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Wilhelm Hegeler: Martha - Kapitel 1
Quellenangabe
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typenarrative
authorWilhelm Hegeler
booktitleNeuland
titleMartha
publisherAlfred Schall, Königliche Hofbuchhandlung
printrunZweite Auflage
editorCäsar Flaischlen
year1895
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090416
projectid2c435421
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Wilhelm Hegeler

Martha

Aufzeichnungen eines Philologen

Was in diesen Blättern aufgezeichnet ist, hat ein Freund von mir erlebt. Ich selbst war nur Zuschauer. Aber wie der Zuschauer, der ein Drama auf der Bühne sich abrollen sieht, das Theater mit anderen Gedanken verläßt, als er es betreten, so haben auch mich jene Ereignisse verändert. Und nicht bloß für eine Weile mich anders gestimmt, sondern mich zu einem anderen Menschen gemacht.

Insofern ist es meine eigene Geschichte: die Geschichte eines Menschen, der blind war und sehen lernte. Für meinen Freund bildete es nichts als eine Episode. Möglich, daß er deren noch mehr erlebt hat. Ich weiß es nicht. Wir sind einander fremd geworden durch die Geschehnisse selbst, die sich zwischen mich gestellt haben und ihn, der mein Freund war und es nun nicht mehr ist.

*

Als ich ganz zufällig hörte, daß van Velten in Berlin sei, beschloß ich sofort ihn zu besuchen, denn er war mein treuester Kamerad von der Schulbank her. Was mochte er inzwischen für ein Studium ergriffen haben? Philologie gleich mir wohl kaum. Damals hatte er verschiedene Pläne, bald Gesandtschaftssekretär, bald Schriftsteller, bald Maler aristokratischer Damen. Eine Zeitlang dachte er auch alles drei zu vereinigen.

Er wohnte in der Lützowstraße.

Sein Empfang war ungemein herzlich. Wir waren sofort wieder die alten, wenn ich mich auch über manches wunderte. Denn nachdem wir uns drei Jahre nicht gesehen, ich ihm nur selten geschrieben, er mir nie, hatte ich doch eine Menge Fragen auf dem Herzen, z. B. nach dem Gesandtschaftssekretär etc. Aber er antwortete bloß:

»Brillant ... famos ... Gewiß, gewiß ...« Dann zeigte er mir ein halbes Dutzend Likörflaschen.

»Die habe ich in meiner Bezechtheit bei Lukas Bols bestellt. Wie ich sie bezahlen soll, ist mir rätselhaft. Aber immerhin könnte man sie probieren.«

Als wir bei der dritten angekommen waren, meinte er lachend:

»Mensch, du siehst aus wie ein Pastor und noch dazu einer in Trauer. Thu' doch bloß die schwarzen Handschuh vom Tisch! Die erinnern mich an den leibhaftigen Tod.«

Als ich ihn noch 'mal nach seiner Laufbahn fragte, meinte er leichthin:

»Carriere? Zukunft? Ich denke gar nicht daran. Ich freue mich des Lebens und das ist auch etwas wert.«

»Was studierst du denn?«

»Ich bezahle jedes Semester zwanzig Mark für juristische Kollegs. Drunter geht's nicht.

Bei der letzten Flasche bat er mich, doch mit nach Wilmersdorf auf den Tanzboden zu fahren. Seiner Gesellschaft wegen willigte ich ein.

Er schien sehr erfreut. Und wir machten uns gleich auf den Weg.

Nur mußte ich vorher noch eine Kravatte von ihm umbinden, da er mir erklärte:

»Dein schwarzes Halstuch à la Urgroßvater macht ja die kleinen Mädchen grauslich.«

*

Während wir in der Stadtbahn saßen, fragte ich ihn, wie's in Wilmersdorf zugehe, und er begann sofort es zu schildern. In sehr enthusiasmiertem Ton, ganz ohne Rücksicht auf die Mitreisenden.

»O weißt du, ich kenne nichts schöneres, nichts gesunderes, nichts unschuldigeres. Wirklich es ist ganz unschuldig. Keine Spur mehr von Berliner Verderbtheit. Lauter ehrbare kleine Mamsells gehen dorthin, denen nur das Tanzbein kribbelt. Einen Abend müssen sie sich austoben und die ganze übrige Woche sind sie dafür brav. Schad't nichts, wenn keine Herren da sind. Dann drehen sie sich mit einer Freundin im Arm. Aber später die rasenden Walzer mußt du seh'n, im Gedränge der Kleider ... Und wenn sie erst ein bißchen warm geworden sind. Was sie dir vorreden können! Wie versteift sie aufs Tanzen sind. Links herum und rechts herum. Ihre Beine werden nie müde und ihr Mund steht nie still. O, das ist schön, das ist schön! –

Und weißt du, das ist das Leben. So wie es sich in der Freiheit austobt, ohne Zwang, ohne Etikette. Siehst du, diese Kinder des Volks sind so ganz anders als die Kinder der Gesellschaft. Ihr eigenes Leben bricht so viel gewaltiger zu Tage, da keine Eisdecke der Konvention darüber lastet. Bei den Leuten der Gesellschaft aber spielt alles so innerlich, so zerfasert. Es giebt nicht die einfachen Affekte, die den Menschen mit Haut und Haaren ergreifen. Sie zersplittern alles und der große Strom versandet in lauter Äderchen ... Ich hab' noch immer ein Bild im Gedächtnis, das mich nicht verläßt. Ich ging durch die Victoriastraße an einem Herbstmorgen.

An einem der großen Fenster sah ich zwei Menschen. Eine feinlinige, schlanke Dame mit blassem Antlitz, die an einem Kanevas arbeitete, neben ihr einen jungen Offizier. Und wie ich ihn sah, seine verhaltene Bewegung, seine zitternden Lippen, da wußte ich mit untrüglicher Gewißheit, daß er von Liebe sprach. Er sprach glühende Liebesworte. Aber die Dame mit bleichem Antlitz rührte sich nicht. Vielleicht, daß die feinen Linien des Mundes leise vibrierten, daß die Stirnhaut leicht zwischen Blaß und Rosa schillerte. Ich bemerkte es nicht. Die Augen waren auf den Kanevas gerichtet und das Gesicht verzog kein Zucken.

Dies Bild schwebt mir noch immer vor. Wie sie ihr Glück, dieses süße Jauchzen der Sinne hinter der faltenlosen Reinheit verbarg! ... Und du triffst sie vielleicht ein Jahr, einen Monat später. Dann ist ihr Liebesglück vorbei und das Glück ihres Lebens. Ihr Herz ist gebrochen, ihre Haltung nicht. Sie stickt an ihrem Kanevas weiter, sie stickt ihm ein, wie früher ihre jubelnde Seligkeit, so jetzt ihre Todesschmerzen. Und kaum am Zittern der dünnen Fädchen kannst du merken, daß sich etwas verändert hat.

Aber nun stell' dir das Gebahren des einfachen Mädchens vor! Ob sie dich liebt, ob nicht, das zeigt sie dir am ersten Tage, ohne es zu verbergen. Ihr Auge lacht es dir und ihr Mund ruft es dir zu, einerlei, ob tausend Menschen es hören. Und wenn sie der Schmerz der Liebe ergreift, so ergreift er sie ganz. Wenn sie unglücklich ist, so weint sie, laut und bittere Thränen, und wenn sie verzweifelt, so macht sie der Verzweiflung ein Ende und dem Leben. O, das ist vom fünften Stock, aus den ärmlichen Mansarden, aus den kärglichen Dachstübchen, daß Mädchen auf das Pflaster springen ...«

*

Mein Kopf glühte, wahrend wir über das glitzernde Schneegeleise der Chaussee trabten. Wie mein Freund reden konnte! Uns alle hatte er fortgerissen, selbst die Mitreisenden, die ihre Zeitung sinken ließen und ihm zuhorchten.

Ich verglich sein Leben mit dem meinigen. Neid und Trauer erfüllten mich, indem ich an die stille, unscheinbare Welt meiner Bücher zurück dachte. Wie eng kam mir das vor, was bis dahin doch mein ganzer Lebensinhalt gewesen.

Eine innere Stimme sagte mir, so wie er es geschildert, konnte das alles unmöglich sein. Es mußte noch etwas anderes dahinter liegen. Er zeigte mir bloß die eine Seite. Und die Kehrseite? ... Aber ich konnte jetzt nicht zur Klarheit dringen. Wie im Rausch ging ich neben ihm her. Und ich sagte mir: ›Mag kommen was will. Du wirst die Augen aufmachen und beobachten.‹

Ach, ich Thor! ...

*

Auf dem Tanzboden schlug die Laune meines Freundes plötzlich um. Gleich beim Eintritt verzog sich sein Gesicht und er sagte:

»Na, heut' abend scheint aber auch nichts los zu sein, rein gar nichts.«

Dann nahm er mich unter'n Arm und wir schlängelten uns zwischen den Mädchen durch. Ob sie alle so häßlich waren, wie er behauptete, vermag ich nicht zu sagen. Ich war zu verwirrt.

Aber er wurde immer böser. Wie wir an einen Tisch mit etwas ältlichen Damen gelangten, fuhr er auf, als sei ihm eine persönliche Kränkung angethan.

»Das ist denn doch zu stark von solchen alten Schachteln sich hierher zu setzen ... Komm, zahl'n wir, geh'n wir.«

Ich wäre gern noch geblieben. Aber darauf kam es nun freilich nicht an. So setzten wir uns in die Ringbahn, um nach Haus zu fahren. –

Bernhard in gleich schlechter Laune. Ohne ein Wort starrte er zum Fenster hinaus auf die grauen Schneefelder. Den Hut hatte er achtlos neben sich auf der Bank liegen. Ich saß am anderen Fenster, gerade gegenüber zwei kleinen Mädchen. Und der einen, die mir ausnehmend gefiel, warf ich hin und wieder einen Blick schüchterner Bewunderung zu. Sie sagte zu ihrer Freundin, die pausbäckig war und verweinte Augen hatte, einige mir unverständliche Worte. Hin und wieder bekam ich ein abweisendes Stirnrunzeln von ihr, und dann flirrte sie mit momentanem Augenzwinkern zu meinem Freund herüber. Da mich das verwirrte – denn ich fragte mich, ob in meinem Blick vielleicht etwas Beleidigendes gelegen hätte? – begann ich auch zum Fenster hinaus zu sehen, obgleich mich die Schneefelder weit weniger interessierten, als dies kleine Mädchen mit dem Schleier aus blauem Spinngewebe und dem zierlich herausgewippten Näschen dahinter.

Der Zug wollte an der Station Bellevue halten, und die Pausbäckige machte sich zum Aussteigen bereit. In diesem Augenblick fiel der Hut von der Bank. Sie bückte sich, hob ihn auf und reichte ihn meinem Freund:

»Hier, mein Herr! Das ist gewiß Ihr Hut.«

»Danke verbindlichst.«

Und jetzt war es zum erstenmal, daß er nach der ziemlich langen Fahrt den Mitreisenden einen Blick gönnte. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete er die Bleibende. Und dieser Blick wäre unverschämt gewesen, wenn in ihm nicht ein so aufrichtig freudiges Erstaunen gelegen hätte.

»Sie sind sicher im Tiergarten Schlittschuh laufen gewesen?« fragte er.

»Aber ich fahre ja schon das ganze Ende von Friedenau aus mit Ihnen zusammen, mein Herr.«

»Nicht möglich! Das ist ja schrecklich ... daß ich Sie gar nicht gesehen habe.«

Das Mädchen schien ihm seine formlose Anrede nicht weiter übel zu nehmen, denn sie plauderte weiter: »Und dann kann ich auch gar nicht Schlittschuh laufen.«

»I, das ist geschwindelt. Nicht Schlittschuh laufen! Aber in Berlin können doch alle kleinen Mädchen ... ich wollte sagen, alle jungen Damen Schlittschuh laufen.«

»Ich kann's nicht. Ich hab's wohl mal probiert. Aber zum richtigen Lernen hatt' ich keine Zeit.«

»Das ist komisch. Sie sind doch Berlinerin?«

»Mit Spreewasser getaufte,« antwortete sie lustig.

»Wissen Sie, daß Sie's nicht können, ist ja nicht so komisch. Aber daß Sie's einem so sagen, gleichweg, ohne ein bißchen zu schwindeln ...«

Dann schwieg er einige Minuten, während seine Augen immer lauter sprachen: ›Du gefällst mir, du gefällst mir ausgezeichnet!‹ Plötzlich fragte er:

»Sagen Sie mal, was sind Sie denn eigentlich?«

»Stickerin.«

Er klatschte in die Hände.

»Das ist ja famos! Ich hätte immer so gern mal ein kleines Stickermädel kennen lernen mögen. Und nun treff' ich gleich solch eine hübsche ...«

Sie hatte – vielleicht ein wenig, um die Röte ihres Vergnügtseins zu verbergen, ein Taschentuch herausgezogen, und während sie den Schleier lüftete, zupfte und rieb sie ganz energisch an ihrem Näschen. Ihre Wangen zeigten eine wunderbare, durchsichtige Haut von Perlmutterglätte und der blaßroten Färbung der Hortensia.

»Wissen Sie,« begann mein Freund wieder, »der Schleier steht Ihnen brillant. Aber ohne Schleier sehen Sie noch zehnmal besser aus ... Bitte, bitte, lassen Sie ihn herauf!« flehte er, als sie ihn wieder senken wollte.

Aber sie zupfte erst ein wenig, ohne auf seine Worte zu hören. Dann ganz leicht hinwerfend:

»Nun ja, schließlich hat's keinen Zweck, ihn herunter zu machen, weil's so schon so warm ist.«

»Ach, Sie sind nett. Sie sind ein liebes Kind. Und eine vernünftige junge Dame, die einem wenigstens folgt ... Wissen Sie, dafür will ich Sie auch zur Belohnung nach Hause bringen.

Aber sie antwortete schnippisch: den Weg könne sie allein finden.

»Nun, nun, werden Sie bloß nicht gleich böse. Ich meine natürlich, daß es mir ein Fest sei, wenn ich Sie begleiten dürfte. Wo wohnen Sie denn?«

»Dicht beim Alexanderplatz.«

»Seh'n Sie, beinah in meiner Nähe! Da macht es sich doch eigentlich fast von selbst.«

»Dann muß Ihr Herr Freund aber auch mitgehn,« wandte sie ein.

»Das geht nicht,« sagte er schnell. »Der muß schon am Friedrichsbahnhof aussteigen. – Du, schwör' mal rasch einen heiligen Meineid, daß du Friedrichstraße aussteigen mußt.«

Wir alle Drei lachten über seine Art, uns zu überrumpeln. Die Kleine war eigentlich schon einverstanden, besonders als er ihr noch versicherte:

»Und dann thun Sie auch ein gutes Werk. Stellen Sie sich vor, wenn ich den ganzen Weg allein laufen muß in solch einer gefährlichen Gegend, was ich da für dumme Streiche mache! Aber wenn Sie mich mitnehmen, dann sorge ich bloß, daß Sie ganz rasch und heil zu Muttern kommen.«

»Nun ja,« schloß sie, »so will ich's Ihnen denn erlauben. Aber bloß bis zur Straßenecke. Und ganz artig müssen Sie sein.«

»O, ganz, ganz artig,« versicherte er.

*

Am anderen Morgen, als ich bei der Arbeit für mein Doktorexamen saß, kam er zu mir. Lief auf und ab, mit einer Cigarette, die er sich aus dem Wirrwarr meines Schreibtisches hervorgekramt hatte; seine gewöhnlichen, zerrissenen Sätze zwischen die dünnen, verwehenden Schleier des Dampfes hervorsprudelnd.

»Wie sie lieb war! Und wie lustig, wie lustig! Ich hab' mich schibbelig gelacht. Was sie von der Frau Cheffin erzählte und ihren kleinen Kolleginnen! Zu zehn sind sie da im Atelier. Und es sei den ganzen Tag nichts als Lachen und Erzählen, versichert sie ...«

Dann setzte er sich auf einen Stuhl an meinen Schreibtisch und sagte:

»Du, hier ist schreckliche Luft. Nach gestern, wo ich so viel Unschuld geatmet und selbst so unschuldig war, da kann ich's nicht aushalten. Ich mach' das Fenster auf.«

Er beugte sich in die frische Winterluft, die hier in der Höhe meiner vierten Etage wehte. Dann kam er wieder zurück.

»Ach, diese verfluchte Cigarette! Wie konnte ich nur so was in den Mund nehmen! Jetzt ist mir der süße Nachgeschmack ihrer Küsse ganz verdorben ...«

»Du hast sie geküßt?« fuhr ich in grenzenlosem Erstaunen von meinen Schweinslederbänden auf.

Er stellte sich ganz naiv vor mich hin.

»Nun freilich hab' ich sie geküßt. Und tüchtig. Und sie mich wieder.«

*

Durch Bernhard kam ich sehr oft mit Martha zusammen. Ich verliebte mich in sie. Damals wagte ich nie, es mir zu gestehn. Denn wie hätte ich ein Mädchen, das vielleicht die Frau meines Freundes wurde, lieben können!

Sie waren mir beide rätselhaft in ihrem Benehmen zu einander. Aber wahrend ich über ihn stundenlang nachgrübeln konnte, vergaß ich bei ihr all' meine Gedanken. So sehr entzückte sie mich immer. Eines Abends jedoch glaubte ich im Benehmen der beiden eine gewisse Veränderung zu beobachten. Wie mir schien, lag eine größere Innigkeit zwischen ihnen. Etwas Verschwiegenes, das sie beide allein durchlebt und dem ich fremd war. Was dies zu bedeuten hatte, darüber bin ich mir erst später klar geworden.

Meinen Freund zu fragen, schämte ich mich. Nur über eins mußte ich mich wundern, daß nämlich Martha von diesem Tage ab ihr Benehmen gegen mich änderte. Früher hatte ich hin und wieder auch ein Lächeln mitabbekommen. Aber jetzt wurde sie geradezu unfreundlich. Und dies dauerte fort mit nur geringen Unterbrechungen bis zum Ende.

Übrigens muß ich selbst sagen, daß ich in ihrer Gegenwart eine ziemlich traurige Rolle spielte. Ich bin von Natur schweigsam und wurde es noch mehr, seitdem ich mir einbildete, daß sie mich nicht leiden könne.

*

Nur von einem Abend muß ich noch erzählen, der so wunderschön, so glücklich war – auch für mich.

Sie hatte ihm einen drolligen Brief geschrieben, mit einem Gewimmel von überflüssigen H's und E's. Eine Freundin von ihr, das Fräulein Müller, sollte begraben werden. Die Frau Cheffin und alle Stickerinnen aus dem Atelier gingen mit der Leiche. Nach der Beerdigung aber wollte sie Bernhard besuchen.

Ganz durchfroren kam sie an. Aber sie fühlte sich so wohl in dem molligen Zimmer, daß meine Gegenwart sie nicht einmal zu stören schien. Und eine Menge hatte sie zu erzählen, ach, so viel! Natürlich kam alles kunterbunt heraus. Mit dem Ende fing sie an.

Also sie waren noch allzusammen konditern gewesen, um sich ein wenig zu trösten. Und die Frau Cheffin hatte jeder eine Tasse Chokolade spendiert. Dadurch waren sie wieder fröhlich geworden und hatten ihre naßgeweinten Taschentücher eingesteckt.

»Guckt mal her! Wie klitschnaß!«

Sie zeigte es uns, damit wir es bewunderten. Und sie fuhr fort:

»Ja, die Frau Cheffin hat aber auch gesagt: ›Fräulein Martha, Sie haben wirklich ein mitfühlendes Herz. An Ihrem Taschentuch ist ja kein trockener Faden. Mathilde dagegen – wißt ihr, das Fräulein, das ich nicht leiden kann – muß recht hart sein, denn sie hat ihr's ja überhaupt nicht aus der Tasche gezogen.‹«

Und dann schilderte sie uns den Kirchhof, der zwischen öden Feldern lag, mit den kahlen Reihen der Gräber. Endlos kam der Schnee herunter. Und der Pfiff einer Lokomotive war über sie dahin geweht, fürchterlich, und hatte sie erschreckt wie der letzte Aufschrei der Verstorbenen. Hu, ihre Freundin lag jetzt da drunten, in der schwarzen, gefrornen Tiefe, unwiederbringlich, ganz allein ...

Sie bebte ordentlich vor Schauder, während sie uns dies so lebhaft schilderte. Aber Bernhard lachte sie aus und küßte ihr die Angst von den Lippen. Plötzlich fragte er:

»Du, was hast du denn da in dem großen Paket?«

Ach, Vater und Sohn, das hätte sie ja beinah' vergessen. Ja, nun wurden große Umstände gemacht, Raten, raten mußte er! So ohne weiteres wurde es natürlich nicht aufgemacht.

Aber er war zum Raten viel zu faul.

»Vielleicht ein Paar Würste?«

Schließlich, als er doch neugierig wurde, riß er es ihr aus der Hand.

Es war ein Sophakissen drin, mit einem kleinen, grauen Mäuschen als Verzierung. Heimlich hatte sie es ihm gestickt.

Ich war ganz gerührt von diesem Geschenk, das Bernhard bekam, und er selbst, glaub' ich, beinah' auch. Aber Martha war selig vor Freude, weil es ihm gefiel. Immer und immer wieder küßte sie ihn und ließ sich von ihm »seine Maus« nennen. So groß war ihr Glück, daß sie auch mir armen Teufel davon mitteilen mußte. Und ganz aus freien Stücken sagte sie plötzlich: »Ihnen stick' ich auch noch 'mal 'was. Ein paar Pantoffeln oder 'ne Großvatersmütze. Die können Sie bei der Arbeit aufsetzen.«

Aber sie hat es nie gethan.

*

Der Frühling zog herein in die große Stadt. Ein zarter Berliner Frühling, den man kaum sieht in der Steinwüste der Häuser, der einem aber doch so ganz die Brust erfüllt mit unerklärlicher Sehnsucht und tausend Ahnungen.

Aber das Schönste an diesem Frühling für mich war, zu sehen, wie Martha ihn erlebte. Es ist ja ein eigentümliches Gefühl und wir teilen es alle, daß wir jeden Frühling als etwas ganz Neues, eigentlich noch nie Durchlebtes genießen. Aber für sie, die bis dahin niemals aus dem erstickenden Dunstkreis herausgekommen, war es in diesem Jahr wirklich ein ganz neuer Frühling. Nun zum erstenmal in ihrem Leben floh sie mit uns die Stadt, ganz weit weg, bis man sie weder sah noch roch noch hörte, in den Wald, wo es von tausend Knospen blitzte, und auf die Seen, wo laue Winde unser Boot küßten – dort lachte ihr wirklicher Frühlingshimmel und wirkliche Frühlingssonne.

Und Martha wußte sich nicht zu lassen vor jubelndem Glück.

»O, wie ist das schön draußen! Wie ist das schön! Ich bin so selig. Ich hab' euch alle so lieb. Dich und den Herrn Freund und überhaupt alle Menschen ... Ich wußte ja gar nicht, was eigentlich Frühling ist. Daß es dann grün wird, lernt man ja in der Schule. Aber wie es einem thut, daß man so glücklich wird und daß die Welt so schön ist, das hab' ich nicht gewußt!«

Oftmals in der Dämmerung, unter nassen, kahlästigen Kastanien sahen wir die schwarze Amsel langsam hüpfen und lauschten ihren süßen Klagen. Und im Sonnenschein wieder liefen wir über Wiesen, wo die Kirschen und Äpfel blühten und alles uns umzitterte in dem Geflimmer dieses duftenden Frühlingsschnees.

Da schlug Martha in die Hände und schrie:

»O, die ganze Welt ist ja wie ein großer Frühlingshut von Gerson!«

So gab sie oft ihren tiefen und starken Empfindungen auf eine ganz lächerliche Weise Ausdruck.

Übrigens, als ich sie näher kennen lernte, hatte ich auch öfters Gelegenheit, zu beobachten, von wie krasser Unwissenheit sie in manchen Dingen war. Manchmal erschrak ich förmlich und begann an ihrem ganzen Wesen zu zweifeln. Namentlich der Natur gegenüber war sie von einer geradezu rührenden Naivität.

Einmal kam sie zu uns gelaufen mit lautem Schreien:

»Ein Karnickel! Ein Karnickel!«

Und sie zog uns beide mit sich und zeigte uns einen alten, überjährigen Frosch, der vor Gebrechlichkeit kaum fortzuhüpfen vermochte. Wir wollten uns halb totlachen. Aber sie blieb bei ihrer Behauptung: es sei ein Karnickel. Der Lehrer hatte es sie in der Schule gelehrt, so sähen die Karnickel aus.

Aber dann wieder mußte ich mit noch größerem Staunen beobachten, wie diese Zeit in ihrem Innern verborgene und verkümmerte Keime sprießen ließ. Es war, als wenn in der neuen, grünen Welt, wo alles sich dehnte von sichtbarlichem Sprossen und Wachsen, auch sie sich zu einer feineren und edleren Blume entfaltete. Ihre Liebe zu Bernhard wurde tiefer und stürmischer. Und oft erklangen Töne aus ihrer Seele, die mich fast zu gewaltig dünkten für dies zierliche, scheinbar so leichtsinnige und oberflächliche Geschöpf aus den Berliner Gassen.

Immer und immer wiederholte sie, gleich einer Melodie, die der Frühling selbst und ihre Liebe sie gelehrt, wie erst jetzt die Schönheit der großen Welt ihr ganz aufginge.

»Vorig's Jahr, da schlug unser alter Geraniumstock aus und unter der Stadtbahn verkauften die Frauen Weidenzweige mit Kätzchen dran und die Droschkenkutscher zogen ihre dicken Mäntel aus und wir zogen unsere gelben Jacketts an – und daran merkt' ich, daß es Frühling sei. Aber so hab' ich's noch nie gesehn. So schön, so schön. O, ich bin so glücklich, ich möchte lachen und weinen.«

*

Einmal auf dem Müggelsee, Wir hatten wieder den plumpen, alten Schiffernachen nehmen müssen, der sonst zum Auswerfen der Aalpuppen benutzt wurde. Die neuen Boote lagen frischgestrichen auf dem Sand. Es war gegen Abend. Wir fuhren dem Ufer entlang und hörten zwischen den Schilfspitzen die ersten Grasmücken zwitschern. Die Sonne stand tief am Horizont, ihr purpurner Schein leuchtete hinter dem durchsichtigen Gelbgrün der Birken und Trauerweiden. Ganz in der Ferne huschten lange schwarze Windmühlenflügel über den rötlichen Dunstkreis des Himmels. Leise wiegte sich das Boot zwischen dem zarten Röhricht. Mein Freund ruhte lässig am Steuerende und seine Finger spielten mit dem kurzen Strichruder. Ganz unmerklich trieb uns ein Wind mehr nach dem See hinaus. Immer dichter breitete sich der Nebel über uns und verschleierte die Ufer. Eine Dämmerung von unendlicher Weichheit glitt herab. Alles löste sich in die süßesten Harmonien, die matteren Farben, die Umrisse, die ersterbenden Vogelstimmen. Und dazwischen, wie sanftes Liebkosen einer Frauenhand, das Geplätscher der Wellen ... Aber es wurde kühl. Bernhard schlug sich den Rockkragen in die Höhe. Und wir alle drei blickten auf das Wasser hinaus. Rund um uns alles unabsehbar, kaum einige Fünkchen in der Ferne. Und dann trat der Mond hervor. Mit atemlosen Entzücken lauschten wir, als klänge in unserer Seele wirklich ein Ton, wie die Wolken langsam, voll Feierlichkeit, aus einander rauschten. Er tauchte ins Wasser hinab und tauchte wieder hervor in flimmerndem Silber. Aber in halber Tiefe unter den Wellen ruhte er wie eine große, reine Schale.

Und da, als wenn dieser Anblick sie überwältigt hätte, brach plötzlich die gewaltige Woge noch einmal aus Marthas Herzen hervor, wie ein Frühlingssturm, der die letzte Starrheit bricht. Sie warf sich an ihres Freundes Brust und schluchzte:

»O, ich möchte so gut sein, so gut. Ich bin ja so glücklich. Und all' das hast du gethan. Ich will dir immer, immer dankbar sein ...«

Bernhard, dem die Cigarette lässig im Munde hing, sah sie einen Augenblick wie erstaunt an. Mit sanfter Überlegenheit wehrte er sich ihrer stürmischen Liebkosungen und sagte halb lachend:

»Ach Kind, bleib' doch nur ruhig. Du machst ja ganz den Eindruck, als habest du einen Spitz.«

Aber sie schüttelte ernsthaft den Kopf.

»Nur bezaubert bin ich. Und das kommt, weil ich dich liebe.«

Ich saß vorn im Boot und ließ in träumerischem Sinnen die leisen Perlen von den aus dem Wasser ragenden Rudern herabgleiten. Wehmütig süße Trauer erfüllte mein Inneres. Und ich dachte: ›Könntest du doch einmal in deinem Leben ein Weib finden, das dich so liebt wie dieses!‹

Seine Lauheit machte mich wütend. Wenn ich an seiner Stelle gesessen hätte! ... Aber ich saß ja vorn und sah mit verschleierten Augen zu den beiden hin, die mich so nahe dünkten und denen ich doch so ferne war, so fern, wie Phantomen, die im Traume an uns vorübergleiten.

Immer neue Küsse voll jugendlicher Innigkeit bedeckten seine Lippen. Aber ihn schienen sie bloß in seinen angenehmen Träumereien zu stören. Vielleicht kamen sie ihm auch nicht recht am Platze vor. Darum versuchte er, sie abzuschütteln.

»Ich weiß ja, daß du mich liebst.«

»Aber wie tief ich dich liebe, weißt du nicht.«

Und ganz leise, so daß ich es kaum vernahm, mit einer Stimme zwischen Munterkeit und Wehmut, sagte sie noch einmal, während sie sich ganz dicht an seine Wangen schmiegte:

»Wie tief ich dich liebe, weißt du nicht.«

Aber er, in lautem Schulmeisterton, fragte, als wollte er sie in Verlegenheit bringen:

»Nun, wie tief liebst du mich denn?«

Einen Augenblick schaute sie schweigend ringsum und ihre Hand deutete auf den See, der von den letzten Silberblitzen des hinter die Wolken tauchenden Mondes beschienen war.

»So tief wie das Wasser.«

Er lachte hell auf.

»Ach Kind, geh' doch. Das Wasser ist ja so tief, daß wir alle drei, wenn wir uns aufeinander stellten, zehnmal drin ertrinken könnten ...«

»Und noch viel tiefer lieb' ich dich« – rief sie aus.

Ihre Arme hielten ihn umschlungen, so daß er sich kaum bewegen konnte. Beinah' ärgerlich versuchte er, sich loszumachen.

»Sei vernünftig, Kind. Jetzt ist's genug. Du wirst dich noch an der Cigarette verbrennen.«

Aber sie riß ihm lachend das Ende aus den Zähnen.

»Du sollst gar nicht rauchen. Ich will dich küssen.«

Da sprang er mit einer tollkühnen Bewegung in die Höhe, sie mit sich emporreißend, während das Boot so heftig schaukelte, daß die Wellen von beiden Seiten hineinleckten. Die Spitze ragte hoch in die Luft. Einen Augenblick dachte ich, wir würden umschlagen.

Auf das Wasser zeigend, das uns dunkel und unabsehbar umgab, schrie er:

»Wenn ich da nun hinabspränge in die Tiefe, möchtest du mit mir sterben?«

Zuerst schrak sie zurück mit einem Zittern ihres schlanken Körpers. Und ihre Füße streckten sich unter den hochgestreiften Röcken aus, um wieder Halt zu gewinnen. Aber im nächsten Augenblick preßte sie ihn noch fester an sich und sie jubelte:

»Ich möchte leben mit dir. Immer leben. Und ich glaube, ich könnte gar nicht sterben, selbst im tiefsten Wasser nicht, wenn du bloß bei mir bleibst.«

Da ließ er sie sanft zurückgleiten und streichelte ihre blassen, immer noch zitternden Wangen, die in seinen Schoß sich betteten. Und wie zufrieden mit sich selbst, in seinem Stolze bestärkt, sagte er aufatmend, im Ton leisen, lächelnden Triumphes:

»Sie liebt mich doch, die Kleine ...«

*

Es waren sehr schöne Tage, die wir drei verlebten. Damals glaubte ich, niemals eine Zeit so unschuldigen Glückes genossen zu haben ... Auch Bernhard bekam etwas Frisches, Gesunderes und er verlor manchen Zug, der mich an ihm früher unangenehm berührt hatte. Die beiden lebten, als müsse es immer so weiter gehen. Sie trafen sich jeden Sonntag und in der Woche zwei oder drei Mal. Was später werden sollte, davon sprach keiner.

Einmal jedoch, während wir zum Essen gingen, redete ich meinen Freund darauf hin an:

»Sag mal, wie ist das eigentlich? In Berlin macht sich so was natürlich ganz anders als bei uns ... Aber mußt du nicht mal die Mutter besuchen, wenn du so lange mit der Tochter verkehrst?«

»Teufel noch eins,« erwiderte er, »da möchte ich meinen Kopf schön in ein Wespennest stecken. Was sollte ich der Alten wohl sagen? Daß sie uns ihren Segen gäbe? ...«

»Ja ... wofür willst du dich denn nicht mit Martha verloben, wie es sich doch eigentlich gehört? Dann hätten auch all diese dummen Heimlichkeiten und Lügen ein Ende.«

Aber Bernhard lachte höhnisch.

»Bist du auch solch eine Kupplerseele, wie meine Betschwestern zu Haus? Man spricht drei Worte mit einem Mädchen hinter der Gardine, gleich heißt es: wann wird denn die Verlobung sein? Ein schöner Philister bist du.«

Nichts hätte mich ärger kränken können, als gerade dieser Vorwurf. Denn ich war während der ganzen Zeit bemüht gewesen, all das Wunderbare und Unerklärliche, was sich abspielte, mit möglichst weitem und großem Herzen zu erfassen. Viele Bedenken hatten sich im Stillen bei mir geregt, aber meine Furcht, die größte Furcht, die ich damals kannte, vor ihm als Philister zu erscheinen, klein und gemein das zu sehen, was schön und rein war, hatte sie alle verscheucht.

Und wie er mir nun gerade dies ins Gesicht warf, da wußte ich nichts zu antworten. Nur ganz zögernd sagte ich nach einer Weile, wie etwas Selbstverständliches und Harmloses:

»Nun, schließlich wirst du sie doch heiraten. Das wird das Ende sein. Und ich denke für euch alle beide das beste.«

Aber Bernhard, mit einem heftigen, jähen Ruck die Hände ausstoßend, wie um etwas Entsetzliches, Wahnsinniges abzuwehren, schrie:

»Nie, nie! Ich werde sie niemals heiraten. Keiner von uns beiden hat daran gedacht, weder Martha noch ich. Bloß du verdammte Krämerseele.«

Schweigend gingen wir die lange Strecke bis zum Restaurant. Während ich zuerst eintrat, klopfte er mich begütigend auf die Schulter:

»Sei mir nicht böse, Mann. Aber du kannst auch oft reden, wie'n alter Pastor, zu dumme Sachen.«

Und ich, in meinem wirren, dumpfen Kopf, hatte schon längst alle Schuld auf mich selbst geschoben und zugleich tausend Gründe, um Bernhard zu rechtfertigen. Machte er sich nicht immer selbst viel schlechter, als er in Wirklichkeit war? Und dann glaubte ich auch, trotz seines Widerspruchs, doch recht zu haben, – –

Noch an demselben Nachmittage, als wir drei zusammen waren, fragte er Martha ganz wie von ungefähr in seinem leichtsinnigen Ton:

»Nicht, Kind, heiraten brauchen wir uns nicht? So was haben wir nicht nötig.«

Sie sah mit jähem, weitem Aufschlag ihrer Augen zu ihm hinan. Eine große Thräne rollte sich an den Lidern zusammen, die sich über die Wölbung breitete und das ganze Antlitz zu verschleiern schien. Aber standhaft schüttelte sie das Köpfchen.

»Nein, heiraten sollst du mich nicht. Wenn du mich nur immer lieb haben willst.«

Und gerührt, in jener plötzlichen Aufwallung, die ihn so liebenswürdig machen konnte, küßte er sie innig und zart, während er sagte:

»Das will ich dich haben. Wenn auch nicht immer, so doch noch sehr, sehr lange.«

*

Aber der Tag an dem er sie nicht mehr liebte, kam nur zu bald. Ich weiß nicht, war's Ende Mai oder Anfang Juni – doch an einem dieser Sonntage trafen wir uns zum letztenmal.

Sonnabends war Bernhard auf einem Zechgelage gewesen. Und ich erinnere mich noch seines blassen und müden Gesichts, als er mich den Nachmittag darauf abholte.

Durch einen Zufall hatte er Martha seit ungefähr vierzehn Tagen nicht mehr gesehen. Unser Stelldichein mit ihr war am Alexanderplatz unter dem Stadtbahnbogen. Machte es der Zufall oder machten es die vielen hübschen Mädchen in duftigen reizenden Kleidern, die hier warteten – Bernhard eben noch griesgrämig und verstimmt, wurde ganz vergnügt und seine Züge erwärmten sich.

Doch als es ein Viertel auf vier war, bemerkte ich, wie sein Blick sich plötzlich verfinsterte. Zugleich sah ich Martha halb eilig, halb zögernd über den Platz kommen. Sie war ganz in schwarz, ein dunkles Kleid, das sie schon im Winter manchmal getragen und darüber einen breiten Sommerhut aus schwarzem Stroh.

Bernhard stierte wie auf ein Unheil mit drohenden Blicken auf die Näherkommende und stieß einen Fluch aus:

»Himmel, ist die denn verrückt, mit einem solchen Hut!«

Wirklich, wie auch ich jetzt beobachtete, der Hut kleidete sie schlecht. Sein unförmiger Rand überschattete ihr Gesicht und ließ die ganze Gestalt mager und gedrückt erscheinen.

Eine dunkle Wolke verfinsterte die helle Heiterkeit der Sommerstimmung von soeben.

Während sie ihm die Hand reichte, sagte er, ohne daß sein Ausdruck auch nur um ein weniges freundlicher ward:

»Du kommst aber spät, du ... Unglücksrabe.«

Sie flüsterte ein paar Worte der Entschuldigung und dabei krümmte sich ein fast bitter schmerzliches Lächeln um ihre Lippen ... Sie hatte ein Gesichtchen, das einige Falten entstellen konnten. Ihre ganze Schönheit lag in der holden Zierlichkeit der Züge und ihrem wunderbar reinem Teint.

Und da bekam ich plötzlich den größten Schreck, als ich merkte, warum sie diesen plumpen Farmerhut aufgesetzt und warum ein paar Fältchen die Harmonie wie häßliche Narben zerschnitten.

Rund um die Nase bis zu den tiefer liegenden Augen und über die Stirn waren Sommersprossen verstreut. Nicht viel! Mit einem Pinsel schienen sie hingespritzt. Aber ihr reines Perlmutter war darunter gelb geworden und häßlich, verblichen und verwelkt.

Und wie ich die beiden sich gegenüber stehen sah, meinen nervös zitternden, unangenehmen Freund und ihr ängstlich gespanntes Gesicht, da empfand ich inniges Mitleid mit der kleinen Maus. Ich versicherte ihr und ich that es so, daß sie es glauben mußte, der Hut stände ihr ausgezeichnet und niemals sei sie so hübsch gewesen.

Aber was half das, wenn sie mir gefiel? Ihm gefiel sie nicht. Das zeigte seine zornige, finstere Stirn.

Und doch, was hatte es eigentlich gegeben, das ihre Seelen auseinander riß? Keinen Streit, keine Untreue, keinen Wortbruch. Welch ein Verbrechen hatte sie denn begangen? ... Ein häßlicher Hut, ein paar Sommersprossen! ...

Und das sollte das Ende sein?

Der Nachmittag, den wir verbrachten, im Grunewald, war entsetzlich.

Überall diese fröhlichen, geputzten Menschen, in dem ersten Glanz ihrer Toiletten und ihrer sonntäglichen Laune. Und darunter wir, zwischen denen wie ein Gewitter die verhaltene Mißstimmung lag. Nicht, daß mein Freund schlecht gegen sie war, in Worten, oder sie mißhandelte. Aber an jedem Atemzug, an jeder Bewegung, an jedem Zusammenzucken, als wenn jetzt seine Wut losbrechen würde, mußte sie merken, wie sehr sie ihm zur Last fiel. Sie selbst war auch nicht mehr die Frühere, die Muntergelaunte und Frohe. Sie wagte nicht mehr so fröhlich zu plaudern und zu jubeln wie sonst.

Während wir in einem Gartenlokal Kaffee tranken, sprach Bernhard kaum ein Wort. Jedesmal, wenn er sie ansah, verfinsterte sich sein Gesicht.

Nur ich redete. Ich weiß nicht mehr, was? Aber ich redete wie eine Mühle, um bloß dies entsetzliche gewitterschwüle Schweigen zu unterbrechen. Doch was konnte ich thun? Sie suchte nur nach einem Blick von ihm. Und er hatte seinen Stuhl abgerückt, als wenn er überhaupt nicht zu uns gehörte.

Niemals empfand ich ihre Abneigung gegen mich so bitter, so schmerzlich, wie an jenem Nachmittage! Zu all meinen Worten nickte sie nur zerstreut mit dem Kopf. Und wenn sie mich ansah, so schienen ihre Blicke zu sagen: ›Schweigen Sie doch um Gotteswillen still. Das alles macht das Elend ja nur noch größer.‹

Und doch hatte ich sie so lieb. Was machte mir das, daß sie einen schlechten Hut aufhatte und Sommersprossen?

Für mich lag in diesem Gesicht voll großer, großer Müdigkeit, das sich nicht mal ermannen konnte zu dem krampfhaften Lächeln von vorhin, ganz etwas Wunderbares, Hinreißendes. Und das war jene reine und grenzenlose Liebe, die sich erst ihrer ganzen Tiefe in ihrem Unglück bewußt ward.

Aber wenn Bernhard ihr einen zornigen Blick zuwarf, war es fast ein körperlicher Schmerz, sie anzuschauen. Ihr Antlitz wurde welker, immer welker – wie jene zarten Blüten, die zwischen Winter und Sommer in einer Nacht erblühen, um andern Tags zu sterben.

Als wir sie endlich zu ungewohnt früher Stunde nach Haus begleitet hatten und allein in der dunklen Elisabethstraße standen, da – eh' sich noch die Thür ganz hinter ihr geschlossen hatte – schrie mein Freund in die Nacht hinaus:

»O mein Gott! Endlich zu Ende. O welch ein Tag! Welch ein entsetzlicher Tag. Wie ein Jahr so lang hat er ja gedauert.«

Ich tröstete ihn und schob die Schuld der schlechten Stimmung auf die Abgespanntheit von gestern.

»Sollst du sehen, wenn ihr euch nächsten Sonntag wieder trefft, dann gefällt sie dir so gut wie früher.«

Er aber schrie:

»Wiedertreffen!? Bist du verrückt? Nie! Nie! O weißt du, ich kam mir vor wie ein Fabrikarbeiter, der sein in Elend und Schmutz verkommenes Weib mit sich schleift. Eine Last. Eine verfluchte Kette ... Und hast du gesehen, wie die Leute uns anglotzten? Mit Sticheln und Verwundern. ›Was haben denn die beiden sich für ein verhungertes Zicklein aufgegabelt?‹ so sprachen sie. O es war entsetzlich. Niemals kann ich sie wiedersehen. Mit ihrem Hut und ihren Falten und ihren Sprenkeln.«

Da fuhr ich ganz brutal heraus:

»Aber darum läßt man sie doch nicht sitzen. Sie kann doch nichts dazu. So was ist doch eine Gemeinheit.«

»Und meinst du, uns jetzt noch mit einander herumschleppen zu gegenseitiger Last, das wäre keine größere Gemeinheit? Und sich mit ihr zanken, auffahren wegen nichts und wieder nichts! Mein Gott, siehst du nicht, wie ich an allen Gliedern zittere? Und wie die Wut in mir kocht? Ich würde sie prügeln, das weiß ich ganz genau, wenn ich sie noch einmal sähe. Und ist es da nicht besser, Schluß zu machen, mit einem harten aber kurzen Schlag?« – –

An jenem Abend, während ich traurig nach Hause ging, empfand ich zum erstenmal klar die Natur unseres Verhältnisses zwischen meinem Freund und mir. Und mit unsäglich bitterer Verachtung meiner selbst fühlte ich, daß er mich ganz beherrschte, während ich nicht die geringste Macht über ihn besaß. Was halfen all meine Reden und Vorwürfe? Den ganzen Nachmittag hatte ich dagesessen wie eine Null, ohne zu helfen, ohne zu lindern, gleich einem Zuschauer, der das Trauerspiel auf der Bühne sich vollenden lassen muß, mag ihm das Herz auch dabei bluten – so wie ein anderer es will.

Und doch hatte ich Thor noch immer Mut zu neuen Hoffnungen. O, es würde schon wieder werden. Es würde sich einst noch erfüllen, so wie ich träumte und wünschte.

*

Aber es geschah nach dem, was Bernhard gesagt hatte. Martha schrieb noch ein paar Briefe, kurze, zaghafte Briefe mit vielen H's und E's, die von ihren Thränen verwaschen waren. Mein Freund beantwortete keinen. Dann hörten wir eine Zeitlang nichts mehr von ihr. Er schien sie vergessen zu haben, und ich glaube es fast. Aber ich habe noch oft an sie zurückgedacht.

Wenn ich während jener traurigen Wochen allein in einem dunklen Lokal der Chausseestraße zu Mittag aß, mußte ich oft den Kopf in die Hand stützen und der vergangenen Zeit nachgrübeln. In der Erinnerung durchlebte ich alle Ereignisse viel stärker und Martha trat mir immer lichter vor die Seele.

Aber in einer solchen Stunde war es, daß mir plötzlich ein dunkler Verdacht aufstieg. Ich steckte sofort einen großen Bissen in den Mund, als wenn ich ihn damit niederschlucken könnte. Aber zu gleicher Zeit brach ein siedender Schweiß aus allen meinen Gliedern und ich fühlte, wie mein wollenes Hemd mir schmerzlich die wie wunde Brust scheuerte.

Ich gab meinen Gedanken eine andere Richtung. Doch diese dunkle, unheimliche Ahnung erhob sich immer erschreckender. Ich stellte mir ihr reines Antlitz vor ... das fröhliche Kinderlachen meines Freundes. Nein, es konnte nicht möglich sein.

Und trotzdem ... trotz alledem ... Es wurde mir fast zur Gewißheit, wenn ich mich kleiner Einzelheiten erinnerte, die ich damals im Rausche übersehen.

Schließlich brach ich fast zusammen und ich sagte mir, du bist entweder der verworfenste oder der thörichtste Mensch, den es in Berlin giebt.

Übrigens hatte ich diesen Verdacht nur in der einen Stunde, später nicht wieder. Bis ich dann die Gewißheit erfuhr.

*

Ein paar Wochen später, als mein Freund mich zum Thee einlud, nahm ich mir den Mut, ihm wegen Martha Vorstellungen zu machen.

Es war ein wunderbarer Juniabend. Der Nachthimmel träufte seine ganze Klarheit durch die geöffneten Fenster. Und das gelbe Lampenlicht verglomm vor dem Geflimmer der Sterne.

Wir hatten Thee getrunken und saßen in jenem vertraulichen Schweigen, das oft mitteilsamer als vieles Reden ist, einander gegenüber.

Er schenkte mir einen Likör ein.

Und in dieser angenehmen Stimmung begann ich von ihr zu sprechen. Auf das Kissen anspielend, das sie ihm in jenen Stunden des Glücks gestickt hatte, fragte ich:

»Mußt du nicht oft an die kleine Maus zurückdenken, wenn du sie stetig vor dir siehst?«

Er lächelte und zeigte auf die andern Erinnerungen.

»Soll ich an all' die kleinen Mädchen denken, die mich da Tag und Nacht umgeben?«

»Sind es lauter Geschenke von jungen Damen?«

»Meistens,« antwortete er leichthin. »Aber wenn ich bei jedem sagen sollte, wann und von wem ich es gekriegt, müßte ich mich lange besinnen ... Übrigens hast du recht, ich denke oft an sie zurück. Das heißt, sie veranlaßt mich dazu, indem sie mir alle zwei Tage schreibt. Wenn sie bloß wüßte, wie mich das langweilt.«

»Und du antwortest nichts?«

»Was denn? ... Die Wahrheit kann ich ihr doch nicht schreiben, daß ich sie häßlich finde und überhaupt nicht begreife, wie sie mir jemals gefiel? Siehst du, ich weiß nicht, ob alle Männer so sind ... Ich lieb' sie ja noch immer, nur sehen könnte ich sie nicht mehr. O, ich würde sie hassen, wenn sie mir noch einmal vor die Augen käme ... Ich habe ihr geschrieben, meine Tante wollte mich enterben, wenn ich nicht binnen sechs Wochen Examen machte. Das ist doch ein verteufelt einleuchtender Grund. Und ich denke, sie könnte sich damit begnügen.«

Ich verlor mich in nutzlose Grübeleien. All' das, was er mir da sagte, konnte ich mit dem Verstand begreifen und doch dünkte es mich so grausam, wie eine Verwundung meines eigenen Herzens. Dann platzte ich heraus:

»Du hast ein Mädchen geliebt. Und sie liebte dich wieder. Immer war sie lieb und gut. Und plötzlich stößt du sie von dir. Warum? Weil sie Sommersprossen und einen häßlichen Hut hat ... Ich kann und kann nicht begreifen, wie das recht sein soll.«

Aber er zuckte die Achseln: »Was ist da Recht und Unrecht ... Das ist einfach das Leben.«

Wir schwiegen wieder.

Mir graute vor dieser Welt. Und hinter den Freuden, die ich gesehen ahnte ich nur Leid und Thränen.

Aber er legte die Hand um mich und sagte:

»Nun, machen wir Schluß. Du stimmst einen ordentlich traurig mit deinem Armensündergesicht. Du hast doch sicher keine Schuld.«

Und doch konnte ich nicht darüber hinweg. Es nagte und fraß an mir.

»Hast du mir nicht erzählt, wie leichtsinnig die Mädchen mit ihrem Leben umspringen? Könntest du eine solche Verantwortung auf dich laden?«

Aber er lachte auf.

»Was hab' ich nicht alles gesagt. Und damals hatte ich sechs Cognaks getrunken ... All' diese kleinen Mädchen, die du hier siehst, sind weder aus dem Fenster gesprungen noch ins Wasser gegangen. Sie sind jetzt glücklich und machen einen andern glücklich.

Dies letzte klang mir wie eine Beleidigung meiner selbst und bitter sagte ich:

»Glaubst du, daß Martha dies könnte?«

»Nach ein paar Wochen – ja ... Ach, was weißt du guter Mensch, du Held der Bücher, was weißt du vom Leben! Wie einfach und natürlich es zugeht und wie schließlich alles im Sande verläuft ... Ich hab' schon mal über dich nachgedacht. Du wirst das Leben nie begreifen ... dir fehlt der Schmutz der Phantasie. Du kannst nur das denken, was nicht ist und niemals sein wird. Aber das, was ist, kannst du dir nicht vorstellen.«

Diese Anspielung auf meine Unwissenheit wirbelte plötzlich jenen alten Verdacht in mir auf, so heftig, so furchtbar, daß ich, nur um im Augenblick Klarheit und Beruhigung zu haben, stockend herausbrach:

»Hat ...«

Er verstand mich, ohne daß ich es aussprach. Auf seinem Gesicht, das in diesem Augenblick ganz dem eines Kindes glich, malte sich ein halb verschämtes, halb still überlegenes Lächeln.

»Ach, kleiner Schwachkopf du ...,« sagte er langsam.

Aber ich, zitternd vor Erregung, schüttelte ihn, während ich schrie:

»Mein Gott, sag mir, bist du zum Verbrecher an ihr ...«

Da fuhr er in plötzlichem Zorn auf mich los:

»Hältst du mich denn für blödsinnig? Wir sind doch keine dummen Jungen hier, daß wir über so etwas Worte verlieren. Teufel noch eins.«

Als wenn ein jäher Schlag meinen Kopf getroffen hätte, hielt ich mir die Hand vor die Stirn. Das ganze Zimmer hatte sich verändert. Und plötzlich erinnerte ich mich, wie einst Martha hier saß, mit ihrem unschuldigen, fröhlichen Gesicht, das sauber gemachte Bett betrachtend, wie sie an jenem Abend gethan – da wollte ich entfliehen. Es war nicht Zorn, nicht Schmerz, der mich wegtrieb, sondern bloß ein grenzenloses, grenzenloses Gefühl von Unfähigkeit, das mir sagte:

›Heraus! denn hier gehörst du nicht her.‹

Mein Freund redete heftig auf mich ein, sagte mir vieles, ich weiß nicht mehr, was, während ich dumpf und dumm vor mich hinbrütete, in der einen Wiederholung:

›Ich verstehe diese Welt und diese Menschen nicht.‹

So vergingen einige Minuten, als wir es schellen hörten. In Momenten der Erregung muß das Gehör eigentümlich geschärft sein, denn wir schraken beide unwillkürlich zusammen und lauschten, obgleich wir ja durchaus nicht wußten, was kommen sollte.

Dann vernahmen wir undeutliche Worte. Aber nach dem ersten Ton wußte ich, daß Martha es war, die sprach und ich glaube, mein Freund wußte es auch.

Und bei dem Klang dieser Stimme war die ganze Dumpfheit meiner Empfindungen verweht. Ich fühlte nichts als namenloses Mitleid. Sie erschien mir so elend, so bejammernswert – und in diesem Augenblick, wo ich die ganze Tiefe ihres Unglücks ermaß, kam mir auch zum erstenmal die klare Erkenntnis, wie tief ich sie liebte.

Aber ich war zusammengebrochen und unfähig, mich zu erheben.

Die Stimme der Hausfrau im Flur klang ganz vernehmlich.

»Aber liebes Fräulein, das Licht kam ja von mir. Ich war im Zimmer und habe reine gemacht.«

Doch die Unglückliche schien nicht gehen zu wollen.

»Bitte, bitte, liebe Frau, lassen Sie mich herein. Ich weiß ja, daß er drinnen ist. Bitte, sehen Sie doch mal nach. Ich muß ihn sprechen.«

Bernhard aber sprang zur Thür und verriegelte sie. Und ich Elender blieb auch jetzt noch wie gelähmt und kraftlos sitzen – ehe ich aufstand und ihn fortstieß.

»Du mußt sie hereinlassen. Ich will mit ihr sprechen.«

Aber er hielt den Riegel mit der Faust umklammert. »Wenn du mit ihr sprechen willst, gut. Aber dann bitte, draußen.«

Ich stürzte hinaus. Martha war verschwunden.

*

Erst auf der Potsdamerstraße sah ich ihre kleine Gestalt mit gebeugtem Haupt mühsam einen Schritt nach dem andern zurücklegen. In kurzer Entfernung vor mir drehte sie sich, wie auf den Klang meiner Schritte, um. Und mir war, als flöge ein freudiges Lächeln über ihre Züge. Aber als sie mich erkannte, wendete sie blitzschnell den Kopf zurück, und ehe ich sie anreden konnte – lief sie, floh sie wie vor jemandem, den man haßt, vor mir, der ich sie trösten wollte, der es so gut mit ihr meinte ...

Traurig blieb ich zurück. War es nicht besser, sie ihren Weg allein gehen zu lassen, wenn meine Nähe ihr so unerträglich war! Aber aus den Augen ließ ich sie nicht.

Vor der Brücke hemmte sie ihren Schritt. Dann hatte das Dunkel sie plötzlich verschluckt. Und mich faßte der entsetzliche, vorwärts reißende Gedanke: »Wenn sie sich ein Leid's anthäte? Wenn sie in's Wasser spränge?« ...

Sie stand an dem Geländer und schaute hinab. Unter ihr schlummerte der dunkle Kanal, in dessen Fluten zwei Omnibuslaternen unheimlich zitternde Blutstropfen ergossen.

Ich trat an sie heran: »Fräulein Martha!« und legte die Hand auf ihre Schulter, ohne daß sie sich rührte.

»Fräulein Martha! Gehen Sie nach Hause! Gehen Sie von hier. Wie können Sie so spät Nachts auf dieser Straße stehn bleiben!«

Aber sie riß sich los.

»Lassen Sie mich! Sonst rufe ich die Polizei.«

Mir krampfte sich das Herz zusammen. Warum sagte sie mir ein solches Wort?

Und doch hing ich mich an ihre Schritte, während sie ihren Weg fortsetzte. Ich ließ sie nicht. Die Angst bannte meinen Blick auf ihre Gestalt, diese Todesangst, die mir in abwechslungsloser Folter die gleichen gräßlichen Bilder durchs Hirn jagte: einen herabgestürzten Körper, starrende Augen und aufspritzende Ströme Bluts.

Sie suchte mir zu entgehen. Ich merkte es an dem Zucken ihres blassen Gesichts, wenn sie sich rückwärts wandte und mein starr auf sie gerichtetes Auge traf. Wir waren ungefähr zwölf Schritte von einander getrennt durch einen Menschenwirrwarr, der uns umkreiste. Aber über diese Menge erhoben unsere Seelen sich und rangen miteinander in stummem, körperlosem und unsichtbarem Kampf. Gegen ihren verzweiflungsstarken Willen zum Tode, der den zusammenbrechenden Gliedern immer neue Kräfte gab, setzte ich meine zähe Ausdauer, meine Angst um ihr Leben, daß ich sie nicht sterben lassen konnte.

Auf der Weidendammerbrücke wiederholte sich dasselbe wie vorhin. Sie blieb stehen und sah in die Spree hinab. Aber ich war an ihrer Seite. Ich flehte, bat, ich weinte fast, sie möge doch nach Hause gehen. Doch sie hörte mich nicht, wollte nicht hören. Und immer neue Reden und Bitten und Vorstellungen verschwendete ich, bis sie schließlich, ohne ein Wort, sich umdrehte und mir den vollen Blick ihres Antlitzes bot. O ein Antlitz so elend, so leidend, so voll der Müdigkeit und des Ekels am Leben und zugleich so voll Sehnsucht nach endlicher Ruhe und nach Tod – daß mich all meine Worte schamlos und verächtlich dünkten, und ich meine Augen senkte, während der Gedanke mir durchs Hirn schoß: »War es nicht eine Grausamkeit, sie zu verfolgen und ihren Vorsatz aufzuhalten? War für dies schmerzgefolterte Antlitz der Tod nicht eine Erlösung?«

In diesem Augenblicke hätte ich das Verbrechen auf mich laden mögen, sie ihrem Weg, der mir eine Notwendigkeit schien, zu überlassen.

Aber ich konnte und konnte es nicht ertragen. Mein sittliches Gefühl, alles, was man mir durch lange Jahre gepredigt und was ich bis dahin geglaubt, empörte sich dagegen. Ich belog mich mit trügerischem Trost, daß sie vergessen, daß, wenn sie nur diese Nacht überwand, sie wieder gesunden würde.

Und dann mußte ich an Bernhard denken ... Und jeder Schritt, den ich ihr folgte, führte mich von ihm hinweg. Wie und wann wir uns auch immer wiedertrafen, so wie ich ihn noch vor einer Stunde gesehen, würde ich ihn niemals mehr sehen. O, in diesen Augenblicken lernte ich ihn verstehen. Unsere ganze Freundschaft von der Schule her, diese langen Jahre des Glücks bis zu jener Stunde, zogen an mir vorüber. Und wenn mein blutendes Herz, das ihn nicht lassen konnte, in mir schrie: ›war er nicht doch gut, damals und damals?‹ – dann blickte mein Auge auf dies von allzu unmenschlichem Weh gebeugte Haupt, auf diese Gestalt, die er gebrochen, und – Faser auf Faser, Wurzel auf Wurzel, ach, so schmerzlich, so schmerzlich! zerrissen die alten innigen Bande, aus denen ich doch einst meinen ganzen Lebensinhalt gesaugt ...

Aber zugleich, auf diesem endlosen Weg, während ich ihren Strohhut, der wie ein dunkler Schatten der Trauer auf und niederschwebte, nicht eine Sekunde aus den Augen verlor, empfand ich mit krankhaft klaren, wie im Fieber überdeutlich wahrnehmenden Sinnen dies ganze Nachtleben, das mich umgab. Ich sah bis in die kleinsten Einzelheiten, bis auf die unwahrnehmlichsten Züge jeden einzelnen Menschen, der in dem breiten, tausendwogigen Auf- und Abstrom an mir vorüber schoß. Und ich hätte aufschreien mögen: –

»Das alles ist ja nicht wahr, was ich früher geschaut. Ich bin ja blind durch diese Straßen, an all diesen Menschen vorüber gegangen. Ihr kennt euch vielleicht selbst nicht. Aber ich kenne euch. Aus euch allen grinst die Gemeinheit und der Tod!«

Die ganze Stadt, die in jener wunderbaren Juninacht ihr vielfarbiges Lichtermeer lautlos bis zu den Dächern brandete, schien mir in den Rasereien des Sterbens zu liegen, während droben ein weicher, milder Sternhimmel seine silbernen Thränen auf ihr ungeheures, krankes, zuckendes Herz herabtaute. – –

*

Wie lang ich ihr in jener Nacht auf ihrem Weg zum Tode nachgeirrt, vermag ich nicht zu sagen. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, schwebt ein schwarzes gurgelndes Wasser vor meinem Geist – wie ein gähnendes Grab. Und dies Wasser dehnt sich ins Endlose, umkreist, umschlingt uns gleich einer Kette, und aus seinem Abgrund erklingen dumpfe Töne: »Wir holen sie doch, wir dunklen, tiefen Gräber. Heut oder morgen ...«

Meine Kräfte brachen zusammen, während im Wahnsinn sich alles vor meinen Augen drehte. Endlich, gegen Morgen, als ich nicht mehr wußte, in welcher Gegend wir uns befanden, schloß Martha ihre Hausthür auf, ohne sich noch einmal nach mir umzuwenden. – –

Die folgenden Tage stürzte ich mich in die Arbeit. In eine Arbeit ohne Fortschritte, ohne Ruhe, ohne Genuß. Sie war nur ein Übertäuben meiner Angst.

Aber nach acht Tagen gänzlicher Einsamkeit trieb es mich in die Charlottenstraße, wo Marthas Atelier lag.

Es war Feierabend. In kleinen Trupps stürmten die Stickerinnen heraus, ihre Fröhlichkeit überallhin ergießend.

Schließlich kam auch sie: die allerletzte, die einzige, auf die keine Freundin wartete. Über die Straße, die in rötlichem Nachglanz der schon versunkenen Sonne flimmerte, schlich sie mir entgegen, mit gebeugtem Haupt, im Arm die weiße Stickrolle. Und ich floh, um ihr meinen Anblick zu ersparen: beruhigt, weil ich sie noch am Leben wußte und zugleich so schmerzlich berührt, als hätte meine Angst sich bestätigt. – –

Zwei Monate lang nichts als harte ununterbrochene Arbeit. Nur in den spätesten Stunden der Nacht, wenn der Docht meiner petroleumleeren Lampe rußig verkohlte, zwischen zwei und drei Uhr morgens, gönnte ich mir eine kurze Erholung, da mein vom Thee erhitzter Kopf keinen Schlaf finden konnte. Dann las ich meine Lieblingsbücher. Und mit Erstaunen bemerkte ich, wie mein Verständnis sich für sie vertieft hatte. Eine ganz neue Welt schien meiner Seele aufgegangen und meine Augen waren argwöhnischer, hellsehender geworden.

Im Verlauf des August besuchte auch Bernhard mich wieder. Nach der ersten halben Stunde einer peinlichen Mißstimmung brachte er das Gespräch auf meine Doktorarbeit. Er, der früher über philologische Wortklaubereien nur gespottet hatte, zeigte jetzt das lebhafteste Interesse. Es gelang ihm nicht, mich wieder zu berauschen; die Vergangenheit stand zwischen uns. Doch ich hatte einen Menschen nötig in dieser Einsamkeit der Arbeit. Und diesmal war er es nicht, der sprach, sondern ich. Aber vielleicht legte er – ohne es zu wollen – noch mehr Kunst, noch mehr Geschmeidigkeit, noch mehr Enthusiasmus in sein Zuhören als er jemals bei seinen Gesprächen aufgewandt.

Eines Abends im September, acht Tage bevor ich meine Arbeit einreichen mußte, lief ich noch zu später Stunde in die Lützowstraße, um mir Rats von ihm zu holen. Aber er war nicht zu Hause. Während ich keuchend im Sofa saß, begann seine Wirtin eine Unterhaltung mit mir. Sie war sehr erfreut, mir etwas neues mitteilen zu können. Ich wußte nicht, daß ›das Fräulein ins Wasser gegangen? ... Nun, das war doch großartig traurig. Und sie konnte es beweisen.‹

Mir stand das Herz still in furchtbarem Schreck.

Aber sie lief hinaus, um einen Stoß Zeitungen zu holen. Alle schon acht Wochen alt. Alle enthielten in denselben Worten die kurze Notiz des Selbstmordes der Martha Kl ...

Den folgenden Tag, und jede Stunde, jede Minute dieser letzten Tage schienen mir gezählt, verbrachte ich in dumpfem Brüten, ohne daß mein wie gelähmtes Hirn den Kreis der ewig gleichen Vorstellungen durchbrechen konnte.

Als ich Bernhard zur Rede stellte, gestand er mir, daß er dies alles schon lange gewußt. Er hatte es mir verschwiegen, um mir die Aufregung zu ersparen.

Und der Gedanke, daß er fast täglich bei mir gewesen, fröhlich und mich selbst aus meinem Trübsinn, aus meiner Examensangst zur Fröhlichkeit mitreißend, daß er mit dem klarsten, ungeteiltesten Interesse meinen Arbeiten gelauscht, auch in jenen Tagen, wo er die Nachricht ihres Todes erfuhr – dieser Gedanke war mir noch furchtbarer als der an Marthas Ende selbst, das ich fast mit Gewißheit vorausgeahnt ...

Aber so ist das Leben, dies verhaßte und verfluchte Leben der Großstadt, das bis zu den höchsten Stockwerken hinaufsteigt, in die stillen Kammern selbst der Einsamsten und Verborgensten dringt und sie in den gärenden Wirrwarr hinabreißt: es kommt immer mit vielen Dingen auf einmal. Nie läßt es uns Zeit, uns selbst zu finden. Es ist ein Strudel von Aufregungen, von denen eine die andere überstürzt. Und nie können wir ein Glück oder ein Unglück ganz ausleben, weil schon das neue von heute das alte Gestern verschlungen hat ...

Der Gedanke an mein Examen riß mich wieder empor. Ich arbeitete und arbeitete und sagte meinem müde zitternden Kopf, daß ich noch immer nicht genug gearbeitet.

Aber endlich bestand ich es doch. Ich bestand es summa cum laude, – und fühlte mich so glücklich, atmete so freudig auf in dieser Befreiung von der monatelangen, niederdrückenden Last, als mein kranker, matter, stumpfsinniger Kopf es nur irgend fertig bringen wollte. – –

Nach der Promotion schleppte Bernhard mich mit sich in ein Weinlokal, wo wir Champagner tranken, den er bezahlte.

Und da, als er sich hinter dem letzten Bissen eine Cigarette in den Mund gesteckt hatte, meinte er plötzlich, ob wir nicht in die frische Luft wollten?

Trotz des schlechten Wetters stimmte ich zu. Mir war alles gleichgiltig. Ich fragte nicht mal, wohin?

Erst als uns die Pferdebahn vom Gensdarmenmarkt aus immer mehr den Flanken der Stadt zutrug, schaute ich mit halbmüdem Erstaunen um mich. Und er antwortete auf diesen Blick leichthin:

»Wir fahren nach Rixdorf. Ich möchte Marthas Grab mal sehen.«

*

Aus der Riesenstadt der Lebendigen, die mit ihrem brausenden Getümmel uns im Rücken lag, waren wir in die stumme, traurige Stadt der Gestorbenen gekommen. Endlos, schnurgerade erstreckten sich die kahlen Mauern der Kirchhöfe und Begräbnisplätze.

In langsam müden Schritten zogen schwarze Wagen an uns vorüber, alle die bergend, die die Großstadt zu Tode gehetzt.

Dann wurde die Gegend freier. Unter einem grauen Himmel weithin sich abrollende Felder mit schwach grünender Wintersaat, zwischen der zerbrochene Scherben, verrostete Blechbüchsen, der ganze Unrat Berlins, lagen. Eine unermeßliche Traurigkeit ruhte auf dem weiten Plan. Und mir war, als würden wir alle davon angesteckt, der Kutscher, dessen Blick etwas starres, auf das Unabsehbare gerichtetes bekam, die Gäule mit wehenden Mähnen und die wie ein Schiff auf- und abstampfende Pferdebahn.

Nur Bernhard rauchte gleichmütig seine Cigarette, deren Dampf der Wind haschte und verwehte.

Endlich kamen wir an den Kirchhof, auf dem Martha begraben lag.

Wir gingen die gleichmäßigen Reihen der Grabhügel ab. Die meisten hatten noch keine Steine. Und wir fragten einen Mann, der an einer neuen Grube schaufelte. Er versprach uns, gleich in den Registern nachzuschlagen. Für den Augenblick hatte er keine Zeit, da gerade ein neuer Sarg hereingetragen wurde.

Der Kirchhof war ein weiter Platz, durchschnitten von zwei Reihen niedriger Tannen. Ringsum eine mannshohe Wand aus rauhen, geschwärzten Planken. Ein todesgrauer Himmel hing dicht über unseren Häuptern. Auf den Feldern lagen Neubauten verstreut mit nackten Mauern und leeren Fensterlöchern. Nur ein einzelnes vollendetes Haus ragte in einiger Entfernung herüber, und das Reklameschild über seinem Dach, auf dem in riesigen schreienden Buchstaben geschrieben stand: ›Ballsalon‹, erschreckte mich als der wüste Auswurf jenes unseren Blicken entschwundenen Ungeheuers selbst, das auch hier triumphierte – das bis hier hinaus, bis zu den Toten seine Laster spie.

Für einen Augenblick huschten fadenscheinige Strahlen einer matten Sonne über die braunen, welken Kränze, die zerbrochen und zerfranzt zwischen den Wegen lagen, über die gelben Hügel, deren Kanten Regengüsse abgespült und zerbröckelt hatten.

Bernhard ging noch einmal zum Totengräber und sagte ihm das ungefähre Datum ihres Begräbnisses.

Dieser meinte, es müsse irgendwo in Reihe XVII sein. Aber die Reihe XVII hatte keinen Stein, keine Platte, keine Inschrift. Nur kleine, graue Hölzchen mit fortlaufenden Ziffern staken hervor. Und ich stand und las Nr. 36, Nr. 37, und in mein dumpfes, gedankenmüdes Haupt stieg aus der tiefen Erde eine dunkle Empfindung, daß hier Schmerzensschreie und Schicksale und Menschen begraben lagen ...

Wir saßen geduldig auf einer Bank und warteten. In gleichgültiger Müdigkeit sank mein Kopf auf die Seite, hindämmernd zwischen Schlaf und Wachsein. Bernhard warf den nassen Cigarettenstumpf in den Schmutz, und zusammenschauernd schrie er plötzlich:

»O mein Gott! Ich möchte hier nicht liegen. Nicht auf dem Kirchhof und nicht im Wasser. Arme Kleine!«

Und während die Worte zu mir drangen, um erst später, nach langer Zeit, mir im Bewußtsein zu erklingen, fuhr er fort:

»Aber das ist nicht um mich, daß sie ins Wasser gegangen ist. Ihr fehlte Sonnenschein und Festtagsfreude. ... Sie war wie Eva plötzlich vor dem Paradies. Der ewige Alltag hat sie niedergedrückt ... Arme kleine Maus mit so viel Tapferkeit und so viel Stumpfsinn ...«

Durch das triefende Dunkel über den schlammigen Weg, von dem die Tropfen kniehoch emporspritzten, trottete ein Leichenbegängnis mit Pastor und beflorten Trägern und Kränzen auf dem Sarg. Vor dem Wind, der jetzt schrankenlos daherfuhr, neigte sich alles auf die Seite. Und der lange Zug dieser Leute mit hartnäckig eingezogenen Köpfen, die als schwarze Schatten zugleich mit der Grauheit der Regenmassen vorüberwallten, schien mir wie eine Gespensterschar, die in Hast dahinstürmen möchte und zugleich von unsichtbaren Zügeln gebändigt ist. Immer drohten sie außer Kurs zu geraten und es dauerte lange Zeit, bis das Meer der Nacht sie verschlang.

Aber Bernhard hielt es nicht länger aus.

»O, wie ist das schaurig! Komm', laß uns gehn! Was haben wir davon, ob wir wissen, daß sie Nr. 36 oder Nr. 37 ist. Wir wollen machen, daß wir fortkommen.« –

Und da, als wir fliehend den Rücken kehren, kreischt hinter uns ein weiter Schrei. Ein weißer Ballen Dampf erhebt sich träge in der wasserschweren Luft, bis er von einem Windstoß plötzlich zerstiebt. Aber der Pfiff breitet sich auf gigantischen Schwingen und reckt sich, die Unendlichkeit erfüllend.

Und wie ein Echo hallt es in meiner Seele wieder, die jählings erwacht. Und ich muß daran zurück denken, wie einst Martha erschreckt war von solch' einem Pfiff der Lokomotive. – Und auch mir kommt es vor wie ein Schrei der Verstorbenen, ein letzter Aufschrei aus dunkler Tiefe:

»Seht euch doch wenigstens um, wo ich liege. Einen letzten Blick! ...«

Aber Bernhard stürmte hinweg und ließ ungehört den Schrei der Toten verhallen.








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