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Männer ? Frauen und ...

Claude Anet: Männer ? Frauen und ... - Kapitel 7
Quellenangabe
typeaphorism
authorClaude Anet
titleMänner ? Frauen und ...
publisherE. P. Tal & Co. / Verlag
year1928
translatorGeorg Schwarz
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201309
projectid64c06c4f
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Einige Ratschläge zur Wahl einer Geliebten

Eine Geliebte wählt man nicht. Sie bricht über einen herein – wie ein Unwetter, behaupten manche.

*

Trotzdem muß man so tun, als hätte man die freie Wahl, zu lieben, wen man mag. Deswegen habe ich diese Ratschläge hier niedergelegt.

*

Schweige unbesorgt, wenn in Gesellschaft von Liebe gesprochen wird. Wer sich im Kreise Vieler verausgabt, erschöpft sich zwecklos. Vor der Öffentlichkeit sollst du nicht glänzen!

Was du zu sagen hast, spare für intimere Gelegenheiten. Tritt erst aus deiner Zurückhaltung, wenn du neben der Frau sitzt, der du gefallen willst. Erstaunt wird sie begreifen, daß sie die Ursache der Änderung deines Wesens ist, und sie wird dir dafür dankbar sein. Erkläre ihr, daß Gespräche zwischen mehr als zwei Personen bloß für die Galerie geführt werden.

*

Verfalle nicht in den Fehler so vieler junger Leute, leichtfertig von der Liebe zu sprechen. Fürchte dich nicht, ernst und überzeugt zu scheinen. Alle Frauen, selbst die frivolsten, sind entzückt, wenn man sie, und wäre es nur für einen Augenblick, ernst nimmt.

*

Vor allen Dingen sei verschwiegen. Erzähle nichts aus deiner Vergangenheit. Es ist schwierig, geschmackvoll zu bleiben, während man von sich selbst spricht. Überdies kannst du darauf rechnen, daß man der Frau, an der du Interesse zeigst, bald alles Wissenswerte über dich zutragen wird. Sobald man bemerkt, daß du ihr den Hof machst, werden viele Freunde sie warnen: »Geben Sie acht! Sie wissen nicht, was für einen Gegner Sie vor sich haben. Er ist unglaublich geschickt; die Frauen, die er unglücklich gemacht hat, sind zahllos. Er ist ein gefährlicher Mensch!« Das entscheidende Wort ist damit gefallen, jenes, das deinen Erfolg verbürgt. Keine Frau, die so gewarnt wurde, wird nicht den Wunsch haben, eine Episode, an der sie bis dahin vielleicht kaum beteiligt war, weiterzuspinnen. Der Gedanke an die Gefahr erregt sie, sei es, daß sie dort Siegerin zu bleiben hofft, wo andere unterlegen sind, sei es wegen der so begreiflichen Anziehungskraft, die jedes Wagnis auf eine Frau ausübt, die sich langweilt. Auch gibt es kaum eine Frau, wie schwach sie auch sein möge, die nicht in ihrem Innersten davon überzeugt wäre, durch die geheimen Künste ihres Geschlechts im Kampf mit dem Mann doch die Oberhand zu behalten. Es ist möglich, daß eine sentimentale Frau, wenn sie noch keine Erfahrungen in der Liebe gemacht hat, dich als Folge solcher freundschaftlichen Beschwörungen einige Tage mit Kälte behandelt. Laß dein Benehmen ihr gegenüber dadurch nicht beeinflussen. Sie wird es bald wieder aufgeben und solche Stimmungswechsel führen sie nur noch rascher in deine Arme.

Um ein Don Juan zu werden, genügt es, etwa mit Hilfe eines Freundes, das Gerücht zu verbreiten, daß man ein gefährlicher Mann sei. Es ist zweifellos vorteilhafter, sich auf die Andeutungen eines anderen verlassen zu können, als selbst mit seinen Erfolgen prahlen zu müssen.

Besonders bei deinem ersten Erlebnis wirst du sehen, wie günstig diese Verschwiegenheit ist. Man wird sie dir als Diskretion auslegen und dich noch loben. Frauen ertragen keine Plauderhaftigkeit bei uns Männern; sie nehmen sie, in reichstem Maße, für sich selbst in Anspruch.

*

Denkst du im Augenblick, da du eine Geliebte nehmen willst, an alle Unannehmlichkeiten, die sie in dein Leben bringen könnte, – dann wirst du niemals eine haben. Voll Entsetzen wirst du dir die endlose Reihe von Schwierigkeiten vergegenwärtigen, die ein Liebesakt nach sich zieht.

Wollte man übrigens, nur der Vernunft gehorchend, handeln, dann dürfte man überhaupt nichts beginnen. Vom Standpunkt der Vernunft ist alles unmöglich; weder die Gesellschaft, noch die ganze Welt, auf der wir leben, läßt sich vor ihr rechtfertigen. Die Existenz jedes Einzelnen ist, rein vernunftsmäßig betrachtet, ein Wunder, denn es gibt keinen Menschen, dessen Dasein nicht grundlegende Widersprüche zeigt. Und wir leben doch! Das Leben wird von reicheren Quellen gespeist, als unsere Vernunft. Und überdies weiß es auch manchmal zu lächeln.

*

Verfalle nicht in den weitverbreiteten Irrtum, Frauen seien für Opfer, die wir Männer ihnen bringen, empfänglich. Keine wertvolle Frau wird man durch Entsagen erobern, nur durch die Betonung eines Willens, der dem ihren überlegen ist. Darum wappne dich mit einem starken, gesunden Egoismus, ehe du deine Liebeslaufbahn beginnst, und fasse im voraus den unverrückbaren Entschluß, keine Opfer zu bringen, für die dir niemand Dank sagt.

*

Bist du verliebt? Dann wisse im vorhinein, daß die Quote der Wahrscheinlichkeit für die Beständigkeit deiner Liebe 1 : 10.000 ist. Benimm dich trotzdem, als sollte sie ewig währen, denn im Reiche der Liebe ist nichts unmöglich, und schon mancher, der zu einer vierwöchentlichen Reise auszog, blieb sein ganzes Leben unterwegs.

*

Es ist möglich, daß die Frau, der du dich widmest, dich bittet, ihr Bücher zu leihen. Das ist bei Vielen eine beliebte Art, nach dem, wenn ich so sagen darf, seelischen Puls zu fühlen. Ungeschulte Verführer machen in einem solchen Fall grobe taktische Fehler. Sie eilen mit den »Liaisons dangereuses« herbei. Niemals wird man eine Frau, bei der es die Mühe lohnt, durch ein zynisches Buch verführen! Die erste Bresche muß man in ihr Gefühlsleben schlagen.

Und was die anderen Frauen anbelangt, mein Gott, da muß man die Literatur nicht zu Hilfe nehmen, um ans Ziel zu kommen; ein kühner Griff im rechten Augenblick bringt einen weiter als das längste Gedicht.

*

In der Wahl der Mittel, die du im Kampf verwendest, sei gewissenhaft. Leicht ist es, mit falschen Karten im Spiel zu gewinnen, der große Spieler aber triumphiert auch, wenn ihm die Karten feind sind.

Gib dich zu keinem Handel mit Illusionen her. Versprich nichts. Genieße das Glück, nicht phantastischer Hoffnungen wegen, sondern um deiner selbst willen geliebt zu werden.

*

Benjamin Franklin – wer hätte das von diesem weisen amerikanischen Philantropen gedacht – schrieb eine kleine Abhandlung über die Wahl einer Geliebten.

Er empfiehlt eine Geliebte reiferen Alters. Denn: die höchsten Zweige eines Baumes sterben als die ersten ab, und der Saft bleibt im Stamme. Ebenso altert bei einer Frau das Gesicht am schnellsten. Neben den müden Zügen einer Frau von achtundvierzig Jahren kann man ihre Schultern bewundern, die denen einer kaum fünfunddreißigjährigen gleichen. Geht man noch tiefer – oh, Benjamin! – wird man noch Jugendlicheres finden ...

*

Wenn du eine Geliebte nimmst, mache dir keine Sorgen darüber, wie du einst mit ihr brechen wirst. Das Leben, das vielerlei Wege kennt, wird diese Frage lösen.

*

Nichts ist törichter, als Eitelkeit bei der Wahl einer Geliebten.

Wenn du ein Landgut kaufst, wenn du deine Wohnung wechselst, dann bist du genötigt, auf die Meinung anderer Rücksicht zu nehmen. Dein Heim hat schöne Gesellschaftsräume, doch du schläfst in einem Hofzimmer. Um Eindruck zu machen, bringst du Opfer.

Wenn du eine Gattin wählst, mußt du ebensosehr an die Welt und an deine Freunde, wie an dich selbst denken. Sie soll dein Haus bestellen, zu repräsentieren verstehen, soll deinen Kredit erhöhen, deine gesellschaftliche Stellung befestigen und sie soll deiner Eitelkeit als Besitzer schmeicheln.

Wenn du aber eine Geliebte wählst, bedenke, daß du es nicht deiner Freunde wegen tust, sondern für dich selbst. Hältst du sie nackt in deinen Armen, ist nur eines von Bedeutung, daß sie jung, schön, reizvoll sei und nicht etwa, daß sie das Recht habe, auf die X herabzusehen, weil ein König vor zweihundert Jahren aus dieser Familie keine Favoritin wählte.

Die antike Weisheit trennte bei den Menschen das, was sie waren, von dem, was sie besaßen. Wähle deine Geliebte nach dem, was sie ist.

*

Hüte dich vor den Intellektuellen. Sie sind nur in Gesellschaft zu ertragen. Denke daran, daß du eine Gefährtin der Lust suchst, und daß im Bett ein schöner Körper wertvoller ist, als ein geistreiches Wort.

Die Sinnlichkeit einer Frau interessiert uns mehr als ihre noch so umfassende Klugheit. Klugheit ist doch bloß die oberflächliche Betätigung des Geistes. Unter dieser Oberfläche aber gibt es die dunkle, gewaltige Welt des Unterbewußtseins, die bei den Frauen zuweilen reicher ist als bei uns. Fliehe die Frauen, die vorgeben, ihr Leben durch Verstand und Klugheit zu bestimmen. Sie sind meist armselig in der Leidenschaft.

*

Meide auch die Verzückten, deren Herzen wie aus weit geöffneten Hähnen einen unversiegbaren Strom von Zärtlichkeit über die ganze Welt ergießen. Wenn man ihnen glauben wollte, reichte diese ganze Welt nicht aus, um die Unendlichkeit ihrer Liebe zu erschöpfen ... Und wie sie sprechen, was sie alles wissen, wie sie auf Du und Du mit der Natur stehen! Mit halbgeschlossenen Augen schwärmen sie von den tändelnden Begattungen der Eintagsfliegen oder vom Doppelgeschlecht der Spargel! Sie brauchen Zuhörer. Ihr Bedürfnis, sich auszusprechen, ist so unabweislich, daß sie den Erstbesten anfallen; kein Geheimnis bleibt ungelöst, sie zeigen sich nackt vor ihm, sie führen ihm die heiligen Tänze vor. Eine Stunde zuvor kannten sie ihn noch nicht, und schon lassen sie ihn an allen ihren Spielen teilnehmen, schon muß er glauben, der lang ersehnte Gefährte ihres Lebens zu sein. Doch in einer weiteren Stunde werden sie ihn vergessen haben und mit der gleichen ausströmenden Glut vor einem anderen tanzen. Findet sich niemand sonst, dann holen sie den Portier herauf ... Wenn du bei ihnen bist, fühlst du dich hingerissen und zugleich schämst du dich deiner Nüchternheit, du wirfst dir deine Kälte vor, du stachelst deine Phantasie an, um dich in Glut zu bringen, du streckst die Arme aus, mit denen du die Welt umfassen möchtest ...

Verlange aber von diesen Frauen nicht mehr, als sie geben können: eine prächtige Vorstellung im Glanze der Rampenlichter vor tausend Zuschauern. Da verschwenden sie sich, da strömen sie sich aus. Sobald aber der Vorhang fällt, findest du zusammengekauert hinter den Kulissen, zwischen kalter Leinwand und schmutzigen Appliken, ein todmüdes Weib, das unfähig zu lieben ist.

*

Die Mystikerinnen glühen in der Liebe. Ihre Leidenschaft ist wie ein unerschöpflicher Schatz. Sie lieben Jesus wie einen Geliebten, und ihren Geliebten wie einen Gott. Diese Frauen, die eine restlose Vereinigung der Seelen anstreben, verstehen es wundervoll, ihren Körper der Liebe zu weihen. Sie verschenken ihn ohne Rückhalt, ohne zu handeln, als wüßten sie nichts von seinem Preis. Doch auch dies ist nur höchstes Raffinement, wie man an dem Beispiel einer von ihnen, der Baronin Krüdner sieht, die in den Armen ihres Geliebten, im Augenblick der höchsten Lust, ausrief: »Oh Gott, verzeihe mir das Übermaß meines Glücks!« und mit diesem Schrei, den sich nur eine Mystikerin leisten darf, eine sehr irdische Freude in ein fast heiliges Mäntelchen kleidete.

*

Die Welt ist heute kosmopolitisch. Grundregel: Weiche Ausländerinnen aus, obwohl es liebenswürdige Ausnahmen gibt. Sie sind gefährliche, maßlose Frauen, denen die gute Erziehung fehlt – ich spreche nicht von der des Essens.

Die Amerikanerinnen, die uns so zahlreich zuströmen, versprechen vieles, doch sie halten es nicht. Man sieht Schönheiten unter ihnen – sie sind eisig. Soll man sich mühen, einen Eisblock, an dem die Hände erfrieren, zu erwärmen?

Die Engländerinnen haben wenig Geist. Auch auf ihre Wäsche legen sie keinen Wert. Kompetente Zeugen berichten, daß man häufig – oh Schreck! – Flanell an ihnen findet!

Die deutschen Frauen gefallen sich, wenn sie Liebe finden, rasch in übermäßiger Sentimentalität. Doch es gibt in diesem Lande junge Mädchen ...

Die Russinnen – du bist zu jung, mein Freund, um gefährliche Spiele zu wagen. Lerne erst reiten, ehe du die Dressur eines jener prächtigen Vollblüter beginnst, wie man sie an den Ufern des Don findet.

Es gibt wundervolle Polinnen. Sie haben Herz, sie sind schön, sie besitzen Geist – aber sonst?

Die Italienerinnen werden dir hinter den Gardinen alles geben, aber nachher wenig Unterhaltung.

Die Spanierinnen sind tragisch oder langweilig.

Nur die Französinnen können dich ins Leben einführen, dir erfreulich und vielfältig die Liebe bieten, die du erhoffst. Bei ihnen wirst du deine Ausbildung finden. Sie gefallen, sie unterhalten, sie lieben; für die Spiele, die du vorziehst, sind sie wundervoll geeignet; auch Herz haben sie und keine Spielart des Gemütes ist ihnen fremd. Führt dir der Zufall eine Jungfrau in den Weg, zögere nicht, sie zu nehmen; ihre Unerfahrenheit wird nur kurz sein, bald wird sie dich übertreffen. Bei diesen Frauen wirst du Zartheit und Glut finden, Geschmack und Raffinement. Frauen, die kaum vier Kleider im Jahre anschaffen können, haben schönere Wäsche als eine englische Herzogin. Die wahren Vorzüge der Französin sind verborgen; sie gehört zu den Frauen, die man erforschen muß, um sie gut zu kennen.

Schließlich wirst du auch mit der Französin die geringsten Unannehmlichkeiten haben: sie versteht zu leben und sie weiß Abschied zu nehmen; das ist nicht zu verachten.

*

Es gibt in unseren Tagen einen reizenden Kreis von Frauen, die verheiratet waren und es nicht mehr sind. Die Scheidung hat ihnen ungestillte Wünsche gelassen. Sie haben schon geliebt, Bitterkeit und Süße wechselnder Tage gekostet. Sie wurden enttäuscht, doch trotzdem sind sie bereit, nochmals zu lieben. Ihr Naturell neigt zur Kühnheit; sie sind unabhängig und haben sich keiner Sklavenkette gebeugt.

Schon höre ich dich sprechen: »Führe mich doch zu diesen Frauen. Bei ihnen werde ich eine Geliebte nach meinem Herzen finden, und die ärgerliche Gegenwart eines unvermeidlichen Gatten entfällt.«

Nein, ich werde dich nicht zu den Geschiedenen führen, denn ihr Streben geht nach dem Bedingungslosen. Die meisten huldigen Idealen; sie haben sich von ihren Gatten getrennt, weil sie die wahre Lebenskunst, die in Nachgiebigkeit und Kompromissen beruht, nicht verstehen. Niemals brachten sie es zuwege, auf dem straffgespannten Seil zwischen Gatten und Geliebten zu tanzen. Wenn eine von ihnen dich liebt, hofft sie, ihr Leben mit dir neu aufzubauen. Nichts ist ermüdender und zweckloser, als der Versuch, das Leben eines anderen neu aufzubauen. Es genügt schon, das eigene gestalten zu müssen.

Oder du wirst bei ihnen auf die unverstandene Frau stoßen, die ewig Gekränkte. Hast du Neigung zum Krankenwärter? Willst du die Tage deiner Jugend damit verbringen, Wunden zu pflegen, die niemals heilen?

Beschwere in der Stunde, in der das Leben wie eine schöne Landschaft vor dir liegt, die du durchstreifen willst, dein Gepäck mit keiner dieser Frauen. Würdest du es ertragen, daß eine Frau zu jeder erdenklichen Zeit den Frieden deiner Wohnung stört, daß sie an deiner Türe klingelt, wenn du dich eben behaglich beim Kamin niedergelassen hast, um einen ungestörten Abend zu genießen? Daß sie ihre Hausschuhe, ihr Morgenkleid, alle ihre Toilettegegenstände zu dir schafft und schließlich ganze Nächte in deinem Bett verbringt?

Die Liebe verträgt sich mit solchem ehelichen Beiwerk schlecht. Wessen Wünsche dahin zielen, der heirate; suchst du aber die vergänglichen Freuden der Liebe, dann meide die Geschiedenen!

*

Was du brauchst, ist eine verheiratete Frau, und zwar eine gut verheiratete Frau, so nennt man jene, die aus Rücksicht auf die Meinung der Umwelt niemals an eine Scheidung denken. Sie hat ihren Mann, ihre Kinder, ihre Bekannten, und sie ist entschlossen, nichts davon aufzugeben. Doch sie will noch ein Übriges, und das kannst du ihr bieten. Bisher kannte sie bloß die eheliche Liebe, aber sie weiß, daß es noch eine andere, unvergleichlich schönere gibt, und sucht den, der sie ihr zu enthüllen versteht.

Du wirst dieser Märchenprinz sein. Drei- oder viermal in der Woche wirst du deine Geliebte treffen. Verstohlen wirst du mit ihr zusammenkommen und das Geheimnis wird den Wert eurer Liebe verdoppeln.

Klagst du vielleicht gerade darüber?

Wünschest du sie jeden Tag und jede Stunde zu sehen? Unbedachter! sieh, was du besitzt und was du verlieren kannst!

Wenn deine Geliebte eintritt und sich mit klopfendem Herzen an dich schmiegt, dann denke daran, daß sie sich nur für dich geschmückt und in zarten Duft gehüllt hat, daß ihren frischen Körper deinetwegen köstliche Spitzenwäsche bedeckt, und daß sie sich jetzt nur dir zu Gefallen entkleiden wird. Alle Sorgen, die der Alltag bringt, hat sie zu Hause gelassen; mit den lärmenden Kindern mußte sie zanken, die Schneiderin war unpünktlich, mit ihrem Mann hat sie bittere Worte gewechselt. All dies ist vergessen, sobald sie bei dir erscheint. Sie denkt nur an eines: dich zu lieben. Mit ihrem Kleid und ihrer Wäsche streift sie alles andere von sich. Zeit genug, in zwei Stunden, wenn sie von dir Abschied nimmt, es wieder aufzunehmen.

Oh, begnadeter junger Mann, du bedeutest die Liebe für sie und du wünschest dir, jener Prügelknabe zu werden, den man Gatten nennt!

Sie bringt dir das Schönste und Seltenste auf der Welt. Würdige die kostbaren und leidenschaftlichen Stunden, die sie dir schenkt. Die Liebe gewinnt nichts, wenn die Fesseln der Ehe um sie liegen. Sie lebt die strahlenden Augenblicke, die sie der Eintönigkeit, der Langeweile des Alltags entreißt! Das ist ihr Triumph.

Darum wähle deine Geliebte unter den verheirateten Frauen.

*

Eine sterile Geliebte hat viele Vorteile, denn es ist äußerst lästig, immer auf der Hut sein zu müssen. Trotzdem bleibt der inhaltsvolle Ausspruch zu bedenken, der von einer Frau stammt: »Die Ursache des Ehebruchs ist das Kind.« Damit meinte sie, daß eine kinderlose Frau, die liebt, keinen ernsthaften Grund habe, bei ihrem Mann zu bleiben, statt sich zu ihrem Geliebten zu bekennen. Begreift man diesen Ausspruch recht, dann wird man wohl zu der Einsicht kommen, daß es vorteilhafter ist, eine Geliebte zu wählen, die Kinder hat.

Wenn du ganz sicher gehen willst, dann ziehe auch über den Gatten Erkundigungen ein, über seine Gesundheit, seinen Charakter, seine Beschäftigung.

Dramen haben sich zu unseren Zeiten überlebt. Man neigt zur Nachsicht. Es gibt keine Gatten mehr – außer den sehr schlecht erzogenen – die auf den Geliebten ihrer Frau schießen. Selbst in bürgerlichen Kreisen ist es nicht mehr Mode, den Polizeikommissär zu bemühen, bloß wegen des Vergnügens, seine Frau nackt in den Armen eines Dritten zu überraschen. Trachte immerhin, nicht auf einen jähzornigen Gatten zu stoßen.

Aber eine andere Variante ist noch unerträglicher, der Gatte, der den Geliebten seiner Frau anhimmelt.

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