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Hoffmann von Fallersleben: Meiner Ida - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
authorHoffmann von Fallersleben
titleMeiner Ida
senderclaudiahake@web.de
created20030919
firstpub1849
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Hoffmann von Fallersleben

Meiner Ida.

Geb. 11. April 1831 zu Bothfeld.

28. October 1849 vermählt zu Braunschweig mit Hoffmann von Fallersleben.

28. October 1860 gestorben zu Corvey.

Heidelieder.

Bothfeld 1849.

1.

Du Mädchen von der Heide
In Deinem dunklen Haar,
In Deinem blauen Kleide
So schön, so wunderbar!

Ich möcht' am Wege stehen
Als Glockenblümelein,
Dich fröhlich wandeln sehen
Im Thau und Sonnenschein!

Ich möcht' als Falter leben
In Wiese, Feld und Hag,
Ich möchte Dich umschweben
Den langen Sommertag!

Ich möcht' als Vogel fliegen
Um Dich wohin Du gehst;
Auf Zweig und Ast mich wiegen
Da wo Du Stille stehst!

Du Mädchen von der Heide,
Du kannst wohl fröhlich sein,
Und ich in meinem Leide,
Ich wandle hier allein.

2.

Wie purpurschimmernd blühet
Das junge Heidekraut!
Schön wie die Wange glühet
Am Hochzeitstag der Braut.

Rings Oed' und tiefes Schweigen,
Kein Menschenlaut erschallt,
Und weiße Wolken steigen
Empor vom Föhrenwald.

Fern an des Waldes Saume
Da treibt der Hirtenknab',
Und ich hier unterm Baume
Seh' still die Heid' hinab.

Von Heideblumen wänd' ich
Ein frisches Kränzlein gern –
O fänd' ich Dich, o fänd' ich!
Du bist für mich zu fern.

3.

Und der Winter war vergangen,
Und der Sommer ging herum,
Und es zog mich heiß Verlangen
Nach der Heimath wiederum.

Doch es trieb kein Hirt zur Weide
Seine Heerd' am Waldessaum,
Denn sie theilten sich die Heide,
Jeden Strauch und jeden Baum.

Ja, so haben sie's getrieben:
Alles wurde Wied' und Feld.
Eins war übrig mir geblieben,
Und das Schönste von der Welt.

Sei gegrüßt Du von der Heide,
Mädchen Du im dunklen Haar,
Du in Deinem blauen Kleide,
Mein für heut' und immerdar!

4.

So viel der Mai auch Blümlein beut
Zu Trost und Augenweide,
Ich weiß nur eins das mich erfreut:
Das Blümlein auf der Heide!

Ich seh' vergrünen und verblüh'n
Die Welt im Frühlingskleide,
Du aber bleibst mein Immergrün,
Du Blümlein auf der Heide!

Kein Winter kann, o Blümelein,
Dir je was thun zu Leide –
Ich schloß Dich in mein Herz hinein,
Du Blümlein auf der Heide!

Der 7. August 1849.

Fallersleben.

1.

Ja, Du bist mein!

Ja, Du bist mein!
Ich will's dem blauen Himmel sagen,
Ich will's der dunkeln Nacht vertrau'n,
Ich will's als frohe Botschaft tragen
Auf Bergeshöh'n, durch Heid' und Au'n.
Die ganze Welt soll Zeuge sein:
Ja, Du bist mein!
Und ewig mein!
Ja, Du bist mein!

In meinem Herzen sollst Du leben,
Sollst haben was sein Liebstes ist,
Du sollst von Lieb' und Luft umgeben
Ganz fühlen, daß Du glücklich bist.
Schließ mich in Deine Arme ein!
Ja, Du bist mein!
Und ewig mein!

2.

Endlich hab' ich Dich gefunden.

Endlich hab' ich Dich gefunden
Nach so manchem bangen Gang,
Und der Liebe süße Stunden
Grüß' ich nun mit Sang und Klang.

Endlich ist der Schmerz verbunden,
Der die Hoffnung fast verschlang,
Und so muß mein Herz gefunden,
Seit es sich sein Glück errang.

Ja, Du bist mit mir verbunden,
Treu mit mir mein Lebelang:
Wieder hab' ich mich gefunden,
Seit ich endlich Dich errang.

Ja, Du bist mit mir verbunden!
Sei gegrüßt mit Sang und Klang!
Endlich hab' ich Dich gefunden,
Du mein Glück, mein Traum, mein Sang.

3.

Wenn die Lerche singt.

Wenn die Lerche singt, wenn das Veilchen sprießt,
Wenn der Gießbach sich in das Thal ergießt
Wenn im Frühthau die Knospen sich dehnen,
Dann erbebt in Bangen und Sehnen,
In Leib und in Lust
Mir das Herz in der Brust,
Und es möchte fliehn mit dem Sonnenstrahl
Ueber Berg und Thal,
Durch Wald und Feld
Hinaus in die weite unendliche Welt.

Und so war's in jedem Frühling:
Immer zog mein Herz hinaus,
Mit der alten Sehnsucht kam es
Immer wieder heim nach Haus.

Herz, wie bist du still geworden!
Was du sunhtest, wurde dein:
Ja, es ist dein erster Frühling,
Wo du nicht mehr bist allein.

Sei gegrüßt, du Frühlingssonne!
Neues Leben, neue Wonne!
Ich darf kein Fremdling hienieden mehr sein –
Die weite unendliche Welt ist mein!

Zum 11. April 1851.

Bingerbrück.

Wenn Dich mein Arm do fest umschlungen hält,
Ist mein die Welt, denn Du bist meine Welt.
Was mir entflohen schien, ich hab' es wieder:
Mein ist der Frühling, mein sind seine Lieder.

Vereint sind unsre Herzen, meins ist Deins,
Und jeder Blick sagt: Dein Geschick ist meins.
O möchte so uns jeder Tag verschwinden
Und auch der letzte so uns wiederfinden.

Neujahr 1852.

Neuwied.

Neues Jahr, du lehrst uns zwar,
Daß wir älter werden;
Dennoch freut uns immerdar,
Daß wir sind auf Erden.
Unser Herz ist frisch und jung,
Glücklich in Erinnerung;
Eins ist uns geblieben:
Unser treues Lieben.

Jahre mögen kommen dann,
Jahre mögen schwinden,
Jedes, jedes soll fortan
Uns in Liebe finden.
Unser Glück soll immer sein:
Ich bin Dein und Du bist mein!
Und so soll uns beiden
Einst der Tod nur scheiden.

Zum 11. April 1852.

Neuwied.

Neuer Frühling neues Leben,
Neues Leben auch für mich!
Denn der Himmel hat gegeben
Beides mir, er gab mir Dich.

Wenn ich d'rum Dich froh begrüße,
Heute Dich an diesem Tag,
Grüß' ich alles Lieb und Süße,
Was ich mir nur wünschen mag.

Ist mir dieses Tags beschieden
Manche frohe Wiederkehr,
Nun, so will ich mir hienieden
Wünschen auf der Welt nichts mehr.

Zum 30. Mai 1852.

Neuwied.

Kein König gab mir einen Orden,
Noch einen Titel oder Rang,
Und dennoch bin ich mehr geworden,
Als ich geahnt mein Leben lang.

Der Herr der Herren, Er da droben
Hat gnädig seines Knechts gedacht.
Mein Herz muß preisen Ihn und loben:
Er hat zum Vater mich gemacht.

Ida's Krankheit

Neuwied seit 20. Juni 1852.

1.

Alles scheidet, liebes Herz!

Melodie von Alexander Fesca: Rings umschlossen von Jasmin.

Alles scheidet, liebes Herz!
Aber Alles kehret wieder:
Auch die Freude läßt sich nieder
Wo noch eben weilt der Schmerz.
Fasse Muth! es kehrt Dein Glück,
Liebes Herz, auch Dir zurück!

Alles scheidet, liebes Herz!
Trost und Hoffnung will nicht scheiden.
Hoffe dann in Deinem Leiden,
Tröste Dich in Deinem Schmerz!
Trost und Hoffnung blieb auch Dir
Darum freue Dich mit mir!

Frühling ist es weit und breit.
Laß das Härmen, laß das Klagen!
Fasse Muth in dieden Tagen!
Freue Dich der Frühlingszeit!
Sing' auch Du mit frohem Schall,
Singe wie die Nachtigall!

2.

Siehe, der Frühling währet nicht lang.

Melodie von Alexander Fesca: Weit in der Ferne wandr' ich allein.

Siehe, der Frühling währet nicht lang:
Bald ist verhallt der Nachtigall sang.
Blühen noch heute Blumen im Feld,
Morgen ist öd' und traurig die Welt.
Aber der Liebe selige Lust
Ist dich des Wandels nimmer bewußt.

Alles auf Erden hat deine Zeit;
Frühling und Winter, Freuden und Leib,
Hoffen und Fürchten, Ruh'n und sich Müh'n,
Kommen und Scheiden, Welken unb Blüh'n.
Aber der Liebe selige Lust
Ist sich des Wandels nimmer bewußt.

Weil uns des Lebens Sonne noch scheint,
Wollen wir leben liebend vereint,
Wollen der Zukunft Wetter nicht scheu'n,
Wollen des Augenblicks uns erfreu'n!
Was auch des Himmels Fügung uns giebt,
Glücklich ist nur das Herz das da liebt!

3.

Könnt' ich wandeln durch die Sitten!

Melodie von Franz Schubert: Laue Lüfte, Blumendüfte.

Könnt' ich wandeln durch die Auen,
Blumen pflücken mir zum Strauß!
Könnt' ich von den Bergen schauen
Weit ins grüne Land hinaus!
Und Du gingst an meiner Seite
Heiter wie die Frühlingswelt,
Und Du gäbst mir das Geleite
Ueberall durch Wald und Feld! :,:

Frühling ist es schon gewesen,
Doch er stellt sich wieder ein:
Wärest Du, mein Lieb, genesen,
Müßt' es wieder Frühling sein;
Alle Blumen blühten wieder,
Alle blühten noch einmal,
Und der Vögel Jubellieder
Schallten über Berg und Thal.

Steig empor und laß Dein Bette!
Auf und rüste Dich zum Gang!
Jeder Weg und jede Stätte
Beut Dir Frohes zum Empfang.
Wenn sich Deine Augen freuen
An dem lichten Sonnenschein,
Wird sich schön die Welt erneuen,
Wird es Frühling für mich dein!

Zum 11. April 1853.

Neuwied.

Melodie: Wie schön leucht' uns der Morgenstern.

Wie lächelst du so froh mir zu!
O schöner Tag, wer ist wie du
So reich an Lieb' und Güte?
So hat kein Frühling mein gedacht,
Kein Frühling hat mir so gebracht
Der Freude volle Blüthe.
Erneut hat heut
Deine Sonne Freud' und Wonne
Meinem Herzen,
Das da lag in Leib und Schmerzen.

So sei gegrüßt viel tausendmal,
O Tag! mir bringt dein lichter Strahl
Zurück was ich verloren.
Du hast erhellet meine Nacht,
Mein Herz zur Freuden angefacht.
Ward die doch heut geboren,
Ja sie, Durch die
Meinem Leben Ward gegeben
Noch hienieden
Hoffnung, süße Ruh' und Frieden.

Maria's Tod.

(18. Februar 1853)

Neuwied.

Dein Leben war Ein Leiden,
Ein langes Weh und Ach,
Und als wir sahn Dich scheiden,
Da weinten wir Dir nach.

Du Knosp' in Engelsfrieden
Gehüllt so hoffnungsgrün,
Du solltest uns hienieden
Zur Blume nicht erblüh'n.

Du brachtest als Du kamest
Der Hoffnung selig Glück,
Und als Du Abschied nahmest,
Blieb uns der Schmerz zurück.

Heiligen Christabends 1853.

Neuwied.

Kein Christbaum wird ihr mehr beschieden,
Wo's noch geschah das vor'ge Jahr.
Sie schlummert schon in süßem Frieden,
Die unsre Freud' und Hoffnung war.

O laß uns nicht den Schmerz erneuen!
Nahm Gott uns wieder unser Kind,
Will er doch, daß wir auch uns freuen,
Weil wir noch seine Kinder sind.

Zum 11. April 1855.

Neuwied

Dein Geburtstag heute wieder,
Und der Frühling kommt zu mir,
Und das schönste aller Lieder
Säng' ich heute gerne Dir.

Fühl' ich mich doch neu geboren
Und des Lebens erst bewußt,
Seit mein Herz Dich hat erkoren
Zur Genossin meiner Lust.

Laß mich nur den Glückwunsch sagen
In des Glückes Ueberschwang:
Höre meines HerzensSchlagen!
Nimm die Freude für Gesang!

D'rum sei Dein Geburtstag wieder
Heute Dir, was mir er ist,
Denn das schönste meiner Lieder
Ist, daß Du geboren bist!

Nach Edward's Tode.

(26. Januar 1858)

Weimar. Mai 1858.

So viele Blumen blühen nun,
Mein Blümchen blüht nicht mehr;
Die Stätte, wo's noch neulich stand,
Die ist nun wieder leer.

Ich wandle durch die Blüthenwelt
Allein mit meinem Schmerz,
Und niemand kennt und theilet ihn
Als nur ein Mutterherz.

Was blickt ihr Blumen mich so an?
So hat mein Kind geblickt
Aus seinen blauen Aeuglein mir,
Noch eh's der Tod geknickt

O weinet um das Brüderlein
Ihr Blumen jetzt mit mir,
Denn euer Bruder war es ja,
So schön, so lieb wie ihr!

Zum 11. April 1859.

Weimar.

Du rosige Apfelblüthe,
Du blaues Vergißmeinnicht!
O daß Dich Gott behüte.
Eh' noch mein Auge bricht!

Wie aus dem Lenzgefilde
Blickt ein Vergißmeinnicht,
So blicket Lieb' und Milde
Aus Deinem Augenlicht.

Und wie die Apfelblüthe
Aus ihrer Knospe bricht,
So blühet Lieb' und Güte
Aus Deinem Angesicht.

O daß Dich Gott behüte,
Eh' noch mein Auge bricht!
Du meine Apfelblüthe,
Du mein Vergißmeinnicht!

Zum 11 April 1860.

Weimar.

Der schönste Wunsch auf diesem Erdenrund,
Den ich dem Himmel schon so oft that kund
Und den ich täglich heg' im Herzensgrund,
Ihn kündet heute Dir der Mund:
Sei heiter und
Sei bald gesund!

28. October 1860.

Tröste Dich in Deinem Leid,
Das Dir Gott beschieden!
Ist doch nur Vergänglichkeit
Unser Loos hienieden.

Eh' das Leben oft beginnt,
Ist es schon vergangen;
Mitten in dem Leben sind
Wir vom Tod umfangen.

Arm und Reich, und Alt und Jung,
Was sich liebt' und freute,
Hoffnung, Freud', Erinnerung
Wird des Todes Beute.

Tröste Dich, Du liebes Herz!
Groß ist Gottes Güte,
Groß und größer als Dein Schmerz –
Daß Dich Gott behüte!








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