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Malaiische Märchen

Paul Hambruch: Malaiische Märchen - Kapitel 23
Quellenangabe
typefairy
authoranonymus
booktitleDie Märchen der Weltliteratur
titleMalaiische Märchen
publisherEugen Diedrichs, Jena
seriesDie Märchen der Weltliteratur
editorPaul Hambruch, Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert
year1922
firstpub1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060807
projectidfd754ed7
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21. Wie die Leute von Engano zu ihren Ärzten kamen

In einem Dorfe – der Name ist nicht bekannt – lebte einst ein Mann mit seiner Frau und Tochter. Als das Mädchen heiratsfähig geworden war, kam in der Gestalt eines schönen Jünglings ein Geist zu ihm und bat um seine Hand. Da der Jüngling obendrein eine schöne Stimme hatte, so betörte er leicht das Mädchen, und es ging auf seinen Vorschlag ein. Der Geist lebte nun mit ihm zusammen wie Mann und Frau. Eines Tages bemerkten die Eltern, daß ihre Tochter in anderen Umständen war, und fragten sie daher, wer sie geschwängert hätte. Das Mädchen antwortete: »Liebe Eltern, seid nicht böse, mein Gatte ist ein Geist. Niemand, mich ausgenommen, kann ihn sehen. Ich vermag allein seine Stimme zu hören.« Nun sagte der Geist zu dem Mädchen: »Ich muß auf fünf Tage nach dem Geisterreich heimkehren, um meine Verwandten zu besuchen. Lege bitte an einer Stelle am Strande, die ich dir beim Abschied zeigen werde, einige Bündel reife Bananen hin, die mir zur Wegzehrung auf meiner Reise dienen können. Sage das deinen Eltern.« Das Mädchen erzählte den Eltern, was der Geist gesagt hatte. An dem Tage der Abreise begaben sich das Mädchen, ihre Eltern und Verwandten an den Strand. Sie legten an der Stelle, die der Geist bezeichnet hatte, die reifen Bananen hin. Darauf sagte der Geist zu dem Mädchen: »Ich gehe jetzt fort, erwarte mich hier in fünf Tagen wieder.« Der Geist verschwand und nahm die Bananen mit. Als der fünfte Tag erschienen war, ging das Mädchen wieder mit seinen Eltern und Verwandten an den Strand, wo sie den Geist erwarteten. Als sie da eintrafen, fanden sie eine große Menge zusammengebundener Fische vor. Der Geist sprach zum Mädchen: »Sage deinen Eltern, daß diese Fische als Gegengeschenk für die mir übergebenen Bananen für sie bestimmt sind. Und dann komm, wir wollen nach Hause gehen.« Alle kehrten heim.

Es dauerte nicht lange, da brachte das Mädchen einen blinden Knaben zur Welt. Da sagte der Geist zu ihr »So, nun ist die Zeit da, wo ich dich für immer verlassen muß. Wir haben nun ein Kind. Sorge gut für das Kind. Und jetzt bist du frei und darfst heiraten wen du willst.« Das Mädchen antwortete betrübt: »Wenn du es also beschlossen hast, muß ich mich deinem Willen fügen.« Der Geist verließ das Mädchen und kam nicht wieder.

Als das Kind zum Manne herangewachsen war, wurde die Bevölkerung von einer schweren Seuche heimgesucht, die viele ins Grab brachte. Da wurde einem Kranken im Traum geoffenbart, daß der blinde Jüngling die Kranken wieder gesund machen könnte. Man ließ ihn kommen, und sobald er nur den Körper der Kranken berührt hatte, wurden diese wieder gesund. Seither leistete er allen Kranken des Dorfes Beistand und wurde so zum Arzte. Später heiratete der Jüngling und bekam einen Sohn, den er in der Heilkunst unterwies. Und aus dessen Geschlecht sind die Heilkundigen entsprossen. So kam die Insel Engano zu ihren Ärzten.

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