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Bjørnstjerne Bjørnson: Mary - Kapitel 5
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typenarrative
authorBjørnstjerne Bjørnson
titleMary
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Drei Jahre später

Drei Jahre später fuhr Mary nach langem Regen an einem schönen Frühlingstage mit einer Verwandten, Alice Clerq, in Paris die Avenue du Bois de Boulogne hinunter auf das vergoldete Parktor zu. Sie hatten sich in Amerika kennen gelernt und sich hier in Paris im vorigen Jahre wiedergetroffen. Alice Clerq wohnte jetzt mit ihrem Vater in Paris. Der alte Clerq war früher der bedeutendste Kunsthändler von New York gewesen und hatte eine Norwegerin aus der Familie Krog geheiratet. Nach dem Tode seiner Frau verkaufte er sein riesiges Geschäft. Die Tochter war mit der Kunst aufgewachsen und hatte eine gründliche Ausbildung darin genossen. Sie hatte die Museen der ganzen Welt gesehen, hatte ihren Vater sogar bis nach Japan geschleppt. Ihr Hôtel in den Champs Elysées war voll von Kunstgegenständen. Dort hatte sie auch ihr Atelier; sie war nämlich Bildhauerin. Alice war nicht mehr jung, eine kräftige, rundliche Person, gutmütig und lustig.

Dies Jahr kam Anders Krog mit seiner Begleitung aus Spanien. Die beiden Freundinnen sprachen gerade über ein Bild Marys, das aus Spanien an Alice geschickt war und nach Norwegen weiter wanderte. Alice behauptete, der Künstler habe es offenbar auf eine Ähnlichkeit mit Donatellos »Heiliger Cäcilie« abgesehen. Durch die Stellung des Kopfes, die Form der Augen, die Linie des Halses und den halb geöffneten Mund. Aber so interessant dieser Versuch sein möge, für die Ähnlichkeit sei er von Schaden. Zum Beispiel sei es ein Verlust für das Bild, daß die Augen nicht zu sehen seien; die habe sie ja niedergeschlagen wie bei Donatello. Mary lachte. Gerade um diese Ähnlichkeit herauszubekommen, habe sie ihm gesessen.

Nun erzählte Alice von einem norwegischen Genieoffizier, den sie kennen gelernt habe, als sie mit seiner Mutter im Sommer in Norwegen gewesen sei. Er habe das Bild bei ihr gesehen und sich ganz in dieses Porträt verliebt. – »So«, sagte Mary wie abwesend. – »Es ist kein gewöhnlicher Mensch, kannst Du glauben, und auch kein gewöhnliches Verliebtsein.« – »Nanu?« – »Ich bereite Dich vor. Er kommt natürlich bei mir mit Dir zusammen.« – »Ist das nötig?« – »Sehr. Denn sonst muß ich es ausbaden.« – »Ist er denn gefährlich?« Alice lachte: »Mir wenigstens.« – »Sieh einer an! Ja, das ist etwas anderes.« – »Jetzt verstehst Du mich falsch. Warte, bis Du ihn siehst.« – »Ist er so schön?« – Alice lachte: »Nein, er ist geradezu häßlich! – Na, warte nur ab.« – Sie fuhren weiter, das Gedränge wurde größer; es war einer der Haupttage. – »Wie heißt er?« – »Franz Röy.« – »Röy? So heißt unsere Ärztin auch. Fräulein Röy.« – »Ja, das ist seine Schwester; er spricht oft von ihr.« – »Sie hat eine herrliche Figur.« – Da richtete Alice sich auf: »Und er? Wenn ich mit ihm über die Straße gehe, drehen die Leute sich um, weil sie ihn noch einmal sehen wollen. Ein richtiger Riese! Aber keiner von den fettgepolsterten. Nein, sehr groß und geschmeidig.« – »Also gut trainiert?« – »Riesig. Auf nichts ist er so stolz wie auf seine Kraft, und nichts zeigt er so gern!« – »Ist er denn dumm?« – »Dumm? Franz Röy?« – Sie lehnte sich wieder zurück, und Mary fragte nicht weiter.

Sie kamen spät draußen an; endlose Wagenreihen zogen an ihnen vorbei heimwärts aus dem Bois. Die drei breiten Fahrwege der Avenue waren gedrängt voll. Je näher sie dem eisernen Tor kamen, wo die Wege zusammenliefen, desto dichter wurden die Wagenreihen. Diese Zurschaustellung von hellen und bunten Frühjahrstoiletten an dem ersten sonnigen Tage nach dem Regen war ein einzigartiges Schauspiel. Zwischen den neubelaubten Bäumen wirkten die Wagen wie gefüllte Blumenkörbe im Grün, einer hinter dem andern, einer neben dem andern, ohne Anfang und ohne Ende.

Am Tor kamen sie in die Nähe der wogenden Menge von Fußgängern. Aber kaum waren sie mitten drin, als sich von rechts nach links hinüber eine unruhige Bewegung fortpflanzte. Dort rechts mußten die Leute etwas sehen, was von hier aus nicht zu sehen war. Einige schrien und zeigten nach den Seen hinüber, die Wagen fuhren auf Kommando zur Seite oder in die Querwege hinein, die Bewegung wuchs, bald war sie allgemein. Schutzleute und Parkwächter rannten hin und her, die Wagen stauten sich so dicht, daß keiner mehr vom Fleck kam. Ein breiter Mittelgang war bald weit hinunter frei. Alle spähten und fragten, – da kam es! Ein paar durchgegangene Pferde mit einem großen Wagen. Auf dem Bock sah man den Kutscher und den Groom. Es mußte sich ein Kampf abgespielt haben, so daß man Zeit bekam, den Weg frei zu machen, oder die Pferde mußten in sehr großer Entfernung scheu geworden sein. Hier, diesseits des Tores, waren alle Gefährte aus dem Mittelweg verschwunden; Alices Wagen stand beinahe zu äußerst am linken Fußweg. Hinter sich hörten sie Geschrei; vermutlich wurde die ganze Avenue freigemacht. Aber niemand blickt dahin, alles sieht nach vorn. Ein stattliches Gespann kommt in rasender Fahrt auf sie zu. Von Neugier getrieben, wogen zu beiden Seiten die Massen vor und zurück. Ängstliche Menschen draußen vor dem Tor riefen: »Schließt das Tor!« – Ein rasender Protest, ein tausendstimmiger Hohn von drinnen antwortete ihnen. Alle Wageninsassen hatten sich erhoben, manche standen auf den Sitzen. Auch Alice und Mary. Es machte den Eindruck, als werde die Fahrt toller, je näher die Tiere kamen. Kutscher und Groom rissen aus Leibeskräften an den Zügeln; aber das stachelte die Tiere nur an. Ein Mann im Zylinder beugte den Oberkörper aus dem Wagen, vermutlich um festzustellen, wo er sich den Hals brechen werde. Ein paar Hunde liefen mit eifrigem Protest hinterher, hier oben lockten sie noch mehrere andere auf die Bahn hinaus, die sich aber nicht weit vorwagten. Die zwei oder drei, die es taten, prallten gegeneinander, daß einer sich überstürzte und überfahren wurde, der Wagen machte einen Satz, der Hund heulte auf, – seine Kameraden hielten eine Weile inne.

Da löst sich ein Mann aus den Massen am eisernen Portal und tritt mitten auf den Weg. Man schrie, man schwang Stöcke und Regenschirme und drohte ihm. Ein paar Schutzleute wagten sich einige Schritte hinter ihm her und winkten und riefen; das gleiche tat diesseits ein Parkwächter, lief aber in Todesangst wieder zurück. Statt auf die Rufe und Drohungen zu achten, nahm der Mann die Pferde aufs Korn, trat nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links ... offenbar um sich ihnen entgegenzuwerfen.

Sowie die Menge das erfaßt hatte, wurde sie still, ja, es wurde so still, daß man die Vögel in den Bäumen singen hören konnte, hören auch das ferne, dumpfe Getöse der nimmer stillen Riesenstadt, das vom Winde herübergetragen wurde. Es gab dem Vogelgezwitscher einen einförmigen Unterton. Merkwürdig, daß die Pferde genau so gespannt dastanden wie die Menschen; sie rührten keinen Fuß. Nur die Hunde waren wieder in Bewegung.

Nun hatte der wilde Zug den Mann mitten auf der Straße erreicht. Er drehte sich pfeilschnell nach derselben Seite wie die Pferde, lief neben ihnen her und warf sich dann dem nächsten in die Flanke ...

»Das ist er!« rief Alice mit leichenblassem Gesicht und packte Mary so krampfhaft, daß sie beide ins Stolpern kamen. Schrill und wild kreischten weibliche Stimmen auf. Ein dumpfes Gebrüll von Männerstimmen folgte. Jetzt hing er an dem einen Pferde. Alice schloß die Augen, Mary wandte sich ab. Lief er mit oder wurde er geschleift? Sie anhalten konnte er nicht.

Wieder einige Sekunden lang eine fürchterliche Stille, nur die Hunde und die Hufe der Pferde hörte man. Dann ein kurzer Aufschrei und dann tausende, und dann Jubel, wilder, endloser Jubel. Wehende Taschentücher, Hüte und Sonnenschirme. Die Menge strömte zu beiden Seiten wie eine Sturmflut wieder in die Avenue hinein. Hier oben war die Straße in einem Augenblick gedrängt voll. Die rasenden Tiere standen schaumbedeckt und zitternd dicht bei Alices Wagen. Sie sah einen grauen Engländer, einen schlanken alten Herrn mit weißem Bart und im Zylinder, und sie sah eine junge schlanke Dame an seinem Arm hängen und hörte den Alten sagen: »Well done, young man!«

Ein schallendes Gelächter folgte. Und jetzt erst sah sie ihn, dem die Worte gegolten hatten, wie er die Pferde bei den Nüstern gepackt hatte, ohne Hut, mit aufgerissener Weste und blutenden Händen, jetzt aber das schweißbedeckte, aufgeregte Gesicht lustig dem Engländer zuwandte. Gerade im selben Augenblick gewahrte er Alice. Sie stand ja noch immer auf dem Sitz ihres Wagens. Ohne Zögern ließ er Pferde und Wagen mitsamt dem Engländer stehen und bahnte sich den Weg zu ihr: »Verehrteste, bringen Sie mich fort aus diesem Wirrwarr!« sagte er laut in seiner breiten ostländischen Mundart. Ehe sie antworten, ja noch ehe sie vom Sitz herunterkommen, geschweige ehe der Groom sich vom Bock herabschwingen konnte, hatte er die Wagentür geöffnet und war bei ihnen im Wagen. Er half erst Alice von der Bank herunter, dann ihrer Freundin. Darauf sagte er auf französisch zum Kutscher: »Fahren Sie mich nach Hause, so schnell Sie loskommen können. Sie wissen die Adresse wohl.« – »Ja, Herr Hauptmann«, antwortete der Kutscher mit ehrerbietigem Gruß und bewundernden Blicken. Als Franz Röy sich hinsetzen wollte, verzog er das Gesicht und rief, indem er sich an den Fuß faßte: »Au, Donnerwetter, das Ekel hat mich getreten. Jetzt merke ich es erst.« In diesem Augenblick begegnete er Marys großen, verwunderten Augen; er hatte sie bisher nicht angesehen, nicht einmal, als er ihr vom Sitz heruntergeholfen hatte. Die Veränderung in seinem Gesichtsausdruck war so gewaltig und so überwältigend komisch, daß die beiden Damen in lautes Lachen ausbrachen. Er faßte mit der blutigen Hand an seinen Hut – und merkte, daß er keinen aufhatte. Da lachte er auch.

Der Kutscher hatte inzwischen den Wagen ein paar Meter vorwärts bugsiert, nun versuchte er zu wenden,

»Ja, ich brauche wohl nicht erst zu sagen, wer das ist?« lachte Alice. »Nein!« sagte er und starrte Mary an, daß sie rot wurde.

»Aber, mein Gott, wie konnten Sie das wagen!« – Alices Stimme war's. – »Ach, das ist nicht so gefährlich, wie es aussieht«, antwortete er, ohne ein Auge von Mary zu wenden. »Es ist bloß ein Kniff. Ich habe es schon vorher zweimal gemacht.« Er sprach nur zu Mary. »Diesmal sah ich gleich, daß bloß das eine Pferd den Verstand verloren hatte; das andere wurde nur mitgerissen. Ja, da nahm ich mir also das tolle vor. Pfui Teufel, wie sehe ich aus!« Jetzt erst entdeckte er, daß seine Weste zerrissen, daß seine Uhr weg war, und daß seine blutende Hand ihn beschmutzte. Mary bot ihm ihr Taschentuch an. Er blickte auf das feine, gestickte Gewebe und dann auf sie: »Nein, gnädiges Fräulein, das wäre, als wollte man Baumrinde mit Seide flicken.«

Gleich draußen vor dem Tor an der rechten Seite wohnte er, also war es keine Entfernung. Mit herzlichem Dank, ohne die blutige Hand darzubieten, stieg er aus.

Als er schlank und riesig über den Fußweg von dannen hinkte und der Wagen wendete, sagte Alice leise auf englisch: »Wer so ein Modell haben könnte, Mary!« – Mary sah sie verwundert an: »Ja, läßt sich denn das nicht machen?« – Alice gab Mary den Blick noch verwunderter zurück: »Nackt meine ich.« Mary machte beinahe einen Luftsprung, beugte sich dann nach vorn und sah Alice gerade ins Gesicht. Alice begegnete ihren Augen mit einem schelmischen Lachen.

Mary lehnte sich zurück und starrte vor sich hin.

Franz Röy mußte sich wegen seines Fußes einige Tage Schonung auferlegen. Als er sich wieder bei Alice meldete, wurde verabredetermaßen Mary benachrichtigt. Aber es überkam sie eine solche Unruhe, daß sie sich nicht hinzugehen getraute. Beim nächsten Mal trieb die Neugier, oder was es sonst war, sie hin. Aber sie kam sehr spät, und kaum stand sie ihm gegenüber, da wünschte sie, sie wäre nie gekommen. Er hatte etwas so Intensives, daß die vornehme Dame es als Aufdringlichkeit, ja fast als Beleidigung empfand. Ihr Wesen war in Aufruhr, sie folgte ihm mit den Augen, mit den Ohren; die Gedanken sausten in ihr und das Blut auch. Es muß doch mal vorübergehen, dachte sie. Aber das war nicht der Fall. Alices Verzauberung oder richtiger ihre Verliebtheit erhöhte das Schwindelgefühl. War er eigentlich so häßlich? Diese breite, steile Stirn, diese kleinen, sprühenden Augen, der zusammengekniffene Mund, das vorspringende Kinn, das hatte alles in allem etwas ungewöhnlich Kraftvolles, aber es wurde spaßhaft, weil er beinahe gar keine Nase hatte. Spaßhaft war auch das meiste, was er sagte. So immer aufgelegt und lustig, daß um ihn her beständig Heiterkeit war, so unerschöpflich voller Einfälle. Seine Manieren hatten nichts Gewaltsames; er war im Gegenteil die Höflichkeit selbst; er war aufmerksam, zuweilen sogar galant. Es lag nur an dem Überwältigenden in ihm. Seine Sprache und seine Augen allein waren wie ein Gewitter. Aber auch seine Gestalt tat das ihre, diese kraftvolle Hand, dieser massige Fuß, der fast nur Spann war, diese Schultern, der Nacken, der Brustkasten, das alles sprach mit, wirkte erdrückend, demonstrierte. Man kam keinen Augenblick davon los. Und seine Rede floß unaufhaltsam.

Mary kannte nur die Unterhaltungsform der internationalen Gesellschaft. Eine leichte Konversation über Wind und Wetter, über die Tagesereignisse, über Literatur und Kunst, über Zufälligkeiten auf Reisen und beim Aufenthalt, das ganze immer mit anderthalb Ellen Abstand. Er dagegen war ganz individuell und nahebei. Dabei fühlte sie, daß sie selbst auf ihn wirkte wie Wein. Er wurde immer berauschter und immer übermütiger. Das regte auf und machte unruhig. Sobald sie anstandshalber fort konnte, verschwand sie, benommen, verwirrt und eigentlich in einer wilden Flucht. Sie gab sich selbst das feierliche Versprechen, nie wiederzukommen.

Erst später am Tage ging sie zu ihrem Vater und zu Frau Dawes hinein. Sie erwähnte kein Wort von ihrer Begegnung. Das hatte sie das vorige Mal auch nicht getan. Frau Dawes sagte, sie solle sich einmal die Karte ansehen, die auf dem Tisch liege. – »Jörgen Thiis? Ist denn der hier?« – »Er ist den ganzen Winter hier gewesen. Jetzt hat er erst erfahren, daß wir angekommen sind.« – »Er bat um Grüße an Dich«, warf der Vater ein, der wie gewöhnlich saß und las.

Es war wirklich eine Erholung, an Jörgen Thiis zu denken. Im vorigen Winter war sie verschiedentlich mit ihm hier in Paris zusammengewesen. Bei mehreren Gelegenheiten war er ihr Kavalier, so zum Beispiel bei den offiziellen Bällen im Elysée und im Hôtel de Ville. Ein Kavalier, mit dem sie in allen Stücken Ehre einlegte. Hübsch, elegant, zuvorkommend. Der Vater erzählte, Jörgen wolle zur Diplomatie übergehen. »Dazu gehört doch wohl Kapital?« sagte Mary. »Er wird Onkel Klaus beerben«, antwortete Frau Dawes. »Weißt Du das bestimmt?« – »Bestimmt nicht.« – »Ist es denn wahr, daß Onkel Klaus in letzter Zeit mehrfach Verluste gehabt hat?« Frau Dawes schwieg. Der Vater antwortete: »Das kann schon sein.« – »Ja, unterstützt er ihn denn?« Keiner antwortete. »Dann kann ich nicht finden, daß Jörgens Aussichten so glänzend sind«, sagte sie abschließend. –

Franz Röy war im Auftrage der Regierung in Paris und war infolgedessen oft abwesend. Das war gerade jetzt der Fall, so daß Mary sich sicher fühlte. Aber als sie eines Morgens früh zu Alice kam, – sie wollten zusammen in die Stadt, – saß er da! Er sprang auf und eilte ihr entgegen. Seine Augen überschütteten sie mit Bewunderung und Freude, er nahm ihre Hand in seine beiden Hände. Etwas strahlend Glücklicheres hatte sie nie gesehen. Mary fühlte, wie sie rot wurde. Alice lachte, was die Sache noch schlimmer machte. Aber seine Redseligkeit, die heute selbst für seine Verhältnisse außergewöhnlich war, half ihnen darüber weg. Jetzt stürzte er sich in eine kolossale Fabrik hinein, von der er direkt herkam, und riß sie mit. Die halbnackten Männer mit ihren Haken an dem Strom des siedenden, rotglühenden, wallenden Eisenerzes, – die Gewalt der Maschinen und die Menschen dazwischen wie vorsichtige Ameisen in einem Wald von Riesen. Er versuchte ihnen das auch in den Einzelheiten zu erklären. Es gelang völlig; aber es dauerte lange und hielt vor, bis die beiden Freundinnen fort mußten.

Als sie im Wagen saßen, war Alice äußerst aufgeräumt. Es war nämlich ganz klar, heute hatte er einen starken Eindruck gemacht. –

Am Tage darauf verließ Mary mit einem amerikanischen Ehepaar Paris im Automobil. Sie blieb mehrere Tage fort. Aber es war ihr erstes, als sie wieder zurückkam, Alice aufzusuchen. Wahrhaftig: Franz Röy war da. Er und Alice sprangen in lebhafter Freude auf, Alice kam ihr entgegen und umarmte und küßte sie: »Du Ausreißer, Du Ausreißer!« rief sie. Daß Franz Röys Augen funkelten, ist zu wenig gesagt; sie schossen förmlich Salut. Von dem Augenblick an, da sie ihn begrüßte, stand sein Mund nicht mehr still. Er benahm sich so töricht verliebt, daß es Alice ganz angst wurde. Glücklicherweise mußte er ein Ende machen; er hatte eine Konferenz. Mary war nachher wieder ganz aufgerührt; die See wollte sich nicht legen. Alice sah es und wollte sie beruhigen mit eifrigen, ängstlichen Versuchen, ihn ihr zu erklären. Aber das verwirrte nur noch mehr; Mary ging.

Am Nachmittag, als sie zu den andern ins Zimmer trat – sie hatte ein wenig geruht, es hatte ihr notgetan – hörte sie Klavierspiel. Sie wußte sofort, daß es Jörgen Thiis war, der den beiden Alten Gesellschaft leistete. Er war wirklich ein Künstler, und er hatte eine Vorliebe für den Flügel, den sie hatten. Den wollten sie mit nach Norwegen nehmen. Sie ging gleich zu ihm hin und dankte ihm, daß er so aufmerksam gegen ihren Vater und Tante Eva sei; leider müßten die beiden so oft allein bleiben. Er antwortete, es sei ihm eine unendliche Freude, daß sie seine Musik schätzten, und das Klavier sei zu verlockend, in der Tat ersten Ranges. Die Unterhaltung bei Tisch und nachher zeigte Mary, wie die drei zusammenstimmten; sie war entbehrlich.

Sie war wirklich dankbar dafür, so daß es ein gemütlicher Abend wurde. Es wurde viel von der Heimat gesprochen, nach der die beiden Alten Sehnsucht hatten.

Kaum war er fort, so sagte Frau Dawes: »Was ist Jörgen doch für ein gemütlicher, gebildeter Mensch, liebes Kind!« – Der Vater blickte Mary an und lächelte. »Worüber lachst Du, Vater?« – »Über nichts«, er lachte noch mehr. »Du möchtest wissen, wie er bei mir angeschrieben ist?« – »Ja, wirkt er auf Dich?« Frau Dawes war ganz Ohr. »A – ach.« – »Das kommt ja so gedehnt heraus?« – »N – n – nein.« – »Nun also?« – »Im Grunde gefällt er mir gut.« – »Doch es ist ein Aber dabei –?« Jetzt lächelte sie. »Ich mag nicht, daß seine Augen sich förmlich an mir festsaugen.« Der Vater lachte: »Genau wie beim Essen, nicht?« – »Ja freilich!« – »Ein Lebemann, siehst Du, wie sein Vater.« – »Aber genau wie sein Vater hat er auch viele gute Eigenschaften«, wrarf Frau Dawes ein. »Das hat er«, sagte Anders Krog ernsthaft. Mary antwortete nicht. Sie sagte Gutnacht und bot ihm die Stirn zum Kuß. – –

Ein paar Tage später, ganz früh am Morgen, suchte Mary Alice in ihrem Atelier des Hinterhauses auf. Anders Krog hatte irgendwo altes chinesisches Porzellan gesehen, auf das er Lust bekommen hatte; aber Alices guter Rat war hierzu von größter Wichtigkeit. Mary war überzeugt, sie allein zu treffen, in der Regel freilich mit irgendeinem Modell.

Sie ging direkt hinein, ohne mit dem Pförtner zu sprechen. Alice öffnete ihr selbst. Sie hatte ihren Atelierkittel an, und ihre Hände waren schmutzig, sie konnte sie Mary nicht geben. »Hast Du ein Modell da?« flüsterte sie. »Ich wollte gerade anfangen,« antwortete Alice leise mit einem seltsamen Lächeln, »das Modell wartet im Zimmer nebenan. Aber komm nur!« Als Mary hinter dem Vorhang hervortrat, erkannte sie den Grund, warum das Modell im Zimmer nebenan wartete; Franz Röy saß in diesem Zimmer. So früh am Morgen und tief in Gedanken. Er bemerkte nicht einmal, daß sie hereinkamen. Es war das erstemal, daß Mary ihn ernst sah. Das stand der männlichen Gestalt und seinem kraftvollen Gesicht ungleich besser als jene ausgelassene Lustigkeit. »Sehen Sie, wer da kommt!« sagte Alice. Er sprang auf. – –

Die Unterhaltung heute war sehr ernst. Er war in gedrückter Stimmung. Mary konnte unschwer erraten, daß die anderen von ihr gesprochen hatten.

Sie waren deshalb alle drei etwas befangen. Bis Alice ein Thema aus der Morgenzeitung aufgriff. Zwei Morde aus Eifersucht, von denen der eine geradezu entsetzlich war, hatten sie alle erschüttert, besonders Franz Röy. Er behauptete, die Auffassung von der Ehe stamme bei den romanischen Völkern aus einer Zeit, da die Frau Eigentum des Mannes war und Untreue folglich mit dem Tode bestraft wurde. Durch das Christentum sei freilich später der Mann auch Eigentum der Frau geworden. Hierüber entstand eine lebhafte Diskussion. Mary stimmte ihm darin bei, daß keiner der Eheleute dem andern gehöre. Sie seien freie Individuen und könnten über sich selbst bestimmen. In der Ehe wie vor der Ehe. Nur die Liebe sei entscheidend. Höre die Liebe auf, weil der eine Teil oder auch beide durch die Entwicklung anders geworden seien, als sie bei Begründung der Ehe waren, oder treffe einer von ihnen einen Menschen, der seine Seele und seine Gedanken gefangen nehme und seinem Leben eine andere Richtung gebe, dann müsse der Verlassene resignieren. Nicht verdammen oder töten. Aber ihre Meinung und Franz Röys Ansicht gingen auseinander, als sie erwogen, was zwei Eheleute von Rechts wegen scheiden dürfe. Namentlich als sie darauf kamen, was davon zurückhalten müsse. Sie war hier viel bedenklicher als er. Er schlug scherzend vor, sie solle doch sagen: »Eheleute haben volle Freiheit, sich scheiden zu lassen; aber sie dürfen keinen Gebrauch davon machen.« Sie schlug vor, er solle sagen: »Eheleute müssen in der Regel geschieden werden; haben sie keinen wirklichen Grund, müssen sie sich einen pumpen.«

Sie kamen in diesem Gespräch tiefer als bis zu den Worten. Es bezauberte ihn wie eine neue Art von Schönheit an ihr, wie souverän sie war. Das gab ihrer Erscheinung einen neuen Glanz. Es war keine Herrschsucht darin. Es war nur eine Schutzwehr, aber die höchste. Ihr ganzes Wesen war darin konzentriert. Ein »Rühr' mich nicht an!« in Augen, Stimme und Haltung. Vielleicht, wenn es sein mußte, bereit zur Märtyrerglorie. Sie wurde viel größer. Aber auch hilfloser. Gerade solche Wesen stehen zu hoch und stolpern beim ersten Schritt. Dann pflegen sie furchtbar zu fallen.

Er starrte sie an und vergaß zu antworten, vergaß, wo er war. Ihm war, als rufe ihm einer zu: »Gib acht auf sie!« In seine Liebe zog mit gebieterischem Kommando die Ritterlichkeit ein.

Sie sah, wie er sich dem Gespräch fernhielt; aber das hinderte sie nicht; das Thema war ihr zu lieb. Als er wieder bei der Sache war, hörte er, wie sie ihr Innerstes enthüllte, zweifellos ohne es zu ahnen. Sie sprach aus, was sie gedacht hatte, seit sie sich so etwas hatte klar machen können. Es war ihr so natürlich, wie das Kleid zu heben, wenn es schmutzig war, oder draußen im Meer zu schwimmen, wenn der Fuß keinen festen Boden mehr fand. Die Individualität muß frei werden, muß wachsen, darf nicht gebeugt und nicht befleckt werden; das war das Erste und das Letzte.

Aber gleichzeitig fühlte sie sich seltsam zu dem Menschen hingezogen, der sie zu bewegen vermochte, das auszusprechen. Sie hatte es so lange nicht mehr getan. Sie wußte nicht, daß die Persönlichkeit, die unsere Gedanken erlöst, selbstverständlich Macht über uns hat. Sie fühlte nur, daß sie sprechen mußte – und sich mit sich selbst beschäftigen. Eine wundersüße Empfindung, die sie zum erstenmal hatte.

Folglich wurde das Thema ausgesponnen. In Worten, die immer weiter und weiter in sie selbst hineinschlüpften und schließlich sich in einer Stille von Blicken und Atemzügen verloren. Alice war zu ihrem Modell hineingegangen. Sie waren befangen, als sie merkten, daß sie allein waren. Sie verstummten, und ihre Blicke wichen sich aus.

Nach flüchtigem Verweilen bald auf dem einen, bald dem anderen der vielen Kunstgegenstände, richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf einen Faun ohne Arme, der sie angrinste. Sie sprachen über dieses Stück alter Kunst, nur um nicht zu schweigen. Wo der gefunden sein mochte? Aus welcher Zeit er stamme? Er sei gewiß sehr teuer gewesen. Sie sprachen in gedämpften Worten mit liebkosender Stimme, und die Augen glitten umher. Sie standen auch nicht auf ganz sicheren Füßen. Sie fühlten sich leichter, wie wenn sie sich in höheren Luftschichten befänden. Dabei die Empfindung, daß alles, was sie dachten, offen daliege, und daß sie selbst durchsichtig seien.

Jetzt kam Alice wieder. Sie blickte sie mit Augen an, die die beiden aufweckten. »Sind Sie jetzt mit der Ehe fertig?« fragte sie; denn sie hatten ja über die Ehe gesprochen, als sie hinausgegangen war.

– Mary fiel ein, sie habe etwas zu besorgen, und ihr Wagen warte. Franz Röy erinnerte sich auch seiner Obliegenheiten. So gingen sie zusammen fort, durch den Hofraum, durch das Vestibül und die Tür auf den Wagen zu. Aber sie fanden den Ton von vorhin nicht wieder, und sprachen deshalb nicht.

Den Hut in der Hand, öffnete er ihr den Schlag. Sie stieg ein, ohne aufzublicken. Als sie sich hingesetzt hatte und ihm zunicken wollte, harrten ihrer die heißesten Augen, in die sie je geblickt hatte. Voll Leidenschaft und voll Ehrerbietung.

Zwei Stunden darauf war er wieder bei Alice. Länger hatte er mit seinen himmelstürmenden Hoffnungen nicht allein sein können.

Wo er in der Zwischenzeit gewesen sei? In der Stadt, um sich einen Abguß von Donatellos Heiliger Cäcilia zu kaufen. Er müsse vergleichen. Aber Alice könne sich im voraus denken, daß Donatellos Cäcilia kläglich durchgefallen sei.

Jetzt bekam Alice ernstlich Angst: »Lieber Freund, Sie werden sich noch alles verderben. Das liegt in Ihrer Natur.« Er sagte stolz: »Ich habe mir noch nie im Ernst ein Ziel gesteckt, das ich nicht erreicht hätte.« – »Das glaube ich gern. Sie können arbeiten, Sie können Hindernisse überwinden, Sie können auch warten.« – »Das kann ich!« – »Aber Sie können sich nicht beherrschen, Sie können nicht abwarten, daß sie zu Ihnen kommt.« – »Was soll das heißen, Alice?« – Es tat ihm weh. »Es soll Sie daran erinnern, lieber Freund, daß Sie Mary nicht kennen. Sie kennen die Welt nicht, in der sie lebt. Sie sind ein Waldbär.« – »Kann sein, daß ich ein Waldbär bin. Dagegen sage ich nichts. Aber wenn sie nun Freude an einem Waldbären hat? Man kann sich in solchen Dingen nicht täuschen.« Er wollte sich seine festliche Stimmung nicht trüben lassen. Darum kam er bittend auf sie zu; er wollte sie sogar umarmen; er hatte es sehr mit dem Umarmen.

»Nein, seien Sie artig, Franz! Übrigens stören Sie mich schon zum zweitenmal.« – »Sie sollen auch gestört werden, Sie sollen nicht die da drin in Ihrem Gefängnis modellieren. Liebe Alice, Sie mein einziger Freund, Sie sollen mir mein Glück modellieren!« – »Ja, was kann ich weiter für Sie tun, als ich getan habe?« – »Sie können mir den Zutritt zu ihrem Hause verschaffen.« Alice überlegte. »Das ist nicht so leicht.« – »O, – Sie werden schon etwas ausfindig machen. Sie müssen, Sie müssen es!« Er redete und bettelte und umarmte sie solange, bis sie nachgab und es ihm versprach.

Ob sie es nun falsch anstellte, – jedenfalls ging es schief. »Wenn ich meinen Vater bitte, einen jungen Herrn zu empfangen, der ihm nicht vorgestellt ist, muß er es falsch auffassen«, sagte Mary. Alice gab das ohne weiteres zu. Sie war wütend auf sich selbst, daß sie daran nicht gedacht hatte. Anstatt mit Mary zu überlegen, ob sich die Sache nicht anders machen lasse, gab sie es ganz auf. Sie war noch ärgerlich, als sie Franz Röy das Ergebnis mitteilte; sie habe das Gefühl, sagte sie, Mary wünsche keinen Vermittler. Sie schärfte ihm wieder ein, vorsichtig zu sein.

Franz Röy war ganz unglücklich. Alice versuchte auch nicht, ihn zu trösten.

Tags darauf kam er wieder. »Ich kann's nicht aufgeben«, sagte er. »Ich kann auch an nichts anderes denken.«

Solange saß er und so oft wiederholte er dieselbe Litanei in allen Tonarten, und so unglücklich war er, daß er der gutmütigen Alice leid tat. »Hören Sie,« sagte sie, »ich werde Sie zusammen einladen. Dann kommt vielleicht die Einladung zu Krogs von selbst.« – Er sprang auf. »Das ist eine herrliche Idee. Tun Sie das, Liebste!« – »Ich kann es nicht gleich tun. Anders Krog ist unwohl. Wir müssen warten.« Er starrte sie enttäuscht an. »Aber können Sie uns beide nicht mal wieder zusammenbringen?« – »Ja, das kann ich.« – »So tun Sie es, – sobald wie möglich! Sie Liebste, Beste, sobald wie möglich!«

Das gelang. Mary war gleich zu einem Wiedersehen bereit.

Sie trafen sich bei Alice, um zusammen in die Ausstellung in den Champs-Elysées zu fahren.

Zusammen vor Kunstwerken zu stehen, ist wie ein Gespräch ohne Worte. Die wenigen Worte; die gesprochen werden, rufen hundert andere wach. Aber die werden nicht ausgesprochen. Der eine fühlt durch den andern, oder glaubt es zu tun. Sie begegnen sich in einem Bilde, um in einem anderen wieder getrennt zu werden. Dabei lernen sie sich in einer Stunde besser kennen als sonst in Wochen. Alice führte sie von Bild zu Bild; aber sie selbst war mit sich beschäftigt, – je länger, je vollständiger. Sie sah alles mit Künstleraugen an. Die beiden andern, die mit den Bildern anfingen, gingen immer mehr dazu über, durch die Bilder einander zu erforschen. Es wurde ein Flüsterspiel mit schnellen Blicken, knappen Worten und leicht andeutenden Fingern. Die aber, die sich auf heimlichen Wegen zueinander hintasten, haben zugleich eine unermeßliche Freude daran. Und lassen diese Freude auch wohl ahnen. Ein Spiel wie bei Vögeln, die unter dem Wasser schwimmen und weit hinten emportauchen, – um dann wieder zueinander hinzustreben. Das Glück der Stunde wurde erhöht durch die vielen Augen, die auf ihnen ruhten.

Unten bei den Skulpturen führte Alice sie ganz nach vorn in den Mittelbau. Sie blieb vor einem leeren Sockel stehen und wandte sich an den Aufseher. »Ist der Athlet noch nicht in Ordnung?« – »Nein, gnädiges Fräulein, leider nicht«, antwortete er. »Dann ist es wohl noch einmal schief gegangen?« – »Ich weiß nicht, gnädiges Fräulein.« Alice erklärte Mary, die Statue eines Athleten sei bei der Aufstellung zerbrochen. »Ein Athlet?« fragte Franz Röy, der etwas abseits stand und jetzt eilig herzukam. Die beiden andern lächelten. »Ein Athlet? Sprachen Sie nicht von einem Athleten?« – »Ja«, sagten sie und lachten. »Ist dabei etwas zu lachen?« fragte er. »Ich habe einen Vetter, der ist Athlet.« Nun lachten die beiden Damen erst recht. Franz Röy war höchlichst erstaunt. »Ich kann Ihnen versichern, er ist der prächtigste Mensch, den ich kenne. Und so erstaunlich tüchtig. Das liegt in unserer Familie. Als Knabe war ich zwei Sommer bei ihm im Zirkus.« Die andern lachten. »Worüber zum Teufel lachen Sie? Ich habe in meinem Leben keine herrlicheren Tage erlebt als im Zirkus.« Die beiden Damen eilten unter Lachen in wilder Flucht dem Ausgang zu. Er mußte ihnen folgen; aber er war beleidigt. »Ich begreife nicht, worüber Sie lachen«, sagte er, als sie alle im Wagen saßen, lachte aber mit.

Das kleine Mißverständnis hatte die Folge, daß sie alle in der besten Stimmung waren, als sie vor Marys Wohnung hielten.

Alice und Franz Röy fuhren ohne sie weiter. Er wandte sich überglücklich zu Alice und fragte, ob er heute nicht ein braver Junge gewesen sei? Ob er sich nicht im Zaum gehalten habe? Ob seine »Affäre« nicht brillant stände? Er ließ sich nicht Zeit, auf ihre Antwort zu hören, er lachte und schwatzte und wollte sie schließlich nach oben begleiten. Hiervon wollte Alice aber nichts wissen. Da verlangte er als Belohnung, wenn er es sein lasse, daß Alice sie beide auf eine Spazierfahrt ins Bois de Boulogne mitnehmen solle, nach Schloß Bagatelle hinaus. Die Fahrt müsse morgens um neun Uhr gemacht werden. Da dufte der Wald am stärksten, da sei der Gesang der Vögel am schönsten und da seien sie noch allein. Sie versprach es ihm.

Am nächsten Freitag holte Alice Mary kurz vor neun Uhr morgens ab, dann fuhren sie weiter zu Franz Röy.

Schon von weitem sah Alice ihn auf dem Fußweg auf und ab wandern. Aus Gang und Haltung ahnte ihr Böses. Mary konnte ihn nicht sehen, bis sie hielten. Da aber warf all die Glut seines Gesichts eine Flamme auf ihres. Er schwang sich auf den Wagen wie auf ein erobertes Schiff. Alice suchte eilig seine Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, um es nicht gleich zu einem Ausbruch kommen zu lassen. »Was für ein herrlicher Morgen,« sagte sie, »gerade weil er nicht ganz sonnenklar ist. Nichts ist schöner als ein gedämpfter Ton über einer so farbenfrohen Landschaft wie der, durch die wir jetzt kommen.« Aber er hörte nicht, er faßte nichts außer Mary. Der weiße Schleier, der von ihrem roten Haar zurückgeschlagen war, der halbgeöffnete, frische Mund brachte ihn um den Verstand. Alice meinte, der Wald dufte viel stärker, seit die japanischen Baumarten herangewachsen seien. Immer, wenn diese Bäume berauschende Wellen in den hergebrachten europäischen Waldduft hineingössen, sei's, als flögen fremde Vögel mit fremdartigem Schrei zwischen den Bäumen auf. Sofort behauptete Franz Röy energisch, die heimischen Vögel des Waldes hätten davon einen anderen Gesang bekommen. So wunderbar schön, wie sie diesen Morgen sängen, meinte er, hätten sie noch nie gesungen.

Alices Angst vor einer Explosion stieg. Sie wollte ihn ablenken, indem sie ihn auf die Farbenkontraste von Wald und Wiese und Fernsicht aufmerksam machte. Gerade der Weg nach Bagatelle hinaus ist so reich daran. Aber Franz Röy saß rückwärts und mußte sich jedesmal erst umdrehen, bis er sehen konnte, was Alice ihm zeigen wollte. Das machte ihn ungeduldig, um so mehr als Mary und er jedesmal in ihrem Gespräch unterbrochen wurden. »Wollen wir nicht lieber aussteigen und ein Stück gehen?« fragte er. Aber davor hatte Alice die meiste Angst; auf was für Gedanken konnte er da nicht kommen?!

»Sehen Sie sich doch um!« rief sie ihm zu. »Ist es nicht, als wenn die Farben hier Chöre singen?« – »Wo?« fragte er gereizt. – »Herrgott, sehen Sie doch bloß das verschiedene Grün in demselben Wald! Sehen Sie doch nur! Und daneben wieder das Grün der Wiese!« – »Mir liegt nichts daran, das zu sehen! Nicht ein Deut!« Er drehte sich wieder zu den Damen um und lachte. »Wäre es nicht doch besser, auszusteigen?« bestürmte er sie wieder. »Es ist doch was anderes, im Walde herumzulaufen, als ihn anzusehen. Ebenso mit dem Rasen.« – »Das Betreten des Rasens ist verboten!« – »Zum Donnerwetter, so gehen wir eben auf der Landstraße und besehen uns alles. Das ist viel schöner, als in dem engen Wagen zu sitzen!« Mary stimmte ihm zu.

»Zum Spazierengehen habe ich Sie aber nicht hier herausgefahren. Wir wollten den Anblick des historischen Schlosses Bagatelle genießen und den Wald, in dem es liegt. So was gibt es nicht wieder. Und dann wollten wir doch soweit wie möglich hinaus. Daraus wird aber nichts, wenn wir gehen.«

Dieser Appell hielt sie eine Weile im Schach. Die Besitzerin des Wagens mußte doch den Ausschlag geben. Aber Mary war mittlerweile auch übermütig geworden. Ihre Augen, die gewöhnlich etwas Nachdenkliches hatten, leuchteten vor Lebenslust. Heute lachte sie über seine vielen drolligen Einfälle; sie lachte über das Geringfügigste. Sie wollte in einemfort Blumen haben, wenn sie welche sah. Jedesmal mußte angehalten werden, um Blumen und Laub zu pflücken. Sie packte den Wagen voll, so daß Alice schließlich protestierte. Da warf sie alles miteinander hinaus und verlangte energisch, selbst auch hinauszukönnen.

Sie hielten und stiegen aus.

Sie waren jetzt weit über Bagatelle hinaus und ließen den Wagen umkehren. Er solle langsam ein Stück zurückfahren, sie kämen nach.

Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, als Franz Röy anfing, Rad zu schlagen, d.h. er warf sich seitlings auf den Händen herum, um wieder auf die Füße zu fallen, dann wieder auf die Hände und so weiter, schneller und immer schneller. Dann drehte er um und kam auf dieselbe Weise zurück. »Das ist eins von meinen Zirkuskunststücken«, sagte er strahlend. »Jetzt kommt ein anderes!« Er warf sich in der Luft herum und kam wieder auf die Füße genau an derselben Stelle, wo er hochgesprungen war. Dann noch einmal. »Sehen Sie? Genau wo ich hochgesprungen bin!« Er triumphierte und machte es noch zwei-, noch drei-, vier-, fünfmal vor.

Sie bewunderten ihn. Es war auch bewundernswert, wie der große, starke Mann das mit einer Leichtigkeit ausführte, daß es wirklich schön aussah. Angefeuert durch ihr Lob fing er an, sich mit solcher Geschwindigkeit herumzuwirbeln, daß den andern beim bloßen Zusehen schlecht wurde. Schön war es auch nicht. Sie wandten sich ab und schrien. Das machte ihm furchtbaren Spaß. Ärgerlich rief Alice: »Sie sind wahrhaftig wie ein Schuljunge von siebzehn Jahren!« – »Wie alt sind Sie eigentlich?« fragte Mary. »Über dreißig.« Da lachten sie aus vollem Halse.

Das hätten sie nicht tun sollen. Dafür mußte er sie strafen. Ehe Alice es ahnen konnte, faßte er sie um die Taille und tanzte mit ihr im rasendsten Galopp die Chaussee hinunter, daß der Staub aufwirbelte. Die schwerfällige Alice wehrte sich aus Leibeskräften und schrie. Aber es half nichts; es machte ihm nur Spaß. Ihr Hut fiel zu Boden, ihr Schal flog hin, Mary lief hinterher und nahm beides auf, aber sie krümmte sich vor Lachen. Denn diese plumpen, völlig nutzlosen Widerstandsversuche waren nicht mitanzusehen. Schließlich machte er Kehrt, und sie kamen in dem gleichen rasenden Trab wieder zurück und machten bei Mary Halt. Alices Gesicht ganz verstört, schweißtriefend und rot. Ihre kurzatmige Wut, die keine Worte fand, ließ Mary kreischen vor Lachen. Franz sang ihr: »Hopsa – sa! hop – sa – sa!« vor, bis sie sprechen und ihn tüchtig ausschelten konnte. Da lachte er.

»Und Sie?« wandte Mary sich jetzt an Franz Röy, »hat es Sie gar nicht angestrengt?« – »Nicht sonderlich. Ich könnte gleich mit Ihnen dieselbe Tour machen!« Mary erschrak. Sie hatte Alice gerade den Hut gegeben und stand nun da mit dem Schal und ihrem eigenen Hut, den sie abgenommen hatte, in der Hand, warf aber mit einem Aufschrei die beiden Gegenstände hin und sauste nach der entgegengesetzten Seite davon, dahin, wo der Wagen hielt.

Keinen Augenblick war es Franz Röy in den Sinn gekommen, seine Drohung auszuführen. Es war nur Scherz gewesen. Aber als er sie laufen sah, und zwar mit einer Geschwindigkeit, die er weder ihr noch überhaupt einer Dame zugetraut hätte, war das für sein Offiziersherz wie eine Herausforderung. Alice merkte es und sagte schnell: »Tun Sie's nicht!« Die Worte stellten sich ihm so eindringlich in den Weg, daß er zweifelnd stehen blieb. Mary aber dahinten auf der Straße in dem weißen Kleide und dem roten Haar darüber, mit einem so geschwinden und leichten Tanz der Füße, daß allein dieser Rhythmus schon lockte, ja, das raubte ihm die Besinnung, das schleuderte ihn in die Bahn, eh' er selbst es wußte. Gerade als Alice zum zweitenmal und ganz verzweifelt rief: »Tun Sie's nicht!«

Der helle Streifen da vorn über dem Straßenstaub fiel wie Sonne in seine Augen und in seine Phantasie. Er blendete ihn. Er lief ganz bewußtlos weiter. Er lief, als rufe da vorn immerzu jemand: »Fang mich! Fang mich!« Er lief, als gelte es des Lebens höchsten Preis, sie einzuholen.

Sie hatte einen bedeutenden Vorsprung. Gerade das spornte seine ganze Kraft bis zum äußersten an. Ein Wettlauf ums Glück mit einer, die gefangen werden möchte. Siedend heiß brauste ihm das Blut in den Ohren, die Begierde wallte auf. Die stürmische Sehnsucht all dieser Tage und Nächte trieb vorwärts zum Sieg. Wollte endlich einmal reden. Oder richtiger, – da bedurfte es keines Redens; er würde sie in seinen Armen haben!

Jetzt wandte sie den Kopf, – sah ihn, stieß einen Schrei aus, raffte das Kleid zusammen, – jetzt setzte sie die Füße wahrhaftig noch schneller! Er war wie toll. Er hielt ihren Schrei für einen Lockruf. Er sah sie nach vorn winken und glaubte, das solle bezeichnen, wo sie stehen bleiben wolle und frei sein. Es hieß also sie einzuholen, bis sie dahin kam. Auch er gab sich den letzten Sporn, und der brachte ihn im Nu dicht in ihre Nähe. Er meinte, ihren Duft zu spüren, bald mußte er ihren Atem hören. Er war so erregt, daß er gar nicht wußte, er berühre sie, bis sie sich umsah. Sie ließ sofort das Kleid los und nach ein paar Sätzen stand sie still. Sein Arm legte sich um ihre Taille, er glühte und zog sie leidenschaftlich an sich, – da hörte er ein sehr bitteres: »Lassen Sie mich los!« Die Atemnot machte es so eigen scharf. Er war ganz entsetzt, dachte aber, er müsse sie stützen, bis sie wieder zu Atem gekommen sei, und deshalb hielt er sie fest. Da, mit der gleichen schneidenden Schärfe der Atemnot: »Sie sind kein Kavalier!« Er ließ sie los.

Man hörte Huf schlag, der Wagen kam rasch heran. Die beiden auf dem Bock mußten den Vorgang mitangesehen haben; ihnen hatte sie gewinkt. In seiner blinden Hetze hatte er nur sie gesehen.

Jetzt ging sie auf den Wagen zu; sie hielt sich das Taschentuch vors Gesicht; sie weinte. Der Diener sprang vom Bock und öffnete ihr den Schlag.

Er ließ sie stehen, trostlos, wie gelähmt in seinem Denken. Da kam Alice. Sie hatte ihren Schal und Marys Hut in der Hand und ging direkt auf den Wagen zu, ohne ihn zu beachten. Als er zu ihr hin wollte, winkte sie ihm ab.

Am dritten Tage nach diesem Ereignis ließ er sich bei Alice melden. Sie sei nicht zu Hause. Am Tage darauf bekam er denselben Bescheid. Dann mußte er auf einige Tage verreisen. Aber sowie er zurückkam, meldete er sich wieder. Sie sei eben fortgegangen, antwortete der Diener. Da schob er ohne weiteres den Diener beiseite und ging hinein.

Alice war ganz in Anspruch genommen von einer Reihe von Kunstgegenständen, die auf Tischen und Stühlen lagen oder standen. »Aber Alice?« sagte er leise und schmerzlich. Sie war erschrocken; doch er gewahrte im gleichen Augenblick ihren Vater hinter ihr. Da tat er, als habe er nichts gesagt, und trat näher.

Die Kunstgegenstände wurden beiseite gestellt; Franz Röy half dabei. Der Vater verließ das Zimmer. »Aber Alice?« wiederholte Franz Röy nun vorwurfsvoll. »Sie wollen mir doch wohl nicht Ihr Haus verschließen? Und gerade, wo ich so unglücklich bin?« Sie antwortete nicht. »Wir sind doch immer so gute Kameraden gewesen und haben uns so gut vertragen!« Sie stand abgewandt und gab keine Antwort. »Selbst wenn ich mich dumm benommen habe, kennen wir beide uns doch zu gut, als daß es uns trennen könnte?« – »Es muß doch Grenzen geben«, hörte er sie sagen. – Er bedachte sich eine Weile: »Grenzen? Grenzen? Aber hören Sie mal, Alice, zwischen uns ist doch nichts.« – Ehe er weiterreden konnte, warf sie schnell ein: »Es geht doch nicht an, sich im Beisein anderer so zu benehmen!« Sie war feuerrot. – »Ja, was meinen Sie –?« Er verstand sie nicht. Sie wandte sich ab: »Mich im Beisein anderer so zu behandeln ...« ergänzte sie. »Was muß Mary denken?« – Jetzt erst ging ihm ein Licht auf, daß er sich auch gegen sie, gegen Alice nicht richtig benommen habe; er hatte die ganze Zeit nur an Mary gedacht. Jetzt schämte er sich. Schämte sich ganz entsetzlich und ging auf sie zu. »Ich bitte Sie um Verzeihung, Alice, ich war so froh, daß ich nichts überlegt habe. Erst jetzt kommt mir das zum Bewußtsein. Verzeihen Sie mir armem Sünder! Nein, sehen Sie mich an!« Sie wandte ihm das Gesicht zu, ihre Augen waren unglücklich und standen voll Tränen; sie begegneten den seinen, die auch unglücklich, aber flehend waren. Da dauerte es nicht lange, bis ihre und seine eins waren. Er streckte die Arme aus, umarmte sie und wollte sie küssen; aber das durfte er nicht. »Alice, liebe, süße Alice, Sie wollen mir doch wieder helfen?« – »Es hat keinen Zweck. Sie zerstören alles.« – »Ich will fortan jedes bißchen tun, was Sie wünschen.« – »Das haben Sie früher auch schon versprochen.« – »Aber jetzt habe ich zugelernt. Jetzt halte ich es. Auf Ehre!« – »Man kann sich nicht auf Ihre Versprechungen verlassen. Denn Sie haben eben kein Verständnis.« – »Kein Verständnis?« – »Nein, Sie ahnen ja nicht, wie sie ist!« – »Ich gebe zu, daß ich mich getäuscht haben muß; denn noch in diesem Augenblick ist mir nicht klar, worüber sie so böse wurde.« – »Das kann ich mir denken.« – »Ja, denn als sie alles hinwarf und fortlief, glaubte ich tatsächlich, sie tue es, damit ich hinterherlaufe.« – »Hörten Sie denn nicht, daß ich zweimal rief: 'Tun Sie's nicht!'« – »Ja; aber ich verstand auch das nicht.« – Alice setzte sich entmutigt hin. Sie sagte nichts mehr; es half ja doch nichts. Er nahm ihr gegenüber Platz: »Erklären Sie mir's, Alice! Haben Sie nicht gesehen, wie sie lachte, als ich mit Ihnen davontanzte?« – »Haben Sie noch nicht begriffen, was für ein kolossaler Abstand zwischen ihr und uns andern ist?« – »Mary Krog ist nicht anspruchsvoll und nicht übermütig. Nicht im geringsten.« – »Nein, das ist sie nicht. Sie verstehen mich schon wieder falsch. Während wir andern gewöhnliche Sterbliche sind, die ruhig mal derb angefaßt werden können, lebt sie in einer Ferne, der bis jetzt niemand auch nur um einen halben Meter nähergekommen ist. Nicht aus Stolz oder aus Einbildung.« – »Nein, nein!« – »So ist sie eben. Wäre sie nicht so, dann wäre sie längst gekapert und verheiratet. Sie werden doch nicht glauben, daß es ihr an Bewerbern gefehlt hat?« – »Nein, das laßt sich denken.« – »Fragen Sie Frau Dawes! Sie führt in ihren tausend Briefen Buch darüber. Sie schreibt jetzt von nichts anderem.«

»Aber wie ist das zu verstehen, liebe Alice?« – »Das ist ganz leicht zu verstehen. Sie ist freundlich und umgänglich und gefällig, was sie wollen. Aber sie lebt in einem Elfenlande, das niemand betreten darf. Darüber wacht sie mit der unverbrüchlichsten Sorgfalt und dem feinsten Takt!« – »Also unberührbar?« – »Absolut! Daß Sie das noch nicht einmal gemerkt haben!« – »Ich hatte es gemerkt, – aber ich vergaß es.«

Franz Röy saß da, als lausche er in die Ferne. Er hörte wieder diesen hellen Angstruf, der durch die Luft zitterte, als er ihr näher kam; er sah das aufgeregte Winken nach dem Wagen, er fühlte ihren zitternden Körper, er vernahm den Zornesausbruch, der mit aller Kraft, die sie noch hatte, herausgeschleudert wurde; er sah sie weinend fortgehen. Mit einemmal begriff er! Was für ein dummer, brutaler Verbrecher er doch war!

Er blieb sitzen, stumm und tief unglücklich.

Aber es lag nicht in seiner Natur, sich zu ergeben. Bald erhellte sich sein Gesicht. »Schließlich war es doch nur ein Spiel, liebe Alice.« – »Für sie war es mehr. Daran zweifeln Sie doch auch wohl nicht mehr?« – »Ihr ist schon öfter nachgestellt worden, meinen Sie?« – »Auf alle mögliche Weise!« – »Darum ging die Phantasie mit ihr durch?« – »Natürlich. Das sahen Sie doch?« – Er schwieg. »Aber hören Sie mal, lieber Franz, – war es für Sie nicht auch mehr als ein Spiel? War es nicht das Entscheidende?«

Er ließ beschämt den Kopf sinken. Dann ging er ein paarmal auf und ab und kam zu ihr zurück. »Sie ist souverän. Sie will nicht erobert sein. Ich hätte stehen bleiben sollen –?« – »Sie hätten ihr überhaupt nicht folgen sollen. Und sie wäre jetzt Ihr eigen gewesen.« Er setzte sich wie mit einer schweren Last auf den Schultern wieder hin.

»Hat sie etwas gesagt?« fragte Alice mit forschendem Blick. – Er hätte lieber geschwiegen, aber die Frage wurde wiederholt. »Sie sagte, ich sei kein Kavalier.«

Alice fand das sehr schlimm. Darauf fragte er, ob Mary zu ihr etwas gesagt habe. Im Wagen? »Kein Wort. Aber ich habe geredet. Ich schalt auf Sie. Tüchtig.« – »Sie hat auch später nicht mehr davon gesprochen?« – Alice schüttelte den Kopf. »Ihr Name ist aus dem Wörterbuch gestrichen, mein Freund.« – –

Einige Tage später bekam er einen Rohrpostbrief, der ihn in aller Eile davon unterrichtete, sie seien vormittags elf Uhr wieder in der Ausstellung der Champs Elysées. Als er das Billet bekam, war die Uhr schon elf.

Mary war zu Alice gekommen mit der Bitte, sie zu begleiten. Sie solle ihr Urteil über eine holländische Küstenlandschaft abgeben, die ihr Vater kaufen wolle. Der Preis erscheine ihnen allen recht hoch, möglicherweise könne Alice günstigere Bedingungen erzielen. Marys Wagen hielt unten. Alice ließ sie allein, schrieb eilig an Franz Röy und machte sich dann fertig, was gegen ihre Gewohnheit heute sehr lange Zeit in Anspruch nahm. Sie kamen in die Ausstellung, suchten das Bild auf und gingen ins Bureau, wo sie warten mußten, machten dann ihr Angebot, gaben ihre Adresse auf und begaben sich wieder ins Parterre; denn sie wollten den Athleten suchen. Jetzt stand er da in seiner ganzen männlichen Kraft. Alice trat zuerst davor hin und rief: »O Gott, das ist ja – « hielt aber inne und wandte sich von Mary ab. Sie besah die Statue von allen Seiten, immer und immer wieder, ohne ein Wort zu sagen. Gerade das, was an Franz Röy auffiel, daß seine Kraft nicht äußerlich in Muskelkissen sichtbar war, sondern als Spannkraft in dem wohlgeformtesten, geschmeidigen Körper lag, fand sich hier wieder. Das war Franz Röys Haltung und seine Kopfstellung, seine breite, schräg ansteigende Stirn, seine Hand, sein kurzer, kräftiger Fuß, – alles war hier! Die Statue wirkte wie ein Schlachtgesang. Zum erstenmal fand sie ein Wort dafür, wie Franz Röy wirkte. Dies hier riß sie mit wie der Rhythmus eines Marsches. Genau das, was sie oft empfunden hatte, wenn sie Franz Röy gehen sah. War diese Ähnlichkeit ein sonderbarer Zufall, oder hatte wirklich Franz Röy ... ihr wurde heiß, und sie mußte ein Stück von der Statue fort – zu einer andern hin.

Mary hatte sich die Zeit über hinter Alice gehalten, die sie ganz vergessen hatte. Nun, da Alice allein stand, stieg unwillkürlich die Frage in ihr auf: begreift Mary, was sie sieht?

Alice wartete eine Weile, ehe sie zu beobachten anfing. Mary stand jetzt lange unbeweglich vor der Statue mit dem Rücken nach Alice. Alice wurde neugierig. Sie ging auf einem Umwege zwischen andern Skulpturen hindurch nach drüben, setzte ihr Pincenez auf und sah hin. Marys Augen waren halbgeschlossen, ihre Brust wogte. Sie ging langsam im Kreise um die Statue herum, trat etwas zurück, kam wieder näher und blieb halb seitlich davor stehen.

Da sah sie sich nach Alice um und erblickte sie, wie das Pincenez gerade auf sie gerichtet war; Alice hielt es sogar noch fest, um deutlicher zu sehen. Man konnte sich nicht täuschen: Alices Gesicht war ein einziges Schelmenlachen.

Es gibt Dinge, von denen keine Frau will, daß eine andere sie versteht: Marys Blut geriet in Wallung; geärgert und gekränkt, empfand sie Alices Blick wie eine »insulte« – das Wort wurde französisch gedacht. Sie drehte schnell dem Athleten den Rücken und ging nach dem Ausgang zu. Aber sie blieb hier und da stehen, um sich den Anschein zu geben, als betrachte sie andere Kunstwerke. In Wirklichkeit, um ihrer Erregung Herr zu werden. Endlich hatte sie den Ausgang erreicht. Sie blickte sich nicht um, ob Alice nachkomme; sie ging in die Vorhalle hinaus und von da weiter.

Aber gerade, als sie draußen stand, kam Franz Röy dahergestürmt. So eilig, als sei er hinbestellt und habe sich verspätet. Franz Röy riß den Hut vom Kopf, bekam aber kein Nicken als Antwort, nur ein paar kühle Augen. »Aber nein, jetzt müssen Sie auch nicht mehr böse sein!« sagte er gutmütig und knabenhaft in seinem breitesten Ostländisch. Sie taute auf, ja, sie konnte nicht anders, sie lächelte sogar und war tatsächlich nahe daran, seine ausgestreckte Hand zu fassen, – als sie sah, wie seine Augen blitzschnell an ihr vorbeiglitten und mit einem ganz, ganz kleinen Triumph wieder zurückkehrten. Da wandte auch sie den Kopf und begegnete Alices Augen. In ihnen lag eine ganze Welt von Schelmerei und Freude. Eine abgekartete Sache also! Da ging eine Verwandlung mit Mary vor. Wie von der höchsten Kirchturmspitze blickte sie auf die beiden hinunter – und ließ sie stehen. Ihr Wagen hielt in einiger Entfernung; sie winkte, und er kam in großem Bogen heran. Ihr Vater hatte auf seinem Wagen keinen Diener; sie machte sich selbst den Schlag auf, ehe Franz Röy hinzuspringen konnte. Sie stieg ein, als sei kein Mensch da. Von ihrem Sitz aus sah sie sich nach Alice um, – an Franz Röy vorbei. Die korpulente Alice kam langsam herangewatschelt. Schon von weitem war zu sehen, daß sie einen harten Kampf mit unterdrücktem Lachen zu bestehen hatte. Und als sie herangekommen war und Mary vornehm dasitzen sah, den Kopf nach der andern Seite gewandt, während auf dieser Seite Franz Röy, der Riese, wie ein verdonnerter Rekrut stand, da konnte sie sich nicht länger halten, sie brach in ein Gelächter aus, das ihre ganze behäbige Person von Grund auf erschütterte. Sie lachte, daß ihr die Tränen über die Backen liefen. Sie lachte so, daß sie nur mit Not und Mühe und nicht ohne Hilfe das Trittbrett fand und sich hinaufzog. Sie sank laut lachend neben Mary auf den Sitz, daß der Wagen wackelte. Sie hielt das Taschentuch vors Gesicht und prustete hinein. Sie sah Marys purpurrotes Beleidigtsein und Franz Röys blasses Entsetzen, sie lachte nur immer mehr. Sogar der Kutscher mußte mitlachen; er wußte den Teufel warum. So fuhren sie ab.

Wieder eine mißglückte Expedition nach den kühnsten Hoffnungen! Es dauerte lange, bis Alice etwas sagen konnte. Natürlich fing sie damit an, Franz Röy zu bedauern. »Du bist zu streng gegen ihn, Mary. Gott, wie unglücklich er aussah!« Und wieder überkam sie das Lachen. Mary aber, die die ganze Zeit über dagesessen und nur auf eine Gelegenheit gewartet hatte, brach jetzt los: »Was geht mich Dein Protégé an?« Und als sei das nicht genug, beugte sie sich vor und sah in Alices lustige Augen hinein. »Du verwechselst uns beide wohl. Du bist selbst in ihn verliebt. Meinst Du, ich habe das nicht lange gesehen? Ihr müßt ja selbst am besten wissen, in was für einem Verhältnis Ihr zueinander steht. Mich geht es nichts an. Aber das 'Sie', an dem Ihr festhaltet, – ist doch wohl nur ein Deckmantel?«

Alices Lachen erstarb. Sie wurde blaß, so blaß, daß Mary erschrak. Mary wollte die Augen wieder abwenden, konnte es aber nicht. Alices Augen hielten sie während des schmerzlichen Überganges fest, bis sie erloschen. Da sank Alices Kopf mit einem langen, schweren Seufzer hintenüber. Wie das Stöhnen eines verwundeten Tieres.

Mary saß daneben, erschrocken über den eigenen Schuß.

Aber es war geschehen.

Unerwartet und hastig hob Alice den Kopf und ließ den Kutscher halten. »Ich muß in dies Hôtel.« Der Wagen hielt, sie öffnete die Tür, stieg aus und schloß sie hinter sich. Mit einem langen Blick auf Mary sagte sie: »Good bye!« – »Good bye!« war die leise Antwort.

Beide fühlten, es war für immer.

Mary fuhr weiter. Sowie sie zu Hause war, ging sie geradenwegs in den Salon; sie wollte ihrem Vater etwas sagen. Schon draußen vor der Tür hörte sie Klavierspiel und wußte, daß Jörgen Thiis da war. Aber das hielt sie nicht zurück. In Hut und Sommermantel stand sie plötzlich unerwartet im Zimmer. Jörgen Thiis sprang vom Klavier auf und ging ihr entgegen, seine Augen waren voll Bewunderung; sie glühte nämlich vor Erregung. Aber etwas Stolzes und Abweisendes in all dem Funkeln bewirkte, daß er es aufgab, sich ihr zu nähern. Da bekamen seine Augen das Saugende, Gierige, das sie so tief verabscheute. Mit leichtem Gruß ging sie an ihm vorbei auf den Vater zu. Er saß wie gewöhnlich in einem großen Stuhl mit einem Buch auf den Knien. »Du Vater, was meinst Du, wollen wir jetzt nach Hause reisen?«

Alle Gesichter hellten sich auf. Frau Dawes rief: »Denk nur, Jörgen Thiis hat gerade gefragt, wann wir reisen; dann will er mit.« – Mary wandte sich nicht zu Jörgen Thiis, sondern fuhr fort: »Ich glaube, das Schiff fährt morgen von le Havre ab.« – »Ja, ganz recht,« antwortete ihr Vater, »aber bis dahin werden wir wohl nicht fertig?« – »Doch, das werden wir,« sagte Frau Dawes, »wir haben ja den ganzen Nachmittag.« – »Ich will mit Vergnügen helfen«, sagte Jörgen Thiis. Dafür bekam er einen freundlichen Blick von Mary, ehe sie über den Preis Bericht erstattete, den Alice für die holländische Küstenlandschaft, die ihr Vater haben wollte, angesetzt hatte. Dann ging sie hinaus, um ihre eigenen Sachen einzupacken.

Sie trafen sich alle vier um halb acht im Hotel beim Diner. Mary fand sich, etwas abgespannt, auch ein; Jörgen Thiis ging ihr entgegen und sagte: »Gnädiges Fräulein haben doch diesmal Franz Röy kennen gelernt?« – Der Vater und Frau Dawes waren ganz Aufmerksamkeit; sie verrieten dadurch, daß Jörgen soeben mit ihnen darüber gesprochen haben mußte. Immer wenn sie die Bekanntschaft eines Herrn machte, bekamen nämlich die beiden Angst. Mary wurde rot; sie fühlte es, und daher vertiefte sich das Rot noch. Die beiden starrten sie an. »Ich habe ihn bei Miß Clerq gesehen«, antwortete Mary. »Miß Clerqs Mutter und sie sind mehrere Sommer in Norwegen gewesen und dort mit Franz Röys Familie zusammengetroffen; sie sind aus einer Stadt. Soll ich noch weitere Aufklärungen geben?« Jörgen Thiis erschrak. Die andern starrten sie an. Er sagte eilig: »Ich habe gerade zu Ihrem Vater und zu Frau Dawes gesagt, daß unter uns jüngeren Offizieren Franz Röy als der beste gilt, den wir überhaupt haben. Ich habe es also nicht böse gemeint.« – »Das habe ich auch nicht von Ihnen gedacht. Aber wenn ich selbst von dieser Bekanntschaft hier nicht gesprochen habe, darf es auch von keinem Fremden zugetragen werden, finde ich.« – Ganz erschrocken sagte Jörgen Thiis, daß ... daß ... daß er keine andere Absicht dabei gehabt habe als, als, als ... »Das weiß ich«, schnitt sie ihm das Wort ab.

Dann gingen sie zusammen hinunter. Bei Tisch – sie hatten einen für sich allein – nahm Jörgen Thiis das Thema natürlich wieder auf. Das könne nicht so abgetan werden. Die Offiziere, sagte er, bedauerten, daß Franz Röy zum Geniekorps übergegangen sei. Er sei ein hervorragender Stratege. Ihre Übungen, sowohl die theoretischen wie die praktischen, hätten ihm Gelegenheit gegeben, sich auszuzeichnen. Jörgen führte Beispiele an, die sie aber nicht verstanden. Da wartete er mit Anekdoten über Franz Röy auf. Aus dem Leben mit den Kameraden, aus seinem Beruf. Die sollten beweisen, wie beliebt und wie schneidig er sei; Mary aber fand, sie bewiesen eher, wie jungenhaft er sei. Jörgen trat also den Rückzug an: er habe es nur erzählen hören; Franz Röy sei ja älter als er. »Wie finden Sie ihn denn?« fragte er plötzlich sehr unschuldig. Mary zögerte, die andern blickten auf. »Er redet so sehr viel.« – Jörgen lachte. »Ja, was soll er machen? Er hat soviel Kraft.« – »Muß die sich an uns andern auslassen?« Darüber lachten sie alle, und damit war die Spannung gelöst, in der bis jetzt alle befangen waren. Krog und Frau Dawes fühlten sich sicher vor Franz Röy. Auch Jörgen Thiis.

Sie kamen um halb neun wieder nach oben. Mary entschuldigte sich, – sie sei müde. Von ihrem Zimmer aus hörte sie Jörgen Thiis spielen. Sie lag und weinte.

Der nächste Abend auf dem weiten, stillen Meer. Es dämmerte leise der Sommernacht entgegen; zwei Rauchsäulen in der Ferne, – sonst nichts. Ein ununterbrochenes helles Grau oben und unten. Mary lehnte sich an die Reeling. Kein Mensch weiter war zu sehen; das Stampfen der Maschine war der einzige Laut.

Sie war eben unten beim Konzert gewesen, war aber vor den andern nach oben gegangen. Ein Gefühl unsäglicher Einsamkeit trieb sie hinauf zu diesem inhaltlosen Ausblick. Überall Wolken als Grenze.

Nichts als Wolken; nicht einmal ein Widerschein der untergegangenen Sonne.

Was war ihr selbst von dem Glanz der Welt geblieben, aus der sie kam? War nicht in ihr und um sie herum die gleiche Leere? Das Wanderleben war jetzt vorbei; weder ihr Vater noch Frau Dawes konnten oder wollten es fortsetzen; das wußte sie. In der Bucht, wo sie wohnten, war kein Nachbar, an dem ihr lag. In der Stadt eine halbe Stunde davon kein Mensch, an dem sie hing. Sie hatte sich keine Zeit dazu gelassen. Sie war nirgends heimisch. Ihr Leben war keins, das aus der Scholle herauswächst und mit allem verknüpft ist, was daran hängt. Wo sie hinkam, schien die Unterhaltung zu stocken, damit ein anderes Thema, das ihr angepaßt war, aufgenommen werden konnte. Die Globetrotter, die mit ihr durch die Welt zogen, sprachen von Reiseerlebnissen, von Museen und Musik an den Orten, die sie zusammen aufgesucht hatten. Manchmal auch über Probleme, die mit ihnen schwammen, wohin sie auch fuhren. Aber kein einziges darunter, das ihr nahe ging. Die Redensarten, auf die es ankam, konnte sie auswendig. Es war eigentlich eine Art Sprachübung oder ein zweckloses, müßiges Geschwätz.

Die Huldigungen, die ihr dargebracht wurden, und die bisweilen in einen Kultus ausarteten, fingen schon an, als sie noch ein Kind war und es für Spiel ansah. Später war es ihr so zur Gewohnheit geworden wie die Touren eines Kontres. Ein einzelner Zwischenfall, der die ganze Familie in Aufregung gebracht hatte, ein paar Fälle, die weh getan hatten, waren längst vergessen; das ganze war jetzt Alltäglichkeit ohne Ernst. Sie stand einsam und mit leeren Händen da.

Es ging ein Zucken durch ihren Körper, als ihr Franz Röys riesige Gestalt vor Augen trat. So deutlich, so scharf in allen Einzelheiten, daß ihr war, als könne sie sich nicht vom Fleck rühren.

Er war nicht wie die anderen. Hatte das sie in Aufregung gebracht?

Bei dem bloßen Gedanken an ihn zitterte sie. Ohne daß sie es wollte, stand Alice neben ihm in ihrer üppigen Lüsternheit, mit frivolen Augen ... In was für einem Verhältnis standen die beiden? Es wurde ihr dunkel vor den Augen, es stach, es kochte in ihr. So stand sie und weinte.

Sie hörte ein dumpfes Brausen von etwas Gewaltigem. Sie wandte sich nach der Richtung. Ein Ozeansteamer kam ihnen entgegen, so unvermutet und so ungeheuer groß, daß sie den Atem anhielt. Er wuchs aus dem Meer heraus ohne Warnungssignal. Er schoß in rasender Fahrt auf sie zu, wurde größer und immer größer, ein Feuerberg von großen und kleinen Lichtern. Unter schäumendem Brausen kam er und zog er vorbei. Nur einen Augenblick, und er war ein Bild in der Ferne.

Wie das sie ergriff!

Dies vorüberrauschende Leben, das von Erdteil zu Erdteil eilt, voll Arbeit und Gedanken in ewigem, fruchtbarem Austausch.

Während sie hier in einer kleinen Tonne umherschwamm, die von den Wellen des Weltkolosses geschaukelt wurde, daß man sich festhalten mußte.

Sie stand wieder allein in der großen Wüste. Wie verraten. Es war doch wie ein Verrat, wenn alles, was sie in drei Erdteilen gesehen und gehört hatte an Volksleben und Festen, kirchlichen wie nationalen, an Kunstwerken und an Musik, – gewissermaßen zurückblieb, wo sie es gesehen und gehört hatte, während sie einsam in einer unheimlichen, bewegungslosen Einöde stand.

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