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Märchen verschiedener Verfasser

: Märchen verschiedener Verfasser - Kapitel 3
Quellenangabe
titleMärchen verschiedener Verfasser
authorVerschiedene Verfasser
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Goldbäumchen

Joseph Jacobs

(Märchen aus Schottland,
Übersetzung: Xenia Helms)

Es war einmal ein König, der hatte eine Frau, deren Name war Silberbäumchen und eine Tochter mit Namen Goldbäumchen. An einem bestimmten Tag aller Tage gingen Silberbäumchen und Goldbäumchen in einen Hain (GLEN), in welchem es einen Bach gab, in welchem wiederum eine Forelle schwamm.

Silberbäumchen sprach: »Forellchen, lieber kleiner Geselle, bin ich nicht die allerschönste Königin auf der ganzen Welt?«

»Oh! Das seid Ihr ganz sicher nicht.«

»Aber wer ist es dann?«

»Warum fragt Ihr – Goldbäumchen, Eure Tochter.«

Silberbäumchen kehrte blind vor Wut zurück nach Hause. Sie legte sich in ihr Bett und gelobte, sie würde nie wieder gesund, wenn sie nicht Herz und Leber ihre Tochter Goldbäumchen zu essen bekäme.

Als die Nacht hereinbrach, kam der König heim und man berichtete ihm, daß Silberbäumchen, seine Frau, sehr krank sei. Er ging zu ihr und frug sie, was mit ihr fehle.

»Oh! Es gäbe da etwas womit du mich heilen könntest, wenn du wolltest.«

»Oh! Du weißt, es gibt auf Erden nichts, was ich nicht für dich täte, wenn ich es nur vermochte.«

»So bringe mir das Herz und Leber von Goldbäumchen, meiner Tochter, und ich werde wieder gesund sein.«

Es begab sich jedoch zu dieser Zeit, daß der Sohn eines mächtigen ausländischen Königs um Goldbäumchens Hand anhielt. Der König willigte ein und die beiden zogen von dannen in das Reich des Prinzen.

Der König jedoch rief seine Knappen und schickte sie zum Jagdhügel, um einen Ziegenbock zu erlegen. Er schnitt ihm Herz und Leber heraus und gab sie seiner Frau zu essen, woraufhin sie genas.

Ein Jahr darauf ging Silberbäumchen wieder in den Hain, in dem es einen Bach gab, in welchem eine Forelle schwamm.

Sie sprach: »Forellchen, lieber kleiner Geselle, bin ich nicht die allerschönste Königin auf der ganzen Welt?«

»Oh! Das seid Ihr ganz sicher nicht.«

»Aber wer ist es dann?«

»Warum fragt Ihr – Goldbäumchen, Eure Tochter.«

»Oh nein! Es ist lange her, seit sie lebte. Vor einem Jahr aß ich ihr Herz und ihre Leber.«

»Oh! Sie ist gewiß nicht tot. Sie ist mit einem mächtigen ausländischen Prinz verheiratet.«

Silberbäumchen kehrte zurück nach Hause und bat den König, das Großschiff (LONG-SHIP) in Ordnung zu bringen, denn sie wolle ihre Tochter Goldbäumchen sehen: »Es ist so lange her, seitdem ich sie das letzte Mal sah.« Das Schiff wurde überholt und sie stachen in See.

Silberbäumchen selbst stand am Steuer und sie steuerte das Schiff so gut, daß sie nach kurzen Zeit bereits das Reich das anderen König erreichten.

Der Prinz war zur Jagd ausgeritten, doch Goldbäumchen erkannte das Schiff ihres Vater von weitem. »Oh je«, sagte sie zu den Bediensteten, »meine Mutter wird kommen und sie will mich töten.«

»Sie wird Euch nicht umbringen, denn wir werden Euch in einen Raum einschließen. Dort kann sie Euch nicht zu nahe kommen.«

So taten sie es denn. Und als Silberbäumchen an Land kam, rief sie: »Komm und treffe deine Mutter, wenn sie herkommt, um dich zu sehen.«

Goldbäumchen antwortete, sie könne nicht, denn sie sei in einem Raum eingeschlossen und könne nicht hinaus.

»So willst du nicht wenigstens deinen kleinen Finger durch das Schlüsselloch stecken«, sagte Silberbäumchen, »damit Deine eigene Mutter einen Kuß darauf geben kann?«

Sie tat wie ihr geheißen. Silberbäumchen nahm ihren Finger und versetzte ihr einen vergifteten Stich. Goldbäumchen fiel um und war tot.

Als der Prinz nach Hause kam und Goldbäumchen tot vorfand, fühlte er großes Leid. Und als er sah, wie schön sie war, da brachte er es nicht über das Herz sie zu beerdigen. So schloß er sie in einem Gemach ein, wo niemand ihr nahe kommen könnte.

Im Lauf der Zeit heirate er wieder und das ganze Haus war unter Hand seiner Frau bis auf einen Raum. Dessen Schlüssel verwahrte der Prinz stets bei sich selbst. Eines Tages jedoch vergaß er, den Schlüssel mit sich zu nehmen und seine zweite Frau gelang in das Zimmer. Dort sah sie die schönste Frau, die sie jemals erblickt hatte.

Sie begann sie zu drehen und versuchte, sie aufzuwecken. Dabei entdeckte sie den vergifteten Stich in ihrem Finger. Sie zog ihn heraus und Goldbäumchen erwachte wieder zum Leben, so schön wie eh und je.

Als die Nacht hereinbrach, kam der Prinz sehr niedergeschlagen von der Jagd zurück nach Hause.

»Was für ein Geschenk würdest du mir machen«, fragte ihn da seine Frau, »wenn ich dich zum Lachen brächte?«,

»Es gibt nichts auf der Welt, daß mich wieder zum Lachen brächte, es sei, Goldbäumchen würde wieder zum Leben erweckt.«

»Nun, geh nur in den Raum hinunter, dort wirst du sie lebendig finden.«

Als der Prinz sah, daß Goldbäumchen lebte, da jubelte er sehr und begann sie zu küssen, und er küsste sie und er küsste sie. Da sagte seine zweite Frau: »Nun, da sie die erste ist, du gefreit, so ist es besser, wenn du bei ihr bleibst. Ich hingegen werde fortgehen.«

»Aber nein, du sollst nicht fortgehen, denn ich will euch beide bei mir haben.«

Am Jahresende ging Silberbäumchen in einen Hain (GLEN), in welchem es einen Bach gab, in welchem wiederum eine Forelle schwamm.

Silberbäumchen sprach: »Forellchen, lieber kleiner Geselle, bin ich nicht die allerschönste Königin auf der ganzen Welt?«

»Oh! Das seid Ihr ganz sicher nicht.«

»Aber wer ist es dann?«

»Warum fragt Ihr – Goldbäumchen, Eure Tochter.«

»Aber nein! Sie ist nicht am Leben. Vor einem Jahr versetzte ich ihr einen vergifteten Stich in den Finger.«

»Aber sie ist nicht tot, ganz sicher nicht.«

Silberbäumchen kehrte zurück nach Hause und bat den König, das Großschiff (LONG-SHIP) in Ordnung zu bringen, denn sie wolle ihre Tochter Goldbäumchen sehen: »Es ist so lange her, seitdem ich sie das letzte Mal sah.« Das Schiff wurde überholt und sie stachen in See.

Silberbäumchen selbst stand am Steuer und sie steuerte das Schiff so gut, daß sie nach kurzen Zeit bereits das Reich das anderen König erreichten.

Der Prinz war draußen zur Jagd in den Hügeln. Goldbäumchen erkannte das Schiff ihres Vaters von weitem.

»Oh!«, sagte sie. »Meine Mutter wird kommen, um mich zu töten.«

»Das wird sie nicht tun,« sagte die zweite Frau, »wir werden an den Strand gehen, um sie zu treffen.«

Silberbäumchen kam an Land. »Komm her, Goldbäumchen, mein Liebes«, sagte sie, »deine Mutter ist den weiten Weg gekommen, um dir diesen kostbaren Trank zu bringen.«

»Es ist Brauch in diesem Land«, sagte daraufhin die zweite Ehefrau, »das die Person, welche einen Trank anbietet, den ersten Schluck nimmt.«

Silberbäumchen nahm das Gefäß an ihre Lippen und die zweite Gemahlin kam und schlug darauf, so daß etwas daraus ihre Kehle hinabrann und Silberbäumchen tot umfiel. So brachte man den Leichnam nach Hause und beerdigte ihn.

Der Prinz und seine beiden Frauen aber lebten noch lange glücklich und zufrieden.

Ich ließ sie dort.

 


 

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