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Master Humphrey's Wanduhr. Erster Band

Charles Dickens: Master Humphrey's Wanduhr. Erster Band - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorCharles Dickens
titleMaster Humphrey's Wanduhr. Erster Band
publisherVerlag von Carl Zieger
printrunDritte Auflage
yearo.J.
translatorCarl Kolb
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150121
modified20180917
projectid46ce39a3
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Der Raritätenladen.

Fünftes Kapitel

Ob sich Herr Quilp während dieser Zeit einige Augenblicke für seinen Schlummer ersah, oder ob er die ganze lange Nacht unablässig wachend da saß, können wir nicht mit Bestimmtheit angeben: so viel ist übrigens gewiß, daß er seine Cigarre immer brennend erhielt und jede neue an der Asche der fast verbrauchten anzündete, ohne sich der Beihilfe eines Lichtes zu bedienen. Auch schien ihn das Schlagen der Thurmuhren, Stunde um Stunde, durchaus nicht mit irgend einem Gefühle von Schläfrigkeit oder einem natürlichen Verlangen nach Ruhe zu erfüllen, da es im Gegentheil eher seine Wachsamkeit vermehrte, wie sich, sooft die Schläge das Fortschreiten der Nacht verkündigten, aus dem unterdrückten Kichern und einer Bewegung seiner Achseln – einem herzlich, aber dabei schlauen und verstohlenen Lachen nicht unähnlich – entnehmen ließ.

Endlich brach der Tag an und traf die arme Frau Quilp, schaudernd in der Kälte des Frühmorgens und erschöpft von Ermüdung und Schlaflosigkeit, geduldig auf ihrem Stuhle, wo sie hin und wieder, in stummem Anruf an das Mitleid und die Gnade ihres Gebieters, die Augen aufschlug und den Zwerg gelegentlich durch ein leises Husten erinnerte, daß sie noch immer auf Vergebung harre, und daß ihre Buße jetzt gewiß lange genug gedauert habe. Aber ihr gnomenartiger Gatte rauchte noch immer seine Cigarre und trank seinen Rum, ohne ihrer zu achten, und erst als die Sonne schon geraume Zeit aufgegangen war und bereits das lärmende Treiben der Stadt auf den Straßen gehört wurde, ließ er sich herab, von ihrer Anwesenheit durch Worte oder Zeichen Notiz zu nehmen. Vielleicht hätte er es auch jetzt noch nicht gethan, wenn sich nicht gewisse ungeduldige Schläge an der Thüre hätten vernehmen lassen, welche zu bekunden schienen, daß sich an der Außenseite derselben etliche ziemlich harte Knöchel abarbeiteten.

»Ach du mein Himmel!« begann er, indem er mit einem boshaften Grinsen im Zimmer umherblickte; »es ist Tag, öffne die Thüre, meine süße Frau Quilp.«

Das gehorsame Weib schob den Riegel zurück und ihre Frau Mutter trat in's Zimmer.

Frau Jiniwin stürmte mit großem Ungestüm herein, denn in der Voraussetzung, daß ihr Schwiegersohn noch im Bette wäre, hatte sie die Absicht, ihren Gefühlen in kräftigen Scheltworten über sein Benehmen und seinen Charakter Luft zu machen. Als sie jedoch sah, daß er auf und angekleidet war, und daß er allem Anscheine nach das Zimmer seit gestern Abend, wo sie ihm weichen mußte, nicht verlassen hatte, hielt sie in einiger Verlegenheit inne.

Nichts entging dem Habichtsauge des häßlichen, kleinen Mannes, der vollkommen begriff, was in der Seele der alten Dame vorging, und in der Fülle seiner Herzensfreude nur noch häßlicher wurde, als er ihr mit triumphirendem Hohnlächeln einen guten Morgen wünschte.

»Ei, Betsy,« sagte die alte Frau, »du bist doch nicht – du willst doch nicht sagen, daß du –«

»Die ganze Nacht aufgeblieben bist?« ergänzte Quilp diesen Satz. »Ja das will sie.«

»Die ganze Nacht?« rief Frau Jiniwin.

»Ja, die ganze Nacht. Ist die gute alte Dame taub?« entgegnete Quilp halb lächelnd, halb die Stirne runzelnd. »Wer kann sagen, Mann und Weib seien eine schlechte Gesellschaft? Ha, ha! Wie schnell uns die Zeit entschwand!«

»Sie sind ein Unthier!« rief Frau Jiniwin.

»Bah, bah!« versetzte Quilp, der begreiflicherweise absichtlich mißverstand, »Sie müssen sie nicht schelten. Sie wissen ja, daß sie jetzt verheirathet ist; und obgleich sie die Zeit betrog und mich von meinem Bette abhielt, so müssen Sie doch nicht so zärtlich um mich bekümmert sein, um mit ihr deßhalb zu grollen. Nichtsdestoweniger möge Sie der Himmel dafür segnen, liebe alte Dame. Auf Ihre Gesundheit!«

»Ich bin Ihnen sehr verbunden,« entgegnete die alte Frau, welche durch eine gewisse Unruhe in ihren Händen ein heftiges Verlangen verrieth, ihre Matrosenfaust mit ihrem Schwiegersohne in Berührung zu bringen. »O, ich bin ihnen recht sehr verbunden.«

»Die dankbare Seele!« rief der Zwerg. »Frau Quilp!«

»Ja, Quilp,« versetzte die schüchterne Dulderin.

»Hilf deiner Mutter das Frühstück besorgen, Frau Quilp. Ich muß diesen Morgen auf das Kai – je früher, desto besser; also spute dich.«

Frau Jiniwin machte eine schwache rebellische Demonstration, indem sie sich auf einen Stuhl in der Nähe der Thüre setzte und die Arme über einander schlug, als wäre sie fest entschlossen, durchaus keine Hand anzulegen. Aber einige Flüsterworte von ihrer Tochter und die freundliche Anfrage ihres Schwiegersohnes, ob sie sich unwohl fühle, mit einer Andeutung, daß in dem nächsten Gemache hinreichend kalt Wasser sei, vertilgte plötzlich die Symptome, und sie ging mit verdrossenem Fleiße an die vorgeschriebene Arbeit.

Während sie so beschäftigt waren, verfügte sich Herr Quilp in das anstoßende Zimmer, schlug seinen Rockkragen zurück und schickte sich an, sein Gesicht mit einem feuchten Handtuche von sehr ungesundem Aussehen zu schmieren, wodurch übrigens seine Hautfarbe nur wolkiger wurde. Aber auch während dieser Arbeit verließ ihn seine Vorsicht und sein Spüreifer nicht, denn mit einem eben so scharfen und schlauen Gesichte als sonst unterbrach er zu wiederholten Malen diesen kurzen Prozeß, und behorchte ein Gespräch in dem nächsten Zimmer, zu dem vielleicht er selbst das Thema abgeben mußte.

»Ah!« sagte er nach kurzer, angestrengter Aufmerksamkeit; »dachte ich mir's doch gleich, es sei nicht das Handtuch über meinen Ohren. Ich bin also ein kleiner buckliger Schuft und ein Ungeheuer. Bin ich das wirklich, Frau Jiniwin? Schön!«

Das Vergnügen über diese Entdeckung rief wieder das alte hundeähnliche Lächeln in voller Kraft hervor. Sodann schüttelte er sich ganz hundeartig und begab sich zu den Damen.

Herr Quilp trat jetzt vor einen Spiegel und war eben mit dem Anlegen seines Halstuchs beschäftigt, als Frau Jiniwin, welche zufällig hinter ihm stand, dem inneren Drange nicht widerstehen konnte, die Faust gegen ihren tyrannischen Schwiegersohn zu schütteln. Die Bewegung war nur eine augenblickliche, aber als sie dieselbe ausführte und mit einem drohendem Blicke begleitete, begegnete sie in dem Spiegel seinem Auge, welches sie gerade auf der That ertappte. Derselbe Blick auf den Spiegel führte ihr aber auch den Reflex eines schrecklichen, grotesk verzogenen Gesichts mit herausgestreckter Zunge zu, und in dem nächsten Augenblicke fragte sie der Zwerg, der sich mit einer vollkommen ruhigen und gefälligen Miene umwandte, im Tone großer Zärtlichkeit:

»Wie ist's Ihnen jetzt, mein lieber alter Schatz?«

So unbedeutend und lächerlich auch dieser Vorfall war, so nahm sich Herr Quilp doch dabei wie ein kleiner Teufel aus, und das verschmitzte und durchtriebene Gesicht des Zwerges schüchterte die alte Frau so sehr ein, daß sie kein Wort hervorbringen konnte, und sich durchaus nicht sträubte, als derselbe sie mit außerordentlicher Höflichkeit nach dem Frühstücktisch führte. Hier verminderte er keineswegs den Eindruck, den er eben hervorgebracht hatte, denn er speiste die harten Eier sammt der Schale, verzehrte gigantische Seegarneelen mit Kopf und Schwanz, kaute zugleich mit außerordentlicher Gier Tabak und Brunnenkresse, trank kochendheißen Thee, ohne zu blinzeln, biß in seine Gabel und in seinen Löffel, daß sie krumm wurden, und verrichtete – mit einem Worte – so viele entsetzliche und ungewöhnliche Heldenthaten, daß die Weiber fast ihren Verstand darüber verloren und zu zweifeln begannen, ob er wirklich ein menschliches Wesen sei. Nachdem Herr Quilp endlich diese und noch viele andere Manöver, welche gleichfalls zu seinem System gehörten, durchgemacht hatte, verließ er die Frauen in einer sehr gehorsamen und demüthigen Gemüthsstimmung und begab sich an das Themseufer, wo er ein Boot nahm, um nach dem Kai, welches seinen Namen führte, zu fahren.

Es war eben Fluthzeit, als Daniel Quilp sich in das Fährboot setzte, um nach dem entgegengesetzten Ufer zu gelangen. Eine ganze Flotte von Barken kam lässig herbei, die einen mit der Seite, die andern mit dem Schnabel und wieder andere mit dem Stern voran; sie stießen querköpfig, eigensinnig und hartnäckig gegen die größeren Fahrzeuge an, kamen unter die Buge der Dampfboote, trieben in alle Arten von Winkeln und Ecken, wo sie nichts zu thun hatten, und wurden von allen Seiten, wie eben so viele Wallnußschalen, zusammengequetscht, während jede mit ihrem Paar langer Ruder in dem Wasser plätscherte und kämpfte, einem ermatteten Fische gleich, der sich nicht aus dem seichten Wasser zu helfen weiß. In einigen der vor Anker liegenden Schiffe waren alle Hände mit dem Aufschießen der Taue, mit dem Ausbreiten der Segel, um sie zu trocknen, oder mit dem Einnehmen und Ausladen der Kargos beschäftigt; in andern war kein Zeichen des Lebens sichtbar, einige Matrosenjungen und vielleicht einen bellenden Hund ausgenommen, der auf dem Deck hin und her lief oder an den Planken hinauf kletterte, um über Bord sehen und desto lauter die Aussicht anbellen zu können. Durch den Wald von Masten kam langsam ein großes Dampfschiff herunter, peitschte mit seinen schweren Ruderschaufeln in kurzen, ungeduldigen Streichen das Wasser, als ob es ihm an Raum zum Athmen gebreche, und bewegte seinen ungeheuren Rumpf wie ein Seeungeheuer unter den Elritzen der Themse vorwärts. Zu beiden Seiten schwammen lange, schwarze Reihen von Kohlenschiffen, und durch dieselben drängten sich Fahrzeuge mit in der Sonne glänzenden Segeln, welche sich langsam aus dem Hafen heraus arbeiteten, während der Lärm an Bord aus hundert Richtungen widerhallte. Das Wasser und Alles darauf war in rühriger Bewegung, tanzend, wogend und Blasen aufwerfend, während der alte graue Tower, die Gebäude am Ufer und die dazwischen aufschießenden Kirchthürme kalt herunter sahen und ihre thätige, unruhige Nachbarin zu verachten schienen.

Daniel Quilp, dem ein schöner Morgen höchstens in so fern angenehm war, weil er ihm die Mühe ersparte, einen Regenschirm bei sich zu führen, ließ sich neben dem Kai an's Land setzen und begab sich dahin durch eine enge Gasse, die den amphibischen Charakter ihrer Bewohner theilte, indem ihre Zusammensetzung aus reichlichem Schmutz und vielem Wasser bestand. An dem Orte seiner Bestimmung angelangt, war der erste Gegenstand, der ihm in's Auge fiel, ein Paar sehr unvollkommen beschuhter Füße, die mit den Sohlen in der Luft schwebten. Diese merkwürdige Erscheinung hing mit einem Knaben zusammen, der von etwas excentrischem Geiste war und eine natürliche Vorliebe für Gauklerkunststücke besaß, weßhalb er sich jetzt auf den Kopf gestellt hatte, um die Aussicht nach dem Flusse in einer so ungewöhnlichen Position zu genießen. Er wurde jedoch schleunigst durch den Ton von seines Meisters Stimme auf die Beine gebracht, und sobald sein Kopf wieder die gehörige Lage einnahm, klopfte Herr Quilp tüchtig auf denselben los.

»Nun, so laßt mich doch gehen,« sagte der Junge, indem er Quilp's Hand abwechselnd mit den Ellenbogen parirte. »Wenn Ihr nicht aufhört, so sollt Ihr etwas kriegen, was Euch nicht ansteht. Das sage ich Euch.«

»Du Galgenvogel,« knurrte Quilp; »ich will dich peitschen mit eisernen Ruthen, ich will dich zerkratzen mit rostigen Nägeln, ich will dir die Augen ausbohren, wenn du nicht augenblicklich still bist – ja, das will ich.«

Mit diesen Drohungen ballte er abermals die Hand, kriegte den Knaben gewandt unter dem Ellenbogen zu fassen, packte ihn sodann, trotz der schlauen Seitenwendungen desselben, am Kopf, und versetzte ihm drei oder vier kräftige Stöße. Nachdem er auf diese Weise seine Absicht durchgeführt hatte, ließ er ihn los.

»Kommt mir nur noch einmal so,« sagte der Knabe, indem er den Kopf schüttelte und sich zurückzog, für den schlimmsten Fall aber seine Ellenbogen bereit hielt; »dann –«

»Sei ruhig, du Schlingel,« entgegnet« Quilp. »Es geschieht dir nichts mehr, denn du hast gerade so viel, als ich dir zugedacht habe. Da, nimm den Schlüssel.«

»Warum bindet Ihr nicht mit Leuten von Eurer Größe an?« sagte der Junge, sehr langsam näher kommend.

»Wo gibt es Einen von meiner Größe, du Hund?« entgegnet« Quilp. »Nimm den Schlüssel, oder ich schlage dir damit das Gehirn ein.« In der That gab er ihm auch während dieser Worte einen kräftigen Schlag mit dem Handgriff. »So, jetzt öffne das Comptoir.«

Der Knabe befolgte verdrießlich den Befehl und murmelte anfangs Verwünschungen zwischen den Zähnen, was er jedoch bald unterließ, als er beim Umblicken bemerkte, daß Quilp ihm festen Blickes nachsah. Wir müssen hier bemerken, daß zwischen diesem Knaben und dem Zwerg eine besondere Art von wechselseitiger Zuneigung stattfand; wie sie übrigens entstand, oder wie sie auf der einen Seite durch Drohungen und Schläge, auf der andern durch Trotz und Widerspruch genährt wurde, gehört nicht zur Sache. Quilp hätte sich gewiß von Niemand als von dem Knaben eine Widerrede gefallen lassen, und eben so gewiß würde der Knabe von keinem Andern, als von Quilp, so viele Püffe hingenommen haben, so fern es nämlich in seiner Macht stand, nach Gutdünken davonzulaufen.

»Nun,« sagte Quilp, in das hölzerne Comptoirhaus tretend, »gib mir jetzt auf den Kai Acht. Aber wenn du dich wieder auf den Kopf stellst, schlage ich dir einen deiner Füße ab.«

Der Junge gab keine Antwort; aber sobald sich Quilp eingeschlossen hatte, stellte er sich vor der Thüre auf den Kopf, spazierte sodann auf den Händen rückwärts und ruhte wieder auf dem Kopf aus, worauf er sich auf die entgegengesetzte Seite wandte und dort seine Kunstleistungen wiederholte. Das Comptoirhaus hatte zwar vier Seiten, aber er vermied absichtlich die eine, wo das Fenster war, denn es dünkte ihm nicht unwahrscheinlich, daß Quilp durch dasselbe heraussehe. Dieß war eine sehr kluge Vorsichtsmaßregel, denn der Zwerg, welcher den Charakter seines jungen Aufsehers kannte, lag in der That unfern dem Schiebfenster auf der Lauer, nachdem er sich zuvor mit einer großen Holzlatte bewaffnet hatte, welche, da sie sehr rauh, gezackt und mit zerbrochenen eisernen Nägeln beschlagen war, leicht eine schlimme Verletzung hätte veranlassen können.

Das Comptoir war eine schmutzige, kleine Bude, in welcher sich nichts befand, als ein alter, schadhafter Schreibtisch, zwei Schreibeböcke, ein Hutständer, ein alter Kalender, ein Tintenfaß ohne Tinte, der Stumpf einer einzigen Feder und eine Achttaguhr, die aber wenigstens seit achtzehn Jahren nicht mehr ging und aus deren Minutenzeiger man einen Zahnstocher gemacht hatte. Daniel Quilp drückte seinen Hut in die Stirne, kletterte auf den oben flachen Schreibtisch und streckte sich nach seiner ganzen Kürze aus, worauf er sich mit der Behaglichkeit eines alten Praktikers zum Schlafen anschickte und ohne Zweifel sich für die Entbehrung der letzten Nacht durch einen langen und gesunden Schlummer schadlos zu halten gedachte.

Gesund mochte nun dieser wohl gewesen sein, aber man konnte ihn keineswegs einen langen nennen, denn der Zwerg hatte kaum eine Viertelstunde ausgeruht, als der Junge die Thür öffnete und den Kopf, der ganz wie ein Bund ungehechelten Werges aussah, hereinstreckte. Quilp hatte nur einen leichten Schlaf und fuhr daher augenblicklich auf.

»Es will Jemand zu Euch,« sagte der Knabe.

»Wer?«

»Ich weiß nicht.«

»So frage!« entgegnete Quilp, indem er die vorerwähnte Latte ergriff und sie mit solcher Gewandtheit nach dem Jungen warf, daß derselbe gut that, sich unsichtbar zu machen, ehe sie den Ort erreichte, wo er gestanden hatte. »Willst du fragen, du Galgenstrick?«

Da es dem Jungen nicht sonderlich darum zu thun war, sich wieder in den Bereich solcher Wurfgeschosse zu wagen, so sandte er klüglicher Weise den Anlaß der Unterbrechung hinein, welcher sich jetzt an der Thür zeigte.

»Was, Nelly?« rief Quilp.

»Ja,« – sagte die Kleine und zögerte, ob sie eintreten oder sich zurückziehen sollte, denn der eben erwachte Zwerg war mit seinen verwirrten Haaren, die nach allen Richtungen hinausstanden, und dem gelben Schnupftuch, welches er über den Kopf gelegt hatte, wahrhaft fürchterlich anzuschauen. »Nur ich bin's, Sir.«

»So komm herein,« versetzte Quilp, ohne den Schreibtisch zu verlassen. »Komm herein! Halt! Sieh einmal in den Hof hinaus und gib Acht, ob dort nicht ein Junge auf dem Kopf steht.«

»Nein, Sir,« entgegnete Nell. »Er steht auf seinen Füßen.«

»Hast du auch recht gesehen?« fragte Quilp. »Schon gut. So komm herein und schließe die Thüre. Was bringst du mir für einen Auftrag, Nelly?«

Das Kind überreichte ihm einen Brief, und Herr Quilp, ohne seine Lage weiter zu ändern, als daß er sich etwas mehr auf die Seite drehte und sein Kinn auf die Hand stützte, schickte sich an, den Inhalt zu durchlesen.


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