Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Xaver von Schönwerth >

Märchen aus der Oberpfalz

Franz Xaver von Schönwerth: Märchen aus der Oberpfalz - Kapitel 20
Quellenangabe
typefairy
authorFranz Xaver von Schönwerth
titleMärchen aus der Oberpfalz
booktitlePrinz Roßzwifl und andere Märchen
publisherDr. Peter Morsbach Verlag
editorErika Eichenseer
year2010
isbn9783937527321
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140218
projectid6a2290c5
Schließen

Navigation:

Mehl statt Schnee

Ein Taglöhner, dem es sauer wurde, sein täglich Stück Brot zu gewinnen, murrte oft über unseren Herrgott bei seiner strengen Arbeit, am meisten aber dann, wenn Schnee fiel und das Arbeiten noch mehr erschwerte. Dieser sei doch zu gar nichts gut und nicht einmal von Gott erschaffen worden, weil er weder im Paradies noch in der Arche Noe war.

Einmal war er wieder im Wald, um Holz zu fällen, als der Schnee in dicken Flocken niederfiel. Fluchend suchte er Schutz in einer Felsenhöhle. Kaum ruhte er hier einige Augenblicke, so stand ein Engel vor ihm und fragte ihn, warum er gar so oft des Teufels gedächte, so selten aber Unsers Herrgottes. Da meinte der Taglöhner, Unser Herr denke auch nicht an ihn, und darum könne er nicht gut Freund mit ihm sein. Der Engel fragte nun, was denn Gott tun solle, damit er zufrieden wäre. Und der törichte Mensch wünschte, daß statt des Schnees Mehl vom Himmel falle.

Und sofort fiel das Mehl in dicken Wolken herab, und die Leute kamen und sammelten es, hatten nun Brot genug und arbeiteten nicht mehr. Als aber dem einen das Haus abbrannte und dem anderen eine Mauer einfiel, und weder Zimmermann noch Maurer Hand oder Fuß rühren mochten, kam es dahin, daß die Leute wie bei der Erschaffung der Welt in Höhlen wohnen und zuletzt von Wurzeln und Kräutern leben und nackt wie die ersten Eltern gehen mußten. Die wilden Tiere vermehrten sich, und Hecken und Dörner, Gesträuche und Wald wucherten da empor, wo ehedem blühende Fluren und Wohnstätten waren.

In diesem Elend erkannte nun auch der Taglöhner die Torheit seines Wunsches und seinen Übermut, an der Weltordnung Gottes meistern zu wollen. Tief erschüttert sprang er von seinem Lager auf, um den Engel aufzusuchen, und erwachte. Er trat hinaus vor die Höhle, und Schnee lag vor seinen Füßen. So warf er sich auf die Knie und dankte dem Herrn, der ihn in einem Traumgesicht belehrt hatte, und fortan war er mit seinem Schicksal zufrieden.

* * *

 << Kapitel 19  Kapitel 21 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.