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Marquise von Pompadour

Dora Duncker: Marquise von Pompadour - Kapitel 12
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typefiction
authorDora Duncker
titleMarquise von Pompadour
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XI.

Im Hôtel des Chèvres lag eine todkranke Frau.

Auf den Steinstufen des kleinen Palais lastete eine weiße Schneedecke, an den Fenstern blühten die Eisblumen, wie an jenem Abend, als Madeleine Poisson Binet und seine Botschaft mit fliegenden Pulsen erwartet hatte.

Jetzt lag die leidenschaftliche Frau still und reglos zwischen hoch aufgeschichteten Kissen.

Der Atem kam nur schwer, stoßweise und röchelnd aus ihrer Brust.

Ihr einst so schönes Gesicht stand lang, spitzig und gelb gegen die weißen Kassen.

Herr von Tournehem und Charles Guillaume d'Étioles saßen an ihrem Lager. François Poisson war nach Versailles gefahren, um Jeanne und die kleine Alexandra zu holen, die seit einigen Tagen mit ihrer Wärterin bei der Mutter zum Besuch war. Abel war schon zu einer Studienreise nach Italien unterwegs.

Herr von Tournehem entzog Madeleine für einen Augenblick seine Hände, in die sie die ihren gekrampft hielt, und sah nach der Uhr.

Dann wandte er sich nach seinem Neffen, der betrübt und wie verloren neben dem Lager stand.

»Jeanne kann jeden Augenblick hier sein. Geh auf dein Zimmer und halte dich ruhig, solange sie hier ist. Ich werde dir die Kleine hineinschicken, wenn Jeanne es nicht vorgezogen hat, sie bei der Hausset zu lassen.«

Charles weigerte sich zu gehen.

»Ich will sie sehen,« beharrte er eigensinnig, »ich will sie wenigstens einmal sehen. Es ist mein gutes Recht.«

Madeleine warf sich unruhig hin und her.

»Von Recht ist keine Rede. Ihr seid in aller Form geschieden. Beunruhige die arme Kranke nicht!«

Madeleine richtete sich mühsam vollends auf. Sie saß steil wie ein Bolzen. »Geh, steh' der Marquise nicht im Wege!« sagte sie herrisch.

Charles rührte sich nicht.

Da nahm Tournehem ihn sanft beim Arm und redete ihm gut zu.

»Geh', mein Junge! Es ist besser.«

Er schob ihn aus der Tür.

Als die beiden Herren im Treppenflur standen, wurde unten die Haustüre aufgemacht.

Sie hörten Herrn Poisson mit seiner durchdringenden, schwer herabzudämpfenden Stimme sagen:

»Du mußt auf alles vorbereitet sein, Jeanne.«

Dann ein leises Schluchzen der Marquise.

D'Étioles stand wie angewurzelt.

»Komm, komm!« drängte Tournehem.

»Ich muß sie sehen!« knirschte der junge Mann außer sich.

Jeanne, die schon auf dem ersten Treppenabsatz stand, rief Tournehmen mit fester, eiskalter Stimme zu:

»Lieber Onkel! Bitte mir Platz zu schaffen. Ich habe keine Stimmung, fremden Leuten zu begegnen.«

Da wankte der arme Junge gebrochen über den Flur in sein Zimmer.

Jeanne warf sich neben der Mutter nieder und küßte zärtlich die welken, bis auf die Knochen abgemagerten Hände.

»Leiden Sie sehr, meine arme Mama?«

Madeleine blickte mit zärtlichem Stolz auf ihr schönes, reichgekleidetes Kind.

»Meine Jeanne, mein Stolz, mein Glück,« murmelte sie.

Dann machte sie Tournehem und ihrem Gatten, die hinter der Marquise standen, ein Zeichen, das Zimmer zu verlassen.

Sie wollte allein mit ihrer Tochter sein.

Jeanne setzte sich auf den Bettrand und umschlang die Mutter zärtlich mit beiden Armen.

»Küsse mich, mein Kind,« flüsterte sie heiser und stoßweise, »es geht mit mir zu Ende, aber ich sterbe ruhig, ich habe das Höchste erreicht, was ich erreichen konnte: ich habe deinen Triumph gesehen.«

Jeanne lächelte unter Tränen.

»Meine gute, liebe Mama!«

»Halte fest, was du hast, mein Kind. Lasse dich zu keiner Unklugheit hinreißen! Ein jeder Mann ist schwer zu halten. Am schwersten ein König. Sei gut und unterwürfig gegen die Königin, es kann dir nur nützen. Ertrage kaltblütig den Haß des Dauphins. Brüste dich nicht vor deinen Freunden, nur deinen Feinden zeige dich hochmütig, damit sie wissen, du fürchtest sie nicht. Habe Geduld mit den Launen des Königs, laß ihn nie fühlen, daß du ihn beherrschest. Verliere den Kopf nicht, wenn eine andere vorübergehende Leidenschaft ihn packt!

Wenn du alterst und dein Körper ihn nicht mehr zu fesseln vermag, gib ihm doppelt von deinem Geist, gib ihm Freundschaft statt der Leidenschaft. Laß –«

Der sterbenden Frau, die ihre letzten Kräfte für die letzten Lehren an ihre Tochter aufgespart hatte, versagte der Atem. Sie röchelte schwer und fuhr unruhig mit den Händen in die Luft. Dann setzte sie noch einmal zum Sprechen an.

»Laß niemals eine dritte – Person zwischen dich und den König kommen – fahre fort – die – die Jesuiten – zu hassen. Versprich –«

Es war ihr letztes Wort. Aber sie hörte noch den Schwur, den Jeanne ihr leistete, getreu den Lehren der Mutter nachzuleben.

Auf ein Klingelzeichen Jeannes traten François Poisson und Herr von Tournehem in das Sterbezimmer.

Madeleine Poisson lag mit geschlossenen Augen, aber sie atmete noch.

Francois brach beim Anblick seiner Frau in lautes Weinen aus und umarmte heftig seine Tochter, die den zärtlichen Blick nicht von der Sterbenden ließ.

Herr von Tournehem hatte sich zu Madeleine niedergebeugt und küßte die bleiche Stirn. Dann schlug er das Kreuz über sie.

Noch ein paar rasselnde Atemzüge, dann war es vorüber. Madeleine Poisson, die so emsig an den Schicksalsfäden für ihre Tochter und Frankreich gesponnen hatte, war nicht mehr!

Am späten Abend brachte François Jeanne nach Versailles zurück.

Kurz ehe der Wagen vor dem Schlosse hielt, sprach er eindringlich auf die Marquise ein, die in ihrer schweren Trauer stumm vor sich hinstarrte.

Poisson nahm seiner Tochter das Versprechen ab, den König zu einer vornehmen Bestattung der Mutter zu vermögen, ihn dazu zu bewegen, Madeleine Poisson ein Mausoleum in Paris errichten zu lassen. –

Der König, den ein reitender Bote schon von Jeannes Verlust verständigt hatte, erwartete die Geliebte in ihren Gemächern.

Sie war so müde und zerbrochen, daß sie am liebsten mit ihrem Kinde und der treuen du Hausset allein geblieben wäre, sich von ihr hätte zur Ruhe bringen lassen.

Doch aber war sie stolz auf die innige Teilnahme des Königs.

Er zog sie auf sein Knie und küßte ihr die Tränen aus den Augen.

»Mein armes Kind,« weinte er mit ihr.

»Sie hat nicht gelitten, die arme Mama, wenngleich es so den Anschein hatte. Aber weshalb mußte sie schon sterben? Kaum 46 Jahre alt! Sie hat mich sehr geliebt! Wenig Menschen haben mich wirklich lieb,« klagte sie.

»Und ich, Jeanne, liebe ich dich nicht mehr als alles auf der Welt?«

Sie lehnte dankbar den müden Kopf an seine Brust.

»Ja Sire. Aber wer gönnt mir die Liebe Euer Majestät? Die Mutter hat es getan. Alle anderen mißgönnen sie mir, hassen mich, verfolgen mich dafür.«

»Ich schütze dich, Jeanne. Ich, dein König und dein Geliebter. Fürchte dich nicht!«

Nach und nach wich die ungewohnte Schwäche, die der Schmerz in ihr ausgelöst hatte. Sie trocknete die Tränen, sie richtete sich an seiner Brust auf, sie strich das verworrene Haar aus der Stirn.

Mit ihrer sanften, wieder ruhiger gewordenen Stimme klagte sie leise:

»Das schwere Atmen, das Röcheln, das langsame Verebben des Lebens. Nie werde ich's vergessen.«

Des Königs Todesfurcht wurde wieder wach.

Ihn schauderte. Er vergaß den Gram der Geliebten. Er vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte laut.

»Gräßlich, gräßlich. Sterben müssen, den dunklen Weg gehen müssen, den niemand kennt, allein, allein! Ohne eine Hand, die uns hält, ganz allein.«

Er ächzte laut. Das Grauen schüttelte ihn.

Sie nahm ihn in den Arm. Seine Schwäche dauerte sie.

Das trauliche du, das er so oft vergebens von ihr erbeten, kam ungewollt über ihre Lippen.

»Ich gehe mit dir, ich lasse dich nicht allein. Ich halte deine Hand, ich sterbe mit dir, ein König sollte nie allein sein, auch im Tode nicht!«

Er hob zaghaft das schöne Haupt und sah sie fragend an.

»Versprich es mir, Jeanne, gib mir dein Wort darauf, ich bin um soviel älter als du, ich werde der erste sein. Versprich mir, daß du mit mir gehst!«

Sie faßte seine beiden eiskalten Hände.

»Mein Wort darauf, Sire.«

Lange saßen sie stumm. Dann fing Louis von der Beisetzung der Mutter zu sprechen an.

»Ich werde der Armen eine Grabstätte in der Kapuzinerkirche kaufen. Sie soll liegen, wo die Vornehmsten meines Landes liegen. Sie war deine Mutter, Jeanne.«

Die Marquise atmete auf. Was er dem Gedächtnis ihrer Mutter bot, war so viel, daß ihr die Bitte um ein Mausoleum, das sie dem Vater zugesagt, erspart blieb. – – –

Louis ließ kein Mittel unversucht, um die Geliebte zu zerstreuen, ihr über den Schmerz um die Mutter fortzuhelfen. –

Madame Poisson war gerade am Weihnachtstage gestorben. Bis zum Schluß des Jahres blieb der König unzertrennlich von Jeanne. Er führte sie nach Choisy, er lud François Poisson ein, seiner Tochter dort Gesellschaft zu leisten.

Er wollte das große Fest in Marly absagen lassen, um Jeanne in ihrem Schmerz nicht zu kränken.

Die Marquise verweigerte energisch diese Rücksichtnahme auf ihre persönliche Trauer. Sie wußte nur allzugut, was sie damit bei der ihr wohlgesinnten Hofgesellschaft wieder aufs Spiel setzen würde, welche Trümpfe sie dem Dauphin und seinen Freunden, den Jesuiten, in die Hand gab.

Louis beschenkte die Marquise am Neujahrstage überreich für diese Selbstlosigkeit.

Auch der Königin gab er, zum erstenmal seit vielen Jahren, ein Neujahrsgeschenk, das Maria Leszinska entzückt empfing, eine kostbare Dose, in Gold und Emaille gearbeitet. In ihrem Deckel war eine zierliche Uhr eingelassen.

Der König hatte das kleine Kunstwerk schon im Spätherbst bei Lazare Duvaux bestellt, um es – Madame Madeleine Poisson am Neujahrstage persönlich zu überreichen!

Während die Tochter in tiefem und aufrichtigem Schmerz die Mutter betrauerte, sang man in Paris und Versailles auf allen Gassen:

»Ci gît qui, sortant d'un fumier
Pour faire une fortune entière
Vendit son honneur au fermier
Et sa fille au propriètaire.«

Rasch folgten die Feste dieses Winters einander, die durch die Anwesenheit der Dauphine und der beiden ältesten Töchter des Königs ein neues, frisches Gesicht bekamen.

Madame Henriette, die Zwillingsschwester der Infantin, und Prinzessin Adelaide hielten ihren Haushalt unter Beistand ihrer Ehrendame, der Marschallin de Duras selbständig für sich, und besonders die lebenslustige Henriette arrangierte mit Hilfe der Marquise von Pompadour eine Reihe glänzender Feste, von denen selbst die Königin sich nicht gänzlich ausschloß.

Auch bei allen Veranstaltungen des Königs hatte Jeanne die künstlerische, leichtbildende Hand im Spiel, schuf sie mit ihrer nie ermüdenden Phantasie immer neue originelle Abwechslungen.

Im Reithaussaal hatte sie die Aufführung großer, phantastischer Ballette eingeführt, die das Entzücken der illustren Gesellschaft waren. Vornehmlich mit »Zéliska«, zu dem Lanoue die Idee gegeben und Jélyotte die Musik geschrieben, wurden außerordentliche Erfolge erzielt.

Das letzte große Fest vor den Fasten war der berühmte Opernball in Paris.

Der König, der ursprünglich hatte fernbleiben wollen, entschloß sich noch im letzten Augenblick, den Ball inoffiziell mit Jeanne zu besuchen. Die Begleitung, die er befohlen, bestand nur aus wenigen Personen.

Jeanne trug den Schmuck, den sie bei ihrer ersten Vorstellung bei Hofe getragen, dazu eine hellblaue, über und über in Gold und Perlen gestickte Samtrobe von unermeßlichem Wert. Obwohl sie sich müde und abgespannt fühlte, war ihre Haltung wie immer eine vollendete. Niemand sah es ihr an, wie wenig ihre Nerven nach dem Tode der Mutter den großen Anforderungen der Feste, der fortwährenden geistigen und körperlichen Inanspruchnahme durch den König standhielten.

Schöner war sie denn je. Der zarte Teint übte in seiner leuchtenden Blässe einen ganz besonderen Zauber aus.

Als sie mit dem König, gefolgt von den Damen d'Estrades und Du Roure, den Saal der Oper betrat, war das Aufsehen ein ungeheures. Alles umdrängte, bestaunte und kritisierte sie. Niemand dachte mehr an den Tanz.

Immer neue Personen erbaten die Ehre der Vorstellung durch die Herren der Begleitung. Anliegen wurden vorgebracht, heimliche Verwünschungen ausgestoßen, Schmeicheleien der Marquise ins Gesicht gesagt.

Der König schien heute Nebenperson. Ganz Paris kannte Louis den Vielgeliebten. Die berühmte und berüchtigte Marquise aber, die kleine Poisson, die obskure Madame d'Ètioles, die sich so rasch in das Herz des Königs gestohlen hatte, die ihn so gänzlich beherrschen sollte, wollte man endlich bei nahem besehen.

Ayen und dem Herzog von La Vallière gelang es endlich, Raum für die Passage zu schaffen.

Der König zog sich in den Hintergrund einer Loge zurück.

Die Marquise setzte mit Madame d'Estrades und den beiden Herzögen ihren Weg durch die glänzenden Festsäle fort. Nach wenigen Schritten wurden sie aufs neue umzingelt, beinahe eingeschlossen.

Die Marquise kam in fast körperliche Berührung mit den sie umgebenden Personen. Plötzlich bemerkte sie, daß jemand nach ihrer Hand griff. Als sie die Finger erschreckt und angewidert zurückziehen wollte, fühlte sie ein knisterndes Papier in ihrer Rechten. Ihr zur Linken wiederholte sich dasselbe Spiel.

Einen Augenblick dachte sie daran, die Papiere zu Boden fallen zu lassen. Dann besann sie sich, daß sie Wichtiges enthalten möchten, und ließ sie ungesehen in den Beutel aus rosa Brokatseide gleiten, den sie an einer goldenen Kette am Arm trug. Nach einer Stunde verließ sie mit dem König den Ball.

An der Tür ihres Schlafzimmers überkam sie die Furcht, Louis möchte noch eine Liebesstunde von ihr fordern!

Sie hatte ihn in letzter Zeit oft vergebens gebeten, sich niederzulegen, die Ruhe zu suchen. Heute äußerte er keinen Wunsch, sie zu begleiten. Er küßte ihr die Hand und sagte ihr eine gute Nacht.

Sie atmete erleichtert auf. Dann plötzlich befiel sie eine eifersüchtige Regung. Wenn er eine andere Frau besuchte, eine andere empfinge! Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Aber die Eifersucht verflog, wie sie gekommen. Jeanne war zu müde zum Fühlen, zum Denken.

Sie sank auf das Engelbett nieder und rief nach Madame du Hausset, die in ihrem kleinen Zimmer auf die Herrin wartete.

Als die Kammerfrau Jeanne den goldgestickten Beutel vom Arm nahm, fühlte sie zwischen der Seide knisternde Papiere.

Da sie glaubte, es sei ein Brief des Königs, wie er ihn der Marquise zuweilen in besonders heißen oder melancholischen Momenten im letzten Augenblick noch zusteckte, machte sie ihre Herrin darauf aufmerksam.

Jeanne, die mit geschlossenen Augen gelegen, schrak auf. Mit Ekel und Widerwillen empfand sie wieder die sie umdrängenden Menschen, fühlte den hastigen, zudringlichen Griff nach ihren Händen.

»Gib her!«

Sie riß der Hausset den Beutel aus der Hand und entnahm ihm mit fliegenden, aufgeregten Händen die Papiere.

Madame du Hausset hatte sich diskret abgewendet und war an den Kamin getreten.

Plötzlich hörte die Kammerfrau einen Schrei, heiser und unartikuliert.

Als sie sich umwandte, saß die Marquise mit verzerrten Mienen, mit in Wut und Haß zusammengekrampften Händen.

»Um Gott, was ist geschehen?«

Die Papiere lagen am Boden.

Jeanne saß stumm. Kalkweiß im Gesicht. Die feingezeichneten Brauen zusammengezogen, eine tiefe senkrechte Falte auf der jungen, weißen Stirn.

Verächtlich stieß sie mit den Fußspitzen nach den Blättern am Boden.

»Da lies!«

Dann sprang sie auf und lief im Zimmer auf und nieder, die Möbel beiseite stoßend, die ihr im Wege standen.

»Richelieu hatte recht, mich vor diesem Schuft zu warnen. Wäre der Herzog hier! Was hat er in Artois zu suchen? Er soll zurückkommen, er soll mir helfen, diesen Hund, diesen Maurepas, zu züchtigen.«

Madame Hausset hatte die Papiere aufgenommen. Sie las mit Tränen in den Augen:

»Fille d'une sangsue, et sangsue elle-même,
Poisson, d'une arrogance extrême,
Étale en ce château, sans crainte et sans effroi,
La substance du peuple et la honte du Roi.«

»Auch das andere! Lies nur, lies!« schrie Jeanne außer sich.

Madame du Hausset schüttelte traurig den Kopf. Sie kannte den Inhalt des zweiten Blattes bereits. Quesnay hatte es vor acht Tagen aus Paris mitgebracht.

Jeanne riß der Kammerfrau das Pamphlet aus der Hand.

»Wenn du nicht willst, kann ich es dir ja vorlesen.«

Und sie las mit haßentflammten Augen:

»Jadis c'étoit Versaille
Qni fixoit le bon goût,
Aujourd'hui la canaille«.

Weiter kam sie nicht. In ohnmächtigem Grimm stürzte sie zu Boden und vergrub ihr Gesicht in die blaßblauen Seidenkissen des goldfüßigen Engelbettes.

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