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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 9
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Vierdter Handlung

Erster Aufftrit.

Roccella, Ristaldi.

Rocc. Ja wohl hab ich dem Glücke zu dancken / daß ich unter dem grausamen Pöbel kein Unglück hab erfahren müssen.

Rist. Wer in seinen Beruffs-Wegen gehet / der hat sich eines gewissen Schutzes zugetrösten.

Rocc. Ich muß das jenige verrichten / was jhr Excellentz befohlen; Allein meine Bothschafft war so unglücklich / daß ich nun etliche Tage her in dem Gefängnis zwischen Furcht und Hoffnung habe schweben müssen.

Rist. Wohl dem / der einen verborgenen Winckel zu seiner Zuflucht nehmen kan / indem das gemeine Volck durch den Untergang edeler Personen die Freyheit verdienen wil.

Rocc. Ich weiß nicht / was in wehrender Zeit vorgelauffen ist / ohne daß ich aus stetswehrenden Tumulte / und aus den Klange so vieler Glocken wenig gute Zeit habe muthmassen können.

Rist. Es ist an dem / der Tyrannische Fischer-Knecht hat sich so weit gedemüthiget / daß er dem Vice-Roy auf dem Castell eine Visite gegeben hat.

Rocc. Eine gefährliche Sache / daß man rasenden Leuten die Thore wil öffnen.

Rist. Die Zeit und die Noth brachtens so mitte. Wir müssen auch dem Glücke dancken / daß hierdurch ein guter Anfang zu den künfftigen Vergleiche erfolget ist.

Rocc. Aber die Puncte werden schimpflich seyn.

Rist. Ich halte nicht. Der Respect des Königes und jhr Excellentz wird noch allezeit in acht genommen.

Rocc. Hilff Himmel / wie werden unsre wahrhafftige Historien-Schreiber von der Nachwelt einer vielfältigen Unwahrheit beschuldigst werden. Wir selbsten würden daran zweiffeln / wenn wir die Wunder-Wercke nicht vor Augen hätten.

Rist. Ich muß bekennen / daß der Auffzug sehr schön zu sehen war. Denn nachdem das hohe Ampt in Beyseyn des Herren Ertz-Bischoffs war gehalten worden / so gieng der Process in ungläublicher Menge fort / in allen Gassen waren auf des Masaniello Befehl wunderschöne Teppicht ausgehangen / er selbst war mit einem Silber-Stücke prächtig angethan.

Rocc. Vor diesen pralte der Fischer-Knecht / als wolt er seine Profession nimmermehr fahren lassen; nun werden wir selbst so viel darzu contribuiren / daß er einen Fürsten bedeuten kan.

Rist. Es geschach auf hohes Gutbefinden des Hofes. Denn es war einem Vice-Roy schimpflich / wenn er mit einem übelbekleideten Buben hätte tractiren sollen.

Rocc. So wird seine Familie gleicher gestalt die schönen Kleider nicht verachtet haben.

Rist. Freylich durffte nichts mangeln. Und es war als ein umgekehrtes Fastnacht-Spiel.

Rocc. Es ist wahr / sonsten verkleiden sich die Fürsten zu Bauren / aber in dieser Stadt hat sich allerhand Lumpen-Volck in Fürstliche Kleider gestecket. Aber wie lieff der Handel ab?

Rist. Eh er in das Castell schreiten wolte / so gab er dem Volcke Befehl / wofern der Vice-Roy sich an seiner Person vergreiffen würde / so sollten sie Neapolis in Brand stecken. Hierauff gab er weitern Befehl / daß alle stockstille schweigen und seines Befehls erwarten solten.

Rocc. Wie waren aber die Ceremonien bey jhrer Excellentz beschaffen?

Rist. Sehr höflich. So bald Masaniello jhrer Excellentz ansichtig war / sprang er vom Pferde und küste deroselben die Füsse / und sagte sehr getrost / er hätte sich herein begeben / und stellte zu jhrer Excellentz Belieben / er möchte jhn köpffen / hencken / oder radebrechen lassen.

Rocc. Ich weiß / was jhr Excellentz werden gedacht haben.

Rist. Es muste aber bey den Gedancken bleiben. Denn die höfliche Antwort erfolgete: Es wäre noch nichts begangen worden / daß er eine solche Straffe verdienet hätte. Hiermit wurden sie in ein geheimes Zimmer begleitet / da man in Gegenwart des geheimen Raths des Accords wegen Unterredung pfloge.

Rocc. Ist aber die Sache beygeleget?

Rist. Die alte Freyheit ist bewilliget worden / und soll von jhr Excellentz selber in der Haupt-Kirchen beschworen werden.

Rocc. Ein solcher Minister kan leicht schweren / denn so bald der Successor komt / so hat der Schwur keine Krafft mehr. Aber ach hätte man meinem Rathe gefolget / so wäre dem Masaniello ein Geschencke / oder auch wohl gar ein Marggräflicher Titel angeboten worden. Wäre doch dieses der erste Esel nicht / welcher in einer güldenen Schabracke prangete.

Rist. Was das Geld anlanget / so war er unüberwindlich / weil er doch das Geld von gantz Neapolis in seiner Hand hat. Und über diß / so hat er dem Vice-Roy anitzo fünff biß sechs Millionen Goldes auf den Nothfall versprochen. Er fänget auch allbereit an die begütterten Leute / sonderlich die reichen Klöster zuerinnern / daß sie auf den erfolgten Befehl mit dem Gelde parat erscheinen solten.

Rocc. So würde jhm doch ein hoher Titel die Augen verblendet haben.

Rist. Man saget ins geheim / es wäre von jhr Excellentz was vorgeschlagen worden: Doch es hätte bey dem schlauen Fischer kein Gehöre funden.

Rocc. Nun ist es freylich zu langsam: nun müssen wir nur in Gedult erwarten / was der gütige Himmel zu unserm Troste verhängen wird. Doch wir werden uns nicht auffhalten / wenn etwan der Process bald vor sich gehen sollte.

Rist. Nach dero Belieben.

Vierdter Handlung

Anderer Aufftrit.

Philomarini, Ghirardini, Rossi, hernach Xaverio.

Phil. Ach wie hat doch GOtt diese Stadt mit einem Spanischen Kopffe gestrafft / daß er seine Autorität uns zu unwiederbringlichen Schaden behaupten wil.

Ghir. Es sind Miedlinge / die Schafe sind nicht jhr Eigenthum. So nehmen sie auch dieses vor kein absurdum an / wenn gleich der Ruin des Staats in vielen Stücken dargethan wird.

Ross. Die Gemeine dringet auf uns loß / und die hohen Personen wollen noch zu jhrer Wohlfahrt gebeten seyn. Ich weiß wohl / was ich vor Worte vergebens habe verliehren müssen.

Phil. Der Schade werde demselben beigemessen / der jhn hat verhindern können.

Ghir. Und der Nachruhm begleite die jenige Person / welche das meiste zu dem getroffenen Vergleiche cooperirt.

Ross. Ich mag jhr Eminentz nicht schmeicheln; aber dieses wil ich gegen GOtt und der Welt bekennen / daß wir unsere Wohlfahrt diesem einzigen Haupte zu dancken haben.

Phil. Wir Menschen thun nichts: und ich muß mich verwundern / daß man oft den Göttlichen Beystand vor eine Menschliche Klugheit annehmen wil.

Ghir. Auch die jenigen sind hoch zu halten / durch welche GOtt seinen Beystand erscheinen läst.

(Xaverio kömt.)

Ross. Was haben wir uns vor Zeitung zu besorgen, daß dieser Bothe unser Gespräche verstören wil.

Phil. Wir sind es gewohnet / daß eine böse Zeitung der andern die Hand bieten wird / biß wir dem reissenden Thiere das Seil über die Ohren geworffen haben.

Xav. Ach jhr Eminentz / nun geht das Wetter über die Geistligkeit.

Ghir. Dieses käme der gegebenen Parol nicht nach.

Ross. Und also möchten wir das betriegliche Spiegelfechten mit dem Vergleiche wohl unterwegen lassen.

Phil. Ich wil nicht hoffen / daß die Klöster gestürmet werden.

Xav. Ach es ist nicht viel besser. Er hat bey Leib und Lebens-Straffe ansagen lassen / es sollte kein Priester noch ein anderer Geistlicher auf der Gasse in einem langen Kleide erscheinen.

Phil. Ach was erleben wir vor Thorheit! Aber was bewegen jhn vor Ursachen darzu?

Xav. Vielleicht / daß er seine Herrschafft wil über alle Menschen sehen lassen.

Phil. Wer hat den Befehl gebracht?

Xav. Sie folgen mir auf dem Fusse nach / welche vieleicht jhr Eminentz etwas deutlicher berichten können.

Vierdter Handlung

Dritter Aufftrit.

Die Vorigen / Arpaja, Bravo.

Arp. Jhr Eminentz vermercken in keinen Ungnaden / daß wir so kühne gewesen derselben mit unserer Ankunfft beschwerlich zu seyn.

Phil. Liebe Leute sind niemals beschwerlich / vornehmlich wenn jhr Anbringen was gutes nach sich zeucht.

Arp. Unser Herr Oberster / als nunmehr bestätigter General über die Neapolitanische Soldatesca entbittet euer Eminentz seinen gehorsamen Gruß: Und weil es bekandt genung ist / wie durch etliche meineidige Banditen diese Stadt gar leicht wäre in das euserste Verderben gestürtzet worden / als hat er seinem hohen Ampte zu gebührender Folge das leichtfertige Gesindel allenthalben aufsuchen und zu gebührender Strafe ziehen lassen. Indem aber etliche sich auß Furcht in geistliche Kleider verstecket haben / damit sie das Gewehre darunter verbergen / und auf den Nothfall zu einem Auffruhr könten geschickt seyn / so hat er schleunige Ordre ergehen lassen / es solle nunmehr keine Geistliche Person bey schwerer Straffe sich im langen Kleide auf der Gasse finden lassen: verhoffet auch / dieses Werck werde jhr Eminentz nicht mißfällig seyn.

Phil. Mein liebster Freund / es hätte dieser Entschuldigung nicht bedurfft / was dem Herrn General beliebet / solches wird mir jederzeit gefallen.

Brav. Ingleichen war des Herrn Generals freundliche Bitte / es möchte jhr Eminentz belieben bey dero Person einen guten Anfang zu machen / und das lange Kleid so lange dahinden zulassen / biß sich der Zustand etwas geneigter weisen möchte. Denn auf solche Weise wird sich die übrige Geistligkeit desto gehorsamer finden lassen. Es wird auch wenige Straffe von solchen Personen zuerdulden seyn.

Phil. Ich sehe wohl / der Herr General setzt meine Freundschafft auf eine ziemlich harte Probe; doch damit er keine wiedrige Gedancken von mir schöpffen möge / so wil ich auch in diesem Stücke seiner Anordnung nicht zuwieder seyn.

Arp. Jhr Eminentz müssen selber bekennen / daß an diesen Mittel der gemeinen Wohlfahrt sehr viel gelegen sey.

Brav. Und derohalben hat der Herr General auch die gute Zuversicht gehabt / solches Werck mit euer Eminentz zu communiciren.

Phil. Es ist schon gut: vermeldet dem Herrn General meine Dienste und Gebeth-schuldigsten Gruß.

Brav. Es soll gehorsamst verrichtet werden.

(Arpaja und Bravo geben ab.)

Ghir. Wie können doch jhr Eminentz so geduldig seyn.

Phil. Bey solchen Zeiten muß uns die Gedult die besten Dienste thun.

Ross. Aber das Heilige Ambt wird dadurch geschimpfft.

Phil. Nein / es wird von weitern Schimpffe bewahret.

Ghir. Unsere Gedult giebt jhnen Anlaß noch mehr zubefehlen.

Phil. Das mögen sie thun.

Ross. Ich fürchte aber / es wird auf die letzt gar ungereimt heraus kommen. Ach sollen wir in Wambst und Hosen aufziehen / so werden wir der gantzen Bürgerschaft zu einem lächerlichen Spectackel dienen.

Phil. Ach jhr lieben Leute / es kan nichts so närrisch heraus kommen / es ist mir desto lieber.

Ghir. Ich wäre anders gesinnet / wenn ich eine so hohe Stelle bekleiden solte.

Phil. Ach jhr Lieben / was verwundert jhr euch? last den närrischen Buben nur so lange lauffen / biß er mit seinem unziemlichen Beginnen das Volck wieder sich erreget: Damit soll er ohne Schwerdt-Schlag zu Grunde gehen / und die Einfältigen / ja die Unschuldigen Bürger sollen nach jhrer eigenen Vergnügung erhalten werden.

Ghir. So müssen wir uns etliche Tage zu einer schimpfflichen Kleidung beqvemen.

Phil. Was die klügsten Leute nicht ändern können / das gereichet keinem zu Schimpffe.

Ross. Es wird bey der Ankunfft jhr Excellentz wegen der Geistlichen eine schöne Fastnacht geben.

Phil. Komt nur / daß wir die Kleider verwechseln.

Vierdter Handlung

Vierdter Aufftrit.

Lubrano, Conversano, Allegro in einem grossen Degen.

Lub. Was sol ich machen? mein Herr Vater ist aus der Stadt geflohen / und ich weiß mir selber nicht zurathen.

Conv. Es geht mir nicht anders / und zu meinem Unglücke ist mir der Hofemeister durchgegangen / damit bin ich aller Hülffe und alles guten Raths beraubet.

Lub. Ach daß ich nicht zehn Jahr älter bin / ich wolte mein Geschlechte nicht so schimpfen lassen.

Conv. Ach daß ich den Fischer Knecht auf unsern Gute nicht alleine haben sol / wie solten jhn unsere Drescher den Buckel waschen.

Lub. Er hatte ein Silbern Wamst an / ich dachte / solt ich der Schneider seyn / ich wolte dir etwas unter die Ermel neben / daß dir die Hoffarth vertreiben sollte.

Conv. Ich höre / er hat dem Vice-Roy die Füsse geküst: ich hätte jhm mit dem Fusse eines reichen wollen.

Lub. Aber nun sind wir zu schwach / und wissen nicht was wir thun sollen.

Conv. Da ist wohl ein Herr / der wil unser Hoff-Meister werden / aber wir können jhm schlechte Bestallung machen.

Lub. In meinem Hause sind wir nicht sicher.

Conv. So wollen wirs bey uns versuchen: ich weiß noch eine verborgene Kammer / da wir Speise genung holen können.

Alleg. Nun wie stehts jhr jungen Herren / habt jhr euch des Hoffmeisters wegen verglichen?

Lub. Wir bedürffen einen treuen Beystand – aber hat er auch Courage, wenn uns jemand überfallen wil?

Alleg. Wer wil mich überfallen? ich kenne keinen lebendigen Menschen / der mir etwas zu Leide gethan hat.

Conv. Das wäre viel. Wo lebt ein Mensch ohne Feinde?

Alleg. In dieser Kappe lebt ein solcher Mensch. Denn meine Feinde müssen alle sterben.

Lub. Es tauert mich noch nicht / daß wir den Hofmeister haben sollen: Aber versteht jhr euch auch auf die Ceremonien?

Alleg. Ha / ha / ich bin bey dem Könige zu Venedig sechs Jahr Ceremonien-Meister gewesen.

Conv. Ich dachte Venedig hätte keinen König.

Alleg. Ein untergebener muß nicht klüger seyn als der Hoffmeister. Ich weiß wohl / Venedig hat nur einen Bürgermeister: aber dasselbe mahl reisete ein fremder König Incognito durch / und bekam in den rechten Nasen-Loche einen Schaden / daß er sich sechs Jahr lang muste curiren lassen / und da war ich in den Wirths-Hause zur Höltzernen Sparbüchsen sein geheimer Cammer-Diener und Ceremonien-Meister.

Lub. Wie stehts um die Exercitia, wenn wir fechten / reiten und tantzen sollen?

Alleg. Jhr jungen Herren / ich wolte euer Hoch-Gräfl. Eltern wären zugegen / ich weiß sie würden dergleichen Künste nicht gesehen haben. Ich fechte mit der blossen Hand wieder einen blossen Degen. (Ad Spectat.) Wenn ich davon lauffe. Ich tantze drey Stunden nach einander und berühre den Boden nicht einmahl mit den Füssen. (Ad Spectat.) Denn ich tantze allzeit in Schuhen. Und wenn ich ein Pferd zwischen die Beine kriege / so reit ich in einem Futter sieben hundert Meilen. (Ad Spectat.) Denn mein gefütterter Brustlatz der verlast mich nicht.

Conv. So wären wir auch in diesem Stücke wohl versorget: aber mein Herr Vater wil einen Gelehrten aus mir haben; wir sollen allemahl Latein reden.

Alleg. Seyd jhr böse / so werfft mir nur ein Lateinisch Wort auf den Peltz / jhr solt sehen / daß mir das Latein aus dem Halse fliegen soll / wie ein Bienen-Schwarm.

Lub. Ey Bruder / rede doch was mit jhm.

Conv. Ey Bruder / du bist mit deinem Maule etwas geschwinder / fange nur an.

Lub. Er hat dich ausgefodert / du must jhm Bescheid thun.

Conv. Mein Herr Hoffmeister schrieb mir etliche Reden vor / die must ich in Gegenwart des herren Vaters herbeten; und da meinten sie alle Wunder / was ich vor ein gelehrter Kerle wäre. Also kan ich Latein reden / aber wenn ichs verstehen soll / so muß der dritte Mann darzu kommen / der mir aus dem Traume hilfft.

Lub. Ach Bruder / mein Latein besteht in lauter Vocabeln: doch rede nur was her. Wer weiß ob er uns verstehet / so machen wir jhn den Possen / und verstehn jhn wieder nicht.

Conv. Nun so geht es auf mein Latein loß. Qvandoqvidem Dominus Gubernator heri visitavit Dominum Colonellum.

Alleg. Siqvidem ego non curo Poncinellum.

Conv. Hodie habuimus ferias.

Alleg. Ego dico gratias.

Conv. Sic accessit dominus multum reverendus.

Alleg. Omni amoris & observantiæ cultu proseqvendus.

Vierdter Handlung

Fünffter Auftrit.

Die Vorigen / Piccone, Neri.

Picc. Was zum Element ist dieses vor ein Ungehorsam?

Alleg. Nu / nu / gemach jhr Herren / erschreckt mir meine Untergebene nicht.

Picc. Hat unser Herr General nicht befohlen / daß alle von Adel jhr Gewehr und jhre Degen in des Volckes Hände liefern sollen?

Alleg. Ich höre den Befehl zum ersten mahl: da ist mein Degen / verschont nur dieser Kinder / die werden vielleicht im Gesetze nicht mit begriffen seyn.

Ner. Ey aus Kälbern werden auch Ochsen. / und aus solchen jungen Graffen werden alte Tyrannen. Fort / oder wir brauchen Gewalt.

Conv. Ach / der Degen ist mir an meinem Geburts-Tage verehret worden.

Ner. In meinem Calender stehet der Geburts-Tag nicht.

(Sie nehmen ihnen die Degen.)

Vierdter Handlung

Sechster Aufftrit.

Die Vorigen / Angelo, Laudato.

Ang. Ich erschrecke vor einem Tumulte / der in unser Hauß dringen wil.

Laud. Ach betrübte Zeit / da man bey dem höchsten Unrecht keinen Helffer und keinen Richter anruffen kan. Doch jhr Herren Vettern / wie steht jhr so melancholisch?

Alleg. Da sind zwey Kerlen / die machen uns eine Glosse über die Melancholey.

Ner. Jhr Herren / wo kommen sie in dem Gewehr / so trotzig her / und wo dencken sie hinzu gehen?

Ang. Jhr Herren / braucht Bescheidenheit: es wird niemand von uns beleidiget.

Ner. Es ist der Herren jhr Glücke / daß sie noch in dem Pallaste sind. Wäre es auf der Gasse / so hätten wir Macht / jhnen die Halse zu brechen.

Laud. Behütte GOtt. So verfährt man nicht mit unschuldigen Personen.

Brun. Wer die Gesetze verachtet / der kan nicht unschuldig seyn. Unser General befiehlt dem Adel / daß sie ohne einige Wiederrede jhre Waffen in des Volckes Hände liefern sollen. Wo nicht so werden noch etliche Pech-Kräntze übrig seyn / die Ungehorsamen mit allen Ernste heimzusuchen.

Ang. Ach ist es an dem / daß der Herr General etwas begehret? hier ist unser Gewehr / und es stehet jhnen frey solches zu behalten / oder an uns wiederum zuverschencken.

Ner. Ich lobe der Herren Höfligkeit; wir wollen jhnen die Degen gern überlassen / doch mit dem Bedinge / daß sie dem Pöbel damit nicht in das Gesichte kommen.

Laud. Euere Höffligkeit verdienet ein Trinckgeld.

Brun. Ob uns zwar bey Leib und Lebens-Strafe verboten ist keine Finantze zu machen / so wird doch vermuthlich kein Verräther zu gegen seyn. Und damit leben sie wohl.

(Neri und Bruno gehen ab.)

Laud. Jhr guten Vettern / die Gefahr ist euch nahe gewesen.

Lub. Das haben wir dem schönen Hoffmeister zu dancken.

Conv. Er wolt uns beschützen / darnach als die Noth an den Mann gieng / so hät ich jhn wollen vor einen Hasen verkauffen.

Laud. So jaget den unnützen Buben zum Hause hinaus / und erwartet unser in dem nechsten Cabinet, denn es wird uns besser anstehen / vor euer Glücke wachsam zu seyn.

(Sie jagen ihn hinein.)

Laud. Wo ist auch in der Türckey so eine Dienstbarkeit erhöret worden? Soll nun der gemeine Pöbel über unser Gut / über unsern Leib / ja über unsere Adeliche Ehre gebieten können? Soll nun die gantze Stadt Neapolis den unauslöschlichen Spott in allen Historien davon tragen / daß so ein starcker und wohlgefaster Adel in wenig Tagen biß auf den eusersten Abgrund hinab gestürtzet ist?

Ang. Wer kan davor / wenn Vesuvius mit seinen Flammen ein Adeliches Schloß verderbet hat? und wer kan uns in der gantzen Welt beschuldigen / wenn die Flamme des allgemeinen Auffstandes unser Glücke ziemlich versengen soll.

Laud. Es ist ein schlechter Trost; der Vesuvius kan durch Menschliche Gewalt nicht eingeschlossen werden: Doch ein Auffstand solte billich durch unsere Klugheit seyn hintertrieben worden. Und ich sage nochmahls / unsere Sicherheit / oder wie es heissen möchte / unser Hochmuth bringet uns in das Unglück.

Ang. Aber / was sollen wir thun? Sind wir nicht demüthig gnung?

Laud. Das wollen wir thun / daß wir uns auf das Castell zu jhr Excellentz begeben / und inständig bitten / es möchte doch eine Versöhnung getroffen werden / wofern er uns noch lebendig wissen wolle.

Ang. Ich wil mich dieser Gesellschafft nicht entschlagen.

Vierdter Handlung

Siebender Aufftrit.

Elisa, Laura, Flavio, Roberto.

Flav. Ich halte / jhr Weiber seyd närrisch worden.

Rob. Und ich halte / jhr habet euch so hoch aufgeschürtzt / daß wir die Röcke sollen vor Hosen ansehen.

Flav. Ich habe meine Wache gegen den Hafen zu verrichten müssen / und da ich zu Hause komme / so find ich eine umgekehrte Welt.

Rob. Wie steht jhr so beschämt? es ist ja sonst der Weiber Gebrauch nicht / daß sie den Männern die Antwort lange schuldig bleiben.

Elis. Ach wir schämen uns.

Rob. Jhr seyd Ursache dran.

Elis. Gefehlt / mein lieber Schatz; Es ist ein Befehl da.

Laur. Ich weiß nicht / wo sich ein verfluchter Bandit in Weiber Kleider verstecket hat: nun sollen wir uns alle schürtzen / so kan zum wenigsten niemand einen Degen darunter verbergen.

Flav. Was alle Leute thun müssen / daß bringt uns keine Schande.

Elis. Endlich ist es gut / daß die Adlichen Personen so wohl jhre Röcke entweder ablegen / oder doch in Höhe schürtzen müssen.

Laur. Ja mein liebster Schatz / wenn ich an meinem Braut-Tage so aufgezogen wäre / hätten wir nicht sollen ein schönes Paar mit einander seyn?

Rob. Wil ich doch ein frommes Weib lieber geschürtzt / als ein böses Thier in der Schleppe haben.

Elis. Wir haben das Unglücke einmahl auf dem Halse / wir müssen nur selber damit schertzen.

Flav. Ach es ist kein Unglück. Man solte der Freyheit halber solche Röcke tragen.

Laur. Das war ein Wort: der Freyheit halben wolt ich meinen Rock gar ausziehen.

Elis. Und ich wolte meine Schlaff-Mütze mit in die Kirche nehmen.

Laur. Ich wolte mir lassen eine Cordawanische Schaube machen / wenn ich nur keinen Zoll vor das Brodt geben dürffte.

Elis. Und ich wolte mir die Beine biß an die Knie-Kehle schwärtzen lassen / wenn ich mich mit den Meinigen an einer Mahlzeit mit einem Brodte vor drey Pfennige behelffen könte.

Laur. Heysa / dazu gehöret ein Tantz. Viel Glückes zu unserer Freyheit! Kurtze Röcke und keine Contribution, das ist unsere Losung.

Elis. Heysa / wo ist der Spielmann / der mir eines auffiedelt? mich dünkt immer die Zeiten sind besser / da uns um die Beine was leichter wird.

Flav. So recht jhr Weiber / man muß bey dem itzigen Zustande lustig seyn.

Rob. Unsere Freyheit wird gebohren / und an dem Geburts-Tage muß man in freyer Kleidung erscheinen. Komt herein / der erste Spielman / der uns begegnet / der sol uns Gelegenheit geben / unsere Lust in den kurtzen Röcken zu probiren.

Elis. Itzund bin ich meinem Manne gehorsam / jhm zugefallen tantz ich mit.

Laur. Ich bin noch gehorsamer / jhm zugefallen trinck ich mit.

Rob. Das ist ein Ausbund frommer Weiber. GOtt geb / daß die Rebellion fein lange wehret.

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