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Malaiische Märchen

Paul Hambruch: Malaiische Märchen - Kapitel 17
Quellenangabe
typefairy
authoranonymus
booktitleDie Märchen der Weltliteratur
titleMalaiische Märchen
publisherEugen Diedrichs, Jena
seriesDie Märchen der Weltliteratur
editorPaul Hambruch, Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert
year1922
firstpub1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060807
projectidfd754ed7
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15. Der Streit der Pflanzen

Eines guten Tages blähte sich Jagong, der Mais, und sagte: »Gäbe es keinen Reis mehr, dann müßte ich allein das Menschengeschlecht erhalten.« Die Liane Dagun und der Dschungelyams Gadong waren damit ganz und gar nicht einverstanden; sie beanspruchten die gleiche Ehre; und weil sie sich nicht einigen konnten, baten sie den König Salomo um seine Entscheidung. König Salomo sprach: »Ihr habt alle drei recht, trotzdem ist es besser, daß Jagong sich der Menschheit annimmt, denn er ist mit der Bohne Kachang befreundet.« Darob ergrimmten die Liane Dagun und der Yams Gadong und zürnten dem Jagong mächtig. Sie zogen nun gemeinsam aus, um eine Fruchtsprosse des Dschungelfeigenbaums zu ergattern, damit sie ihn pfählen konnten; na, sie fanden keine. Mittlerweile hatte Jagong jedoch Wind von ihrer Suche bekommen und bemühte sich deshalb um Pfeilgift. Als er es bekommen hatte, vergiftete er damit Gadong, und seither besitzt der Dschungelyams seine betäubenden Eigenschaften. Der Yams Gadong geriet darüber in Wut und speerte Jagong, darum sind bis zum heutigen Tage die Maiskolben löcherig. Jagong wehrte sich und verwundete Dagun mit dem spitzen Sproß einer Wilang-Liane. Nun traten die Streitenden vor den Propheten Elias, der sagte jedoch zu ihnen: »Geht zum Salomo, für mich ist die Sache zu schwierig.« Und Salomo sprach: »Fechtet den Streit nur unter euch aus, damit der Zorn eurer Herzen beruhigt wird.« Es entspann sich ein Kampf, der sich über zweimal sieben Tage hinzog. Mata Lembu, der Ochsenaugenbaum, stand ganz in der Nähe; seine Rinde wurde von den Kugeln so arg zerschunden, daß sie heute noch die Narben zeigt. Der Perachak-Strauch bekam Angst und, anstatt näher an die Kämpfer heranzurücken, um den Austrag des Streites besser beobachten zu können, stellte er sich auf die Zehenspitzen; deshalb ist er heute noch so lang und schlank. Und Andram, das Riedgras, war so erschrocken, daß es sich schleunigst aus dem Staube machte; als es in der Ferne jedoch noch immer den Kampflärm vernahm, stürzte es sich in seiner Angst ins Wasser, wo es bis heute verblieben ist und wächst.

Als die zweimal sieben Tage abgelaufen waren und der Kampf unentschieden blieb, da schieden die Streitenden voneinander, und Salomo trennte sie durch einen weiten Zwischenraum. Gadong, der Yams, mußte sich hinsetzen und Dagon, die Liane, sich niederlegen. Jagong, der Mais, und Kachang, die Bohne, durften jedoch aufrecht stehen bleiben.

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