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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Andrer Handlung

Erster Aufftrit.

Caraffa, Matelone, Ristaldi.

Car. Bey solcher Beschaffenheit steht die Sache gar gefährlich.

Rist. Es ist nicht anders als ich sage. Der Vice-Roy hat eine geschriebene Versicherung dem Volcke überliefert: allein sie haben nicht genung daran / biß die alten Privilegia an den Tag kommen / und dergestalt das gemeine Wesen auf den Fuß gesetzet wird / darauff es vor hundert Jahren geruhet hat.

Car. Die Foderung ist ziemlich hart. Daß sie aber noch weiter zufahren und den Adel um die volle Autorität bringen wollen / dieses wird nicht eher geschehen / als biß uns ingesamt die Hälse gebrochen seyn. Was? hat der Adel von so langer Zeit her vier Vota gehabt / da hingegen das Volck nur mit einen sich behelffen müssen? und anitzo sollen wir die Fischer-Knechte und das andere Lumpen-Gesinde so weit kommen lassen / daß sie mit den Votis dem Adel gleiche werden? so wolt ich lieber die gantze Stadt in Gifft und Brande verderben sehen.

Rist. Ich weiß aber nicht / wie dem Ubel wird zu begegnen seyn. Die Zurüstung ist überaus erschrecklich. Alle Kaufleute / welche mit Gewehr und Munition handeln / die müssen jhren Vorrath heraus geben. Einer der auff Befehl des Masaniello mit seinem Pulver nicht heraus wolte / dem ist das Hauß in die Lufft gesprenget worden / darbey über 60. Personen jämmerlich zerschmettert sind: und es fehlete wenig / so hätten sie den Königlichen Pulver-Thurm preiß gemacht / wenn das Pulver nicht in aller Eil wäre in das Wasser geworffen und verderbet worden. Ach! so weit haben wir es gebracht / daß wir uns selber entwaffnen müssen / wofern wir gegen dem Feinde wollen sicher seyn!

Car. So werden wir doch eines wagen müssen / ob meines Herren Bruders Autorität bey dem Volcke was ausrichten möchte.

Rist. Ihr Excellentz der Herr Vice-Roy wird an dieser Resolution ein sonderbahres Gefallen haben / und ich werde nicht säumig seyn / solche angenehme Zeitung zu überbringen.

Car. Er kan seine Botschafft ausrichten / wir wollen das unsrige thun.

(Ristaldi geht ab.)

Mat. O verfluchte Zeit / da wir dem gemeinen Pöbel schmeicheln müssen!

Car. Die Zeit möchte noch verfluchter seyn / wenn unsere Schmeicheley nicht verfangen wolte.

Mat. Mich düncket / meine Anschläge werden die besten seyn. Es sind etliche Banditen auf des Volckes Seiten getreten / dieselben möchten sich durch unsre Geschencke zu etwas bewegen lassen.

Car. Die Banditen sind zu schwach.

Mat. Wo die Gewalt nicht zulangen wil / da wird ein listiges Stücke den Ausgang erhalten.

Car. So lange die offene Gewalt zu rasen pfleget / so lange sind die listigen Anschläge sehr zweifelhafftig.

Mat. Ich meine / man muß etliche hundert tausend Personen weniger machen.

Car. Bewehrte Leute lassen sieh nicht so leicht tod schlagen.

Mat. Wir haben einen freyen Zutrit zu dem Wasser / welches durch Canale in die Stadt geleitet wird: vielleicht wird solches vergifftet / so fallen unsre Feinde wie die Fliegen dahin.

Car. Es ist ein Werck von grossen Nachdencken.

Mat. In solchen Fällen wird das überflüssige Nachdencken zur Thorheit.

Car. Das Ubel möcht auff unsern Kopff kommen.

Mat. Wenn die Fliegen gestorben sind / so werden sie unsre Köpffe zu frieden lassen.

Car. Der Herr Bruder bildet sich den Außgang gewisser ein als man hoffen kan.

Mat. Der Bandite Peronne hat mir vor dieser Zeit etliche getreue Dienste gethan. Alldieweil er nun bey dem Masaniello sehr viel zu sprechen hat / so wird er sich leicht bereden lassen / das Volck mit Gifft / und den Fischer-Knecht mit einer Kugel aus dem Wege zu räumen.

Car. Wir wollen zuvor die Leutseligen Mittel versuchen / biß wir zu ärgern Sachen genöthiget werden.

Mat. So lange wir Leutselig seyn / so lange bemühen wir uns vergebens: Doch unsre Grausamkeit muß durch solche Bemühung entschuldiget werden.

Andrer Handlung

Anderer Aufftrit.

Masaniello, Peronne, Arpaja, Vitale, Formaggio, Geonino.

Mas. So wil ich demnach erweisen / daß ich mit meinen bisherigen Reden ohne alle Schuld und Ursache bin verspottet worden / und die Bluthunde sollen mit jhren Schmertzen erfahren / was sie durch jhre Grausamkeit verdienet haben: Ich habe dem gesamten Volcke nicht wiederstehen können / als sie mich zu jhrem General bestätigten: gleichwohl aber so wil ich dieses geringe Fischer-Kleid zum Zeugen anruffen / daß ich nicht einen Heller von dem gemeinen Gute zu meinem Nutzen anzuwenden gedencke. So bald die Sache wird in einen ruhigen Stand gediehen seyn / und so bald unser Volck die alte Freyheit wiederum besitzen wird / so bald wil ich auch meinen Regiments-Stab mit einem Fischer Angel vertauschen / und die vorige Vergnügung meines Lebens desto frölicher geniessen.

Geon. Wir dürffen uns auf Seiten des Adels keiner gewissen Freundschafft versichern / biß wir unterschiedene Palläste zustöret / und ein allgemeines Schrecken unter die reissende Wölffe gebracht haben.

Per. Und das Schrecken wird desto hefftiger seyn / wenn alles durch Feuer verderbet wird / damit auch kein Gedächtnis von dem Gottlosen Reichthum zurücke bleibet.

Vit. Es ist wahr! wenn sich die Bürger in den Raub theilen wolten / so möchten sie unter sich selbst uneins werden.

Geon. Es ist wahr! doch wenn der Adel wüste / wo die Sachen wären hinvertheilet worden / so möchte eine Zeit kommen / darinnen sie das jhrige wiederfordern wolten.

Arp. Doch das gemüntzte Geld möchte noch von dem Feuer loß zu bitten seyn.

Form. Das Geld ist den armen Bürgern abgezwungen worden / so möchte man es nun der Bürgerschafft zum besten behalten.

Mas. Euer Rath taugt nichts! was in den verfluchten Häusern anzutreffen ist / das sol die Straffe solches Fluches in dem verzehrenden Feuer ausstehen. Auff / und rühret die Drommel / und folget mir in voller Ordnung auff den Marckt / da sollen euch die Häuser zur Verstörung angewiesen werden.

(Hier geschieht der Auffzug über das Theatrum. 1. Masaniello mit den Seinigen / nebst etlichen Banditen. 2. Die Bürger. 3. Masaniello Frau mit den Weibern. 4. Die Bürgers Kinder. 5. Die Bauern. 6. Allegro mit seinen kleinen Narren / welche mit kleinen Drommeln und Pfeiffen sich hören lassen.)

Andrer Handlung

Dritter Aufftrit.

Flavio, Roberto, hernach Allegro.

Flav. Ich bin mit aufgezogen: aber ich fürchte / das Blätgen möchte sich bald umkehren.

Rob. Drum müssen wir beisammen halten. Der Berg muß doch einmahl überstiegen seyn.

Flav. Mit grossen Herren ist nicht viel auszurichten: weil wir im Gewehre beisammen stehen / so geben sie gute Worte / darnach wissen sie schon wie sie uns beikommen sollen.

Rob. Wenn wir die Privilegia in die Hände kriegen / so werden sie es wohl bleiben lassen / daß sie uns beikommen.

Flav. Abgezwungene Privilegia machen hernach eine gezwungene Erklärung.

Rob. Die Erklärung muß nach unserm Kopffe gehn / so lange wir beisammen halten.

Flav. Gar recht / so lange wir beisammen stehn; aber laß nur acht Tage in das Land kommen / und siehe darnach zu / ob so viel hundert tausend Mann werden im Gewehr bleiben.

Rob. Wer nicht wil / muß den Kopff lassen.

Flav. Der Zorn wird sich gar bald mäßigen; Wir und unsere Kinder wollen essen: durch müßig gehn verdienen wir nichts; sollen wir aber nach unserer Gelegenheit arbeiten / so können wir nicht beisammen bleiben.

Rob. Ein jedweder Handwercks-Mann mag seine Büchse bey der Werckstadt liegen haben / daß er bey dem Sturm-Schlage mit heraus wischen kan.

Flav. Es muß aber allezeit eine Menge beisammen seyn / welche den Thürmer commandirt / wenn er stürmen soll.

Rob. Ein Theil der Stadt wird nach dem andern aufgebothen.

Flav. Aber giebt es keine Versäumnis? ob wir bißher mehr Contribution gegeben / oder ob wir ins künfftige wenig Geld verdienen?

Rob. Mir nicht. Ich wil mich bey meinem Müssiggange gar wohl befinden / und mancher Edelmann soll mich um eine Wohlthat ansprechen.

Flav. Ach Bruder / gedencke mir nicht an den Adel: er schweigst itzo stille / und läst euch außrasen; aber ich fürchte / sie werden eine Karte mit einander mischen / dabey mancher seine Ehre / sein Gut und sein Blut verlieren möchte. Ach! warum leben wir nicht friedlich? hat uns GOtt eine schwere Last aufgeleget / so ist es besser unrecht leiden / als unrecht thun. Und wenn wir uns lange wiedersetzen / so werden wir doch wieder GOttes Willen nimmermehr zu freyen Leuten gerathen.

Alleg. (Komt gelauffen.) Ha du Verräther / du Schelm / wilstu auf den itzigen Obersten lästern? das sol dir dein Leben kosten / und wenn du Stahleisen feste wärest.

Rob. Herr Feld-Webel / ich bekenne meine Unschuld: ich habe nichts darzu geredt.

Alleg. Des schönen Titels wegen habt jhr Perdon. Aber du Kerl / du must in einer Stunde hencken.

Flav. Ich stehe bey der Bürgerschafft / und was ich aus Schertz gegen einen guten Freund rede / das wird mir zu keiner Verantwortung gereichen.

Alleg. Ey du liebes Hertzgen hastu auch geschertzt? komm / komm / ich wil dir in der freyen Lufft einen Tantz-Boden bauen lassen / da soll dich niemand an deinem Schertze verhindern.

Flav. Ich bitte wieder Gewalt.

Alleg. Du darffst nicht drum bitten / es geschieht von Hertzen gern. Ihr Pursche greifft an.

(Die kleinen Narren werfen jhn zu Boden und schleppen ihn hinein.)

Andrer Handlung

Vierdter Aufftrit.

Geonino, Vitale, Peronne, Caraffa, Matelone.

Geon. Der Herr Oberste läst sich damit nicht abweisen.

Car. Es ist ein Mißtrauen / dessen man nicht von nöthen hat.

Geon. Der Zoll muß abgeschaffet seyn.

Car. Jhr Excellentz haben sich darzu verstanden.

Geon. Ja den halben Zoll hat er mit solchen Worten erlassen / davon er kaum die Helffte halten möchte.

Car. Die Zeiten haben sich in hundert Jahren geändert: es ist alles / dem Werthe nach gestiegen. Ein Bauer / ein Handwercksmann / ein Kauffman verdient itzt mehr Geld als vor hundert Jahren / warum soll er denn eine geringe Zulage bey der Contribution achten?

Vit. Wenn die Herren von nichts anders reden wollen / so möchten sie wohl jhre Gesandschafft gesparet haben. Wir weichen nicht eher / als biß die Privilegia da sind / und biß dem Volcke zwey Castelle / zur Sicherheit eingeräumt werden.

Mat. Es ist uns Leid / daß sich eine leichte Sache so schwer machet; sie geben Achtung auff uns / wir wollen unser Blut zu Pfande setzen / wofern nicht alles dem Volcke zu angenehmer Vergnügung soll beygeleget werden. Sie schonen nur jhrer Königlichen Majestät in Spanien.

Vit. Wie die Königliche Majestät in Spanien soll respectiret werden / solches wissen wir gar wohl. Und der Vice-Roy darff uns keine Lehr-Meister deswegen aus dem Castell herunter schicken.

Mat. Wir begehren niemand zu tadeln: aber das möchten wir wünschen / daß ein jedweder möchte glückselig seyn.

Vit. Allein die Thüre zur Glückseligkeit wird uns verschlossen.

Mat. Ach nein. Wir haben so klare Vollmacht / alle Gnade von jhrer Excellentz anzukündigen. was man ohne Weitläufftigkeit verrichten kan / dasselbe soll man auf so gefährliche Manier nicht fortsetzen. Sie bedencken was Neapolis vor Heiligen in der Kirchen hat / welche gewißlich bey solchen Tumult wenig Affection gegen die Stadt gewinnen werden.

Geon. Ich bin auch ein Geistlicher / aber deswegen wil ich mich vor den Heiligen nicht fürchten. Es hätte mancher den Heiligen Gennatio eine grössere Wachs-Kertze auffgestecket / wenn jhn der schwere Zoll nicht von allen Mitteln gebracht hätte.

Vit. Ich dachte / sie wolten mit dem Volck tractiren. Drum möchten sie die Heiligen immer mit frieden lassen; Und ich rathe jhnen was gutes / wo unser Begehren nicht in allen Stücken vollzogen wird / so packet euch nur bald aus unserm Gesichte / und lasset uns mit solchen Gesandschafften ungeschimpffet: denn es möchte einmahl gar ein garstig Außsehen haben.

Geon. Diesen Abschied könnt jhr dem Vice-Roy wieder zubringen. Lasset jhr euch in der Stadt ertappen / wenn unsern Obristen von eurer Verrichtung Part gegeben wird / so geben wir vor euer Leben keinen Pfennig.

Vit. Und diese Warnung nehmet als ein Zeichen unsers gütigen Gemüthes an.

(Geonino und Vitale geben ab.)

Per. Jhr Gnaden sehen / wie so gar wenig bey dem Volcke verfangen wil.

Car. Darum mag es dabey bleiben / die gantze Bürgerschafft muß ruiniret werden. Wenn die Hunde todt sind / so können sie nicht beissen.

Per. Es wird sich gar wohl thun lassen. Jhr Genaden nehmen das Werck auf sich die Brunnen zuvergiften / damit das Volck ohn unserm Schwerdt-Schlage vermindert werde. Ich an meinem Orte wil fünff hundert Banditen verschreiben / unter dem Vorwand / als wolt ich unsere Macht damit verstärcken; dieselben wil ich allezeit beysammen halten / biß Masaniello durch ein kaltes Eysen / oder durch ein bißgen Bley gefället ist: damit wollen wir die Stadt auff mehr als funffzig Orten in den Brand stecken / und den gesamten Adel die Freyheit überlassen / wie viel sie von dem Volcke niederschlagen / und welche sie ferner zu lebendigen Sclaven behalten wollen.

Car. Der Anschlag ist ziemlich grausam.

Mat. Dennoch aber sehr wohl ausgesonnen.

Car. Wir haben unser Büchsen-Pulver in das Wasser geschüttet / gleich als hätten wir zuvor gesehen / wie so schlechter Wiederstand bey diesen Fischer-Tumult würde von nöthen seyn.

Mat. Mons. Peronne, nur die That beschleuniget. Gefährliche Consilia sind am mächtigsten / wenn sie bald jhren Zweck erreichen.

Per. Ich habe die Banditen in meiner Hand: es soll kein Tag vorbey gehen / so wollen wir den Anfang zu einem Wercke machen / davor die gantze Welt erzittern sol.

Car. Geht es wohl von statten / so wird es bey den 18000. Cronen nicht verbleiben / welche wir schrifftlich versprochen haben; sondern die Zulage soll sich nach dem Verdienste richten.

Per. Doch das Beste hätte ich bald vergessen. Ich werde indessen die Häuser auf dem gantzem Marckte mit Pulver Miniren / auch so gar die Kirchen der Heiligen Maria del Carmine in einen heimlichen Keller mit so viel Pulver versorgen / damit des Masaniello Todt den gantzen Adel durch einen erschröcklichen Knall könne angedeutet werden: damit werden die Häupter von der Faction in die Luft zerstreuet seyn / und ehe sich das andere Volck im Schrecken besinnen wird / so hat der Adel seine freye Hand. Mit einem Worte / ich wil einen Donnerschlag erwecken / welcher in einem Augenblicke mehr als 150000. Menschen betreffen sol.

Car. Es ist besser / wir leben in einer verwüsteten Stadt / als daß wir dem Volcke schimpfliche Conditiones eingehen: Allein wer sol so eine Qvantität Pulver an die Hand schaffen?

Per. Wer auf das Banditen-Handwerck ausstudieret hat / der gedencket an keinen Vorschlag / dabey jhm noch die Mittel verborgen sind. Ich bin des Masaniello Oberster Leutenant / und habe dergestalt das Pulver zu commandiren / daß ich ungefehr 15000. Pfund leicht in den Kellern austheilen kan.

Car. Ich sehe / wir haben mit einem Menschen zuthun / der unsers Erinnerns und Einrathens nicht von nöthen hat.

Per. Ich wolte das Gespräche weiter fortsetzen: doch bey gefährlichen Anschlägen soll niemand auff einen bösen Verdacht verleitet werden; also recommendire ich mich zu jhrer Gnaden Affection.

(Geht ab.)

Car. So muß ein Reich zerfallen / welches unter sich selbst uneins ist.

Mat. Die Banditen werden sich an des Volckes Auffnehmen nimmermehr erfreuen. Weil der gute Kerl von dem Masaniello auß dem Gefängnis erlöset worden / so stehet er jhm freylich bey / so lange jhm keine Gelegenheit gewiesen wird / auf die hinter Füsse zutreten. Doch wir werden jhr Excellentz die fröliche Zeitung bringen.

Car. Ich weiß nicht / obs rathsam ist.

Mat. Er hat uns Vollmacht gegeben nach unserm Gefallen zuschliessen: da nun kein ander Mittel verfangen wil / so wird jhm der einzige Vorschlag nicht zu wieder seyn.

Car. Wenn es geschehen ist / so wollen wir die Ehre haben / unsere Thaten zurühmen: itzo mag unsere treue Vorsorge denselben unbekannt seyn / derer Bestes am meisten gesuchet wird.

(Gehen ab.)

Andrer Handlung

Fünffter Auftrit.

Pasqvella, Zeppa, Villanella. hernach Allegro: endlich Formaggio.

Zep. Frau Schwägerin / Frau Oberstin / nun sind wir auch einmahl was worden.

Pasq. Ja als ich meinen Mann / nunmehr meinen Herren Obersten nahm / so hätt ich mir solche Ehre nicht träumen lassen.

Vill. Nu nu / jhr lieben Kinder / sehet nur / daß jhr fein lange dabey bleibt.

Zep. Ha / ha / dabey bleibt: wer wil uns die Ehre wieder nehmen? ich bleibe nun die Zeit meines Lebens eine Fürstin.

Pasq. Und ich werde noch eine Königin.

Vill. Ach gesegnet sey mein Leib / der solche statliche Kinder gebohren hat. Nun wil ich gerne sterben / weil ich doch keine grössere Freude mehr in der Welt erleben kan.

Zep. Es muste so seyn: damit werden wir zu grossen Leuten. Ach / wie wil ich nun den Bluthunden befehlen / die mich sonst vor einen Hund ansahen. In wenig Tagen soll ein Silbernes Stücke mein geringstes Kleid seyn / und welche Perlen nicht so groß als Haselnüsse seyn / die wil ich mit Füssen treten.

Alleg. (Komt mit seinen Burschen / haben alle brennende Späne in Händen.) Aus dem Wege / wer sich nicht wil ein Zeichen an den Backen brennen lassen. Es geht itzt über des Zöllners Hauß; dem fehlt nichts mehr / als der rothe Hahn auf dem Dache / der soll jhm nun sehr zierlich darauff gesetzt werden.

(Er komt den Weibern ziemlich nah.)

Pasq. Gemeiner Lumpen Kerl / wilstu deine Obrigkeit nicht kennen lernen?

Alleg. Ey / kömt mirs heute so gut / daß ich die liebe Obrigkeit in einem Weiber Kleide sehen kan? last euch doch fein recht beleuchten.

Zep. Du Schelm / brenne deiner Gnädigen Frauen nicht die Augen aus.

Alleg. Je du gnädige Mistfincke! wenn ich dir nun die Augen ausbrennte / und klebte die Lücken mit Leime zu / wem hätte ich doch unter den vornehmen Leuten was zu Leide gethan?

Vill. Wir werden das nicht leiden können.

Alleg. Alte Mutter / euer Leiden wird in der Welt am längsten gewehret haben: und was jhr vor funffzig Jahren gelitten habt / das ist nun vorbey / und komt nicht wieder: wolt jhrs nicht glauben / so nehmt den Rispel zu Pfande.

Zep. Wer mich angreifft / dem kan ichs nach meinem Gefallen verzeihen. Aber was meiner Frau Schwieger-Mutter geschieht / dabey laß ich mein Leben. Gib dein Licht her.

Alleg. Ich dachte die Wachs-Kertze. Junge geh doch flugs / und hole ein Licht / daß wirs in die finstere Laterne stecken.

Zep. Bin ich eine finstere Laterne / so bistu ein Qverbalcken an den hellen lichten Galgen.

Alleg. Jhr Kinder / geht mit euren Fackeln nein / daß jhr nicht schaden nehmt: denn es ist eine gefährliche Schlacht vor der Thür.

Pasq. Du Hund / gläubstu nicht / das mein Mann der oberste in der Welt ist?

Zep. Du Bernheuter / gläubstu nicht / daß mein Mann nach den Obersten der vornehmste in der gantzen Welt ist?

Vill. Du Schelm gläubstu nicht / daß ich eine Matrone bin?

Alleg. Ich verwirre mich unter den vornehmen Leuten / und ich weiß nicht / wo ich zurücke soll.

Pasq. Das soltu wissen / wenn ich mit meinem Manne zu Bette gehe / so schläfft ein Staats-Mann bey mir.

Alleg. Und wenn ich mit eurem Manne zu Bette gehe / so schläfft ein Narr bey dem andern.

Zep. Ich wil dir ein Bad bestellen / laß mich zu meinem Herren kommen.

Alleg. Ja / ja / ich habe die Zeit meines Lebens zwey mahl gebadet / so viel als ich von meiner Sel. Frau Mutter verstanden habe. Wil mir jemand die Ehre wiederum umsonst anthun / so bin ich als ein armer Diener zu frieden.

Pasq. Du tummer Kerl / laß dich doch berichten. Der Durchläuchtige Masaniello ist mein Mann.

Alleg. Aber jhr seid nicht seine Durchlauchtige Frau? ich hab jhm geschworen als einen Obersten getreu zu seyn: aber das mir seine Frau commandiren soll / das glaub ich nicht. wer lange Hosen hat / der ist nicht meine Obrigkeit.

Form. (Kömt gelauffen.) Frau Schwägerin / Frau Mutter / Frau Schwester / ach sie kommen so bald es möglich ist. es giebt in den Häusern so schöne Beute von Geld und andern Sachen / und doch wil der Herr Schwager alles verbrennen lassen. O helfft doch retten / es ist ja besser / daß wir und unsre Kinder was davon geniessen / als daß das schöne Reichthum mit einander vor die Hunde geht.

Pasq. Ich kenne den Starr-Kopff / er läst sich nichts einreden.

Form. Doch müssen wir etwas versuchen.

Pasq. Ich muß vor diesen Buben hier straffen lassen.

Form. Ey es giebt genung zu straffen / kommt daß wir unser Reichthum nicht versäumen.

(Sie gehen ab.)

Alleg. Das war ein Ebenbild von einem artigen Frauen-Zimmer. Vor etlichen Tagen wahren jhre Männer nur Fischer-Knechte / und sie danckten GOtt / wenn sie des Tages etliche Pfennige zum besten hatten. Nun reden sie von lauter Fürstlichen und Königlichen Sachen: da wollen sie mit gestückten und verbremten Kleidern prangen. Ach wie wohl weiß der liebe GOtt sein Regiment zuführen! daß er in der Welt so viel arme Leute leben läst: denn er sieht wohl / wie so gar wenig Leute sich in das Reichthum schicken können / und wie stoltz eine arme Frau werden kan / wenn sie nur zwey Tage was vornehmes gerochen hat. Doch siehe da / meine Fackel ist gar finster worden / ich werde meine Compagnie wieder ausstaffieren / daß ich in den heilsamen Hauß-Stürmen nicht der letzte bin.

Andrer Handlung

Sechster Aufftrit.

Philomarini, Ferrante, Carlo.

Ferr. Hierdurch erweisen jhr Excellentz eine Bestendigkeit / welche von der Nach-Welt soll verwundert werden / in dem sie dem rasenden Volcke nicht alles zu Willen thun.

Phil. Ich wolte diese Tugend selber loben / wenn die Zeit also beschaffen wäre / wie man wünschen möchte. Doch gewiß / wir werden auf eine Probe gesetzt / dabey die Politiqve mit jhren alten Regeln nicht zulangen wil.

Ferr. Sollen wir des Volckes Sclaven werden?

Phil. Der Adel soll nichts verliehren: er soll sich nur so lange bücken / biß der Sturm-Wind vorüber geht: Als denn wird er sein Haupt so gut aufrichten können / als jemals.

Ferr. Herr Bruder / was ist seine Meinung?

Carl. Das Gleichnis hat mir sonderlich wohl gefallen; jemehr sich ein Gras vor dem Winde gebücket / desto besser kan sich der Stengel bey dem gelinden Wetter wiederum aufrichten.

Ferr. Unser Vice-Roy darff aber mit keinem so geringen Gewächse verglichen werden.

Carl. Nachdem die gantze Stadt seine Autorität verachtet / so ist er kein Vice-Roy. zum wenigsten muß er so weit nachgeben / daß er nicht wie ein harter Eichbaum im Stürmen zubrochen wird.

Ferr. Wenn er den Staat des Königreiches ändert / so versündiget er sich wieder jhr Königliche Majestät.

Carl. Wenn er auch den Pöbel zu der vollen Raserey kommen läst / so wird er die Königliche Gnade schwerlich verdienen.

Ferr. Was er nicht verwehren kan / daran ist er unschuldig.

Carl. Und wenn jhm gute Wege von andern gezeiget werden / so muß er die Schuld tragen.

Ferr. So mag er nur den Adel in den Koth treten helffen.

Carl. Jhr Eminentz werden jhren hocherleuchteten Judicio nach dergleichen Vorschlag nimmermehr auf die Bahne bringen / wenn es dem Staate zum Verderben hinaus schlagen solte.

Phil. Jhr Excellentz / so dann auch der gantze Adel / mögen versichert seyn / daß ich von jhrer Parthey nimmermehr abstehen werde. Doch wofern sie bey diesen verwirten Zeiten einige Hoffnung auff meine Cooperation setzen wollen; So werden sie allerseits meinen getreuen Rath nicht verachten. Das Privilegium muß dem Volcke in die Hände gegeben werden; Jhr Excellentz müssen die Abschaffung des Zolls mit eigener Hand confirmiren: Geschieht dieses / so wil ich innerhalb acht Tagen ein Jubel-Fest anstellen. Soll aber mein Vorschlag ungültig seyn / so mögen sie an jhren Orte die unausbleibliche Verwüstung des gantzen Königreiches verantworten.

Ferr. Jhr Eminentz geben dero Väterliche Sorgfalt an den Tag / und wir müsten uns hoch versündigen / wenn unser Ungehorsam sich wiederspenstig erzeigen solte. Jhr Excellentz der Vice-Roy soll alsobald in diesen Sachen informiret werden.

Carl. Und in wehrender Zeit wird die Wohlfahrt des gantzen Staats Eur Eminentz zu Väterlichen Händen überliefert.

(Sie gehen ab.)

Phil. Was vor Mühwaltung muß eine Person über sich nehmen / welche sich zwischen ungeduldigen Partheyen in das Mittel schlagen soll! Das Volck wil alles haben: der Hoff wil in keinem Stücke weichen / und beyde wollen sich auf meine Autorität beruffen. Und wofern ich bey den Grossen nichts erhalten kan / so werden mir die Gemeinen ins künfftige wenig zutrauen. Doch was bringen diese Freunde guts? Aus jhren Angesichte kan ich sehen / daß ich etwas neues zu sorgen bekomme.

Andrer Handlung

Siebender Aufftrit.

Philomarini, Rossi, Ghirardini.

Ross. Jhr Eminentz / wir kommen zurücke / weil numehr lauter traurige Spectacul durch gantz Neapolis auffgestellet werden.

Ghir. Und ich habe mich mit Willen entzogen / alldieweil die Hoffnung zu allem Vergleiche nunmehr in den Brunn gefallen ist. Ach du armes Neapolis, mit wie viel kostbaren Millionen wird sich dieser Schade wiederum erkauffen lassen?

Phil. Ich höre / daß ich erschrecken soll: Gleichwohl aber weiß ich nicht / was mich vor Ursache darzu beweget.

Ross. Ach! die schönsten Palläste stehen in vollen Flammen. Raub / Plündern und Verwüsten ist bey dem verfluchten Gesinde gleichsam ein freyes Handwerck worden.

Ghir. Ach / was vor Raritäten werden auf einmahl zu schanden gehen? und was unsere Vorfahren dieser Stadt zum Nachruhm mit grossem Geld erkauffet haben / das soll durch diese Unmenschen auf einmahl verwüstet werden!

Phil. Hab ich doch längsten davon prophezeyet. Zu Hofe wollen sie den Bogen höher spannen / als die gegenwärtige Zeit vertragen kan; so hat endlich das Ungewitter seinen freyen Lauff.

Ross. Ich bin ein Geistlicher / und habe mich deswegen aus der Welt begeben / daß ich mein Reichthum ausser der Welt suchen soll / sonst würde mich der Verlust so vieler Wunderwercke von Hertzen betrüben.

Ghir. Doch wer so weit in die Welt gelassen ist / daß er vor die Weltlichen Einwohner Sorge tragen soll / der muß sich gleichwohl betrüben / wenn die Göttlichen Gaben und die kostbaren Güter so gar übel angewendet werden.

Phil. Es stehet nicht in unserer Gewalt. Was der Pöbel heute verderben wil / das wird durch Menschliche Gewalt nicht erhalten werden.

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