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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 8
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Dritter Handlung

Zehender Aufftrit.

Caraffa, Matelone.

Car. Nicht so furchtsam Herr Bruder.

Mat. Wir sind verlohren / wo wir die Lufft von Neapolis eine Viertel Stunde länger geniessen wollen.

Car. Das wust ich ohne dem wohl / daß ich den Haß des allgemeinen Volckes verdienen würde. Indessen wil ich hoffen / es wird in Neapolis noch ein Winckel übrig sein / welchen die verfluchten Hunde nicht erforschen sollen.

Mat. Ich habe meine Pferde schon fertig / damit ich auf der Post den rasenden Buben entrinnen kan. Wil der Herr Bruder mir Gesellschaft leisten / so wird er desto leichter über solche Buben triumphiren können.

Car. Wenn alle von Adel auf die Flucht gedencken wollen / so hat der Pöbel gewonnen Spiel.

Mat. Und wenn sich alle von Adel wollen todt schlagen lassen / so wird niemand übrig seyn / der den Pöbel das gewonnene Spiel zuschanden macht.

Car. Ich kan den Vice-Roy nicht verlassen.

Mat. Und ich kan mich selber nicht versäumen. Doch es solte mir leid seyn / wenn mein Herr Bruder seine Resolution allzu spät bereuen möchte.

Car. Wir haben beiderseits eine gute Intention, und obgleich die bisherigen Anschläge sind verderbet worden / so werden wir doch bey unserer guten Sache nicht verzweifeln dürffen.

Dritter Handlung

Eilffter Aufftrit.

Salvador, Laudato, Afflitto.

Salv. Ich sehe wohl / Neapolis wird noch zu einem grossen Dorffe werden. Wenn die Edelleute daraus entweichen / so werden geringe Leute die Oberhand darin behalten.

Laud. Doch ist es mir von Hertzen lieb / daß der Pöbel selbst in gewisse Factiones vertheilet wird. War der Schelm Peronne nicht der vornehmste bey dem Masaniello, und hat derselbe nicht seines eigenen Freundes Todt gesucht?

Affl. Die Sache wäre so glücklich / daß man deswegen den Lobgesang singen solte: Aber nu viel Personen mit unserer Parthey mit interessiret leben / so wird solches auf der andern Seite die Einigkeit desto mehr befestigen.

Salv. Ich weiß noch nicht was vorgegangen ist.

Laud. Der Bandit Peronne lieget auf der Folter / und wer nur das geringste Merckmahl von dieser Gesellschafft an sich führet / der wird von dem unsinnigen Pöbel entweder in Stücken zerrissen / oder er wird zu gleichmäßiger Marter bey dem Leben erhalten.

Salv. Ich wolte / daß ein Rebelle den andern verzehrte / so hätten wir das Spectacul umsonst.

Affl. Aber was hat Peronne bekandt? Wird die Caraffische Familie nicht einer schrecklichen Sache beschuldiget? Werden diese vornehme Personen nicht allbereit durch die gantze Stadt gesucht? ach! wird nicht der Adel eben dieses leiden müssen / was die vornehmen Häupter verschuldet haben? Es ist an sich selber schrecklich / daß ein Hertzog mit Gifft / mit Brande / mit Blutvergissen und endlich mit Spitzbuben und Banditen umgehen wil.

Salv. Wir sind in grosser Gefahr.

Laud. Das heist / wer auf der Gassen nichts zuschaffen hat / der bleibe zu Hause / und erwarte den Ausgang / welcher so gar lange nicht verziehen kan.

Affl. Ja wohl / das heist / ein jedweder sey vor sich / und sehe / wo er selber bleibt / denn nunmehr wird auch ein Bruder den andern nicht von dem Tode retten können.

Dritter Handlung

Zwölffter Aufftrit.

Caraffa, Bonavita.

Car. Es wird mich niemand an diesem Orte suchen.

Bon. Jhr Gnaden versichern sich / daß Unglück ist anitzo dahin kommen / daß auch die heimlichsten Sachen verrathen werden. Ich bitte sie schonen unsers Klosters.

Car. Ich begehre nicht länger hier zuverziehen / als biß der außgeschickte Bothe wieder zurücke kömt. Ich wil hoffen sein Geistlicher Mönch-Habit wird jhm einen freyen Paß zu wege bringen.

Bon. Die Raserey des Volckes ist so hefftig / daß unser Closter darüber zu Grunde gehen könte.

Car. Ach / warum hab ich meinen Herren Bruder nicht gefolget! Er reitet im freyem Felde dahin / und verspottet alle Dräu-Worte / welche bloß in Neapolis zu Donnerschlägen worden sind. Doch jhr / Leute betrachtet doch an meinem Exempel / was ein hoher Stand vor Wirckung hat / wenn er von dem Glücke verlassen wird.

Dritter Handlung

Dreyzehnder Aufftrit.

Caraffa, Bonavita, Domenico.

Bon. Ach weh! dieser Bote wird nichts gutes bringen.

Dom. Ja wohl / ich bringe nichts als lauter Unglücke. Jhr Gnaden sind verdorben / und ich fürchte immer / nach seinem Tode wird unser Closter in der Asche liegen.

Car. Wer hat mich verrathen können / als der Bote?

Dom. Der gute Bruder ist aufgefangen worden / und ob er zwar den heimlichen Brieff unter die Fußsolen verstecket hatte / dennoch hat diese List gegen das verfluchte Gesindel nichts wircken wollen; wie er auch endlich die angedrohte Macht nicht hat ertragen können / so ist hierdurch unser Closter in einem solchen Zustande / da man sich alle Augenblicke eines jämmerlichen Uberfalls besorgen muß.

Bon. Ach jhr Gnaden schonen jhrer selbsten und machen sich bey Zeiten aus dieser Wohnung / welche viel zu schwach ist etliche 100000. Mann auffzuhalten.

Car. Ich sehe wohl / daß ich von aller Welt verlassen bin. Verbleibet in eurer Sicherheit / ich wil den Nahmen nicht haben / daß jemand an meiner Stadt verderben soll. Gehabt euch wohl jhr Herrn: ich wil auf gut Glück voran springen.

(Geht ab.)

Bon. Das haben wir Geistliche davon / daß wir nicht eher gesucht werden / als biß die euserste Noth kein ander Mittel erfinden läst.

Dom. GOtt helffe / daß wir dieses Zuspruches halben nicht etwas gefährliches zuerwarten haben.

Bon. Er ist mit Manier fortgeschafft; vielleicht fällt er dem Volcke in die Hände / daß wir auf unserer Seite keine Entschuldigung bedürffen.

(Gehen ab.)

Dritter Handlung

Vierzehnder Aufftrit.

Bardassa, hernach Caraffa.

Bard. So hab ich die Sache am besten getroffen; ich bin von meiner Mutter dahin gehalten worden / daß ich eine Dame von Fortun heissen soll: Und da hab ich zwar am meisten dahin getrachtet / daß mir von hohen Personen möchte aufgewartet werden / welche mehrentheils jhre Affection am allertheuersten bezahlen können. Doch nunmehr haben wir die Zeit erlebet / da ein vornehmer Mann seiner Kurtzweil und seiner Courtoisie gar wohl vergessen kan. Hätt ich nun keine Banditen und keine gemeine Leute auf der Seite / so wäre mein Handwerck auf einmahl verdorben. Doch sieh da / was bekom ich da vor einen vornehmen Gast?

Car. Ach meine wertheste Gebietherin / sie vergönne mir doch einen geringen Auffenthalt in diesem Hause.

Bard. Jhr Gnaden / ich sehe sie vor eine solche hohe Person an / der mein geringes Hauß nicht wohl anstehen möchte.

Car. Mein Kind / ich habe vielmahls Verlangen gehabt / jhrer angenehmen Conversation zugeniessen / weil sie mir offtmahls als eine höffliche Person ist gerühmet worden: Doch nunmehr seh ich wohl / wie mich das Glück biß zu einer Zeit gesparet hat / da ich meiner schönen Gebieterin das Leben dancken soll.

Bard. Ach behütte mich der Himmel / daß ich mir solche hohe Sachen einbilden solte! sonderlich in dem meine Einfalt so groß ist / daß ich aus Unwissenheit als eine unbekannte jhr Gnaden den gebürenden Respect nicht erweisen könte.

Car. Ich bin unbekannt: aber diese zwey hundert Ducaten sollen mich bekandt machen / daß ich eine einzige Wohlthat Lebenslang mit dergleichen Danckbarkeit erkennen wil.

Bard. Ich entsetze mich vor diesem Geschencke / weil ich keine Gelegenheit vor mir sehe / wie solches möchte vergolten werden.

Car. Meine Schönste / ich bin der Hertzog von Caraffa / welchen der rasende Pöbel nunmehr zu einem blutigen opffer aufsuchet. Ist es nun möglich / daß ich unter dem Schatten meiner Gebieterin so lange kan verborgen bleiben / biß sich die trübe Wolcke verziehen möchte / so wil ich hier mein Hertz und mein Vermögen zu Pfande geben / daß sie allzeit die Helffte meines Glückes in jhrem Besitze haben soll.

Bard. Ach weh! jhr Gnaden / warum soll so ein theures Haupt so schlecht verwahret seyn? Ich bekenne meine Schwachheit / wofern ich von dem Pöbel möchte angesprungen werden.

Car. Bey itzigen Zeiten ist ein geringes Hauß zur Sicherheit viel beqvemer als ein Fürstl. Pallast. Und also bitt ich noch einmahl / sie verdiene die Ehre / daß ein Hertzog bey jhr auf den Knien um sein Leben bitten muß?

Bard. Jhr Gnaden beschämen mich mit einer Ehre / welche mir zu leisten oblieget. Ich bin eine getreue Dienerin / und so lange das Bett in meiner Kammer nicht zu reden anfängt / so lange sollen jhr Gnaden keine Lebens Gefahr zubesorgen haben.

Car. Ach meine Schöne / was vor hohen Danck werde ich deswegen schuldig seyn? Doch anitzo folg ich nur / wohin mich jhr süsser Befehl begleiten wird.

Bard. Die Kammer ist offen / sie verfügen sich hinein / ehe sich ein Verräther angiebt.

Car. Ich wil gehorsam seyn; unterdessen bleibt jhr mein Glücke befohlen.

(Geht ab.)

Bard. Ja / ja / dein Glücke soll mir gar schöne befohlen seyn. Es ist nun gleich Zeit / daß mich ein Hertzog sucht / der einer Person meines gleichen niemals einen Heller zugewendet hat: Und wo ich mich noch besinnen kan / so ist mir eben aus seinem Pallast der Possen einmahl wiederfahren / daß mir ein Topff mit schwartzer Farbe gleich auff den Kopff geworffen ward. Was gilts ich wil mich bezahlt machen / ehe die Sonne wird untergehen. Ich habe doch ausser diesem Gelde wenig zuerwarten. Und was im übrigen von grossen Leuten bey schlimmer Zeit versprochen wird / das können sie bey guten Wetter desto leichter vergessen. Nun ich halt immer / da bekomm ich Gäste / welche dem lieben Herren in der Kammer das Bad und den Schlaff gesegnen werden.

Dritter Handlung

Funffzehnder Aufftrit.

Bardassa, Bravo, Piccone.

Brav. Wie so alleine mein Liebgen?

Bard. Und wie so langsam jhr lieben Hertzen?

Picc. Kan man doch vor Blut-vergiessen nicht dazu kommen / daß man sich der guten Freunde erinnern könte.

Bard. Ey so haben gleichwohl meine Herrn diesen Tag Blut vergossen?

Brav. Ja meines Handwercks bin ich ein Rothgiesser; und wäre die Arbeit etwas langsamer an uns kommen / so möchten wir die Ehre nicht haben / so einer Galanten Person auffzuwarten.

Picc. Unserm Herrn Obersten war das Brod gebacken.

Brav. Doch die Galgenvögel haben sieh daran zu tode gefressen.

Picc. Nun werden sich andere daran spiegeln.

Brav. Und nun werden wir desto muthiger seyn / wenn uns ein artiges Frauen-Zimmer mit guter Affection begegnen wird.

Bard. Nicht so muthig / mein Herr: die Feinde sind noch nicht alle todt.

Brav. Das weiß ich wohl / daß die Caraffische Familie noch nicht vertilget ist / und daß wir noch manchen Halß werden zerbrechen müssen / ehe die Sache mit dem Volcke zu einem guten Ende gedeyen wird. Doch vor itzo werden die Wiedersacher schon etwas schüchtern seyn.

Bard. Wüste mein Herr so viel / als ich weiß / so würde er vielleicht seine Courage etwas wohlfeyler geben.

Brav. Ich habe mein Hertze längst mit dem jhrigen getheilet / so wird sie auch dieses Geheimnis nicht allein vor sich behalten.

Bard. Es geschieht aus Liebe / daß ich verschwiegen bin.

Brav. Und ich muß an der Liebe zweifeln / wenn die Sache bey mir verschwiegen wird.

Bard. Er ist mir zu lieb; Und ich weiß / wenn ich meine Gedancken sagen solte / so hätte ich eine Leiche im Hause.

Brav. Wer mich kennet / der kan mir dieses nicht schuld geben / daß ich vom Erschrecken sterben solte.

Bard. Die Worte sind gut: aber wenn ich keine Leiche im Hause haben wil / so muß ich doch schweigen.

Brav. Mein Kind / sie gebrauche sich doch der Complimente / darauff ich antworten kan: Denn ich weiß nicht / wie sich die Sprache verändert.

Bard. Jhr liebsten Freunde / was soll ich euch viel aufhalten? der Hertzog von Caraffa hat seine Zuflucht zu mir genommen / und steckt in meinem Bette verborgen.

Brav. O ich unglückseliger Mensch! wie vergebens hab ich mit meiner Einbildung gespielet! Wo Fürsten und Herren das Bette beschreiten / da wird ein armer Cavallier von Fortun meines gleichen wenig zu geniessen haben.

Bard. Mein Kind beliebet zu schertzen. Ich kan es mit guten Gewissen sagen / daß ich den lieben Herrn nicht gekandt habe. Damit jhr auch seht / daß mir an der Affection von meines gleichen mehr gelegen ist / so mögt jhn nach eurem Gefallen sieden oder braten.

Brav. Bruder / davon müssen die unsrigen Nachricht haben.

Picc. Ich wil genung Volck zusammen bringen. Mich düncket im Bette wird ihm ziemlich warm seyn / wo er auff die Gassen komt / so wird er auff den hitzigen Paroxismum in wenig Stunden das Kalte bekommen.

(Geht ab.)

Bard. So werd ich Ursache an einem Todtschlage seyn.

Brav. Der Todschlag ist ehrlich / welcher dem Volcke zum besten geschiehet. Ein solcher Verräther ist nicht werth / daß jhn die Sonne länger bescheinen soll.

Bard. So darff er nicht gehencket werden / sonst möcht jhn die Sonne mehr bescheinen / als wenn er seinen Fürstlichen Pallast bewahrete.

Brav. Meine Liebste suchet mich auf allen Seiten zu vexieren: allein ich hoffe / die Reihe wird auch an mich kommen.

Dritter Handlung

Sechzehnder Aufftrit.

Bardassa, Bravo, Piccone, Mattheo, Furfante, Formaggio, Bruno. hernach Caraffa.

Picc. Fort / fort / es bedarff keiner Ceremonien: der Verräther ist in unserer Gewalt.

Matt. Die Person soll vortreflich belohnet werden / welche sich gegen der Stadt Neapolis so vortreflich meritirt; doch komt jhr Pursche / der Vogel muß aus dem Neste.

Picc. Nur hurtig hinein gedrungen: ich weiß / der Hund ist vor Schrecken halb todt.

(Alle zusammen / indem Mattheo den Hertzog aus der Kammer hervor zeucht.)

Schlag todt den Verräther / den Vergiffter / den Mordbrenner / den Schelm / etc.

Matt. Ha / du Bluthund / wo ist die Macht / die uns nunmehr an deiner Straffe verhindern soll?

Car. Jhr Herren / ich bitte / sie gehen doch etwas gnädiger mit mir um.

Matt. Ey sind wir nun Herren / und sol uns nun auch ein bißgen Gnade abgebettelt werden? Ja / ja / wir wollen dirs an deinem Leibe beweisen / daß wir auch Herren über eines Hertzogs Leben sind.

Car. Was hab ich denn verschuldet? und warum soll ich so schimpflich fortgeschleppet werden?

Matt. Hastu nichts verschuldet? warum kreuchstu in ein Huren-Bette? Dieses Lager gehöret gleich vor einen Hertzog / der sich ohne Spott und Schande vor den Leuten zeigen darff.

Car. Es kan auch wohl der unschuldigste Mensch erschrecket werden.

Matt. Was? Bistu unschuldig? Sage mir zuvor / warum hastu dich verkrochen?

Car. Hat denn dieses Hauß so einen allgemeinen Haß verdienet?

Matt. Wilstu noch nicht recht auf meine Frage antworten? Sage mir / was hastu auf der Gasse gefürchtet / als dir die Flucht in dieses Hauß beliebete? Sage fort; oder du solst die Ursache von uns hören / du Verräther.

Car. Ich habe nichts gethan.

Matt. Es ist war / du hast nichts gethan. Doch etliche tausend Schelmstücke hastu angegeben / die von andern Galgen-Schwengeln hätten sollen gethan werden.

Car. Ich weiß / daß ich unschuldig bin.

Matt. Hört doch der Verräther darff uns noch Lügen straffen; fort und bringet jhn auf den Platz / da er sein Bubenstücke bekennen sol.

(Er wird von allen mit einem grausamen Geschrey hinein geschlept.)

Brav. Mein Kind / darff ich so kühne seyn / und den Platz besehen / wo diese vornehme Person gelegen hat?

Bard. Es steht jhm frey. Ich wil indessen hier an der Thüre verziehen.

Brav. Ach nein / es hat diesen Verstand nicht / ich werde es nicht eher thun / als in jhrem Geleite.

Bard. Allein ich fürchte mich.

Brav. Liegt doch kein böser Mann im Bette.

Bard. So komt ein falscher Freund in die Kammer / der mich vexieren wil.

Brav. Mit solchen unnöthigen Reden verlieren wir die Zeit.

Bard. Ich weiß wohl / daß er die Zeit schändlich verliehren wird.

Brav. Immer hin / genung daß ich einem Hertzoge nach dem Lager gesehen habe.

Dritter Handlung

Siebzehnder Aufftrit.

Masaniello, Arpaja, Vitale, Geonino nebst den andern.

Mas. So haben nun die verfluchten Verräther jhren verdienten Lohn! und so mag der Vice-Roy die verhinderung unsers Vertrages denselben beimessen darauff er sich am meisten bißhero verlassen hat.

Arp. Peronne hätte mehr bekandt / wenn jhm die Folter noch etwas besser zugesetzet hätte.

Vit. Doch die Andern haben sich desto besser heraus gelassen.

Geon. Was wollen wir thun? Wir haben nicht Zeit alle Schelmen zu martern. Der gantze Adel ist uns aufsätzig: wenn wir allen das Licht ausblasen / so werden wir bessere Zeit zugewarten haben.

Arp. Nunmehr hab ich gesehen / daß keinem Banditen zu trauen ist / da sie doch bey jhrer Compagnie sonsten so gute Ordnung zu halten wissen.

Vit. Und ich besorge / manche Banditen werden sich in Münchs-Kappen verstecken / weil die Mönche selber den grossen Herren ziemlich viel zugefallen thun.

Geon. Und ich besorge / mancher Schelm wird sich in ein Weibes-Kleid verkriechen / so kan er den Degen darunter verbergen / biß sich bey Gelegenheit ein Mord begehen läst.

Arp. Die Banditen müssen aufgesucht werden. Es sind doch alle Schelmen: und wenn gleich der Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muß / so begeht mann doch keine Ungerechtigkeit.

Vit. Und so lange dieser Tumult noch wehret / so muß den Geistlichen das lange Kleid verbothen werden.

Geon. Und ich halte davor / die Weiber müssen entweder Hosen anziehen / oder sie müssen in subtilen Röcken biß über die Knie geschürtzt gehen.

Arp. Die Verordnung wegen des langen Kleides würde dem Herren Ertz-Bischoff ziemlich nahe gehen.

Vit. Und unser delikates Frauen-Zimmer würde sich mit der Schamhafftigkeit entschuldigen.

Geon. Man gebe ein Gesetz: wer etwas dargegen einzuwenden hat / der sol erfahren / daß wir Herren über Neapolis sind.

Mas. Recht so / lasset den Befehl gleich überall bekant machen / daß alle Manns und Weibes-Personen von Hohen biß zum Niedrigen / ohn allen Unterscheid die langen und verdächtigen Kleider ablegen sollen / wer noch einen Befehl erwarten wil / der sol Schwerdt und Feuer zu Lohne haben.

Dritter Handlung

Achtzehnder Aufftrit.

Die Vorigen / item Mattheo mit seinem Anhange / welcher Caraffa geschleppet bringen.

Matt. So komme doch du verfluchte Bestie / damit dich unser Herr auch ansehen kan.

Car. Ach warum werd ich so geplaget? Tödtet mich nur / daß jhr mein Blut auf einmahl sauffen könnet.

Matt. Du solst mit dem Sterben schon bedacht werden / wenn die nöthigen Ceremonien werden vorüber seyn.

Car. Jhr Hunde / habt jhr ein Hertz mich zu qvälen / so wird ja ein Schelmisches Messer vorhanden seyn / das mich erstechen kan. Nun seh ich erst / daß ich unter Schelmen und nichtswürdige Holuncken gerathen bin.

Form. Du verfluchtes Läster-Maul / die Worte sollen dir bald verboten werden.

(Er schneidet ihm mit einen Messer den Kopff ab.)

Matt. Ey das geschach zur Unzeit.

Form. Das Läster-Maul hätte doch nicht geschwiegen / so hat er sein Recht.

Matt. Ja / so hat er seinen gnädigen Tod.

Form. Ich wolte / daß alle meine Feinde dieser Gnade geniessen solten. Doch wo ist eine Stange / daß wir den Kopff darauff stecken können.

(Die Stange wird ihm gegeben.)

Matt. Das Aaß wird nicht wieder lebendig / der Kopff gehöret vor unsern Herrn Obersten / wer sich in den Rumpff theilen wil / der hat volle Gewalt.

(Er wird hinein geschlept.)

Form. Herr Schwager / Herr Oberster / hier ist der verfluchte Kopff / der sich über seinen Bubenstücken zu Tode geblutet hat.

Mas. Zu früh / zu früh. Er war in unserer Gewalt / nun ist er uns entlauffen. Doch last mich das boßhafftige Haupt recht betrachten.

Form. Es scheinet / als wenn es auch im Tode noch die leichtfertigen Minen nicht abgeleget hätte.

(Es wird dem Masaniello vorgehalten.)

Mas. Sieh da / solten dir zu gefallen mehr als hundert tausend Seelen zu Grunde gehen? Bistu der Banditen Patron? bistu der Gifftmischer / dessentwegen sich so viel tausend unschuldige Kinder hätten sollen zu Tode sauffen? Kom her / und heiß mich nun / du Bluthund. Wilstu nicht / so wird dir ein Qvartier an einem vornehmen Orte bestellet werden. Auff / und legt es in ein Eisern Gegitter / damit man es neben einem Fusse über den Stadt-Thore zum ewigen Gedächtnis auffhencken könne. Jhr aber / jhr meine Getreue / nehmet ein Exempel / wie leicht die Göttliche Straffe die heimliche Boßheit heimsuchen / und aus den verborgensten Winckel zum gerechten Verdamnis befördern könne. Stecket auch neben den verfluchten Kopffe noch anderthalb hundert Banditen Schädel / damit die Nachwelt die Caraffische Gesellschafft erkennen möge. Im übrigen bleibet es bey den Befehle mit den langen Kleidern. Ingleichen schaffet / daß ein jedweder Bürger des Nachts / vor seinem Hause Licht und Feuer halte / wofern er von uns mit Feuer nicht wil heimgesuchet werden.

Matt. Aber sollen wir dem Vice-Roy noch länger zusehen / der ohne Zweifel gute Wissenschafft von dieser Verrätherey gehabt hat?

Mas. Wir wollen von seiner Person das beste hoffen. Doch weil es sich zu keinem Vertrage wil ansehen lassen / so gebet achtung / daß keine Victualien in das Schloß geführet werden: Ingleichen hauet die Wasser-Röhre ab / daß sie vor Durst verschmachten müssen. Im übrigen bedenckt / daß auf unsere tapffere Beständigkeit die gantze Wohlfart von Neapolis gegründet ist.

(Geht ab.)

Dritter Handlung

Neunzehnder Aufftrit.

Allegro hernach Truffaldino.

Alleg. Nun steh ich wieder auff der Adelichen Parthey; Denn es gefällt mir doch bey dem Vice-Roy besser / als bey dem gemeinen Volcke. Nur ein Mühlstein von sieben und zwantzig tausend Pfunden liegt mir auf den Hertzen / den ich mit meiner Klugheit nicht abweltzen kan. Denn meine Narren-Compagnie läufft mir auff allen Gassen nach und wil zu fressen haben. Nun ruff ich alle Welt zum Zeugen an / daß mir niemand einen faulen Hering / geschweige den eine Zerbelat-Wurst gebothen hat. Wo ich nun als ein Ober-Officirer mit ledigen Sacke zubinden muß / so mag meine Compagnie verhungern. Ich wil deswegen meine Fahne nicht schwärtzen lassen.

Truff. (Kömt und bringet einen mäßigen Kasten getragen.)

Alleg. Aber siehe was bringet dieser Gast?

Truff. Guten Tag Herr.

Alleg. Merckstu was / daß ich wieder ein Edelman bin? Grossen Danck / nicht Herr.

Truff. Wohnt nicht hier ein närrischer Kerl / der den Vice-Roy entlauffen ist?

Alleg. (Ad Spectat.) Der Kerl hieß mich vor einen Herren / so wird er mich nicht meinen. Jhr guter Kerl / wen sucht jhr?

Truff. Des grossen Herren in Neapolis seinen Hoff Narren.

Alleg. Was habt jhr bey jhm zu schaffen?

Truff. Nein ich sage nichts / er muß selber da seyn.

Alleg. (Ad Spectat.) Da wär ich ein Narr / daß ich meine Person zu erkennen gebe. Doch jhr guter Kerl könt jhr auch warten / biß er wieder kömt?

Truff. Ey da hab ich die Briefe vom warten. Wenn jemand ein Geschencke bekommen soll / so möchte er auch zu Hause bleiben.

Alleg. Ja habt jhr ein Geschencke?

Truff. Das versteht sich. Es sind etliche gute Freunde in der Stadt / denen ist erzehlet worden / als wenn dem ehrlichen Hoff-Narren seine Kleider wären gestohlen worden; Drum schicken sie einen gantzen Kasten vol güldene Stücke / daß er sich wieder kleiden sol.

Alleg. Ey last mich doch die Raritäten ansehen.

Truff. Ja / ja seht den Kasten an / so lang jhr wolt.

Alleg. Der Kasten ist nicht von Glase / und ich bin kein Lux / der durch ein Bret sehen kan.

Truff. Wenn der Hoff-Narr kömt / so mag er die Sachen sehen lassen / wen er wil.

Alleg. So muß ich mich doch zuerkennen geben. Da steht Signor Allegro in Lebens Grösse.

Truff. Es kam mir doch vor / als wenn jhr in seine Freundschafft gehöret; seyd jhrs aber? daß ich mit dem Geschencke nicht unrecht ankomme.

Alleg. Wenn mir jemand was schencken wil / so heiß ich Allegro. Wenn ich aber was leiden soll / so ist Allegro nicht zu Hause / und ich heisse / wie des Goldschmieds Junge dachte.

Truff. Je nu Herr / so nehmt doch den Kasten an: es wird schon auf einem jedwedern Stücke geschrieben stehen / wer es verehret hat. Denn es seyn gar viel vornehme Herren / die haben zusammen geschossen.

Alleg. Haben sie gleichwohl zusammen geschossen? Je nu / nu / setzt mir nur das Geschencke da nieder: wenn ich den Schatz besehen werde / so wil ich schon wissen / wie weit sich meine Danckbarkeit erstrecken soll.

Truff. Braucht die Silberstücke gesund.

Alleg. Ey laufft mir nicht weg / ich muß euch ein Trinckgeld geben.

Truff. Ach nein / ach nein / ich nehme fürwar nichts.

Alleg. Ey sagt doch / was jhr haben wolt. Ich seh / daß jhr ein Trinckgeld verdienet habt.

Truff. Meine Herren werden mich schon bezahlen; nehmt nur mit meiner Auffwartung vor lieb.

Alleg. Ich kan es aber nicht geschehen lassen. Zum wenigsten müsset jhr einen Rausch mit mir trincken / und wenn ich zwey güldene Stücke darüber versetzen solte.

(Truffaldino wil gehen / Allegro zeucht jhn zurücke / und complimentiret so lange mit jhm / biß inwendig ein Zeichen gegeben wird / daß der Kasten unter dem Theatro zu rechte gemacht ist / als denn laufft Truffaldino hinein.)

Alleg. Jhr Herren / jhr seyd meine Zeugen / es war dem guten Kerl mit keiner Ehre gedienet / ich hätte sonst mein euserstes gethan / aber er wolte nicht / so darff er mir keine Schuld geben / wenn eine Spinne-Webe in seiner Kehle wachsen möchte. Unterdessen werd ich nun mein Geschencke betrachten.

(Allegro macht den Kasten auf / und da fängt er überlaut an zu schreyen. Indem kömt ein kleiner Narr heraus / und jagt ihm herum / mit diesen Worten / schaffe mir zu fressen: Hastu mich geworben / so mustu mich erhalten. So offt Allegro zu dem Kasten hinkomt / springt allzeit ein neuer aus den Kasten heraus / und da wird er weidlich von jhnen gezwackt.)

Alleg. Ach jhr lieben Getreuen / last mich nur zu Kräfften kommen / ich wil euch gerne Proviant schaffen: geht nur wieder ins Qvartier.

(Sie sämtlich schreyen: Nein / nein / daß lassen wir bleiben / schaff uns ein Qvartier / da Brodt / Wein und Fleisch zum besten ist.)

Alleg. Halt / halt / bin ich Ober-Officirer und habe nicht bessern Respect. Ich wil euch andre Künste weisen.

(Er haschet einen nach den andern und packt sie in den Kasten wieder ein / und macht hierauf zu.)

Nun begegne mir der Lumpen-Hund mit seinem Geschencke / ich wil jhm die Güldnen Stück anstreichen / daß sein Kopff über und über zu einen rothen Stück werden soll. Doch wie nun zuthun? Die Compagnie bleibt mir übern Halse: schmeiß ich sie ins Wasser / so fürcht ich mich der Sünde. Ich halte davor / es wird am besten seyn / wenn ich sie vor ein Nest Carnickelgen verkauffe.

(Er agirt poßierlich / und schlept den Kasten hinein.)

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