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Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Nachredner.

HOchgeneigte und werthgeschätzte Anwesende.

So ist nunmehr die wunderbahre Begebenheit von dem unvergleichlichen / und ich möchte fast sagen von dem unglaublichen Masaniello zu Ende gebracht worden / und so haben die gesamten Studierende sich einer weitläufftigen Kühnheit unterfangen / nachdem sie ein subtiles und Politisches Geheimnis mit jhren blöden Augen entweder ausgrübeln oder doch in jhren einfältigen Gedancken etwas abbilden wollen. Denn ob wohl ein jedweder / dem die Bücher unverbothen sind / alle Sachen unter sein Eigenthum zehlen darff / welche der Gelehrten Welt zu fernern Nachsinnen an das freye Licht geleget werden: Dennoch wird es gar leicht fallen / die Kühnheit übel aus zulegen / weil einige Rebellion auffgeführet wird / da hohe Personen jhrer Schwachheiten / und hingegen niedrige Menschen einer möglichen Freyheit erinnert werden. Es ist schrecklich / daß ein Königlicher Minister den Befehl eines Fischer-Knechtes respectiren muß. Es ist grausam / daß so viel hohe Familien jhr Haab und Gut dem muthwilligen Pöbel zu einen ungerechten Opffer überlassen haben. Und so wohl ein jedweder Mensch die höchste Süßigkeit darin empfindet / wenn er seinem Feinde mit volliger / ia wohl auch mit überflüssiger Rache begegnen kan; so gar leicht werde manch ungehorsames Gemüthe sich erfreuen die Feindseligkeit gegen hochgebietende Personen durch eben dergleichen Exempel aus zu lassen. Allein die Historie macht es möglich / daß auch die höchsten Häupter einer gefährlichen Verfolgung unterworffen seyn; Und hingegen der Ausgang machet es noch viel möglicher / daß die Göttliche Providentz endlich mit einer solchen Macht darzwischen kömt / dabey ein Rebelle mit Blute und ein unzeitiger Adhærente mit Schrecken / auch wohl mit Schaden / offentlich bezahlen muß. Dannenhero belustiget sich die Klugheit in vielen nachdencklichen Lehren / welche aus dieser Historie hervor strahlen. Ein Tumult ist leicht angefangen / allein am Ende siehet man wie sich die Thorheit in jhrem Netze verwickelt; sonderlich da ein hocherleuchteter Vice-Roy, ein hochvernünfftiger Ertz-Bischoff / und andere Personen von ungemeiner Qvalität mitten in dem Sturmwinde bezeugen / daß jhre Politische Klugheit nicht auff einer Eiche / sondern auff einer Weide gewachsen sey: Ich wil sagen: Wenn das Eichen-Holtz von der grausamen Lufft zerschmettert wird / so bücket sich die Weide / biß ein stilles Wetter die sämtlichen Zweige von sich selber wiederum aufrichtet.

Wiewohl ich komme nicht hieher / dasjenige weitläufftig auszuführen / welches meine Hochgeneigte Zuschauer besser bey sich erwegen können / und welches unsern Gedancken / wils GOtt / bey heranwachsenden Alter mehr Gelegenheit zum Nachsinnen überlassen möchte. Vielmehr ist dieses mein hertzlicher Wunsch / daß die Hochgeneigten Zuschauer durch meine Wenigkeit verstehen möchten / wie so gar angenehm und erfreulich diese unvermuthete und recht unverdiente Gegenwart allen und jeden gewesen sey. Sie erkennen hieraus gar wohl / daß eine vortrefliche Wohlthat mit ebenmäßigen Dancke soll abgeführet werden: Immittels da unser gantzes Reichthum annoch in blossen Worten bestehet / so wird unsere Danckbarkeit kein Ungleiches Urtheil zu befürchten haben / wenn wir einen immerwährenden Nachruhm versprechen / unsere Dienstfertigste und willigste Auffwartung zu dero gütigen und freundlichen Befehl überlassen / auch endlich den großen GOtt inständig anruffen / daß er die Affection gegen die sämtlichen Studierenden mit vielfältigen Schutze / mit unverwelckten Segen und aller selbst-belieblichen Fruchtbarkeit vergnügen wolle. Und gleich wie kein Zweifel ist / es werde die Wirckung eines gehorsamen Wunsches nicht allerdings aussen bleiben / so werden wir auch alle mahl rühmen / daß der Masaniello in seinem Lebens-Lauffe zwar einen unglückseligen Ausgang / gleichwohl aber dieses Schau-Spiel ein glückseliges Ende gewonnen habe. Was noch übrig ist / so werden sich die Hochgeneigten Zuschauer durch den Antrieb jhrer Gütigkeit noch bewegen lassen / auf den Morgenden Tag / beliebts GOtt / an statt einer Heroischen und grausamen Invention etwas von einer annehmlichen Fabel und von einem kurtzweiligen Lust-Spiel gleich als zum Confecte mit zunehmen.

Nun / weil die Raute blüht / und weil
    der Himmel wacht /
So wird manch Spiel vollführt.
    Hiermit zu guter Nacht.
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