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Gutenberg > Christian Weise >

Masaniello

Christian Weise: Masaniello - Kapitel 10
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMasaniello
authorChristian Weise
year1992
publisherPhilipp Reclam jun. Verlag
addressStuttgart
isbn3-15-009327-9
titleMasaniello
pages9-15
created20001101
sendergerd.bouillon
firstpub1683
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Vierdter Handlung

Achter Aufftrit.

Bonavita, Marina.
(Er in Hosen und Wamst / sie in aufgeschürtzten Rocke.)

Mar. Es ist uns nicht unangenehm.

Bon. Ich muste die Unhöfligkeit aus Noth begehen: denn weil uns Geistlichen die lange Kleider verbothen sind / so hab ich in diesem unanständigen Habit mich auf die Gassen begeben; Allein ich kan nicht sagen / was vor ein Schwarm von Muthwilligen Jungen mich begleitet hat / biß ich das Glücke hatte / meine Retirade in dieses Hauß zunehmen: und ich wil hoffen / so wohl als ich vormahls die Ehre hatte / derselben in meiner geringen Celle aufzuwarten / so wohl wird anitzo meine Ankunfft einen gnädigen Blick verdienen.

Mar. Ich bin der genossenen Wohlthaten allerseits eingedenck und möchte nur wünschen / daß uns die Ruhe etwas günstiger wäre / damit ich in diesem fremden Logiament mein danckbares Gemüthe bezeigen könte.

Bon. Der Danck bestehet auf meiner Seite. Wenn ich bedencke / in was vor einer wunderlichen Gestalt ich erscheinen muß / so möchte ich wohl aus dieser Wohnung geblieben seyn.

Mar. Mein Herr Pater, die Gestalten verändern sich itzo gar offt: ich bin selber beschämt / daß ich die Knie nicht bedecken darff.

Bon. Diese Tracht dienet zur Recommendation jhrer Schönheit.

Mar. Herr Pater mich dünckt / er wil es hier anfangen / wie ers in der Celle gelassen hat.

Bon. Hab ich daselbst gesündiget?

Mar. Ach nein / so weit kam es noch nicht / daß ich jhn einer Sünden halben verklagen solte / doch daß er mich mit vielen unverdienten Complimenten gehöhnet hat / das wil ich die Zeit meines Lebens nicht vergessen.

Bon. Ach gesegnet sind die Complimente / welche mir ein so langes Gedächtnis versprechen.

Mar. Der Himmel gebe bessere Zeit / so wollen wir sehen / wer in seinem Gedächtnis wird am beständigsten seyn / doch mein liebster Herr Pater, was haben wir bey dem itzigen Streite zu hoffen?

Bon. Mein Kind: Wäre es in dem Kloster / so sagte ich / meine Schwester / meinen Gedancken nach haben wir alles gutes zu hoffen.

Mar. Wie kan das möglich seyn / der Adel soll seine Privilegia verschweren.

Bon. Wer ist aber der jenige: der uns den Schwur abfodert? Ist es nicht ein armer Fischer / der in wenig Tagen seine Vernunfft verliehren wird?

Mar. Unter dessen haben wir das unsrige verlohren.

Bon. Mein Kind / sie glaube mir / die Einigkeit des gantzen Volckes bestehet in dieser Person: Aber wenn die Raserey zuschlagen wird / so wird dem Volcke das thörichte Regiment nicht länger anstehen.

Mar. Aber mich düncket / der Kerl ist zu klug.

Bon. Das ist unser Trost / daß er sich in seiner Klugheit übernimt: er nimt sich keine Zeit / zum Essen und zum Schlaffe: sondern Tag und Nacht ist er in solcher Action, dabey sich ein geübter Staats-Mann ruiniren könte / ich geschweige denn ein solcher Fischer-Knecht.

Mar. Mein liebster Herr Pater, der Trost hat mir einen guten Muth gemacht: gesegnet sey der Mund / welcher mich so erqvicket hat.

(Sie küsset jhn.)

Bon. Die Vergeltung ist zu hoch / doch wil sie von einem armen Bruder was annehmen / so hab ich mein Reichthum in der Welt gelassen / und habe nichts mehr übrig / als dieses.

(Küsset sie.)

Mar. Mein Herr Pater / es möchte jemand unser Gespräche zerstören / er begebe sich seinem Gefallen in das Zimmer / ich wil bey Gelegenheit bemüht seyn / daß er Gesellschafft bekömt.

Bon. Ich nehme diesen Befehl an: doch es wird keiner Gesellschafft bedürffen / weil ich in weniger Zeit dem GOttes-Dienste in Anwesenheit des Vice-Roy beiwohnen soll.

Mar. Es stehet alles in seinem Belieben.

Bon. Ich recommendire mich mein Kind.

(Küsset jhr die Hand und gehet ab.)

Mar. Ach wie unglückselig sind doch die Personen / welche sich in die Unmögligkeit verliebet haben. Ach warum kam ich eben in dieses Kloster / daß ich diesen artigen Pater darinnen kennen lernte? Wäre mir sein Wesen unbekand / so würde mich seine Liebe wenig bekümmern. Ach! nun seh ich / wie ungerecht der jenige gehandelt hat / durch welchen der erste Mönch ist in das Kloster-Gefängnis verstossen worden. Ach! wie mancher Cavallier wird von dieser Zeit an / so liederlich und vergebens dahin gestorben seyn. Doch so lange die Liebe scharffsinnig ist / so lange werden auch diese Gefängnisse viel zu wenig seyn / mein Verlangen aufzuhalten.

Vierdter Handlung

Neundter Aufftrit.

Buffone, hernach Allegro.

Buff. (In einem langen Fuhrmanns-Kittel.) Ich weiß nicht / was Sanct Velten wieder vor neue Händel auf die Bahne bringt: Ich komme herein in die Stadt / und wil ein bißgen zuhorchen / ob unser Stehlen und Rauben auf dem Lande noch lange passiren möchte. So lauffen mir alle nach und schreyen: du Mausekopff im langen Rocke / weg mit der Schelmischen Hülle / oder du kömmst an Galgen. Nu sprech ich immer / unsre Stücken seyn offenbahr. Ach ich gebe drittehalb Ziegen drum / wenn ich zehn Meilen von Neapolis wäre / ich wolte mich gerne biß auff mein Dorff wieder heim betteln. Aber ach! was kömt da vor ein Kerl / O wer sich verbergen könte / wie fürcht ich mich!

Alleg. (Auff der andern Seite.) Wie bin ich den heutigen Tag so gar jämmerlich geplaget worden. Meine junge Narren wolten zu fressen haben / meine Untergebene examinirten mich in der Fecht-Kunst / und wer weiß / was ich noch für ein Ende nehme; Hui / daß dort einer steht / der mich umbringen wil. O ich fürchte mich.

Buff. O jhr Leute / was sagt der böse Kerl? mein Hertz zittert mir wie ein Ziegen Schwantz.

Alleg. O jhr Leute / der Kerl redt gar heimlich / sein Hertz geht gewiß mit bösen Tücken um.

Buff. Ich schliche gerne davon / wenn ich könte.

Alleg. Ich kenne den thörichten Hund wohl / weil ich stehe / so steht er auch. Aber wo ich lauffe / so läufft er mir nach / und beist mich ins Bein.

Buff. Ach / wer sich nur fein barmhertzig stellen könte / daß der böse Herr Mitleiden mit mir hätte.

Alleg. Ich dencke / das Ausreissen kömt an mich zu erst.

Buff. Mein kläglich Gesichte / thut wenig bey der Sache: ich muß bitten.

Alleg. Nun last sehen / wer kan am besten lauffen.

Buff. Ach Gnade!

Alleg. Wer rufft mich / O der Mann kömt / O das böse Ding geht mir zu Leibe!

Buff. Ach Gnade!

Alleg. Schlechte Gnade! ich mercke dich schon. Gestern ward einer gehangen / der ruffte so lange biß jhm der Strick an die Kehle kam: O Gnade! Gnade! Gnade! Gnade / Gnade! O Gna – – – – ich muß jhm Antworten: nicht Gnade!

Buff. Au / das thut weh / die Gnaden-Thür ist versperret. O Herr.

Alleg. Was sagt er? Komm her? Komm du her.

Buff. Ich soll hinkommen / es wird mir gehn.

Alleg. O er kömt her / nun kan ich mein Unglück nicht über sehen. O wie hertzhafft bin ich.

(Sie treten gegen einander und zittern.)

Buff. Ich habe nichts gethan.

Alleg. Aber desto mehr wiltu mir thun.

Buff. Soll ich gehn.

Alleg. Sol ich gehn?

Buff. Ja.

Alleg. Ja.

Buff. Nun ist mein Weg der weiteste.

(Geht ab.)

Alleg. Und ich wil mich in das erste Mäuseloch verkriechen: der Kerl war ein Spion, und soll nachforschen / wo ich hinkomme. O du liebes Unglücke! wären nur noch acht Tage vorbey / darnach wil ich gerne sterben.

(Geht ab.)

Vierdter Handlung

Zehnder Aufftrit.

Philomarini, Ghirardini, Rossi samt den übrigen Geistlichen. Die innerste Scene præsentiret eine Kirche / die sämtlichen Geistlichen sind in Hosen und Wamst.

Phil. GOtt Lob die Sache ist so weit gediehen / daß Masaniello zum andern mahl in das Castell geritten ist / jhr Excellentz biß in diese Kirche zu begleiten / so wird verhoffentlich das Volck wieder aus dem Vortheil getrieben / und die unglückselige Parthey getröstet werden.

Ghir. Es stehet bey dem Himmel / ob wir uns des itzigen Kirchen Ganges erfreuen werden.

Ross. Zum wenigsten geben unsere Kleider eine schlechte Losung.

Ghir. Wo es lange wehrt / so müssen wir dem Fischer zugefallen lauter Fischer-Hosen anziehen.

Ross. Diesem Fischer haben wir keinen Gehorsam geschworen.

Ghir. Der Anblick wird lächerlich seyn: helffe GOtt daß uns der Ausgang nicht Thränen abzwingt.

Ross. Doch ich höre ein Geräusche / der Process kömt gewiß unsrer Kirche nahe.

Phil. Machet euch fertig / sie müssen allerseits empfangen werden.

(Die sämtlichen Cavalliers begleiten den Vice-Roy und treten auf die rechte Seite.)

Vierdter Handlung

Eilffter Aufftrit.

Die Vorigen und Roderigo hernach Masaniello.

Rod. Jhr Eminentz haben schönsten Danck vor die getreue Sorgfalt / welche diese Zusammenkunfft befördert hat; solten wir zu wenig seyn / alles danckbarlich zu bezahlen / so werden jhre Königl. Majestät zu der Vergeltung desto geneigter seyn.

Phil. Jhr Excellentz haben meine geringschätzige Sorgfalt nicht so hoch zu rühmen: giebt GOtt beßre Zeit / so wird mehr davon zu reden seyn. Itzo belieben jhr Excellentz den erhöhten Ort ein zunehmen / damit ich den General von der Gemeine gebührend empfangen kan.

Rod. Ich verstehe es gar wohl.

(Er setzt sich oben bey dem Altar / und hiemit wird inwendig mit Violinen gar sachte Musiciret / daß man die Reden wohl verstehen kan / also komt Masaniello, und nach jhm seine Bedienten / welche sich allmählich an der Wand auf der lincken Seiten herum ziehn.)

Mas. Jhr Eminentz / hier kom ich in das offentliche Gottes-Hauß / und wil vernehmen / was vor ein Grund von der Neapolitanischen Freyheit in dieser Kirche soll geleget werden.

Phil. Glückselig sey die Stunde / da ein solches Werck wird vollzogen werden: Und glückselig sey die Person / welche so viel Mühe und Arbeit dadurch ausgestanden hat.

Mas. Es ist ein grosses Werck / darüber die gantze Stadt frolocken muß. Jhr Eminentz hören / wie hoch sich das Geschrey erstreckt.

(Inwendig wird geruffen: Glück zu dem Könige in Spanien. Letzlich rufft einer zur Scene heraus / aber ohne Zoll.)

Phil. Es ist ein gutes Zeichen / daher wir etwas glückseliges muthmassen können: aber wollen sie nicht so gütig seyn / und jhre Stelle einnehmen?

Mas. Ich wil an diesem Orte sitzen. Jhr / bringet mir den Stuhl hieher.

(Er rufft Ristaldi, der muß jhn zu Ende des Theatri setzen.)

Rist. (Ad Spectat.) O verfluchter Schimpff! sollen wir die angenehme Ruh mit solchen Diensten erkauffen?

Vierdter Handlung

Zwölffter Aufftrit.

Alle des Vice-Roy Bedienten / angleichen die Parthey von Masaniello.
Donato trit gegen den Altar und fanget an zulesen.

Demnach der Hochgebohrne Don Roderigo Ponce de Leon Hertzog von Arcos, des Königreichs Neapolis Vice-Roy und General Capitain, haben in Gnaden verstanden welcher Gestalt das Volck von Neapolis.

Mas. Schreibt darzu / das gehorsame Volck von Neapolis.

Rod. Es soll geschehen / sie haben den Titel noch verdienet.

Don. Welcher gestalt das gehorsame Volck von Neapolis jhrer habenden Privilegien wegen eine Versicherung erlangen wolte; als haben höchstgedachte hohe Excellentz sich erfreuet / daß das Privilegium des Königes Caroli V. höchstseligsten Andenckens zu der Hand geschaffet worden.

Mas. Setzt darzu im Original.

Don. Im Original an die Hand geschaffet worden.

Mas. Setzt darzu / wie solches recht und billich ist.

Don. Wie solches recht und billich ist. Und wollen demnach zur Erklärung gedachter Privilegien die folgenden Artickel zu männiglicher Wissenschaft öffentlich verlesen lassen.

Mas. Setzt darzu: Mit gutem Bedacht und Wohlgemuth.

Don. Mit gutem Bedacht und Wohlgemuth: Als erstlich soll der Frucht- und Mehl-Zoll auff ewig abgeschafft seyn.

Mas. Setzt darzu: So wohl vor das schwartze als weisse Mehl.

Don. So wohl vor das schwartze als weisse Mehl.

Mas. Setzt darzu: So wohl vor das Rocken-Brod / als vor die Groß-Stritzel.

Don. So wohl vor das Rocken-Brodt als vor die Groß-Strietzel. Zum andern / soll das gewöhnliche Donativ nach Willen des Volckes eingerichtet werden / und das Volck so viel Vota haben als die von Adel.

Mas. Setzt darzu: Und diß zu ewigen Zeiten in alle Wege.

Don. Und diß zu ewigen Zeiten in alle Wege. Zum dritten versprechen sie wegen des vergangenen niemand zur Verantwortung zuziehen.

Mas. Setzt dazu: Uber kurtz und über lang.

Don. Uber kurtz oder über lang. Und daß solches getreulich solle gehalten werden.

Mas. Setzt dazu: Ohne alle Gefehrde / bey dem Worte der Warheit.

Don. Ohne alle Gefehrde / bey dem Worte der Warheit sollen die gedachten Puncte – –

Mas. Und was noch mehr zu vergleichen ist.

Don. Und was noch mehr zu vergleichen ist / durch einen kräfftigen Eid betheuret werden / mit angehenckter Zusage.

Mas. Setzt darzu: An Eydes Statt.

Don. An Eydes Stat / daß die Ratification bey jhrer Majestät in Spanien soll ausgewircket werden.

Mas. Setzt darzu: Und wo dieses nicht erfolget / so soll dieser Accord null und nichtig seyn.

Don. Und dieser Accord soll null und nichtig seyn.

Phil. (Bringt das Evangelien Buch.) So werden sich jhr Excellentz belieben lassen / die vorgelesenen Puncte durch einen Eid zu bekräfftigen.

Rod. Ich schwere bey Gott und allen Heiligen / die vorgelesenen Puncte in allen Stücken getreulich zu halten / so wahr mir dieselben helffen.

(Hier werden die Trompeten und Paucken gehöret / inwendig wird darzu geschrien: Lange lebe der König in Spanien!)

Mas. (Steht im Silbernen Stücke mit einem blossen Schwerdte.) So ist nunmehr die Freyheit in einen solchen Stand gebracht / daß jhr Königliche Majestät sich einer vollkommenen Herrschafft rühmen können. Wir haben ja innerhalb sechszehn Jahren in die hundert Millionen contribuiret / und jhr Majestät sind allezeit ärmer worden: Nun werden die jenigen abgewiesen seyn / welche dem Volcke zur Beschwerung jhr Interesse bey dem Königlichen Gelde gesuchet haben. Ich gestehe es gerne / ich habe mein Blut auff das Spiel gesetzt / doch protestire ich vor der gantzen Welt / daß ich alles dem Allmächtigen Gott zu Ehren / dem Könige in Hispanien / dem Vice-Roy, dem Volcke / ja dem gantzen Königreiche zum besten gethan habe: verwundert sich iemand über diesen prächtigen Habit? Er ist mir wieder meinen Willen angeleget worden: Jhre Eminentz der Ertz-Bischoff hat mich bey Straffe des Bannes dahin gezwungen / daß ich bey dieser Solennität in einem Silbern-Stücke erscheinen müssen: allein nunmehro wil ich diesem Kleide gute Nacht geben / und meine alte Fischer-Hosen wiederum anlegen.

(Er reist an dem Kleide / und kan nicht zu rechte kommen / hiermit kniet er vor dem Vice-Roy.)

Ach jhr Excellentz erbarmen sich / und helffen mir das Kleid vom Leibe reissen / welches mir nicht anstehet.

Rod. Es stehet ihm gar wohl an / er lasse sich doch erbitten.

Phil. Er hat das Kleid aus vielen Ursachen verdienet / wer von uns hochgeschätzet wird / der darff sich selbst nicht geringe halten.

Mas. Ach jhr Leute / sehet wie wird ein ehrlicher Mann genöthiget / wieder seinen Willen stoltze Kleider zutragen: ach erbarmet euch / und betet vor mich / daß ich wieder zu meinen Fischer-Hosen komme.

(Hier lassen sich Paucken und Trompeten hören / und ziehen alle ab / die mittelste Scene fällt zu.)

Vierdter Handlung

Dreyzehnder Aufftrit.

Salvador, Laudato.

Salv. Mein Herr / das war ein trauriges Spectacul, daß ein gemeiner Kerl in Gegenwart der hohen Obrigkeit Gesetze machen kunte.

Laud. Und das war ein frölicher Anblick / daß der verfluchte Bube sein Kleid selber zerreissen muste.

Salv. Es geschahe dem Adel zum Schimpffe / er wil nicht / daß ein Silber-Stücke über uns commandiren soll / er wil lieber mit Fischer Hosen aber unsern Nacken hergehen.

Laud. Ich spüre es an jhm / daß er im Kopffe muß verwirret seyn / und ich halte / wenn das Volck seiner wird überdrüßig werden / so werden sie dem Narren vom Brodte helffen / ehe wir das Schwerdt ausziehen dürffen.

Salv. Es lässet sich hören: aber als ich in die Schule gieng / da war ein Sprüchelgen gar gemein: Non deficit alter.

Laud. Es wird niemand diesem Menschen gewachsen seyn. Der Fischer-Knecht hat Wunder gethan / aber wo haben wir in allen Historien ein gleiches Exempel?

Salv. Viel Wachen / wenig Essen / und viel Sorgen machen auch einen klugen Kerlen zum Fantasten.

Laud. Ich höre / wenn er sich nach Mitternacht zu Bette geleget hat / so hat er in einer Stunde die Frau mit dem Ellbogen in die Seite gestossen / und dabey gesagt: Was / können wir schlaffen / und wir sind Herren von Neapolis?

Salv. Ich wünsche jhm das Glücke eines rasenden Hundes / der sich gemeiniglich nach dem neundten Tage zu tode lauffen muß.

Laud. Ich setze noch acht Tage / so wird das trotzige Volck vor Furcht und Angst wiederum erzittern / ja es wird dem Adel gute Worte geben / daß nur jemand aufftrit / welcher jhnen befehlen wil.

Salv. Wir wollen vernehmen / was auf dem Castel dessentwegen passiret.

Vierdter Handlung

Vierzehnder Aufftrit.

Villanella, Pasqvella, Zeppa in gläntzender Kleidung.

Pasq. Ich leid es nicht.

Zep. Je was denn Frau Schwägerin?

Pasq. Nun es mag draus werden / was da wil / ich leids nicht.

Zep. Hertze Frau Schwägerin / erzürnet euch nicht / sagt mir lieber / was vor unleidliche Sachen vorgehen.

Vill. Frau Tochter / ich verdenck euch nicht. Ich wils nur sagen / mein Sohn wil sein Ampt übergeben / und wil wieder ein Fischer werden.

Pasq. Ach ist das nicht Unglück / ich bin eine grosse Frau worden / und soll nun so tieff in den Qvarck hinein fallen / als ich heraus gekrochen bin.

Vill. Gebt euch zufrieden / Frau Tochter / zu ungeschehenen Sachen läst sich ein guter Rath gebrauchen.

Pasq. O der gute Rath ist verdorben / wo er seinen Starr-Kopff einmahl aufsetzt.

Vill. Nun jhr lieben Weibergen versuchet / wie weit jhrs bringen könnet.

Pasq. Ach wie sanffte that mirs / da mir des Vice-Roy seine Gemahlin einen Samtenen Stuhl setzen ließ.

Zep. Und wie niedlich schmeckte das Confect / das sie uns auftrug.

Pasq. Ich fresse nicht Confect vor der Ehre / daß ich in einer Carethe fahren durffte.

Zep. Und es war / deucht mich / gar zu fein / daß so viel hübsche Diener neben her lieffen.

Pasq. Ach wie fein stehts / wenn ich itzt in den Ducaten mähren kan.

Zep. Güldene Müntze ist gar beqvem / man bescheißt die Finger nicht so dran / als am Kupffer-Gelde.

Pasq. Wer kan itzund den Weibern zu Neapolis Gesetze vorschreiben / als ich?

Zep. Und wem steht es besser an / güldene Stücke zutragen / als eben uns?

Pasq. Aber wem würde nun das Fischer-Leben banger thun / als eben uns?

Zep. Nun haben wir Zeit / daß wir auff gute Mittel bedacht seyn / ehe die Ehre wieder zu Wasser wird.

Pasq. Wir wollen bitten / und wo mein Herr auf der Laune ist / so wollen wir so was vors Hauß mit fluchen.

Zep. Wenn es hülffe / wolt ich gar darzu singen.

Vill. Ach jhr jungen Narren / wenn jhr den gantzen Tag mit solchen Narren-Possen zu brächtet / so wäre der Zweifels-Knoten noch nicht auffgelöset. Seht da komt ein ehrlicher Mann her / dem ist auch was dran gelegen / und der wird sich nimmermehr in den Qvarck herunter stossen lassen.

Vierdter Handlung

Funffzehnder Aufftrit.

Die vorigen und Mattheo.

Matt. Was giebts zu berathschlagen jhr lieben Weibergen? denn ich sehe wohl / jhr habt die sorgfältigen Runtzeln treflich an die Stirne gehangen.

Vill. Ach hertzer Herr Sohn / es gehet eine Sache vor / darüber unsere Köpffe gar zu Narren werden.

Matt. Die Sache muß wichtig seyn: denn hat sich der Adel in Neapolis zwingen lassen / so wird nunmehr das ander Unglück wie Kinderspiel geachtet werden.

Vill. Ja / ja lieber Herr Sohn / ich bin eine alte Frau / ich weiß wohl was Kinderspiel ist: aber / da sind die Weiber / die mögens erzehlen.

Matt. Nun so last mich doch hören / was der Mühlstein auf euren Hertzen zubedeuten hat.

Zep. Es gefällt uns so wohl / daß wir so vornehme Leute worden sind: und gleichwohl ist dieses unser Hauß-Creutze / daß wir nun hören sollen / als wolte Herr Thoms wieder abdanken / und seine Fischer-Hosen wieder anziehen: und wenn das geschieht / müsten wir nicht seinetwegen auch in die alte Kittel wieder kriechen?

Pasq. Ich thue mir ein Leid an / wenn ich wieder stinckende Fische verkauffen soll.

Zep. Meine Hände sind mir in zwey Tagen gar weich worden: es ist mir ungelegen / daß ich sie wieder harte machen.

Pasq. Und mein Podex ist der groben Hembde gar entwohnt / es wurde mir nun gar stachlicht vorkommen.

(Sie schreyen alle beyde zusammen.)

Nein / nein wir thun es nicht / wir lassen es nicht zu / wollen die Männer Bernheuter seyn / so wollen wir das Regiement über die Weiber behalten.

Matt. Last mich doch zum Reden kommen / denn euer Schreyen und Stillschweigen gilt alles beides einen Qvarck. Ich weiß wohl / das mein Bruder den Schluß gefasset hat / sein Ampt wieder auffzugeben; aber ich habe ihm so bange gemacht / daß er sich nimmermehr bloß geben wird / so lange er lebet / so lange soll er nun wohl ein grosser Mann bleiben.

Zep. Ach mein lieber Mann (potz tausend / geredt wie eine Fischer-Frau!) Ach mein hertzlieber Herr / darff ich die Zeitung nachreden?

Pasq. Ach mein goldener Herr Schwager / habt jhr gleichwohl so ein gut Werck gestifft?

Matt. Ja / das hab ich zu wege gebracht. Es kan nicht anders seyn / unsere Nachkommen werden lauter Fürsten-Kinder bedeuten.

Vill. (Weinet.) Ach mein göldner Herr Sohn / ist das nicht Freude / wenn man solche Ehre an seinen Kindern erlebet? ach nun wil ich gerne sterben / weil ich doch nun sehe / daß ich einmahl in dem Himmel auch auf eine Fürstenbanck kommen soll.

Matt. Nu / nu / gebt euch zufrieden / Durchlaucht. Frau Mutter / wir wollen die Fürstenbanck in der Welt behaupten: wegen des Himmels wollen wir noch sicher seyn.

Vierdter Handlung

Sechzehnder Aufftrit.

Pinto, Baldo.

Pint. So wolte ich ein reicher Fischer seyn. Wenn mir das Untertauchen alle mahl so statlich bezahlet würde.

Bald. Ey Gefatter / habt jhr gleichwohl einen stattlichen Fischzug gethan?

Pint. Ja vor dißmahl hab ich güldene Fische gefangen.

Bald. Die Heringe sind auch gülden / aber das ist unser Unglücke / das kein Goldschmied solch Gold verarbeiten wil. Gefatter / jhr wist wohl das Rätzel: es hat ein Maul und beist nicht / hat Flügel und fleucht nicht / es hat Geld und gilt nicht.

Pint. Ach nein / bey den Fischen gabs ein ander Rätzel. Es hatte keine Flügel / und floh doch / es hatte kein Maul und lachte mich gleichwohl an / es hatte Geld und galt auch.

Bald. Mein Kopff ist zu solchen Sachen ein bißgen tumm.

Pint. Unser neuer Herr General, der dem löblichen Fischer-Handwercke einen ewigen Nahmen gemacht hat / der hatte gleich vor der Stadt am Meere seine Kurtzweil.

Bald. Es ist wunder / daß er sich so viel abgemüßiget hat.

Pint. Da versucht er sich im Baden / und als er allerhand Kurtzweil angefangen hatte / so ruffte er / wo jemand unter den Fischern Lust hätte Geld zu verdienen / der solte sich heran machen.

Bald. Dazu dürffte mich der Herr General nicht ruffen. Ich weiß wohl / wenn ein Fischer Geld verdienen wil / so muß er ins Wasser: auff dem Baume fangen wir wenig Lampreten.

Pint. Gefatter / last mich doch reden / jhr seyd nicht dabey gewesen. Er grieff in den Rock / und warff eine Handvoll Ducaten nach der andern in das Wasser / da mochte nun einer zugreiffen / wie er wolte.

Bald. Ey schade / daß ich nicht habe mit fischen sollen. Denn Gefatter jhr wists / was ich vor ein Täucher bin.

Pint. Es lag da nicht allein an der Kunst: wir kunten wohl alle unter fahren: Aber wenn es zum Gelde kam / da satzt es Nüsse / daß mancher hernach in den Wasser nach der Lufft schnapte / wie eine krancke Karpe.

Bald. So hat doch der gröste Flegel die meisten Ducaten krigt.

Pint. Ja wie ich heim kam / so hat ich zwantzig Stücke in meinen Busen / aber was ich in der Schlägerey vor See-Wasser hab in den Halß kriegt / das hab ich am besten geschmackt.

Bald. Vor zwantzig Ducaten kan man wohl eine gesaltzene Wasser-Suppe mit nehmen.

Pint. Aber wenn das Fischer Regiment nur fein lange wehrete.

Bald. Ich dencke hin und her / es wäre vielleicht nicht zuwünschen; wenn die armen Leute wollen Herren werden / so wirds darnach an Dienern fehlen: Deswegen macht unser HErr GOtt mehr arme Leute als reiche / weil ein grosser Herr offt 20. 30. 40. Diener von nöthen hat.

Pint. Es ist wahr / ein grosser Fisch bedarff viel kleine / wenn er sich erhalten wil.

Bald. Drum sag ich: wenn die kleinen Fische alle wollen groß werden / was haben sie darnach zu fressen?

Pint. Meintwegen möchten die andern Leute alle arm seyn, wenn ich nur ein grosser Herr wäre.

Bald. Andere Leute dencken auch so. Es ist am besten / wir nehmen mit unsern Fischer-Hosen vor lieb. Kommet Gefatter, und spendirt mir einen Soff vor einen Ducaten / ich weiß / das jhr sonst gar freigebig seyd.

Pint. Wolt jhr mich nicht verachten / so wil ich euch gar gerne haben. Mit uns Fischern gehet es doch so her / wer einen Heller im Beutel hat / wenn die Sonne wieder auf geht / der muß im Handwercke Straffe geben.

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