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Männer ? Frauen und ...

Claude Anet: Männer ? Frauen und ... - Kapitel 11
Quellenangabe
typeaphorism
authorClaude Anet
titleMänner ? Frauen und ...
publisherE. P. Tal & Co. / Verlag
year1928
translatorGeorg Schwarz
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201309
projectid64c06c4f
wgs
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Von der Eifersucht

Kennt jemand, der geliebt wird, vollkommene Ruhe? Und wenn er der Gegenwart sicher ist, gibt es keine Vergangenheit, die ganz nahe rückt, und keine Zukunft?

Es gibt Männer, die von Frauen nicht betrogen werden. Und doch können sie Eifersucht fühlen. Die Frau, die sie lieben, hat anderen vor ihnen gehört; wie quälend ist der Gedanke für einen Liebenden!

*

Diese Art Eifersucht zeigt die gleichen Merkmale wie jene Eifersucht, die sich auf die Gegenwart bezieht. Die Krise kann oft nur Augenblicke dauern. Dann fühlt man sie, als durchbohrte einen ein Messer. Oder sie dauert Stunden, und man geht gebrochen aus ihr hervor. Dann erstarrt man wohl, alles wird einem gleichgültig. Die totgehetzte, erschöpfte Phantasie findet keine Kraft mehr zu neuen Bildern ... Und in einem Augenblick, in dem man meist am wenigsten darauf gefaßt ist, erweckt plötzlich ein Wort, eine Bewegung – oft weiß man gar nicht, was – das alte Leid, und alles beginnt von neuem.

*

Im allgemeinen soll ein Geliebter der Frau zumindest einen Mann verzeihen. Meist ist es der Gatte, den man am leichtesten entschuldigt. Er hat sie wohl vor dir besessen, doch infolge so besonderer Umstände, daß die Persönlichkeit der Frau dadurch fast unberührt scheint. Unzählige Gründe vermag man sich auszudenken, die sie zur Ehe bestimmten, und die doch mit Liebe nicht das Geringste zu tun haben: Familienpolitik, Versorgung, gesellschaftliche Stellung. Und du malst dir unschwer aus, daß sie ihren Mann nur geduldet hat, daß sie ihm nichts von sich gab. Den Gatten macht man der Frau nicht zum Vorwurf.

Setzt man aber den Fall, daß sich die Frau, statt dem Gatten, jungfräulich einem Geliebten schenkte, dann zerfällt das ganze Kartenhaus. Könntest du diesen Gedanken ertragen?

*

Dem Eifersüchtigen gibt alles Vorwand zur Eifersucht. Vergeblich ist es, ihn zu beruhigen, ihm die vollkommene Unsinnigkeit seiner Verdächtigungen nachzuweisen. Sein krankes Hirn erfindet im gleichen Augenblick hundert neue Gründe, um die zu beschuldigen, die er liebt.

Kann man sagen, daß es Fälle gibt, in denen Eifersucht berechtigt ist, und andere, in denen sie Wahnsinn ist? Wertlos ist solche Einteilung für den Eifersüchtigen selbst; unbestreitbar an der Eifersucht ist einzig und allein die Qual, die sie dem verursacht, der sie fühlt.

Eifersucht ist ein chronisches Leiden, mit – je nach den Umständen – mehr oder minder heftigen akuten Anfällen; man ist eifersüchtig wie man herzkrank, gichtisch oder tuberkulös ist.

*

Es gibt Menschen, die Gefühle der Liebe nur durch Eifersucht empfinden. Erst wenn sie nicht mehr geliebt werden, entdecken sie, daß sie selbst lieben; bis zu dem Augenblick, in dem sie zu leiden beginnen, sind sie gleichgültig. So kennen sie nur die schmerzliche Seite der Liebe.

*

Oft auch ist Eifersucht das Gefühl eines schwachen, schutzlosen Wesens, das sich verzweifelt an seinen Besitz klammert. Wenn es ihn verlieren soll, sieht es eine grauenhafte Leere vor sich, die es nicht ausfüllen könnte.

*

Gewappnet gegen die Eifersucht ist ein Mann, der eine Frau, die ihn betrügt, sogleich durch zwei oder drei andere ersetzen könnte, die bereit sind, ihn zu lieben, und die auch er vielleicht lieben könnte.

Ein Don Juan kennt keine Eifersucht.

*

Die Beichte einer Frau: »Als ich bemerkte, daß sich das Benehmen meines Freundes gegen mich änderte, ertrug ich klaglos seine Wortkargheit, seine Kälte. Ich nahm an, daß er eine andere liebe. Solange er bei mir war, fühlte ich mich kaum unglücklich. Doch sobald er mich verließ, quälten mich Unruhe und Schmerz. Ich ertrug es kaum, daß er im gleichen Zimmer, in dem ich war, mit einer anderen Frau sprach. Ich suchte die Worte zu erraten und alles, was nicht gesagt wurde; ich spähte nach seinen Blicken, ob sie Verlangen oder Versprechen ausdrückten. Es war eine qualvolle Zeit. Später erfuhr ich, welche Frau ihn erfüllte. Ich war immer noch glücklich, wenn er mich besuchte. Nie habe ich ihm Vorwürfe gemacht, aber sein Fernsein tötete mich ...«

*

Es gibt stumme Eifersüchtige und es gibt Eifersüchtige, die losbrechen. Wir ziehen entschieden die schweigsamen vor. Ist dein Leben vergiftet, so ist es doch unnötig, auch das deines Gefährten zu vergiften.

*

Eifersucht ist das beste Gegenmittel gegen die Liebe. Durch Eifersucht wird sie bestimmt getötet – bei dem andern.

*

Wie sehr du auch mit Eifersuchtsszenen gepeinigt wirst, es wird dir doch niemals gelingen, das Geständnis zu erreichen, daß Eifersucht im Spiele sei. Man verleugnet seine Eifersucht wie eine peinliche Krankheit.

Doch nicht alle sind imstande, ihre Auswirkungen zu bemeistern; man führt sie aber dann auf andere Ursachen zurück. – »Was du tust, ist mir ganz gleichgültig, da ich dich nicht mehr liebe, aber ich will nicht, daß du mich lächerlich machst.« – Oder: »Du benimmst dich in einer Weise, die für mich verletzend ist ...«

*

Warum hat man Othello zum typischen Eifersüchtigen gestempelt? Othello ist gar nicht eifersüchtig; er ist einfach und gläubig. Aus sich selbst wäre er niemals auf den Gedanken verfallen, Desdemona zu verdächtigen. Othello ist eigentlich der richtige Typus des Vertrauensseligen.

Ein Eifersüchtiger benimmt sich ganz anders. Jede Kleinigkeit wird ihm zum Beweis, alles legt er nach seinem Wahn aus.

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