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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 11
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Fünffter Handlung

Erster Aufftrit.

Allegro hat sich in Weibes-Kleider verstellet / und verändert die Sprache.

Ach ich unglückselige Weibes-Person / wo soll ich meinen Auffenthalt suchen? das jenige / das meine Seele liebet / ist nicht in der Stadt / und mit genauer Noth bin ich hier an das Castell angelanget / da mir auch niemand Trost und Labsal zusprechen wil. Schönheit hab ich nicht / denn das kan ich aus meinem Gesichte beweisen: meine Kleider sind auch nicht so beschaffen / daß sich jemand darein verlieben solte. Meinen Qvalitäten möchte ich noch was zutrauen / aber wer wil Fürstliche Tugenden unter einen solchen Kittel suchen / indessen wil ich zu frieden seyn / wenn ich irgend zu einem Kammer-Mägden möchte gebraucht werden. Doch wer kömt da? es heist mit mir: auf die Seite / wenn vornehme Leute kommen.

Fünffter Handlung

Anderer Aufftrit.

Roccella, Celinde.

Cel. So hat mein geliebter Hertzog in solchen Unglücke geschwebet?

Rocc. Ja wohl mein gebietendes Fräulein / ich habe eine Probe ausgestanden / darbey mir die Bitterkeit des Todes ziemlich tieff auf der Zungen gelegen hat.

Cel. Ich dancke dem Himmel / daß die Furcht mit einem betrieglichen Schatten gespielet hat.

Rocc. Mein Leben war in meinen Gedancken schon verlohren: doch der Zwang die angenehme Celinde nicht mehr zu sehen / machte mir unruhige Gedancken.

Cel. Ach das unschuldige Frauen-Zimmer muß allzeit die Klage über sich nehmen / als wenn sie den Männern das Unglücke verdoppelten.

Rocc. Warum leget meine Gebieterin die Rede so ungnädig aus? ich wolte sagen / daß mir dieses Andencken eine Lust zum Leben erwecket hätte.

Cel. Ich nehme die Außlegung an. Inmittels wie lauffen die Sachen in der Stadt? Ist es auch wohl möglich / daß man sich ein langes Leben wünschen darff?

Rocc. Sie lauffen so thöricht unter einander / daß ich nothwendig schliessen kan / es müsse in wenig Tagen besser werden.

Cel. Mein Hertzog / da gehöret ein hoher Geist darzu / wenn man sich aus schlimmen Sachen etwas gutes erwehlet.

Rocc. Ich wil meinen Geist so hoch oder so niedrig nicht ausgeben: Doch da des Volckes General zum Narren wird / so werden sie des Regiements bald überdrüßig seyn. Es ist nicht zubeschreiben / wie er in die Leute hinein schmeist / und wie dem Volcke so bange dabey wird / daß sie fast an die abgezwungenen Verträge nicht gedenken wollen.

Cel. Ich höre die Sache von Hertzen gerne: aber darff ich so vertraulich seyn / jhm etwas zu entdecken?

Rocc. Wil meine Gebieterin mich dieser Gnade theilhafftig machen / so wil ich als ein ewiger Schuldner verschwiegen seyn.

Cel. Es ist eine Sache / die mir nicht ansteht zu wissen / und die mir noch weniger ansteht nach zusagen / gleichwohl / was thut die gute Affection nicht?

Rocc. Ich werde gantz ausser mir entzücket / daß ich nach meinem Gefängnisse mit so wunderseliger Gnade erqvicket werde. Doch worinne beruht das Geheimnis?

Cel. Ich begieng einen vorwitzigen Fehler und schlich mich auf das geheime Cabinet / gleich als von wichtigen Dingen gerathschlaget ward / so hört ich / daß mein Herr Vater Befehl gab / den Fischer-Knecht mit den köstlichsten Weine zu regaliren: Doch also / daß er mit etlichen durchdringenden Tropffen vermischet würde / welche nicht dem Hertzen das Leben / sondern dem Kopffe den Verstand nehmen solten. Ach Glück über Glück / daß ich hören soll / wie dieser Anschlag seine Endschafft so glücklich erreichet hat.

Rocc. Es ist ein Anschlag von hoher Gefahr / aber von ungläublichen Nutzen: wiewohl die Gefahr scheinet überwunden zu seyn / weil der rasende Hund nunmehr in sein Verderben dahin rennet. Inzwischen sag ich unterthänigen Danck / daß mein Hertze gewürdiget wird / ein Geheimnüß von jhrer wunderschönen Seelen zuerfahren.

Cel. Darauß mag er mein hertzliches Mitleiden wegen seiner Gefangenschafft abnehmen. Doch wir wollen diesen Personen entweichen.

Fünffter Handlung

Dritter Aufftrit.

Leonisse, Anaclerio.

Leon. Mein Herr Hauptmann / er hat sich wohl gelöset / vor wenig Tagen waren seine Zeitungen sehr grausam / nun aber muß ich jhn wegen der anmuthigen Relation rühmen.

Anacl. Gnädigste Frau / es ist nicht anders / der thörichte Bube hat sich nach Polissipo gewendet / da sucht er seine Ergötzligkeit / und lässet sich den köstlichsten Wein so anmuthig zu Halse gehen / daß er die Regiments-Sorgen gar bald vergessen soll.

Leon. Ach wer ist so glückselig in seiner Beredsamkeit / daß er diesen unbändigen zu der Stadt hinaus gemeistert hat?

Anacl. Diese Wohlthat haben wir dem Herrn Ertz-Bischoffe zu dancken.

Leon. Ach ja / dieser vortrefliche Mann verdienet bey der itzigen Unruh eine unsterbliche Danckbarkeit.

Anacl. Es war an dem / daß der rasende Fantaste noch etliche Häuser zerstören / und zugleich viel Menschen durch seine Henckers-Buben aufopffern wolte / und es schien als wenn der Herr Ertz-Bischoff mit seiner Intercession nicht viel ausrichten würde.

Leon. Ich weiß wohl / daß die Bestie sich einmahl hat verlauten lassen / als wolte sie den Herrn Ertz-Bischoff so wohl eine Spanne kürtzer machen / als einen gemeinen Edelmann. Doch mit was vor List konte der Trotz-Kopff gewonnen werden?

Anacl. Gnädigste Frau / es ist zu weitläufftig / wenn ich alle vergebene Mittel anführen solte / endlich stellte sich dieser hochverständige Mann / als wäre jhm selbst mit dem Blutvergiessen gedienet / und bat ihn / er möchte nur das Recht ergehen lassen.

Leon. So wird er vielleicht aus Trotz das Wiederspiel befohlen haben.

Anacl. Ach nein / er winckte schon seinem Scharf-Richter / welcher zur Execution greiffen solte. Allein der Herr Ertz-Bischoff sagte / es wäre vor dieses mahl ein glückseliger Tag / da man sich mit Blutvergiessen nicht bemühen dürffte. Auff den morgenden Tag wolte er dem Spectacul selbst beiwohnen / er solte sich nur vor dießmahl eine kleine Recreation machen / und nach Polisippo fahren.

Leon. Und also ward der Vorschlag angenommen?

Anacl. Er gieng sehr wohl von statten: die Gefangenen wurden in jhren Banden bewacht / und der Fischer-Knecht versuchte / ob er die Lufft auff der See noch vertragen könte.

Leon. Er hat viel Stadt-Lufft in sich gesogen / mich dünckt / die freye Lufft wird ihm zu wieder seyn.

Anacl. Gnädigste Frau / ob die Lufft was gethan hat / das weiß ich nicht; allein er übernahm sich im Weine / der mochte jhm als einem gebohrnen Wasser-Manne den Kopff in schädliche Confusion bringen.

Leon. So redet / wer viel rothes Blut vergossen hat / der muß in dem rothen Weine Blut und Gifft hinein sauffen.

Fünffter Handlung

Vierdter Aufftrit.

Die Vorigen und Arcos.

Arc. (Kömt gelauffen.) Ach meine allerliebste Frau Mutter / ach ist niemand der mir helffen wil? ein böse Ding! ein böse Ding! ein böse Ding!

Leon. Mein Engels-Kind / was ist vorhanden?

Arc. Ach das weiß ich nicht / es begegnete mir was / halb wie ein Gespenste / halb wie ein Mensch / und auf beiden Seiten wie ein böse Ding. Ach! meine Hände! ach meine Füsse! mein Kopff! Wo ich das böse Ding noch einmahl sehe / so bin ich des Todes.

Anacl. Jhr Gnaden haben vielleicht geschlaffen / daß sie ein unangenehmer Traum erschrecket hat.

Arc. So lange die Leute wachen / so gedencke ich an kein Schlaffen: und was ich anitzo sehe / daß kunt ich auch sehen / wie mir das böse Ding in die Augen kam.

Anacl. Haben jhr Gnaden niemanden bey sich gehabt?

Arc. Ich gieng unten gantz allein / und suchte Gelegenheit meine Fräulein Schwester zu finden. Ach! so begegnete mir ein ungewöhnliches Ding / das ich mein Lebtage nicht schändlicher habe abgemahlet gesehen.

Anacl. Kunten sie niemand um Hülffe anruffen?

Arc. Ich habe dem Herrn Schloß-Hauptmann meine Noth geklaget / ob es was helffen wird / dasselbe mag sich ausweisen. O ist dieses die unglückselige Stunde / daß ich am hellen lichten Tag ein Gespenste sehen soll?

Leon. Mir wird recht bange dabey.

Arc. Ach Frau Mutter / da ist das böse Ding / sie lasse mich nur an einen sichern Winckel verborgen seyn.

Fünffter Handlung

Fünffter Auftrit.

Die Vorigen Prospero, Allegro.

Alleg. Ich thue es doch nicht.

Prosp. Das wil ich dir befehlen. Sag an / wer du bist / oder ich wil eine Tragœdie mit dir spielen / darüber dein Hertze zerbrechen soll.

Alleg. Ich bin ein unschuldig Weibes-Bild.

Prosp. Ob du ein Weibes-Bild seyn magst / darnach hab ich nicht viel zu fragen? aber ich weiß wohl / daß auch die Weiber eine Verrätherey ausführen können.

Alleg. Ich hab ein gut Gewissen. Kan mir jemand was beweisen / so reisse er mir das Hertze aus dem Leibe.

Anacl. Herr Hauptmann / worzu dienet dieser Auffzug? Sollen nunmehr so hohe Personen auch in dem Castell nicht verschonet werden?

Prosp. Es ist eine Verrätherey da: diese Hexe hat alle Winckel durchkrochen / damit sie aller vermuthung nach Gifft oder andere verderbliche Sachen bey unsern hohen Personen ausbreiten kan.

Anacl. Hat jemand was verdienet / so tractire man die Sache Summarisch.

Prosp. So muß ich um geliebter Kürtze willen / dieser unbekannten Person die Kleider vom Leibe reissen lassen.

Anacl. Sie hat sich treflich vermummt / drum muß sie entweder sich zu erkennen geben / oder wir wollen sonsten Gelegenheit zur Bekandtschafft suchen.

Prosp. Wer bistu?

Alleg. Ein armes Thier / das sich vor allen Leuten fürchten muß.

Prosp. Was bedeckestu mit deinem Kleide?

Alleg. Herr meine Schande und mein Armuth.

Prosp. Deine Schande soll offenbahr werden.

(Er wil jhr die Kleider abziehen.)

Alleg. O er schäme sich / es ist mir noch kein Manns-Bild so nahe kommen?

Prosp. So mustu heute was neues erfahren. Die Kleider müssen von dem Leibe.

Alleg. Ach was vor ein Wunderwerck wird offenbar werden:

(Er zeucht die Kleider ab / daß alle den Allegro kennen.)

Prosp. Du schönes Weibes-Bild / solstu in dem Castell dergleichen Confusion erwecken?

Alleg. Weswegen hätt ich mich so geschämt? das war meine gröste Schande / die ich bedecken wolte.

Prosp. Jhr Gnaden / sie sehen wie vergebens die Furcht gewesen ist.

Leon. Ach du boßhafftiger Schelm / was hat dich zu dieser Leichtfertigkeit angetrieben?

Alleg. Wäre kein boßhafftiger Schelm in der Welt / so wäre ich in eurem Pallast noch ein kurtzweiliger Rath. Nachdem aber alle Zeiten närrisch lauffen / daß ich alle Tage mein liebstes Jungfer Waschmädgen im Schlosse nicht besuchen kan / so muß ich wohl etwas poßierliches anfangen.

Leon. Es soll dir nach deinem Verdienst gelohnet werden. Hertzog Roccella begleitet unser Fräulein in unser Gemach: der Herr Hauptmann mag von unserm Sohn erfahren / wie der Bösewicht soll gestrafft werden.

Fünffter Handlung

Sechster Aufftrit.

Arcos, Prospero, Allegro.

Alleg. Das war eine kluge Frau / der Junge soll mein Richter seyn.

Prosp. Nun mein Hertzog / was haben sie zu befehlen?

Arc. Ach ich wolte / es hätte der Bube zwey Tage zuvor an den Galgen gehangen / ehe er so einen Schelmischen Possen angefangen hätte.

Alleg. Das hab ich vor meine Sünde verdient: nun werd ich wohl lebendig ausgepeitscht / wenn ich nach Verdienst soll gestrafft werden.

Prosp. Sie belieben eine Straffe zu benennen.

Arc. Es ist eine Sache / deswegen man kein Blut vergiessen mag: er soll ins Zucht-Hauß.

Alleg. Ich bin mein Tage so gar züchtig nicht gewesen: ich weiß nicht / wie sich das Zucht-Haus zu meiner Unzucht reimen wird.

Prosp. Und ich weiß nicht / ob der Zuchtmeister anitzo wird gehorsam seyn.

Arc. So mag er als ein Sclav den Koth von der Gasse wegkehren.

Alleg. Ich wollte / daß ich ein solch Aemptgen kriegte. Wer mir was zu Leide gethan hätte / dem wolte ich meine Expedition in den Barth werffen / daß sich ein ander an dem herrlichen Anblicke bespiegeln solte.

Prosp. Die Gassen sind alle gekehrt / und wir dürffen dem gemeinen Pöbel nicht weiter ins Handwerck fallen.

Arc. So last ein Vogel-Bauer machen / da soll der Vogel drinne stecken / so lang er lebt.

Alleg. Ein schrecklicher Possen / wer mich einspert / der muß mir auch zu fressen geben.

Prosp. Doch wer soll ein solch Gebauer verfertigen?

Arc. Ist es nicht von Eisen / so mag es von Holtze seyn; der Schelm muß als eine unvernünfftige Bestie eingeschlossen werden.

Prosp. Ich besinne mich / Hertzog Matelone hat seine Unterthanen mit Victualien herein geschickt / da ist meines Behalts ein Zimmerman drunter.

Alleg. O Jammer über Jammer / wo mir der Pfuscher ein Narren-Hauß bauen soll.

Arc. Wohlan so mag er geschafft werden – ich wil schon nachfragen / ob es geschehen ist.

(Geht ab.)

Fünffter Handlung

Siebender Aufftrit.

Prospero, Lurcone, Allegro.

Lurc. Herr Hauptmann / ich wolte fragen / ob ich meine Abfertigung hätte.

Prosp. Es ist schon gut / jhr solt nicht auffgehalten werden: Aber seyd jhr nicht euers Handwercks ein Zimmermann?

Lurc. Nein Herr / verzeiht mir / meines Handwercks bin ich nichts: denn ich habe bey keinem redlichen Meister ausgelernt. Aber meiner Kunst nach wolt ich so gut seyn als ein Müller und als ein Zimmermann.

Prosp. Es wird hier ein Stücke verdinget / daß man so Zunfftmäßig nicht erfodert.

Lurc. Ich frage nichts darnach / es mag wohl besichtiget werden.

Prosp. Ach nein / die Besichtigung wird wohl nachbleiben. Da ist ein leichtfertiger Bube / der soll in ein Höltzern Gebauer gespert werden. Nun wolten wir gerne / daß der Pappegoy fein bald in das Qvartier käme.

Lurc. Wer hats denn befohlen? Ich wil nicht hoffen / daß eine Neurung dahinter steckt.

Prosp. Auff seiten des Papagoys wird es eine genungsame Neurung seyn. Aber darvon hat so ein ungehobelter Dorff-Pfuscher nicht viel zu reden. Macht das Gebauer in einer Viertel Stunde fertig / oder ich wil euch Schelmen zusammen schliessen / und damit habt jhr meine Resolution.

(Geht ab.)

Fünffter Handlung

Achter Aufftrit.

Lurcone, Allegro, hernach Pazzo, Matto.

Lurc. Nun so kom her / und laß dir das Maß nehmen – – hörstu nicht / was ich dir machen soll? – – – Steh mir recht auf / daß ich mich in dem Masse nicht verirre – – – Je so schicke dich / daß dich potz Regiment.

(Er schlägt ihn.)

Alleg. Je du Narr / wenn ich ein Vogel bin / so kan ich wohl nicht reden.

Lurc. Ich kenne viel Diebs-Vogel / die reden können.

Alleg. Aber sagt nur / bin ich ein Vogel?

Lurc. Ja das bistu mit Leib und Seele.

Alleg. So wil ich ein Vogel seyn / und davon fliegen.

(Er wil entlauffen.)

Lurc. Nein / nein Herr Lands-Mann verirret euch nicht / wir wollen noch da bleiben. Heraus jhr Pursche / euer Meister kriegt ein Stücke Arbeit.

(Pazzo und Matto kommen gelauffen.)

Paz. Herr / was haben wir zu verrichten.

Matt. Und was haben wir vor ein Trinckgeld zu verdienen?

Lurc. Jhr tummen Kerlen / es ist eine Schande / daß jhr euern Printz nicht besser respectiret: da giebt es was zu arbeiten.

Paz. Ich wil gerne helffen / aber ich wil nicht hoffen / daß euch ein Galgen verdinget ist.

Matt. Und ich wil hoffen / daß wir auch redlich bezahlet werden.

Lurc. Schweigt doch stille / biß ich geredt habe. Da ist ein Menschen-Kind / das wird alle Donnerstage zum Vogel / drum sollen wir eine Hüner-Steige machen / daß wir einen solchen Vogel beherbergen können. Versteht jhr mich / was ich meine?

Paz. Es ist gar ein grober Vogel / er paßierte vor einen Trappen.

Matt. Wenn das Gebauer fertig wäre / so dürften wir ihm nur in Lande herum führen / ich weiß / die Leute geben Geld / daß sie den Vogel sehen könten.

Lurc. Nu / nu / macht fort / der Vogel möcht uns entgehen.

Paz. Wo kriegen wir aber alle Sachen darzu?

Matt. Wir wollen ein paar Stacketen ausreissen / so wird dem garstigen Vogel zum Neste schon gerathen seyn.

Lurc. So geht und bringet den Zeug her.

Alleg. Ach wer itzt ein Bandit wäre / so hieng ich doch an freyen lichten Galgen: wo ich hinter den Hüner Steige kriechen soll / so thu ich mir selber ein Leid an.

Lurc. Nu / nu bringt her / was jhr habt / im Fall der Noth muß sich alles schicken.

(Sie bringen das Holtz.)

Alleg. So wil ichs auch den Schelmen zum Possen thun / und wil kein Wort reden.

Lurc. Nu schickt euch / wie der Qvarck am besten wird angehen.

(Sie sperren ihn in das Gebauer.)

Paz. Nu Vögelgen singe wie du wilt / ich habe nichts mehr zu arbeiten.

Matt. Und wilstu mir was zum Trinckgelde pfeiffen / so hastu Zeit / sonst ist mein Weg der weiteste.

Lurc. Wir haben das unsrige gethan / komt fort / ehe uns noch mehr befohlen wird.

(Sie gehen ab.)
(Allegro fängt an zu singen.)

Fünffter Handlung

Neundter Aufftrit.

Arcos, Girolomo, Allegro.

Gir. Jhr Gnaden / ich bin ein Kauffmann / was ich habe / das ist mir feil / und was mir angeboten wird / darum handele ich.

Arc. Es steht bey ihm / was er thun will. Ich weiß / daß ein solcher Pappegoy nicht einmahl in der neuen Welt gefunden wird.

Gir. Desto lieber wil ich mich zum Handel verstehen. Aber ich habe gleichwohl das Ansehen umsonst / und also möcht ich wissen / wo der Vogel verwahret wird.

Arc. Gleich in diesem Winckel. Wie stehts Papgen hastu einmahl Lust zum Pfeiffen?

Gir. Dem Pappegoy fehlen noch ein paar Flederwische / sonst wolt ich jhn vor einen Strauß bezahlen. Doch / jhr Gnaden / wie hoch soll dieses Thier bezahlt werden?

Arc. Ich halt jhn um tausend Ducaten. Allein / daß er meine Gutwilligkeit siehet / so wil ich ihm alles schenken. Da hat er meine Hand / der Vogel ist sein.

Gir. Ich sage unterthänigen Danck. Aber wie soll ich diß grosse Gebauer fortbringen?

Arc. Das weiß ich nicht / wer das Geschencke angenommen hat / der mag zu sehen.

(Geht ab.)

Gir. So muß ich doch selber Hand anlegen. Du Vogel in dem Gebauer schicke dich / und mache dich fein leichte / sonst wil ich dirs an deinem Truncke abbrechen.

(Er versucht an dem Gebauer.)

Alleg. Guter Freund / ich bin ein Gefangener / und ich muß euer Gnade leben; last mich nur heraus / so wil ich das Gebauer schirgen helffen / wie jhr wolt.

Gir. Der Vorschlag ist gut; aber du Schelm / wilstu mir auch davon lauffen.

Alleg. Ey wo wil ich hin? Flügel hab ich nicht / und die Schuhe seind mir auch zurissen / biß auf die Brand-Sohlen: thut mir nur die Gnade / daß ich euch helffen kan.

Gir. Ich wil dir trauen.

(Er last ihn herauß.)

Alleg. Da solt jhr sehen / was ich vor ein getreuer Kerle bin:

(Sie schirgen es biß an die Scene.)

Gir. Nun Vogel / kreuch wieder nein.

Alleg. Ich dachte Vogel bleib haussen.

Gir. Ich dachte aber nicht so.

Alleg. Du Kerle / kreuch so lange hinein / als ich drin gestecket habe / und sage darnach / ob ich mit gutem Gewissen wieder nein kriechen kan?

Gir. Ich verstehe die Vexierey so lang als ich wil.

Alleg. Und ich leide so viel als ich wil. Höre Bernheuter / kreuch mir flugs in das Gebauer / und erwarte nicht / biß ich böse werde.

Gir. Ich wils aber erwarten.

Alleg. Und ich wil zuvor kommen.

(Sie schlagen sich / Allegro steckt Girolomo in das Gebauer und schlept jhn hinein.)

Fünffter Handlung

Zehnder Aufftrit.

Roderigo, Torrecuso.

Rod. Die Sache scheinet sehr verdächtig.

Torr. Euer Excellentz haben zu disponiren / mir aber als einen gehorsamen Diener lieget es ob die Sache vorzubringen.

Rod. Wie kan es möglich seyn, daß meine ärgste Feinde bey mir um Audientz anhalten?

Torr. So viel jhr Gesichte mit sich bringet / so dürffen sie nicht als Feinde angenommen werden. Ich wolte fast sagen / daß sie wegen einer Wohlthat bey euer Excellentz möchten recommendiret seyn.

Rod. Ich sage nochmahls / es ist sehr verdächtig: Sonderlich weil sie gantz allein jhren Vortrag thun wollen.

Torr. Es ist keine Gefahr zu befürchten: sie wollen das Gewehr gar gerne von sich geben / und wollen sich auch zum Uberfluß dergestalt besuchen lassen / daß man sie nicht vor Räuber oder sonst vor boßhafftige Leute wird ansehen dürffen.

Rod. Wenn es sieh also verhält / so last sie bey uns alleine seyn.

Torr. Ich bin gehorsam.

(Geht ab.)

Rod. Ich schwebe zwischen Furcht und Hoffnung / daß die ärgsten Buben von den Rebellen so gar höflich und demüthig um Audienz anhalten. Der Himmel helffe / daß jhr Oberhaupt zum Narren / und das andere Volck zum Sclaven wird.

Fünffter Handlung

Eilffter Aufftrit.

Roderigo, Arpaja, Formaggio.

Arp. Jhr Excellentz lassen uns dieses in keinen Ungnaden entgelten / daß wir so kühne sind vor derselben Augesichte zu erscheinen.

Rod. Unser Ampt erfodert dieses / daß niemand ungehöret gelassen wird.

Arp. Wir wissen wohl / daß uns die Gewalt des bißherigen Auffstandes mit dahin gerissen hat / daß wir auch eben dieses Verdachtes könten theilhafftig werden; Allein die meisten werden noch das Gewissen rein behalten haben / ob sie gleich der euserlichen That wegen möchten verdammlich seyn.

Rod. Gedencket doch an solche Sachen nicht / welche durch die allgemeine Amnestie völlig abgethan sind. Saget vielmehr / worin unser Rath euch nunmehr könte dienlich seyn.

Arp. Wir haben einen Fischer-Knecht zu unserm Oberhaupt annehmen müssen / und nun sehen wir / daß ein rasender Mensch die Freyheit hat / die gantze Stadt zu verwüsten.

Form. Ich muß mich desto mehr schämen / weil ich sein Schwager bin: Allein so nahe die Anverwandschafft ist / so weit bin ich allezeit von seiner itzigen Thorheit entfernet / ach! euer Excellentz erbarme sich doch über diese gute Stadt / und verschaffe so viel / daß dem reissenden Thiere möchte Einhalt geschehen.

Rod. Jhr guten Leute / es hat mich niemand gefraget / wie das reissende Thier loß gelassen ward: Warum soll ich nun das meiste dabey thun / da euch das Thier zu Schaden herum läufft?

Arp. Ein Vater sorget auch vor das Auffnehmen seiner Kinder / wenn sie den Untergang verdient haben.

Form. Und wer aus Unverstande sündiget / dem wird nicht unbillich durch fremden Verstand geholffen.

Rod. Worinn soll aber die Hülffe bestehen?

Arp. Jhr Excellentz geben nur Befehl / daß der rasende Mensch an Ketten geleget wird.

Form. Wir begehren nicht / daß er solte mit einiger Grausamkeit tractiret werden: Allein es geschiehet sein bestes / wenn er so weit in Verwahrung genommen wird / daß er weder sich / noch andern Schaden zufügen kan.

Rod. Jhr guten Leute / wir können euch nicht helffen; denn es möchte das Ansehen haben / als wenn unsere Gewalt den jüngsten Vergleich wieder um stossen wolte: solte es aber möglich seyn / daß der rasende Mensch in ein Kloster zur Ruhe könte gebracht werden / so hätte sich alsdenn ein jedweder auf unsere Gnade zuverlassen. Ich bitte nur selbst / man thue dem Menschen keine Gewalt an / der von dem Volcke und auch von dem Hofe so viel Ehre genossen hat.

Arp. Wenn es euer Excellentz vor gut befinden / so wollen wir dem gemeinen Besten nicht wiederstreben.

Form. Und also wird eurer Excellentz das gesamte Volck von Neapolis gehorsamst recommendiret.

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