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Marquise von Pompadour

Dora Duncker: Marquise von Pompadour - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorDora Duncker
titleMarquise von Pompadour
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectidff15cb35
created20061111
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XIV.

Jeanne wußte, daß sie in ihrer nächsten Umgebung außer anderen Neidern und Mißgönnern zwei gefährliche Feinde hatte, vor denen sie die Augen keinen Augenblick schließen durfte.

d'Argenson, der Nachfolger Maurepas', dem der entlassene Minister seinen Haß vererbt zu haben schien, hieß der eine. Er war zugleich der intime Feind Machaults, und da der Großsiegelbewahrer ein ausgesprochener Anhänger der Marquise war, hätte dieser Umstand allein genügt, d'Argenson aufs heftigste gegen sie einzunehmen.

Vor allem aber sah d'Argenson in der Marquise eine gefährliche Gegnerin in bezug auf den mit allen Fibern von ihm angestrebten Posten eines Premierministers.

Jeanne erwiderte diesen Haß des Kriegsministers aufs ausgiebigste. Sie vergab d'Argenson nicht, daß er mit Hilfe Fleurys seinen Kandidaten gegen den ihren bei der Nachfolgeschaft Orrys durchgesetzt hatte.

Sie vergab dem Minister die beleidigenden Prätensionen nicht, mit denen er sich in alle Bestimmungen des Königs, ihre Person betreffend, einmischte.

Ein steter, ebenso heimlicher als erbitterter Kampf wütete zwischen den beiden.

Gestützt auf zuverlässige Freunde, wie Machault, Moritz von Sachsen, Bernis, Onkel Tournehem, die Brüder Pâris, blamierte Jeanne nach Kräften die Maßnahmen des Kriegsministers, kritisierte seine Ausgaben, schalt sie übertrieben, hinderte den König bei jeder Gelegenheit, mit d'Argenson zu arbeiten, ihn nach alter Gewohnheit in seine Nähe zu ziehen.

Der Minister rächte sich, indem er es mit Gewalt durchsetzte, daß bei der Besetzung von Stellen die Kandidaten der Pompadour von den seinen geschlagen wurden, kränkte sie aufs bitterste, indem er seinen Einfluß als den immer noch stärkeren proklamierte.

Da aber weder der eine noch die andere sich stark genug fühlten, den offenen Kampf gegeneinander zu wagen, kamen immer wieder scheinbare Versöhnungen zustande, durch die sich keiner der erbitterten Gegner täuschen noch von der Absicht abbringen ließ, sich gegenseitig aufs nachdrücklichste zu schaden, aus dem Sattel zu heben, sobald die geeignete Gelegenheit kam.

Der zweite gefährliche Feind, Madame d'Estrades, unterstützte den Minister in allen seinen Manipulationen.

Sie, die ihre ganze Existenz der Marquise zu danken hatte, komplottierte unentwegt gegen sie. Jeanne hatte untrügliche Beweise, daß ihre Cousine in d'Argenson verliebt war, daß sie für ihn spionierte, in allen Dingen ihm zu willen war, ja, daß sie nichts Geringeres mit ihm plante, als sich selbst, trotz ihrer sprichwörtlichen Häßlichkeit, beim König beliebt zu machen und sich an ihre Stelle zu setzen.

Da Jeanne die unausgesetzte Gegenwart dieser einstigen Freundin unerträglich geworden war, hatte sie es beim König durchgesetzt, daß ihre Cousine zur »Dame d'atour de Mesdames« ernannt worden war.

Jeanne hatte ihrer Cousine sowohl als den Prinzessinnen mit diesem Arrangement einen großen Wunsch erfüllt. Insgeheim hoffte sie, sich alle Teile durch diese neue Gefälligkeit zu verpflichten.

Den König hielt sie geflissentlich von dergleichen Intrigen so fern als möglich.

Er haßte alles Unangenehme, Aufregende, Peinliche.

Ohnedies war seine Stimmung, trotz der allerliebsten Schwiegertochter, die sich den Trübsinn und die Kälte des Dauphins nicht allzuviel anfechten ließ, nicht eben die beste. Von ewigen Unruhen hin und her gejagt, trieb es ihn von Versailles nach Crécy, von Crécy nach Choisy, von Choisy nach Montretout. Nur Paris, das er nicht leiden konnte, besuchte er so selten als möglich.

Überallhin mußte die Marquise ihn begleiten, er trennte sich kaum noch von ihr. Er erfüllte ihr jeden Wunsch, wenn sie nur bei ihm war, ihn der Qual seiner trüben Stimmungen nicht allein überließ.

Für Jeannes zarten Körper bedeutete diese ewige Unruhe, dieser fortwährend wechselnde Aufenthalt eine große Anstrengung.

Die sorgsame Pflege, die Milchkuren, die Quesnay ihr aufs dringendste angeraten hatte, mußte sie wohl oder übel während der Reisestrapazen außer acht lassen.

Um zumindest ihren Nerven die Aufregungen dauernder Trennungen von ihrem Kinde zu ersparen, hatte sie vom König erbeten, die kleine Alexandra mit sich nehmen zu dürfen.

Louis hatte um so bereitwilliger eingewilligt, als er die Kleine zärtlich liebte.

Die Beschäftigung mit dem munteren, begabten Kinde, das seiner Mutter wie ein Ei dem anderen glich, zerstreute und amüsierte ihn.

Sie hatten ein paar ruhige Tage in Crécy verlebt. Morgen oder übermorgen sollte wieder aufgebrochen werden.

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