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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Erster Handlung

Dreyzehnder Aufftrit.

Formaggio, Piccone, Bravo im Sacke.

Picc. Ha / das denn heist Anfang zur Neapolitanischen Freyheit gemacht! so müssen die jenigen gezüchtiget werden / welche den verfluchten Werckzeug jhrer Wollust durch armer Leute Schweiß und Blut erkauffen wollen.

Form. Ich hätte nimmermehr gedacht / daß der harte Marmorstein in so viel stücke zerspringen solte: doch der rundte Tisch darüber der Vice-Roy unser Blut oftmahls in sich gesoffen hat / der gab mir eine gute Probe.

Picc. Und der Crystalline Spiegel / darin er sein unbarmhertziges Gesichte offtmahls besehen hat / der ist um so weit gebessert / daß er sich in einem Blicke tausendmahl wird bespiegeln können.

Form. Wie hab ich die kostbaren Teppiche zerstümmeln helffen / damit sie ins künfftige so viel Bubenstücke nicht bedecken sollen.

Picc. Wie stoben die köstlichen Polster und wie sollen die ungerechten Flocken in der freyen Neapolitanischen Lufft herum fliegen.

Form. Doch was liegt hier vor ein Karnier-Sack? wir werdens auch zu Contraband machen.

Picc. Faß an / das Feuer auff dem Platze ist fertig / dieser Sack soll eine ansehnliche Stelle bekommen.

Form. Es ist etwas lebendiges. hui! daß sich der Vice-Roy selbst hinein versperret hat.

Picc. Es ist um das Nachsehn zuthun.

Form. Die Beine gucken raus / es ist gewiß ein Bluthund / der von unsern Händen wil zurissen seyn.

(Sie ziehen den Sack ab.)

Brav. (Springt in die Höhe.) Der Hencker soll dir das Liecht halten / du leichtfertiger Vogel / ich wil noch heute meine Hände in deinem Blute waschen.

(Läufft davon.)

Picc. Wir messen sehen / was dieses zubedeuten hat.

(Lauffen hernach.)

Erster Handlung

Vierzehnder Aufftrit.

Masaniello, Geonino, Matthæo, Vitale samt etlichen Bürgern.

Mas. Wo sind nun die verzagten Neapolitaner, welche meine Worte bißher in Zweifel gezogen haben? ist es nicht so weit kommen / daß der Königliche Pallast vor unser Macht erzittern muß. Doch jhr Brüder / das Spiel ist angefangen / wofern es nicht ausgeführt wird / so haben wir nichts als eine doppelte Dienstbarkeit zugewarten.

Geon. Es ist nicht genug / daß sie die Abschaffung des Mehl-Zolls gewilliget / weil doch die Worte auff Schrauben gesetzet werden / die man leichte wieder umstossen kan. Caroli V. Privilegia müssen uns überantwortet werden / damit wir also nach deren Inhalt die Sache in den alten Stand wiederum versetzen können.

Mas. So müssen wir dem Vice-Roy auf den Leib gehen / weil wir noch seiner mächtig sind.

Vit. Ich habe Nachricht / daß der Vice-Roy seiner Gemahlin auf das Castel hat folgen wollen. Allein die Brücke ist schon aufgezogen gewesen / und also hat er seine Retirade zu der Lorentz Kirche genommen.

Mas. Er muß auf dem Wege angehalten werden / wil er nicht mit guten / so zwinget jhn mit blossen Gewehr / daß er so lange in des Volckes Gewalt bleibet / biß wir das rechte Privilegium in Händen haben.

Vit. Es sind gewisse Personen darzu bestellet / welchen der Vogel auch mit Adlers Flügeln nicht entwischen soll.

Geon. Das Eisen glüet / die Schmiede müssen das jhrige verrichten / ehe es kalt wird.

Erster Handlung

Funffzehnder Aufftrit.

Die Vorigen / Roderigo, Arpajo, Furfante. (Beyde mit entblösten Degen.) hernach Masaniello.

Rod. Ist dieses der Respect welchen jhr dem Könige in Hispanien schuldig seid?

Arp. GOtt gebe dem Könige in Spanien langes Leben / und uns eine beßre Regierung.

Rod. Auf diese masse wird einem Königlichen Minister Gewalt gethan.

Arp. Jhr Exellentz haben sich vor keiner Gewalt zubefahren / wenn in unser Begehren eingewilliget wird / so sind wir die besten Freunde.

Rod. Es ist allbereit in das Begehren gewilliget worden.

Arp. Wenn wir auf ledige Zettel bauen wolten / so dürfften wir dieser Weitläufftigkeit nicht.

Rod. Ach! jhr Leute ist niemand der des Königes Autorität in meiner Person zuschützen gedenckt.

Mas. Hier ist das getreue Volck von Neapolis, welches vor den König Gut und Blut aufsetzen wil. Allein daß wir auch ins künfftige von den Ministern als Bürger und nicht als Hunde tractiret werden.

Rod. Jhr ehrlichen Leute solt euch was zu Leide geschehen seyn / so mag ein ieder versichert leben / daß jhm der Schaden soll ersetzet werden.

Mas. Was vergangen ist / das mag der Hencker gehohlet haben: aber nun trotzen wir auf unsre Privilegia.

Rod. Sie sind alle bestätigst / gebt euch nur zu frieden.

Mas. Wir müssen das Original in Händen haben.

Rod. So erlasset mich doch / damit ich das Privilegium suchen kan.

Mas. Es sind Personen genung / die es finden werden / jhr Excellenz bleibe an stat des Privilegii in unser Gewalt.

Rod. Unglückselige Herrschafft / da ein Sclave über Standes Personen gebieten soll.

Mas. Das Privilegium wollen wir haben.

(Sie fangen alle anzuschreyen:)

Das Privilegium wollen wir haben / oder die Stadt Neapolis soll sich umkehren.

Mas. Jhr werdet schon seine hohe Person in acht nehmen / ich werde sehen / was unter dessen auf dem Marckte vorgehet.

(Geht ab.)

Arp. Wir sind alle Diener von jhrer Excellenz, und werden in allen gehorchen: nur in einem Stücke müssen wir ungehorsam seyn / biß das Privilegium ankömt.

Furf. Ich dencke das Privilegium wird in alle Welt geflogen seyn / es ist doch auf Pergament geschrieben gewest und so hat ein Vice-Roy seine Kleinodien drein wickeln können / die er in wehrendem Ampte erschachert hat.

Rod. Ach! was bewegt doch das Volck zu diesem einfältigen Argwohn / als wenn jemand von den Grossen dem Volcke iemals die Wohlfahrt mißgönnte. In Warheit / eh ich diesen Schimpff auf mir wolt ersitzen lassen / und eh ich den Nahmen eines Vaters nicht in diesem Königreiche verdienen wolte / ehe wolt ich mein Gut und mein gantzes Reichthum dahin werffen.

(Er wirfft sein Geld von sich.)

Seht so geringe acht ich mein Geld / wenn ich von meinen Bürgern geringschätzig gehalten werde.

Furf. Die Worte sind gut / aber die Ducaten sind noch besser. Wer vor etlichen Wochen von solcher Materie geschwatzet hätte / der möchte bey mir und meines gleichen besser Audientz gefunden haben.

(Die andern wollen darnach greiffen.)

Furf. Ich sehe wohl in diesem Spiele darff ich nicht der letzte seyn.

(Sie schlagen sich weidlich um das Geld.)

Rod. So hab ich meinen Zweck / weil das Volck nach dem Gelde greifft / werde ich mich unsichtbar machen: das Kloster S. Laurentii. wird mir so lange Sicherheit geben / biß ich was bessers schaffen kan.

(Geht ab.)

Geon. Jhr Pursche / jhr sehet alle wo das Geld herkömt / jhr sehet aber nicht / wo unser Vice-Roy geblieben ist.

Furf. Hätt ich sein Geld so gewiß / als mir seine Person nicht entwischen soll / so wolt ich ein gut Kerl seyn.

Geon. Ein schöner Bernheuter magstu seyn / wo ist er denn? Jhr Leute ist kein Gehöre bey euch / wird sich die Blindheit verantworten lassen / daß wir bey dem schönen Anfange / so einen höflichen Pfuidian eingeleget haben? seid jhr bezaubert / daß jhr noch nicht hören wollet?

(Die Leute welche noch immer Geld aufgelesen richten sich zusammen auf.)

Arp. O verfluchte Thorheit / daß wir unser Glücke und die wunderschöne Gelegenheit um etliche kahle Ducaten dahin fahren lassen! es ist nicht anders er ist in einem Kloster; haben wir seinen Pallast gestürmet so wird er gewißlich bey den elenden Mönchen nicht sicher seyn. Auf folget mir / wer ein redlicher Kerl ist / der vergeust auch sein Blut vor die Freyheit.

(Sie schreyen alle zusammen.)

Wir folgen und wenn wir das Kloster stürmen solten. Besser tod als ein Sclave.

(Sie lauffen hinein.)

Erster Handlung

Sechzehnder Aufftrit.

Peronne, Formaggio, Caralla, hernach Ristaldi.

Per. Jhr Excellentz erwegen jhr hohes Amt / sie sind Feldmarschall über die Neapolitanischen Völcker: also werden sie auch die höchste Ehre davon tragen / wenn das gantze Volck durch dero vielgültige Autorität zu der alten Freyheit gebracht wird.

Car. Ich bedancke mich vor das gute Vertrauen / ist es möglich / daß ich den Vater Titul bey einem jedweden erwerben kan / so wird meine Mühe und meine Gefahr das geringste seyn / das mich davon abhalten möchte / aber ich bitte helfft doch zusehen / daß der Vice-Roy und der König selbst bey Respecte bleibet.

Form. Jhr Excellentz treten auf unsre Seite / was scheren wir uns um den Vice-Roy.

Car. Nicht so / nicht so / jhr lieben Kinder / wer etwas gutes suchen wil / der muß sich nicht verhast machen.

Per. Wir suchen etwas gutes / das ist unsre Freyheit / die in dem Königlichen Privilegio enthalten ist.

Car. Die Freyheit habt jhr gewiß / ich verspreche bey meinen Hertzoglichen Worte / daß jhr alle Satisfaction von dem Vice-Roy empfangen solt: ich wil selbst mein euserstes wagen / biß jhr vollkommen befriediget seyd: nur steht so lange in Ruh / und vergreiffet euch an keinem Hause / biß wir dem hohen Wercke einen rechten Außschlag geben mögen.

Ristaldi (Komt gelauffen.) Jhr Excellentz die Meel-Wage stehet in vollem Brande / Männer / Weiber und Kinder tragen Holtz / Stroh und Pech genung zu / damit das Opfer desto schleuniger könne vollzogen werden.

Car. Ach ich habe doch um GOttes Willen gebeten / sie möchten eines bessern Außganges erwarten / und in wehrender Zeit dergleichen unverantwortliche Beginnen unterlassen.

Form. Warum ist der Vice-Roy so langsam / und warum thut er uns den Possen / daß er nicht bey uns bleiben wil / so müssen wir jhm doch weisen / daß wir in diesem Lande auch was zubefehlen haben. Aber ich muß an die Ecke lauffen / das Feuer von dem schönen Hause / wird sich treflich schön præsentiren.

(Geht ab.)

Per. Wollen jhr Excellentz das Spectacul mit geniessen.

Car. Ich werde folgen.

(Peronne geht ab.)

Car. Ich werde folgen / aber dorthin auf das neue Castell zu.

Rist. Dieser Weg wird vor jhre Excellentz der sicherste seyn / die Stadt befindet sich in der höchsten Gefahr.

Car. Es ist an dem: doch ich schwere dem jenigen / der diese Tragœdie angefangen hat / daß er seinen Ausgang nicht wissen soll.

Rist. Der Delphin entsetzet sich wenig ob 100000. Sardellen um seinen Kopff herum schwermen.

Car. Last mich in den Stand treten / daß ich mich einem Delphin vergleichen kan / so wil ich hoffen / es sollen hundert tausend Sardellen geschlachtet werden.

Rist. Der gesamte Adel wird auf die Probe gesetzt / ob er sein Recht behaupten kan.

Car. Die Tugend pflegt zuverderben / wenn sie keiner Versuchung unterworffen ist: doch wehe demselben / der uns itzo versuchen will. Mons. Ristaldi begleitet uns.

Rist. Jhrer Excellentz haben zu befehlen.

Erster Handlung

Siebzehnder Aufftrit.

Bonavita, Xaverio, Francesco, Domenico hernach Roderigo und Philomarini.

(Die innerste Scene öffnet sich.)

Bon. Also müssen wir in unserm Kloster vor das jenige büssen / was die Weltlichen Personen gesündiget haben.

Xav. Es ist um ein geringes Schrecken zuthun / welches uns die Weltlichen wohl bezahlen sollen.

Franc. Ich fürchte nur der Pöbel möchte uns die Köpffe entzwey schlagen / ehe wir die Bezahlung fördern könten.

Dom. Oder das Kloster wird uns über den Halß angestecket / daß wir die Bezahlung an keinen Orte verwahren können.

Bon. Was wollen wir thun? der Vice-Roy sucht seine Zuflucht bey uns / vielleicht wird er etwas gutes operiren / nachdem er mit dem Volcke aus dem Fenster geredet hat.

Xav. Der Papst kan zwar eine Benediction durch das Fenster geben; Doch wenn ich ein Bürger wäre / und solte mit dem Vice-Roy durch das Fenster tractiren / so weiß ich nicht / wie mir die Benediction bekommen würde.

Bon. Nicht zu laut / in diesem Tumult sind wir nicht allein.

Roderigo (Komt.) Nun jhr Herren Patres, ich habe eurem Kloster biß dato viel zu dancken.

Bon. Es wäre zuwünschen / daß jhre Excellentz sich an diesem Orte wohl befinden möchte / allein wir sind unbewehrte Leute / wo die Gewalt auff uns zudringen wil / so vermögen wir nichts. Unsere Heiligen müssen das beste thun.

Phil. Jhr Excellentz sind um GOttes Willen gebeten / sie verziehen nicht / den schrifftlichen Revers wegen ablassung der Zölle schleunigst auszufertigen.

Rod. Es ist eine Sache von böser Conseqvents.

Phil. Aber die Conseqvens scheinet noch gefährlicher / wenn der rasende Pöbel dem Vice-Roy das Messer an die Gurgel setzet.

Rod. Das Volck wil mich todt haben / wenn ich den Adel durch den Revers wieder mich errege so bin ich in gedoppelter Gefahr.

Phil. Der Adel wird der Sache nicht zu wider seyn: denn wo dieses nicht erfolgt / so werden jhre Häuser schändlich zustört.

Rod. Es thut weh / man soll nachgeben.

Phil. Nachgeben hat seine Zeit. Vielleicht erleben wir die Zeit / da man sich wieder auffrichten kan. Und etwas im Vertrauen gesagt: Ein Vice-Roy kan leicht im Versprechen freigebig seyn; Denn hat er zu viel gethan / so mag es der König oder der Successor ändern.

Rod. Wohlan jhr Eminentz sollen den Revers haben.

Phil. Doch wenn solches geschehen ist / so eilen sie doch auf das nechste Castell: es werden schon etliche von Spanischen Soldaten da seyn / denen sich euer Excellentz auf dem Trage-Sessel vertrauen können. Im übrigen wil ich bey dem Volcke so viel ausrichten / als mir möglich seyn wird.

Rod. Euer Eminentz haben Autorität genung / das Volck zubesänfftigen; sie werden auch den Ruhm haben / daß sie als ein Erhalter des Estaats bey jhrer Königl. Majestät gepriesen werden.

(Philomarini und Roderigo geben ab.)

Bon. So waren wir gleichwohl des vornehmen Gastes loß.

Xav. Aber / wo bleiben die andern Personen / welche das Kloster erfüllet haben?

Franc. Wenn wir selbst ausreissen / so mögen sie in unsre Zellen kriechen.

Dom. Wo versteckt sich aber das Frauen-Zimmer?

Franc. Die Noth hat kein Gesetze. Bey so gestalten Sachen / mag ein Geistlicher eine Weibes-Person auch in seiner Zelle beherbergen.

Erster Handlung

Achtzehnder Aufftrit.

Die Vorigen. Carolo, Bianca, Rossana, Flavia, Marina.

Carl. Jhr Herren Patres, was sollen wir nun anfangen? das Kloster stehet in Gefahr / die Kirche ist eröffnet / der Pöbel möcht etwas weiter greiffen und seine Gewalt an unschuldigen Personen mißbrauchen: ich bitte euch um unser bisherigen Freundschafft willen / welche dieses Kloster von dem gesamten Adel bißher genossen hat / lasset euch dieses Frauen-Zimmer zu guter Sicherheit recommendiret seyn. Ich folge dem Vice-Roy auf das Castell.

Bon. Jhr Gnaden diese Personen kommen gar unrecht bey uns an / wir haben zwar beiderseits lange Kleider / allein wie stehets um unsre Ordens Regel?

Carl. Die Ordens-Regel geht nicht so weit / daß man dem Frauen-Zimmer keine Wohlthat erweisen soll: ich habe schon so viel Nachricht / daß sich niemand an jhren Zellen vergreiffen wird: wollen sie die Eintheilung machen / daß ein jedweder eine Person beherbergen kan / so wird es gewißlich mit hohem Dancke jederzeit verschuldet werden.

Bon. Wir haben das Gelübde des Gehorsams / also werden wir auch jhr Gnaden nicht dürffen ungehorsam seyn.

Carl. Diese hohe Personen werden jhnen nochmahls anbefohlen: denn ich darff die Zeit meiner Wohlfahrt nicht versäumen.

(Geht ab.)

Bon. Nun wolan / wir werden zuvor unsre Zellen etwas ordentlicher ausbutzen / damit sich das Frauen-Zimmer nicht schämen dürffe / darinn zuverharren.

(Die Mönche gehen ab.)

Erster Handlung

Neunzehnder Aufftrit.

Bianca, Rossana, Flavia, Marina.

Bianc. Jhr Schwestern / wer hätte das gemeinet / daß wir an solchen Orten unsere Sicherheit suchen solten / da sonst dem Weiblichen Geschlechte der Zutrit verboten ist?

Ross. Es ist ein Wunder / daß die Feinde des Weiblichen Geschlechts uns wieder die jenigen beschützen sollen / welche durch jhre Heyrath die Affection zu dem Frauen-Zimmer deutlich genung erwiesen haben.

Flav. Ach! wenn ich nur den schändlichen Graubärtigen Kerl nicht etwan anbefohlen werde! Ich fürchte mich doch zu tode / wo ich zu dem garstigen Narren in die Zelle kriechen soll.

Mar. Schwestrichen / die Noth muß alles entschuldigen / und wer weiß was vor Heiligkeit auß seinem heiligen Knister-Barte heraus steigt / daß wir dich hernach als eine Heilige Person anbeten müssen.

Bianc. Die Zeit ist nicht darnach / daß wir schertzen.

Ross. Noch viel weniger ist sie darnach / daß wir unsere Wolthäter verachten.

Flav. Ach! wer weiß / schlagen uns die Soldaten nicht in den Zellen zu tode!

Mar. Es wäre gewiß ein Possen: so führen wir mit den Geistlichen Herren in Himmel / und müsten sie vielleicht in Ewigkeit neben uns sitzen lassen.

Bianc. Schwestrichen / du hast eine glückliche Natur / in dem du auch bey so betrübter Zeit freymütig schertzen kanst.

Ross. Mir ist das schertzen vergangen / weil mein Herr Vater mitten in der Gefahr schwebet.

Flav. Und wer weiß wo meine Frau Mutter mehr um mich bekümmert ist / als um jhrer eigene Wohlfahrt.

Mar. Und wer weiß / ob sichs der Mühe verlohnet / daß jemand furchtsam gethan hat. So lange mir kein Messer an die Gurgel gesetzet wird / so lange dencke ich / es wird gut werden.

Bianc. Der Himmel bestätige diesen Glauben!

Ross. Und helffe uns aus dieser Betrübnis!

Flav. Und laß uns die lieben Unsrigen wieder sehen!

Mar. Und gebe mir einen freundlichen Pater in die Zelle!

Bianc. Ich wolte / ich wäre aus dem Castell!

Ross. Ich wolte ich wäre auf unserm Land-Gute!

Flav. Ich wolte ich wäre nicht mehr in der Welt!

Mar. Ich wolte ich wäre hier im Kloster / und solte mich in eine Zelle verstecken! Gelt / jhr Schwestern: ich bin die Frömste? denn mein Wunsch wird am ersten erfüllt.

Erster Handlung

Zwanzigster Aufftrit.

Die Vorigen / Xaverio, und hernach die andern Mönche.

Xav. Ich höre die Sache wird allzeit gefährlicher / wo sich das Frauen-Zimmer in Sicherheit begeben wil / so dürffen sie nicht verziehen.

Bianc. Wir wollen gerne folgen / wenn uns der Ort gewiesen wird.

Xav. Der Weg ist gar sichtbar: darf ich so kühne seyn / jhre schöne Hand zu berühren / so wil ich mich zum Wegweiser gebrauchen lassen.

Bianc. Mein Herr Pater, er ist itzund mein Schutz-Engel / wird er mich wohl aufheben / so wil ich gehorsam folgen.

Xav. Jhr Gnaden tragen keinen Zweifel.

Bianc. Aber wo bleiben die andern?

Xav. Sie sollen auch versorget seyn. Da kömt schon ein guter Freund / der weitern Befehl hat.

(Domenico komt. Xaverio und Bianca geben ab.)

Dom. Die Reihe wird an jhr Gnaden seyn / daß sie in meine Zelle begleitet werden.

Ross. Es ist mir leid / daß sie unsert wegen in vielen heiligen Verrichtungen sollen verstöret werden.

Dom. Die Verrichtung ist auch heilig / wenn so eine schöne Person in Verwahrung genommen wird.

Ross. Ja freylich werden wir diesem heiligen Ort unsre Sicherheit zu dancken haben.

Dom. Jhr Gnaden sorgen nicht / es wird sich niemand an unsern Zellen vergreiffen / und in wehrender Zeit wollen wir schon etwas Heiliges finden / daß uns die Zeit nicht lang wird.

Ross. So lang ich den Herrn Vater beweine / so lang muß mir die Zeit lang und verdrießlich seyn.

Dom. Ich habe einen Rosen-Crantz / der kan alle Thränen und alle Traurigkeit stillen.

(Domenico und Rossana gehen ab / Francesco komt.)

Franc. Ha / ha / jhr Gnaden soll ich die Ehre haben / sie in meiner Zelle zubeherbergen?

Flav. Ach! Himmel / ich habe mich vor diesem Unglück gefürcht.

Franc. Jhr Gnaden entsetzen sich nicht / sie sollen gar wohl accommodirt seyn.

Flav. Ist es nicht wohlgethan / wenn ich hier bleibe?

Franc. Na / Na / hier können wir nicht gut davor seyn / wenn eine Kriegs Gurgel mit dem blossen Gewehr herein dringen wolte. Aber vor unser Zelle steht ein Engel / daß kein solcher Bube zu uns hinein kan. Jhr Gnaden geben mir die Hand.

Flav. Der Herr Pater geh nur voran / ich wil schon folgen.

Franc. Ey / ich werde nicht so unhöflich seyn / ich muß sie führen.

Flav. Gewiß / ich wil mich selber führen.

Franc. Jhr Gnaden fürchte sich nicht / ich wil jhr den Heiligen sagen der in unser Zelle wohnt.

Flav. Ach ich kenne meinen Heiligen schon.

Franc. Ich wil es gantz heimlich sagen.

(Er stellt sich als woll Er sie küssen.)

Flav. Gewiß / eh ich diesen Heiligen wil anbeten / eh wil ich wiederum mitten unter die Soldaten lauffen.

Franc. Aber es ist meiner Ordens-Regel zu wieder / daß ich eine so vornehme Person muthwillig verterben lasse.

(Francesco schlept Flavia hinein: Bonavita kömt.)

Bon. Jhr Gnaden sind gar allein gelassen worden.

Mar. Was hilffts / ich wuste es schon / daß sich ein Wohlthäter noch finden würde.

Bon. Wir sind arme Leute / und also können sie unsere Wohlthaten nicht allzu hoch schätzen.

Mar. Wo man das Leben erhalten kan / da ist die Wohlthat unschätzbar.

Bon. So wird auch unser Glück unschätzbar seyn / daß wir in unserm Kloster solchen schönen Personen das Leben erhalten können.

Bon. Es wird keines Danckes bedürffen / vielmehr wird uns obliegen sehr schön zu dancken / wofern die geringen Zellen jhr Gnaden nicht unangenehm gewesen.

Mar. Ich bin mit allem Glücke zufrieden. Warum solte mir die Conversation so eines stattlichen Mannes zu wieder seyn?

Bon. Ha / ha / jhr Gnaden schertzen mit dero Diener / doch jhr Gnaden geben mir die Freyheit / dieselbe bey dero Hand zu führen.

Mar. Ich bin unbekand / ich muß mich führen lassen.

Bon. (Küsset jhr die Hand.) Und ich wil mein Amt getreulich verrichten.

Mar. Das war gewißlich ein Geistlicher Kuß?

Bon. Ach nein / es war eine Höfligkeit / die ich noch im weltlichen Stande gelernet habe. Wenn ich aber wissen solte / daß jhr Gnaden dadurch wären beleidiget worden / so könt ich meinen Kuß wohl wieder zurücke nehmen.

(Er küsset jhr die Hand noch einmahl.)

Mar. Er nimt mir etwas wieder / welches ich wohl hätte behalten können.

Bon. Jhr Gnaden haben zu befehlen / ich kan es wol wider an einen bessern Ort bringen.

(Er küsst sie auf den Backen.)

Mar. Der Herr Pater hat ein kurtzes Gedächtnis: er hat der Hand was genommen / und wil es dem Gesichte zahlen.

Bon. So wil ich es der Hand geben und dem Gesichte wieder nehmen.

(Er küsst sie auf die Hand und auf das Gesichte.)

Mar. Mein Herr / ist es doch Schade / daß er seine schwartze Kappe nicht mit einem Cavallier Habit vertauschen soll.

Bon. Jhr Gnaden das Kleid macht keinen Cavallier, unterdessen sind diese Küsse nicht so wol aus einer Weltlichen / als aus einer Geistlichen Liebe hergeflossen.

Mar. Ich muß die Entschuldigung gelten lassen.

Bon. Wer in ein geistlich Hauß kömt / der muß auch der Geistlichen Manier gewohnen / und muß sich dergestalt in die Armen der Christlichen Liebe schliessen lassen.

(Er umfasst sie.)

Mar. Dem Herr Pater hab ichs zu dancken / daß ich die Christliche Liebe verstehen lerne.

Bon. Und jhr Gnaden hab ichs zu dancken / daß ich in diesem einsamen Orte die Christliche Liebe nach meinem Wunsch erfüllen kan.

Mar. Wo soll ich aber hingeführet werden?

Bon. An einen geringen Ort: doch welchen eine vornehme Person nunmehr so berühmt machen wird / daß ich alle vornehme Stiffts-Kirchen dagegen verachten wil.

Mar. Seine Wohnung wird ohne dem berühmt seyn / weil er ohne Zweifel unterschiedene Heiligen wird zu Patronen angenommen haben.

Bon. Ich habe meine Patronen gar höflich gebeten / sie möchten mich auff eine Zeit verlassen / weil ich eine unverstorbene Heilige zu meiner Beschützerin annehmen wolle.

Mar. Der Herr Pater beschämt mich mit seinen Worten / und aus allen Umständen kan ich schliessen / daß Geistliche Personen auch schertzen können.

Bon. Ich wolte wünschen / daß meine Worte in keinem Schertze verstanden würden.

(Inwendig wird ein Gepolter.)

Mar. Hilff Himmel wir sind verdorben!

Bon. Jhr Gnaden sollen nicht verderben / und wenn ich sie mit den Flügeln meiner Kappe bedecken solte.

(Sie gehen ab.)

Erster Handlung

Ein und zwantzigster Aufftrit.

Allegro.

Hey sa! nun bin ich ein ehrlicher Kerl / und wer mich vor des Vice-Roy seinen Diener ansieht / den heiß ich einen Schelm. Nun wil ich helffen rauben / brennen / todschlagen / und was sonst vor sieben freye Künste in der Welt mehr sind. Aber einen Mangel hab ich noch / dem ich von Hertzen gern abhelffen möchte. Denn die Bürger machen ein Regiment zusammen / die Weiber haben jhre Compagnien, die Bauren fahren jhre Svadronen auff: ja die Kinder marchiren in jhrer Ordnung daher / daß man seine Freude an den jungen Leckern sehen muß. Nun bin ich der Narr allein / und muß in meinem Regiment zu Fusse / Obrister / Rittmeister / Cornet / Corporal / Mußqvetirer / Drummelschläger und Profoß zugleiche seyn. Und ich halte / wer mein Regiment wird in die Winter-Qvartier kriegen / der darff mich nicht böse machen: denn wo ich einen Soldaten hencken lasse / so muß ich selber dran / und damit ist das Regiment ruiniret. Aber hört doch jhr Leute / könt jhr mir keinen Narren zuweisen / der unter meinem Commando mit aufziehen wil? Jhr Herren / ich bitte helfft mir aus / ich wil euch gerne wieder zu Ehren helffen / wenn jhr irgend / wist ihrs doch wohl. Ich bitte zum andern mahl / last mich nicht stecken. Wo jhr mich zum dritten mahl bitten lasset / so schwere ich / wo ein Narr unteren Hauffen ist / ich wil jhn mit Gewalt unter meine Compagnie stecken. Nu ich muß gute Freunde haben / so schweigen alle still. Ho / ho / ich weiß ein ander Mittel! da hab ich den Samen von einem Kraute / das heist auff unsre Frau Mutter-Sprache Narren-Kraut. Wie wärs / wenn ich einen Versuch thäte / ob mir auf dem Felde da junge Narren wolten aufgehn? denn weil niemand die Narren bestellt / so müssen sie freylich wo wachsen / wie das Unkraut.

(Er säet und singet.)

Ich streue meinen Samen aus /
    Viel Glücks zu dieser Müh!
Jhr jungen Narren komt heraus /
    In meine Compagnie.

Nun es ist gewagt: zur Saatzeit hab ich schön Wetter: wo mir die Erndte brave zuschlägt / so werd ich ein stattlicher Kerl seyn / und werde mir zum Winter Qvartier eine Scheune bauen lassen / so groß als Neapolis.

(Hier kucken allenthalben kleine Narren aus dem Boden herfür / und weil Allegro redet / so kommen sie allmählig in die Höhe.)

Ach wie lange wird mir doch das Warten! ich dencke / ehe meine Compagnie zu stande kömt / so werden die andern jhre Beute weg haben. Ich weiß wol / was ich thue; ich wil den Kloster Keller besuchen / und wil den Acker mit den besten Weine begiessen / so hab ich einen doppelten Vorthel. Vor eines gedeyet mir die Frucht besser; und vor das andere kriegen mir die Schelmen besser Courage.

(Er wendet sich um / da fangen die kleinen Narren alle an zulachen / Allegro lacht dazu / und fingt mit ihnen an poßierlich herum zu springen / biß er mit ihnen hinein tantzt.)

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