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Malaiische Märchen

Paul Hambruch: Malaiische Märchen - Kapitel 27
Quellenangabe
typefairy
authoranonymus
booktitleDie Märchen der Weltliteratur
titleMalaiische Märchen
publisherEugen Diedrichs, Jena
seriesDie Märchen der Weltliteratur
editorPaul Hambruch, Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert
year1922
firstpub1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060807
projectidfd754ed7
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25. Wie die Affen entstanden

Unsere Ahnen erzählen, daß es vordem keine Affen gab, sondern diese erst später geworden sind.

In einem Dorfe, irgendwo im Norden, lebte einst eine Witwe mit ihrem Sohne. Als das Kind heranwuchs, wurde es, je größer, um so ungehorsamer; es wollte seiner Mutter nie helfen, sondern tagein tagaus nur spielen. Oftmals sagte die Mutter: »Geh' aufs Feld!« aber er wollte nicht, und wenn er es einmal wirklich tat, dann wollte er dort nur spielen. Alle Arbeit überließ er seiner Mutter. Weil er sich so betrug, tat die Mutter auch nie, um was er sie bat.

Einstmals war die Mutter wieder einmal bei der Arbeit, da ging er zu ihr und sagte: »Mutter, gib mir Taro zu rösten!« Die Mutter erwiderte: »Willst du auch einmal welche pflanzen?« Dann sagte das Kind: »Dann gib mir aber Mais.« Die Mutter antwortete: »Willst du ihn vielleicht essen?«

Eines Tages, als die Mutter mit dem Jungen auf dem Felde war, rief sie nach ihm, da er helfen sollte; aber er wollte nicht, er blieb bei seinem Spiel. Nun wurde die Mutter böse, röstete Mais, tat ihn in den Reistopf und deckte ihn zu. Als sie fort gehen wollte, sagte sie zum Kinde: »Komm her und sieh' nach deinem Reis, denn ich muß nun an die Arbeit.« Es dauerte nicht lange, da wurde der Knabe hungrig und ging nach dem Reistopf, um sich daraus etwas zu holen. Kaum hatte er den Deckel hochgehoben, da sah er auch, daß der Topf nur mit geröstetem Mais gefüllt war. Er sagte: »Will meine Mutter mich so behandeln, kann sie einmal etwas erleben.« Damit nahm er die Maisröstpfanne, setzte sie aufs Feuer, und als sie glühend heiß geworden war, hob er sie hoch, kehrte sie um und setzte sich darauf, so daß seine Hinterbacken aufrissen. Daher sollen die Affen auf ihrem Gesäß so viele Quabbeln haben.

Dann stand er von der Reispfanne auf und begann mit seiner Verwandlung in einen Affen; er versuchte auf mancherlei Art nach oben zu klettern, aber er machte sich doch nicht gleich aus dem Staube, sondern wollte warten, bis die Mutter heimkam. Als die Mutter von der Arbeit zurückkam und nur noch wenig vom Hause entfernt war, rief sie das Kind und sagte: »Freundchen, bist du da?« Es antwortete: »Ja, ich bin hier!« Als sie ganz nahe beim Hause war, hörte sie, daß jemand im Hause war, der stets »engek« rief. Als sie das hörte, schlug ihr das Herz heftig in der Brust, und sie ging eilends hinein. Als sie hereintrat, sah sie, wie ihr Kind an der Wand auf und ab kletterte und alleweil schrie: »Ngek, ngok! ngek, ngok!« Zur Hälfte war er bereits zum Affen geworden und hatte auch schon Gesäßschwielen. Da schrie die Mutter: »Oweh, oweh! Mein Kind ist zum Affen geworden! Komm, Freundchen, komm, komm! Ich will dir auch geben, was du haben willst, komm nur, komm, komm!« Das Kind erwiderte: »Mutter, laß es damit genug sein! Du wolltest mir keinen gerösteten Mais geben, du wolltest mir keine Taro geben; heute hast du mir statt Reis einfach gerösteten Mais gegeben, darum habe ich mich in die glühende Röstpfanne gesetzt.« Damit sprang er von unten nach oben auf das Türsims, rief »ngek« und lief dort hin und her. Während die Mutter wie angewurzelt dastand, veränderte sich sein Aussehen, er wurde ganz und gar ein Affe, sprang in die Bäume und flüchtete in den Busch. Zur Nachtzeit hat er noch heute dort stets seine Bleibestätte.

Und so sagen die Leute, von diesem Jungen stammen hier zu Lande die Affen ab.

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