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Master Humphrey's Wanduhr. Zweiter Band

Charles Dickens: Master Humphrey's Wanduhr. Zweiter Band - Kapitel 38
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleMaster Humphrey's Wanduhr. Zweiter Band
publisherVerlag von Carl Zieger
printrunDritte Auflage
yearo.J.
translatorCarl Kolb
correctorJosef Muehlgassner
senderbruce.welch@gmx.net
created20150221
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Der Raritätenladen. Achtundsechzigstes Kapitel

Erleuchtete Zimmer, lodernde Feuer, heitere Gesichter, die Musik froher Stimmen, Worte der Liebe und des Willkommens, warme Herzen und Thränen des Glücks – was ist das nicht für ein Wechsel! Aber solchen Wonnen eilt jetzt Kit entgegen. Er weiß, daß er erwartet wird. Er fürchtet vor Freude zu sterben, ehe er zu ihnen kömmt.

Sie haben ihn den ganzen Tag darauf vorbereitet. Er erfährt zuerst, daß er des andern Morgens nicht mit den Uebrigen fortgebracht werden solle. Allmählich läßt man ihn wissen, daß sich Zweifel erhoben haben, daß Nachfragen angestellt werden sollen, und daß er vielleicht gänzlich begnadigt werden dürfte. Mit dem Herannahen des Abends bringt man ihn endlich in ein Zimmer, wo einige Herren versammelt sind. Unter ihnen fällt ihm zuerst sein guter, alter Herr in's Auge, der auf ihn zukommt und ihn bei der Hand nimmt. Er hört, daß seine Unschuld anerkannt und er freigesprochen ist. Er kann den Sprecher nicht sehen, aber er wendet sich der Stimme zu, und während er eine Antwort versucht, sinkt er bewußtlos nieder.

Man bringt ihn wieder zu sich und sagt ihm, er solle sich fassen und es wie ein Mann tragen. Jemand bedeutet ihm, er müsse an seine arme Mutter denken. Aber nur weil er so viel an sie gedacht hat, ist er von der glücklichen Neuigkeit überwältigt worden. Man drängt sich um ihn und sagt ihm, daß die Wahrheit bereits allenthalben ruchbar geworden sei, und daß Stadt und Land von Theilnahme an seinem Mißgeschick wiederhalle. Er hat kein Ohr dafür. Seine Gedanken reichen bis jetzt noch nicht weiter, als nach der Heimath. Ob sie es weiß? Was sie sagt? Wer es ihr sagt? Er vermag von nichts Anderem zu sprechen. Man gibt ihm etwas Wein zu trinken und redet eine Weile freundlich mit ihm, bis er gefaßter und im Stande ist, zuzuhören und zu danken. Er kann jetzt frei hingehen, wohin er will. Herr Garland ist der Ansicht, wenn er sich besser fühle, so sei es Zeit zum Aufbrechen. Die Herren drängen sich um ihn und drücken ihm die Hand. Er erkennt mit innigem Dank die Theilnahme, welche sie für ihn haben, und die wohlwollenden Versprechungen, die sie ihm machen; aber die Kraft der Sprache ist wieder verschwunden und er kann sich nur mit Mühe auf den Füßen erhalten, obgleich er sich auf den Arm seines Herrn stützt.

Während sie durch die trübseligen Gänge schreiten, begegnet er einigen Gefängnißwärtern, welche auf ihn warten, um ihm in ihrer rauhen Weise zu seiner Erlösung Glück zu wünschen. Der zeitungslesende Schließer ist unter ihrer Zahl, aber sein Benehmen ist nicht ganz herzlich – es liegt etwas Sauertöpfisches in seinem Glückswunsch. Er betrachtet Kit als einen Eindringling, als einen Menschen, der unter falschem Vorwande Zutritt zu diesem Orte erhalten und sich eines Privilegiums erfreut hat, ohne gebührend privilegirt zu sein; er mag ein ganz ordentlicher junger Mensch sein, denkt er, aber hier hat er nichts zu schaffen, und je bälder er geht, desto besser ist es.

Die letzte Thüre schließt sich hinter ihnen. Sie haben die letzte Mauer hinter sich und stehen in freier Luft in der Straße, die er sich oft im Banne jenes düsteren Gesteines ausgemalt hat, und die selbst nicht aus seinen Träumen weichen wollte. Sie scheint weiter und lebhafter zu sein, als es früher der Fall war. Die Nacht ist schaurig, und doch wie lieblich und heiter in seinen Augen! Einer der Herren drückt ihm beim Abschied etwas Geld in die Hand. Er hat es nicht gezählt; aber sie sind kaum um ein paar Schritt an der Büchse für die armen Gefangenen vorbeigegangen, als er hastig wieder umkehrt und es hineinfallen läßt.

Herr Garland hat in einer benachbarten Straße einen Wagen warten lassen, in welchen er mit Kit steigt; dann heißt er den Mann nach Hause fahren. Anfangs geht es nur langsam, und dann müssen Fackeln vorgetragen werden wegen des schweren Nebels. Aber je weiter sie sich von dem Strome entfernen und die dumpfigen Stadttheile hinter sich lassen, desto weniger bedarf es solcher Vorsichtsmaßregeln und desto schneller fährt der Wagen. Unterwegs kömmt sogar der schnellste Galopp Kit zu langsam vor, aber wie sie sich dem Ende ihrer Fahrt nähern, bittet er, man möchte die Pferde langsamer gehen lassen, und sobald er des Hauses ansichtig wird, wünscht er, daß Halt gemacht werde – nur auf eine oder zwei Minuten – damit er Zeit gewinne, um athmen zu können.

Aber da ist von keinem Halten die Rede; denn der alte Herr spricht ihm kräftig zu, die Pferde holen wacker aus und bereits befinden sie sich am Gartenthore. In der nächsten Minute sind sie an der Hausthüre. Innen hört man Stimmen und Fußtritte. Sie geht auf, Kit stürzt hinein – und findet sich in den umschlingenden Armen seiner Mutter.

Und da ist auch die stets getreue Mutter Barbara's, noch immer das Bübchen auf dem Arme tragend, als ob sie es nicht niedergesetzt hätte seit jenem traurigen Tage, wo sie so gar wenig Hoffnung hatte, eine Freude, wie diese zu erleben – da ist sie, der Himmel segne sie, weint sich fast die Augen aus, und schluchzt, wie nie zuvor ein Weib geschluchzt hat. Und da ist die kleine Barbara – arme kleine Barbara, wie so viel magerer und blasser, und doch gar so hübsch – zitternd wie Espenlaub und sich gegen die Wand stützend. Und da ist Frau Garland, netter und hübscher als je, die ohnmächtig zusammensinkt, ohne daß ihr Jemand Beistand leistete. Und da ist Herr Abel, der heftig seine Nase schneuzt und Jedermann umarmen will. Und da ist der ledige Herr, der bei Allen herumläuft, und jedesmal nur auf einen Augenblick. Und da ist der gute, liebe, sinnige, kleine Jacob, der mutterseelen allein auf der untersten Treppe sitzt, wie ein Alter die Hände auf seine Kniee legt und fürchterlich brüllt, ohne damit Jemand zu stören. Und Alle sammt und sonders sind dermalen ganz aus dem Häuschen und begehen in schönster Harmonie alle möglichen Thorheiten.

Und selbst als die Uebrigen wieder einigermaßen zu Sinnen gekommen sind, so weit wenigstens, um ein Lächeln oder Worte finden zu können, wird Barbara – die weichherzige, zarte, thörichte kleine Barbara – plötzlich vermißt, und man findet, daß sie in dem Hinterzimmer für eigene Rechnung in Ohnmacht gefallen ist. Aus der Ohnmacht verfällt sie in Krämpfe, aus den Krämpfen wieder in Ohnmacht, und mit einem Worte, sie befindet sich so schlecht, daß sie trotz des Uebermaßes von Weinessig und kaltem Wasser endlich kaum ein wenig besser ist, als sie anfangs gewesen. Dann kömmt Kit's Mutter und sagt zu Kit, er solle zu ihr hineingehen und mit ihr sprechen, und Kit sagt: »ja« und geht hinein. Und er sagt mit freundlicher Stimme: »Barbara!« und Barbara's Mutter sagt ihr: »es ist nur Kit;« und Barbara, deren Augen die ganze Zeit über geschlossen sind, sagt: »o! ist es aber auch wahr?« und Barbara's Mutter sagt: »gewiß es ist wahr, meine Liebe; es ist ja alles Nichts an der ganzen Sache gewesen.« Und um ihr eine weitere Versicherung zu geben, daß er gesund und wohlbehalten ist, spricht Kit wieder zu ihr; und dann kriegt Barbara einen Lachkrampf, und dann bricht sie in ein Weinen aus, und dann nicken sich Kit's und Barbara's Mutter gegenseitig zu und thun, als ob sie mit ihr schmähen wollten – aber, lieber Gott, nur um sie schneller zu sich zu bringen – und da sie erfahrene Frauen sind und mit großem Scharfblick die zuerst auftauchenden Symptome der Besserung bemerken, so trösten sie Kit mit der Versicherung, daß es jetzt gehen werde, und entlassen ihn nach dem Ort, woher er gekommen.

Gut! An diesem Orte, der nichts anderes, als das nächste Zimmer ist, befinden sich Weinflaschen und derartige Dinge, die so großartig zur Schau stehen, als ob Kit und seine Freunde einer Gesellschaft ersten Ranges angehörten. Und da ist der kleine Jacob, der sich überraschend schnell in einen Pflaumenkuchen hinein arbeitet und kein Auge von den Feigen und Orangen verwendet, welche nachher aufgetragen werden sollen (wie man denn überhaupt versichert sein darf, daß er seine Zeit auf's Allerbeste benützte). Kit ist kaum in's Zimmer getreten, als der ledige Herr (nie gab es wohl einen so geschäftigen Herrn) alle Gläser randvoll füllt, seine Gesundheit trinkt und ihm sagt, so lange er lebe, werde es ihm nie an einem Freunde fehlen. Und desgleichen thut Herr Garland, und desgleichen thut Frau Garland, und desgleichen thut Herr Abel. Aber selbst diese Ehre und Auszeichnung ist noch nicht Alles; denn der ledige Herr zieht sofort aus seiner Tasche eine massive silberne Uhr, die sehr hart tickt und aus eine halbe Sekunde richtig geht, und auf der hinteren Seite dieser Uhr ist Kit's Name, über und über mit Schnörkelwerk, eingetragen; und mit einem Wort, es ist Kit's Uhr, die ausdrücklich für ihn gekauft wurde und ihm auf der Stelle zum Präsent gemacht wird. Man darf versichert sein, daß auch Herr und Frau Garland sich nicht entbrechen können, Winke über ihr beabsichtigtes Geschenk fallen zu lassen, und daß Herr Abel gerade heraus sagt, er habe das seinige bereits bei sich und daß Kit der Glücklichste unter den Glücklichen ist.

Es ist jetzt nur noch ein Freund vorhanden, den er nicht gesehen hat, und da dieser füglicherweise nicht in die Familienzirkel eingeführt werden kann, sintemalen er ein mit Eisenhufen versehener Vierfüßler ist, so nimmt Kit die erste beste Gelegenheit wahr, um zu entschlüpfen und nach dem Stall zu eilen. In demselben Augenblicke als er seine Hand auf die Klinke legt, wiehert der Pony den lautesten Ponygruß; noch ehe er die Schwelle überschritten hat, macht der Pony seine Kapriolen im Stall herum (denn er erträgt nicht die Schmach eines Halfters) und ist ganz toll, um seinen Willkomm anzubringen; und als Kit auf ihn zugeht, um ihn zu liebkosen und zu pätscheln, reibt der Pony die Nase gegen seinen Rock und cajolirt ihn weit zärtlicher, als je ein Pony einen Menschen cajolirt hat. Er setzt hiermit seinem ernsten und herzlich gefühlten Empfange die Krone auf, worauf Kit seinen Arm um den Hals des Kleppers schlingt und denselben an sich drückt.

Aber wie mag es sich treffen, daß Barbara hereinkommt? Und wie schmuck ist sie wieder? Seit sie sich wieder erholt hat, ist sie vor ihrem Spiegel gestanden. Wie von allen Plätzen in der Welt mag Barbara gerade in den Stall kommen? Je nun, in Kit's Abwesenheit wollte der Pony von Niemand anders als von ihr sein Futter nehmen, und der Leser begreift wohl, daß Barbara nicht entfernt daran dachte, Kit hier zu finden, sondern nur hineinschaut, um zu sehen, ob Alles in Ordnung ist, bei welcher Gelegenheit sie ihm unversehens begegnet. Wie sie erröthet, die kleine Barbara!

Möglich, daß Kit den Pony genug geliebkost hat, vielleicht auch möglich, daß es noch bessere Dinge zu liebkosen giebt, als Ponyes. Er tritt rasch auf Barbara zu und hofft, daß sie sich besser befinde. »Ja; Barbara befindet sich viel besser. Sie fürchtet – und hiebei schlägt Barbara die Augen nieder und erröthet noch mehr – daß er sie für sehr thöricht gehalten haben muß. »Nicht im geringsten,« sagt Kit. Barbara freut sich darüber und hustet – hem! – den möglichst leichten Husten – in keinem Falle mehr als dieß.

Welch ein rücksichtsvoller Pony, wenn er will. Er ist jetzt so ruhig wie eine Marmorstatue. Er sieht so gar gescheidt darein; aber es ist dieß immer bei ihm der Fall. »Wir haben kaum Zeit gehabt, uns die Hände zu reichen,« sagte Kit. Barbara giebt ihm die ihrige. Warum mag sie jetzt so zittern? Thörichte verlegne Barbara!

Auf Armslänge! Die Länge eines Armes ist nicht viel Der von Barbara war keineswegs ein langer, und außerdem hielt sie ihn nicht gerade ausgestreckt, sondern ein wenig gebogen. Kit war ihr so nahe, als er ihr die Hand drückte, daß er sehen konnte, wie ihr noch eine winzig kleine Thräne an dem Augenlide zitterte. Es war natürlich, daß er darnach hinsah, ohne daß es Barbara bemerkte. Auch war es natürlich, daß Barbara unwillkürlich ihre Augen erhob und ihn ertappte. Mochte es wohl in gleicher Weise natürlich sein, daß Kit, ohne zuvor seine Absicht zu verrathen, Barbara küßte? Gleichviel oder nicht – er that es. Barbara sagte: Pfui!« ließ ihn aber doch gewähren – und zwar zweimal. Vielleicht hätte er es auch das drittemal gethan, aber der Pony schlug hinten aus und schüttelte den Kopf, als gerieth er vor Entzücken fast außer sich; und Barbara, die sehr darüber erschrak, lief fort – aber nicht stracks dahin, wo ihre Mutter und Kit's Mutter waren, damit sie nicht sehen sollten, wie roth ihre Wangen wären und allenfalls nach dem Warum fragen könnten. Schlaue kleine Barbara!

Sobald sich die erste Freude bei der ganzen Gesellschaft gelegt hatte, und Kit, nebst seiner Mutter, und Barbara nebst ihrer Mutter, den kleinen Jacob und das Bübchen mit eingerechnet, mit ihrem Nachtessen zu Stande gekommen waren – wobei sie es nicht gerade sehr eilig hatten, da sie die ganze Nacht hier bleiben sollten – rief Herr Garland Kit zu sich, nahm ihn nach einem Zimmer, wo sie allein sein konnten, und sagte ihm, daß er ihm noch etwas mitzutheilen habe, was ihn sehr überraschen würde. Als Kit dieß hörte, machte er ein so ängstliches Gesicht und wurde so blaß, daß sich der alte Herr beizufügen genöthigt sah, er meine nämlich eine angenehme Ueberraschung; worauf er ihn fragte, ob er bereit sei, des andern Morgens eine Reise anzutreten.

»Eine Reise, Sir?« rief Kit.

»Ja, mit mir und meinem Freunde in dem nächsten Zimmer. Kannst du wohl den Grund derselben errathen?«

Kit erblaßte noch mehr und schüttelte den Kopf.

»O ja! ich glaube, du hast schon eine Ahnung davon,« sagte sein Herr. »Versuche es einmal.«

Kit murmelte etwas Unzusammenhängendes und Unverständliches, sprach aber zwei- oder dreimal die Worte »Miß Nell« aus, obgleich er dabei den Kopf schüttelte, als meinte er, daß hiefür keine Hoffnung vorhanden sei. Aber Herr Garland forderte ihn nicht auf es noch einmal zu versuchen, wie Kit sicher erwartet hatte, sondern sagte ihm allen Ernstes, daß er richtig gerathen habe.

»Wir haben in der That endlich den Ort ihres Aufenthalts entdeckt,« fügte er bei. »Und dieß ist der Zweck unserer Reise.«

Kit stotterte noch einige Fragen, als da waren, wo sie sei, wie man sie gefunden, wie lange schon, und ob sie sich wohl und glücklich befinde.

»Glücklich ist sie außer allem Zweifel,« sagte Herr Garland. »Und wohl, nun, ich – hoffe, daß sie es bald sein wird. Wie ich höre, ist sie krank und leidend gewesen; den Nachrichten von diesem Morgen zufolge befindet sie sich aber besser, und man ist voller Hoffnung. Setze dich, und du sollst das Weitere hören.«

Kit, der kaum zu athmen wagte, that, wie ihm geheißen wurde. Herr Garland theilte ihm sodann mit, daß er einen Bruder habe, von dem er sicherlich schon sprechen gehört, und besten Bild, noch in seinen jüngern Jahren gemalt, in dem Staatszimmer hänge. Dieser Bruder wohne weit weg in einem Dorfe bei einem alten Geistlichen, dessen Freund er von Jugend auf gewesen. Obgleich sie einander liebten, wie es zwischen Brüdern recht und billig sei, so hätten sie sich doch seit vielen Jahren nicht wieder gesehen, wohl aber von Zeit zu Zeit brieflich mit einander verkehrt, indem sie stets einer Periode entgegen gesehen, wo sie sich gegenseitig wieder einmal die Hände drücken könnten; darüber sei denn, wie es gewöhnlich bei den Menschen zu gehen pflegt, die Gegenwart entschwunden und die Zukunft zur Vergangenheit geworden. Dieser Bruder, besten Gemüthsstimmung sehr mild, ruhig und zurückgezogen sei – etwa wie die des Herrn Abel – stehe hoch in der Liebe und Achtung der einfachen Leute, unter denen er wohne, da dieselben den Bachelor (wie sie ihn nannten) fast auf den Händen trugen, wie denn auch jeder derselben seine Mildthätigkeit und sein Wohlwollen erfahren habe. Diese kleinen Umstände seien nur sehr langsam und im Laufe der Jahre ihm bekannt geworden, weil der Bachelor zu den Leuten gehöre, deren edle Eigenschaften nicht an's Licht treten wollen, da er ein größeres Vergnügen darin finde, die edeln Handlungen Anderer zu erheben, als seine eigenen auszuposaunen, seien sie auch noch so lobenswerth. Aus diesem Grunde habe er ihn selten etwas von seinen ländlichen Freunden mitgetheilt; demungeachtet aber sei jetzt sein Herz so voll von zweien derselben, – einem Kinde und einem alten Manne, denen er sich freundlich zu erweisen Gelegenheit gehabt – daß er in einem vor ein paar Tagen eingelaufenen Briefe von Anfang bis zum Ende von ihnen gesprochen und darin eine ergreifende Geschichte von ihren Wanderzügen und ihrer gegenseitigen Liebe erzählt habe, welche wenige lesen könnten, ohne von Thränen bewegt zu werden. Er, der Empfänger dieses Briefes, sei nun augenblicklich auf den Gedanken gekommen, daß dies dieselben Wanderer sein müßten, nach welchen so viele Nachforschungen angestellt wurden, und die der Himmel der Obhut seines Bruders zugeführt habe. Demgemäß sei von ihm um solche weitere Mittheilungen geschrieben worden, welche die Thatsache außer allen Zweifel setzen könnten, und diese seien heute Morgen eingelaufen. Seine erste Ahnung habe sich dadurch zur Gewißheit erhoben und die unmittelbare Folge davon sei die beabsichtigte Reise, welche gleich morgen statthaben solle.

»Du bedarfst übrigens sehr der Ruhe,« sagte der alte Herr, ausstehend und seine Hand auf Kit's Schultern legend; denn ein Tag wie der heutige könnte den kräftigsten Mann ermatten. Gute Nacht, und Gott gebe, daß unsere Reise einen glücklichen Ausgang nehme.«

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