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Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth

Wilhelmine von Bayreuth: Memoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth - Kapitel 10
Quellenangabe
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authorWilhelmine von Bayreuth
titleMemoiren der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth
publisherIm Insel-Verlag
printrun9. bis 13. Tausend
year1923
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Das Jahr 1731, zu dem ich jetzt übergehe, war noch recht hart für mich; dennoch begab es sich, daß im Laufe desselben die Grundlagen zu meinem Glück gelegt wurden.

Der König kehrte am 11. Januar nach Potsdam zurück, und am 28. folgte ihm die Königin. Während ihres kurzen Aufenthalts in Berlin unternahm es Herr von Sastot, diensttuender Kammerherr der Königin und ein naher Verwandter Grumbkows, ihn mit ihr zu versöhnen. Grumbkow als der weitaus Schlauere nahm sich vor, ihn zum besten zu halten, und ergriff die Gelegenheit, um zu seinen Zielen zu gelangen. Er bat ihn, der Königin alle erdenklichen Zusicherungen zu geben und ihr zu sagen, daß er, falls sie sich ihm anvertrauen wolle, meine Heirat mit dem Prinzen von Wales zustande bringen würde. Die Königin, die sich so gerne Hoffnungen hingab, ging alsbald in die Falle, und zwei Tage später waren sie unverbrüchliche Freunde. Die Königin teilte mir alsbald die Nachricht mit. Grumbkow war jetzt der größte Biedermann, und sie schob alle Schuld auf Seckendorf und die Fehler Hothams. Ich war aufs höchste überrascht über diese Neuigkeit, die mich sehr beunruhigte, da ich die Folgen wohl ahnte. Da ich aber wußte, daß die Königin es nicht leiden konnte, wenn man ihr widersprach, behielt ich meine Gedanken für mich.

Am Tage ihrer Abreise kam sie zu mir. »Ich komme, mich von Ihnen zu verabschieden, liebe Tochter«, sagte sie und sah mich fest an. »Ich hoffe, daß Grumbkow sein Wort halten und verhindern wird, daß man Sie während meines Aufenthalts in Potsdam beunruhigt; aber da man die Zukunft nicht immer voraussehen kann und Grumbkow aus politischen Gründen sehr vorsichtig mit Seckendorf verfahren muß, um ihn um so besser hintergehen zu können, fordere ich etwas von Ihnen, was mich während meiner Abwesenheit einzig beruhigen kann: nämlich, daß Sie auf Ihre ewige Seligkeit schwören, niemals einen andern als den Prinzen von Wales zu heiraten. Sie sehen ja, daß ich nur Rechtes und Vernünftiges von Ihnen verlange, und ich zweifle also nicht, daß Sie mir willfahren werden.« Ich war ganz bestürzt über diese Forderung; ich suchte ihr auszuweichen, indem ich ihr vorhielt, daß, wenn Grumbkow ihrer Partei angehöre, ich nichts mehr zu befürchten hätte und daß ich überzeugt sei, er würde meine Heirat zuwege bringen, da er es versprochen hätte. Die Königin ließ sich durch solche Redensarten nicht hinhalten und bestand auf dem Schwur. Es kam mir zum Glück ein Gedanke, der mich aus der Verlegenheit rettete. »Ich bin Kalvinistin,« sagte ich, »und Eure Majestät wissen wohl, daß die Prädestinationslehre zu den hauptsächlichsten Artikeln meines Glaubens gehört. Mein Schicksal ist vom Himmel vorherbestimmt; wenn die Vorsehung in ihrem ewigen Ratschluß bestimmte, daß ich nach England kommen soll, so kann weder der König noch irgendeine Macht der Erde es verhindern, und alle Mühe und Anstrengungen, die Seine Majestät sich zu diesem Ende geben, werden fruchtlos sein. Ich kann also keinen voreiligen Schwur leisten, den ich zu halten vielleicht außerstande sein werde, und nicht wider Gott sündigen, indem ich gegen mein Gewissen und meinen Glauben handle. Alles, was ich versprechen kann, ist, daß ich mich nicht dem Willen des Königs, es sei denn im äußersten Notfalle, unterwerfen werde.« Die Königin konnte mir hierauf nichts entgegnen; ich merkte, daß meine Antwort sie verdrossen hatte, aber ich tat nicht dergleichen. Wir weinten beide beim Abschied; mir war so weh ums Herz, und ich konnte mich gar nicht von ihr trennen; ich liebte sie abgöttisch, und sie besaß in der Tat gar manche schöne Eigenschaften. Wir machten aus, uns gleichgültige Briefe durch die Ramen zu schreiben und für die wichtigen uns an die Frau des Kammerdieners zu wenden. Einen wichtigen Umstand habe ich zu sagen vergessen. Bevor die Bülow in die Verbannung ging, hatte sie eine lange Unterredung mit Boshart, dem Kaplan der Königin, und enthüllte ihm den Charakter und alle Intrigen der Ramen. Dieser Geistliche, der mit vielen Leuten verkehrte, hatte schon etwas darüber vernommen. Er beschloß, die Königin zu warnen, und hatte das Glück, sie von den schändlichen Umtrieben dieser Frau so fest zu überzeugen, daß sie ihm versprach, ihr nichts mehr anzuvertrauen, als was sie gern dem König zur Kenntnis bringen wollte. Sie erzählte uns alsbald, was Boshart ihr gesagt hatte, und gestand uns, daß sie unser Mißtrauen gegen diese Kreatur wohl bemerkt hatte, jedoch nie glauben konnte, daß sie solcher Schlechtigkeiten fähig wäre. Wir rieten ihr, sie jetzt an Verstellung zu überbieten, ihr weiterhin gute Miene zu machen und ihr so viel anzuvertrauen, als es nur tunlich sei.

Die Abreise der Königin hatte mich recht betrübt; ich blieb in meinem Schlafzimmer eingesperrt, wo ich niemanden sah und fasten mußte, denn ich starb schier vor Hunger. Ich las, solange es Tag war, und stellte Betrachtungen über meine Lektüre an. Mit meiner Gesundheit ging es sehr abwärts, aus Mangel an Nahrung und Bewegung wurde ich mager wie ein Skelett.

Als wir eines Tages bei Tische saßen, Fräulein von Sonsfeld und ich, und uns trübselig anschauten, da wir nichts zu essen hatten als eine Wassersuppe und ein Ragout von alten Knochen, voller Haare und Schmutzereien, hörten wir heftig ans Fenster klopfen. Überrascht standen wir eilig auf, um zu sehen, was es gäbe. Wir sahen einen Raben, der ein Stück Brot in seinem Schnabel hielt; sobald er uns sah, ließ er es auf dem Sims liegen und entfloh. Die Tränen standen uns in den Augen ob dieses Vorfalls. »Unser Los ist doch ein recht bejammernswertes,« sagte ich zu meiner Hofmeisterin, »da es unvernünftige Tiere rühren kann; sie zeigen uns mehr Mitgefühl als die Menschen, von denen wir so grausam behandelt werden. Fassen wir es als eine gute Vorbedeutung auf, unsere Lage wird sich ändern. Ich lese gegenwärtig die römische Geschichte und habe gefunden,« fuhr ich scherzend fort, »daß Raben, die sich uns nähern, Glücksboten sind.« Übrigens war die ganze Sache sehr leicht erklärlich. Der Rabe war zahm und gehörte dem Markgrafen Albrecht; er hatte sich vielleicht verirrt und war auf der Suche nach seinem Nest. Dennoch fanden meine Leute die Begebenheit so wunderbar, daß sie bald in der ganzen Stadt bekannt wurde, was so großes Mitleid bei der französischen Kolonie hervorrief, daß sie mir täglich, obwohl sie den Zorn des Königs auf sich ziehen konnte, Körbe mit Eßwaren zuschickte, die man vor meine Garderobe stellte und die von der Mermann sorglich geleert wurden. Diese Tat und der Eifer, den sie für meinen Bruder an den Tag legten, flößte mir eine große Achtung für diese Nation ein, und ich habe es mir stets zur Pflicht gemacht, sie, wo ich konnte, zu beschützen und ihr dienstbar zu sein.

Der ganze Monat Februar verstrich auf diese Weise. Die Königin drang so lange in Grumbkow, bis dieser endlich die Erlaubnis erwirkte, daß ich meine Schwestern und die Damen der Königin wiedersehn durfte. Ich lebte jetzt in vollkommener Ruhe, ohne Befürchtungen für meinen Bruder und ohne mehr von den abscheulichen Heiratsanträgen zu hören. Die paar Menschen, die mich umgaben, waren anpassungsfähig und angenehm; ich gewöhnte mich nach und nach an meine Zurückgezogenheit und wurde ganz zur Philosophin.

Von Zeit zu Zeit schrieb mir die Königin, was vorging. Sie vertrug sich noch immer aufs beste mit Grumbkow. Sie gab mir zu wissen, daß er einen letzten Versuch in England wagen wolle; der König habe eingewilligt, und sie erhoffe sich das Beste davon. Ich war nicht ihrer Meinung. Ich konnte gar nicht begreifen, wie sie sich auf einen Menschen verlassen konnte, der sich geradezu ein Prinzip daraus machte, seine Leute zu betrügen, und der sie bisher unablässig verfolgt hatte. Ich ahnte im voraus, daß das Ende dieser großen Freundschaft unheilvoll sein und sie als die Betrogene dastehen würde. Meine Vermutungen erwiesen sich als zutreffend.

Ende März fing der König an, die Königin wegen meiner Heirat zu plagen. Sie meldete es mir alsbald und klagte, daß sie unter seiner üblen Laune viel zu leiden habe. Er ließ sie bei Tische vor allen Leuten hart an und schien mehr denn je wider mich und meinen Bruder aufgebracht, ohne daß sie den Grund erfahren konnte. Grumbkow schob die Schuld auf Seckendorf und machte ihr weis, dieser Gesandte habe dem König sein gutes Einvernehmen mit ihr hinterbracht und dadurch seinen Einfluß vermindert.

Ich hatte seit neun Monaten nicht mehr das Abendmahl genommen, da der König es nicht gestatten wollte. Die Königin erlaubte mir, ihm zu schreiben, um die Erlaubnis von ihm zu erbitten. Trotz ihres Verbotes sprach ich ihm zugleich meinen Schmerz über seine Ungnade aus. Mein Brief war in den rührendsten Ausdrücken gehalten und hätte einen Stein erweichen können. Die ganze Antwort war, daß er der Königin sagte, ihre Canaille von Tochter möge kommunizieren. Er gab dem Eversmann entsprechenden Befehl und bezeichnete ihm den Geistlichen, den er zu der Zeremonie ausersehen hatte. Sie wurde heimlich in meinem Zimmer abgehalten, wobei Eversmann zugegen war. Jeder nahm es als gute Vorbedeutung für meine Begnadigung auf; war doch der König auf dieselbe Weise mit meinem Bruder verfahren, bevor er die Festung verließ.

Grumbkow hatte indessen auf Befehl des Königs nach England geschrieben. Er hatte sich an Reichenbach gewandt, um ihn zu beauftragen, eine offizielle Erklärung betreffs meiner Heirat mit dem Prinzen von Wales zu verlangen; aber er trug zugleich Sorge, ihm insgeheim Instruktionen zu geben, damit der Plan scheitere.

Mittlerweile nahm Eversmann seine Besuche wieder auf. Er brachte mir eines Tages Grüße von der Königin, und da ich mich nach ihrer Gesundheit und der des Königs erkundigte, sagte er: »Er ist sehr übler Laune, und die Königin ist traurig, ohne daß ich wüßte warum. Ich habe schrecklich viel zu besorgen. Der König hat mir befohlen, die großen Empfangszimmer in Ordnung zu setzen und alles neue Silbergerät dorthin zu bringen. Sie werden viel Lärm über sich hören, Prinzessin, denn es sollen mehrere Feste veranstaltet werden. Die Hochzeit der Prinzessin Sophie mit dem Prinzen von Bayreuth soll bald gefeiert werden. Der König hat viel fremde Gäste dazu geladen: den Herzog von Württemberg, den Herzog, die Herzogin und den Prinzen Carl von Bevern, den Prinzen von Hohenzollern und viele andere. Wie sehr bedaure ich, daß Sie fernbleiben werden; denn der König hat erklärt, daß er Sie nicht in seiner Gegenwart dulden würde.« »Ich würde mir nicht viel daraus machen,« sagte ich, »doch mache ich mir sehr viel aus der Ungnade des Königs und werde nicht ruhen, bis er sich wieder mit mir versöhnt hat.«

Ich machte mir nicht viel Gedanken über dieses Gespräch, aber Fräulein von Sonsfeld schien beunruhigt. »Es zieht ein neues Gewitter auf«, sagte sie. »Grumbkow hintergeht ohne Zweifel die Königin, und ich fürchte sehr, Prinzessin, daß diese Vorkehrungen Ihretwegen getroffen werden. Um Gottes willen, halten Sie stand und stürzen Sie sich nicht ins Unglück. Man will Sie dem Prinzen von Bayreuth geben; halten Sie Ihre Antwort im voraus bereit, denn ich fürchte, die Bombe wird platzen, wenn Sie am wenigsten daran denken.« Da ich ihr meine Absichten nicht kundtun wollte, gab ich ihr darauf nur zweifelhafte Antworten.

Die Antworten aus England waren eingetroffen, die Königin verfehlte nicht, sie mir mitzuteilen. Reichenbach hatte die Instruktionen Grumbkows trefflich ausgeführt. Er brachte die Botschaft des Königs in so anmaßendem Tone den englischen Ministern vor, daß diese, noch unter den Eindruck des Schimpfes, den Hotham erfahren hatte, die Meldung als eine neue Beleidigung auffaßten. Der König von England war in heller Entrüstung; dennoch hielt er es für angezeigt, seine Antwort vor dem Prinzen von Wales und der Nation geheimzuhalten. Er erwiderte dem König, daß er niemals von der Heirat meines Bruders mit seiner Tochter abzustehen gedenke und daß, falls diese Bedingung ihm nicht beliebe, er den Prinzen von Wales vor Jahresschluß verheiraten wolle. Mein Vater, der König, schrieb ihm mit selbiger Post zurück, er sei entschlossen, meine Heirat vor Ende des nächsten Monats zu vollziehen, und alles stünde dafür in Bereitschaft. Die Königin war trostlos über diesen Bruch, wie man sich leicht denken wird; aber ich weiß nicht, an welche Hoffnung sie sich noch klammerte, da sie mir immer auftrug, doch ja standhaft zu bleiben und alle Anträge abzulehnen.

Sieben oder acht Tage später kam Eversmann wieder zu mir. Er trug eine gefühlvolle Miene zur Schau und spielte den Anhänglichen. »Ich habe Sie geliebt,« sagte er, »seitdem Sie auf der Welt sind; ich habe Sie tausendmal auf den Armen getragen, und Sie waren jedermanns Liebling. Trotz aller harten Dinge, die ich Ihnen vom König ausrichtete, bin ich doch Ihr Freund; ich will es Ihnen heute beweisen und Ihnen kundtun, was vorgeht. Der Plan Ihrer Heirat mit dem Prinzen von Wales ist endgültig gescheitert. Die Antwort, die der König erhielt, hat ihn sehr erzürnt; er quält und martert die Königin, die spindeldürr wird. Er ist von neuem heftig wider den Kronprinzen aufgebracht; er sagt, man habe ihn sowie Katte nicht richtig verhört und es seien ihm viele wichtige Umstände vorenthalten worden, die er noch erfahren wolle. Ihre Heirat mit dem Herzog von Weißenfels ist eine beschlossene Sache; ich sehe die schrecklichsten Dinge voraus, wenn Sie auf Ihrer Weigerung beharren; der König wird zum Äußersten schreiten, der Königin, dem Kronprinzen und Ihnen gegenüber. Binnen kurzem werden Sie sehen, ob ich gelogen oder wahr gesprochen habe. Es ist an Ihnen, zu überlegen, was Sie tun werden.« Meine Antwort war stets dieselbe, ich leierte sie schon ganz auswendig herunter. Er zog sich also recht unbefriedigt zurück.

Am selben Nachmittag erhielt ich einen Brief der Königin, der mir Eversmanns Bericht bestätigte. Die Frau des Kammerdieners brachte ihn mir selbst und zeigte mir einen ihres Mannes. »Es ist nicht zu sagen,« schrieb er, »in welch jammervollem Zustand sich die Königin befindet. Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre der König zu Tätlichkeiten geschritten, und er hätte sie mit dem Stocke geschlagen. Er ist auf den Kronprinzen und die Prinzessin wütender denn je. Gott, erbarme dich unser in unsrer großen Not!«

Tags darauf, am 10. Mai, dem denkwürdigsten Tage meines Lebens, wiederholte Eversmann seinen Besuch. Kaum war ich erwacht, als er vor meinem Bett erschien. »Ich komme im Augenblick von Potsdam,« sagte er, »wohin ich mich gestern verfügen mußte, nachdem ich bei Ihnen war. Ich konnte mir gar nicht denken, was für eine dringende Sache mich denn so eilig hinberief. Ich fand den König und die Königin beisammen. Sie weinte bitterlich, und der König schien sehr zornig zu sein. Sobald er mich sah, befahl er mir, eiligst hierher zurückzukehren, um die nötigen Einkäufe zu Ihrer Hochzeit zu besorgen. Die Königin wollte einen letzten Versuch wagen, ihn davon abzubringen und ihn zu besänftigen; aber je mehr sie bat, je mehr ergrimmte er. Er schwur bei Tod und Hölle, daß er Fräulein von Sonsfeld schmählich davonjagen wolle; und um ein abschreckendes Beispiel aufzustellen, würde er sie öffentlich an allen Straßenecken auspeitschen lassen, da sie allein, sagte er, die Ursache Ihres Ungehorsams sei. Und Sie,« fuhr er fort, »wenn Sie sich nicht unterwerfen, werden in eine Festung gebracht, und ich will Ihnen gleich sagen, daß die Pferde zu dem Zwecke schon bestellt sind.« Zu Fräulein von Sonsfeld sich wendend, sagte er dann: »Sie tun mir herzlich leid, eine so schimpfliche Verurteilung erfahren zu müssen; aber es ist an der Prinzessin, sie Ihnen zu ersparen. Zwar ist es nicht zu leugnen, daß Sie einen schönen Anblick abgeben werden und daß das Blut, das auf Ihrem weißen Rücken herabfließen wird, ihn noch blendender hervorheben und daß er verlockend anzusehen sein wird.« Man hätte von Stein sein müssen, um solche Reden gelassen anzuhören; dennoch mäßigte ich mich und suchte die Unterredung abzubrechen, ohne mich auf die Sache einzulassen.

Ich teilte diese schönen Neuigkeiten den Damen der Königin mit. Sie fragten mich, welche Entscheidung ich unter so grausamen Umständen zu treffen gedächte. »Die, zu gehorchen,« erwiderte ich, »sofern man jemand anderen zu mir sendet als Eversmann, dem ich sicherlich nie Antwort geben werde. Ich zweifle an keiner Drohung mehr seit der schrecklichen Tragödie Kattes und so vielen andern Tätlichkeiten, die seit kurzem vorgekommen sind. Die Bülow und Duhan waren so unschuldig wie Fräulein von Sonsfeld, dennoch wurden sie nicht verschont. Übrigens muß ich aus Rücksicht gerade auf die Königin und meinen Bruder unbedingt diesem häuslichen Zwist endlich ein Ende machen.« Fräulein von Sonsfeld, die mich belauscht hatte, warf sich mir zu Füßen und rief: »Um Gottes willen, lassen Sie sich nicht einschüchtern! ich kenne Ihr gutes Herz, Sie befürchten mein Unglück und beschwören es mir nur herauf, indem Sie für den Rest Ihrer Tage ein kummervolles Dasein erwählen wollen. Ich fürchte nichts, mein Gewissen ist rein, und ich bin das glücklichste Wesen der Welt, wenn ich Sie auf meine Kosten glücklich machen kann.« Ich tat, als ob ich mich eines anderen besänne, um sie zu beruhigen.

Abends um fünf Uhr brachte mir die Frau des Kammerdieners einen Brief der Königin. Er war vom selben Morgen datiert und lautete wie folgt:

»Alles ist verloren, liebe Tochter! der König will Sie um jeden Preis verheiraten. Ich habe einige heftige Auftritte deshalb mit ihm gehabt, doch weder meine Bitten noch meine Tränen haben etwas vermocht. Eversmann erhielt den Auftrag, alles für Ihre Hochzeit bereitzuhalten. Sie müssen sich darauf vorbereiten, die Sonsfeld zu verlieren; er will sie schmachvoll degradieren lassen, falls Sie nicht gehorchen. Man wird jemanden zu Ihnen entsenden, um Sie zu überreden. Willigen Sie um Gottes willen in nichts ein. Ich werde Sie schon zu halten wissen; ein Gefängnis ist besser als eine schlechte Versorgung. Adieu, meine liebe Tochter, ich rechne bestimmt auf Ihre Standhaftigkeit.«

Fräulein von Sonsfeld brachte nochmals ihre Bitten vor und redete mir eindringlich zu, der Königin zu folgen. Um mich diesen Quälereien zu entziehen, kehrte ich in mein Zimmer zurück und setzte mich an mein Spinett, wo ich zu komponieren vorgab. Kaum war ich einen Augenblick allein geblieben, als ich einen Diener eintreten sah, der mir erschrocken mitteilte, daß vier Herren im Auftrag des Königs auf mich warteten. »Wer denn?« fragte ich bestürzt. »Ich erschrak so sehr,« gab er zur Antwort, »daß ich nicht darauf achtete.« Ich begab mich eilends in das Zimmer, wo die andern versammelt waren. Sobald ich ihnen gesagt hatte, worum es sich handelte, ergriffen sie die Flucht. Die Hofmeisterin, die den ominösen Besuch empfangen hatte, trat jetzt mit den Herren ein. »Ich beschwöre Sie,« raunte sie mir zu, »lassen Sie sich nicht einschüchtern.« Ich ging in mein Schlafzimmer, wohin sie mir auf dem Fuße folgten. Es waren die Herren von Borck, Grumbkow, Podewills, sein Schwiegersohn, und ein vierter, den ich nicht kannte, der Staatsminister von Thulmeier, wie ich später erfuhr, der bisher der Partei der Königin angehörte. Sie ersuchten meine Hofmeisterin, sich zurückzuziehen, und verschlossen sorgfältig die Tür. Ich muß gestehen, daß mich trotz meiner Entschlossenheit eine furchtbare Aufregung ergriff, als ich mich jetzt vor dem Wendepunkt meines Schicksals sah; und hätte ich mich nicht an einen Stuhl gelehnt, der in der Mitte des Zimmers stand, so wäre ich zu Boden gesunken.

Grumbkow nahm zuerst das Wort. »Wir sind«, sagte er, »auf Befehl des Königs hierher gekommen. Er hat sich bis zum heutigen Tage noch geduldet in der Hoffnung, Ihre Heirat mit dem Prinzen von Wales zustande zu bringen. Ich selbst war mit der Unterhandlung betraut und habe mein möglichstes getan, um den Hof zu London zur Einwilligung in Ihre Ehe zu vermögen. Aber statt auf die vorteilhaften Anerbieten des Königs gebührend zu erwidern, hat man nur eine verächtliche Antwort gegeben; der König von England erklärte ihm, daß er seinen Sohn vor Ende des Jahres verheiraten wolle. Seine Majestät war über diese Art und Weise sehr erzürnt und erwiderte darauf, daß Ihre Heirat sich innerhalb von drei Monaten vollziehen würde. Sie sehen wohl ein, Prinzessin, daß er sich hier nicht selbst Lügen strafen wird; und obwohl er als König und Herr darauf verzichten könnte, mit Ihnen darüber zu verhandeln, will er sich doch so weit herablassen und Ihnen vorstellen, wie beschämend es für Sie und für ihn wäre, noch länger als das Spielzeug Englands dazustehen. Sie wissen, Prinzessin, daß die Hartnäckigkeit dieses Hofes alles Unglück in Ihrem Hause verschuldet hat. Die Intrigen der Königin und die Beharrlichkeit, mit der sie sich den Wünschen des Königs widersetzte, hat diesen so mächtig gegen sie erbittert, daß man jeden Tag eines endgültigen Bruches zwischen ihnen gewärtig sein darf. Denken Sie an den Kronprinzen und an so manche andere, die die Wirkungen seines Zornes erfahren mußten. Der arme Prinz führt in Küstrin ein klägliches Dasein. Der König ist noch so heftig gegen ihn aufgebracht, daß er Kattes Hinrichtung bedauert, weil, wie er sagt, dieser noch mehr Aufschlüsse hätte geben können und weil er den Kronprinzen noch immer des Majestätsverbrechens verdächtigt, so daß er Ihre Weigerung bereitwillig zum Anlaß einer Wiederaufnahme des Prozesses ergreifen wird. Allein ich komme zur Hauptsache. Um alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die Sie erheben könnten, haben wir den Auftrag, Ihnen nur den Prinzen von Bayreuth vorzuschlagen. Sie können gegen diese Partie nichts einwenden. Dieser Prinz wird der Vermittler zwischen dem König und der Königin werden. Sie selbst hat ihn dem König vorgeschlagen, sie kann also mit dieser Wahl nur einverstanden sein. Er ist ein Sproß des Brandenburgischen Geschlechts und wird nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft über ein sehr schönes Land antreten. Da Sie ihn nicht kennen, Prinzessin, können Sie keine Abneigung gegen ihn haben. Übrigens wird er von allen Seiten unendlich gelobt. Da Sie zwar in der Aussicht auf größere Machtstellung auferzogen wurden und eine Krone zu tragen hofften, mag Ihnen der Verzicht sicherlich schwer fallen; allein die großen Fürstinnen sind dazu geboren, dem Wohl des Staates geopfert zu werden. Im Grunde bewirkt ja der Glanz nicht das wahre Glück; fügen Sie sich also, Prinzessin, und geben Sie uns eine Antwort, die den Frieden in Ihrer Familie wiederherstellt. Es bleiben mir noch zwei Dinge zu sagen, wovon eins, wie ich hoffe, zu sagen nicht mehr nötig ist. Der König verspricht Ihnen, falls Sie ihm gehorchen, Sie doppelt so sehr zu begünstigen als seine anderen Kinder und bewilligt Ihnen alsbald nach Ihrer Hochzeit die gänzliche Freiheit des Kronprinzen. Er will dann das Vergangene begraben und mit ihm wie mit der Königin freundlich verfahren. Wenn Sie aber all diesen Vernunftgründen zum Trotz und wider Erwarten auf Ihrer Weigerung beharren, so haben wir Sie auf Befehl des Königs (er zeigte mir die Order) unverweilt nach der Festung Memel in Litauen zu bringen und wider Fräulein von Sonsfeld und Ihre sonstige Dienerschaft mit äußerster Härte vorzugehen.«

Ich hatte während dieser Rede Zeit gehabt, nachzudenken und mich von meinem ersten Schrecken zu erholen. »Was Sie mir da sagen,« erwiderte ich, »ist so vernünftig und begründet, daß ich mich Ihren Gründen schwerlich entziehen könnte. Hätte der König mich gekannt, so würde er mir wohl mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen. Der Ehrgeiz gehört nicht zu meinen Fehlern, und ich verzichte leicht auf den Glanz, den Sie meinen. Die Königin glaubte mein Glück zu machen, indem sie mich in England versorgte; doch hat sie dabei nie mein Herz befragt, noch wagte ich je, ihr meine wahren Gefühle hierüber auszusprechen. Ich weiß nicht, was mir die Ungnade des Königs zugezogen hat; er hat sich stets nur an die Königin gewendet, wenn es meine Vermählung anging, und mir nie seine Wünsche hierüber eröffnet. Zwar hat sich Eversmann des öfteren bei mir eingestellt und sich dabei auf den König berufen; doch habe ich seinen Aussagen so wenig Glauben beigemessen, daß ich mich zu keiner Erwiderung herabließ, da ich es nicht für angezeigt hielt, mit einem niedrigen Lakaien über eine Frage von so großer Wichtigkeit mich einzulassen. Sie versprechen mir im Auftrag des Königs, daß er von nun an besser mit der Königin verfahren will, er sagt mir die Freiheit meines Bruders und den dauernden Frieden in seinem Hause zu; diese drei Zusicherungen sind mehr als genügend, um mich zur Unterwürfigkeit zu bewegen, und würden mich zu größeren Opfern vermögen, wenn er es von mir erheischte. Ich habe daraufhin nur eine Gnade zu erflehen: er möge mir gestatten, daß ich die Einwilligung der Königin erbitte.«

»Ach,« rief Grumbkow, »Sie verlangen Unmögliches von uns, Prinzessin! Der König besteht auf einer bestimmten und bedingungslosen Zusage und hat befohlen, daß wir Sie nicht verlassen, ohne sie erlangt zu haben.« »Können Sie noch zaudern?« fuhr der Marschall von Borck hier fort. »Die Ruhe Seiner Majestät und Ihres ganzen Hauses hängt von Ihrer Entscheidung ab. Die Königin kann Ihre Fügsamkeit nur gutheißen, und wenn sie es nicht tut, wird jedermann sie darum tadeln. Alles steht auf dem Spiel,« fuhr er mit Tränen in den Augen fort; »ich beschwöre Sie, Prinzessin, setzen Sie uns nicht in die traurige Lage, dem König gehorchen und Sie ins Unglück stürzen zu müssen.«

Ich war in einer furchtbaren Aufregung, lief im Zimmer hin und her und zerbrach mir den Kopf, wie ich dem König gehorchen könnte, ohne mich mit der Königin zu entzweien. Die Herren wollten mir Zeit lassen, um zu überlegen. Grumbkow, Borck und Podewills traten ans Fenster und unterhielten sich leise. Thulmeier nahm die Gelegenheit wahr, um sich mir zu nähern; und da er merkte, daß ich ihn nicht kannte, nannte er seinen Namen. »Es ist nicht mehr an der Zeit, sich zu wehren,« flüsterte er mir zu; »willigen Sie in alles ein, was man Ihnen vorschlägt. Ihre Heirat wird nicht vollzogen werden, ich bürge Ihnen dafür mit meinem Kopf. Es gilt, den König um jeden Preis zu besänftigen, und ich übernehme es, der Königin begreiflich zu machen, daß es die einzige Möglichkeit ist, vom König von England eine günstige Erklärung zu erwirken.« Diese Worte bestimmten mich. Auf die Herren zugehend, sagte ich ihnen: »Mein Entschluß ist gefaßt, ich willige in alle Ihre Vorschläge ein; ich opfere mich für meine Familie. Ich mache mich auf viel Kummer gefaßt, aber die Lauterkeit meiner Gesinnung wird ihn mich geduldig ertragen lassen. Was Sie angeht, meine Herren, so mag Sie Gott zur Rechenschaft ziehen, wenn Sie nicht bewirken, daß der König die Versprechen hält, die er mir durch Sie betreffs der Königin und meines Bruders geben ließ.« Sie leisteten daraufhin die feierlichsten Schwüre und baten mich dann, an den König zu schreiben. Grumbkow, der merkte, daß ich sehr bewegt war, diktierte mir den Brief, sowie den, den ich an die Königin richtete. Endlich zogen sie sich zurück. Thulmeier sagte mir noch, es sei nicht alles verloren. »England kümmert mich nicht,« entgegnete ich; »nur die Königin macht mir Sorge.« »Wir werden sie sicherlich beruhigen«, sagte er. Sobald ich allein war, ließ ich mich in einen Stuhl sinken und brach in Tränen aus. Fräulein von Sonsfeld trat indes herein, und ich erzählte ihr, was sich zugetragen hatte. Sie machte mir die bittersten Vorwürfe; ihr Jammer war unerklärlich. Alle waren bestürzt und weinten. Ich verbarg meinen Kummer und verhielt mich still den ganzen Tag; Fräulein von Sonsfeld ausgenommen, lobten alle meinen Entschluß, aber alle fürchteten, daß die Königin erzürnt sein würde. Am nächsten Morgen schrieb ich an sie. Ich habe die Kopie dieses Briefes behalten. Er lautete wie folgt:

»Eure Majestät werden schon gestern durch den Brief an Sie, den ich dem Kuvert des Königs beizufügen die Ehre hatte, mein Unglück erfahren haben. Kaum finde ich die Kraft, diese Zeilen zu schreiben, denn mein Zustand ist beklagenswert. Es sind keine Drohungen, so stark sie auch sein mochten, die mir die Einwilligung in den Willen des Königs entrissen; ich bin gewiß die unfreiwillige Ursache aller Leiden gewesen, die Eure Majestät zu erdulden hatten. Mein allzu empfindsames Herz ist von den ergreifenden Schilderungen, die Sie mir kürzlich entwarfen, bewegt geblieben. Sie wollten meinetwegen Leiden auf sich nehmen; ist es nicht viel natürlicher, daß ich mich für Sie opfere und diesem unheilvollen Familienzwist ein für allemal ein Ende bereite? Durfte ich einen Augenblick zögern, da ich die Wahl hatte zwischen dem Unglück und der Begnadigung meines Bruders? Was für schreckliche Dinge sind mir betreffs seiner nicht verkündet worden. Ich bebe, wenn ich daran denke. Was ich wider die Vorschläge des Königs vorbringen konnte, wurde mir im vornherein widerlegt. Eure Majestät haben selbst den Prinzen von Bayreuth als eine passende Partie für mich vorgeschlagen und schienen zufrieden, daß ich ihn heirate; ich kann daher nicht glauben, daß Sie meinen Entschluß mißbilligen werden. Die Not ist ein Gesetz; so sehr ich bat, es wurde mir nicht gestattet, Eure Majestät um die Einwilligung zu bitten. Ich mußte wählen, entweder gutwillig zu gehorchen und dadurch Vorteile für meinen Bruder zu erlangen, oder mich ärgsten Gewalttaten auszusetzen, die mich zuletzt doch zu dem Schritte gezwungen hätten, den ich eben getan habe. Ich werde mir erlauben, Eurer Majestät ausführlichen Bericht zu erstatten, wenn es mir vergönnt sein wird, Sie zu sehen. Ich fühle nur zu sehr Ihren Schmerz, und dies kümmert mich am meisten. Ich bitte Sie ehrerbietigst, sich meinetwegen nicht zu sorgen und der Vorsehung zu vertrauen, die alles zu unserem Besten lenkt, um so mehr, als ich mich glücklich schätze, das Glück meiner teuren Mutter und meines Bruders fördern zu dürfen; was würde ich um diesen Preis nicht tun! Ich wiederhole meine Bitten an Eure Majestät, sich zu schonen und sich Ihre Gesundheit durch zu heftigen Kummer nicht zu schädigen. Die Freude, meinen Bruder baldigst wiederzusehen, muß Ihnen diese Enttäuschung erträglicher machen. Ich hoffe, Sie werden mir den Fehler verzeihen, daß ich mich ohne Ihr Wissen entschied, in Anbetracht meiner innigen Liebe und der Ehrfurcht, mit der ich auf immerdar verbleibe« usw.

Am selben Abend brachte mir Eversmann folgendes mit eigener Hand geschriebene Billett des Königs.

»Ich freue mich, liebe Wilhelmine, daß Sie sich dem Willen Ihres Vaters unterwerfen. Gott wird Sie dafür belohnen, und ich werde Sie nicht im Stiche lassen, sondern zeitlebens für Sie Sorge tragen und Ihnen jederzeit beweisen, daß ich Ihr treuer Vater bin.«

Da Eversmann nach Potsdam zurückkehrte, gab ich ihm meine Antwort mit. Ich war in einer Verfassung, die sich nicht beschreiben läßt. Meine Eigenliebe fühlte sich geschmeichelt, und ich freute mich innerlich meiner Tat, da ich teure Wesen dadurch jeder Nachstellung entzogen hatte. Aber wenn ich mein eigenes Los überlegte, erfüllten mich dann peinigende Sorgen. Ich kannte den nicht, den ich heiraten sollte. Man sagte ihm Gutes nach; aber läßt sich der Charakter eines Fürsten, den man nur in der Öffentlichkeit sah, erkennen? Sein einnehmendes Wesen konnte sehr wohl viele Laster und Fehler verbergen. Ich malte mir im voraus die Verzweiflung und den Zorn der Königin aus, und dies flößte mir, offen gestanden, mehr Sorge ein als alles andere. Mein Herz war von solch gemischten Empfindungen bewegt, als die Frau Bocks mir die Antwort der Königin auf den ersten Brief, den ich ihr geschrieben hatte, überbrachte. Großer Gott, welch ein Brief! Die Ausdrücke waren so hart, daß ich fast verging. Ich kann ihn unmöglich wiedergeben, sondern zitiere nur einiges daraus. Diese Mutter ist mir noch zu teuer trotz ihrer Härte, als daß ich sie durch ein Schreiben kompromittieren möchte, das ihr nicht zur Ehre gereichen würde; deshalb habe ich es auch vernichtet. Hier sind einige Sätze daraus:

»Sie durchbohren mir das Herz, indem Sie mir den größten Kummer zufügen, den ich jemals erfahren habe. Ich habe all meine Hoffnung auf Sie gesetzt, aber ich kannte Sie schlecht. Sie haben mir auf geschickte Weise die Bosheit Ihres Herzens und Ihre niedrige Gesinnung verheimlicht. Ich bereue all meine Güte für Sie und meine Sorge um Ihre Erziehung und alle Mühen, die ich Ihretwegen erduldete. Ich erkenne Sie nicht länger als meine Tochter an und sehe in Ihnen von nun an meine ärgste Feindin, da Sie es sind, die mich meinen Gegnern, die jetzt triumphieren, geopfert hat. Rechnen Sie nicht mehr auf mich; ich schwöre Ihnen einen ewigen Haß und werde Ihnen niemals verzeihen.«

Dieser letzte Satz machte mich erbeben; ich kannte die rachsüchtige Gemütsart der Königin sehr wohl. Man glaubte, daß ich von Sinnen kommen würde, so heftig war meine erste Aufregung. Bocks Frau redete mir sehr vernünftig zu; sie stellte mir vor, daß dieser Brief im ersten Impuls geschrieben worden war. Sie las mir den ihres Mannes vor, der mir versichern ließ, daß alle, die die Königin umgaben, mit vereinten Kräften sie zu besänftigen suchten. Ich möge nur fortfahren, mich ihr unterwürfig zu bezeigen, und er zweifle nicht, daß sie in sich gehen würde. Fünf oder sechs Tage vergingen auf diese Weise, während deren ich nur derartig schreckliche Briefe empfing.

Nach Verlauf dieser Zeit kehrte Eversmann von Potsdam zurück. Er richtete mir einen äußerst freundlichen Gruß des Königs aus und meldete mir, daß er mich nicht nach Potsdam habe kommen lassen, weil er selbst am 23. nach Berlin zu kommen beabsichtige und auch der Königin Zeit lassen wolle, sich zu beruhigen. Er fügte hinzu, die Königin sei auf das heftigste wider mich erzürnt, und ich müßte mich darauf gefaßt machen, daß unser erstes Wiedersehen nicht ohne heftige Auftritte verlaufen würde. Drei Tage später erschien er wieder vor mir. »Der König läßt Ihnen mitteilen, Prinzessin, daß er morgen früh hier sein wird und Ihnen sowie Ihren Prinzessinnen Schwestern befiehlt, sich in seinen Gemächern einzufinden.« Meine Angst vor dem Wiedersehen mit der Königin war so groß, daß ich den Tag und die Nacht hindurch in tiefster Bestürzung verbrachte.

Ich begab mich tags darauf zum König, der um zwei Uhr nachmittags ankam. Ich erwartete einen gnädigen Empfang, aber wie groß war mein Erstaunen, als ich ihn mit derselben erzürnten Miene eintreten sah, die er zeigte, als ich ihn zuletzt gesehen hatte. Er fragte mich im zornigen Tone, ob ich ihm gehorchen wollte. Ich warf mich ihm zu Füßen, beteuerte ihm meine Ergebenheit und bat ihn, mir seine väterliche Liebe wieder zuzuwenden. Sein Ausdruck veränderte sich bei dieser Antwort. Er hob mich auf und umarmte mich. »Ich bin mit Ihnen zufrieden,« sagte er, »ich werde stets Sorge für Sie tragen und Sie nie verlassen.« Dann sagte er zu meiner Schwester Sophie: »Beglückwünschen Sie Ihre Schwester, sie ist mit dem Erbprinzen von Bayreuth verlobt; lassen Sie sichs nicht kümmern, ich werde mich nach einer andern Versorgung für Sie umsehen.« Er gab mir dann ein Paket Stoff und sagte: »Damit können Sie sich für die Feste schmücken, die ich geben werde. Ich habe jetzt zu tun, erwarten Sie nunmehr Ihre Mutter.« Sie kam erst um sieben Uhr abends. Ich ging ihr bis zum ersten Vorzimmer entgegen; und als ich mich bückte, ihr die Hand zu küssen, wurde ich ohnmächtig. Ich blieb lange bewußtlos. Man sagte mir, mein Zustand habe sie keineswegs gerührt. Sobald ich mich erholt hatte, warf ich mich zu ihren Füßen. Vor Tränen und Schmerz konnte ich kein Wort hervorbringen. Die Königin sah mich mittlerweile kalt und verächtlich an und wiederholte nur alles, was sie mir geschrieben hatte. Diese Szene hätte sich endlos ausgedehnt, wäre die Ramen nicht erschienen, um die Königin beiseite zu nehmen. Sie sagte ihr, daß der König sich erzürnen würde, falls er erführe, wie sie mir gegenüber verfahre, und daß er sich an ihr und meinem Bruder rächen werde; mein Schmerz sei so heftig, daß ich ihn nicht verbergen könne, was ihr neue Unannehmlichkeiten bereiten würde. Diese Worte der Kammerfrau erzielten ihre Wirkung. Im Grunde hatte die Königin eine höllische Angst vor dem König. Sie erhob mich endlich und sagte mir kalten Tones, sie wolle mir vergeben, falls ich mich beherrsche. Inzwischen wurde die Herzogin von Bevern gemeldet. Sie schien voll Mitgefühl mit meinem Zustand zu sein. Mein Gesicht war vor Weinen ganz verschwollen und gerötet. Sie sagte mir leise, welchen Anteil sie an meinem Kummer nehme. Eine gewisse Sympathie zwischen uns ließ eine Freundschaft erstehen, die noch heutigentags währt. Thulmeier hielt indessen sein Wort, das er mir gegeben hatte, die Königin zu besänftigen. Er schrieb ihr heimlich am folgenden Tage, die Sache sei noch nicht verloren. Meine Heirat sei nur eine List des Königs, um den englischen Hof endlich zu einem anderen Entschluß zu bewegen. Er habe sich allerorts nach dem Prinzen von Bayreuth erkundigt und ermittelt, daß derselbe sich noch in Paris aufhalte. Dieser Brief beruhigte die Königin vollkommen. Ich sagte schon, wie gerne sie sich Hoffnungen hingab; in der Tat zeigte sie sich an diesem Tage in bester Laune. Ich mußte ihr alles erzählen, was sich während ihrer Abwesenheit zugetragen hatte. Sie machte mir zwar noch einige Vorwürfe über meinen Mangel an Mut, aber sie sprach in sanfterem Tone zu mir. Dagegen wandte sie all ihren Zorn gegen Fräulein von Sonsfeld. Sie war ihr tags zuvor sehr hart begegnet; und was ich auch sagte, sie fuhr fort, sie feindlich zu behandeln. So vergingen drei Tage in aller Ruhe. Der König erwähnte meine Heirat mit keinem Worte mehr; es war, als hätte er seit meiner Einwilligung die Sache vergessen.

Montag, am 28. Mai, sollte die große Revue mit großem Gepränge abgehalten werden. Der König hatte sämtliche Infanterie- und Kavallerie-Regimenter der Umgegend versammelt, was mit der Berliner Garnison ein Armeekorps von 20 000 Mann ergab. Der Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg kam rechtzeitig, um bei dieser Revue zugegen zu sein. Der König, der kurz vor der unglücklichen Flucht meines Bruders als Gast bei ihm geweilt hatte und sehr erfreut gewesen war über die Anstalten, die der Herzog getroffen hatte, um seinen Aufenthalt in Stuttgart angenehm zu gestalten, hatte ihn nach Berlin eingeladen. Da ihm nichts höher galt als militärische Dinge, beurteilte er andere nach sich und glaubte den fremden Prinzen, die ihn besuchten, das größte Vergnügen zu machen, wenn er ihnen seine Truppen vorführte. Man muß aber zugeben, daß er sich bei dieser Gelegenheit durch den Prunk seiner Tafel (solange die Fremden in Berlin blieben, wurden vierzehn Gänge serviert) selbst übertraf, was von seiten dieses Königs keine geringe Anstrengung bedeutete.

Am Sonntag, den 27., ersuchte der König die Königin, mit meiner Schwester, der Herzogin und mir im Phaethon zur Revue zu fahren. Da er sehr früh aufstehen mußte, legte er sich um sieben Uhr schlafen und überließ es ihr, die Fürstlichkeiten zu unterhalten und mit ihnen zu soupieren. Wir spielten Pharao, bis man auftrug. Als wir das Zimmer passierten, um zur Tafel zu gehen, sahen wir eine Postchaise, die durch den Schloßhof einfuhr und vor der großen Treppe anhielt. Die Königin schien erstaunt, da nur Prinzen dies Vorrecht haben. Sie erkundigte sich sofort, wer es sei, und erfuhr einen Augenblick später, es sei der Erbprinz von Bayreuth. Das Medusenhaupt hat nie einen schreckensvolleren Eindruck erweckt, als diese Nachricht bei der Königin hervorrief. Sie stand ganz verwirrt und wechselte so oft die Farbe, daß wir alle eine Ohnmacht befürchteten. Sie tat mir in der Seele leid; ich verhielt mich so unbeweglich wie sie, und alle schienen konsterniert. Da ich jedoch meine Gedanken stets zusammennahm, schloß ich, daß sich für nächsten Tag irgendein peinlicher Auftritt vorbereite, und ich beschwor die Königin, mich nicht zur Revue mitzunehmen, weil der König sicherlich allerlei schlechte Witze reißen würde, die ihr wie mir gleich verdrießlich wären, besonders wenn es öffentlich geschähe. Sie lobte meine Gründe; aber nachdem sie das Für und Wider überlegt hatte, beschloß sie dennoch aus sklavischer Furcht vor ihrem Manne, daß ich mitgehen sollte. Ich verbrachte eine schlaflose Nacht. Fräulein von Sonsfeld hielt bei mir Wache und suchte mich zu trösten und mir Zuversicht einzuflößen. Ich stand um vier Uhr morgens auf und setzte mir drei Kappen auf, um meine Verlegenheit zu verbergen. In diesem Aufzug verfügte ich mich zur Königin, und wir fuhren alsbald ab.

Die Truppen standen schon in geordneten Reihen, als wir ankamen. Der König ließ uns die Front abfahren. Es war in der Tat der großartigste Anblick, den man sich denken konnte. Aber ich will nicht bei diesem Thema verweilen; jene Truppen haben sich ebenso tapfer als prächtig gezeigt, und mein königlicher Vater erwarb sich unsterblichen Ruhm durch die wundervolle Disziplin, die er bei ihnen einführte, da er hiermit den Grundstein legte zur Macht und Größe seines Hauses. Der Markgraf von Schwedt stand an der Spitze seines Regimentes; er schien wütend und grüßte uns mit abgewandten Blicken. Oberst Wachholtz, den der König zum Begleiter der Königin bestimmt hatte, wies uns Plätze neben den Geschützen an, die von dieser kleinen Armee ziemlich weit entfernt aufgestellt waren. Dort näherte der Oberst sich der Königin und sagte ihr ins Ohr, der König habe ihm befohlen, ihr den Prinzen von Bayreuth vorzustellen. Er führte ihn ihr ein paar Augenblicke später zu. Sie empfing ihn mit stolzer Miene, richtete ein paar gleichgültige Fragen an ihn, um ihn dann zu verabschieden. Die Hitze war furchtbar; ich hatte nicht geschlafen, war von Besorgnissen erfüllt und außerdem nüchtern; dies alles zusammen machte, daß mir übel wurde. Die Königin erlaubte, daß ich mich in den Wagen der Hofmeisterinnen zurückzog, wo mir bald besser wurde. Der König und die Prinzen speisten zusammen, und dieser Tag verging mir so einsam wie die früheren.

Am 28. vormittags kamen alle Fürstlichkeiten zur Königin. Den Prinzen von Bayreuth würdigte sie kaum eines Wortes. Er ließ sich mir vorstellen; ich machte ihm nur eine Verbeugung, ohne auf seine Worte etwas zu erwidern. Dieser Fürst ist groß und von schönem Wuchs, er sieht vornehm aus; seine Züge sind weder regelmäßig noch schön, jedoch seine offene, einnehmende und sympathische Physiognomie entschädigt ihn für mangelnde Schönheit. Er schien sehr lebhaft, schlagfertig und keineswegs schüchtern.

So verstrichen zwei weitere Tage. Das Stillschweigen des Königs war uns ganz unerklärlich und belebte die Hoffnungen der Königin aufs neue; aber am 31. drehte sich der Wind. Der König berief die Königin und mich in sein Kabinett. »Sie wissen,« sagte er, »daß ich meine Tochter dem Prinzen von Bayreuth versprochen habe; ich habe die Verlobung auf morgen festgesetzt. Seien Sie überzeugt, daß ich Ihnen unendlich verbunden sein werde und daß Sie meiner ganzen Zuneigung versichert sein dürfen, falls Sie sich ihm und Wilhelmine freundlich erweisen; seien Sie hingegen meiner vollsten Entrüstung gewärtig, falls Sie ein entgegengesetztes Verhalten einnehmen. Zum Teufel auch! Ich werde Ihren Umtrieben ein Ende zu machen wissen und mich auf blutige Weise rächen.« Die Königin erschrak und versprach ihm alles, was er wollte, was ihr viele Liebkosungen eintrug. Er bat sie, mich aufs beste zu schmücken und mir ihr Geschmeide zu leihen. Sie war aufs heftigste erzürnt und warf mir manchmal wütende Blicke zu. Der König ging hinaus und kehrte bald darauf in der Begleitung des Prinzen zurück, den er der Königin als ihren Schwiegersohn vorstellte. Sie empfing ihn ziemlich freundlich in Gegenwart des Königs; aber kaum hatte dieser den Rücken gewendet, als sie dem Prinzen nichts wie bissige Dinge sagte. Nach dem Spiel ging man zur Tafel. Als sie zu Ende war, wollte die Königin gehen, doch der Prinz folgte ihr. »Ich bitte Sie dringend, Majestät,« sagte er, »mich einen Augenblick anzuhören. Ich weiß alles, was Eure Majestät und die Prinzessin angeht; ich weiß, daß sie für einen Thron bestimmt war und daß Eure Majestät lebhaft gewünscht haben, sie in England versorgt zu sehen; nur der Bruch zwischen beiden Höfen verschafft mir das Glück, daß mich der König zum Schwiegersohn erwählte. Ich bin der Glücklichste der Sterblichen, um eine Prinzessin anhalten zu dürfen, für die ich die größte Ehrerbietung und alle Gefühle hege, die sie verdient. Aber diese selben Gefühle sind es, die mich hindern würden, sie durch eine Ehe, die ihren Wünschen vielleicht entgegen ist, ins Unglück zu stürzen. Deshalb flehe ich Eure Majestät an, sich offen mit mir hierüber auszusprechen und versichert zu sein, daß Ihre Antwort über alles Glück oder Unglück meines Lebens entscheidet, da ich, falls sie ungünstig für mich ausfällt, jeglichen Vertrag mit dem König lösen werde, so schwer es mir auch fallen mag.« Die Königin blieb eine Weile ganz verwirrt; da sie dem Prinzen aber nicht ganz traute, antwortete sie, daß sie gegen die Wahl des Königs nichts einzuwenden habe; sie gehorche seinem Befehle, wie auch ich. Sie konnte nicht umhin, der Frau von Kamecke gegenüber zu äußern, daß der Prinz hierbei einen recht geschickten Streich geführt habe, sie aber hätte sich nicht hinter das Licht führen lassen.

Am Sontag, den 3. Juni, ging ich früh im Morgenanzug zur Königin, wo ich den König antraf. Er war sehr zärtlich mit mir, indem er mir den Verlobungsring ansteckte, der einen großen Brillanten trug, und mir nochmals versprach, er wolle fürs ganze Leben Sorge für mich tragen, wenn ich mich gefügig zeigen wollte. Er schenkte mir sogar ein goldenes Service und sagte, dies sei nur eine Bagatelle, da er mir noch größere Gaben zugedacht hätte.

Abends um sieben Uhr verfügten wir uns in die großen Gemächer. Man hatte dort einen Saal für die Königin, ihren Hof und die Fürstlichkeiten bereitet, und dort nahmen wir Platz, um den König zu erwarten. Trotz aller Selbstbeherrschung der Königin war es ersichtlich, welch ein Kampf in ihr vorging. Sie hatte den ganzen Tag kein Wort mit mir gesprochen, und ihr Zorn verriet sich nur durch ihre Blicke. Die Markgräfin Philipp, die auf Befehl des Königs meiner Verlobungsfeier beiwohnen mußte, war im Gesicht blau vor Aufregung. Ihr Sohn, der Markgraf von Schwedt, ließ sich entschuldigen und verließ die Stadt, um den Kanonenschuß nicht vernehmen zu müssen. Endlich erschien der König mit dem Prinzen. Er war innerlich ebenso erregt wie die Königin, so daß er ganz vergaß, meine Verlobung in dem Saale, in dem sich die Geladenen befanden, offiziell zu verkünden. Er ging auf mich zu, indem er den Prinzen an der Hand führte, und ließ uns die Ringe wechseln. Ich tat es zitternd. Ich wollte dem König die Hand küssen, allein er schloß mich in seine Arme und hielt mich lange umarmt. Die Tränen rollten ihm aus den Augen, und die meinen begannen ebenfalls zu fließen. Unser Schweigen war ausdrucksvoller als alles, was wir uns hätten sagen können. Die Königin, auf die ich dann zuging, empfing mich sehr kühl. Nachdem die Beglückwünschungen aller Fürstlichkeiten vorüber waren, befahl der König dem Prinzen, mir die Hand zu reichen und den Ball in dem hierfür bereiteten Saale zu eröffnen. Meine Verlobung war so geheimgehalten worden, daß niemand sie geahnt hatte. Man war allgemein betroffen und betrübt, als man sie erfuhr. Ich hatte viele Freunde und war allgemein beliebt. Der König weinte den ganzen Abend; er umarmte Fräulein von Sonsfeld und sagte ihr viele Verbindlichkeiten. Grumbkow und Seckendorf waren die einzigen, die sich freuten; sie hatten eben wieder einen ihrer Streiche vollführt.

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