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Memoiren Cagliostros

Paul Bornstein: Memoiren Cagliostros - Kapitel 10
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authorPaul Bornstein
titleMemoiren Cagliostros
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IX. Caliostros Freilassung. Abschied von Frankreich. Dritter Aufenthalt in London.

Und nun zurück zu Cagliostro.

Aus dem Erzählten hat der Leser bereits die Bestätigung dessen, was wir vorwegnahmen, erhalten, er weiß nunmehr, daß von einer wirklichen Schuld Cagliostros keine Rede sein kann, und wenn man ihm überhaupt etwas vorwerfen will, so ist es lediglich das, daß er mit dem Kardinal den gleichen Schwindel trieb, wie mit allen anderen, er machte ihm Humbug vor und beutete ihn aus, mit dem Halsband selbst hatte er auch nicht das Geringste zu schaffen. – Dennoch beschuldigte ihn Frau von Lamotte ohne weiteres und äußerte, als die Richter sie nach dem Verbleib des Halsbandes befragten, Cagliostro habe sich dasselbe angeeignet und es verschwinden lassen, nachdem sie es ihm übergeben habe, um die Diamanten auf chemischem Wege zu vergrößern. – Da Cagliostro in der Tat, wie wir wissen, von sich behauptete, solches zu können, und da er, wie auch an anderen Plätzen, in Paris dergleichen Schwindel getrieben haben mag, hinter den nun die Behörden kamen, so hatte er schwere Mühe, diesen Verdacht von sich abzuwälzen, und um ein Haar wäre es geschehen, daß man ihn als Dieb auf Lebzeiten unschuldig, wenigstens an dem ihm hier zur Last Gelegten, eingekerkert hätte. – Indessen gelang es ihm, seine tatsächliche Unschuld nachzuweisen, und die hierüber aufs äußerste erbitterte Lamotte soll angesichts des ganzen Parlaments einen vor ihr auf dem Tische stehenden, eisernen Leuchter ergriffen und nach Cagliostro geschleudert haben. – Am 31. Mai 1786 verkündete Abends um 9 Uhr das versammelte Parlament von Paris nach einer Sitzung von 18 Stunden sein feierliches Urteil. – Die Gräfin de Lamotte wird kahl geschoren, auf beiden Schultern mit glühendem Eisen »V« Voleuse gebrandmarkt und auf Lebzeiten in die Salpetrière gesteckt, Villette und Fräulein d'Oliva, welche in Versailles die Königin spielte, auf immer des Landes verwiesen, Cagliostro und Frau wurden am 1. Juni 1786 vom Verdachte der Hehlerei freigesprochen und sogleich in Freiheit gesetzt. –

Der Kardinal verschwand spurlos für immer auf seine Güter. –

Somit war denn nun Cagliostro in der Tat frei und von dem Verdachte freigesprochen, allein die Peripetie in seinem Leben beginnt nun doch; er hat von dem Augenblicke an, wo er die Bastille verläßt, kein rechtes Glück mehr, denn durch die scheinbaren Triumphe, die er noch feierte, darf man sich nicht täuschen lassen, dieselben waren lediglich spontane Eingebungen seiner Anhänger; er kann sich von da an nirgends mehr lange behaupten, und sein Sturz ist ein rapider.

Es war doch sein Unglück, daß er in den Halsbandprozeß verwickelt war, denn er wurde nun vor Gericht vernommen, und obgleich dies Verhör mit einer für heutige Verhältnisse unbegreiflichen Leichtfertigkeit vor sich ging – man ermittelte nicht einmal, daß er bereits ein Mal in Paris gewesen war – so kam doch genug heraus, um ihn stark zu kompromittieren und seine Ausweisung aus Frankreich zu veranlassen. – Ferner darf man nicht vergessen, daß dieser Prozeß ein Monstreprozeß war, der in ganz Europa die ungeheuerste Aufregung hervorrief; es kann daher auch nicht Wunder nehmen, daß den in jenem Prozeß verwickelten Grafen Cagliostro nunmehr nicht nur von Laien, sondern auch von der Polizei allerorten stark auf die Finger gesehen wurde. – Sein Nimbus begann zu schwinden. Und was ist ein Gauner, wie Cagliostro, ohne Nimbus?

Wie weit ihm übrigens noch immer die Verlogenheit in Mark und Bein saß, geht am besten daraus hervor, daß er noch im Gefängnisse ganz plötzlich mit der unverschämten Behauptung auftrat, der Polizeikommissar, der mit seiner Verhaftung beauftragt gewesen, habe unterlassen, in gehöriger Weise die Siegel anzulegen, und es seien ihm infolgedessen eine Menge sehr wertvoller Gegenstände, sowie auch große Summen Geldes in seiner und seiner Gemahlin Abwesenheit entwendet worden. – Er verlangte aufs Entschiedenste Ersatz für das Verlorene, sowie Einleitung des Verfahrens gegen den Beamten, der in so unerhörter Weise seine Pflicht verabsäumt habe. – Die Eingabe, in welcher er mit viel rhetorischem Schwall diese Forderungen begründet, wurde durch den zweiten Präsidenten dem General-Prokurator überwiesen und von diesem kurzweg als erlogen bezeichnet, worauf das Gericht über sie hinweg zur Tagesordnung ging.

Als man dann später seine Frau in Freiheit setzte, es geschah dies einen Tag vor seiner Freilassung, ließ man sich von ihr eine Bescheinigung darüber ausstellen, daß sie die Sachen in dem Kasten ebenso wieder vorgefunden, als sie sie verlassen hätte. Der Kasten, welcher darauf mit dem Siegel der Gräfin Cagliostro und dem der Behörde geschlossen wurde, verblieb zunächst in den Händen der letzteren, und wurde nachher im Beisein Cagliostros geöffnet, welcher bereitwillig eine Bescheinigung darüber ausstellte, daß alles in bester Ordnung sei. Das hinderte einen Menschen, wie ihn, natürlich nicht, nach seiner Freilassung abermals die lange als abgetan betrachtete Sache in einem Memoire wieder aufzuwärmen und gegen die Gerichtsbeamten, insonderheit den Polizeikommissar Chednon und den Gouverneur der Bastille die unerhörtesten Beschuldigungen vorzubringen. Das ganze Memoire ist nichts, als eine einzige, große Lüge und war auch trotz seiner Abgefeimtheit an einigen Blößen ohne weiteres als solche zu erkennen.

Kehren wir nunmehr zur Bastille zurück; er beschreibt die Begebenheit nach seiner Entlassung ziemlich genau in seiner Anklageschrift gegen Chednon und Launay. Ein Fiaker führte ihn gegen halb 12 Uhr abends nach seiner Wohnung. Seine Frau konnte höchstens seit zwei Stunden von seiner Befreiung wissen. Die Nacht war dunkel, und das Viertel, in welchem er wohnte, wenig belebt.

»Ich war glücklich, ohne Erregung von Aufsehen ruhig nach Hause zurückkehren zu können. Wie groß aber war mein Erstaunen, als ich hörte, wie etwa acht- bis zehntausend Menschen mich stürmisch begrüßten! Man hatte meine Tür besetzt, der Hof, die Treppen, das Zimmer – alles war angefüllt. – Ich wurde in die Arme meiner Gattin getragen. Mein Herz konnte alle die miteinander kämpfenden Empfindungen nicht fassen, meine Kniee wankten unter mir, ich fiel bewußtlos zu Boden. Meine Frau stieß einen durchdringenden Schrei aus, erbleichte und fiel in Ohnmacht. Unsere Freunde machten sich um uns zu schaffen; sie wußten nicht, ob unser schönster Lebensaugenblick nicht auch unser letzter sein würde. Nach einer langen Ohnmacht kam ich wieder zu mir. Ein Tränenstrom stürzte aus meinen Augen und endlich konnte ich, ohne zu sterben, sie an mein Herz drücken .... O, ihr beglückten Geschöpfe, denen der Himmel das seltene und verhängnisvolle Geschenk eines warm empfundenen Herzens gemacht, ihr, die ihr die Seligkeit der ersten Liebe kennen gelernt, ihr allein könnet mich verstehen, ihr allein könnet es würdigen, was es heißt, nach so unendlich langer Strafe den ersten Augenblick des Glückes zu genießen.

Während dessen nimmt die Menge zu. Man hört, daß meine Frau und ich dem Leben wiedergegeben sind. Neuer Beifall läßt sich vernehmen. Man ruft uns mit lauter Stimme. Unsere Freunde ziehen uns mit sich fort. Wie sollten mir uns dieser liebenswürdigen Gewalt widersetzen, wie uns gegen die Ausbrüche der Volksfreunde stemmen? Wir mußten die Beifallsbezeigungen und Segenswünsche einer Menge entgegennehmen, welche unser Glück hier versammelt hatte und ebenfalls beglückte. Gutes Volk! O, ganz gewiß mußtest Du die Freude teilen, mit der Du unser Herz erfüllt hattest. Der Triumph der Unschuld ist der Anfang der Glückseligkeit für ein Volk.«

Balsamo erzählt nun weiter, wie er am andern Morgen mit seinen Freunden und mit dem Teuersten, was sein Herz umschloß, mit seiner Gattin, vereint in seinem Zimmer sich der neuen Freiheit erfreute. Man jauchzte, umarmte einander und war in trunkenem Anschauen des lang entbehrten Meisters versunken. Freudentränen rannen über die Wangen und die süßesten Schmeicheleien wurden ausgetauscht. Da tritt ein Unbekannter in das Zimmer, und zwar, ohne anzuklopfen. Er lächelt bestialisch und sein Gesicht verkündet Unheil: »Im Namen des Königs!« sagt er und zieht dabei ein Papier aus der Brusttasche, das er Cagliostro überreicht. Es enthält den Befehl, daß Cagliostro innerhalb vierundzwanzig Stunden Paris und innerhalb drei Wochen das Königreich auf Nimmerwiederkehr zu verlassen habe.

Er beschreibt den Eindruck nicht, den dieser Befehl auf das Publikum machte. Allein er meint, derselbe müsse ein gewaltiger gewesen sein, denn in hellen Haufen sei man vor sein Haus gezogen, um ihn noch einmal von Angesicht zu sehen. »Ich kann wohl sagen, daß mein persönliches Unglück ganz die Bedeutung einer allgemeinen Kalamität zu haben schien!« bemerkt er am Schlusse sehr bescheiden.

Was nun an all dem Schwulst und Bombast wirklich wahr ist, das ist heut nicht mehr zu ermitteln; dafür bürgt uns der bloße Name Cagliostros. Daß bei dem ungeheuren Aufsehen, das der Prozeß gemacht hat, sich eine Menge Nichtstuer ansammelten, um ihn anzustarren, das erscheint gerade nicht unglaublich. Allein es beruht auf Irrtum oder richtiger, auf frechster Entstellung, wenn er behauptet, alle diese Leute seien nur aus Liebe und Verehrung für ihn gekommen. – Der Halsbandprozeß hatte die Reihen seiner Anhänger stark gelichtet, zudem hätte die Polizei eine derartige Massenversammlung sicherlich überhaupt nicht geduldet. Nachweislich ist die unverschämte Lüge hinsichtlich der Wirkung, die sein Verbannungsdekret hinterlassen haben soll. – Dasselbe wurde streng geheim gehalten, mithin wußte man überhaupt in Paris nichts davon, und mithin konnte auch niemand kommen, um ihn zu sehen. Humoristisch wirkt unwillkürlich auch auf den Leser die Zärtlichkeit, mit welcher dieser Gauner von seiner Gemahlin spricht, die ihm tatsächlich nicht mehr war, als eine Einnahmequelle.

Doch sei dem, wie ihm wolle, es blieb Cagliostro nichts übrig, als dem Befehle des Königs Folge zu leisten, und so verließ er Paris und ging nach Passy, wohin ihm seine Gemahlin nachfolgte. Am 13. Juni 1786 begab er sich dann nach Saint Denis, wo ihn seine Frau und seine Freunde erwarteten, nahm von den letzteren tiefbewegt Abschied und fuhr dann nach seiner Angabe zwischen zwei Menschenspalieren, die das tiefste Schweigen beobachteten, quer durch die Stadt nach Boulogna, wo er sich nach England einschiffte. An der Meeresküste hatte sich abermals eine unzählige Menschenmenge eingefunden, die ihn segnete und ihm für die vielen Wohltaten dankte, die er ihren Brüdern erwiesen!!

»Die Winde entführten mich weit von ihnen, ich hörte sie nicht mehr, aber ich sah sie noch auf den Knieen liegen mit zum Himmel erhobenen Händen. Ich aber segnete sie und rief ihnen ein Mal über das andere zu, so daß sie mich hörten: »Franzosen! Adieu, meine Kinder! Adieu, mein Vaterland!««

Cagliostro kam nunmehr in London an. – Hier hatte ihm das Glück nie besonders geblüht, er sollte auch diesmal keine sonderliche Freude an seinem Aufenthalte erleben. – Zunächst begann er nach alter Methode, und zwar mußte diesmal vor allem die Freimaurerei herhalten. – Bald gelang es ihm denn auch, wieder einige vornehme Gimpel an sich zu ketten und auszubeuten, unter denen besonders Lord Gordon seiner besonderen Leichtgläubigkeit und Gutmütigkeit wegen genannt zu werden verdient.

Allein noch kochte in ihm Wut und Rachsucht und ließen ihm vorderhand noch keine Ruhe bei diesen Geschäften. Er mußte noch mit der französischen Regierung abrechnen und tat dies in seinem Sendschreiben an die französische Nation, welche Schrift verschollen zu sein scheint. Marcellus behauptet, sie sei in sehr aufrührerischem Tone abgefaßt worden. – Cagliostro soll die bevorstehende Revolution geweissagt haben. Er erzählt in prophetischem Tone, daß die Bastille niedergerissen und in eine Promenade verwandelt werden würde. Ein Fürst werde dann in Frankreich an die Regierung gelangen, der die lettres de cachet abschaffen und die Generalstaaten einberufen werde, um die wahre Religion wieder einzusetzen. Aehnliches hatte er schon in seiner gegen Chenon und Launay gerichteten Anklageschrift behauptet, und wirklich sollte er nur zu schnell die Erfüllung alles dessen erleben, was er geweissagt hatte. – Die Bastille wurde gestürmt und Marquis de Launay von dem entmenschten Pöbel zerrissen. – Cagliostro scheute sich später nicht, seiner Genugtuung über den entsetzlichen Tod seines Feindes Ausdruck zu geben.

Erst jetzt, nachdem er sich seinen Groll vom Herzen geschrieben hatte und wieder frei aufatmen konnte, wollte er sich energisch seinem Geschäfte widmen, allein wer hätte gedacht, daß sich ihm ganz plötzlich ein sehr gefährlicher Gegner gegenüberstellen würde, der von dem festen Willen beseelt war, ihm seine Betrügereien ein für alle Male zu legen. Dieser Mann hieß Moraud und war der Redakteur einer in französischer Sprache in London erscheinenden Zeitung, des Courier de l'Europe. – Einstens, als die französische Regierung über den Verbleib der Diamanten in London Nachforschungen anstellen ließ, hatte sie ihre Agenten auch an diesen Moraud gewiesen, und so war er von dem damals gegen den Grafen Cagliostro bestehenden Verdacht unterrichtet. Jetzt nun, da der Graf Cagliostro höchstselbst in London war, beschloß er, ihm scharf auf die Finger zu sehen und sich ein wenig näher mit dieser rätselhaften Persönlichkeit zu beschäftigen. Es gelang ihm denn auch durch eifrige Nachforschungen die Identität des Grafen Cagliostro mit dem Maler Balsamo und dem späteren Magier und Lotterie-Wahrsager festzustellen. – Doppelter Grund, diesen Herrn scharf zu beobachten, und siehe, es dauerte auch gar nicht lange, da bemerkte Moraud, daß Cagliostro im Begriffe stehe, verschiedene höher stehende Persönlichkeiten gehörig zu prellen. Er ging nunmehr zu ihm, dem Anschein nach, um ihn kennen zu lernen und sich einige Daten aus seinem Leben zu erbitten, in Wirklichkeit, um ihn einem sehr eingehenden Verhör zu unterziehen. Cagliostro benahm sich gegen ihn grob, wie ein Flegel – ja, er hielt es nicht einmal für nötig, in Gegenwart des Journalisten den Hut abzunehmen – er befolgte dabei seine erprobte Methode, einfach alles, was Moraud ihm über sein Vorleben sagte und was tatsächlich durchaus richtig und begründet war, kurz und grob als Lüge und Verleumdung zu bezeichnen, überhaupt benahm er sich so hochfahrend und übermütig, daß der Redakteur empört von ihm schied. – Dennoch begann derselbe seinen Vernichtungskrieg gegen Cagliostro noch nicht. Erst als ein anderes Londoner Blatt gegen den » Courier de l'Europe« wegen einer früheren Bemerkung, Balsamo gebe an, von dem Fürsten von Trapezunt abzustammen, eine bissige Kritik brachte, beschloß Moraud, nunmehr auf das energischste vorzugehen.

So erschienen denn in jenen Tagen im Courier de l'Europe eine Reihe von Artikeln gegen Cagliostro, deren jeder völlig geeignet war, ihm durch die Schärfe und die Bissigkeit des Tones die Haare zu Berge steigen zu machen! Er wurde als Charlatan entlarvt und ganz unbarmherzig mitgenommen, auch Enthüllungen unliebsamster Art über sein Vorleben wurden gemacht, und das ungeheure Aufsehen, das die Sache machte, wurde noch gesteigert dadurch, daß Cagliostro, statt klein beizugeben und einen Hauptskandal, der doch nur zu seinen Ungunsten ausfallen konnte, zu vermeiden, im Gegenteil den Journalisten noch reizte und herausforderte.

Wir wissen bereits, daß es unserm Freunde auf einige großsprecherische Lügen und Prahlereien mehr oder weniger nicht ankommt; das sind Kleinigkeiten, die so mit durchgehen, aber gingen sie eben nicht durch, sondern er wurde gründlichst festgenagelt. Er behauptete unter anderm, er sei im Stande, ganz London mit Meerwasser bis zur Tageshelle zu erleuchten, und werde schon in der nächsten Zeit an die Ausführung dieser Sache gehen. Die Sache sei ganz einfach und werde der Stadtverwaltung eine Ersparnis von 50 000 Pfund Sterling eintragen, indem er in der Lage sei, Meerwasser in Oel zu verwandeln.

Ein anderes Mal rühmte er sich ganz öffentlich vor einer Anzahl gebildeter Leute, er sei im Stande, ein Schwein in solcher Weise an den Genuß von Arsenik zu gewöhnen, daß es dadurch vollständig mit Arsenik versetzt sei. Zum Belege für diese Angabe erzählte er folgende Geschichte: Da die Ungläubigen von Medina, wo er seine Jugend verlebt habe, an seine Kunst nicht glauben wollten, so schlachtete er ein auf die gedachte Manier gemästetes Schwein und ließ einzelne Teile desselben in den angrenzenden Wäldern niederlegen. Am folgenden Tage fand man die betreffenden Gegenden mit Leichnamen von Löwen, Tigern, Leoparden, Wölfen und anderen wilden Bestien, mit denen die Wälder von Medina angefüllt sind, förmlich besät. Sie hatten von dem vergifteten Köder gefressen und waren auf der Stelle verendet. Diejenigen Leute, die bisher auf Cagliostro's Ruhm mit Neid und Mißgunst geblickt hatten, verehrten ihn von nun an als großen Meister, und niemandem fiel es ein, an ihm zu zweifeln.

Das war natürlich wie geschaffen für Morauds Zwecke. Cagliostro wurde wegen dieser Lügen aufs äußerste lächerlich gemacht und in der ganzen imposanten Größe seiner Charlatanerie an den Pranger gestellt. Cagliostro war außer sich vor Wut und geriet so aus der Fassung, daß er einen groben Fehler beging, indem er im »Advertiser« durch die Feder seines Freundes Goudon eine giftige Polemik anknüpfte und Moraud in einem offenen Briefe folgende Wette antrug:

»Ich lade Sie,« schrieb er, »am 9. November 9 Uhr morgens zu einem Frühstück ein. Sie sollen dazu den Wein und die anderen Zutaten liefern; ich dagegen werde eine Schüssel nach meiner Manier offerieren. Dies wird nämlich ein kleines Schwein sein, das auf meine Weise gemästet worden ist. Zwei Stunden vor der Mahlzeit werde ich es Ihnen lebend zeigen, und zwar fett und gesund. Sie sollen es dann töten und es zubereiten, und ich werde mich dann auch nicht einen einzigen Augenblick demselben nähern, bis man es bei Tische servieren wird. Sie selbst sollen es dann in zwei Stücke schneiden, davon dasjenige wählen, welches Ihnen als das appetitlichste erscheint und mir dasjenige auslegen, welches Sie für gut halten. Am anderen Tag wird Ihnen eine von folgenden vier Eventualitäten passiert sein. Entweder werden wir beide zugleich tot sein, oder aber weder der eine, noch der andere, oder aber ich werde tot sein und Sie nicht, oder endlich Sie und ich nicht. Von diesen vier Möglichkeiten schenke ich Ihnen drei und wette mit Ihnen 5000 Guineen, daß Sie am Tage darauf eine Leiche sein werden, während ich mich ganz wohlauf befinden werde. Sie werden mir gestehen, daß man schwerlich besser spielen könnte und daß Sie notgedrungen meine Wette annehmen müssen oder erklären, daß Sie ein Dummkopf sind und daß Sie in leichtfertiger und täppischer Weise über eine Tatsache sich lustig gemacht haben, die über Ihr Denkvermögen ging.« Und so ganz nebenbei schleuderte er noch gegen Moraud die gemeine Denunziation, daß er, Moraud, ihn nur darum anfeinde, weil man ihm nicht genügend Geld für sein Wohlwollen angeboten habe.

Moraud stellte als Gegenbedingung, die Szene müsse an einem öffentlichen Ort spielen, zu dem Jedermann Zutritt hatte. Da er sich nicht dadurch gemein machen wolle, sich mit einem Menschen wie Cagliostro zusammen zu Tische zu setzen, so möge sich Cagliostro statt seiner ein fleischfressendes Tier zum Tischgenossen erwählen. Im übrigen wolle er, sobald er die Garantie besitze, daß die Summe in der Tat disponibel und bei verläßlichen Personen deponiert sei, die Wette annehmen.

Natürlich nahm nun Cagliostro seinerseits diese so lieblich veränderten Bedingungen nicht an, sondern schrieb im Public Advertiser einen zweiten Brief, in welchem er hämisch erklärte, er wolle Moraud, nicht seine Stellvertreter bekämpfen; wenn er also nicht sich selbst stellen möge, so könne die Wette nicht zum Austrag kommen.

Indessen brachte der Courier Enthüllung über Enthüllung über Cagliostros Leben, denn sein Feind Moraud war unermüdlich in Recherchen, von denen die eine immer noch erstaunlichere Resultate ergab, als die andere. – Cagliostro war aufs äußerste kompromittiert, denn die Mitteilungen trugen durchaus den Stempel der Wahrheit, auch war nicht ersichtlich, warum er Moraud nicht der Verleumdung anklagte, falls sie erlogen gewesen. – Natürlich tat unser Freund dies nicht, er griff vielmehr, wie er immer in solcher Lage zu tun pflegte, zur Feder und schrieb als Entgegnung seinen »Brief an die englische Nation«, in welchem er die Angaben Morauds zu widerlegen sucht, und zwar auf die ihm ureigentümliche Weise, daß er einfach alles für Lüge erklärt oder aber als Zeugen für seine Angaben längst verstorbene oder doch weit entfernte Persönlichkeiten nennt. – Mitunter ergeht er sich auch in Phrasen und leeren Redensarten. Auf den wohlgegründeten Vorwurf Morauds, daß er sich bald für einen preußischen Obersten, bald für einen spanischen Kapitän, bald für einen Marquis, bald für einen Grafen ausgab, erklärte er, er wolle nicht leugnen, daß er solches tue. Er sei allerdings weder der eine noch der andere. »Ob meine wahrhafte Eigenschaft höher oder niedriger ist, als die, welche ich mir beigelegt habe, wird das Publikum vielleicht dereinst erfahren. Währenddessen kann es mich nicht tadeln, weil ich das getan, was alle Reisenden tun, nämlich solche, die ihr Incognito wahren wollen.« Mit solchem mysteriösen Unsinn, hinter dem natürlich wieder die königliche Abkunft spukt, will er sich loswickeln und dem Publikum Sand in die Augen streuen. Auch die Vorgänge vom Jahre 1772 in London und Paris, seine Abenteuer mit Herrn Duplesir, die Flucht seiner Frau und deren Festsetzung in St. Pélagie, die er unter seinem damaligen Namen Balsamo veranlaßt hat, leugnete er auf eine diesbezügliche Enthüllung des Courier de l'Europe ganz frech mit der Aufforderung, man könne ja die Pariser Polizeiregister nachsehen; er habe sich niemals Balsamo genannt und kenne auch nicht die Abenteuer dieses Menschen. Wenn seine Unterschrift, wie man behauptet, mit den Schriftzügen jenes Balsamo identische Züge aufweise, so müsse man die letzteren wohl in perfider Absicht gefälscht haben; die Pariser Polizei, die überhaupt auf ihn einen Groll habe, suche ihn jedenfalls auch jetzt noch in London zu verderben, indem sie solche Intriguen anstifte und Leute dinge, die sie zur Ausführung brächten u. s. w.

Die Berichte des Courier de l'Europe aber waren zu schlagend, als daß man sie mit Phrasen und Lügen hätte aus der Welt schaffen können, auch sind die Engländer ein viel zu ruhiges, nüchternes Volk, als daß sie sich die nüchterne Kritik hätten umnebeln lassen – genug, Cagliostro verliert durch diese vernichtenden Veröffentlichungen den Boden unter den Füßen, und da er nur allzu viel Grund zu der Annahme hat, daß er wegen dieser Dinge wieder mit den Behörden in unliebsame Berührung kommen könnte, wovor er seit seinem Aufenthalt in der Bastille allen Respekt hat, so machte er sich Hals über Kopf aus dem Staube. – Er ging nun in aller Eile nach der Schweiz. Seine Gattin, die er in London zurücklassen mußte, da er nicht mehr die nötigen Reisevorkehrungen treffen konnte, wurde ihm durch einen der wenigen ihm treu gebliebenen Freunde in Basel wieder zugeführt.

In Basel blieb Cagliostro einige Zeit, da er hier noch von seiner Straßburgerzeit her einige Bekanntschaften besaß, welche er kann auch sofort zur Gründung einer Loge und zum Beginn seiner Experimente à la Mitau benutzte. – Durch die Heilung einer hysterischen Frau erwarb er sich einen großen Ruf und zahlreiche Kundschaft, allein auch hier sollte ihm eine große Unannehmlichkeit widerfahren. Er geriet nämlich mit seiner zärtlich geliebten Gattin in Streit, prügelte sie durch und Lorenza, die über solche Mißhandlungen empört war, lief zum ersten besten Logenbruder und erklärte ihm fauchend vor Wut, er sei ein Narr und sie alle seien Narren, daß sie sich von einem solchen Betrüger, wie ihrem Manne, an der Nase herumziehen ließen. – Allgemeines Staunen, allgemeiner Unmut bei allen Anhängern. – Cagliostro machte sich abermals aus dem Staube und ging nunmehr nach Biel, wo er seinen Handel mit Wundermitteln aufnahm.

Daß übrigens etwas faul im Staate Dänemark und nicht mehr alles beim alten sei, geht recht deutlich daraus hervor, daß er hier in Biel nicht mehr den hochherzigen Menschenfreund spielte, sondern aus seiner Kunst ein Gewerbe machte und Bezahlung forderte. Dreimal wöchentlich vormittags empfing er Besuche und es kamen noch immer durchschnittlich fünfzig Personen, noch eine recht erträgliche Praxis – zu ihm.

Cagliostro hatte, nachtragend, wie er war, seiner teuren Lorenza den Streich, den sie ihm in Basel gespielt hatte, noch nicht vergessen, und er brauchte die Gunst, in welcher er bei den Bieler Stadtbehörden stand, dazu, sie wieder einmal die volle Wucht seines Zornes fühlen zu lassen. Ein Pantoffelheld war er eben nicht. Er zwang sein Weib, vor der Stadtbehörde in Biel alles, was sie zu Basel gesagt hatte, zurückzunehmen und als erlogen zu bezeichnen. Das betreffende Protokoll schickte er dann nach Basel und in dem Glauben, daß er nun vollständig von dem auf ihm lastenden Verdachte gereinigt sei, kehrte er selbst nach Basel zurück.

Zu dieser Zeit trat ihm Lavater näher, der stets mit halbem Glauben an ihm gehangen hatte. Wir nahmen schon einmal Gelegenheit, einige Zeilen von Lavater über ihn anzuführen, wir lassen hier noch eine Briefstelle folgen, welche deutlich beweist, wie Lavater in den Banden dieses Gauners gefangen lag. Er schreibt:

»Wahrheit bleibt Wahrheit, wie sehr sie auch vom Modegeiste, dem es nie um Wahrheit, sondern nur um sich selbst zu tun ist, angegrinst werde – ich sage, Wahrheit ists immer, daß er unter anderm meines Freundes Frau auf meine Veranlassung hin mit unsäglicher Müh und Treu von einer unheilbaren Krankheit, die man gesehen haben muß, um sich einen Begriff davon zu machen, geheilt hat.«

Cagliostro verließ Basel und trieb sich in den nächsten Monaten ziellos und ruhelos in Aix, Turin, Genua und Verona umher. Kaum war er in Turin angelangt, als ihm dort ein Verbannungsbefehl ereilte. Ein gleiches Schicksal widerfuhr ihm auch in Roverado und Wien. In Roverado kam fast unmittelbar, nachdem er die Stadt verlassen hatte, eine kleine Schrift heraus: » liber memorialis de Cagleostro, dum esset Roborati« betitelt, in welcher Cagliostro mit äußerster Bissigkeit verhöhnt und verspottet wird. – Man sieht, wir kommen langsam zum letzten Akt seines Lebensdramas; es geht bergab, denn man hat ihn erkannt und der Heiligenschein, der bisher in den Augen der Menschen sein geweihtes Haupt umgab, ist im Verlöschen begriffen. – Ueber seinen Aufenthalt in Roverado besitzen wir einen ausführlichen Brief, der von allergrößtem Interesse ist, da er uns sehr deutlich auseinandersetzt, wie Cagliostro in jenen Tagen über seine letzten Erlebnisse selber dachte und sprach, und wie sein Betragen, sein Auftreten sich gestaltet hatte.

Männer und Weiber aus allen Ständen und aus allen benachbarten Gegenden kamen, aber freilich aus verschiedenen Absichten, den Wundermann zu sehen. Der Vormittag gehörte den Kranken, der Abend den Vorwitzigen. Ich war unter den letzteren. Madame Cagliostro saß auf dem Sopha, le comte stand auf der Seite oder in der Mitte, und rund umher saßen und standen die Besucher. Herrliche Szenen hat mir dieses komisch-tragische Schauspiel drei Abende durch gewährt. Sie lassen sich nicht ganz beschreiben. Aber wäre ich doch ein Chodowiecki gewesen, ich hatte sie abgezeichnet. Daß Menschen einem Marktschreier anhangen, daß es der Toren allerorten so viele giebt, und daß eben diese einem Charlatan das Leben so leicht machen, ist sehr begreiflich. Aber einem so groben Charlatan anhangen, anhangen einem Betrüger, dem schon so oft die Larve herabgerissen wurde, der schon so ein alter Betrüger ist, dieses ist schwer zu begreifen, dies gereicht unserem Jahrhundert zu nicht geringer Schande und ist ein Beweis, daß die Zahl der Unwissenden, der Schwärmenden und Leichtgläubigen noch immer die größte ist und die Unwissenheit, Schwärmerei und Leichtgläubigkeit einen sehr hohen Grad erreichen kann. Ich hörte ihn die größten Sottisen, die unverschämtesten Lügen und unerträgliches Eigenlob nacheinander hersagen, und ich sah zugleich, daß dieses viele seiner Enthusiasten noch mehr für ihn einnahm. Ich sah sogar, daß es sehr unklug, sehr gefährlich würde gewesen sein, manchen von diesen nur in etwas bei so auffallenden Dingen aufmerksam machen zu wollen. Und er siegt, mag er auch nur der flachste Menschenkenner sein, mag er auch nur die gemeinsten Listen und Kunstgriffe gebrauchen, mag es ihm auch an wahren Kenntnissen, an Feinheit, an Welt und an äußerlichen Vorzügen noch so sehr mangeln. Es widersprach ihm auch niemand. Nur ein einziges Mal geschah dieses und hier geriet er auch in die sichtbarste Verlegenheit. Es war die Rede von seinem Aufenthalt in der Schweiz, da, wo er sich ein prächtiges Landgut kaufte und wo, wie er sagte, die Excellenzas von Bern die Impertinenz besaßen, ihm ein Diner zu geben, das mehrere Stunden dauerte. Er erzählte dann, daß er, um wenigstens mit einem kleinen Teile seiner Kenntnisse der Menschheit nützlich und seinen Freunden dankbar zu sein, den Schweizern vorgeschlagen habe, das viele Gold, Silber und die Menge Edelsteine, welche unter den Eisbergen verborgen liegen müßten, aufzusuchen, und um die Eisberge wegzubringen, sie mit Essig und Salpeter zu beschießen, wo sie dann ganz zerschmelzen und die Schätze der Erde offen lassen würden. Hier rissen seine Verehrer Augen, Mund und Ohren auf und beklagten die Torheit der Excellenzas von Bern nicht wenig, daß sie einen so wichtigen Vorschlag nicht annahmen, sondern ihm rieten, sich nur mit Heilkunde abzugeben. Nur einer unterbrach die lange Pause und sagte dem großen Manne in aller Demut, ihn nehme es nicht Wunder, daß die Schweizer seinen Vorschlag nicht ausführen wollten, weil sie sgefürchtet haben würden, durch die Zerschmelzung der Eisberge könne die ganze Schweiz überschwemmt werden. – Diesen Zweifel erwartete der große Mann nicht, wandte den Kopf hin und her und brachte lange nichts, als ein verdrießliches non, non, non hervor, gleichsam als wolle er das geschmolzene Eis bitten, ihm diesen Streich nicht zu spielen. Endlich glaubte er dadurch wieder alles gut zu machen, daß er versicherte, die Schweiz habe eben so viele Flüsse, Seen und Kanäle, in welche sich das viele Eiswasser sogleich verteilen würde. Als ihm aber dieser geantwortet hatte, daß er die Schweiz sehr wohl kenne und daß alle diese Seen und Kanäle für einen so großen, so jähen und so hohen Wassersturz wenig nützen würden und daß alles zu Grunde gehen müßte, wußte er sich nicht mehr zu helfen und rief ein lautes » ah non!« und fing an, von seinen Kranken zu sprechen.

Geld soll er von seinen Kranken nicht angenommen haben, manchem soll er sogar Geld geschenkt haben. Aber wie stehts mit seinem Reichtum? Er lebte sehr einfach, Madame war schlecht angezogen; er selbst sagte, seitdem er in der Bastille bestohlen worden, nicht nur an Geld, sondern auch an erstaunlich kostbaren Schriften, könne er so groß nicht mehr leben, wie er in Paris gelebt habe. Er spielt sehr gern mit seinen Brillantringen und Madame zeigt mit vieler Zudringlichkeit eine schöne, mit Brillanten besetzte, mit ihrem Portrait verzierte Tabatière – etwas, was Leute, die das alles und noch mehr leicht haben können, nicht gern tun – und der so allgemein verbreitete Ruf, Cagliostro habe aus Amsterdam einen Wechsel von 20 000 Florins an den Wechsler, Herrn Covelli, in Roverado ausgestellt bekommen, ist eine derbe Lüge.

Ich glaube, wenn ich die Nachricht von der Frau von der Recke schon gekannt und ihrer Erwähnung getan hätte, er würde auch auf diese Vorwürfe die gewöhnliche Antwort gegeben haben, daß das alles nicht wahr, nur von seinen Feinden erdichtet worden sei, daß der Graf Cagliostro, er, der weit mehr als ein Graf ist, der jede Stunde mit einer neuen Wohltat bezeichnet, dessen Verdienste nur zur Hälfte bekannt sind, der niemand braucht, aber den alle brauchen können, der der Kaiserin von Rußland selbst, als sie ihm die Hand zum Kusse bot, die Hand nicht küßte, weil sie doch nur ein Frauenzimmer sei; der keine Partei sucht, die sogar ausschlägt, die sich ihm anbieten, sowie er den Antrag Mesmers und anderer Magnetisirer, mit ihnen gemeinschaftlich Sache zu machen, ausschlug, und ihnen antwortete, er wolle mit Betrügern nichts zu tun haben: – – – daß, sage ich, der Graf Cagliostro es weit unter seiner Würde halte, Verleumdungen anders als mit stiller Verachtung und philosophischer Gelassenheit zu widerlegen. Als er von Wien den Befehl bekam, sich mit der Heilung von Kranken nicht mehr abzugeben, außer er ließe sich vom Collegio medico prüfen und approbieren, so fand er sich gar sehr beleidigt und faßte augenblicklich den Entschluß, abzureisen. Er kam nach Trient, führte da sein Geschäft fort, versicherte zwar, daß er nicht lange dableiben wolle, weil kleine Städte nicht für große Männer gemacht seien, schenkt aber, wie ich glaube, noch immer dieser kleinen Stadt seine beglückende Gegenwart. Ich wette aber darauf, es wird die Zeit kommen, wo er mit Schande beladen seine Rolle ausspielen wird.

Dies prophetische Wort sollte schneller in Erfüllung gehen, als der Schreiber jenes Briefes sich träumen lassen mochte. Balsamos Stern verblich mehr und mehr, und bald sollte er für immer in Nacht verschwinden. Tröste Dich, lieber Leser, es kommt der letzte Akt eines irrenden, ruhelosen Gaunerlebens. – Die Totenglocken haben die Begleitung.

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