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Marquise von Pompadour

Dora Duncker: Marquise von Pompadour - Kapitel 10
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typefiction
authorDora Duncker
titleMarquise von Pompadour
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IX.

Madame du Hausset, eine kluge und vornehm denkende Frau aus guter Familie, hatte sich rasch das Vertrauen der Marquise erworben. Sie schlief in dem kleinen Zimmer neben Jeanne und ging bald ungerufen in den Gemächern ihrer Herrin aus und ein. Selbst den König, der zum größten Kummer Madame d'Estrades' niemand begegnen wollte, wenn er bei der Marquise war, genierte ein gelegentliches Zusammentreffen mit der diskreten Madame du Hausset nicht. –

Louis hatte den Entschluß gefaßt, auf kurze Zeit von den Strapazen des Krieges auszuruhen und mit der Marquise nach Choisy zu übersiedeln. Er wollte dort nur die Höflinge seines intimsten Kreises um sich versammeln, damit sie sich in dem Zusammenleben auf dem Lande näher an die Geliebte anschlössen. Er hatte zunächst an Richelieu, d'Ayen, de Meuse und de Duras gedacht.

Louis war überzeugt, Choisy würde Jeanne gefallen. Seit die Châteauroux dort ihre Triumphe gefeiert hatte, war das Schloß durch Gabriel erheblich verschönt und vergrößert worden.

Die Terrasse an der Seine war ausgebaut. Gabriel hatte ein neues Wohnhaus errichtet, das Hunderttausende gekostet hatte. Überall war neuer Luxus, waren neue Bequemlichkeiten entstanden.

Der König war gerade im Begriff, bei Jeanne einzutreten, um alle Einzelheiten der Einladungen und des Aufbruchs nach Choisy mit ihr zu besprechen, als ein lautes Stimmendurcheinander aus den Zimmern der Marquise ihm entgegendrang.

Was gab es? Wer war bei ihr und ereiferte sich so unstatthaft laut? Hatte die Marquise vergessen, daß er ihr um 11 Uhr seinen Besuch hatte ansagen lassen?

Der König blieb einen Augenblick wie festgewurzelt stehen. Zornig hatten sich seine Brauen zusammengezogen.

Er unterschied die Stimme der d'Estrades, der Hausset und eine angenehm klingende Männerstimme, die ihm fremd war. Von Jeanne hörte er nichts.

Er riß die Tür auf. Ein seltsamer Anblick bot sich ihm dar: Jeanne, die blaß, die Zähne in die Unterlippe vergraben, gegen den Tisch gelehnt stand, die d'Estrades und die Hausset, die zugleich in heftiger Erregung auf einen jungen Offizier seiner Garde einsprachen.

Kerzengerade stand der junge Mensch in abwehrender Haltung mit gezücktem Degen da, auf dessen Spitze ein Stück groben, gelben Papieres mit abgerissenen Ecken schwankte.

Beim Eintritt des Königs verstummte die laute Rede. Alles blickte betroffen. Alles verneigte sich tief.

Louis hatte den jungen Offizier, der häufig zum Dienst in den königlichen Gemächern kommandiert war, erkannt.

»Was gibt es, Graf Segnart? Was halten Sie dort auf der Spitze Ihres Degens?«

Der Graf blieb stumm und blaß. Er hätte in diesem Augenblick sein Leben darum gegeben, das ominöse Blatt ungesehen entfernen und vernichten zu können.

Jeanne trat neben den König.

»Wollen Euer Majestät gestatten, daß Graf Segnart der Entgegnung auf Euer Majestät Frage enthoben werde? Wollen Euer Majestät gestatten, daß Graf Segnart sich entfernen darf?«

Statt aller Antwort riß Louis das grobe, gelbe Papier von der Degenspitze herunter und las. Sein Gesicht rötete sich. Er warf den Zettel mit verächtlicher Gebärde auf den Boden und stampfte mit dem Fuße darauf.

»Wie kommt es, Graf Segnart, daß ich Sie mit dergleichen Schmutz bewaffnet in den Gemächern der Marquise finde?«

Der junge Offizier kämpfte schwer. Endlich ermannte er sich.

»Euer Majestät wollen verzeihen. Es ist nicht meine Schuld. Ich fand dieses Pasquill an einem Baum im Park von Versailles angeschlagen, als ich zum Dienst ins Schloß gehen wollte. Ich schlug es vor den Augen einer gaffenden Menge mit der Degenspitze herunter. Madame d'Estrades kam dazu und veranlaßte mich wider meinen Willen, das Blatt der Frau Marquise zu präsentieren.«

»Man muß die Gefahren kennen, wenn man sich vor ihnen schützen soll, Majestät!« warf die d'Estrades kaltblütig ein, während ein boshaftes Lächeln kaum versteckt um ihre Mundwinkel spielte.

Der König machte ihr ein Zeichen zu schweigen.

»Und weiter, Graf?«

»Madame du Hausset kam dazu. Sie wollte es unter keiner Bedingung dulden, daß die Frau Marquise den Zettel läse. Leider zu spät. Madame d'Estrades –« Segnart zögerte.

Der König stampfte mit dem Fuß auf das Blatt.

»Weiter!«

»Madame d'Estrades hatte die Frau Marquise bereits mit dem Inhalt des Papiers bekannt gemacht.«

»Es ist gut. Sie können Ihren Dienst antreten, Graf Segnart.«

Dann wandte er sich zu der d'Estrades:

»Ich ersuche Madame, sich auf ihre Gemächer zurückzuziehen; Madame du Hausset, ich bitte Sie, in der Nähe zu bleiben.«

Der König war allein mit Jeanne.

»Mein armes Herz,« sagte er tröstend, ihr Wangen und Hände streichelnd, »man hätte dir den Kummer sparen können, dieses abscheuliche Pasquill zu lesen.«

Er nahm den Zettel mit der boshaften Schmähschrift auf die Geliebte vom Parkett und riß ihn in Stücke.

Jeanne stand stolz lächelnd da.

»Viel Feinde, große Ehren, Sire. Ich werde mich an diese Schattenseite gewöhnen müssen, die nicht ausbleiben wird, solange ich das Glück habe, Euer Majestät Neigung zu besitzen.«

Er starrte sie an. Welch ein Weib! Wie ihm die Furchtlosigkeit dieses starken Geistes in dem verführerischen Körper gefiel! Wie er sie bewunderte!

Jeanne warf siegesbewußt den Kopf in den Nacken: »Mögen sie mich schmähen!« dachte sie für sich. »Sie schmähen nur, was sie fürchten! Und fürchten sollen sie mich! Nur wer gefürchtet wird, herrscht!«

Die Herbsttage in Choisy vergingen wie im Fluge. Jeanne benutzte die stete Gegenwart des Königs, sich seinen heißen Werbungen gefügig zu zeigen und dafür die Pläne zu fördern, die ihr zunächst am Herzen lagen.

Sie hatte es beim König erwirkt, daß er all ihre literarischen und philosophischen Freunde nach Choisy lud. Auch ihr Bruder Abel, den der König »kleiner Bruder« zu nennen pflegte, und dem er den Namen eines Monsieur de Vandières verliehen, um ihn von dem Namen Poisson zu befreien, sowie Onkel Tournehem erhielten Einladungen.

Madame d'Estrades war infolge ihrer Taktlosigkeit in Versailles belassen worden. Der König hatte zur Gesellschaft der Marquise die Damen de Lauragais, de Sassenage und de Bellefonds befohlen.

Louis amüsierte sich ausgezeichnet. Melancholische Anwandlungen waren beinahe zur Sage geworden. Die Unterhaltung mit den Literaten und Philosophen stockte niemals. Ja, er hatte sich sogar mit Voltaires vordringlichem, eiligem, bissigem Wesen abgefunden um der Virtuosität seiner Unterhaltung und der allerliebsten, kleinen, pikanten Huldigungen willen, die der Dichter den Damen erwies. So machte Voltaire es Jeanne leicht, des Königs Gunst für den langersehnten Sitz in der Akademie zu gewinnen.

Der alte Spötter wurde nicht müde, ihr dafür mit immer neuer Versicherung seiner Anbetung zu danken.

Verse und Blumen schüttete er über sie hin, und als er Jeanne eines Tages beim Gravieren eines Porträts ihres Bruders Abel überraschte, schrieb er ein Madrigal nieder, das des Königs ganz besonderen Beifall fand:

»Pompadour, ton crayon divin
Devrait dessiner ton visage;
Jamais une plus belle main
N'aurait fait un plus bel ouvrage.«

Aber auch die übrigen Freunde Jeannes, mit ihnen Bernis, der in Gegenwart des Königs seine Leidenschaft für die Marquise noch besser hütete als in Étioles, kamen nicht zu kurz. Duclos, Gentil-Bernard, Mortcrif, Abbé Prevost, alle wurden sie vom König mit Liebenswürdigkeiten überhäuft.

Seine gute Laune war unerschöpflich. Er plauderte und spielte L'hombre mit ihnen. Sie begleiteten ihn und die Marquise im Wagen zur Jagd, er zeigte ihnen alle Schönheiten seines königlichen Hauses.

Daß Choisy einstmals für die Vintimille erbaut worden, daß die Châteauroux ihn gerade in Choisy am heftigsten in ihre Reize verstrickt hatte, störte Louis XV. nicht im geringsten. Mit besonderem Stolz wies er den Gästen die Skizzen zu den Schlachtgemälden, welche seine Siege in Flandern verherrlichen sollten.

Der König hatte sie Parrocel in Auftrag gegeben.

Als Herr Le Normant de Tournehem gelegentlich ein paar außerordentlich zutreffende Bemerkungen über diese Skizzen machte, versuchte Jeanne die geistreiche Kritik des Onkels sofort auszubeuten.

Was sie schon im Hôtel des Chèvres geplant, verwirklichte sie jetzt. Sie schlug dem König vor, Herrn von Tournehem mit dem Amt des Generaldirektors der königlichen Bauten, das Philibert Orry bis jetzt innegehabt hatte, zu betrauen.

Sie machte dem König mit Leichtigkeit klar, wie die durch und durch künstlerische Veranlagung, vereint mit langjähriger kaufmännischer Erfahrung, Herrn von Tournehem für dieses Amt förmlich prädestinierten. Sie stellte ihm vor, mit wie viel Umsicht er die Leitung der königlichen Aufträge, die Bau- und Verschönerungsarbeiten an den königlichen Schlössern führen würde.

Louis, dem die kluge vornehme Art Tournehems gefiel, gab Jeannes Wünschen ohne Widerspruch nach.

Die ganze Persönlichkeit des künstlerisch hochgebildeten Mannes flößte ihm mit Recht Vertrauen ein.

Auch war es ihm durchaus kein unangenehmer Gedanke, daß gerade ein naher Verwandter Jeannes gleich seinen Ministern stets Zutritt in sein Arbeitszimmer haben würde.

Jeanne triumphierte. Sie hatte nicht nur eine neue sichere Stütze bei Hofe gewonnen, sondern auch eine Dankesschuld an Tournehem abgetragen und für die Zukunft Bruder Abels gesorgt.

Die königliche Entschließung galt nicht nur der Anstellung Herrn von Tournehems, sie sicherte zugleich dem »Brüderlein« die künftige Anwartschaft auf das hohe Amt. –

Ein heftiger Fieberanfall des Königs unterbrach die geselligen Freuden von Choisy. Zu Louis' unliebsamer Überraschung meldete Maria Leszinska sich in Choisy an, kaum daß die Nachricht nach Versailles gedrungen war. Der König, der sich schon am zweiten Tage wieder besser fühlte, bestand darauf, abzulehnen. Jeanne hatte Mühe, ihn umzustimmen. Wozu böses Blut machen?

Auch Ayen stand auf seiten der Marquise. Er war überzeugt, ihre Klugheit würde der Situation gewachsen sein.

Im übrigen wußten Ayen und Richelieu durch die Herzogin von Luynes, daß »die kleine Poisson«, wie man sie noch zuweilen vertraulich hinter ihrem Rücken nannte, einen Stein im Brett bei der Königin hatte, seit sie ihre und der Prinzessin Bitten unterstützt und den Dauphin von der Verbannung nach Meudon freigebeten hatte.

So schrieb der König seiner Gemahlin, daß er sie mit Vergnügen empfangen werde. »Sie würde ein gutes Diner im Schloß, die Sonntagsvesper und den Segen in der Pfarrkirche finden.«

Wirklich zeigte die Königin sich von der liebenswürdigsten Seite. Es tat ihr augenscheinlich wohl, daß das Betragen der neuen Maitresse weitab lag von den beleidigenden Allüren ihrer Vorgängerinnen. Weitab auch von deren verlogener Ehrerbietung, hinter der sich der schlecht verhehlte Triumph verbarg, anstelle der Zurückgesetzten den Platz der Königin an der Seite des Königs zu behaupten.

Die Marquise umgab die Königin mit den zartesten, ehrerbietigsten Aufmerksamkeiten. Sie suchte sie durch ihr munteres Plaudertalent, durch heitere Lieder in Stimmung zu halten. Sie brachte ihr Feldblumensträuße, seit sie erfahren, wie sehr die Königin die Feldblumen liebe.

Der König und die Gäste Choisys staunten über diesen neuen Erfolg der Pompadour. Lange hatte man Maria Leszinska nicht so zufrieden, so gut aufgelegt gesehen. Niemals in Gegenwart der Mailly, der Vintimille, der Châteauroux! –

»Wie fängst du es nur an, kleine Zauberin, der morosen Langenweile der Königin beizukommen?« fragte Louis, indem er Jeanne aus dem Sattel hob und sie einen Augenblick zärtlich an sich drückte.

Sie waren allein durch den zarten Morgennebel hinausgeritten in den herbstlichen Wald von Choisy.

Nur Mars, des Königs Lieblingshund, war ihnen gefolgt.

Der König hatte seinen Rappen und Jeannes Falben an einen Eichenstamm gebunden. Arm in Arm gingen sie tiefer in den Wald hinein. Die braunen und roten Blätter raschelten unter ihrem schreitenden Fuß.

»Ist es wirklich Zauberei, ein bißchen klug, ein bißchen liebenswürdig zu sein? Ist es nicht viel gescheiter, ein bißchen Freundlichkeit an die arme Königin zu verwenden, als sie mit beleidigendem Hochmut zu verletzen? Hat sie nicht genug zu leiden, Sire? Man wird uns unser Glück leichter vergeben, auch das Volk von Frankreich, Sire, wenn wir durch unser Glück andere nicht unglücklich machen.«

Louis hörte ihr aufmerksam zu. Möchte sie recht behalten!

Eine Wolke trat auf seine Stirn und beschattete seine schönen Augen. Er dachte an das Pasquill auf der Degenspitze des Grafen Segnart.

Sie ließen sich auf einen gefällten Baumstamm nieder.

Langsam, wie im Traum sanken die gold- und braunroten Blätter. Mars hatte den schönen Kopf auf die Knie seines Herrn gelegt. Der König fuhr ihm sanft über das glatte braune Fell. Wie oft in schwermütigen Stunden hatte er das treue Tier für seinen einzigen aufrichtigen Freund gehalten. Froh empfand er, um wie viel besser es um ihn geworden, seit Jeanne an seiner Seite war. Wie er sie liebte!

Er streichelte zärtlich ihre Hand.

Jeanne hielt des Königs Finger fest zwischen den ihrigen.

Wie viel seltener sie kamen, diese schwermütigen Stunden, in denen Todesfurcht und Todessehnen zugleich ihn packten! Wie dankbar er ihr war!

»Ich habe eine Bitte, Sire. Sie geht gleichfalls Maria Leszinska an. Wollten Sie sich entschließen, Sire, sich dann und wann der Königin ein wenig freundlicher zu zeigen!«

Louis blickte verwundert. Wie meinte sie das? Kannte sie keine Eifersucht? Die Châteauroux hatte ihm, um jeder Höflichkeit willen, die er der Königin erwies, einen bitterbösen Auftritt gemacht!

Da er schwieg, fürchtete sie, er möchte ihre Bitte abschlagen, und doch lag ihr viel daran, sie gewährt zu sehen!

Jeanne wußte, der König war in den letzten Jahren der Königin gegenüber sehr sparsam mit seinen Aufmerksamkeiten gewesen. Niemand aber sollte sagen dürfen, die Marquise von Pompadour habe die verlassene Frau ärmer noch gemacht.

Im Gegenteil, sie wollte alles daran setzen, die Beziehungen der Ehegatten zu bessern. Der Wunsch kam aus einem aufrichtigen Herzen. Die Königin hatte sich gütig gegen sie erwiesen. Es lag nicht in Jeannes Natur, Gutes mit Undank zu vergelten. Nur wer ihr schroff begegnete, ihren Widerspruch reizte, sie beleidigte, durfte auf ihren Haß, ihre Rache gefaßt sein.

Langsam brachte sie den König dahin, wohin sie wollte. Sie hatte Maria Leszinska so manchen Wunsch abgelauscht, an dessen Erfolg der Königin viel gelegen sein mochte.

Jeanne bewegte den König dazu, die Abreise nach Fontainebleau, die nahe bevorstand, für einen Tag zu bestimmen, der der Königin genehm war. Sie vermittelte dem König Wünsche, welche die Königin gar nicht den Mut gehabt hätte, ihm auszusprechen.

Sie nahm ihm das Versprechen ab, daß die Königin bei ihrer Rückkehr von Fontainebleau nach Versailles diese Wünsche erfüllt sehen sollte. Sie schlug ihm vor, das Bett neu zu vergolden, es mit feuerfarbenen Stoffen – der Lieblingsfarbe der Königin – à la duchesse verzieren zu lassen.

Auch von einem neuen Gobelin mit Bildern aus der heiligen Schrift hatte Maria Leszinska andeutend gesprochen. Jeanne erinnerte den König an einen Gobelin nach dem Deckengemälde in Val de Grâce, das Anne d'Autriche von Mignard malen ließ. Vielleicht wußte Herr von Tournehem Rat, wie man dazu gelangen könne!

Louis wollte zu den Pferden zurück, aber Jeanne war noch immer nicht zu Ende.

»Was gibt es denn noch?« neckte er. »Willst du mich ganz ausplündern?«

»Nur halb, Sire!« Sie lachte ihn an mit ihrem verführerischsten Lächeln. »Ich möchte nur noch an das Wohltätigkeitsdefizit Ihrer Majestät erinnern. Sie wissen, Sire, Wohltun ist die große Passion Maria Leszinskas; sie gibt all ihre Ersparnisse dafür hin.«

Louis murmelte Undeutliches und runzelte die Stirn.

Jeanne strich sanft über seine Hand.

»Sie selbst, Sire, tun so gern Gutes, daß Sie den Drang der Königin begreifen müssen! Soll ich unter anderem an die große Summe erinnern – ich glaube, es waren 600000 Livres –, die Paris für ein Monstrefeuerwerk zu Ehren der Hochzeitsfeier Seiner Hoheit des Dauphins ausgesetzt hatte? Louis XV. machte der Stadt einen Strich durch die Rechnung und befahl, die Summe als Hochzeitsgut für 600 arme Pariser Mädchen zu verwenden! O, ich könnte noch viel mehr erzählen. Da war zum Beispiel –«

Der König unterbrach sie ungeduldig. Er wollte heute nichts von Wohltun, am wenigsten von dem zu ansehnlicher Höhe angelaufenen Wohltätigkeitsdefizit der Königin hören.

Er hatte sein Geld für andere Dinge nötig.

»Ein andermal,« dachte Jeanne, »man muß nicht zuviel auf einmal verlangen.« Und sie hing sich in seinen Arm und folgte ihm zu den Pferden, die ihnen schon ungeduldig entgegenwieherten.

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