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Malaiische Märchen

Paul Hambruch: Malaiische Märchen - Kapitel 53
Quellenangabe
typefairy
authoranonymus
booktitleDie Märchen der Weltliteratur
titleMalaiische Märchen
publisherEugen Diedrichs, Jena
seriesDie Märchen der Weltliteratur
editorPaul Hambruch, Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert
year1922
firstpub1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060807
projectidfd754ed7
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51. Serungal

Ach,« sagte Serungal, »es hat ja keinen Zweck, wenn ich hier verweile. Ich tue besser und heirate die Tochter eines Radjas.« Nun war Serungal aber ein grundhäßlicher Mann. Er begab sich an den Hof des Radjas.

Unterwegs kam er in ein Dorf, das an einem Flusse lag. Die Leute schrien und rannten umher, und als er hinzuging, sah er, wie sie eine Ameise töteten. »Warum tut ihr das?« fragte Serungal. Die Leute liefen davon und ließen von der Ameise ab, die nun weiterkrabbelte.

Als er an den Badeplatz kam, lärmten die Leute wieder. »Was ist denn hier wieder los?« dachte Serungal und ging näher, um nach der Ursache zu sehen. Als er da anlangte, sah er, wie die Leute versuchten, eine nenekput, eine Feuerfliege zu töten. Er redete sie an und wiederum liefen sie weg.

Als er schließlich in ein anderes Dorf kam, und zum dritten Male die Leute am Ufer lärmen hörte, ging er auf das Geschrei zu und sah, wie sie ein Eichhörnchen umbringen wollten. »Tut das nicht!« sagte Serungal, und die Leute machten, daß sie fortkamen.

Es währte noch eine lange Zeit, da erreichte Serungal den Palast des Radjas, und der Radja sagte zu ihm: »Serungal, wohin willst du?« – »Na,« antwortete der, »ich will mit meinen Plänen nicht hinterm Berge halten; ich möchte dich um die Hand deiner Tochter bitten.« Da sagte der Radja zu ihm: »Siehst du den Korb mit Reis dort? Ein Mann soll sich aufs Pferd setzen und den Reis verstreuen, und wenn du ihn mir dann wieder in den Korb einsammeln kannst, so daß er voll wird, will ich dir die Hand meiner Tochter geben.« Serungal dachte nach: »Wie soll ich den Reis nur auflesen, wenn er vom Pferde herab ausgestreut wird?«; aber schließlich meinte er: »Ich will es versuchen,« und er dachte so bei sich: »Wenn ich ihn nicht zusammen bekomme, gehe ich nach Hause, dann bleibe ich nicht mehr hier.« Darauf befahl der Radja einem Burschen, sich aufs Pferd zu setzen und den Reis zu verstreuen. Der Junge stieg auf und verstreute den Reis überall hin, bis er alle war. »So,« sagte der Radja, »nun gehe ich nach Hause. Ich warte zwei bis drei Stunden, und wenn du bis dahin den Reis nicht wieder beisammen hast, bekommst du meine Tochter nicht.« Serungal ging nun los, um den Reis aufzulesen; nach Verlauf einer halben Stunde hatte er aber erst eine Kokosschale halb voll. Da weinte er. Nach einer Weile erschien die Ameise und fragte: »Weshalb weinst du?« – »Weil der Radja mir seine Tochter nicht geben will,« antwortete Serungal. »Nur wenn ich den Reis, den er verstreuen ließ, wieder beisammen habe, soll ich sie erhalten. Und ich habe erst eine halbe Schale voll Reis gesammelt!« – »Nun, dann weine man nicht mehr,« sagte die Ameise, »ich will dir helfen, weil du mir halfst, als die Leute mich töten wollten.« Darauf rief sie ihre Gefährten, und die trugen den Reis zusammen, bis der Korb voll war.

Serungal schleppte den Korb nach dem Palaste. Als der König ihn von weitem kommen sah, wunderte er sich. Und als er da war, sagte der Radja zu ihm: »Ja, du sollst meine Tochter bekommen, aber erst mußt du noch auf die Betelpalme steigen und mir Nüsse herunterholen.« Nun war die Betelpalme des Nadjas so hoch, daß ihr Wipfel in die Wolken ragte und gar nicht mehr gesehen werden konnte.

Als Serungal die Palme erblickte, sagte er sich: »Wie soll ich da nur hinaufkommen? Ich falle ja herunter, bevor ich zur Hälfte oben bin.« Der Radja ging nach Hause, und Serungal stieg auf die Palme hinauf; kaum war er etwa zwei Ellen hoch, da fiel er auch schon wieder herunter. Er fing an zu weinen. Nach einem Weilchen kam das Eichhörnchen und fragte ihn, warum er weinte; Serungal erzählte ihm, daß der Radja ihm gesagt hätte, er müßte ihm erst die Betelnüsse herunterholen, dann könnte er seine Tochter erhalten. »Schön,« erwiderte das Eichhörnchen, »ich will dir helfen.« Und es kletterte an der Palme in die Höhe und holte dem Serungal alle Nüsse herunter. Auch nicht eine einzige blieb mehr oben.

Serungal war noch weit vom Palaste entfernt, da gewahrte ihn schon der Radja und sagte: »Der Mann kann mehr als ich, er hat die Betelnüsse geholt, um die sich so viele vergeblich bemühten.« Und der Radja sagte dem Serungal, daß er eine seiner Töchter bekommen könnte.

Nun hatte der Radja sieben Töchter; die siebente und jüngste war die schönste, von ihr hatte Serungal erzählen hören. Sprach der Radja: »Wenn es dunkelt, begib dich in meinen Palast, und die Tochter, welche du zuerst im Schlafgemach findest, soll deine Frau sein. Du mußt aber spät nachts kommen, wenn es ganz dunkel ist.«

»Na,« dachte Serungal, »wie soll ich nun bloß die Jüngste finden, wenn es dunkel ist und ich nichts sehen kann?«

Gegen Abend begab Serungal sich nach dem Palaste des Radjas und wartete dort, bis es ganz dunkel war. Dann fing er an zu weinen, er wußte ja nicht, wie er es anstellen sollte, um des Radjas jüngste Tochter herauszufinden. Schließlich erschien die Feuerfliege und fragte ihn, warum er weinte. Serungal erzählte ihr, daß er die Tochter des Radjas bekommen sollte, der er zuerst begegnete, und er wollte doch die jüngste haben. »Sei nur ohne Sorge,« erwiderte die Feuerfliege, »ich will sie schon herausfinden. Ich setze mich auf ihre Nase, und wo du etwas aufglühen siehst, weißt du, ist die Stelle, wo des Radjas jüngste Tochter schläft.«

Serungal begab sich darauf nach dem Frauengemach, und als er die Feuerfliege bemerkte, trug er das Mädchen, auf dem sie saß, in ein anderes Gemach. Und am andern Morgen kam der Radja und wollte sehen, welche er sich erwählt hatte. Siehe da, es war die jüngste und schönste. Da mußte der Radja ihn, ob er nun wollte oder nicht, doch zum Schwiegersohne nehmen.

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