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Meine welschen Ahnen

Felix Dahn: Meine welschen Ahnen - Kapitel 3
Quellenangabe
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typenarrative
authorFelix Dahn
titleMeine welschen Ahnen
publisherBreitkopf & Härtel
seriesGesammelte Werke. Erzählende und poetische Schriften
volumeZweite Serie: Band 5
correctorreuters@abc.de
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I.

Im Jahre 58 vor Christus diente in der zehnten Legion unter dem Prokonsul Cajus Julius Cäsar in Gallien der Centurio Marcus Manlius Gaudiosus: sein Geschlecht stammte aus den Bergen der Samniten. Als die meisten im römischen Lager vor den Germanen Ariovists bangten – die oft von ihm geschlagenen Gallier hatten sie ins Ungeheure ausgemalt! – erklärte der Feldherr, er werde mit der zehnten Legion allein zum Angriff ziehen. Das half: alle folgten. Der Markomannenkönig ward geschlagen: auf der von Cäsar selbst geführten schonungslosen Verfolgung – fünf Milien weit, bis an den Rhein – kam der Centurio dazu, wie ein numidischer Reiter zwei fliehende Frauen niederhieb: ihr Blut rötete die gelben suebischen Haarschweife: es waren die Frauen des Königs. Schon hob der Afrikaner das Schwert gegen ein junges Mädchen, das vor beiden lief: Gaudiosus sprang hinzu, hob den Schild über die Knieende und verscheuchte den Unhold. Er brachte die Gefangene – Ariobertha hieß sie und war des Königs Tochter – dem Feldherrn. Der belobte ihn. Viele Jahre später, auf dem Blachfeld bei Pharsalus, drohte Cäsar sein Glück zu verlassen: germanische Reiter – Sugambern – retteten ihm die wankende Schlacht: aber Sunno, ihr Führer, stürzte mit dem durchspeerten Roß: Gaudiosus trug ihn auf dem Rücken aus dem Gefecht: ein Pfeil, zwei Pfeile trafen ihn: er ließ nicht ab bis der Wunde gerettet war: Cäsar hatte es mit angesehen. Nach dem Frieden schickte er den Samniten mit ehrenvollem Abschied als Kolonisten nach Gallien, wo ihm ein ausreichend Gütlein, reich an köstlichen Reben, angewiesen ward – an dem herrlichen Rhone bei Arles. Nicht etwa bei Tarascon! Dieses bescheidene Besitztum, im Lauf der Zeiten gebessert und erweitert, blieb die wirtschaftliche Grundlage des Geschlechts durch die Jahrhunderte. Der Centurio, noch ein voll rüstiger Mann, nahm zum Weibe die Tochter seines keltischen Nachbars Lugótorix: Eponocea hieß sie, und war schön in ihren wie Feuer glühenden roten Haaren: daher vielleicht waren die Kinder und Enkel des ganz schwarzhaarigen und schwarzäugigen Samniten nicht auch schwarz, sondern braunlockig und grau in den Augen: »grün« meinten und meinen Abgünstige häufig! Auch ein um ein klein bißchen zu kurz geratenes Näslein, das vorn steil abfiel, und neugierig in die Welt guckte, hatte die schlanke Eponocea in das Geschlecht mit eingebracht: aber auch kleine Gliedmaßen und die Abneigung gegen alles Plumpe und Rohe an Leib und Seele.

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