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Oscar Adolf Hermann Schmitz: Melusine - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorOscar A. H. Schmitz
titleMelusine
publisherGeorg Müller Verlag A.-G.
year1928
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080130
projectid3d62c82f
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An den Leser

Dieses Werk kann nicht anders als unvollkommen sein. Vollkommene Kunstwerke werden erst wieder möglich sein, wenn der Künstler von neuem in einer sicheren Weltanschauung wurzelt, deren Gehalt er nicht selbst zu entwickeln braucht, sondern bei dem Leser als bekannt und anerkannt voraussetzen darf. Davon ist heute in dieser größten Wendezeit seit der ausgehenden Antike nicht die Rede. Ein Werk zählt schon mit, wenn es sich bemüht, den Sinn bewußt zu machen, der durch all das Zeitchaos hindurch nach Ausdruck und Gestalt ringt. Falls man diesem Buch nichts anderes als solches Verdienst zuerkennen wollte, würde sich der Verfasser reichlich für seine Mühe belohnt fühlen.

Vorbemerkung

Das Land Harringen wird der Leser vergeblich auf der Karte suchen. Trotzdem muß ich ihm zumuten, während des Verlaufs dieser Erzählung an die Wirklichkeit dieses Landes zu glauben. Mit Vergnügen wird er sagen, das ist offenbar eine phantastische Geschichte. Nein, das ist es nicht, und darin liegt die Zumutung an den Leser, daß die Handlung innerhalb unserer bekannten europäischen Welt spielt und doch zum großen Teil in einem erfundenen Lande.

Wer von dieser Einleitung noch nicht genug hat, der lasse sich über das Land Harringen folgendermaßen belehren: es ist zwischen Österreich und Bayern gelegen und hat ungefähr die Größe eines dieser beiden Länder. Wie diese ragt es im Süden in die Alpen hinein. Gen Norden dacht sich eine Hochebene ab, auf der die Hauptstadt Rolfsburg mit etwa einer halben Million Einwohner liegt. Die Bevölkerung ist wie in Österreich und Bayern bajuwarisch. Die Herzöge von Harringen, die Rolfinger, gehörten zur Zeit Napoleons dem Rheinbund an und wurden gleich den Wittelsbachern bei dieser Gelegenheit zu Königen gemacht. 1871 trat Harringen nicht dem Deutschen Reiche bei, sondern nahm eine ähnliche Stellung ein wie Luxemburg. Trotzdem teilte es die Schicksale seiner beide Nachbarvölker im Weltkriege und während der Revolution, durch die das Haus Rolfingen den Thron verlor. Der Anschluß an Deutschland, den nun manche Kreise wünschten, wurde dem Lande, ebenso wie Österreich, durch den Vertrag von Versailles fürs erste unmöglich gemacht.

Nun wird der Leser fragen, warum es nötig war, das Land Harringen zu erfinden, wo doch unser Herrgott dem Romanschriftsteller Osterreich und Bayern als frei verfügbare Schauplätze hingelegt hat. Der Grund ist der, daß nach 1918 Harringen seine eigenen Wege ging und eben diese schildert zum Teil dieser Roman, in dem, wie gesagt, im übrigen unsere deutsche, ja die europäische Welt so vorausgesetzt wird, wie sie heute ist.


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