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Malaiische Märchen

Paul Hambruch: Malaiische Märchen - Kapitel 60
Quellenangabe
typefairy
authoranonymus
booktitleDie Märchen der Weltliteratur
titleMalaiische Märchen
publisherEugen Diedrichs, Jena
seriesDie Märchen der Weltliteratur
editorPaul Hambruch, Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert
year1922
firstpub1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060807
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58. Die Geschichte vom Sultan Indjilai

Im Namen Allahs des Erbarmers und Mitleidsvollen, zu dem wir um Hilfe flehen!

Also ist die Geschichte:

Es war einmal ein Sultan, der hieß Sultan Indjilai. Seine Gemahlin hieß Sitti Sapia, und seine beiden Söhne wurden Abeduledjumali und Abeduledjulali genannt. Er war schon eine ganze Weile Sultan gewesen, als er eines Tages mit seinen Bedienten und Beteldosenträgern im Garten spazieren ging. Da erblickte er auf einem Feigenbaume eine Turteltaube. Er ließ sein Blasrohr holen, und als die Dienerschaft es ihm gebracht hatte, schoß er nach der Taube und traf sie am Flügel, so daß sie zu Boden flatterte. Die Diener mußten sie aufheben und ihm bringen, denn er wollte sie töten.

Da hob die Turteltaube an zu sprechen: »O, mein Herr und Gebieter, Sultan Indjilai, warum gelüstet es dich, mich zu töten? Was willst du mit mir nur anfangen?«

Sultan Indjilai erwiderte: »Ich will dich verspeisen, Turteltaube!«

Die Turteltaube: »Mein Herr und Gebieter, was nützt es dir, wenn du mich tötest und auch zubereiten läßt; es reicht ja doch nicht für dich und deine Kinder. Weißt du, ob es nicht vielleicht besser ist, wenn du mich freigibst? Du erwirbst dir ein Verdienst und erfüllst die Bitte eines Wesens, das auch von Allah erschaffen wurde.«

Sultan Indjilai: »Turteltaube, es ist schon besser, wenn ich dich töte und mit meinen Söhnen verspeise.«

Die Turteltaube: »Mein Herr und Gebieter, Sultan Indjilai, gib mich frei! Denn, Sultan, du hast sicherlich nur Gewinn davon, wenn du mich freiläßt.«

Sultan Indjilai: »Was würde ich denn gewinnen, Turteltaube?«

Die Turteltaube: »Mein Herr und Gebieter, gibst du mich frei, dann fliege ich auf den untersten Ast des Feigenbaums und sage dir ein Wort. Darauf fliege ich auf den mittleren Ast und sage dir ein Wort, und schließlich auf den höchsten Ast und sage dir nochmals ein Wort. Drei Worte will ich dir verraten.«

Sultan Indjilai: »Turteltaube, sagst du die Wahrheit?«

Die Turteltaube: »Ja, Herr!«

Sultan Indjilai: »Dann gebe ich dich frei, Turteltaube.«

Sultan Indjilai setzte die Taube in Freiheit. Sie flog nach dem Feigenbaum und setzte sich auf den untersten Ast.

Der Sultan sprach: »Nun rede, Turteltaube!«

Die Turteltaube: »Höre, Herr, was ich dir sagen werde. Mein Großvater sagte es meinem Vater, mein Vater sagte es mir, und jetzt sage ich es dir. Du wirst auch sogleich den Nutzen erkennen und die Wahrheit einsehen. Also dies sage ich dir: Kommt dir ein Bericht zu Gesicht, hörst du eine Geschichte oder trägt dir jemand seine Meinung vor, so prüfe sie zuvor, und nur das glaube, worin ein vernünftiger Sinn steckt.«

Darauf flog die Turteltaube auf den mittleren Ast des Feigenbaumes.

Der Sultan: »Rede weiter, Turteltaube!«

Die Turteltaube: »Höre, Herr, dies sage ich dir: Bereue nie, was geschehen ist, bereue nie, was du getan hast!«

Nun flog die Turteltaube auf den höchsten Ast des Feigenbaums.

Der Sultan: »Rede, Turteltaube, und erfülle dein Versprechen!«

Die Turteltaube: »So vernimm denn, Herr, meine Worte: du bist wirklich ein Tor. Hättest du mich festgehalten, getötet und den Bauch aufgeschnitten, dann hättest du darin drei Rubine gefunden. Jeder ist so groß wie ein Entenei.«

Als die Turteltaube geendet hatte, flog sie nach ihrem Neste. Auch der Sultan erhob sich sogleich, um sie eilends zu verfolgen. Drei Tage und drei Nächte war er hinter ihr her, doch vermochte er nicht in ihre Nähe zu kommen. Plötzlich flog die Turteltaube in einen Dornenstrauch. Sultan Indjilai folgte ihr auch dorthin nach. Der Sarong, die Jacke, die Beinkleider des Sultans rissen dabei in Stücke und blieben an den Dornen hängen. Auch der Leib des Sultans blieb nicht unversehrt, denn die Dornen zerstachen ihm gehörig die Haut. Nun rief die Turteltaube: »Herr, Sultan Indjilai, deine Dummheit und Beschränktheit haben sich jetzt wirklich offenbart, du gleichst einem Tiere, das keinen Verstand hat. Zum ersten gabst du mich frei und hieltest mich doch in den Händen, das faßt der Verstand nicht. Also bin ich schon gescheiter als du; und du bist ein Mensch und ich ein kleiner Vogel, du bist ein mächtiger Herr und ich nur ein armseliger Vogel. Willst du noch einen Beweis dafür, daß du ein Dummkopf bist? Ich war schon in deiner Kehle und kam doch frei, und du hast mich nicht verspeisen können. Ferner wird deine Beschränktheit aus folgendem deutlich: Sagte ich dir nicht kürzlich, glaube nie offenbaren Unsinn! Du hast aber baren Unsinn für ernst genommen; so kam es, daß du drei Tage und drei Nächte hungern mußtest. Mein Leib ist doch kaum so groß wie ein Entenei; wie können dann drei Edelsteine in meinem Bauche liegen, von denen jeder so groß wie ein Entenei ist? Und schließlich wird deine Dummheit noch daran klar: Sagte ich dir nicht: Bereue nie eine Tat, die du getan hast! Und doch bereutest du eine Tat. So mußte es denn kommen, daß dir deine Gewänder zerrissen und dein Leib zerschunden wurde. Wie konntest du dir nur denken, daß du mich fangen würdest? Ich wußte ja, daß du mich töten wolltest.«

Damit flog die Turteltaube nach ihrem Neste. Auch Sultan Indjilai kehrte nach seinem Palaste heim. Bald wurden seine Streiche ruchbar und allgemein bekannt. Der Reichsrat, die Häupter seiner Gefolgsleute entsetzten ihn darob seiner Würde. Er war schon eine ganze Weile abgesetzt, da geschah es eines Tages, an einem Donnerstag, daß er bei seiner Gemahlin, Sitti Sapia, saß. Er dachte so bei sich: »Das Herz der Menschen ist eigentlich doch gefühllos. Jetzt hat man mich vom Throne gestürzt, und doch weiß ich nicht recht, warum.« Trauer und Unmut befielen Sultan Indjilai und seine Gemahlin Sitti Sapia; sie besprachen sich und beschlossen, alle Vorbereitungen zu treffen, um das Land zu verlassen. Als alles zur Abreise gerüstet war, verließ Sultan Indjilai, und mit ihm seine Gattin Sitti Sapia und seine beiden Söhne Abeduledjumali und Abeduledjulali das Reich.

Ohne Aufenthalt wanderten sie und gelangten schließlich auf das große, weite Feld Çahraulwasii, in dessen Mitte der Baum Asadjeratulemahiyato wuchs. In diesem Baum war das Nest der Turteltaube, die der Sultan geschossen hatte. Es war Mittag, und so legten sich die Wanderer unter dem Baume nieder, um in seinem Schatten sich auszuruhen. Da traf es sich, daß der jüngere Sohn Abeduledjulali nach oben blickte und dabei das Nest der Taube erspähte. Und er sagte zu seinem Vater: »Lieber Vater, hole mir doch die jungen Turteltauben herunter. Ich möchte gern mit ihnen spielen.« Der Vater meinte: »Kindchen, was verlangt dich nach den Turteltauben? Glaube mir, wegen einer Turteltaube sind wir ins Unglück geraten.« Abeduledjulali beharrte bei seinem Wunsche; er wollte mit den Turteltauben spielen und weinte in einem fort. Er weinte den ganzen Tag, bis der Vater schließlich aus Mitleid auf den Baum stieg, um die Turteltauben zu holen. Die alte Taube war gerade ausgeflogen und suchte für die Jungen Futter. So holte der Vater denn die Jungen aus dem Neste und brachte sie Abeduledjulali, der fröhlich mit ihnen spielte. Als die Alte heimkehrte, fand sie das Nest leer, und als sie nach unten schaute, sah sie, daß die Jungen und der kleine Prinz miteinander spielten. So von ihren Kinderchen getrennt zu sein, tat der alten Taube unendlich weh, und sie betete zu Allah, dem Allerhabenen: »O, Herr, ich flehe zu dir, erhöre meine Bitten und meine Hilferufe: Trenne sie voneinander, Kinder, Vater und Mutter, wie sie mich von meinen Kindern trennten.« Allah, der Allerhabene, erhörte das Gebet der Turteltaube und ihre Hilferufe. Die Sonne wollte untergehen. Da sagte Sultan Indjilai zu seinem Sohne: »Mein liebes Kind, wenn du nun genug gespielt hast, dann will ich die Turteltauben wieder in ihr Nest bringen.« Er trug sie also in den Baum hinauf, und als die Sonne unterging, zogen sie alle weiter. Beim Einbruch der Nacht gelangten sie an den Saum eines Waldes und bald darauf an einen Fluß, namens Annahrulamiku, der war so breit, daß man einen Mann, der am andern Ufer stand, nicht sehen konnte. Als sie nun hinübersetzen wollten, fand sich kein Boot, das sie hätten benutzen können. Erst nach langem Suchen entdeckten sie ein kleines Fahrzeug, in dem höchstens drei Leute sitzen konnten.

Der Sultan sagte zu seiner Gemahlin: »Ich will dich zuerst hinübersetzen, dann kehre ich zurück und hole die Kinder.« Sitti Sapia antwortete: »Gut, wie du willst.« Der Sultan setzte die beiden Kinder in den Sand und ging darauf mit seiner Gemahlin in den Kahn.

Sie befanden sich in der Mitte des Stromes, als von ungefähr ein Fischer am Ufer des Flusses entlangfuhr und die beiden Kinder bemerkte. Er landete, holte sich den Abeduledjumali und Abeduledjulali, trug sie in seinen Kahn und nahm sie mit nach Hause.

Der Sultan war inzwischen über den Strom gerudert. Er hob seine Gemahlin aus dem Boote und sagte: »Bleibe nun hier, ich will jetzt die Kinder holen.« Als er sie aber abholen wollte, fand er sie nicht mehr; er mochte suchen soviel er wollte.

Unterdessen fuhr von ungefähr am andern Ufer ein Kaufmann vorüber und erschaute Sitti Sapia, die im Sande saß. Er ließ das Boot an den Strand laufen, bemächtigte sich der Frau, trug sie in sein Fahrzeug und fuhr mit ihr weiter.

Der Sultan suchte und suchte, er fand die Prinzen nicht; da fing er an zu weinen. Er fuhr schnell zu seiner Gemahlin hinüber. Als er hinüberkam, fand er auch sie nicht mehr. Der Kaufmann hatte sie ja entführt. Da weinte Sultan Indjilai; er irrte überall umher und klagte bitterlich. Er aß nichts, er trank nichts und schlief nicht. Und so wanderte er eine lange Zeit umher; vor Kummer und Leid wollte ihm das Herz schier brechen, und es war ihm gleichgültig, ob es Tag oder Nacht war.

Die Erzählung geht zu etwas anderm über.

Nun war da ein Reich, das hieß Biladutasenipi. Dessen Sultan war gestorben. Er durfte jedoch nicht eher begraben werden, bevor er einen Nachfolger hatte; und der konnte erst zum Sultan gemacht werden, wenn der Reichselefant ihn gesucht hatte. Nur wer von dem Elefanten gebracht wurde, durfte Sultan werden. So trauerte das ganze Volk, der Rat des Reiches, die Würdenträger, weil ihr toter Sultan so lange unbegraben blieb. Und endlich traten der Rat des Reiches und die höchsten Würdenträger zusammen und kamen zu folgendem Entschluß: »Wir wollen den Reichselefanten loslassen, er soll uns jemand suchen, den wir zum Sultan machen können.« Also wurde der Reichselefant in Freiheit gesetzt; er rannte in den Wald und traf dort inmitten des Dickichts den Sultan Indjilai. Als der den Elefanten zu Gesicht bekam, befielen ihn Furcht und Schrecken; in seiner Angst lief er bald hier-, bald dorthin und kletterte schließlich auf einen Baum, um sich zu verstecken; der Elefant blieb ihm aber stets auf den Fersen.

Endlich redete der Elefant: »Hallo, Sultan Indjilai, komm einmal zu mir her! Versuche nicht, mir auszuweichen oder dich zu weigern, herunterzukommen und auf meinen Rücken zu steigen, denn dann fresse ich dich.«

Der Sultan: »Weshalb soll ich zu dir kommen und auf deinen Rücken steigen? Willst du mich wirklich fressen?«

Der Elefant: »Ich will dich ins Land Biladutasenipi tragen; dort ist der Sultan gestorben, und nur wen ich als Nachfolger bringe, kann zum Sultan gemacht werden.«

Da stieg der Sultan vom Baume herab und setzte sich auf den Rücken des Elefanten. Der lief eilends mit ihm davon ins Land Biladutasenipi. An der Grenze kam ihm das ganze Volk, der Rat des Reiches und die höchsten Würdenträger zur Begrüßung entgegen; dann trug man ihn in feierlicher Weise auf einem Sessel ins Land und rief ihn zum Sultan des Reiches Biladutasenipi aus. Der tote Sultan wurde zu Grabe getragen.

Der Sultan führte schon eine geraume Zeit die Herrschaft, als sich seine Untertanen in ihren Herzen tief betrübten und nicht verstehen konnten, weshalb ihr Sultan keine Gemahlin hatte. Und doch fanden, seitdem Sultan Indjilai regierte, seine Herrschertaten allgemeinen Beifall, die ersten und noch mehr die späteren, denn er war ein Mann, der das Herrschen gelernt hatte. Seitdem der neue Sultan im Lande war, blühte das Reich auf; der Reis gedieh und ebenso alles andere, was der Boden hervorbrachte. An allem war Überfluß vorhanden; so kamen denn viele Reisende, Kaufleute und Händler; sie konnten alles erhalten, nichts brauchten sie erst zu suchen, denn alles war reichlich vorhanden. Der Sultan war gerecht und leutselig gegen die Räte des Reiches, gegen die Würdenträger und die gemeinen Leute. Niemals hatte man zuvor ein solches Leben und Treiben in Biladutasenipi gesehen, wie während der Regierungszeit dieses Sultans, denn die Leute eilten in Scharen herbei, als sie von der Gerechtigkeit und Freundlichkeit dieses Sultans hörten.

Die Erzählung geht zu etwas anderm über. Als die Turteltaube ihre Jungen wieder im Neste fand, freute sie sich über die Maßen und betete zu Allah dem Gerechten: »O, Herr, erhöre mein Gebet und erfülle mir meinen Wunsch. Ich erflehe deine Verzeihung, o, du Allmächtiger! Verzeihe mir und hilf mir! Verzeihe dem Sultan Indjilai, seinen Söhnen, dem Gatten und der Gattin. O, du Erhabener, führe sie wieder zusammen, vereinige sie wie vordem, als sie mir noch nichts Böses angetan hatten.« Allah, der Allerhöchste, erhörte das Gebet der Turteltaube und gewährte ihr die erflehte Verzeihung.

Die Erzählung geht zu etwas anderm über. Auch dem Fischer, der Abeduledjumali und Abeduledjulali entführt hatte, wurde Kunde von dem neuen Sultan, seiner Gerechtigkeit und Liebenswürdigkeit. Er beredete sich mit seiner Frau, und sie kamen zu folgendem Entschlusse: »Unsere Kinder sind groß geworden, und so wollen wir sie zum Zeichen unserer Ergebenheit dem neuen Sultan zuführen. Bei ihm sollen sie in den althergebrachten Sitten und Gewohnheiten unterwiesen werden und ein gutes Benehmen lernen. Denn meiner Meinung nach sind sie keineswegs von geringer Abkunft; ihr Gebahren ist ganz anders und gleicht dem von Fürstensöhnen.«

Der Ort, in welchem der Fischer wohnte, lag aber im Reiche des Sultans von Biladutasenipi. Und so trafen der Fischer, seine Frau und Abeduledjumali und Abeduledjulali alle Vorbereitungen zur Reise; als sie fertig waren, brachen sie auf.

Sie stiegen zum Palaste des Sultans hinauf. Hier setzte der Fischer sich vor dem Sultan nieder. Der Sultan von Biladutasenipi sprach: »Fischer, was wünschest du? Ich sehe dich zum ersten Male.«

Der Fischer verneigte sich tief und antwortete: »Herr, Euer niedrigster Diener grüßt Euch und zollt Euch seine Ehrfurcht. Ich möchte Euch eine wichtige Angelegenheit unterbreiten.«

Der Sultan: »Rede, ich höre.«

Der Fischer und seine Frau: »Wir führen unsere Kinder zu Euch und bitten, daß Ihr sie als Diener annehmt und bei Euch behaltet. Laßt sie in den althergebrachten Sitten und Gewohnheiten gründlich unterweisen und ein gutes Benehmen lehren.«

Der Sultan: »Euer Anerbieten nehme ich an und danke euch aufrichtig.«

So nahm der Sultan die Kinder des Fischers bei sich auf, und dieser kehrte mit seiner Frau heim. Der Sultan hatte sein Wohlgefallen an ihnen und ernannte Abeduledjumali und Abeduledjulali zu seinen Beteldosenträgern. Als sie dies Amt versahen, wurde der Sultan ihnen noch mehr zugetan.

Die Erzählung geht zu etwas anderm über.

Auch dem Kaufmann, welcher Sitti Sapia entführt hatte, wurde Kunde von dem neuen Sultan des Landes Biladutasenipi, seiner Gerechtigkeit, Leutseligkeit und Freigebigkeit. Er beredete sich mit seinen Schiffsleuten und sagte: »Wir wollen alles vorbereiten, um nach Biladutasenipi zu fahren, um dort Handel zu treiben, denn dort soll man gute Geschäfte machen können, weil der Sultan gerecht, leutselig und freigebig ist, einmal gegen alle seine Untertanen, dann gegen die Fremden und besonders gegen die Kaufleute.« So wurden denn alle Anstalten getroffen, und darauf segelten sie nach Biladutasenipi.

Nachdem sie eine geraume Zeit unterwegs gewesen waren, kamen sie an und gingen vor Anker. Der Kaufmann begann, seine Waren zu verkaufen. Und nach drei Monaten hatte er fast alles ausverkauft. Nun kaufte er ein, soviel und was ihm beliebte, denn seitdem der neue Sultan herrschte, konnte man alles in reichhaltigster Auswahl beziehen. Als die Einkäufe beendet, auch sonst alle andern Geschäfte erledigt waren, wollte der Kaufmann abreisen. Er sagte: »Wir sind mit unsern Geschäften fertig. Morgen wollen wir wieder abreisen.« Da fiel es dem Kaufmann ein, daß er den Sultan noch nicht gesehen und ihm seine Aufwartung gemacht hatte. So ließ er denn allerlei Geschenke zusammenpacken, vielerlei köstliche Waren, die er dem Sultan zum Zeichen seiner Ehrerbietung überreichen wollte. Darauf begab er sich in den Palast, setzte sich vor dem Sultan hin und übergab ihm die Geschenke. Der Sultan war sehr erfreut.

Er sprach: »Kaufmann, sag' an, weshalb kommst du erst jetzt? Warum währte es so lange, bis du dich zu mir bemühtest?«

Der Kaufmann erwiderte: »Herr und Gebieter, bei uns Kaufleuten geht's halt so. Wir haben arg viel mit dem Geldeinnehmen und Geldausleihen zu tun, dann wird hier eine Zahlung geleistet, und dort denkt man noch nicht einmal daran.«

Der Sultan: »Kaufmann, du hast recht.«

Sultan und Kaufmann redeten noch eine Weile miteinander; dann sprach der letztere: »Eins möchte ich Eurer Herrlichkeit noch ansagen, so Allah, der Allmächtige, es will, möchte ich morgen wieder heimreisen.«

Der Sultan: »Kaufmann, weshalb hast du es denn so eilig?«

Der Kaufmann: »Ich eile, um mich mit neuen Waren zu versehen, denn hier finden sie einen guten Absatz. In einem kurzen Augenblick bin ich hier alle meine Waren losgeworden.«

Der Sultan: »Kaufmann, wenn du morgen abreisen willst, so bleibe doch diese Nacht bei mir zu Gaste.«

Der Kaufmann: »Ein ander' Mal, großmächtiger Herr; ich werde schon wieder zu Euch kommen.«

Der Sultan: »Und doch bitte ich dich, bleibe diese Nacht doch bei mir. Wer weiß denn, ob wir, du oder ich, morgen oder übermorgen nicht vielleicht aus dem Leben scheiden können?«

Der Kaufmann: »Großmächtigster Sultan, ich muß mich diesmal wirklich von Euch verabschieden, ich kann beim besten Willen nicht Euer Gast sein, denn meine Frau ist bei mir, und auf dem Schiffe habe ich niemand, dem ich Vertrauen schenken könnte. Auf dem Schiffe ist lauter fremdes Volk, meine eigenen Leute habe ich nicht bei mir, und so habe ich niemand, dem ich meine Frau zum Schutze anvertrauen könnte.«

Der Sultan: »Kaufmann, sorge dich nicht, wenn es sich nur um den Schutz deiner Frau handelt. Laß das meine Sorge sein; ich werde ihr meine Beteldosenträger zum Schutze beigeben. Auf die kann ich mich unbedingt verlassen. Wenn ich die schicke, ist das genau so, als ob ich selber gehen würde. Bei Allah, dem Erhabenen, Kaufmann, du darfst dich auf mich verlassen.«

Der Kaufmann: »So füge ich mich Eurem Wunsche.« Und der Kaufmann blieb, weil der Sultan so liebenswürdig gegen ihn war. Der Sultan sprach: »Ruft mir die Beteldosenträger!« Die Beteldosenträger, die Kinder des Fischers, die beiden Brüder, wurden gerufen und setzten sich vor dem Sultan hin. Der Sultan sagte: »Beteldosenträger, ich befehle euch, an Bord des Schiffes dieses Kaufmanns zu gehen. Ich vertraue euch, und daher beauftrage ich euch, die Frau des Kaufmanns zu bewachen. Aber das sage ich euch: Schlaft mir nicht ein, wacht über die Frau des Kaufmanns. Abeduledjumali, wechsele mit deinem Bruder beim Wachen ab.«

Die Kinder des Fischers: »Herr, wir werden deinen Worten gehorchen.«

Der Sultan: »Beteldosenträger, noch eins sage ich euch. Bereitet mir keine Schande, begeht nichts, was den Kaufmann kränken könnte, sonst lasse ich euch töten.«

Die Sonne ging unter. Die Beteldosenträger begaben sich an Bord des Kauffahrteischiffes. Abeduledjumali hielt die Nacht über Wache. Als der Morgen heraufdämmerte, überkam ihn der Schlaf. Er weckte seinen Bruder und sagte: »Bruder, steh' auf und löse mich ab, ich bin so müde, nachher kannst du wieder schlafen.«

Abeduledjulali: »Laß mich in Ruhe. Ich mag nicht, mir geht nun einmal nichts über den Schlaf.« Und als sein Bruder ihn trotzdem wieder aufrüttelte, war der Erfolg nur, daß Abeduledjulali recht böse wurde. Er ließ sich nicht zum Aufstehen bringen.

Nochmals bat Abeduledjumali: »Bruder, tue das nicht, benimm dich nicht wie ein gemeiner Kerl, du bist keiner, dein Vater und deine Mutter waren es auch nicht, im Gegenteil, du stammst von vornehmen Eltern ab. Aber dein Unstern verfolgt dich. Schon damals wolltest du nicht auf die Ermahnungen des Vaters hören, und so hat uns dieses Schicksal betroffen.« Und Abeduledjumali redete weiter: »Bruder, denk' nur daran, allein deswegen hat uns dies Schicksal betroffen. Als wir unter dem Baum Halt machten, um in seinem Schatten auszuruhen, da weintest du, weil du die jungen Turteltauben haben und mit ihnen spielen wolltest. Der Vater sagte: Warum willst du denn mit ihnen spielen? Die alte Turteltaube wird dich verfluchen, Kind! Du hörtest aber mit dem Weinen gar nicht auf, und so holte der Vater dir dann schließlich die Täubchen herunter. Und die alte Turteltaube betete zu Allah, dem Allerbarmer, und er erhörte ihr Gebet; darum gerieten wir ins Unglück. Unsere Mutter entführte ein Kaufmann, wir wurden von einem Fischer geraubt, und wo der Vater blieb, wohin der verschlagen wurde, wissen wir nicht. Vielleicht verschlang ihn ein Krokodil, vielleicht hat ihn jemand ermordet, vielleicht kam er vor Hunger und Durst um.«

Sitti Sapia hatte alles mit angehört, was Abeduledjumali geredet hatte. Sie weinte, schrie, seufzte und rief fortwährend: »Meine Kinder, das sind meine Kinder.« Sie lief zum Schiffshause heraus und umarmte Abeduledjumali und Abeduledjulali; nun weinten sie zusammen. Die Mutter mit ihren Kindern. Davon wurden die Schiffsleute geweckt und fuhren aus dem Schlafe empor, als sie die Frau des Kaufmanns weinen hörten. Sie erhoben sich, lärmten es war am frühen Morgen und schrien: »Halloh! Die Beteldosenträger vergreifen sich an der Frau des Kaufmanns, sie wollen sie entehren; sie sträubt sich, und weint und schreit.« Auch die Dorfbewohner schlugen Lärm, so daß der Sultan aus dem Schlafe emporfuhr. Er fragte: »Wer lärmt dort nur auf dem Schiffe des Kaufmanns?« Man rief: »Die Beteldosenträger, sagt man, vergreifen sich an der Frau des Kaufmanns und wollen sie entehren, sie sträubt sich und weint und schreit.« Da wußte der Sultan nicht, was er tun sollte, denn er schämte sich vor dem Kaufmann; plötzlich rief er jedoch: »Eilt alle aufs Schiff, greift die Kerle und fesselt sie.« Da eilten sie alle hin und griffen den Abeduledjumali und Abeduledjulali.

Sie wurden in Fesseln gelegt. Die ersten Würdenträger begaben sich zum Sultan und meldeten ihm: »Herr, sie wurden in Fesseln gelegt.«

Der Sultan sprach: »Ruft mir den Botenläufer, den Maemuru!« Der erschien sogleich.

Der Sultan: »Botenläufer! Höre meinen Befehl! Bringe die Beteldosenträger zu den Henkern und melde ihnen, daß sie sie hinrichten sollen, denn sie haben mich vor meinem Freunde, dem Kaufmann, in Unehren gebracht.« Der Botenläufer: »Herr, Euer Befehl wird erfüllt!« Und Maemuru führte die Beteldosenträger zu den Henkern.

Die Erzählung geht zu etwas anderm über.

Der Sultan von Biladutasenipi hatte drei Henker, die hießen Muhalike, Mukatile und Mutaine. Jeder wohnte in einem andern Dorf.

Der Botenläufer suchte zuerst den Henker auf, welcher Muhalike genannt wurde. Als er ins Dorf gekommen war, begab er sich stracks nach dem Hause des Muhalike und traf ihn auch richtig an. Muhalike sagte: »Was wünschest du, und weshalb bringst du die Beteldosenträger des Sultans in Fesseln zu mir?«

Der Botenläufer: »Der Sultan befahl mir, zu Euch zu gehen, denn er wünscht, daß diese beiden vom Leben zum Tode gebracht werden. Sie machten dem Sultan Unehre, und daher befiehlt er Euch, sie hinzurichten.«

Muhalike: »Was haben sie verbrochen?«

Der Botenläufer: »Der Sultan hat einen Freund, einen Kaufmann, sie sind zu seiner Frau gegangen und wollten sich an ihr vergreifen.«

Muhalike: »Hat man den Fall untersucht, sind sie verhört worden, hat man alles von Anfang bis zum Ende geprüft?«

Der Botenläufer: »Es wurde keine Untersuchung angestellt, auch sind sie nicht verhört worden.«

Muhalike: »Botenläufer, so will ich sie nicht hinrichten. Einmal fürchte ich mich vor Allah, dem Gerechten, und zum andern will ich sie nicht umbringen, weil ich weiß, daß sie die Lieblinge des Sultans sind. Es möchte der Tag kommen, wo der Sultan es bereut, keine Untersuchung angestellt und sie nicht verhört zu haben. Ich werde dir eine Geschichte erzählen.«

Die Erzählung geht zu etwas anderm über.

Folgendes erzählte Muhalike dem Botenläufer des Sultans: »Es war einmal ein großer Sultan. Der hatte einen Wahrsager, dessen Voraussagungen sich noch immer erfüllt hatten, weshalb er beim Sultan in hoher Gunst stand. Der Sultan hatte schon lange Zeit regiert, als eines Tages sein Palast einstürzte. Nun wollte er sich einen neuen Palast bauen. Er ließ den Wahrsager rufen. Der Wahrsager kam sogleich. Er setzte sich vor dem Sultan hin. Der Sultan sprach: »Ich ließ dich rufen, weil ich mir einen neuen Palast bauen will. Du sollst mir den Tag aussuchen, der für die Errichtung des Hauses am günstigsten ist.«

Der Wahrsager: »Herr, erbaue dein Haus am Mittag eines Freitags, denn wisse, so jemand um diese Zeit sein Haus baut, wird es golden; und was zu dieser Zeit gepflanzt wird, wird goldene Früchte tragen.«

Dann kehrte der Wahrsager heim. Der Sultan wartete bis zum Freitag. Als dieser vom Wahrsager bestimmte Tag da war, ließ der Sultan das Haus aufrichten. Es stand schon eine ganze Weile, und der Sultan wartete, daß die Prophezeiung erfüllt würde, denn der Wahrsager hatte gesagt: das Haus wird golden, wenn es errichtet ist. Der Sultan wartete und wartete; die Worte des Wahrsagers aber erfüllten sich nicht.

Da sprach der Sultan: »Die Worte des Wahrsagers haben sich nicht erfüllt, also ist auch er nur ein Lügner.« Und er ließ ihn umbringen. Einige Zeit nach dem Tode des Wahrsagers begab sich der Aufseher der Gärtner in den Palast, um dem Sultan seine Aufwartung zu machen und ihm ein Geschenk zu überreichen. Er wollte ihm eine goldene Banane überreichen. Er ging also in den Palast hinein, begab sich zum Sultan und überreichte ihm die Frucht. Als der Sultan die Banane erblickte, war er höchst erstaunt, denn eine solche Frucht sah er zum erstenmal in seinem Leben.

Der Sultan: »Aufseher, woher hast du diese wunderbare Frucht? Zum ersten Male in meinem Leben erblicken meine Augen eine goldene Banane.«

Der Aufseher: »Herr, alle meine Ehrfurcht gehört Euch. Ja, dies ist die Frucht einer Banane, die ich an einem Freitag gepflanzt habe. Herr, als Ihr den Wahrsager rufen ließet, war ich gerade in der Nähe. Ihr fragtet: Wahrsager, welcher Tag ist für die Errichtung meines Palastes am günstigsten? Er antwortete: Der Freitag, denn so jemand um diese Zeit sein Haus baut, wird es golden; und was zu dieser Zeit gepflanzt wird, wird goldene Früchte tragen. Als der vom Wahrsager bestimmte Tag da war, pflanzte ich mittags eine Banane, und nun hat sie die goldene Frucht getragen.«

Der Sultan: »Aufseher, warum ist denn mein Palast nicht golden geworden?«

Der Aufseher: »Herr, das kam so. Man hielt die Stunde nicht ein, welche der Wahrsager bestimmt hatte. Er hatte gesagt: Mittags an einem Freitag errichtet den Palast. Als er erbaut wurde, war die Sonne aber schon über den Mittag hinaus. Deshalb wurde der Palast nicht golden.«

Der Sultan: »Jetzt bereue ich es, daß ich den Wahrsager töten ließ. Er war ein vortrefflicher Mann. Ich wurde sein Mörder, da ich die Sache nicht genau untersuchen ließ.«

Die Erzählung kehrt zu Muhalike zurück.

Muhalike sprach: »Du hast gehört, Botenläufer, weil man den Mann nicht verhörte, wurde an ihm ein Mord begangen, und der Sultan bereute es bitter, daß er sein Mörder werden mußte. Daher sage ich dir: Bringe die Beteldosenträger wieder zum Sultan zurück, er mag sie vorerst verhören! Hat er das getan, und ist es erwiesen, daß sie den Tod verdienen, dann führe sie wieder hierher, dann will ich sie töten.«

Maemuru entfernte sich und ging mit den Beteldosenträgern zum zweiten Henker, zu Mukatile. Als er nach dessen Dorf gelangt war, begab er sich geradenwegs nach dem Hause des Mukatile und traf ihn auch an.

Mukatile sprach: »Botenläufer, was wünschest du, weshalb kommst du zu mir? Sonst warst du nie hier und nun führst du die Beteldosenträger des Sultans gefesselt mit dir. Sie sind doch die Lieblinge des Sultans.«

Maemuru: »Der Sultan schickt mich zu dir und wünscht, daß diese gefesselten Männer hingerichtet werden.«

Mukatile: »Was haben sie verbrochen?«

Der Botenläufer: »Der Sultan hat einen Freund, einen Kaufmann; sie sind zu seiner Frau gegangen und wollten sich an ihr vergreifen.«

Mukatile: »Hat man den Fall untersucht, sind sie verhört worden?«

Der Botenläufer: »Nein.«

Mukatile: »Ich will sie nicht eher hinrichten, bevor eine Untersuchung angestellt und sie verhört worden sind. Denn ich fürchte einmal Allah, den Gerechten, und zum andern mag der Sultan es noch bereuen, denn ich weiß, daß die Beteldosenträger seine Lieblinge sind. Botenläufer, ich will dir eine Geschichte erzählen.«

Und der Henker erzählte dem Maemuru folgende Geschichte: »Es war einmal ein Sultan, der hatte eine Tochter, die hieß Sitti Maemuna. Sie besaß einen Kakadu, den sie sehr lieb hatte. Er fraß nur, was seine Herrin ihm gab, und er hatte Sitti Maemuna auch sehr lieb. Und er benahm sich ganz wie ein Mensch. Alle Früchte, die er erlangen konnte, brachte er ihr, selbst wenn die Jahreszeit für sie noch gar nicht da war. Das tat er stets, und deshalb hatte Sitte Maemuna ihn auch lieb. Eines Tages brachte der Kakadu Danga der Sitti Maemuna eine Frucht vom Baume Sadjeratulemalahate.

Sitti Maemuna sagte: ›Danga, was bringst du mir denn da?‹

Danga: ›Herrin, eine Frucht vom Baume Sadjeratulemalahate, die ich dir holte.‹

Sitti Maemuna: ›Danga, wie schmeckt sie?‹

Danga: ›Herrin, süß, erfrischend und ölig.

Sitti Maemuna: ›Danga, welchen Nutzen hat sie denn, wie wirkt sie?‹

Danga: ›Also ist ihre Wirkung: Sobald ein Kranker davon ißt, wird er gesund. Hat er Krätze oder eine andere Hautkrankheit, kommt er mit krummen Gliedern zur Welt, ist er lahm, einerlei, sobald er die Frucht genießt, ist er von all' den Gebrechen befreit. Ferner: Ißt ein häßlicher Mensch davon, wird er schön; liegt jemand im Gefängnis in Ketten und bekommt davon, wird er frei. Da meinte Sitti Maemuna bei sich: Vielleicht ist es gescheiter, ich esse die Frucht jetzt nicht, sondern pflanze sie ein; trägt die neue Pflanze dann Früchte, so kann ich die essen. Und also geschah es. Sitti Maemuna pflanzte die Frucht; nach einiger Zeit wuchs eine neue Pflanze hervor und trug auch bald eine Frucht. Sitti Maemuna befahl einer Dienerin, sie zu pflücken und ihr zu bringen. Die Dienerin brachte ihr die Frucht. Sitti Maemuna nahm sie in die Hand und sah sie aufmerksam an. Da beschlich ein Zweifel ihre Seele, und sie sagte zu der Dienerin: Gib die Frucht einem Huhn zu fressen; ich glaube, die Frucht ist giftig. Ich will die Sache erst einmal untersuchen und die Frucht einem Huhn zu fressen geben. Stirbt das Huhn nicht daran, dann will ich auch von den Früchten essen. Die Frucht wurde einem Huhn hingeworfen, und kaum hatte es sie hinuntergeschluckt, da starb es. Sitti Maemuna sagte: Es war gut, daß wir die Frucht einem Huhn gegeben haben. Mir ahnte gleich so etwas, denn in meinem Leben habe ich so eine Frucht noch nicht gesehen. Der Baum muß giftig sein, und Danga brachte mir die Frucht nur, um mich zu vergiften. Er wollte meinen Tod. Und Sitti Maemuna fuhr fort: Diese Tücke des Danga ist doch zu arg. Er verdient, daß ich ihn töten lasse, da er mir den Tod bringen wollte. Und Sitti Maemuna gab auch wirklich den Befehl, den Kakadu zu töten. Einige Zeit darauf wurde bei einem hohen Beamten des Sultan ein Diebstahl verübt. Er wurde bemerkt, man schlug Lärm und verfolgte den Dieb. Er wurde erwischt, dingfest gemacht, gefesselt und vor den Sultan gebracht. Die Strafe sollte über ihn verhängt werden. Da mischte sich Sitti Maemuna ein und sagte: Vater, laß ihn nicht hinrichten. Fesselt ihn und bindet ihn am Giftbaum an. Das geschah. Der Dieb wurde gefesselt, zum Giftbaum geführt und daran festgebunden. Es war gerade die Zeit, daß der Baum voller Früchte hing; die einen reiften, die andern waren reif, und eine Unmenge war abgefallen. Niemand wagte sich in die Nähe des Baums, da sie ihn für giftig hielten; und erst recht hätte niemand sich getraut, eine Frucht aufzuheben. Als man mit dem Diebe beim Baum angelangt war, wurde er daran angebunden und allein gelassen. Der sah nun alle die Früchte um den Baum herumliegen und spürte ihren wohligen, wundersamen Geruch. Dann brach die Nacht an. Den Dieb hungerte; und da er nichts anderes zu essen hatte, aß er eine Frucht von dem Baume. Als er die verzehrt hatte, war er noch nicht satt; er aß noch zwei und noch mehr, bis er schließlich satt war. Dann brach der Morgen an. Plötzlich fielen dem Diebe die Fesseln ab. Er war frei und begab sich nun nach dem Palaste des Sultans. Der war gerade aufgestanden und sehr erstaunt, als er den Dieb sah; aber er erkannte ihn nicht.

Der Sultan: ›Mein Sohn, woher kommst du denn, wie nennt sich deine Heimat?‹

Der Dieb: ›Herr, kennt Ihr mich nicht?‹

Der Sultan: ›Nein, mein Sohn.‹

Der Dieb: ›Ich bin der Dieb, der gestern an den Baum gebunden wurde.‹

Der Sultan: ›Wer befreite dich denn?‹

Der Dieb: ›Herr, das weiß ich nicht.

Der Sultan: ›Aber wie hast du dich verändert. Was ist mit dir geschehen? Du bist ja schön geworden, schön und wohlgebildet wie ein Prinz.

Der Dieb: ›Ich weiß nicht, was mit mir geschehen ist. Ich weiß nur, daß ich von den Früchten des Baumes gegessen habe.

Der Sultan: ›Und doch bist du nicht gestorben? Die Früchte sind ja giftig.

Der Dieb: ›Wieso sollten die giftig sein?‹

Der Sultan: ›Ja, das Huhn ist doch daran gestorben, als man ihm eine Frucht davon gab.‹

Der Dieb: ›Herr, das kam so: Als der Baum seine erste Frucht trug, biß eine Schlange hinein, und das Gift blieb daran haften. Die Frucht wurde abgepflückt und dem Huhn gegeben. So starb das Huhn am Gifte und nicht an der Frucht. Als Sitti Maemuna das vernommen hatte, vergoß sie bittere Tränen und bereute es von Herzen, daß sie den Kakadu hatte töten lassen, ohne die Sache vorher untersucht zu haben.«

Die Geschichte kehrt zu Mukatile zurück.

Mukatile sagte zum Botenläufer des Sultans: »Du hast die Erzählung vernommen. Führe die Beteldosenträger zurück, damit sie erst einmal verhört werden. Sind sie von Anfang bis zu Ende verhört, und hat es sich erwiesen, daß sie den Tod verdienen, dann bringe sie wieder her, damit ich sie hinrichte. Sie waren die Lieblinge des Sultans und er könnte es bereuen.«

Maemuru verabschiedete sich und begab sich mit den Beteldosenträgern zum dritten Henker, zu Mutaine. Als er in dem Dorfe angelangt war, ging er geradenwegs nach dem Hause des Mutaine. Er war anwesend. Mutaine sagte: »Aha, Ihr seid's, Botenläufer?«

Der Botenläufer: »Ja.«

Mutaine: »Was ist Euer Begehren? Welchen Auftrag bringt Ihr mir?«

Der Botenläufer: »Der Sultan befahl mir, diese Beteldosenträger zu Euch zu bringen. Er wünscht, daß sie hingerichtet werden.«

Mutaine: »Weshalb gab er denn diesen Befehl, soviel ich weiß, waren sie doch seine Lieblinge.«

Der Botenläufer: »Sie begingen eine Missetat, die den Tod verdient hat.«

Mutaine: »Was haben sie verbrochen?«

Der Botenläufer: »Der Sultan hat einen Freund, und sie sind zu seiner Frau gegangen und haben sie in Unehren bringen wollen. Darum gab der Sultan den Befehl, sie zu töten.«

Mutaine: »Wurde die Sache untersucht? Sind sie verhört worden?«

Der Botenläufer: »Nein.«

Mutaine: »Dann will ich sie nicht hinrichten. Denn ich fürchte Allah, den Gerechten; und zum andern, am Ende möchte es der Sultan vielleicht bereuen. Botenläufer, ich will dir eine Geschichte erzählen.«

Mutaine erzählte folgende Geschichte:

»Botenläufer, hört an! Es war einmal ein steinreicher Kaufmann. Der hatte einen Hund, der war ihm sehr lieb, denn er war und tat ganz wie ein Mensch. Sollte etwas fortgebracht oder etwas geholt werden, gleich war der Hund da, und auch sonst ließ er sich zu allem möglichen verwenden. So mochte der Kaufmann ihn täglich lieber leiden. Nun machte es sich, daß der Kaufmann eines Tages zu Schiff verreisen mußte. Und es war niemand in seinem Hause, dem er soviel Vertrauen geschenkt hätte, daß er während seiner Abwesenheit seine Frau betreute. Denn soviel Diener er auch hatte, keinem traute er so recht über den Weg und erst recht nicht bezüglich des Schutzes seiner Frau. Sie war über die Maßen schön, und mancher hatte ein Auge auf sie geworfen. Schon früher, vor ihrer Verheiratung, war sie eine anmutige, prächtige, anziehende Erscheinung gewesen, und nun, wo sie einen so reichen Mann zum Gemahl bekommen hatte, nahm sie sich nur noch um so stattlicher aus. Alles, was sie am Leibe trug, war überaus kostbar: Gold, Diamanten, Smaragden und Perlen. Die trug sie Tag für Tag, und damit wuchsen ihre Reize. Die Leute raunten: Laßt den Kaufmann nur erst einmal fort sein, dann wollen wir schon unsern Teil an ihrer Schönheit holen. Das machte dem Kaufmann das Herz schwer. Eines Tages ruhte der Kaufmann wieder einmal auf seinen Kissen, und neben ihm lag der Hund. Da sah der Kaufmann dem Hunde ins Auge und sagte: Mariyo, du hast doch die Pflicht, deine Herrin zu bewachen, nicht wahr? Schau, wegen meiner Reise bin ich nicht wenig in Unruhe, denn ich kann niemand finden, der deine Herrin während meines Fortseins so beschützen und beschirmen kann, wie ich es täte; und ich fürchte, daß man ihre Ehre antastet. Der Hund verstand und nickte dem Kaufmann zu. Der war beruhigt, traf alle Vorbereitungen, ging an Bord seines Schiffes und reiste ab. Er war noch gar nicht lange fort, da nahte sich ein Mann der Frau des Kaufmanns. Seine Absichten waren unehrbar, und doch kam er wirklich an das Ziel seiner Wünsche. Darüber wurde der Hund tief bekümmert, hatte sein Herr sich doch auf ihn verlassen. Und er dachte bei sich: Kommt mein Herr heim, wird er mich sogleich töten, denn er wäre ja nicht auf Reisen gegangen, hätte er sich nicht darauf verlassen, daß ich seine Gattin betreute, und nun kommt dieser Kerl, und ich vermag die Ehre meines Herrn nicht zu schützen und zu retten. Nach geraumer Zeit kehrte der Kaufmann zurück. Seine Geschäfte waren günstig gewesen und hatten ihm einen schönen Gewinn eingetragen. Daher freute er sich auf die Heimreise und beschleunigte sie, so gut er es vermochte. An einem Nachmittag lief das Schiff im Hafen ein und ging vor Anker. Die Frau des Kaufmanns hatte keine Ahnung davon. Und wie sie es all' die Zeit gewohnt gewesen war, ließ sie ihren Buhlen rufen, mit dem sie die Nächte zu verbringen pflegte. Diesmal ließ sie ihn schon am Nachmittag rufen. Er kam, denn auch er hatte keine Ahnung von der Heimkehr des Kaufmanns. Nur der Hund wußte, daß sein Herr zurück und das Schiff vor Anker gegangen war. Der Kaufmann ging aber nicht sogleich von Bord, sondern meinte: Morgen mit Tagesanbruch will ich mich an Land begeben. Als es tagte, packte er seine Sachen, stieg ans Land und begab sich nach Hause. Wie er vor der Haustür stand, merkte der Hund, daß sein Herr gekommen war; er eilte in das Schlafgemach der Frau des Kaufmanns und biß ihren Buhlen derart in den Hals, daß er tot liegen blieb. Voller Angst flüchtete die Frau aus dem Gemach; doch der Hund rannte hinter ihr her, sprang an ihr empor und zerbiß ihr die Kehle. Sie fiel um und blieb tot, das Haupt auf der Schwelle, liegen. Jetzt betrat der Kaufmann sein Haus. Er sah, daß der Hund sie totgebissen hatte. Sogleich suchte er den Hund auf und schlug ihn tot. Der Kaufmann warf sich über seine Frau, umfaßte ihre Knie und klagte: Der Hund war doch ein arger Bösewicht. Ich habe ihn aufgezogen, ihn beschützt, beschirmt, die ganze lange Zeit, und nun vernichtet er mir zum Dank mein Glück. Er brach in Tränen aus und bejammerte den Verlust seiner Gattin. Dann schaute er sich einen Augenblick um, ging überall im Hause herum, und kam auch zuletzt in sein Schlafgemach. Da erblickte er plötzlich in seinem Bette den fremden Mann, dem gleichfalls die Kehle zerbissen war. Da sprach der Kaufmann zu sich: Aha, also deswegen hat der Hund meine Frau totgebissen. Sie hat meine Ehre beschmutzt und sicherlich mit diesem Manne gebuhlt und die Ehe gebrochen. Denn ihm ist ja gleichfalls die Kehle zerbissen. Nun weinte der Kaufmann noch mehr und wehklagte, und bittere Reue ergriff ihn, weil er jetzt beide, die Frau und den Hund, verloren hatte. Er rief: Mein Hund war wirklich ein treues Tier! Ich habe die Sache nicht untersucht und mußte daher zum Mörder werden. Mein Hund trat für meine Ehre ein.«

Die Geschichte kehrt zu Mutaine zurück.

Mutaine sagte: »Botenläufer, du hast also gehört, wie der Kaufmann zum Mörder wurde. Er hat vorschnell gehandelt.« Und er sprach weiter: »Botenläufer, kehre daher mit den Beteldosenträgern zum Sultan zurück. Er mag sie erst einmal verhören. Haben sie dann wirklich ein todeswürdiges Verbrechen begangen, dann werde ich sie sicherlich hinrichten. Und noch eins: am Ende könnte es den Sultan auch reuen, denn sie waren seine erkorenen Lieblinge.«

Der Botenläufer Maemuru kehrte zum Sultan von Biadutasenipi zurück; er betrat den Palast und setzte sich vor dem Sultan hin. Der Sultan erblickte ihn. Der Sultan sprach: »Warum kommst du? Sind die Beteldosenträger etwa nicht getötet worden?« Der Botenläufer: »Herr und Gebieter, Euer alleruntertänigster Diener begrüßt Euch. Ich war bei den drei Henkern, beim Muhalike, Mukatile und Mutaine. Sie sagten sämtlich: Ist der Fall auch gebührend untersucht worden? Ich antwortete: Nein. Da erwiderten mir die drei: Bevor die Sache nicht untersucht ist und die beiden verhört worden sind, werden wir sie nicht hinrichten, und zum andern, der Sultan möchte den Befehl am Ende noch bereuen, denn die Beteldosenträger waren, wie männiglich weiß, seine Lieblinge. Und ferner sagten die drei mir: Kehre mit ihnen um, damit der Sultan sie erst mal verhört. Ist das geschehen, und verdienen sie wirklich den Tod, dann führe sie wieder hierher, dann wollen wir sie vom Leben zum Tode bringen. So kehrte ich wieder hierher zurück, Herr!«

Der Sultan: »Wo sind die Beteldosenträger?«

Der Botenläufer: »Sie sind hier, ich habe sie mit zurückgebracht.«

Der Sultan: »Steht die Sache so, dann rufe sie herbei, damit der Fall untersucht wird und sie von Anfang bis zu Ende vernommen werden.«

Die Beteldosenträger, die Fischerkinder, wurden geholt. Der Sultan berief den Reichsrat und die höchsten Würdenträger, um eine genaue Untersuchung vorzunehmen.

Alles versammelte sich; die obersten Häupter des Rates waren anwesend, und die Beteldosenträger standen vor ihnen. Sprachen die Räte zum Sultan: »Es will uns scheinen, daß, wenn irgend möglich, auch die Frau des Kaufmanns herbeigeholt werden muß.« Der Sultan ließ die Frau holen.

Die Frau erschien.

Der Sultan: »Verhört jetzt die Beteldosenträger von Anfang bis zu Ende!«

Die Räte: »Der Sultan befahl, euch zu verhören, Beteldosenträger. Was war der Anlaß, daß man euch beschuldigt, euch an der Frau des Kaufmanns vergriffen zu haben?«

Abeduledjumali: »Ihr Herren, wer das behauptet, lügt! Vielleicht ist dies die Veranlassung gewesen: Wir hatten uns an Bord begeben, um Wache zu halten. Mein Bruder schlief. Spät in der Nacht, der Morgen dämmerte schon, weckte ich ihn, denn der Schlaf übermannte mich. Da sagte mein Bruder: Ich mag nicht aufstehen. Mir geht nun einmal nichts über den Schlaf; was kann ich dafür? Trotzdem weckte ich ihn nochmals; ich war zu müde, aber ich getraute mich nicht, einzuschlafen, denn ich fürchtete mich vor dem Sultan. Als ich ihn noch einmal weckte, hatte das nur den Erfolg, daß er böse wurde. Sprach ich zu ihm: Bruder, tu das nicht. Der Sultan schenkte uns sein Vertrauen und gab uns diesen Auftrag, darum will ich nicht schlafen, es sei denn, daß jemand mich in der Wache ablöst. Ferner sagte ich ihm: Bruder, wie du handeln nur gemeine Seelen, und ich möchte meinen, daß wir keine sind; nein, wir sind von guter Herkunft, von Vaters- wie von Mutterseite. Die Gottheit wollte uns nur demütigen; deshalb befinden wir uns in dieser Lage. Und noch etwas: Gerade du bist die Ursache gewesen, daß die Turteltaube sich bei Allah über uns beklagte und ihn anflehte, er möge uns trennen. Du weintest, weil du mit den jungen Turteltauben spielen wolltest. Da sagte unser Vater: Was schreist du wegen der Turteltaube? Aber du hörtest ja nicht auf. Da kletterte unser Vater auf den Baum und holte dir die Jungen herab. In dem Augenblick kehrte die alte Turteltaube zurück. Und in ihrem Schmerze betete sie zu Allah, dem Allerhöchsten, und flehte ihn an, er möchte doch Vater, Mutter und Kinder voneinander trennen. Allah erhörte das Gebet. Der Wunsch erfüllte sich. Wir wurden getrennt. Zweie entführte der Fischer, ein drittes Glied der Familie raubte ein Kaufmann, und das vierte irrt in der Welt umher; niemand weiß, wohin es gekommen ist, ob es noch lebt oder tot ist.«

Die Räte: »Wer wurde vom Fischer entführt, wer vom Kaufmann geraubt, wer irrt in der Welt umher?«

Abeduledjumali: »Ein Fischer raubte uns Brüder, der Kaufmann entführte die Mutter, und der Vater irrt in der Welt umher. Niemand weiß, wohin er gekommen ist, ob er noch lebt oder tot ist. Das, ihr Herren, erzählte ich meinem Bruder, da kam die Frau des Kaufmanns zu uns heraus, umarmte uns, weinte und schrie.«

Solange Abeduledjumali redete, hatte der Sultan nicht einmal aufgeblickt. Er hielt fortwährend das Haupt zu Boden gesenkt und weinte vor sich hin.

Als Abeduledjumali geendet hatte, sagten die Räte: »Nach dieser Aussage wollen wir euch der Frau des Kaufmanns gegenüberstellen.« Das geschah.

Die Räte sprachen zur Frau: »Wir befragen dich, ist es wahr, was der Beteldosenträger gesprochen hat? Bist du die Frau, die, wie sie behaupten, zu ihnen herausgekommen ist und sie umarmte?«

Die Frau: »Der Beteldosenträger sagte die Wahrheit. Ich, ja, ich bin ihre Mutter. Die Frau, von der er sagte, daß ein Kaufmann sie geraubt hat, bin ich.«

Da sah der Sultan plötzlich auf, lief ihr entgegen und umarmte sie, die Gattin und seine Kinder. Und sie weinten zusammen, der Gatte, die Gattin und die Kinder.

Der Sultan rief: »Ich bin euer Vater. Der, von dem ihr sagtet, er irre in der Welt umher, bin ich.«

So führte Allah, der Gerechte, der auch das zweite Gebet der Turteltaube erhört hatte, sie wieder zusammen. Vater, Mutter und Kinder jubelten über ihr glückliches Wiederfinden. Noch lange Zeit führte der Sultan die Herrschaft; dann ließ er seinem ältern Sohn, dem Abeduledjumali, huldigen; er wurde sein Nachfolger in der Herrschaft über das Reich Biladutasenipi. Abeduledjulali huldigte man als Oberpriester. Der Vater wollte nicht mehr regieren, er war zu alt geworden.

Die Erzählung von der Turteltaube und dem Sultan Indjilai ist zu Ende.

Möge doch Allah, der Allerhöchste, allen, die diese Geschichte lesen oder sie erzählen hören, die Nutzanwendung zuteil werden lassen. Die Turteltaube war nämlich keine gewöhnliche Turteltaube; sie war ein Heiliger. Der war zur Turteltaube geworden, um dem Sultan Indjilai diese Prüfung aufzuerlegen. Denn er hatte gemerkt, daß der Sultan die Lebensaufgabe, die ihm von Allah, dem Allerhöchsten, gestellt war, nicht erfüllen würde, wenn er, der Heilige, ihm nicht diese Prüfung auferlegt hätte. Daher hatte er sich als Turteltaube fangen lassen.

intaha, es ist zu Ende.

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