Nächsten. Epileptisch ist der Held in »Der Idiot« Fürst Myschkin und der Mörder in »Die Brüder Karamazow« Smerdiakow.

Da nun das Pathologische Dostojewski's Stärke ist, so ist es ganz natürlich, dass seine drei besten Bücher Verbrechernaturen schildern. Man findet sie in »Die Brüder Karamazow« wie in »Das todte Haus«; aber »Verbrechen und Strafe« giebt doch das typischste Beispiel der Meisterschaft seiner psychologischen Analyse ab; es entfaltet das Verbrechen in seinem ganzen Wachsen von der ersten Zelle an bis es seine letzte Frucht bringt. Als Kenner kranker Gemüthszustände, als Dichter »des moralischen Fiebers« hat Dostojewski nicht seines Gleichen.

Es ist natürlich, dass bei einem Dichter, der so ausschliesslich Psycholog ist, die Naturumgebung fast keine Bedeutung hat. Was er von der Landschaft gebraucht, ist der Streifen Horizont, der Schimmer des blauen Himmels, das von einem Dachstübchen in einer der Vorstädte einer grossen Stadt oder durch die hoch oben angebrachte Scheibe einer Gefängnisszelle erblickt wird. Bei ihm ist alles Replik, alles Gespräch, in so fern alles dramatisch.

Dostojewski ist unter allen Dichtern Russlands der grösste Dialektiker. Er hat besonders seine Stärke in einer erstaunlichen Disputierkunst des Replikenwechsels. Der Monolog – und er liebt unendliche Monologe – analysirt eine Sache von den verschiedensten Seiten in das feinste Detail. Der Dialog ist bei ihm eine Art Inquisition, ein fortgesetzter Kampf zwischen Menschen, die einander ihre Geheimnisse zu entreissen suchen.

Nichts ist seinen Personen und ihrem Verfasser ferner als der Westeuropäische Ehren-Codex, wie er am schärfsten formulirt in Calderons Dramen hervortritt und noch als Rest aus der Ritterzeit in der romanischen und deutschen Gesellschaft existirt. In der Welt, die Dostojewski uns eröffnet, sind die verletzendsten Beschuldigungen, ja ein Schlag ins Gesicht nichts Entehrendes für einen Mann. Da wird von Durchpeitschen gesprochen wie von der natürlichsten Sache der Welt. In christlichem Geist und in guter Uebereinstimmung mit der nationalen Mystik wird das Leid beinahe als ein Gut betrachtet. Eine Person bei Dostojewski sagt: »Ich fürchte nur, meiner Qual nicht würdig zu sein.« Die Qual wird als eine Art Distinction aufgefasst. Sie kauft immer jemand oder etwas los. Wenn sie vorüber ist, so ist das Verbrechen, das die Anregung dazu gab, ausgelöscht.

Ja noch mehr: Das Leid ist in dieser verkehrten Welt eine Versuchung. Schatow sagt zu Stawrogin (Nihilisten): »Wissen Sie, warum Sie damals diese gemeine und schändliche Ehe eingingen? ... Sie verheiratheten sich aus Lust, Schmerzen, Gewissensqualen zu fühlen, aus moralischer Wollust. Es war eine Nervenirritation.« Und diese Auffassung ist nicht alleinstehend.

Darum ist höchst bezeichnend und echt byzantinisch-christlich für Dostojewski der Lebenstrieb das böse Prinzip. Dies ist es, das er in den drei Brüdern Karamazow mystisch verkörpert hat. Der Atheist Iwan sagt zu seinem Jüngern Bruder: »Weisst Du, wenn ich meinen Glauben an das Leben verloren hätte, ... so würde ich mich doch nicht tödten, ich würde trotz Allem leben! Ich habe den verzauberten Becher an meine Lippen gesetzt, ich lasse ihn nicht los, ehe ich ihn bis zur Neige ausgeleert ... Mehr als ein Mal habe ich mich gefragt, ob es in der Welt einen Schmerz giebt, der im Stande ist, in mir diesen unendlichen Durst zu überwinden, diesen Durst nach Leben, der vielleicht unziemlich ist; aber ich glaube nicht, dass es für mich, für meine dreissig Jahre irgend einen Schmerz der Art giebt. Ich weiss es wohl, dass die Moralisten, besonders die, welche Verse schreiben, die tuberkulösen Leute, und die, welche ewig den Schnupfen haben, diesen Lebensdurst niedrig und verächtlich nennen. Es ist auch wahr, dass dieser Durst ein Charakterzug ist, der die Familie Karamazow kennzeichnet: leben! es koste, was es wolle! Er ist auch in dir. Aber was ist darin niedrig?« ...

Obwohl nun der Lebensdurst zu den Uebeln gehört, ist doch das Leiden nicht ohne weiteres ein Gut. Dostojewski ist bei all seinem (unbewusst grausamen) Verweilen bei Qualen und Geniessen von Qualen allzu weich und empfindsam und nervenschwach und zitternd um nicht in Mitleid hinzuschmelzen. Ja das Mitleid ist ihm eine Art Religion, und es kommt zuweilen seinem System, seinem Glauben an Gott, seinem Christenthum in den Weg. Er ist Dialektiker genug, um einen fürchterlichen Angriff auf den Glauben an Gott wegen der irdischen Leiden erheben zu können. Man lese z. B. Iwans Aufzählung all' der menschlichen Grausamkeiten gegen schutzlose Thiere, gegen kleine Kinder, man bemerke sein Verweilen bei allen Raffinements der Grausamkeiten: ein kleines Pferd, das in die Augen gepeitscht wird, ein siebenjähriges Mädchen, das mit Dornenzweigen gepeitscht wird, ein fünfjähriges Mädchen, das man in der Nachtkälte des Winters auf einem Closet einschliesst und dessen Gesicht man mit Excrementen beschmiert, die man es nachher zu essen zwingt; ein leibeigener Knabe von acht Jahren, den ein General von seinen Hunden zerreissen lässt – Alles dies, ohne dass Gott eingreift – und man erwäge seinen Schluss: es ist möglich, dass alles dies zusammen zu der himmlischen Harmonie des Alls mitgehört; aber ich erkenne sie nicht an; sie wägt für mich nicht eine einzige Thräne eines Kindes auf.

Der junge Heilige Alioscha schlägt für Dostojewski diese Zweifel mit der Antwort nieder: »Es giebt ein Wesen, das Alles vergeben kann, denn es selbst hat sein unschuldiges Blut für Alle und Alles vergossen.« Dies Argument ist nicht viel besser als das, welches an einer andern Stelle des Buches der Teufel während einer Hallucination Iwan giebt: »Welches Vergnügen würde man ohne Leiden haben? Alles würde wie eine unendliche Ceremonie sein: heilig, aber unendlich langweilig.«

Mit einer ganz überraschenden Hoheit und Grösse hat Dostojewski das religiöse Problem, wie es sich vor seinen Augen formte, in der sinnreichen Dichtung »Der Grossinquisitor« entwickelt, deren Verfasser er Iwan sein lässt und derentwegen allein »Die Brüder Karamazow« übersetzt zu werden verdienen.

Christus ist auf Erden zurückgekehrt. Bei einem grossen Autodafe in Sevilla, wo man hunderte von Ketzern ihm zu Ehren verbrennt, zeigt er sich, still in der Asche des Scheiterhaufens wandelnd. Alle erkennen ihn, die Menge schaart sich um ihn, er segnet sie. Da lässt der Grossinquisitor, ein neunzigjähriger Greis ihn greifen, fesseln, in die Zelle der zum Scheiterhaufen Verdammten bringen und hier macht er ihm zur Nachtzeit einen Besuch. Die Dichtung besteht aus einem Gespräch zwischen dem Grossinquisitor und Christus, oder richtiger aus einem langen Monolog des ersteren, der von keiner Antwort unterbrochen wird, einem Monolog, in welchem der Kardinal dem Erlöser zeigt, wie grosses Unrecht er damit thue, wiederzukommen und das Werk seiner Gläubigen zu zerstören, und ihm seinen bestimmten Willen verkündet, ihn als Ketzer lebendig verbrennen zu lassen, um Ruhe zu seiner Thätigkeit zu bekommen. Der Inquisitor entwickelt Christus, welche Fehler, politische Fehler er bei Lebzeiten begangen. Der wichtigste von allen war, nicht der Aufforderung des Versuchers zu folgen, Steine in Brod zu verwandeln, sondern sich den Menschen mit leeren Händen zu offenbaren. Hierdurch hat er es denen, die sich wider ihn erheben, möglich gemacht, sich um die Loosung zu schaaren: »Gieb ihnen erst zu essen, wenn Du willst, dass sie gut sein sollen.« Wir, sagt der Kardinal, geben ihnen Brod. Wir verstehen zu lügen, und wir reden in Deinem Namen. Und sie endigen damit, dass sie uns ihre Freiheit bringen, sie zu unsern Füssen niederlegen und uns um Ketten und Brod bitten. Es giebt auf Erden nur drei Kräfte, welche die im Grunde so schwache und aufsessige Menschheit im Zaum halten können, das ist: das Wunder, das Mysterium und die Autorität. Und Du hast diese Kräfte verschmäht, um eine Freiheit zu verkünden, die es gerade zu confisciren galt, und eine Liebe, mit welcher die Menschen nicht regiert werden können: »Darum ist es nothwendig gewesen, Dein Werk zu corrigieren«, es zu corrigieren durch Roms Macht und Cäsar's Schwert, und einige Hunderttausende von fortgeschrittenen Geistern unglücklich zu machen, sie auszurotten, wo man konnte, um unzähliger Millionen Wohl zu sichern. »Morgen lasse ich Dich verbrennen, dixi

Christus erwidert kein Wort, sondern starrt dem Inquisitor mit einem sanften und festen Blick in die Augen, dann nähert er ruhig das Antlitz dem seinen und küsst den Greis auf seinen blutlosen Mund. Da erbebt der alte Mann, öffnet die Zellenthür und sagt: Geh Deines Wegs und kehre niemals wieder ... niemals, niemals!

Dieses Gedicht wird in dem Roman als aus atheistischen Gedanken entsprungen verdammt, aber schon die Komposition zeigt, mit welchem Ernst und welcher Vielseitigkeit Dostojewski gefragt und die verschiedenen Antworten geprüft hat.

Die Zeit von 1871-81 war die ruhigste in Dostojewskis Leben. Seine zweite Ehe trug dazu bei, seine ökonomischen Verhältnisse zu ordnen. Er überstrahlte durch seine Popularität alle die Schriftsteller, die anfangs als ihm ebenbürtig galten; besonders erbleichte Pisemski's Ruhm völlig vor dem seinen. Aber er überstrahlte auch Turgenjew, der so lange als ihm überlegen betrachtet wurde; all' der Unwille, den der grosse Dichter bei Radikalen und Slavophilen sich zugezogen hatte, kam eine Zeitlang Dostojewski zu Gute. Als im Jahre 1880 die Enthüllung einer Statue Puschkin's ein litterarisches Nationalfest in Moskau veranlasste, bei welchem die grössten Schriftsteller sprachen, erweckte Turgenjew's Rede Beifall, die Dostojewski's aber rief Entzücken und Schluchzen hervor, und als er geendet, trug man ihn im Triumph umher.

In seiner Monatsschrift: »Tagebuch eines Schriftstellers« predigte er nun den Glauben an Russland als Pflicht und fiel mit gleicher Bitterkeit die russische »Intelligenz« und die westeuropäische Cultur an, die für ihn derjenigen Babels und Sodoms gleichkam. So galt er bei seinem Tode als Russlands grosser, volksthümlicher Dichter. Die Trauer über seinen Tod war eine Landestrauer; 40,000 Menschen folgten seinem Sarge. Russische Studenten sandten einen offenen Brief an seine Wittwe, worin es u. a. heisst:

»Niemals werden Dostojewski's Ideale vergessen werden; von Geschlecht zu Geschlecht werden wir sie vererben als eine theure Hinterlassenschaft unseres grossen, geliebten Lehrers ... Sein Andenken wird niemals aus den Herzen der russischen Jugend gelöscht werden, und wie wir ihn lieben, wollen wir auch unsere Kinder lehren, den Mann zu achten und zu lieben, den wir nun so bitter und trostlos beweinen ... Dostojewski wird immer leuchtend vor uns in den Kämpfen unseres Lebens stehen, wir werden immer daran denken, dass er es war, der uns die Möglichkeit lehrte, die Reinheit der Seele unberührt in jeder Lebensstellung und unter allen Verhältnissen zu bewahren.«

Es war, wie man sieht, die slavophile Geistesrichtung, die bei seinem Tode das letzte Wort behielt.

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