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Menschen und Städte

Per Daniel Amadeus Atterbom: Menschen und Städte - Kapitel 3
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authorPer Daniel Amadeus Atterbom
titleMenschen und Städte
publisherHans Dulk
editorChristel Matthias Schröder
year1947
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Von Stralsund nach Berlin

Es war Freitag, als ich entdeckte, daß ich Stralsund, in dem ich keinen Menschen kannte, lange genug besehen hatte, und da ich die herrliche Insel Rügen für eine Episode in meiner Odyssee bis zu meiner Rückkunft aufzusparen gedachte, beschloß ich, einen Sonnabend und Sonntag in Greifswald zuzubringen, woselbst ich doch eine Universität fand und wahrscheinlich erwerbenswerte Bekanntschaften machen konnte. Ich warf mich in einen offenen Extrapostwagen und rollte behaglich, aber auch sehr langsam dem Lehrsitze zu. Sand und Staub fehlten nicht; die Wege fangen hier schon an norddeutsch, d. h. schlecht zu werden, obwohl sie im ganzen nicht schlechter sind als unsere schonenschen. Das Land sieht überhaupt geradeso aus wie Schonen, nämlich flach, einförmig, hier und da mit einigen Buchen geschmückt, volkreich und im allgemeinen fruchtbar. Diese verwandtschaftliche Aehnlichkeit prägt sich auch in den Physiognomien der Bewohner aus. Einsame Weiler oder Gehöfte sieht man hier nicht, in Norddeutschland fährt man beständig durch Städte und Dörfer. Die letzteren gleichen wieder den schonenschen, bald wohlgebaut und reinlich, welches wahrscheinlich das Verdienst des Gutsherrn ist, bald so, daß sie kaum menschlichen Wohnungen gleichen, und dann sehen auch die sie bewohnenden Menschen danach aus.

Greifswald ist eine kleine, hübsche Stadt, deren umgebende Natur etwas Unschuldiges und Einladendes hat. Gleichwohl muß ich gestehen, daß das letzte bodenlos sandige Stück Wegs meine Geduld fast erschöpfte. Trotzdem erreichte ich die Stadt ziemlich früh am Abend und fand, daß sie wirklich das enthielt, was sie von außen versprach. Die Einwohner sind freundlich, gastfrei und sehr schwedisch gesinnt. Diese Sinnesstimmung, welche in dem ganzen ehemals schwedischen Pommern herrscht, beweist wohl zur Genüge, wie milde auch südlich von der Ostsee das schwedische Szepter war. Gleichwohl gab es eine Zeit, da die Herren Pommern dies nicht einsehen wollten und man sie oft wünschen hörte, die Franzosen möchten je eher desto lieber ihre politische Lage verändern. Sie sind jetzt hinreichend hierfür gestraft worden. Ich habe noch nicht viel von Preußen und Deutschland gesehen, aber doch genug, um Gott zu danken, daß wir noch Schweden sind. Wer weiß, ob dies nicht am Ende das Hauptresultat von allem ist, was ich auf meiner Reise lernen werde?

Nicht weit vor Greifswald sieht man am Wege eine kleine Kirche, bei deren Mauer der vergängliche Teil Thorilds ausruht nach einem Leben voll Essig und Galle. Ich besuchte aber sein Grab doch nicht, weil ich erst nach meiner Ankunft in der Stadt erfuhr, welch ehrwürdiger Staub für uns Schweden auf jenem Kirchhofe verborgen ist.

Die Universität ist wohlgebaut und anständig dotiert, sie wurde schon im Jahre 1456 gegründet, ist also älter als die von Uppsala. Die Anzahl der Studenten schien mir nicht groß; verschiedene derselben trugen die sogenannte altdeutsche Tracht, die ich hier zum ersten Male sah. Sie wird von der deutschen Jugend, besonders auf den Universitäten, sehr geliebt, von der Regierung jedoch mit Unwillen angesehen und für eine Art Ordenszeichen des übertriebenen Deutschtums gehalten. Man hat lange in den deutschen Zeitungen und Zeitschriften über den Wert oder Unwert einer eigenen Volkstracht gestritten und auch über ihre Einführung gerade in dieser Gestalt. Sie sieht wirklich, wenn man so will, etwas gespenstisch aus, denn sie ist, bis auf wenige unbedeutende Veränderungen, unmittelbar von den charakteristischen Porträts des 15. und 16. Jahrhunderts in das ewig Gleichmäßige übertragen worden, das unserem jetzigen Gesellschaftsleben als Uniform dient. Es ist auch möglich, daß der bloße Gedanke an eine Nationaltracht nicht zu der universalisierenden Richtung unserer Zeit paßt, die darauf hinauszulaufen scheint, das ganze Europa in Sitten und Begriffen zu einer einzigen Nation zu verschmelzen, daß mithin das Streben der jungen Altdeutschen vereitelt werden wird. Doch so viel ist sicher, daß diese Nationaltracht in pittoresker Hinsicht weit schöner ist als die unsrige und das Auge durch den Anblick von etwas Individuellem erquickt, besonders da sie mehr als die gewöhnliche geeignet ist, die Gemütsrichtung dessen, der sie trägt, zu kennzeichnen; überdies setzt sie, um richtig zu gefallen, noch größere Sorgfalt und Zierlichkeit voraus als das gewöhnliche Kleid und kleidet eigentlich nur solche jungen Männer, die in Blick, Wuchs, Stellung und Gang eine Verwandtschaft mit jener ritterlichen Zeit verraten, an welche ihr Kleid erinnert. Findet man bei einem schönen Jünglinge – wie mir dies oft widerfuhr – nicht bloß den für den Wuchs so vorteilhaft ausgeschnittenen und mit unsichtbaren Haken zusammengehaltenen schwarzen Leibrock, die Halbstiefel, den nackten Hals, den herabfallenden zierlichen Spitzenkragen, die um die Schultern wallenden langen Locken und auf dem Kopfe das trotzige Samtbarett, sondern auch eine Denkart sowie Neigungen und Handlungen, die unverkennbar einen Stammesgenossen des Franz von Sickingen und des Wolfram von Eschenbach verraten, dann wahrlich überläßt man sich mit voller Freude dem Eindruck dieses verkörperten romantischen Traumbildes und vergißt auf einen Augenblick die geräuschvolle alltägliche Verschwommenheit, die jetzt herrscht und auf nichts weniger als ein völliges Durcheinanderrühren aller geistigen Bestandteile des Menschenlebens zu einem ungesalzenen und ungenießbaren Brei hinausgeht.

Die Bibliothek ist nicht groß, aber hübsch aufgestellt, bequem und geräumig. Von allem, was man mir in derselben zeigte, habe ich nur die Erinnerung an den von der Highland Society herausgegebenen großen und prachtvollen Ossian in gälischer Ursprache mit wörtlicher lateinischer Uebersetzung und an einen hohen, altertümlich gearbeiteten Goldkelch behalten, den, laut Inschrift, die akademische Jugend Wittenbergs dem D. Martin Luther und der Katharina von Bora an ihrem Hochzeitstage schenkte. Was den Ossian betrifft, so wirst Du wahrscheinlich nach seinem neuesten Ausleger, dem Professor Ahlwardt, fragen. Ich suchte ihn, jedoch vergebens, denn er war aufs Land gereist. Merkwürdig bleibt es, daß man selbst in Deutschland seine Uebersetzung weniger würdigt, als sie es verdient; bis jetzt ist sie doch die einzige, welche es versucht hat, den schottischen Barden in der ursprünglichen Form seiner Poesie darzustellen, und dies Bemühen, welches ihm oftmals glückte (wie ausgezeichnet ist nicht der Schwanengesang Berrathon in der Ahlwardtschen Behandlung!), müßte doch die ihm vorgeworfene Undeutschheit hinlänglich sühnen, eine Beschuldigung, die mir, von deutschen Rezensenten gemacht, geradezu lächerlich vorkommt. Denn diese sind gewohnt und verlangen, daß bei Uebersetzungen aus derartigen Urschriften die außerordentliche Bildsamkeit der deutschen Sprache bis auf die äußerste Spitze getrieben werde.

Ludwig Gotthard Kosegarten

Ludwig Gotthard Kosegarten

Mit einem anderen Manne hatte ich mehr Glück im Finden, nämlich mit dem berühmten Skalden Rügens, dem alten Kosegarten, der seit einigen Jahren seine idyllische Insel verlassen und sich in Greifswald als Oberkonsistorialrat und Lehrer der Theologie niedergelassen hat. Ich fand eine etwas gealterte, aber riesenhafte und priesterlich-feierliche Gestalt; das lange, dunkle Haar war in der Mitte der Stirn gescheitelt und umrahmte ein wohlgebildetes, tiefdenkendes, melancholisches und fast farbloses Gesicht. In seinem Wesen verrät sich eine gewisse studierte mystische Würde, die ihn aber nicht schlecht kleidet. Das Porträt, welches vor seinen Poesien steht, ähnelt ihm wirklich sehr, obgleich er jetzt älter und theologischer aussieht. Lohnt es schon die Mühe, ihn zu sehen, so lohnt es sich noch viel mehr, ihn zu hören; seine Stimme und Aussprache ist ganz eigentümlich in ihrer Art. Stelle Dir eine Stimme vor, die sehr tief, hohl und geisterhaft klingt und die, wenn er in Affekt gerät – was sehr leicht und oft geschieht –, eine erstaunliche Aehnlichkeit mit dem Klageton der Wogen hat, die ein aufsteigender Sturm gegen steile Uferfelsen wälzt. Einmal, als er von einer Frau sprach, deren Erinnerung ihn in das höchste Maß des Entzückens versetzte, erschrak ich ordentlich, und als ich dabei in das bleiche, düstere, seltsame Antlitz blickte, ward mir gerade, als ob der nebelhafte Seegott der Ostsee vor mir stünde. Späterhin teilte mir jemand mit, daß die pommerschen Landpfarrer sich nicht bloß sämtlich in diese wunderbare Tonart verliebt hätten, sondern sich auch darin versuchten, sie nachzuahmen. Denke Dir nun, welch schrecklicher Wogenschwall und Klageton alle Sonntage die christlichen Gemeinden in den pommerschen Kirchen erbaut! Ein Witzbold, dessen Bekanntschaft ich eines Abends nach jenem Besuche machte und dem ich mein Erstaunen über jene wie Sturmwind sausende Stimme Kosegartens mitteilte, äußerte sich, daß ich es ganz in der Ordnung finden müsse, da ich, um das Elysium des deutschen Dichterkreises zu schauen, auf Reisen gegangen wäre, nun auch an der Pforte desselben zuerst den Zerberus anzutreffen. Kosegarten war übrigens in seiner Weise sehr freundlich und gesprächig, drückte mir mehrmals herzlich die Hand, sagte, daß er verschiedene meiner Gedichte kenne, und wünschte, daß ich die heilsame Revolution, die in der schwedischen Literatur nun endlich begonnen, glücklich durchfechten möge. Um so weniger war er mit dem gegenwärtigen Stande der deutschen Literatur zufrieden und erklärte, daß er in Zukunft mit allem, was er noch irgendwie schreiben könne, anonym aufzutreten entschlossen wäre. Er warf seinen Landsleuten großen Leichtsinn in Geschmack und Urteil vor und behauptete, daß sie alle ihre echten Klassiker geradezu vergessen hätten, sogar die wenigen noch lebenden. Goethe selbst nicht ausgenommen; daß man jetzt bloß von Fouqué, dem Abgotte des Tages, sprechen höre usw. Trotzdem äußerte er sich mit Achtung über Fouqués poetische Begabung und rühmte besonders seine Undine; doch seine neueren Schriften nannte er kurzweg bloße aus den Aermeln geschüttelte Nachäffungen älterer und frischerer Erzeugnisse in gehärteter Manier. Schließlich tröstete er sich damit, daß diese Mode in der Poesie doch nur das Schicksal der vorangegangenen Moden baldigst teilen würde. »Ich habe schon mehrere solcher Influenzen durchlebt!« sagte er. »Und auch mitgemacht!« dachte ich, mir auf die Zunge beißend, der dieser unhöfliche Zusatz beinahe entschlüpft wäre. Ja, es ist wahr, von dem Augenblicke an, da Kosegarten seine Schriftstellerlaufbahn begonnen, hat in der deutschen Poesie und Aesthetik nicht eine einzige Art Influenz oder Manier geherrscht, an der er sich nicht mit vollstem Ernste beteiligt hätte. Er hat Klopstocksche Oden, Stolbergsche Hymnen, Bürgersche Balladen, Leisewitzsche Tragödien, Vossische Idyllen, Schlegelsche Legenden, Romane von französischer, englischer und zuletzt religiös-erbaulicher Richtung verfaßt, nur die Fouquésche Ritterlichkeit bleibt ihm noch zu versuchen übrig, und wer weiß, ob er nicht trotz aller seiner Proteste binnen kurzem eine isländische Novelle oder eine Romanze im Rhythmus und Stil des Nibelungenliedes drucken läßt? – Die Rezensenten haben übrigens den armen Greis seit langer Zeit wegen seiner Proteus-Natur angefochten, die trotz aller seiner glänzenden disjecti membra poetae weniger eine reiche und vielstimmige Phantasie als einen Mangel innerer Selbständigkeit, eine nachklingende, aber an eigener Nahrung leere und deshalb unaufhörlich veränderliche Individualität verrät, deren Zusammenhang mit ihm selbst fast nur aus dieser Wandelbarkeit von Form und Farbe besteht und von einer gewissen leeren, zerrissenen und schmachtenden Sehnsucht durchhaucht sowie mit dem Prunke einer selten verhüllten, oftmals gewaltsam hervorbrechenden Eitelkeit gepaart ist. In der jüngst verflossenen Zeit hat er auch das Unglück gehabt, sich in Napoleon zu verlieben – eine Ursache zu Unwillen und Verdammnis mehr für deutsche Leser und Forscher. Indessen, Kosegarten hat unstreitig viele schöne Sachen geschrieben, und als ein Ganzes sind besonders seine Legenden (zum größten Teile) vortrefflich. Nach den Scriptores Rerum Suecicarum fragte er mit lebhafter Neugier; mit der Idee, eine Bibliothek der deutschen Klassiker herauszugeben, war er zufrieden und fragte, wie weit man damit fortgeschritten wäre. Ich blieb einen ganzen Nachmittag bei ihm, und obgleich aus seiner Unterhaltung oft genug persönliche und durch die Urteile sowie Ansprüche der gegenwärtigen Generation verletzte Eitelkeit hervorlugte, verriet sie doch im großen und ganzen einen Mann von Geist und ausgezeichneter Belesenheit. Schließlich, als ich gehen wollte, erteilte er mir den Abschiedsgruß in einer wirklich hierophantischen Weise, indem er nämlich seine beiden Hände auf meinen Kopf legte und mit der ganzen Majestät des Ozeans die folgenden Worte deklamierte: »Nun, Gott segne Sie, und der Stern begleite Sie, der Ihre Jugend so schön erleuchtet!« Obwohl mir diese Segnung etwas seltsam vorkam, war doch der Eindruck seiner Persönlichkeit, die ich vielleicht niemals wiedersehen werde, in jenem Augenblicke mächtig und imponierend. – Eine andere, zwar weniger auffallende, aber recht angenehme Bekanntschaft machte ich an dem Professor Schildener, einem ebenso geistreichen wie gelehrten Juristen mit klarem und scharfem Blick, männlichem Urteil, Witz und kecker geistiger Spannkraft. Er ist lange in Stockholm und Schweden gewesen, denn er war einer der Rechtsgelehrten, welche unter Gustav IV. Adolf das schwedische Gesetz für die Pommern ins Deutsche übersetzen sollten. Gegenwärtig war er mit der Herausgabe des Gothlandsrechtes beschäftigt und zeigte mir die ersten Druckbogen desselben; aber eine Nervenaffektion, welche ihm besonders auf die Augen gefallen ist, hat ihn gezwungen, seine Arbeit abzubrechen. Meine knappe Zeit erlaubte mir nur einige Male, seinen Umgang zu genießen; aber ich erinnere mich gern an diese flüchtigen Stunden, welche wir auf und ab spazierend im lebhaften Gespräch in seinem schönen Baumgarten zubrachten. Greifswald hat ebenso wie Lund verschiedene kleine, hübsche Baumgärten. Auch öffentliche Spazierwege fehlen nicht; einer von diesen wird von den alten Stadtwällen gebildet und sieht heiter und vortrefflich aus. Hier sah ich am Sonntagnachmittag ein dichtes Gewimmel gewöhnlicher Leute und auch einen Haufen Honoratiores beiderlei Geschlechts der Stadt; im allgemeinen hatten die Leute angenehme, mitunter sogar schöne Gesichter.

Am Sonntag, dem 6. Juli 1817, erkletterte ich abends das hohe Wagenschiff der ordinären Post – denn Wagen sollte dies ungeschlachte Fuhrwerk eigentlich nicht heißen – und begann meine Abreise von Greifswald. Willst Du Dir einen klaren Begriff vom Postfahren machen, dann betrachte das folgende kleine Bild: Man wird in einen ungeheuren, mehrsitzigen Wagenrumpf gepackt, der bedeckt, aber sonst in jeder Hinsicht unbequem ist, zusammen mit einer Menge Personen von allen möglichen Sinnesstimmungen, Ständen, Vermögen, Jahren und beiderlei Geschlechts, Menschen, die man hier zum ersten Male in seinem Leben sieht und zum größeren Teile sicherlich niemals wieder zu sehen bekommt. In dieser Weise wird man ganz piano von vier phlegmatischen Pferden fortgezogen, von denen das eine die Ehre hat, auf seinem Rücken einen livree-geschmückten Lümmel zu tragen, der den Titel Schwager führt und unaufhörlich mit einer himmelstürmenden Fuhrmannspeitsche in der Luft umherknallt, ohne daß deshalb die Reise auch nur im geringsten schneller ginge. Die Wege sind freilich nicht zum Schnellfahren eingerichtet, am wenigsten in der Mark Brandenburg und je näher nach Berlin zu. Die Pferde waten Schritt für Schritt durch schwellenden Sand, während die Munterkeit der Fahrenden, ehe sie sich dessen versehen, durch einen tüchtigen Rippenstoß aufgefrischt wird, indem der Wagen über einen mitten auf der Landstraße liegenden Steinhaufen oder über einen tüchtigen grundfesten Feldstein fährt, den aus dem Wege zu räumen sich niemand die Mühe gibt. Wenn man in dieser Weise längere Zeit durch den Sand gewatschelt ist, erreicht man eine Stadt, und dann beginnt das größte Leiden; der Postillon will da nämlich teils Zeit einbringen, teils sich vor Mädchen und Bekannten als glänzender Hippodromist zeigen; deshalb jagt er unbarmherzig toll durch die langen schlecht gepflasterten Straßen, so daß den armen Passagieren auf ihren Holzbänken zu Mute wird, als ob ihnen Leber und Lunge aus dem Leibe springen möchten, und nicht selten Männer, Weiber und Kinder bunt durcheinander von ihren Sitzen herunterwirbeln und auf den Wagenboden fallen; darum kümmert sich Bruder Schwager aber nicht, denn er macht Reiterkünste auf seinem Pferde, woselbst er keine Stöße bekommt, knallt lustig mit der Peitsche und bläst auf seinem Posthorn einen Marsch nach dem andern. Die sogenannten Chausseen sind nicht viel bequemer als die Stadtstraßen, nur ein wenig besser gepflastert Besitzt man einen starken und gegen alles mögliche Ungemach abgehärteten Körper, dann kann man wirklich mit solch einer Postfahrgelegenheit, soweit die äußeren Reiseerfordernisse in Betracht kommen, um alles unbekümmert bleiben, denn man hat für nichts Sorge zu tragen und läßt sich mechanisch Nacht und Tag weiterschleppen. Die Bezahlung, welche man bei jeder Station schon von dem Posthause an, woselbst man sich zuerst als Exportartikel einschreiben ließ, im voraus für seine Person und auch für den Koffer oder Mantelsack erlegt (im Falle diese ein gewisses Gewicht übersteigen), und die Trinkgelder, die man nach Erreichung der Station dem sogenannten Schwager schenkt, sind in deutscher Münze höchst unbedeutend, ja selbst im Verhältnis zu unserer schlechten schwedischen sehr mäßig; trotzdem läßt sich nicht in Abrede stellen, daß unsere Vorspann-Einrichtung dem Reisenden für einen noch geringeren Preis, besonders wenn er selber einen Wagen hat, alle die Vorteile gewährt, welche die hier zu Lande ungemein teure Extrapost bietet, die auch bewirkt, daß man im Gasthaus den Geldbeutel viel weiter öffnen muß, ohne deswegen gerade im entsprechenden Maße die Genüsse des vornehmeren Auftretens zu erhalten. Indessen, ich habe gegen niemanden etwas, der Geld sparen und dafür viel ausstehen will; ich entsage hinfort dieser Haushaltungsweise, und nur auf die Leichtigkeit, mit der man in einem gewöhnlichen Postwagen auf Abenteuer stößt, zu verzichten, wird mir schwer fallen. Diese Stelle meines Briefes ist vielleicht die geeignetste, um mich gleich über eine ebenso prosaische wie mißliche Schwierigkeit für neuangekommene Fremdlinge zu beklagen, besonders wenn sie sich so wenig mit Münzen und Rechnungen befaßt haben wie ich: das eigensinnige Unwesen und die Mannigfaltigkeit des Geldwesens, welche in Deutschland herrscht. Nicht bloß, daß das Münzwesen im allgemeinen in den verschiedenen Staaten auf abweichenden Grundsätzen und Voraussetzungen beruht, nicht nur, daß die inneren Wechselverhältnisse der besonderen Münzsorten die Aufmerksamkeit erschweren – z. B. die süddeutschen Gulden und Kreuzer gegenüber den Talern und Groschen Norddeutschlands –, es nimmt auch jede Münzsorte für sich selber unaufhörlich, unter Beibehaltung desselben Namens, einen veränderten Wert an, ja sie kommt sogar in ein und demselben Reiche unter ungleichen Prägungen und Inschriften vor, obwohl diese ein und dieselbe Bedeutung haben sollen. Die preußische Münzrechnung würde übrigens nicht so verworren sein, wenn sie nur von dem durch die französischen Operationen eingewurzelten Wirrwarr loskommen könnte, nämlich von der unter Napoleons Gewaltherrschaft aufgekommenen Unterscheidung zwischen guten Groschen und Groschen Münze, einer schmutzfarbigen unechten Münze, die man noch nicht außer Umlauf zu bringen vermochte. Diese Unterscheidung ist so wichtig, daß, da 24 gute Groschen einen Taler ausmachen, zu dem sonst 42 Groschen Münze gehören, der Reisende anfangs leicht dazu kommen kann, seine Bequemlichkeiten doppelt zu bezahlen, wenn nicht die Wirtsleute und Verkäufer im allgemeinen den Wert der Münze, womit man bezahlen will, ehrlich angäben; aber in jedem Fall hängt es doch von ihrem guten Willen ab, von der Unbekanntschaft eines Ausländers mit ihren Dreiern, Sechspfennigen und Gott weiß was sonst noch für Unterabteilungen dieses Plunders Vorteil zu ziehen oder nicht zu ziehen. So ist auch das gemünzte Silber des ehemals schwedischen Pommerns, welches noch jetzt die wirkliche schwedische Reichsmünze ist, die sich freilich für uns Schweden selber zum Ideal verwandelt hat, in so hohem Grade besser als die des übrigen Preußens, daß ich z. B. in Pommern für den Louisdor (oder Friedrichsdor, wie er hier genannt wird) nur 4 Taler und 20 Groschen erhielt, während er in Berlin (gegenwärtig) 5 Taler und 12 Groschen gilt. In Sachsen wiederum weniger; und so schwankt selbst das feste königliche Gold im Werte von einem Reiche zum anderen, bis in die geringsten Fürstentümer hinein, in welche sich bekanntlich das große Deutschland zersplittern mußte. Die Ursache ist teils das humoristische Regiment des Kurses, teils das »tel est notre bon plaisir« der münzenden Fürsten; ihre Ansichten über die ungleichen -dors liegen beständig in bellum omnium contra omnes. Die Kosten einer Reise in Deutschland sind deshalb in jeder Hinsicht unmöglich im voraus bestimmt zu berechnen. Es verhält sich mit den Geldwerten Deutschlands, wohin man kommt, wie mit der neulich vorgenommenen Ausmessung der pommerschen Landstraßen, welche dahin ausfiel, daß die Wegstrecke, welche früher vier (schwedische) Meilen lang war, nun fünf Meilen lang wird usw. Im übrigen freuen sich Auge und Finger darüber, daß man niemals im Handel und Wandel nötig hat, sich mit zerfetzten, schmutzigen Papierlappen wie bei uns zu quälen: man trägt eitel Gold und Silber bei sich in feinen grünen Netzen und erquickt sich magisch bei jedem Anblick des edlen Metallschimmers.

Früh am Morgen kam ich zu dem ziemlich wohlgebauten Anklam, welches nun nicht mehr Grenzstadt ist. Ich betrachtete mit einer eigenen Art Rührung den kleinen Peenefluß und die rote Brücke, welche vor gar nicht langer Zeit die südlichste Grenze der schwedischen Herrschaft war. Hier hören die Weidenbäume auf, welche bis dahin, wie in den ebenen Gegenden meines Vaterlandes, die Landstraße einfaßten. Das Land fährt fort, getreulich seine pommersche Beschaffenheit zu behalten. Bis Pasewalk hatte ich die Gesellschaft einer jungen, etwas schwermütigen, aber gleichwohl noch viel offenherzigeren Bürgersfrau, einer armen und bescheidenen Witwe, die beim letzten Kriege ihren Mann unter den Mauern von Paris verloren hatte, einen wackeren Freiwilligen, mit dem sie nur sechs Monate verheiratet war. Es war ihr dennoch gelungen, sich eine kleine Tochter anzuschaffen, die bei einem Bruder in Pasewalk lebte und die sie von dort abholen wollte. Es machte mir Vergnügen, sie den engen Kreis ihrer Häuslichkeit und ihrer Bekanntschaften beschreiben zu lassen, zu hören, welche bescheidenen Forderungen sie an das Leben stellte und wie selbst diese bei ihrer Lage gleich unerreichbaren Glanzbildern vor ihrer Sehnsucht schwebten und wie sie ihre doch so reiflich und heroisch überlegte Reise nach Pasewalk lang und abenteuerlich fand. Sie ließ nicht eher nach, als bis ich etwas von ihrem Reiseproviant gegessen hatte, und bat Gott, ihr auch bei der Rückreise einen so freundlichen Reisekameraden zu schenken. Zum Schluß drückte sie mir beim Abschied die Hand mit einer naiven Heftigkeit, und ich empfand dabei den gespensterhaften Eindruck, der einen im allgemeinen auf einer langen Reise und am häufigsten in einem Postwagen an die Schattennatur des menschlichen Lebens erinnert, nämlich die sichere Ueberzeugung, niemals wieder mit einem Wesen zusammenzutreffen, das einen zwar nicht bedeutend interessierte, mit dem man aber doch mehrere Stunden lang freundliche Worte und kunstlose Aeußerungen eines gutmütigen Herzens wechselte. – Ich bekam indessen keine Zeit, wehmütig zu werden, denn an Stelle dieses einen Frauenzimmers schenkte mir Fortuna in Pasewalk drei und zwei kleine Mädchen dazu. Diese Gesellschaft sollte mir bis Prenzlau folgen, und nun erhob sich mit einem Male im Postwagen eine so geschwätzige Lebendigkeit, daß der Gehörsinn eine ganze Weile völlig davon betäubt wurde. Ein angenehmerer Rausch erfreute indessen nach und nach die anderen Sinne: unter den neuangekommenen Frauenzimmern, die übrigens der niedrigsten Handwerkerklasse anzugehören schienen und ebensowenig schön wie geistreich waren, befand sich ein siebzehnjähriges Mädchen, wohlgekleidet, wortkarg und zerstreut, welches sich bei näherer Betrachtung von einer entzückenden Körperbildung erwies, ja das schönste Weib war, welches ich hier draußen gesehen habe. Sie hatte ein Paar große, dunkelblaue, warme Augen unter langen, schattigen Wimpern, ein dunkles, lockiges, majestätisches Haar, einfach und geschmackvoll gepflegt, eine mehr italienische als nordische Gesichtsfarbe und einen kleinen Mund, der sich selten öffnete, aber selbst geschlossen die schmelzende Stimme und die heimlichen Seufzer des jungen Busens der Besitzerin ahnen ließ. Eine Weile saß sie mir gerade gegenüber, dann erklärte sie, ihren Platz wechseln zu müssen, weil sie es nicht ertragen könne, rückwärts zu fahren, worauf ich in zierlicher Rede die übrige Gesellschaft überzeugte, daß meine Gesundheit es nicht länger erlaube, still unter dem stickigen Lederdache zu sitzen, welches zwei Dritteile des Wagens überspannte, und daß ich auf dem Außensitze frische Luft schöpfen müsse, um nicht ohnmächtig zu werden wie unsere soeben vom Schwindel befallene Schöne. Gesagt, getan! Ich erbrach mein ledernes Gefängnis und ließ die Oeffnung wieder hinter mir zufallen, nachdem ich mit ungemeiner Würde mich meines Anteils an der allgemeinen Konversation gegen einen alten, mageren und gellend schreienden Schulmeister entledigt hatte, der Freier hieß und beständig in der Schlafmütze fuhr unter vielerlei Spekulationen hinsichtlich der Reformen, welche er mit dem Katechismusunterricht in Stargard vorzunehmen gedachte. Nun war ich mit meiner Armida allein, deren Blick mit einigen spitzfindigen Strahlen aufleuchtete, als sie meine Ankunft gewahrte und hörte, wie ich den hinter dem Vorhang Sitzenden ein paar vereinzelte Regentropfen als einen Wolkenbruch abmalte, damit sie in ihrer zusammengekauerten Stellung sich desto weniger um jemand anders kümmern sollten. Es war jetzt das erste Mal, daß ich die unaufhörlichen Stöße des Wagens auf der schändlichen Landstraße angenehm fand, und je schlimmer der Postillon durch die Ortschaften fuhr und trompetete, desto mehr war ich damit zufrieden, denn das schöne Mädchen sank alle Augenblicke bald auf meine Schulter, bald an meine Brust, und unsere Arme, unsere Hände, unsere Kniee berührten einander, Schlag um Schlag, elektrisierend. Aber – ich mußte sie in Prenzlau zurücklassen. Es war mittlerweile Spätabend geworden, und die zweite Nacht stand mir zu durchwachen bevor. Sogar mein alter Schulmeister, mit dem ich eine Art vertraulicher Aushilfsbekanntschaft angeknüpft hatte, ließ mich nun im Stich, und ich befand mich, während eines ziemlich langen Wartens auf Weiterbeförderung, in einer so elegischen Stimmung, daß ich vielleicht noch in selbiger Nacht im Wirtshause die Elegie fertig gemacht hätte, wenn nicht die endlich anlangende Stettiner Post mich unwiederbringlich dem Reiche der Liebe und des Gesanges entrückt hätte. Sie führte nämlich von Stettin eine Menge Offiziere mit, die den ganzen Postwagen in Besitz genommen hatten, so daß ich, nach der bei jeder Station üblichen Inventierung, Registrierung und Umpackung von Sachen und Personen, hoch in der Luft auf einem mit allerlei Gerumpel bis zum Uebermaß belasteten Fahrzeug sitzen blieb, welches genau das Aussehen eines kolossalen schwedischen Bauernwagens hatte und »Beiwagen der Postkutsche« genannt wird, auch bloß zur Verwendung kommt, wenn sich so viele Reisende mit einem Male eingefunden haben, daß der eigentliche Postwagen die nicht mehr aufnehmen kann, welche sich zuletzt meldeten. In dieser Lage, deren Annehmlichkeit noch durch einen tüchtigen Nachtregen erhöht wurde, setzte ich meinen Zug müde, enttäuscht und düster fort, ohne irgend etwas von der netten Stadt, die in Schweden zum mindesten ein Regierungshauptsitz sein könnte, noch von dem fischreichen Uckersee und dessen Umgebung gesehen zu haben. Am nächsten Morgen besserte sich wenigstens das Wetter und damit zugleich mein Geschick. Ich freute mich, freie Aussicht und Luft zu haben, und war klug genug, nicht in den einkerkernden stickigen Kasten zu kriechen, als die in demselben garnisonierenden Helden, nun, nachdem sie sich seines Schutzes gegen Kälte und Regen während der Nacht bedient hatten, hervorkrochen und mich unter dem Scheine billig denkender Höflichkeit zu überreden suchten, mit ihnen Plätze zu wechseln. Die Hitze wurde ihnen denn auch wirklich weiterhin am Tage so beschwerlich, daß einer nach dem andern heraussteigen und auf das Wagendach klettern mußte, woselbst sie in abwechselnd komischer Lage schnauften und sich beklagten. Neben mir hatte ich ziemlich lustige Reisegesellschaft in Gestalt eines vornehmeren, ambulatorischen Postknechts oder Fuhr-Intendanten und Reise-Kondukteurs, dessen Titel »Herr Schirrmeister« lautet – ein Mann, der zwischen gewissen Plätzen die Reisenden begleitet, für ihre Beförderung in solchen Orten haftet, woselbst Pferde und Beiwagen gewechselt werden, und für ein mäßiges Trinkgeld, welches er beim Abschied erhält, den Schwager, so oft es sein soll, zu größerer Schnelligkeit ermahnt und den Reisenden mit unterschiedlichen Dienstleistungen zur Hand geht. Mein Gespannmeister (klingt dies Epithet nicht ein wenig homerisch?) war ein alter, gesprächiger ehemaliger Unteroffizier, der mich mit allerlei Schnack über den alten Fritz und den großen Kurfürsten, mit Gespenstererscheinungen und uralten bonnes fortunes unterhielt, log, aufschnitt, mir Schnupftabak anbot und mich nötigte, in allen Krügen, wo es ihm und dem Schwager zu halten beliebte, geräucherten Aal zu verzehren. Zum Dank hierfür ließ ich ihn eine in Greifswald von edelmütiger Hand gefüllte und mir geschenkte Flasche Bischof leeren, von der ich übrigens zuvor, wie ganz in der Ordnung war, über die Hälfte der freundlichen Witwe und dem reizenden Mädchen aufgenötigt hatte. So kroch man vorwärts durch Templin, Marienwalde, Zehdenick, kleine Städte, Flecken und Dörfer, bis wir am Abend in Oranienburg eintrafen, einer Stadt, die für uns Schweden merkwürdiger ist durch unseres Karl Johanns dort ausgefertigtes ritterliches Manifest als durch ihr königliches Schloß und ihre Lesegesellschafts-Anstalt, von der man sagt, sie sei die am reichlichsten ausgestattete Deutschlands. Bis hierher bekam man wenigstens da und dort ein Stück schattieren Hain, einen anmutigen Park, ein hübsches adliges Eigentum (z. B. das kürzlich genannte Liebenberg) zu sehen, je näher man aber an Berlin kommt, desto kahler und öder wird die märkische Sandwüste. Die Physiognomien der Leute aus dem Volke, von Prenzlau an bis zur Hauptstadt, schienen mir nicht mehr das schonensche Gepräge der Pommern zu haben; die Brandenburger sind zweifelsohne ungemischtere Abkömmlinge der früher in diesen Landen so mächtig herrschenden Wenden, die niemals ein irgendwie schöner Volksstamm waren. Die Gemütsart, welche die Natur hier ihren menschlichen Individuationen einhaucht, ist trocken, mürrisch, hochnäsig, grob, unsauber und trotzig. Die dritte Nachtreise, zwischen Oranienburg und Berlin, fiel mir außerordentlich beschwerlich. Drei Tage und drei Nächte hintereinander zu durchwachen unter all den Widerwärtigkeiten einer derartigen Postreise, die Nächte in herbstlicher Kühle und die Tage in brennender Julihitze, war doch zuviel für einen schwachen Körper. Ich begann in eine Art Fieberzustand zu verfallen, in dessen ängstlichen Halbträumen meine abgemattete Seele zu ihrer geringen Erbauung des Postillons Peitschenhiebe und seine wunderlichen Zurufe für die Pferde als die einzigen Laute, welche die unheimliche Einförmigkeit der stummen und stäubenden Sandfläche unterbrachen, vernahm. Endlich fuhr ich in der Morgenstunde aus meinen Fieberschauern inmitten eines erschrecklichen Lärmens, Kreischens und Lachens empor, das mich von allen Seiten umgab, worauf ich nicht weit vor mir große Massen Steinhäuser gewahrte und von meinem Schirrmeister erfuhr, daß wir jetzt unverzüglich durch das Oranienburger Tor in die stolze preußische Hauptstadt einziehen würden. Das Kreischen und Lachen rührte von einem Haufen dort herausgekommener brandenburgischer Milchmädchen her, umförmlichen Wesen in breiten Unterröcken und schwarzen Hüten mit großen, schlaffen Krempen; sie waren von den Herren Schwägern mit einem Dutzend Höflichkeiten, nicht gerade der appetitlichsten Art, begrüßt worden, die sie jedoch mit innerlichem Vergnügen in demselben schönen Dialekt und derselben anständigen Tonart beantworteten.

So kam ich also endlich am Mittwoch in Berlin an, ungefähr um 7 Uhr morgens, und nachdem ich am Zollhause mit einigen guten Worten und vier noch besseren Groschen einen um sein Gewissen sehr besorgten Untersucher davon überzeugt hatte, daß mein Koffer nichts Sündhaftes enthielt, spähte ich vor allen Dingen den Gasthof »Hôtel de Brandenbourg« aus, wohin ich nämlich adressiert war, um mich dort einer langen Ruhe zu übergeben.

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