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Pedro Antonio de Alarcón: Manuel Venegas - Kapitel 4
Quellenangabe
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typefiction
authorPedro A. de Alarcon
titleManuel Venegas
publisherVerlag von W. Spemann
firstpub
translatorF. Eyßenhardt
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Drittes Buch.

Die Heimkehr.

1.

Der Abend.

Da wir nun ganz genau über das Vorleben des Reiters unterrichtet sind, den wir beim Anfange dieser Erzählung auf der Höhe der Sierra trafen, so müssen wir ihm jetzt weiter bis zu seiner Ankunft in der einst maurischen Stadt folgen, die seine Heimat war, und von der er in so geheimnisvoller Weise acht Jahre entfernt gewesen war.

Es war kaum eine Stunde vor Sonnenuntergang, als unser Held an jenem sonnenhellen Tage aus dem Wirrwarr von Berggipfeln und Schluchten herausritt, welches dort die große Bergkette bildet, und in der Ferne den weiten Horizont, die flache Ebene, die grünen Weinberge, die dunkeln Olivenwälder und die ganze ihm so bekannte Zeichnung der entfernten Hügelketten erblickte, welche seine heimatliche Provinz abschließen. Die geliebte Vaterstadt, die Hauptstadt der ganzen Gegend, blieb noch hinter den thonhaltigen Hügeln verborgen, die ihr im Westen als Thronhimmel dienen, und hinter welchen sie seit Jahrhunderten ihren historischen Schlaf schläft, aber schon war es leicht (besonders wenn man ihre Lage schon kannte), den schlanken Turm des Domes und den Wachtturm des arabischen Schlosses zu erkennen, der wenige Jahre nachher abgetragen worden ist.

Der Reiter hielt sein Pferd an, um jene nie vergessne Aussicht zu genießen. Man konnte auf seinem Gesichte die lebhafteste Erregung sehen. Seine Züge waren weniger hart und stolz als zu der Zeit, wo die Melancholie der Verbannung und die Lehren der Welt sein stolzes Herz noch nicht gequält hatten. Ehrfurchtsvoll nahm er den Hut ab, um die Vaterstadt zu begrüßen, und stieß einen tiefen Seufzer aus, wie jemand, der an das Ende langer Mühsale und Anstrengungen gelangt ist.

»Herr, sind Sie krank?« fragte ihn der Maultiertreiber, als er ihn so seufzen hörte.

Manuel antwortete nicht, setzte schnell den Hut wieder auf und gab dem Pferde die Sporen, um sich von dem unwillkommnen Zeugen zu befreien.

Eine halbe Stunde darauf, als die Sonne schon im Untergehen begriffen war, gelang es dem Malaganer, seinen zeitigen Herrn wieder einzuholen. Er hatte von neuem Halt gemacht, um von der Höhe des weiten, aus einem Gewirr von Schluchten bestehenden Abhanges, der die letzte Stufe des Gebirges bildet, die Keller, die Vorstadt Santa Maria, die Gärten, ja den alten Palast seiner Ahnen zu betrachten: den letzteren erkannte man an der hohen Cypresse, die hinter ihm stand. Dies Haus nahm vor allem seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Der Unglückliche wußte nicht, daß niemand mehr darin wohnte! War ihm doch alles unbekannt, was während seiner Abwesenheit geschehen war!

Manuel ritt – diesmal sehr gemächlich – weiter, sobald der Treiber mit den Maultieren herangekommen war, und fing, sei es, daß er es bereute, auf die letzte freundliche Frage des armen Mannes nicht geantwortet zu haben, sei es, um sich von seinen eignen Gedanken abziehen zu lassen, an, sich mit ihm zu unterhalten.

»Sind Sie irgend einmal lange Zeit von Malaga entfernt gewesen?«

Der Diener war glücklich, gefragt zu werden, und in der Zeit, in welcher ein andrer Mensch die Augen auf- und wieder zumacht, hatte er schon folgendes herausgesprudelt:

»Ob ich verreist gewesen bin? Ich dachte mir schon, daß das der wunde Punkt bei Ihnen ist! Sie müssen vom Ende der Welt kommen, und deswegen machte der Anblick der Vaterstadt solchen Eindruck auf Sie! – Ich bin zwei Jahre in Ceuta gewesen, nicht etwa im Zuchthaus, sondern aus freier Wahl! Darauf habe ich dem Könige gedient, ich meine der Königin Christina, bis sie mir die Entlassung gaben nach der Einnahme der Brücke von Luchana, wo ich verwundet wurde. – Sie fragen mich, ob ich weiß, was Anstrengungen sind? Fragen Sie meine arme Mutter, an die ich fortwährend in jener Weihnachtsnacht (wir nannten sie nicht noche buena sondern noche triste) dachte, in der Espartero Bilbao einnahm. Denken Sie sich, wie ich jene Nacht zubrachte: in meinem Blute auf dem Schnee liegend, in der vollständigsten Verlassenheit und Einsamkeit Spanisch Soledad. ... aber was will denn der Papagei?«

» Soledad!« hatte der Papagei, Buchstabe für Buchstabe, gerufen.

Manuel lächelte zum erstenmal während jener Reise, und, statt zu antworten, fragte er den Treiber:

»Sind Sie nie in der Stadt gewesen, nach der wir reisen?«

»Nein, Herr, niemals. Aber ich weiß, daß es eine schöne, wenn auch etwas zu Raufereien geneigte Stadt ist. Ich kann's mir schon denken! Es ist Ihre Vaterstadt, und Sie haben sie verlassen, um in Amerika Ihr Glück zu machen. Ja, ja, so machen's alle! Wenn Sie wieder einmal herüber wollen, so fragen Sie nur in Malaga nach Fränzchen Cataduras (alle Welt kennt mich da) und nehmen Sie mich mit, wenn auch als Diener! Mit der Mauleselei werde ich doch nie so weit kommen, mir einen anständigen Rock zu kaufen.«

Manuel hörte den Malaganer schon nicht mehr an, sondern hatte wiederum Halt gemacht, diesmal in noch stärkerer Erregung als vorher. Er hatte den hellen Ton einer bestimmten Glocke gehört und wieder erkannt! Seine Züge drückten eine Freude, eine Zärtlichkeit, eine, wenn man so sagen darf, selige Betrübtheit aus, die jeden andern in Thränen hätte zerfließen lassen.

»Nun, nun, Herr! Fassen Sie sich,« rief der Diener aus. »Wenn Sie irgend etwas fürchten, hier bin ich ja, und wir haben vier Büchsen!«

»Wehe dir, wenn du irgend jemand erzählst, daß du mich in diesem Zustande gesehen hast,« unterbrach ihn Manuel, »dein Schweigen aber werde ich dir gut bezahlen! Ich will nicht, daß man meine Schwächen kennt! Also vorwärts!«

Der leidenschaftliche junge Mann wußte sich vor Aufregung nicht mehr zu fassen. Auf diesem höchst schwierigen Bergesabhang konnte er nicht vorauseilen. So sprach er wieder zu dem Treiber, um nicht in Gegenwart eines so indiskreten Beobachters auf seine eignen Gedanken hören zu müssen.

»Diese Glocken, die du läuten hörst,« fuhr er mit angenommener Gleichgültigkeit fort, »sind die der Kirche von Santa Maria de la Cabeza. Sie verkünden, daß morgen, am ersten Sonntage des April (wie alle Jahre an demselben Tage) eine große Feierlichkeit in jenem Kirchspiele stattfinden wird. Welche Aufregung wird schon jetzt im ganzen Stadtviertel herrschen! – Ich kenne jemand, der in seiner Jugend diese fröhlichen Glocken geläutet hat! – Wie geht doch die Zeit vorbei und die Dinge der Welt bleiben dieselben! Du wirst sehen, wie schön die Prozession morgen nachmittag hier sein wird! Die Prozession des Christuskindes mit der Weltkugel! Und wenn du dich bis übermorgen aufhältst, kannst du die Lotterie und den Keller besuchen, wo immer etwas Interessantes vorgeht! Dort wird auf alles geboten, auf einen Tanz, einen Kuß, das Glück ... das Leben der Seele ... das Geschick der Menschen! – Doch die Sonne ist schon untergegangen; hier ist der Weg weniger steil. Wir wollen schnell reiten, um die Furt des Flusses zu passieren, ehe die Dunkelheit da ist. Ich möchte nicht, daß das Gepäck naß wird.«

Da der Abstieg jetzt wirklich weniger steil war, so gab Manuel dem Pferde die Sporen und fand sich bald allein in der Ebene bei den weiten Pappelalleen, welche die Nähe des erwähnten Flusses anzeigen. Die Stadt selbst war noch entfernt, aber er befand sich doch gewissermaßen schon unter deren Mauern.

Es fing schon an dunkel zu werden. Der geheimnisvolle Reiz dieser Stunde, die Schönheit der Gegend, die feuchte Frische der Luft, in deren Frühlingsluft er die Bäume, Blumen und Kräuter zu erkennen glaubte, zwischen denen er aufgewachsen war; die harmonische, immer gleiche, ihm so vertraute Musik, welche in jener Jahreszeit bei Anbruch der Nacht die kleinsten Sänger des Schöpfers erschallen lassen, sei es aus den sumpfigen Wassern, sei es aus den Weizenfeldern – alles dies versenkte den jungen Mann in jenen tiefen Seelenfrieden, der zwar so verschieden vom Glück, aber dem Herzen ein besserer Ratgeber ist, als der ersehnte Wunsch der Leidenschaft. So rastete er einige Minuten an dem Ufer des Rubikons seiner armen Lebensgeschichte, als wollte er sein Gemüt vor den höchsten Aufregungen, die ihn erwarteten, ausruhen lassen, oder vielleicht sich kalt fragen, ob er, statt sich dem Glücke zu nähern, dem äußersten Unglück entgegengehe.

Lebte Soledad? War sie ihm treu geblieben, sie, die ihm nie was versprochen hatte? War irgend jemand kühn genug gewesen, sie zu heiraten? Lebte der entsetzliche Alte noch? Würde er sich auch jetzt noch jedem friedlichen Ausgleiche widersetzen? Würde Soledad in diesem Falle es wagen, sich mit ihm, nach der schrecklichen Szene bei der Lotterie, zu vermählen? Liebte sie ihn in diesem Grade? Hatte sie ihn überhaupt je geliebt? Was erwartete den Verbannten bei der Rückkehr nach so langer Abwesenheit? Schreckliche Schmerzen? Grausame Enttäuschung? Neue Kämpfe? Blutige Szenen? Sein eigner Tod als Ende so vieler Qualen und Anstrengungen?

Die Ankunft des Treibers mit den Saumtieren riß den jungen Mann aus diesem Zustande quälender Sorge.

Unsre Reisenden passierten den Fluß und näherten sich dem Thore der Stadt durch die weiten Straßen, deren Seiten mit wohlriechenden Dornbüschen und andern Hecken besetzt sind. So kamen sie durch zahlreiche Weinberge bis etwa fünfhundert Schritt an die Mauer heran, als sie vor einer verlassnen Einsiedelei, die seit alter Zeit durch ein davor befindliches Portal kenntlich ist, die Stimme einer Frau ausrufen hörten:

»Manuel, bist du es? Höre mich auf ein Wort!«

2.

Wirklichkeit

Manuel hielt sein Pferd an, und erkannte bei dem Lichte der Lampe, welche das demütige Heiligtum erleuchtete, in dem von dem Innern durch eine Holzwand getrennten Portale die imponierende, hohe Gestalt einer schwarz gekleideten Frau, welche, als sie ihn Halt machen sah, fortfuhr:

»Also du bist es? Dank sei der allerheiligsten Jungfrau. Ich fürchtete schon, du hättest einen andern Weg eingeschlagen.«

»Ja, Sennora, ich bin es,« antwortete Manuel voll Erstaunen, »und Sie, wer sind Sie? Ich glaube Ihre Stimme zu erkennen...«

»Ich bin Soledads Mutter,« antwortete sie sanft.

Sowie Manuel diese Worte hörte, sprang er vom Pferde.

»Sennora Maria Josepha!« rief er in lebhafter Erregung aus, »Warten Sie einen Augenblick! Höre, Frasquito! Gehe voraus und warte am Eingange der Stadt auf mich. Nimm dich in acht und sprich mit niemand ein Wort!«

Der Malaganer ging weiter, halbtot vor Neugierde danach, gerade davon etwas zu wissen, was er nicht ausplaudern sollte. Manuel band sein Pferd an einer der uralten weißen Pappeln fest, welche damals die Einsiedelei umgaben. Dann trat er schnell in das Portal herein und fragte im freundlichsten Tone:

»Sie sind hier? Sie erwarten mich? Was bedeutet das? Was gibt es? Woher wissen Sie, daß ich komme?«

»Von Don Trinidad Muley,« erwiderte die alte Frau, denn so müssen wir sie jetzt nennen, indem sie Manuels Hände ergriff und an ihr Gesicht hielt, damit er ihre Thränen fühlte. »Aber tadele den Pfarrer nicht, daß er mir dein Geheimnis mitgeteilt hat: ich mußte es wissen! Außerdem hat er keine Geheimnisse vor mir. Er weiß, wie lieb ich dich habe und daß ich dich geliebt habe, seit dein Vater starb. Komm, setze dich hierher! Wir müssen viel miteinander reden, und ich bin dem Umfallen nahe!«

Mit diesen Worten führte sie den jungen Mann zu einer von den genannten Bänken, welche in jenem Portal den Vorbeigehenden und den Betenden dazu dienen, sich auszuruhen.

Manuel war betäubt: er verlor sich in einem Meere von verschiednen und entgegengesetzten Vermutungen. So setzte er sich hin, ohne weitere Fragen zu wagen, aus Furcht, die letzten Hoffnungsträume verschwinden zu sehen. Als er jedoch sah, daß auch die Frau sich zu keiner Erklärung entschloß, sagte er zuletzt mit erzwungener Fassung:

»Es ereignet sich etwas sehr Gutes oder sehr Schlimmes, da Sie die Stadt verlassen haben, um mich in dieser Art zu empfangen. Ich will nicht gleich das Schlimmste voraussetzen, also denke ich, wir werden alle glücklich werden! – Sind Sie gekommen, um mir zu raten, daß ich die Stadt nicht als Feind betrete, da Ihr Mann verhandeln will, oder vielleicht mit mir verhandeln könnte, wenn ich mich entschlösse, diese oder jene Rücksicht zu nehmen? Antworten Sie mir ganz freimütig! Sie schweigen? Sie sind also nicht gekommen, um dies von mir zu verlangen?«

»Nein, Manuel, dies nicht,« erwiderte die gequälte Mutter, »ich bin gekommen, um dich zu bitten (verzeihe, daß ich dich du nenne, aber ich habe dich so angeredet, als du ein Knabe warst, und Gott weiß, daß ich dich immer wie einen Sohn geliebt habe), daß du umkehrst, daß du die Stadt nicht betrittst! Ich bitte dich darum bei dem, was dir auf Erden das Liebste ist!«

Manuel antwortete in bitterm Tone:

»Bei dem was mir das Liebste ist! Welcher Widerspruch und welcher Spott! Wie viele Male, glauben Sie, daß ich lieben kann? Daß ich umkehre, daß ich die Stadt nicht betrete!‹ Das ist leicht zu sagen! Bitten Sie doch einen Fluß, ins Gebirge zurückzukehren, und warten Sie ab, ob er sich daran kehren wird! Mit einem Worte: wozu die vielen Redensarten? Ich verstehe, was Sie sagen wollen: Don Elias verweigert jede Uebereinkunft und wir stehen da, wie zu Anfang: ich muß wieder kämpfen! Wohlan, ich will kämpfen, so viel es nötig ist!«

»Auch das ist es nicht! Mein Mann spricht sich gegen nichts aus...«

»Was? Don Elias läßt sich auf Verhandlungen ein!« rief Manuel voll freudiger Ueberraschung aus, »was hält uns also dann noch auf? Ich bin zu allem bereit. Ich will dem armen Alten volle Genugthuung leisten! Ich sehe ein, daß ich an jenem Tage zu grausam gewesen bin! Außerdem bringe ich ihm seine Million! Hier habe ich sie in Wechseln auf Malaga! Mein Vater wird, wenn er mich diese Schuld bezahlen sieht, meine Heirat mit Soledad segnen! Ach, Sennora, ich habe den Namen der Seele meines Lebens ausgesprochen! Sprechen Sie mir von ihr! Acht Jahre habe ich nichts von ihr gehört! Sagen Sie mir, daß sie mich immer noch liebt, daß sie ihren Vater überzeugt hat! – Auch von ihr schweigen Sie? Sennora, zeigen Sie ein bessres Herz! Entreißen Sie mich dieser entsetzlichen Angst. Was geht vor? Was hat sich während meiner Abwesenheit ereignet?«

»Beruhige dich, mein Sohn! Ich erschrecke, wenn ich dich in diesem Zustande sehe!« antwortete die arme Frau, indem sie von neuem in Thränen ausbrach. »Ich will dir alles sagen, wenn du mir schwörst, umzukehren und die Stadt nicht zu betreten. O, nimm nicht diese Miene an! Zürne mir nicht! Mein Gott, warum will dieser Mann das Unglück erfahren? Warum will er so unglücklich sein, wie ich?«

»Sprechen Sie, Sennora, bei den Nägeln Christi! Und vor allen Dingen raten sie mir nicht, umzukehren! Das ist Lästerung. Acht Jahre habe ich die Verbannung erlitten und gekämpft, Tausende von Meilen habe ich zurückgelegt und immer nur an den Ort gedacht, an den ich jetzt gekommen bin! Sprechen Sie schnell, oder ich setze mich aufs Pferd und reite nach Ihrem Hause, um das Unglück selber zu erfahren, welches Sie mir zu verbergen suchen. Doch ich irre mich, ich quäle mich zu sehr! Es ist unmöglich, daß Soledad gestorben ist! Ohne Zweifel verlangt nur Ihr Mann etwas sehr Schweres, etwas Albernes ... Nicht wahr? So ist es? Quälen Sie sich nicht! Alles wird sich durch Ruhe und Mäßigung ausgleichen lassen! ...«

Maria Josepha schwankte einen Augenblick, dann murmelte sie mit dumpfer Stimme:

»Ich sage dir nocheinmal, daß mein Mann nichts verlangt: er ist tot.«

»Gott sei gelobt!« rief Manuel mit der wilden Feierlichkeit unversöhnlicher Gerechtigkeit aus. »Wenn es eine andre Welt nach dieser gibt, so ist mein Vater jetzt schon gerächt! Ich verzeihe ihm, dem Urheber all meines Unglücks!«

»Auch ich,« versetzte die traurige Wittwe, »verzeihe dir die Grausamkeit, mit welcher du die Nachricht eines meiner Schmerzen aufnimmst, und bitte dich: reden wir nicht weiter! Kehre um, Manuel! Kehre um! und versuche nicht, noch mehr Unglück zu erfahren!«

Der junge Mann stand entsetzt auf, als er ihre letzten Worte hörte.

»Gott Israels!« rief er mit dem Ausdrucke übermenschlichen Schmerzes aus. »Mein Unglück ist besiegelt! Die Erde öffnet sich unter meinen Füßen! Das Himmelsgewölbe stürzt auf mein Haupt herab. Die Welt ist ihrem Ende nahe: Soledad ist gestorben!«

»Was sagst du, Unglücklicher?« antwortete die erschreckte Mutter, »meine Tochter gestorben! Nein! Dein armes Herz täuscht dich nocheinmal! Dann lebte auch ich nicht mehr! Dann wäre ich nicht hier! Komm! Setze dich! Beruhige dich! Du tötest mich mit all dem Wahnsinn, den du dir in den Kopf setzest!«

Manuel seufzte tief, wie aus einem schrecklichen Traume erwachend, ließ sich in die Arme der alten Frau fallen und stammelte endlich mit unaussprechlicher Sanftmut:

»Soledad lebt! Ach, was habe ich in diesen kurzen Augenblicken gelitten! Möge Gott Ihnen verzeihen ...«

Er war vom Glücke wie betäubt.

»Das heißt lieben!« murmelte die geängstete Witwe in wehmütigem Tone.

»Soledad lebt und Elias ist tot,« fuhr der junge Mann nach einigen Augenblicken fort. »Elias, mein, Soledads, ja selbst Ihr unversöhnlicher Feind! Wie glücklich können wir jetzt werden! Glauben Sie denn, liebe Mutter, daß ich nichts von der Liebe und dem Schutze wußte, den Sie mir stets haben angedeihen lassen? Oh, ich wußte es wohl! Don Trinidad Muley hat mir alles mitgeteilt! Der gute Pfarrer, mein Freund, mein Vormund, mein zweiter Vater! ...«

»Ich habe ihn heute gesprochen,« beeilte sich Maria Josevha hinzuzufügen, »er selbst, ebenso wie ich, meinte, du müßtest...«

»Wiederholen Sie es nicht,« sagte der junge Mann, indem er sie liebkoste. »Was ist das für eine sonderbare Einbildung? Warum reden Sie davon, ich sollte die Stadt nicht betreten, während das Schicksal alles so geregelt hat, daß wir vollständig glücklich sein können? Welches neue Hindernis stellt sich uns entgegen? Irgend eine Marotte des guten Pfarrers, oder eine Furcht Ihrerseits? Glauben Sie vielleicht, daß Soledad mich nicht liebt? Nein! Sie liebt mich doch! Hat sie es ja doch selbst gesagt! Ich weiß es, mein Herz sagt es mir! Wenn sie mit mir spricht, wenn sie mich ansieht, werden Sie sehen, daß ihre Seele mein ist! Ich kenne sie! Sie verbirgt ihre Gefühle, doch unsre Liebe gleicht der Sonne: wenn sie sich auch dem Anschein nach in Wolken verhüllt, ihr Glanz bleibt immer derselbe! Ach, Sennora Maria Josepha, ich bin ein andrer Mensch geworden. Ich bin gut, ich bin friedfertig. Man reist nicht umsonst um die Erde, wie ich es zweimal gethan habe. Man führt nicht umsonst die verschiednen Lebensarten, die ich durchgemacht habe. Alle meine Gedanken und Gefühle haben sich in den acht Jahren meiner Abwesenheit verändert, aber meine Liebe zu Soledad und die Sorge für die Ehre meines Namens sind unverändert geblieben! Ach, was habe ich mit dem Schicksal in Afrika, auf den Philippinen, in Indien und in Nord- und Südamerika kämpfen müssen! Und wie hat das Glück mich begünstigt! Ich bin reicher, als mein Vater in seinen guten Zeiten war! In Malaga habe ich ein Vermögen gelassen! In dem Mantelsack auf dem Pferde habe ich viele Pfunde Gold und Edelsteine! In Südamerika war ich General. Ich habe indische Kaziken besiegt, und hätte, wenn ich gewollt hätte, bei diesen Wilden selber Kazike werden können. Erzählen Sie nichts davon! Niemand würde es glauben! Und Soledad bringe ich Geschenke ... und Ihnen auch ... selbst Elias habe ich ein prächtiges Geschenk bestimmt!«

»Verflucht sei das Geld!« brummte die Frau vor sich hin. »Das Geld ist schuld an allem!« Dabei vergoß sie fortwährend bittre Thränen, während Manuel, neben ihr sitzend und sie beinahe umarmend, ihr mit seiner fast kindlichen Unschuld erzählte, auf welche Weise er das goldne Vließ gewonnen hatte.

»Verflucht sei das Geld! sage auch ich,« fuhr er mit einer gewissen Bitterkeit fort, »aber ich fange nicht jetzt erst an, es zu sagen, ich habe es immer gesagt! Wenn ich die Welt durcheilen mußte, um mehr Gold zu suchen, als unsre Sierra mir geben konnte, so wissen Sie, was der Grund war! Uebrigens sind die Summen, die ich zurückbringe, ebenso ehrenvoll auf dem Schlachtfelde gewonnen worden, wie die Schätze vieler europäischen Könige! Ich bin der Sohn Don Rodrigos geblieben! Und nun gehen wir in die Stadt! Der Maultiertreiber erwartet mich! Ich werde mein Pferd am Zügel führen und Sie begleiten, und wenn sie es erlauben, so spreche ich noch heute abend mit Ihrer Tochter, und in zwei Wochen ist alles besorgt! Kommen Sie, Sennora! Lassen Sie uns die kostbare Zeit nicht verlieren!«

Mit diesen Worten stand er auf, um in die Stadt zu gehen.

Maria Josepha erhob sich nicht, sondern verbarg das Antlitz in den Händen und fing an, aufs jammervollste zu stöhnen, indem sie mit herzzerreißendem Tone ausrief:

»Oh mein Gott! Gott meiner Seele! Was soll aus uns werden? Wir sind verflucht! Arme Tochter meines Lebens!«

Manuel blieb kalt wie Marmor, aber der Todesschweiß brach auf seinem entstellten Gesichte aus.

»Sennora,« stotterte er endlich, »sprechen Sie deutlich! Welche neue Schändlichkeit hat sich während meiner Abwesenheit zugetragen? Sagen Sie es mir schnell, oder ich eile in die Stadt, um es selbst zu erfahren!«

»Manuel, Manuel,« rief die arme alte Frau aus, »gehe nicht in die Stadt! Gehe in ein andres Land! Gehe wohin du willst! Ich will dich bis ans Ende der Welt begleiten! Ich will bei dir bleiben bis zu meinem letzten Tage! Ich will dir eine liebevolle, zärtliche Mutter sein!«

»Und Soledad?« rief der junge Mann in Verzweiflung aus, »was soll aus Soledad werden? Was ist mit ihr vorgegangen? Schnell, schnell! Ohne weitere Ausflüchte!«

»Frage mich nicht! Soledad verdient unsre Liebe nicht! Ich will sie nie wiedersehen! Komm, komm, mein Sohn! Rufe jenem Menschen! Wir wollen nach Amerika, nach Portugal, auf die Philippinen gehen, wohin du willst!«

»Und Soledad?« rief Manuel mit solcher Heftigkeit aus, daß die Mutter erschreckt zurücktrat. Was haben Sie mit ihrer Tochter gethan? Bei wem soll Soledad bleiben?«

Einen Augenblick schwiegen beide, während ihre Herzen stürmisch pochten.

Manuel war der erste, der den Mut wiederfand, dem Abgrunde entgegenzuschreiten. Er sagte mit der schrecklichen Ruhe des Selbstmörders:

»Sie brauchen mir nichts mehr zu sagen: Soledad hat sich verheiratet.«

Statt aller Antwort fiel die Mutter auf die Kniee und streckte dem jungen Manne, wie um Verzeihung flehend, die Hände entgegen.

Venegas blieb einige Augenblicke wie unter der Last der Trümmer liegen, die auf sein Herz gestürzt waren. Die ganze Welt war über ihm zusammengefallen. Einen Augenblick, nur einen Augenblick, empfand er die letzte Täuschung seines Lebens und glaubte sich seinem Unglücke nicht gewachsen. Vielleicht glaubte er auch jetzt, wie in der traurigen Nacht, die auf das Begräbnis seines Vaters folgte, er sei gestorben und begraben.

Aber nicht lange, so erwachte sein wilder Sinn unter den Trümmern seiner vernichteten Jugend. Aus dieser Krisis ging er viel schrecklicher hervor als aus der Erschütterung, die das Ende seiner Kindheit herbeigeführt hatte. Er stieß einen wilden Schrei aus, der das edle Pferd, welches dicht dabei stand, zittern und vor Schreck zurückprallen machte, bückte sich zu dem entsetzten Opfer, das ihm zu Füßen lag und sagte mit rauher Stimme:

»Wer? Wer ist es gewesen? Wer hat sich meinem Weibe verheiratet? Wie heißt der Verwegene? Doch was kümmert mich sein Name? Sterben muß er, wer er auch sei! Sterben soll er, auch wenn er sich im Innersten der Erde verbürge! Darüber brauche ich kein Wort mehr zu verlieren, das ist eine ausgemachte Sache! Aber sage mir, schändliche, heulende alte Betrügerin, die du tausendmal schlechter bist als der Skorpion, mit dem du verheiratet warst, wie hast du zugeben können, daß Soledad ... Was hast du gethan, um sie dazu zu bringen ... Wie hat sie sich können dazu bereit finden lassen ... Ach, die schamlose Heuchlerin! Das elende Geschöpf, das ich für einen Engel hielt! Sich mit einem andern zu verheiraten! Welche Schande! Welcher Ekel! Welche Erbärmlichkeit! Ihr seid alle dasselbe Schlangengezücht, Vater, Mutter und Tochter!«

»Sie ist unschuldig,« antwortete die alte Frau, indem sie sich bei diesen entsetzlichen Schmähungen allmählich aufrichtete.

»Sie muß sterben!« rief Manuel aus, den Arm wie zum Schwur ausstreckend.

»Ihr Vater hat sie gezwungen, sich zu verheiraten. Sie wollte nicht, ich schwöre es bei allem, was mir heilig ist.«

»Sie muß sterben!« wiederholte Manuel im unversöhnlichen Tone.

»Eher sollst du tausendmal sterben, Teufel der Hölle!« stieß endlich die alte Frau hervor, indem sie das Gesicht so weit erhob, daß es das des jungen Mannes berührte, »du stehst einer Mutter gegenüber, die zu allem entschlossen ist, zu morden, selber zu sterben, zu weinen bis dein steinernes Herz erweicht ist, deine Sklavin zu werden ... zu allem, nur nicht dazu, ihre Tochter leiden zu sehen! dem Enkel ihres Herzens seinen Vater rauben zu lassen! Jetzt weißt du es, Ungeheuer! Schlage den Weg ein, der dir gefällt!«

Manuel brach in ein wildes, konvulsivisches Lachen aus.

»Die Schamlose hat auch einen Sohn!« rief er aus, »einen Sohn jenes... wie die Drachenbrut sich vermehrt! Wie viele muß ich töten! Aber zuerst dich, da du die andern noch verteidigst! – Beten Sie Ihr Glaubensbekenntnis, Sennora Maria!«

Die alte Frau stieß einen lauten Schrei aus, indem sie sich dem Tode nahe glaubte. Sie sah keine Rettung und fiel auf die Kniee, indem sie die Füße des Unsinnigen umarmte.

»So ist es recht! Zu meinen Füßen!« rief jener mit teuflischer Freude aus, »hören Sie in dieser Stellung meine Befehle! Vielleicht erlangen Sie, wenn Sie mir in allem gehorchen, eine Umwandlung Ihrer Strafe! Jetzt spricht nicht jener Verräter zu Ihnen, den sich ihre Tochter zugesellt hat, sondern Soledads wirklicher Gatte! Sagen Sie diesem Menschen, er soll das Haus verlassen, auf das er kein Anrecht hat, und welches ich heute abend betreten muß, ich weiß noch nicht, ob um mein Weib zu küssen, oder sie zu schlagen, ehe ich sie töte! Sagen Sie ihm, daß ich ihn morgen früh suchen werde, wo er sich auch verstecken mag! Mit der Spürnase des Jagdhundes werde ich seiner Fährte nachgehen, wie der eines feigen Marders oder eines diebischen Fuchses, und ihn töten, wie man ein schädliches Insekt tötet. Sagen Sie Soledad, daß ich angekommen sei, daß sie ihren Sohn ins Findelhaus schicken und warten soll, bis ich zu ihr komme oder sie zu mir entbieten lasse! Sagen Sie ihr, daß ich, Manuel Venegas ... Nein, sagen Sie ihr nichts! Ach, mein Gott! Mein Verstand verwirrt sich! Ich werde wahnsinnig! Luft! Luft! Meine arme Soledad! Soledad meiner Seele! Soledad! Soledad!«

Mit diesen Worten, halb schluchzend, halb lachend, aber ohne eine Thräne zu vergießen, ging er taumelnd aus der Einsiedelei heraus, bestieg sein Pferd und verschwand, indem er die Straße verließ, in der Finsternis auf den Feldern, als ob er gleichzeitig den fremden Ländern, in denen er so lange Jahre gelebt hatte, und der Stadt entfliehen wollte, vor deren Thoren er soeben den Todesstoß empfangen hatte.

3.

Was die Bewohner der Stadt in dieser Nacht dachten und sagten.

Die plötzlich auftauchende Nachricht, daß Manuel Venegas, mit Reichtum überhäuft und glühend vor Zorn, zurückgekehrt sei, durcheilte noch in derselben Nacht mit der Eile einer Schreckensbotschaft die ganze Stadt, wie wenn es sich um das Auftreten der Cholera oder die Ankunft eines feindlichen Heeres gehandelt hätte. Der Maultiertreiber aus Malaga hatte sich auf den ihm unbekannten Straßen mit seinen drei beladnen Tieren herumgetrieben und die Vorübergehenden gefragt »nach einem gewissen Don Manuel Venegas, der mit ihm von Malaga gekommen sei«. So war er der erste, der – etwa um die Zeit des Abendgeläutes – dem Publikum diese aufregende Neuigkeit mitteilte.

Es war schon zu spät, als daß sich in einem so altmodischen Orte die Plaudereien und Gespräche der Leute auf den Plätzen und Straßen noch lange hätten fortsetzen können, obgleich es sich um eine so wichtige Begebenheit handelte.

Auch in der Apotheke, oder vielmehr in dem Hinterzimmer derselben, dem Hauptquartier der städtischen Klatschsucht, sprach man viel von der Rückkehr Manuels. Man hatte auch (durch die Schwester der Haushälterin des Pfarrers) erfahren, daß Don Trinidad Muley vor vierzehn Tagen einen aus Malaga (aber ohne Angabe des Gasthofes, um jede Antwort unmöglich zu machen) datierten Brief erhalten hatte, worin ihm Manuel unter dem Siegel des Geheimnisses mitgeteilt hatte, er werde am fünften April in der Stadt eintreffen. Für diesen Tag mochte er ihm ein ordentliches Haus in guter Lage in der Stadt und etwas mit Möbeln versehen mieten. Es war also Manuel und nicht der neue Dechant, der auf dem großen Platze das alte Haus (welches immer noch Haus des Domsängers hieß) bewohnen würde. Man wußte auch, daß die erwähnte Schwester der Haushälterin des Pfarrers, in ihrer hohen Stellung als Beschließerin Manuels, schon eingezogen war und die drei Maultierlasten von Gold, Perlen und Rubinen in Empfang genommen hatte, mit denen der Treiber so lange durch die Straßen gewandert war. Endlich hatte man erfahren, daß nichts mehr von Manuel bekannt worden war, seit ihn mehrere Wächter spät in der Nacht hatten über die Felder jagen sehen, als ob er und das Pferd toll geworden seien; daß sich aber Don Trinidad schon mit einem Esel aufgemacht habe, um ihn zu suchen, wobei denn zu hoffen – oder wie der Erzählende sagte zu fürchten – sei, daß, wenn er ihn rechtzeitig träfe und beruhigen könnte, sich in dieser Nacht nichts Schlimmes mehr ereignen würde.

Da alle in dem Hinterzimmer der Apotheke Versammelten die Geschichte der Heirat Soledads mit Antonio Arregui am Schnürchen hatten, diesen Mann gut kannten, und alles, was sich im Hause des Don Elias Perez nach Manuels Abreise begeben hatte, wußten, so brauchte man von diesen Dingen hier nicht zu sprechen, und der Rest des Abends wurde damit zugebracht, daß ein jeder die Entwickelung des Trauerspiels vorhersagte, welche ihm die Passendste zu sein schien. Hierbei war Vitriolo (so hieß der Apotheker gewöhnlich) der Ansicht, sie müßten alle sterben, Manuel, ihr Gatte, die Dolorosa, ihre Mutter, ja selbst womöglich Don Trinidad Muley.

4.

Soledad.

Soledad war während des ersten Jahres nach Manuels Verschwinden sehr krank, und ihr Vater dachte nur daran, sie zu pflegen. Endlich gelang es, sie durch die aufmerksamste Pflege und Sorgfalt und durch die von allen Seiten herbeigerufnen Aerzte zu heilen. Darauf machte sich Elias daran, ihr persönlich oder durch Mittelspersonen einen Mann zu suchen, ohne daß sie oder ihre Mutter etwas davon merkte. Aber zu Ehre und Ruhm des abwesenden Liebhabers sei es gesagt – niemand wagte es, ihm Herz und Hand der Geliebten streitig zu machen, obgleich der alte Wucherer das Mädchen mit Goldunzen zudecken wollte, ja, obgleich sie noch immer ein Wunder von Schönheit war und von mehr als einem geliebt wurde. Die meisten, welche die Hand der Millionärin ausgeschlagen, thaten es weniger aus Freundschaft und Ergebenheit für den Abwesenden, als aus Furcht vor seinen Drohungen und Schwüren. Wenn übrigens jemand den Wucherer nach den Gesinnungen seiner Tochter fragte (für den Fall, daß er sich entschlöße, sich um ihre Hand zu bewerben), so hörte er unfehlbar die im ruhigsten Tone gesprochne Antwort:

»Das ist meine Sorge. Rechnen Sie darauf, daß meine Tochter einwilligt.«

Ein einziger, der häßlichste und feigste junge Mann der ganzen Stadt, eine Art Quasimodo, aber ohne ein Gemüt, welches etwa Ersatz für die Häßlichkeit des Körpers gewähren könnte, ein Mensch, der von allen mit Fußtritten behandelt wurde, wenn man ihm auch Verstand und bedeutende (nur zum Uebel ausschlagende) Bildung nicht absprechen konnte – mit einem Worte, ein gewisser Vitriolo, Provisor in der Apotheke, – hatte den Mut, nicht der Aufforderung des Wucherers zu entsprechen (denn er hatte ihn gar nicht aufgefordert, da er ihn kaum für ein menschliches Wesen ansah), sondern selbst die Initiative zu ergreifen, einen Brief an Soledad und einen zweiten an ihren Vater zu schreiben und um die Hand des reizenden Mädchens anzuhalten. Der elende Bursche berief sich mit dem größten Ernst auf die Schönheit seiner Seele, die Größe seines Verstandes, seine Bildung (die der Narr für höher erklärte, als die der ganzen Nachbarschaft!), seine Reinheit von Lastern, seinen Fleiß, seine Vorurteilslosigkeit in religiöser und politischer Beziehung, und vor allem den Umstand, daß er nicht die geringste Furcht vor dem Helden habe, den das Volk den Knaben mit der Weltkugel nenne.

Es ist selbstverständlich, daß Vater und Tochter diese Briefe keiner Beachtung wert und nur für einen schlechten Witz hielten. Da also der Apotheker keine Antwort erhielt, so wagte er es, persönlich über die Sache mit Don Elias zu sprechen. Der Wucherer konnte bei Gelegenheit wahrer Teufel sein und überhäufte statt aller Antwort Vitriolo mit Schimpfreden und dem entsetzlichsten Hohne. Zuletzt sagte er ihm noch:

»Möge Gott dich davor bewahren, giftige Schlange, noch einmal an meine Tochter zu schreiben. Soledad hat sich damit begnügt, deinen Liebesbrief einem Hunde zum Fressen vorzuwerfen; ich würde dich dazu zwingen, deine weitern Briefe selber zu verschlucken!«

Vitriolo erwiderte mit einem Lachen, welches selbst den Kaiphas in Schrecken setzte:

»Armer Hund! Nehmen Sie sich nur in acht, daß er nicht toll wird!«

Darauf kehrte er in seine Wohnung zurück und war drei Monate lang krank.

Von der traurigen und demütigen Lage der armen Soledad unter solchen Verhältnissen kann man sich leicht eine Vorstellung machen. Freilich war unsre Heldin äußerlich dieselbe wie immer: gefaßt, unbeweglich, schweigsam über alles, was Manuel betraf; zärtlich und schmeichlerisch gegen den Wucherer, der nicht recht wußte, was er von ihrem Benehmen denken sollte, begleitete sie ihn täglich in die Kirche und beim Spaziergang, verwandte bedeutende Summen auf Schmuck und Kleidung, und erwiderte die schönen Redensarten, welche einige junge Männer denn doch an sie zu richten wagten, mit einem Lächeln kalten Mitleids!

Auf diese Weise gingen sechs Jahre ins Land. Don Elias Perez näherte sich, von Alter und Gram niedergedrückt, dem Grabe und seine Verzweiflung kannte keine Grenzen, wenn er daran dachte, daß er Soledad unverheiratet zurücklasse, und daß der verhaßte Venegas jeden Tag zurückkommen und sie verlangen könne! Da kam er auf den Gedanken, mit seiner ganzen Familie auszuwandern und irgendwo anders zu leben, wo niemand etwas von den in seiner Stadt unvergeßlichen Drohungen Manuels wüßte und er einen Mann für die Erbin seiner Millionen finden könnte. Aber es war zu spät! Ein hartnäckiger Rheumatismus hinderte ihn an jeder Bewegung. Er mußte das Bett hüten, um nicht wieder aufzustehen!

Da weder Elias noch Soledad jemals Freunde oder Vertraute hatten, so verlautete nur wenig von den Unterhaltungen, die damals der Vater mit der Tochter hatte, sowie über die eigentlichen Gesinnungen der letztern. Nur der Mutter (welche übrigens die Tochter mit derselben Abneigung und demselben Mißtrauen behandelte, wie der Wucherer, als ob auch sie ebenso wie er ihr nicht verzeihen konnte, daß sie dem Manne, dem sie jetzt die demütigste Gattin war, einst eine ehrliche Dienerin gewesen war), nur ihr allein war es gelungen, einige Worte zu hören. So wurde behauptet, Elias habe während seiner langen Krankheit manchmal ausgerufen:

»Liebe Tochter, verheirate dich, ehe ich sterbe!«

Und das Mädchen antwortete stets:

»Mit wem? Mit Vitriolo? Das ist der einzige, der mich haben will!«

Als Elias zum erstenmal das letzte Abendmahl nahm (drei Monate vor seinem Tode), umarmte er, wie Maria Josepha erzählte, die Tochter krampfhaft und sagte mit bitterer Angst:

»Schwöre mir, Manuel Venegas nie zu heiraten!«

»Ich werde nie etwas andres thun, als was Sie mir befehlen,« antwortete Soledad.

»Aber ich kann sterben! Ich liege schon im Sterben! Schwöre mir, daß du, wenn ich die Augen geschlossen habe ...«

»Dann werde ich das thun, was meine Mutter mir befiehlt,« war die Antwort.

»Deine Mutter ist eine Närrin!« rief der Wucherer, »sie steckt mit dem Banditen unter einer Decke: Schwöre, daß, wenn sie es dir auch befehlen mag, du dich doch nicht mit dem Menschen verheiraten willst, der mich heute tötet, ...«

»Vater, ich kann es nicht schwören! Es wäre eine Sünde!« antwortete Soledad ernst. »Ich werde meinem Vater und meiner Mutter immer gehorchen, wie Gott es in denselben Geboten verlangt, in welchen er verbietet, seinen heiligen Namen unnütz anzurufen!«

»Unnütz! unnütz!« wiederholte der Sterbende. »Ah, du Erzheuchlerin! du denkst, du wirst mich auslachen, wenn ich begraben bin! Undankbar bist du! Du willst den Todeskampf des Vaters noch verbittern, der dich angebetet, so viel Geld darauf verwandt hat, dir Freude zu machen und der dir nun nichts mehr nützen kann!«

»Ich gehorche meinen Eltern und meinem Gott, Gott aber vor allem!« rief das Mädchen. »Deswegen schwöre ich nicht, und werde nicht schwören, wenn Sie mich auch noch so sehr verletzen!«

»Nun also! Es ist auch möglich, daß ich noch nicht sterbe! Nimm alle diese Arzneien weg und gib mir zu essen! Morgen bin ich wieder gesund. Deine Widersetzlichkeit gibt mir neues Leben. Ich fühle eine frische Lebenskraft in mir, auf die ich ebensowenig gerechnet hatte wie du. Du hast meinem Leben mindestens ein Jahr zugelegt. Und länger brauche ich nicht, um von deinem Gehorsam Gebrauch zu machen!«

»Sie brauchen nur zu befehlen ...«

»Das glaube ich auch, daß ich befehlen werde. Gleich morgen trittst du als Novize in ein Kloster, und wenn ich während des Noviziatsjahres keine Gelegenheit habe, dich zu verheiraten, so nimmst du heute über ein Jahr den Schleier, ich sterbe ruhig und vermache mein ganzes Vermögen den Hospitälern der Rioja! Was sagst du dazu?«

»Daß ich morgen ins Kloster gehen werde,« erwiderte Soledad und küßte ihren Vater.

Der Alte wurde nicht wieder gesund und hatte, so oft er es auch versuchte, nie mehr die Kraft, sein Bett zu verlassen. Aber allerdings besserte sich sein Zustand nach jener Unterredung doch etwas. Dieselben Aerzte, die ihm geraten hatten, das Abendmahl zu nehmen, erklärten ihn vorläufig außer Gefahr, ja vielleicht imstande, noch lange zu leben, wenn nicht eine neue Krisis eintrete. Was Soledad anlangt, so ging sie am folgenden Tage wirklich ins Kloster, Vater und Tochter waren mit derselben Schere zugeschnitten!«

Alle Welt hatte seine Vermutung über die geheimen Gedanken Soledads, von der man selbst zu glauben geneigt war, sie hoffe, ihr Vater werde vor Ablauf des Jahres sterben. Jedenfalls hielt man sie für fest entschlossen, nicht den Schleier zu nehmen. Denn, war sie einmal Nonne, so waren Manuel Venegas alle Wege zu ihr versperrt.

Wenige Tage nach Soledads Eintritt ins Kloster kam ein Riojaner mit einem Empfehlungsbriefe an Don Elias an, damit dieser ihm durch seine Ratschläge und Verbindungen behilflich sein sollte, am Fuße der Sierra eine Tuchfabrik mit Betrieb durch Wasserkraft anzulegen.

Don Antonio Arregui – so hieß der neue Ankömmling – war ein Mann von etwa dreißig Jahren, von angenehmem Aeußern. Er war sehr vorsichtig und gehalten in seinem Benehmen, liebte unnützes Reden wenig, war ziemlich, wenn auch sehr viel weniger reich als der Wucherer, von vortrefflichen Gesinnungen, wenn auch wenig imstande, denselben passenden Ausdruck zu verleihen, und in den Geschäften von vollständiger Ehrenhaftigkeit, außerdem Junggeselle.

Don Elias hatte seinen Mann gefunden. Er fing damit an, ihm sein Haus zu öffnen. Alle seine Schuldner mußten ihn bei jeder Gelegenheit unterstützen. Als seinem Landsmann und Freund seiner Verwandten schenkte er ihm das für die Anlage der Fabrik erforderliche Grundstück. Er ließ ihn mehrmals nachmittags ins Kloster gehen und seine schöne Tochter besuchen, indem er ihm Aufträge und Bestellungen für sie mitgab. Als er dann meinte, daß der gute Antonio bereit sei, in die ihm gestellte Falle zu gehen, erzählte er ihm eines Tages mit größter Geschicklichkeit, was er den Kummer seines Alters und das Unglück seines Hauses nannte, was ihn aufs Krankenbett geworfen habe und bald töten werde, das heißt, die schreckliche Geschichte von dem Zwange, den ein verrückter Mensch, der sogenannte Knabe mit der Weltkugel, gegen ihn und seine arme Tochter ausübe, da sie schwach seien und keinen Arm hätten, der sie in dieser selbstsüchtigen Stadt verteidige, wo man niemand das Verbrechen, ein Fremder zu sein, jemals verzeihe. Die Sache sei soweit gekommen, daß es nicht möglich gewesen sei, das Mädchen mit einem achtungswerten Manne zu verheiraten, und daß sie zuletzt sich gezwungen sehen werde, den Schleier zu nehmen, obgleich das Klosterleben gar keinen Reiz für sie habe. Es sei eben das einzige Mittel, sich aus dieser lächerlichen und gefährlichen Lage zu befreien. – »Und alles dies,« sagte Elias zum Schluß, »ist eine Folge der wahren Hasenfurcht, die eine ganze Stadt von zwölftausend Einwohnern vor den verbrecherischen Drohungen eines lasterhaften Menschen empfindet, dessen Aufenthaltsort seit vielen Jahren unbekannt ist und der wahrscheinlich auf dem Schafott geendet hat.«

Arregui, ein Riojaner und von baskischem Blute, hatte in seinem mutigen Herzen nichts von der abergläubischen Furcht, welche so leicht in der andalusischen Einbildungskraft eine Stelle findet, und war verwundert über diese Mitteilungen. Er erkundigte sich bei verständigen Leuten und erfuhr, daß alles auf Wahrheit beruhe. Da anderseits die Schönheit, Liebenswürdigkeit und Zurückhaltung der Dolorosa Eindruck auf ihn gemacht hatte, sobald er sie nur sah (wobei er gar nicht hatte begreifen können, warum ein so bezauberndes Geschöpf, die noch dazu Erbin mehrerer Millionen war, sich für das Leben in den Mauern eines Klosters begraben wollte), so trat er wenige Tage später vor das Bett des Alten und sagte mit seinem gewöhnlichen Ernst:

»Es ist nicht mein Beruf tapfer zu sein, aber ich fürchte mich vor keinem Menschen, besonders wenn das Recht auf meiner Seite ist und ich auf den Schutz der Gesetze und der Gerichte rechnen kann. Ebensowenig bin ich, mit Ihnen verglichen, reich. Aber ich habe geringe Bedürfnisse und brauche, da mir mein Vermögen und meine Liebe zur Arbeit mehr gibt, als ich zum Leben nötig habe, nicht die Millionen eines andern. Was ich, als Ihr Landsmann, aufrichtig dankbar für Ihre Gefälligkeiten und von Liebe zu Ihrer schönen Tochter erfüllt, wünsche und brauche, ist, dem schmachvollen Zustande, welcher auf Ihnen lastet, ein Ende zu machen! Ich beehre mich also, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten, ohne Verachtung oder Herausforderung, aber auch ohne irgendwelche Furcht vor den Drohungen des sogenannten Knaben mit der Weltkugel.«

Don Elias umarmte Antonio, küßte ihm die Hände und den Mund, nannte ihn den Sohn seiner Seele und seines Herzens, weinte vor Freude und Dankbarkeit, rief sogleich seine gequälte Frau, die alles hinter der Thür mit angehört hatte, und befahl ihr, sogleich die Tochter zu holen, jedoch vorher ihren Schwiegersohn zu umarmen.

Maria Josepha hatte diesen Schlag schon seit vielen Tagen vorausgesehen, ja herbeigewünscht, denn für die arme Frau war es das Härteste, ohne die Freude ihres Herzens zu leben, und zu denken, daß sie dieselbe nach dem Noviziatsjahre ganz verlieren würde. So erschien ihr das als ein geringeres Unglück, was aus dieser Ehe an dem Tage der Rückkehr des gefürchteten Manuel entstehen konnte, welche für viele Leute unwahrscheinlich, für sie selbst jedoch unfehlbar sicher war. Nur eins wünschte die Unglückliche von Herzen, nämlich ihre Tochter immer sehen zu können, sie sich nicht nehmen zu lassen, sie nicht in einem Kloster vergraben zu wissen. Deswegen umarmte sie den Fabrikanten mit einer gewissen Freude und versuchte das traurige Vorgefühl kommenden Unglücks, welches sie empfand, zum Schweigen zu bringen.

Eiligst begab sie sich zu Soledad, die sie seit dem vorhergehenden Nachmittage nicht gesehen hatte. Es verlautete nichts Genaues über das, was in dem Schlafzimmer vorging, als Soledad aus dem Kloster zurückgekehrt war, aber so viel bekannt wurde, haben die Bitten, Thränen und Befehle des kranken Vaters, der gewissermaßen von der Bahre aus jetzt den versprochnen Gehorsam verlangte und sie mit seinem und des Himmels Fluche bedrohte, ebenso wie die ernste und edle Haltung ihres neuen Liebhabers, dessen ausdrucksvolle Züge eine Liebe versprachen, die auch vor dem Tode nicht zurückscheute, aber den geringsten Launen der Geliebten sich beugen würde, zuletzt die Dolorosa dazu vermocht, die unbegründeten Hoffnungen Manuels zu opfern, »dem sie ja eigentlich nichts versprochen, ja mit dem sie niemals ein Wort geredet hatte«.

So sprach die Sphinx das ersehnte Ja endlich, und zwar, um die Wahrheit zu sagen, zur großen Verwunderung und zum Erstaunen der ganzen Stadt, aus. Einige sagten, sie habe es ganz ruhig und standhaft hervorgebracht, andre, es habe ihr einen schrecklichen Kampf gekostet. Aber auf jeden Fall sprach sie es aus und sogleich nahm Antonio Arregui den seit Manuels Abreise leer gewordnen Thron in jener zu ewigen Zwistigkeiten geneigten Stadt ein.

Es gab damals Leute, die erzählten, das schlaue und geheimnisvolle Mädchen habe sich so lange beherrscht, bis ihr Bräutigam am folgenden Tage in seine Fabrik gegangen war, dann aber sei sie in so schreckliche Nervenkrämpfe verfallen, daß sie viele Stunden lang wie tot dalag. Nichtsdestoweniger erlangte sie, sobald Antonio zurückgekehrt war, ihre Herrschaft über sich selbst wieder und zeigte sich ruhig, zufrieden, ja fast heiter.

Schon wenige Wochen nachdem man über die Ehe einig geworden war, wurde das Aufgebot bestellt. Während es verlesen wurde, hatten alle die Augen auf die Thüre geheftet, um Manuel Venegas in dem melancholischen und feierlichen Auftreten des Verlobten in der Lucia in die Kirche treten und dem ehrlichen Priester, der die Kühnheit hatte diese Ehe zu verkünden, die Lüge geben oder ihn erdrosseln zu sehen. Glücklicherweise geschah kein ähnlicher Skandal, noch begab sich irgend etwas Besondres. Und auf diese Weise kam, wie alles auf Erden herankommt, auch der Hochzeitstag heran.

Die Ehe wurde abends im Schlafzimmer des Wucherers geschlossen, dessen Leben zum zweitenmale in großer Gefahr schwebte, der aber durchaus nicht zugeben wollte, daß die heilige Handlung auch nur um eine Stunde aufgeschoben würde. Niemand war zugegen als der Pfarrer des betreffenden Kirchspiels und die notwendigen Zeugen. Kaum war die Trauungsfeierlichkeit beendet, und während die junge Frau ihrer Mutter, die bewußtlos zur Erde gefallen war, zu Hilfe eilte, hörte man einen tiefen Seufzer aus dem Bette, welches einst dem Vater Manuels gehört hatte, und von welchem aus Don Elias Perez soeben noch seine Rolle als Brautvater gespielt hatte. Der alte Wucherer war seinem Ende nahe! Dem Pfarrer blieb kaum Zeit, aus demselben Buche, aus welchem er eben erst den Brautleuten den Brief des Apostels Paulus vorgelesen hatte, jetzt die Gebete für den Sterbenden zu lesen. Don Elias gab nach wenigen Augenblicken den Geist auf. – Dieselben Kerzen, die angezündet waren, um der geopferten Tochter als eheliche Fackeln zu leuchten, dienten jetzt dazu, das Totenbett des tyrannischen Vaters zu erhellen, welcher den ganzen Kampf heraufbeschworen hatte.

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