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Meine Reise in den brasilianischen Tropen

Therese von Bayern: Meine Reise in den brasilianischen Tropen - Kapitel 21
Quellenangabe
authorTherese von Bayern
titleMeine Reise in den brasilianischen Tropen
publisher
printrun
editor
year2015
isbn9783956979101
firstpub
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Kapitel XIX.
Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro. Freitag; den 14. September.

Nun haben wir wieder für einige Tage unseren Hochsitz in Santa Thereza bezogen und unternehmen von da Ausflüge hinunter nach den interessanten Stadttheilen von Rio de Janeiro. Der Ausdruck »Ausflüge« ist keine Hyperbel, denn jede Fahrt nach der unteren Stadt und zurück kostet uns in Folge der grossen Entfernungen anderthalb Stunden; wenn wir also zweimal des Tages von unserem Hügel zu den Geschäftsstrassen herabsteigen, beziehungsweise fahren, gehen täglich volle drei Stunden nur für die nöthige Lokomotion verloren.

Unser Incognito, welches auf der Reise in Espirito Santo bis zur Rückkehr nach Victoria vollständig gelungen war, lässt sich aus dem früher Siehe weiter oben S. 255. angegebenen Grund hier nicht mehr aufrecht erhalten. So beeilten wir uns denn, noch gestern Nachmittag nach dem über eine Stunde entfernten Paço de São Christovão zu fahren, der vermeintlich dort befindlichen Kronprinzessin unsere Aufwartung zu machen. Doch die lange Fahrt war vergebens, die Kaisertochter hatte nach Rückkehr ihrer Eltern aus Europa wieder ihr eigenes Palais bezogen.

Der Paço de São Christovão, auch Quinta imperial da Boa Vista genannt, ist weit entfernt vom Centrum der Stadt, an dem Nordwestende der letzteren gelegen. Er befindet sich in einem Villen- und Gartenviertel, zu welchem ziemlich unbelebte, zum Theil mauerneingefasste Strassen führen. An einer dieser sich lang hinziehenden Strassenmauern lasen wir mehrfach »Löwenbräu« angeschrieben, was uns, weniger vom Gesichtspunkt der Mässigkeitsvereine aus betrachtet, denn als Zeichen der weiten Verbreitung heimischer Industrie, angenehm berührte. Die Kaiserliche Residenz selbst ist nicht so sehr ein Stadtpalast, als ein parkumgebenes Schloss auf etwas erhöhtem Terrain. Die der Stadt zugewendete, nicht üble Hauptfaçade schaut gegen Osten und wird durch eine Allee erreicht. Süd- und Westfront blicken nach den schönen Tijúcabergen, welche hinter einer palmengeschmückten Ebene in nächster Nähe aufragen. Eine hübsche, französische Gartenanlage baut sich aus tiefer gelegenem Grunde gegen die Südseite des Palastes herauf. Der äussere Schlossgarten entspricht englischem Geschmack. Schattige Fuss- und Fahrwege ziehen sich zwischen prächtigen Baumgruppen, zwischen Fieder- und Fächerpalmen hindurch. Brückenüberspannte Kanäle und Seen, auf welchen rothe Seerosen (Nymphea rubra) schwimmen, unterbrechen das üppige Grün, und einzelne mit dichten Bosquets bedeckte Inseln sind über die Wasserspiegel zerstreut. In einem abgelegeneren Theil des Parkes hat eine bescheidene Menagerie Platz gefunden, welche einheimische, wie ausländische Thiere in trautem Verein beherbergt. –

Palast von São Christovão

Die starke Bewölkung des gestrigen Tages, welche die Temperatur zu einer drückend heissen gestaltete, verschaffte uns während der Heimkehr von São Christovão und dem Aufstieg nach unserem Morro mit seiner gegendbeherrschenden Aussicht, den bezauberndsten Sonnenuntergang, den wir bisher in Brasilien gesehen. Die scheidende Sonne warf durch eine Wolkenspalte hindurch ihre verklärenden Strahlen auf die vor unseren Blicken hingebreitete Landschaft. Sämmtliche Berge der weltberühmten Bucht von Rio, angefangen von der nahen Tijúca bis hinüber zu den fernsten Höhenzügen jenseits des Wassers, waren in rosigen Duft getaucht, welcher sich zu immer glühenderem Roth steigerte, um dann allmählich in lila und violett zu verblassen. Eine unterhalb der rothglühenden Gebirgsketten in tiefblauen Schatten gehüllte Hügelreihe erhöhte nur noch den Reiz dieser unbeschreiblichen, wirklich feenhaften Abendbeleuchtung. –

Von Jivaro mumificirter Indianerkopf.

Der heutige Vormittag war ausschliesslich dem Besuche des Museu Nacional gewidmet. In der ethnographischen Abtheilung daselbst fanden wir unter Anderem Gegenstände aus Patagonien, Chili, Bolivien, Peru und Ecuador. Aus letzterem Lande besitzt das Museum einen jener Menschenköpfe, welche die Jivaro, durch Entfernung der Knochen, auf Faustgrösse reduciren und dann mittelst künstlicher Trocknung mumificiren. Von Peru sind vorhanden: ein prachtvoller Goldschmuck eines Inca, der sich durch Einfachheit in der Ausführung auszeichnet; grosse Graburnen, Leichen in kauernder Stellung, an denen noch die Haut erhalten ist, und endlich das Modell einer alten Stadt, deren Bauart vollständig an die bei den Puebloindianern Neumexikos noch heute übliche Bauart erinnert. Die Häuser einer solchen Stadt bestanden aus aufeinandergesetzten, würfelförmigen Räumen, von denen die oberen kleiner waren als die unteren und nur auf Söllerleitern erreicht werden konnten. In der Sammlung nichtbrasilianischer indianischer Objekte bemerkten wir ausserdem sehr fratzenhafte Götzen aus Thon und Capangas und Cacaius Siehe weiter oben S. 299 und 346., wie wir solche bei den Botokuden am Rio Doce gefunden hatten. Die brasilianischen Indianer sind gewerblich vertreten durch Erzeugnisse sowohl der wilden, wie der civilisirten Stämme. Man bekam in grossen Zügen einen Ueberblick über die Verbreitung der einzelnen Gegenstände. Der Federschmuck, welcher den Botokuden nahezu fehlt, ist namentlich bei den Indianerstämmen des Amazonasgebietes im Gebrauch. Aehnliches ist zu sagen von den Blaserohren, deren ursprüngliche Verbreitung sogar auf das Solimõesgebiet, Rio Negro mitinbegriffen, beschränkt zu sein scheint Ausserhalb Brasilien sind Blaserohre bei lndianerstämmen der an Nord- und Nordwestbrasilien angrenzenden Länder zu finden.. Köcher kommen an der Ostküste gar nicht vor, und solche, welche zur Verwahrung der langen, mit Bogen zu verschiessenden Pfeile dienen, sind überhaupt nicht häufig vorhanden. Ein im Museum befindlicher, von den Uaupé stammender konischer Köcher stimmt mit den Köchern der Uariquena oder Aricuna, welche Martius dem ethnographischen Museum in München einverleibt hat, auffallend überein. Ebenso stimmt derselbe mit den Köchern der Banibá und Cobeu, welche die ethnographische Sammlung in Wien besitzt. Es ist dies um so bemerkenswerther, als diese gleichen Köcher somit vier Indianerstämmen angehören, welche jetzt in viererlei Völkergruppen eingeordnet werden, und die Köcher also nicht zu den für die einzelnen grossen Indianergruppen charakteristischen Geräthen zählen können. Diese Köcher bestehen aus der Quere nach geflochtenen Palm blättern, die äusserlich, der Länge nach, von Blättern gleicher Art belegt sind. Letztere werden am unteren Ende durch eine pechüberstrichene Umschnürung aus Pflanzenfasern festgehalten, am oberen Ende durch Pflanzenfaserschnüre, welche mit Thierhaaren umwunden sind. Den obern Rand, die Oeffnung, umschliesst ein Streifen aus einer schwarzen Wurzelborke, welche mittelst Schnürchen fest angenäht ist. Noch seltener als Köcher trifft man bei den Indianern Brasiliens Schilde an, und dürfte sich der Gebrauch solcher Schutzwaffen, welche fast immer aus Thierhaut und nur manchmal aus Stroh verfertigt werden, auf wenig Stämme im oberen Amazonasthale beschränken. Um so zahlreicher sind im Museum die Pfeile vertreten. Es ist hier interessant, zu bemerken, dass unter den verschiedenen Formen von Pfeilspitzen, diejenigen aus Bambusmesser am verbreitetsten sind und sich bei den verschiedensten Indianergruppen wiederfinden. Es sind jene Pfeilspitzen, welche zum Krieg und zur Jagd auf grössere Thiere dienen. Auch die gezahnten Holzspitzen geniessen eine ziemliche Verbreitung und sind in allerhand Variationen vorhanden, grösser und kleiner, mit einseitiger und mit zweiseitiger Zahnung. An die Waffen reihen sich als Kriegstrophäen einige der höchst interessanten, durch die Mundurucú mumificirten Parintintinköpfe Siehe weiter oben S. 79.. Mandiocapressen, wie wir deren am Amazonas sahen, hat das Museum von verschiedenerlei Stämmen, ebenso klingende Stäbe, mit welchen die Tuschauás den Takt der Tanze angeben. An Halsketten aus Zähnen und Früchten, sowie an Perlstickereien, welche bei den Eingeborenen durch den Verkehr mit Europäern allgemein Eingang gefunden haben, ist die ethnographische Sammlung Rios sehr reich. Cuiás und Körbe zeigen eine weitverbreitete Industrie; Strohhüte bringen uns die bekannte Thätigkeit der civilisirteren Amazonasindianer in Erinnerung. An Pfeifen zum Rauchen ist namentlich eine sehr lange bemerkenswerth, welche am oberen Ende vier auseinanderlaufende Mundstücke hat. Handruder mit länglichem und solche mit kreisrundem Ruderblatt, letztere vom Amazonas stammend, ferner Ubás, d. h. Canoas aus Baumrinde, und etliche Canoamodelle repräsentiren die Flussschifffahrt der brasilianischen Indianer. Modelle von Hütten dienen dazu die primitive Wohnungsweise verschiedener Stämme anschaulich zu machen. Unter den botokudischen Gegenständen interessirten uns speziell die von uns an Ort und Stelle vergeblich gesuchten Botoques oder Lippenpflöcke und ferner ein grasumschnürtes Bündel Pfeilspitzen, sowie in Gras gewickeltes Salz, was beides wir in ungefähr gleicher Art in Mutum am Rio Doce gesehen hatten.

Statuen von Indianern in Lebensgrösse und vollem Schmuck, ebenso lebensgrosse Porträts von Eingeborenen vervollständigen das ethnographische Bild der Ureinwohner Brasiliens, welches das Museum zu geben bestimmt ist. Unter den Porträts sind namentlich solche von Botokuden vertreten. Wir fanden die photographische Reproduktion unserer Bekannten, der Nak-nanuk von Mutum. Doch da sie in höchst mangelhafter Kleidung und mit Holzscheiben in den Ohrläppchen wiedergegeben sind, müssen sie zur Zeit der Aufnahme entweder noch in wilderem Zustand gewesen sein als jetzt, oder sich zum Photographiren absichtlich so zurecht gemacht haben.

An die ethnographische schliesst sich die anthropologische Sammlung, welche ganze Skelette, namentlich aber viele Schädel enthält. Unter den Skeletten sind solche von Turiuárasindianem, unter den Schädeln besonders viele von Botokuden vorhanden. Künstlich deformirte Schädel, wie sich deren auch bei einzelnen brasilianischen Indianerstämmen vorfinden A. B. Meyer; Ueber künstlich deformirte Schädel S. 7 und Martius: Beiträge zur Ethnographie etc. I. 438 und ff., besitzt das Museum aber nur von Araucanern und von bolivianischen und peruanischen Indianern. An prähistorischen, in Brasilien gefundenen Schädeln, weist die anthropologische Sammlung vor Allem den berühmten Schädel von Lagoa Santa auf, dessen fossiler Charakter früher als sicher angenommen, in neuerer Zeit jedoch als zum mindesten sehr zweifelhaft angesehen wird. Ferner besitzt die Sammlung Schädel aus den Sambaquis von Santa Catharina, Paraná, und São Paulo. Diese Sambaquís, den Kjokkenmöddinger Dänemarks entsprechende, aus Conchylienschalen, Knochenresten und mitunter Topfscherben von Menschenhand aufgebaute Trümmerhaufen Die Bezeichnung Sambaqui kommt auch den natürlichen Muschelanhäufungen zu. – Neuestes über Sambaqui siehe in Globus LX1X S. 338 u. ff. Hermann Meyer: Muschelberge (Sambaki) und Urnenfelder bei Laguna (Brasilien). sind übrigens nicht auf den Süden Brasiliens beschränkt. Zwar ist ihr Vorkommen daselbst häufiger als im Norden, doch finden sie sich der ganzen Küste entlang bis zur Mündung des Amazonas und noch tagereisenweit an den Ufern des Riesenstromes hinauf. Speziell die den südbrasilianischen Sambaquís entstammenden Schädel zeigen einen sehr niedrigstehenden Typus, welcher bei den meisten demjenigen der Botokudenschädel, bei den übrigen demjenigen der Schädel der Pampeos und Araukaner nahe kommt. Diese Sambaquíschädel sind vorwiegend dolichocephal und mesocephal und namentlich sehr prognath Siehe die Maasse in Lacerda: O homem dos sambaquís (Archivos do Museu do Rio de Janeiro VI 186 e s.). – Lacerda: Nota sobre os crancos dos sambaquís de Santos (Boletim da Commissão Geographica e Geologica do Estado de S. Paulo No. 9. p. 90 e 91.) – Virchow; Crania ethnica americana S. 31 und Zeitschrift für Ethnologie IV S. 189. VI. S. 6 u. ff. – Siehe auch Peixoto: Novos estudos craniologicos sobre os Botocudos (Archivos etc. VI 241. 253 ). – Die zwei von Virchow beschriebenen, in Berlin befindlichen Schädel sind brachycephal, resp. nahezu brachycephal, unter den von Lacerda beschriebenen 17 Schädeln ist es nur ein einziger.. Neben ihnen und den oben genannten Schädeln von Botokuden, fällt einer einem Guaraný zugehöriger durch seine weit edleren Formen in die Augen.

Anreihend an die anthropologischen Ergebnisse der Sambaquiforschungen finden wir im Museum auch die kulturgeschichtlichen Resultate der letzteren, nämlich Steinwerkzeuge und keramische Gegenstände. Die Steingeräthe des Museums sind übrigens nicht alle den Sambaquis entnommen, sie stammen auch aus anderen Fundorten. Und sie sind nicht alle präcolumbisch, d. h. prähistorisch Für Brasilien ist präcolumbisch und prähistorisch gleichbedeutend, da dasselbe nicht, wie andere amerikanische Länder, eine über die Entdeckung Amerikas zurückreichende Geschichte hat., denn manches Stück haben brasilianische Indianerstämme der Gegenwart geliefert, welche ebensogut noch in der Steinzeit leben, wie einstens die Sambaquímenschen in dieser ältesten Kulturperiode gelebt haben. Da giebt es namentlich viel Steinbeile in verschiedenen Formen und aus verschiedenem Material, Dioritmesser, welche an die im alten Mexiko zu den Menschenopfern gebrauchten Messer aus Obsidian erinnern, Mörser und Mörserkeulen, Steinscheiben, Pfeilspitzen, zoomorphe Amulette und Anderes, endlich Tembetás oder Lippensteine, das heisst steinerne Lippenzierrathe, wie solche schon der prähistorische Mensch Brasiliens getragen und wie solche viele Stämme, namentlich Centralbrasiliens, noch gegenwärtig benutzen, um sich zu schmücken Ueber die brasilianischen Geräthe der Steinzeit, siehe Netto: Investigações sobre a archeologia brazileira (Archivos do Museu do Rio de Janeiro VI 478 e s.) Wiener: Estudos sobre os sambaquís do Sul do Brazil (Archivos etc. I 13 e s.) Hartt: Descripção dos objectos de pedra de origem indigena conservados no Museu Nacional (Archivos etc. I 45 e s.) F. Penna: Breve noticia sobre os sambaquís do Pará (Archivos etc. I p. 92). F. Pelina: Apontamentos sobre os Ceramios do Pará (Archivos etc. II. 53. 54). Netto: Apontamemo sobre os Tembetás da collecção archeologica do Museu Nacional (Archivos etc. II, 105 e s.) Löfgren: Os sambaquis de S. Paulo (Boletim da Commissão Geogr. e Geol. do Est. de S. Paulo No. 9 p, 26 e s)..

An keramischen Gegenständen lieferten die künstlichen Sambaquís fast nur Gefässtrümmer oder Gefässe sehr grober Arbeit. Neben diesen Töpferwaaren, die als Typus der südbrasilianischen, präcolumbischen Keramik gelten und eine niedere Kulturstufe verrathen, fallen die meisten derjenigen, welche am Amazonas gefunden worden sind, durch ihre grössere Formvollendung und namentlich durch ihre reiche Ornamentik in die Augen. Sie stammen aus Höhlen und aus künstlichen Erdhügeln, welch letzteren man eine ähnliche Entstehungsursache zuschreibt wie den Vliebergen Hollands F. Penna: Apontamentos sobre os Ceramios etc. (Archivos etc. II 61).. Diese Gegenstände zerfallen hauptsächlich in Igaçabas Igaçaba bedeutet ein henkelloses, für Flüssigkeiten bestimmtes, grosses Thongefäss. Es wird dieses Wort fälschlicherweise öfters zur Bezeichnung von Todtenurnen angewendet. oder Wasserkrüge, in Todtenurnen, Teller und Schüsseln. Einige sind bemalt, andere graviert, die meisten in Relief gearbeitet. Zoomorphe und anthropomorphe Motive herrschen an ihnen vor. Sie zeigen unläugbare Anklänge an die alte Keramik Uruguays, Argentiniens, Boliviens, Perus, Venezuelas, Centralamerikas, Mexicos und einiger Theile der Vereinigten Staaten von Nordamerika, und manche derselben werden zu den schönsten Erzeugnissen südamerikanischer Töpferkunst gerechnet. Welchem Volke oder welchen Völkern diese keramischen Objekte, die eine ziemlich hohe Kultur bezeugen, zuzuschreiben seien, war man viele Jahre hindurch im Zweifel. Allerhand Hypothesen wurden über diese Frage in die Welt gesetzt; Derby: Os povos antigos do Amazonas (Revista anthropologica brazileira p. 131) und Andere. erst den neuesten Forschungen und Entdeckungen blieb es vorbehalten, mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. Jetzt ist man dahin gelangt, als Verfertiger dieser kunstvollen Töpferwaaren fast mit Sicherheit die Nu-Aruak zu betrachten. Da aber, je nach dem Fundort, die Gegenstände etwas verschiedenen Charakter tragen, wird vermuthet, dass verschiedene Stämme der Nu-Aruakgruppe sich in die Ehre der Fabrikation theilen. An solchen Stämmen sind vorläufig zu nennen die auf der Insel Marajó nun ausgestorbenen Aruan Ladisláo Netto: Discurso inaugural da exposiçao anthropologica (Revista anthrop. braz. p. 78). – Pinto de Lima Guedes: Relatorio sobre uma missão ethnographica aos rios Maracá e Anauerá-Pucú (Boletim do Museu Paraense II 55. 58. 59). und die noch am Nordufer des Amazonas sitzenden Aruaquí Goeldi: O estado actual dos conhecimentos sobre os indios do Brazil, especialemente sobre os Indios da foz do Amazonas no passado e no presente (A Provincia do Pará XXI 19 de Dezembro 1896)..

Neben der anthropologischen und prähistorischen Abtheilung hat im Museum die paläontologische ihren Platz erhalten. Hier finden sich Fucoiditen aus dem brasilianischen Silur, verschiedene Petrefacten aus dem Devon des Amazonasthales, ebensolche aus der Steinkohlenzeit, welch letztere nach den bisherigen Forschungen nur in Südbrasilien Kohlenflöze führt. Das mesolithische Zeitalter ist in Brasilien sehr einseitig vertreten. Die Triasablagerungen sind noch fraglich, oder zum mindesten wenig durchforscht und der Jura fehlt, wenigstens in Ostbrasilien, ganz Die von Cope (Proceedings of the American Philosophical Society at Philadelphia XXIII p. 1 u. 2) erwähnten jurassischen Fische Ostbrasiliens dürften sich als zur Kreide gehörig herausstellen.; um so grössere Verbreitung hat die Kreide, von welcher zahlreiche Versteinerungen im Museum aufgestellt sind. Aus der Tertiärzeit endlich machen sich nur etliche eocäne Fossilien bemerkbar. Mehr als alles Uebrige fesselte uns jedoch in der paläontologischen Sammlung das Stereosternum tumidum Cope, welches das Museum in einem Exemplar besitzt, dem der Kopf fehlt, das aber ausserdem sehr deutlich erhalten ist. Dieses Stereosternum, in welchem wir ein eidechsenähnliches Thier vor uns haben, gehört der Fauna der Steinkohlen- oder der Dyasformation an. Es ist bisher nur in wenig Exemplaren und einzig in der Provinz São Paulo gefunden worden. Ihm zunächst steht der Mesosaurus tenuidens Gervais aus Südafrika, mit welchem es wahrscheinlich zu einer Gattung zu vereinen ist. Der Direktor der paläontologischen Abtheilung des Museums, Professor Orville A. Derby, an den wir durch einen deutschen Paläontologen empfohlen waren und der uns auf zuvorkommende Weise durch die Sammlung geleitete, versprach, in Anbetracht des von uns bekundeten Interesses, uns ein in São Paulo) befindliches Exemplar dieses seltenen Sauriers gelegentlich nach Europa nachzusenden Dieses Exemplar (siehe Abbildung nebenan), welches aus Itapetinga stammt, ist eingetroffen und bildet jetzt eine der Zierden der paläontologischen Staatssammlung in München..

Die mineralogische Sammlung des Museums, welche wir nun betraten, kann in brasilianischen Mineralien gegen die Sammlung der Bergbauschule in Ouro-Preto nicht aufkommen. Wir bemerkten vorzüglich Diamanten, diamantführenden Detritus, Gold, grosse Topase, bei Rio de Janeiro gefundene Berylle und anderes mehr.

Die botanische Abtheilung des Museums gab uns in ihren getrockneten Pflanzen und Pflanzentheilen manchen Aufschluss über das auf den Campos, im Urwald oder am Meeresufer bisher Gesehene. Ich erwähne nur die hauptsächlich in den Tropen vorkommenden Loranthaceen oder Mistelgewächse, an denen Brasilien weit über hundert Arten besitzt, ferner riesige Palmblätter, Farnkräuter, Algen und Lichenen.

Stereosternum tumidum. Das von Professor Derby der Verfasserin geschenkte Exemplar.

In der zoologischen Sammlung endlich suchten wir ebenfalls manche der hier zu Lande vorkommenden Thiere auf, die wir entweder selbst beobachtet, oder von welchen wir gehört hatten. Die an Arten armen Säugethiere Brasiliens, unter welch letzteren die Ovinen und Equiden vollkommen fehlen, sind im Ganzen ziemlich erschöpfend vorhanden. So sind auch die merkwürdigen Peixe bois oder Fischochsen, diese pflanzenfressenden Seesäugethiere, welche in den Seen und Flüssen Nordbrasiliens durch zwei Arten (Manatus americanus Desm. und Manatus inunguis Natt.) vertreten sind Goeldi: Os mammiferos do Brasil. 119 es. – Pelzelu: Brasilische Säugethiere. S. 9 u. ff., wenigstens in einer Species hier zur Aufstellung gelangt. Hingegen ist gerade die für Brasilien charakteristische Familie der Echimyidae oder Schrotmäuse A. B. Meyer in seiner Uebersetzung von Wallace (Die geographische Verbreitung der Thiere I 174, II 27. 269) giebt den Echimyidae auf deutsch den Namen Schrotmäuse. im Museum nur sehr mangelhaft repräsentirt. Der überaus grosse Vogelreichthum Brasiliens, der sich in mindestens 1680 Arten dokumentirt, hat keine nur annähernd vollständige Vertretung gefunden. Zum Beispiel an Raubvögeln ist Brasilien besonders reich, doch besitzt das Museum kaum mehr als die Hälfte der etwa 92 brasilianischen Arten. Ein ähnliches Verhältniss findet gegenüber den 76 Arten von Papageien statt, welche sich innerhalb der brasilianischen Grenze aufhalten. An Kolibris, in denen Brasilien, was Reichthum betrifft, von den westlichen Nachbarländern überflügelt wird, hat die zoologische Sammlung etwa 76 Brasilien bewohnende Species aufgestellt.

Von der ornithologischen Abtheilung, welche uns zu Studien auf die Dauer vieler Wochen veranlassen könnte, wenden wir uns zu den reichlich vertretenen Reptilien. Hier fallen uns vor Allem riesige Meerschildkröten auf, welche die von uns im Amazonasgebiet gesehenen Podocnemis expansa Schw. um das Dreifache an Grösse übertreffen müssen. Unter den nun folgenden Amphibien erregen wegen ihres gewaltigen Umfanges die Agas (Bufo marinus L.) unsere besondere Aufmerksamkeit. Es sind dies in Brasilien gemeine Kröten, welche eine Länge von 23 cm erreichen und somit zu den grössten aller Froschlurche gehören Nach einigen Quellen ist der Ochsenfrosch (Rana catesbiana Shaw) der grösste sämmtlicher Froschlurche, nach anderen der Bufo marinus L.. In der ichthyologischen Abtheilung, die eine ziemliche Ausdehnung hat, ist es namentlich der 2 m lange, die Gewässer bei Pará bevölkernde Zitteraal (Gymnotus electricus L.), welcher uns interessirt. Er gehört einer, der neotropischen Region eigentümlichen Familie an. Die entomologische Sammlung des Museums endlich besitzt eine prachtvolle Zusammenstellung von Lepidopteren. Aber auch andere Insekten sind vertreten, was bei dem ausserordentlichen Reichthum, namentlich Artenreichthum Brasiliens an Kerbthieren ganz selbstverständlich ist. –

Die Nachmittagsstunden des heutigen Tages, der regnerisch und erfrischend kühl war, benutzten wir zu Streifereien in der Stadt. Da war zunächst der Passeio Publico zu besehen, der älteste öffentliche Garten von Rio de Janeiro. Artocarpus, Latanien und Ravenalen beschatten seine Wege, Araucarien und Pandanaceen stehen im Dickicht, und Bäche, die sich zu kleinen Seen erweitern, durchziehen malerisch das üppige Grün, Ein prachtvoller, himmelblau und hochgelber Arara (Ara ararauna L.) sitzt auf einem Ast, muntere Cutiás (Dasyprocta) springen unter den Büschen hindurch, und grünschnäbelige Rallen, die unter den verschiedenen grünschnäbeligen Ralliden etwa Limnopardalus nigricans Vieill. sein könnten, laufen scheu am Boden umher. Gegen das Meer zu schliesst den Garten eine Marmorterrasse ab. Die Wellen verrauschen leise an deren Fuss, und ein sinnbestrickender Blick bietet sich von ihr auf die in Licht getauchte Bai und namentlich auf die grossartige felsenbewachte Einfahrt.

Von dem Passeio, welcher schon über hundert Jahre besteht, fuhren wir längs der Praia de Santa Luzia nach dem Necroterio, der Morgue. Dieselbe ist durch ihren gothischen Styl bemerkenswerth und interessirte uns besonders wegen der in ihrem Garten stehenden Kinder der australischen Flora, nämlich etlicher Keulenbäume (Casuarinaceae). Der erneute Besuch des Vogelmarktes und einiger Verkaufsläden beschloss das inhaltsreiche Tagesprogramm.

Der Erfolg der Ladenbesuche war das Einkaufen von Federblumen und von verschiedenen ethnographischen Gegenständen. Das Verfertigen der wirklich künstlerischen Blumen aus Kolibrifedern, welches durch Nichtindianer geschieht, ist wohl auf eine bei den Indianern Brasiliens seit Jahrhunderten eingebürgerte Federnindustrie zurückzuführen. Doch haben die brasilianischen Indianer in dieser Kunstfertigkeit nie eine solche Vollkommenheit erreicht, wie die mexikanischen, welche durch Aneinanderfügung verschiedenfarbiger Federn ganze Bilder herzustellen verstehen. Ausser Federblumen erwarben wir einen kranzartigen Kopfputz aus Ararafedern Siehe, rückwärts Tafel III No. 5., welcher jedenfalls von Indianern des Rio Negrogebietes stammt, und zwar nach Angabe der Verkäufer, von den Crichaná. Ferner wurde gekauft: ein Halsschmuck aus Affenzähnen, von Indianern, welche am Alto Purús hausen; ein Kamm Siehe Tafel III No. 3. mit Zähnen aus Inajápalmholz und kunstvoller Fadenumwicklung, welcher aus dem Amazonasgebiet herrührt, woselbst an kammbenutzenden Stämmen bekannt sind, die Uaupé, die Tecuna, die am Japurá sesshaften Jurí, die am Xingú und Araguaya befindlichen, wie die drei vorgenannten zu den nicht klassifizirbaren Stämmen gehörigen Karaya, die zur Panogruppe gezählten Caripuná des Madeira und endlich die am oberen Xingú anzutreffenden Bakaïri aus der Gruppe der Karaiben; ein Köcher Siehe rückwärts Tafel II No. 6. aus dem Gebiete des Amazonas, entsprechend dem im Museum befindlichen, welcher den Uaupé zugeschrieben wird; eine Keule Siehe Tafel II No. 7. aus hartem Holz, eine der häufigsten Kriegswaffen der brasilianischen Indianer, und zwar eine aus dem Amazonasgebiet stammende, 1,28 m lange und auf beiden Seiten gekielte Keule von gestreckter Form; endlich eine Art Klapperstab Siehe Tafel II No. 9. bestimmt, den Tuchauás zum Leiten der Tänze zu dienen. Dieser Stab ist aus hartem Holz und aus einem Stück gefertigt, gegen oben zu an einer Stelle erweitert und hohl; in letzterwähnter Höhlung sind durch Erhitzen und vorübergehendes Ausdehnen des Holzes Kieselsteine eingefügt worden, welche beim Bewegen des Stockes den gewünschten Lärm hervorzubringen haben.

Indianisches Basthemd aus dem Amazonasgebiet. (ca. 1/7 nat. Grösse.) Im Besitz der Verfasserin.

*

Aus Brasilien nach München zurückgekehrt liess ich mir aus derselben Handlung noch folgende ethnographische Gegenstände zusenden:

a) Eine grosse, bauchige Panella (Topf, Gefäss) mir weiter Oeffnung; auf weissem Grunde durch dunkelbraune, strichförmige Zeichnung ornamentirt. Dieselbe soll von den Tecuna der Provinz Matto Grosso stammen, was jedenfalls eine theilweise irrige Angabe ist. Die Panella muss, da die Tecuna nur im Gebiet des oberen Solimões und in Nordostperú angetroffen werden, entweder von den Tecuna oder aus Matto Grosso stammen; beides ist nicht vereinbar. Da nun aber die Tecuna als keine ungeschickten Töpfer gelten, steht der Annahme, dass sie die Verfertiger dieser Panella sind, nichts im Wege, und wird wohl die Bezeichnung »Matto Grosso« die falsche sein.

b) Ein langes, enges Basthemd, im Schnitt der Tipoias der Moxoindianer von Bolivien, mit Schlitzen für Kopf und Arme; braungelb mit braunen und schwarzen Punkten, Strichen und dreieckigen Flächen bemalt oder bedruckt. Es soll von den Ipurina am Alto Purús eingetauscht worden sein, was mir jedoch fraglich erscheint, da Ehrenreich in seinem eingehenden Bericht über diesen Stamm Ehrenreich: Beiträge zur Völkerkunde Brasiliens (Veröffentlichungen aus dem Museum für Völkerkunde zu Berlin II S. 58 u. ff.). kein derartiges Kleidungsstück anführt. Martius erwähnt solche Basthemden von den Tecuna, von den Caripuná im oberen Madeiragebiet und von den Miranha, welche zwischen Içá und Japurá wohnen und diese Hemden in den Handel bringen. Das ethnographische Museum in Wien schliesslich besitzt ein solches Hemd von den Jivaro aus Ecuador, welches genau mit dem von mir erworbenen übereinstimmt.

*

Rio de Janeiro. Samstag, den 15. September.

Heute begaben wir uns schon frühzeitig auf den Weg, den im Südwesten der Stadt gelegenen botanischen Garten aufzusuchen. Wir gelangten vom Largo da Lapa ab in Stadttheile, welche uns bisher unbekannt geblieben waren. An dem ehemaligen Karmeliterkloster, welches keine Fenster auf die Strasse hat, an der hochgelegenen achteckigen Igreja da Gloria do Outeiro, einer der beliebtesten Kirchen Rios, an dem unansehnlichen Auswärtigen Amt und verschiedenen villen- und palastartigen Privatgebäuden vorbei, fuhren wir immer südwärts bis zur Praia de Botafogo. Hier bot sich uns wieder ein neues, reizendes Bild der von Hügeln und Bergen umrahmten blauen Fluthen der Bai von Rio. Die an der Praia beginnende und nach Westen verlaufende Rua dos Voluntarios, der wir nun folgten, versetzte uns ganz nach Portugal. Der Strasse entlang ziehen sich nämlich gartenumgebene Villen, deren Aussenmauern mit ziemlich bunten Azulejos überkleidet sind. Die Farbenwirkung dieser Fliesen ist eine kalte, aber die Häuser machen durch dieselben wenigstens den Eindruck, sauber zu sein. An Stelle der sonst im Lande gebräuchlichen Aufziehefenster sind zweiflügelige Fenster angebracht, welche von weissen Ornamenten eingefasst werden.

Die Gavea.

Je weiter wir nach Westen kamen, desto hübscher wurde unser Weg. Zur Rechten erhob sich der steile, fast überhängende Corcovado, zur Linken stiegen zwei grüne Anhöhen, der Morro de São João und der Morro da Saudade, oder Sehnsuchtshügel in die Höhe. Nachdem die letzten Häuser der Stadt hinter uns geblieben waren, lief unsere Strasse dem Nordufer der blauschimmernden Lagôa Rodrigo de Freitas entlang. Uns gegenüber, nach Westen schlossen die Steilhänge der Gavea und anderer Berge den Horizont ab. Sie sind alle dicht mit Vegetation überwachsen und wirken um so imposanter, da keine Vorberge ihren Fuss umlagern. Endlich, nach etwa einer Stunde Fahrt und Zurücklegung von mindestens zehn oder elf Kilometer, hatten wir den berühmten Jardim Botanico erreicht. Eine grossartige Allee himmelanstrebender Königspalmen (Oreodoxa oleracea Mart.) Diese Palmen tragen auf Deutsch den Namen »Westindische Kohlpalmen«, doch da der Regent, spätere König Dom João von Portugal, die erste in Brasilien eingeführte eigenhändig gepflanzt hat, werden sie in Brasilien allgemein Palmeiras reaes. d. h. Königspalmen genannt. (Siebe Barbosa Rodrigues: Hortus fluminensis p. XXV.) Es ist letzteres ein sonst für die Oreodoxa regia Humb. Bonpl. et Kth. gebräuchlicher Name. führte uns mitten hinein in diesen wunderbaren Garten, der, selbst; in den Tropen gelegen, herrliche Pflanzen auch anderer tropischer Länder mühelos auf seinen Gründen vereinigt. Unzählige klein- und grossblättrige Bambusaceen drängen sich zu graziösen Dickichten zusammen. Ich nenne von diesen hier nur die durch ihre feinen, lichtgrauen Blätter auffallende Guadua pallescens Doell) In mein Herbarium gesammelt., welche ihren Standort in Rios Umgegend hat. Mangueiras (Mangifera indica L.), diese in Brasilien vielfach verbreiteten indischen Bäume mit ihrem dunklen Laub und ihren knorrigen Stämmen, bilden einen schattigen Lustgang, Einzelne Palmen und malerische Palmengruppen, aus den verschiedensten Arten zusammengesetzt, erheben sich auf den Rasenplätzen. Mehrere Pandanusspecies, von denen eine, besonders deutlich auf Luftwurzeln reitende, gerade die einzige war, weiche Früchte trug, recken ihre lineallanzettlichen, spiralig gestellten Blätter steif in die Lüfte hinaus. Die gefiederten Wedel der Cycadeen breiten sich nach allen Seiten. Und in den Teichen, welche in träumerischer Ruhe unter überhängendem Laubgewinde verborgen liegen, führen langblättrige Pontederiaceen ihr stilles Dasein.

Bambusgruppen im botanischen Garten.

Die Umgebung des ausgedehnten Botanischen Gartens, der nahe, von tropischer Vegetation bekleidete Berghintergrund, stimmen zum Ganzen, und so ist durch Kunst und Natur ein harmonisches Vegetationsbild geschaffen, wie man es reizender nicht sobald mehr finden wird.

Auf dem Rückweg vom Jardim Botanico besuchten wir im Botafogostadttheil das Hospicio Dom Pedro II, die mustergiltige Irrenanstalt. Sie ist an der Praia da Saudade, dem Sehnsuchtsstrande gelegen, ein eigenthümliches Zusammentreffen, denn wohl manche ihrer unglücklichen Insassen mögen sich in Sehnsucht verzehren nach der vielleicht auf immer verlorenen Freiheit. Ein schönes Treppenhaus und weite, luftige Gänge vermitteln den Verkehr im Innern der Anstalt. Die Wohnräume sind hoch und gut ventilirt, haben grosse Thüren und grosse Fenster. Auch die Zimmer, welche die Tobsüchtigen aufnehmen, sind gross und schön. Ueberall ist Parkett gelegt, und sogar das nöthige Gitterwerk entspricht dem Schönheitssinn. Neben den vielen Privatzimmern für Kranke erster und zweiter Klasse giebt es allgemeine Schlafsäle mit sehr reinlichen Betten. Grosse Speisesäle, eine schöne Küche, Speisekammer, Apotheke, Kirche, ein grosser Raum, in welchem die von Irren verfertigten Arbeiten aufbewahrt werden, ein umfangreicher Garten und im Hof ein Platz für diejenigen Kranken, welche Wunsch nach Bewegung haben, tragen den übrigen Bedürfnissen der Anstalt Rechnung. Sauber und wohlgepflegt wie die Räume, sehen auch die Kranken aus. Das Hospicio birgt in seinen Mauern über 300 dieser Aermsten unter den Armen, von denen diejenigen dritter Klasse unentgeltlich aufgenommen werden. Zur Zeit unseres Besuches war die Mehrzahl der Irren ruhig, nur einige wenige sprachen und lärmten; die meisten wurden uns als unheilbar bezeichnet. Die Pflege der Kranken ist Schwestern des heiligen Vincenz von Paul anvertraut, eine Einrichtung, die mich doppelt interessirte, da man bei uns manche Vorurtheile gegen die Verwendung solcher in Irrenhäusern hegt Hier geht es vortrefflich, und durften wir unter Führung der Oberin in der Männerabtheilung sogar diejenige der unruhigen Kranken betreten. Auf meine vorher gemachte Einwendung, ob dies wohl auch anginge, entgegnete die Oberin, dass, wenn eine Barmherzige Schwester begleite, niemals etwas zu besorgen sei. Und wirklich: vor der Hoheit des geistlichen Gewandes traten alle Irren ehrfurchtsvoll zurück und manche liessen sich sogar zu einem Grusse herbei. Die meisten Schwestern sind Französinnen, doch fehlt unter ihnen auch eine Deutsche nicht, wie unter den Patienten sich gleichfalls einige Landsleute von uns befinden. Mit wahrhafter Befriedigung verliessen wir diese Musteranstalt, welche Alles hinter sich lässt, was wir an ähnlichen Anstalten in Deutschland gesehen. –

Der Nachmittag führte uns an das entgegengesetzte Ende von Rio nach dem Paço de São Christovão, um den Majestäten aufzuwarten. Jeden Samstag begeben sich Kaiser und Kaiserin von Petropolis in die Stadt, woselbst von fünf bis sieben Uhr Audienzen ertheilt werden, zu denen ein Jeder Zutritt hat, der Vornehme, wie der Mann aus dem Volke. Hierauf arbeitet der Kaiser bis tief in die Nacht hinein mit den Ministern, jede einzelne Angelegenheit aufmerksam prüfend und besprechend. Dies ist die Tageseintheilung zur Zeit der Kammersitzungen. Zu anderen Zeiten findet der Ministerrath unter Vorsitz des Kaisers von 10 Uhr Morgens an statt.

Wir betraten zum ersten Male den Palast. In demselben stehen keine Posten, nur braune und schwarze Lakaien in grüner Livree bewegen sich auf Treppen und Gängen herum. Durch eine ganze Flucht von ziemlich dunkel gehaltenen Salons, welche eine für brasilianische Verhältnisse hübsche Einrichtung mit gediegenen Stoffen zeigen, gelangten wir schliesslich zu den Majestäten. Der Empfang war einfach und herzlich wie immer.

Die allgemein verehrte Kaiserin ist zwar nicht majestätisch in ihrem Aeusseren, da sie klein von Gestalt, sie entbehrt jedoch keineswegs einer auf Seelenadel gegründeten Vornehmheit und gewinnt alle Herzen durch ihre wahrhaft rührende Güte und Wohlthätigkeit. Der Kaiser, ein auffallend grosser Mann von imponirender Haltung, schönen, vornehmen Zügen und einem unbeschreiblichen Ausdruck von Wohlwollen in den blauen Augen, ist eine wahrhaft fürstlich hoheitsvolle Erscheinung, sowohl ehrfurchtgebietend, wie vertrauenerweckend. Sein liebenswürdiges, leutseliges Wesen und seine stets anregende Unterhaltung haben etwas ungemein Fesselndes. Sein nimmer ermüdendes Interesse für das Wohl seines Volkes äussert sich bei jeder Gelegenheit und verdient die vollste Hochachtung. Mag der Kaiser in seiner langen Regierungszeit auch manchen politischen Fehler begangen haben – solche werden wohl keinem Herrscher erspart bleiben – so viel steht fest, dass, dank seiner geschickten und weisen Politik, Brasilien, welches bis zu seinem Regierungsantritt durch Revolutionen und Bürgerkriege zerrüttet und in seiner Existenz bedroht war, nun seit 40 Jahren die nothwendige innere Ruhe geniesst, und diese Zeit als eine Zeit allgemeinen Fortschrittes und grossen finanziellen Aufschwunges bezeichnet werden kann. Allen Bedürfnissen seines Landes bringt der Kaiser reges Verständniss und warme Theilnahme entgegen. Doch in richtiger Erkenntniss der Sachlage, gilt seine Hauptfürsorge der Hebung des öffentlichen Unterrichtes und der Verbreitung allgemeiner Bildung. Zu Gunsten der Gründung von Schulen, aber auch zu Gunsten des Baues von Landstrassen und der Unterstützung der Einwanderung, wies der hochherzige Monarch sowohl den ihm vorgeschlagenen Bau eines wahrlich nicht überflüssigen neuen kaiserlichen Palastes, wie die ihm zugedachte Errichtung eines Monumentes zurück. Der Kaiser ist äusserst vielseitig und seit seiner frühesten Jugend rastlos thätig, sogar auf Kosten des Schlafes und der nöthigen Ruhe nach den Mahlzeiten. Sowohl Musik, wie bildende Kunst und Literatur sind in den Kreis seiner Interessen gezogen. Seine besondere Vorliebe gilt aber den Wissenschaften und unter diesen vor allem den Naturwissenschaften und der Philologie. Von ersteren pflegt er namentlich die Astronomie; so befindet sich auf dem Dach seines Palastes eine eigene Sternwarte, in welcher er seinen diesbezüglichen Studien obliegt. Was die Philologie betrifft, ist zu sagen, dass der hohe Herr nicht weniger als vierzehn Sprachen beherrscht, und zwar z. B. das Hebräische in einer Weise, dass er die schwierigste einschlägige Litteratur in das Lateinische zu übertragen im Stande ist Siehe über die einen Chacham (= Rabbiner) beschämenden hebräischen Sprachkenntnisse des Kaisers in »Th. von Bayer*: Reiseeindrücke und Skizzen aus Russland« S. 501.; drei weitere Sprachen sind ihm geläufig genug, um aus denselben übersetzen zu können. Mit Männern der Wissenschaft zu verkehren, ist Dom Pedro Genuss und Bedürfniss, und er hat die grössten europäischen Gelehrten durch seine gründlichen wissenschaftlichen Kenntnisse in Erstaunen gesetzt. Zu jenen Kreisen, da, wo der Adel des Geistes herrscht, fühlt sich der Kaiser am meisten hingezogen, und da ebenfalls ist es, wo er in seiner Persönlichkeit am meisten zur Geltung gelangt. Man hat den hohen Herrn in Europa, namentlich in Hofkreisen, vielfach nicht verstanden. Das ist begreiflich. Um ihn in seinem Wesen zu erfassen, das unter halbrepublikanischen Verhältnissen und fern von all den ceremoniellen Gepflogenheiten europäischer Fürstenhöfe unter sich, herangereift ist, muss man ihn im eigenen Lande gesehen haben. Er ist ebenso einfach, natürlich und jeder Förmlichkeit abhold, wie die andern Brasilianer, von denen man nach Belieben das Urtheil hören kann, dass es ihnen in Europa zu eng sei und sie dort die gewohnte Freiheit vermissen. Das Leben am brasilianischen Kaiserhof ist bescheiden und patriarchalisch. Auf die Ausstattung des Hofes und für Repräsentationszwecke wird wenig aufgewendet. Die in Folge kaiserlicher Uneigennützigkeit unbedeutende Civilliste findet ihre Verausgabung grösstentheils in Unterstützungen an Arme und an junge aufstrebende Talente, denn unbegrenzter Wohlthätigkeitssinn ist ein Hauptcharakterzug nicht nur der Kaiserin, sondern auch des Kaisers. So bildet der Besuch von Spitälern und Wohlthätigkeitsanstalten eine stehende Rubrik in der Tageseinteilung des Herrscherpaares. Der Kaiser besichtigt ausserdem Schulen, Kasernen, Arsenale und wissenschaftliche Institute, und wohnt hier, wie er es auch in Europa zu thun pflegt, den Sitzungen gelehrter Gesellschaften bei. In Allem weiss er eingehend Bescheid, und er hat uns schon ein ganzes Programm aufgestellt von interessanten Einrichtungen, die wir während unseres Aufenthaltes in Rio de Janeiro noch unbedingt sehen müssen.

Aeusserst befriedigt von der uns gewordenen Aufnahme, verliessen wir den Paço de São Christovão, um uns nach dem Palacio Isabel, dem Palais der Kronprinzessin, zu begeben. Kühler Wind und grösstentheils bedeckter Himmel drückten die Temperatur herab und begünstigten solcherweise unsere heutigen, langen Fahrten. Der Palacio Isabel ist nämlich etwa eine Stunde vom elterlichen Palaste nach Süden zu gelegen, in der vornehmen, zwischen grünen Hügeln eingebetteten Vorstadt Larangeiras. Die von einem hübschen Garten umgebene kronprinzessliche Residenz ist nur zweistöckig und sieht dem Aeusseren nach eher einer eleganten Villa, als einem Palais gleich. Ueber das Innere derselben zu urtheilen ist uns verwehrt, da wir die Kronprinzessin nicht zu Hause trafen.

Rio de Janeiro. Sonntag, den 16. September.

Endlich ist das Wetter neuerdings schön geworden. Dabei war es heute nicht übermässig heiss und zeigte das Thermometer früh 7 Uhr nur 18,5 ° C. Die Sonne empfanden wir tagsüber trotzdem als stechend.

Nach der in der Kirche des nahen Karmeliterinnenklosters gehörten Sonntagsmesse stiegen wir bei herrlich klarer Aussicht zur unteren Stadt hinab. Wir wollten im Convento da Ajuda, einem Kloster von Franziskanerinnen, die Gruft der weiblichen Mitglieder der Kaiserfamilie sehen, wurden aber nicht eingelassen. Merkwürdiger Weise haben die brasilianischen Braganças keine gemeinsame Gruft, sondern sind die Kaiserin Leopoldine und die Prinzessinnen hier, die Prinzen im Convento de S. Antonio zur Ruhe bestattet.

Von dem Ajudakloster, in welchem einige alte Nonnen absterben, hatten wir nur eine kurze Strecke Weges zu der am Ufer gelegenen Santa Casa da Misericordia. Es ist dies das Allgemeine Krankenhaus, eine Riesen- und Musteranstalt wie das Hospicio Dom Pedro II. Die nämliche grosse Reinlichkeit und gute Ventilation, welche wir dort gefunden, fanden wir auch hier. Das Treppenhaus ist schön. Der Boden der hohen, luftigen Gänge ist mit Parkett belegt; die Wände sind weit hinauf mit Fliesen bedeckt, was sehr zur Sauberkeit beiträgt. Gegenüber der Thüren der grossen Krankensäle öffnen sich, zur besseren Lüftung, von den Gängen hohe Balkonthüren auf den Hof. Für je ein Paar Säle, welche ineinandergehen, ist an einer Schmalwand ein Altar angebracht, und abwechselnd wird in den verschiedenen Saalcomplexen Gottesdienst gehalten. Die Separatzimmer erster Klasse sind gefällig eingerichtet und sind sauber; man bezahlt für sie täglich 3 $ 000 r. Circa 6,8 Mark.. In den Zimmern zweiter Klasse, welche nicht, wie diejenigen erster, nur für eine Person berechnet sind, sondern mehrere Kranke aufnehmen, stellt sich die Verpflegung ein Bedeutendes billiger. Der grosse Empfangssaal, der Sitzungssaal, der Operationssaal mit seinem Oberlicht und seinen kreisförmig aufgestellten Bänken, die Apotheke, die Küche lassen sämmtlich nichts zu wünschen übrig. Alles ist nach den neuesten Prinzipien der Wissenschaft ausgestattet. Männer und Frauen haben je ein eigenes Ordinationszimmer. In einer Nebenabtheilung der Apotheke werden täglich den unbemittelten Besuchern der ambulatorischen Klinik unentgeltlich Arzneien verabreicht. Gestern allein hatten sich 530 solcher Petenten eingefunden. Momentan sind über 1000 Kranke in der Anstalt anwesend, doch fasst das Haus etliche Hundert mehr. Die chirurgische Abtheilung befindet sich im ersten Stocke, unterhalb diejenige für innere Medizin. In ein paar Säle sind die meisten Kranken germanischer Rasse zusammengelegt, Deutsche, Engländer, Norweger und Schweden. Auch Russen und Griechen werden hier hereingebracht, und eine Schwester aus Schlesien, welche, mit Ausnahme des Griechischen, all der Sprachen dieser Leute mächtig ist, hat hier zu schalten und zu walten. Die Italiener, Spanier und sonstigen Romanen sind unter die Brasilianer vertheilt, da sie leichter als die Anderen sich in der Landessprache verständigen können. Für die zwei Araber, welche wir im Spital vorfanden, ist wohl Niemand genügend Sprachkundiger vorhanden. Ueber fünfzig Schwestern des heiligen Vincenz von Paul besorgen den Krankendienst. Wie im Irrenhause, sind die meisten derselben französischer Abkunft, doch befinden sich unter ihnen auch einige Brasilianerinnen. Letztere sollen sich, trotz der den brasilianischen Mädchen und Frauen gewöhnlich innewohnenden Indolenz und Energielosigkeit, ganz gut zu diesem entsagungsvollen Berufe eignen. Eine Unzahl Aerzte hat die Behandlung der Kranken. Im Direktor der Anstalt, dem Professor Ferreira de Santos, welcher so gefällig war, uns überallhin zu begleiten, lernten wir einen äusserst gebildeten Herrn mit feinen Umgangsformen kennen. Von dem aus Privatmitteln gegründeten und unterhaltenen Riesenetablissement konnten wir den günstigsten Eindruck mit nach Hause nehmen. Denn in Bezug auf solche Einrichtungen ist Brasilien weiter voraus, als in manchen anderen, und steht sogar vollständig auf der Höhe der Zeit.

Ehe wir das Krankenhaus verliessen, theilte man uns mit, dass heute erst ein Gelbfieberkranker dahin gebracht worden war. Nach Konstatirung seines Leidens hatte man ihn dann, wie dies stets zu geschehen pflegt, auf die andere Seite der Bai nach dem Gelbfieberspital geschafft. Das Gelbe Fieber ist in Rio endemisch geworden, nachdem es daselbst von 1850 an etliche Jahre hintereinander epidemisch gehaust hatte. Damals, im ersten Jahre seines Auftretens, erkrankten nicht weniger als 120 000 Menschen, von denen mindestens 4000 starben. Im Durchschnitt rechnet man jährlich auf 350 Einwohner einen Todesfall an Gelbfieber. –

Heute Nachmittag erhielt ich den Besuch der Princeza Imperial, der Kronprinzessin, welche ich fünfzehn Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Sie ist eine sehr sympathische, liebenswürdige Erscheinung, von grösster Einfachheit und Natürlichkeit. Begabt und hellen Kopfes, fehlt es ihr nicht an logischem Urtheil. Sie hat nicht nur eine tüchtige Erziehung genossen, sondern auch eine Bildung, welche weit über diejenige ihrer brasilianischen Mitschwestern und auch vieler ihrer europäischen Standesgenossinnen emporragt. Obwohl sie keineswegs auf übertriebene Weise fromm ist, ist sie es in den Augen ihrer, vielfach der Freimauerei huldigenden Landsleute doch zu sehr. Und dies allein wird wohl die Ursache des Mangels an Popularität sein, an welchem sie leidet, denn ausserdem müsste sie durch ihre anziehende Persönlichkeit alle Herzen gewinnen.

Den heutigen Tag beschlossen ein erneuter Abstieg nach der unteren Stadt mit Besichtigung weiterer Einzelheiten und endlich die nöthigen Vorbereitungen zu der für morgen geplanten Uebersiedelung nach Petropolis.

Auch mit einem vermuthlich aus Espirito Santo mitgebrachten Uebelstand musste noch abgerechnet werden. Nämlich auch uns hatte, trotz aller Sorgfalt, schliesslich das Schicksal so vieler in Südamerika Reisender ereilt und waren wir von Bichos do pé, d. h. Sandflöhen (Rhynchoprion penetrans L.), heimgesucht worden. Wann dies geschehen, wussten wir nicht, wir entdeckten die Anwesenheit dieser Parasiten erst jetzt, doch gerade zum richtigen Zeitpunkt, um die Thiere mit Leichtigkeit entfernen zu können.

Diese gefürchteten Insekten, welche Dipteren sind und in die Familie der Flöhe (Pulicidae) gehören, leben nur auf trockenem, sandigem, staubigem Terrain. Die Weibchen unter denselben bohren sich zur Entwicklung ihrer Eier in den Körper verschiedener Vögel und Säugethiere und auch in den Körper, namentlich unter die Fuss- und Fingernägel des Menschen ein. Das Einbohren des Sandflohes wird vom Wirthe oft gar nicht empfunden, erst später machen ihn leichtes Jucken und ein dunkler Punkt in der Haut auf die Gegenwart des unerwünschten Gastes aufmerksam. Mittelst einer Nadel kann man einige Tage nach dem Einnisten das ursprünglich nur 1 mm lange, später bis zu 5 mm im Durchmesser anschwellende Thier unschwer herausziehen, aber nicht, ohne dass im Körper eine kleine, übrigens rasch vernarbende Caverne zurückbleibt. Wird jedoch der lästige Bicho nicht oder nur unvollkommen entfernt und die Steile, an welcher er sitzt oder sass durch irgend einen Umstand gereizt, so entzündet sich dieselbe, es entstehen bösartige Eiterungen, manchmal wird das ergriffene Glied brandig und muss amputirt werden, und vereinzelt nimmt der Krankheitsprozess einen letalen Ausgang.

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