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Märchen aus der Oberpfalz

Franz Xaver von Schönwerth: Märchen aus der Oberpfalz - Kapitel 5
Quellenangabe
typefairy
authorFranz Xaver von Schönwerth
titleMärchen aus der Oberpfalz
booktitlePrinz Roßzwifl und andere Märchen
publisherDr. Peter Morsbach Verlag
editorErika Eichenseer
year2010
isbn9783937527321
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140218
projectid6a2290c5
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Das verborgene Kreuzchen

Eine alte Hexe hatte es mit dem Teufel. Schon zweimal war ihre Zeit aus, und immer wieder wußte sie den Bösen zu bereden, ihr aufs neue hundert Jahre zuzulegen. Dafür hatte sie ihm versprochen, die Kinder im Mutterleib zu töten oder in der Wiege und mit deren Blut bösen Zauber zu üben zum Schaden der Menschen. Das gelang ihr gar oft. Denn das Blut diente ihr nicht nur selbst zur Nahrung für ihren ausgetrockneten Leib, sondern auch dazu, sich unsichtbar zu machen.

So war sie denn nach Umlauf der jüngsten Frist auf dem Berg in Gesellschaft anderer Schwestern beim nächtlichen Tanz, als der Teufel zu ihr trat und ihr ankündete, heute noch müsse sie mit ihm, er wolle nicht länger mehr zuwarten. Die Alte aber versprach ihm die schöne Tochter, welche sie zu Hause habe, zur Ehe und bestellte ihn für die dritte Nacht mit dem Auftrag, ja als schmucker Geselle zu erscheinen.

In der Hütte aber führte zu selber Zeit das Mädchen ihren Geliebten durch die schönen Zimmer, welche sich eines an das andere reihten. Im letzten Gemach wurde es beiden unheimlich, denn hier waren schwarze Katzen, welche bei ihrem Eintreten die Köpfe aneinander legten, und sonderbare Vögel, welche ganz ungebärdig taten, und verschiedenes Zaubergerät mit Flaschen und Gläsern. Schon wollten sie zurückweichen, da stand die alte Hexe zornerfüllt vor ihnen. Der junge Förster faßte sich schnell und hielt um die Hand der Tochter an, wurde aber mit Hohn abgewiesen, denn schon habe sich ein reicher Graf gemeldet.

Für die dritte Nacht mußte sich das Mädchen gleich einer Braut schmücken. Um Mitternacht kam der gefürchtete Freier und bedeckte den Tisch mit den kostbarsten Geschenken. Die Braut bückte sich etwas, sie zu beschauen. Da schob sich das Kreuzchen hervor, welches ihr am Hals hing, und der Teufel entwich bei diesem Anblick. Auf sein Drohen bestellte die alte Hexe den Wütenden für die nächste Nacht. Während die Tochter schlief, nahm sie ihr das Kreuzchen weg. Diese aber merkte es am Tag und verschaffte sich heimlich ein anderes. Als nun der Böse wieder kam und sie umfassen wollte, vermochte er es nicht. Das verborgene Kreuz schützte die Jungfrau.

Dafür wollte er die Alte mit sich führen. Diese aber stellte sich und setzte ihm drei Dinge, die er bis zum ersten Strahl der Sonne vollendet haben müßte: das Steinfeld vor der Hütte in ein Saatfeld umzuwandeln, den nahen Teich auszuschöpfen und zur grünen Wiese zu gestalten, drittens, den Berg mit der Kapelle abzutragen, denn sie habe sich bei ihren Nachtfahrten immer daran gestoßen.

Da hörte sie es rauschen, wie wenn tausend Sensen durch Steine gingen, und Funken sprühten und knisterten. Schon waren das Saatfeld und die Wiese grün, und der Teufel hatte eben den Turm der Kapelle im Arm, als die Hexe, um den Teufel zu berücken, zu krähen anfing, und augenblicklich krähten alle Hahnen der Gegend nach, und die Sonne sendete ihren ersten Strahl hinter dem Berg hervor. Da warf der Teufel den Turm auf die Hütte und riß die Alte samt ihren Zaubertieren mit sich fort durch die Luft. Das Mädchen aber blieb verschont. Es war die geraubte Tochter eines Edelmannes.

* * *

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