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Gutenberg > Lily Braun >

Madeleine Guimard

Lily Braun: Madeleine Guimard - Kapitel 1
Quellenangabe
typeopera
authorLily Braun
titleMadeleine Guimard
publisherVerlagsanstalt Hermann Klemm A.-G.
seriesGesammelte Werke
volumeBand 5
printrun1.-20. Tausend
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070814
projectid69992df2
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Lily Braun

Madeleine Guimard

Eine lyrische Oper in drei Akten

Personen

Madeleine Guimard, Tänzerin der Oper  
Der Herzog von Soubife
Der Graf von Boutoulin
Der Graf de Rochefort
Benjamin de la Borde
}
}
}
}
ihre Liebhaber
Louis de Jarente, Bischof von Orleans  
Despreaux
Dauberval
}
}
Tänzer der Oper Nivelon
Clotilde Duthé
Rose Allard
Claire Dervieux
}
}
}
Tänzerinnen der Oper
Regnard, Mitglied des Revolutionstribunals  
Die Gräfin Blainvilliers  
Finette, Zofe bei der Guimard  
Tänzer und Tänzerinnen,
Gäste der Guimard,
Diener,
Mitglieder des Revolutionstribunals,
Soldaten, Volk.

Zeit: 1792

Ort: Paris

Erster Akt:
In Pantin, dem Lustschloß der Guimard.

Zweiter Akt:
Im Palais der Guimard in Paris.

Dritter Akt:
Auf der Straße dem Revolutionstribunal und im Tribunal selbst.


Erster Akt

Im kleinen Theatersaal zu Pantin. Vom der Zuschauerraum mit einigen frei umherstehenden Stühlen; an den beiden Seiten Logen mit zugezogenen Gardinen; in der Mitte im Hintergrund die kleine Bühne, zu der eine Treppe emporführt. Der Vorhang davor ist noch geschlossen. Rechts und links, zwischen den Logen breite Doppeltüren. Der ganze Raum ist im üppigsten Rokokostil gehalten.

Von links strömen die Tänzer herein, an ihrer Spitze Despreaux, Dauberval, Rivelon.

Rivelon Ach, eine andere Welt!

Dauberval Ich atme auf!

Despreaux Es roch nach Blut!

Rivelon Hier duftet es nach Rosen.
Hier herrscht die Fee, die allen Schrecken bannt;
Sie weihte Aphroditen dieses Land;
Sie heißt den Sommer stillstehn wie die Zeit;
An ihrer Pforte wachsen Amoretten,
Um alle Wonnen der Vergangenheit
Zu fesseln mit der Liebe Rosenketten.

Despreaux Doch Mars beherrscht Paris.
Und wir sind Männer,
Der Tänze und der Tändeleien satt.

Rivelon Mars? Lästre nicht! Paris regiert der Henker!

Despreaux Du fürchtest ihn, mein zarter Ganymed?

Dauberval (auf die Türe rechts weisend)
Des Schlosses holde Herrin wird dich trösten!
Es ist an dir die Reihe, wie mir scheint.

(Rivelon will eintreten. Die Tür springt auf, Finette erscheint und stellt sich ihm in den Weg.)

Finette Gemach, ihr Herrn! Fräulein Guimard
Streckt noch im Bade ihre weißen Glieder.
Doch jene Flut, die Venus einst gebar.
Gibt euch gar bald die Liebesgöttin wieder.
Singt ihr ein Lied, ein süßes Lied,
Wie's einst zu ihren holden Tänzen tönte!

Dauberval (einfallend) Eh' noch der Leichtsinn von uns Armen schied.

Rivelon Eh' noch die Roheit alle Grazien höhnte.

(Die Tänzer wiederholen die letzten Strophen, währenddessen verschwindet Finette.)

Despreaux (in Nachdenken versunken auf einen der Stühle sich niederlassend)
Einst sang ich für sie
Vor langer Zeit,
Als ihre Gunst
Mich noch beglückte.

Die Tänzer Sing uns dein Lied!

Despreaux Vielleicht erwacht In ihrem Herzen
Dann ein Erinnern.

(Pause. Alle umdrängen Despreaux, der einem du Tänzer eine Mandoline aus der Hand nimmt und zu singen beginnt.)

Despreaux Wie bist du entzückend vom Kopf zu Fuß,
Madeleine, du holdselige Kleine.
Reichst du das Händchen mir nur zum Gruß,
So bin ich schon völlig der Deine,
Und strahlt mir dein Auge verheißungsvoll.
Machst du mich toll,
Verwegene Wünsche erwachen dann,
Die man nicht sagen kann.

Und hebst du dein Füßchen vom Tanz beschwingt,
Und wiegst du verlockend die Glieder,
Glühendes Feuer mein Herz durchdringt,
Kein Ozean löscht es je wieder.
Die lachende Welt sie versinkt um mich,
Ich seh' nur dich;
Es facht jeder Blick ein Begehren an,
Das man nicht sagen kann.

Doch willst du zu Taten ganz unerhört
Als tapfersten Ritter mich küren,
Lächle! dein Lächeln, Madeleine, betört,
Dein Lächeln kann Engel verführen.
Trotz biet' ich dem Teufel und Trotz dem Tod
Auf dein Gebot ...
Verspricht mir dein Lächeln zum Lohne dann,
Was man nicht sagen kann?

(Der Chor der Tänzer, der zuerst nur den Refrain mitsang, singt die ganze letzte Strophe, währenddessen tritt Madeleine Guimard aus der Türe rechts auf, – von den Tänzern zunächst unbemerkt – neben ihr der Prinz von Soubise. Sie tanzt nach der Melodie des Liedes bis auf die Mitte der Bühne. Von der einen Seite nähert sich ihr Nivelon, von der anderen der Prinz von Soubise, während Despreaux sich finster zu den Tänzern zurückzieht.)

Nivelon (schmachtend)
Verspricht mir dein Lächeln zum Lohne dann,
Was man nicht sagen kann?

Soubise (siegesbewußt)
Verspricht mir dein Lächeln zum Lohne dann,
Was man nicht sagen kann?

Despreaux (und ein Teil der Sänger)
Verspricht ihm ihr Lächeln zum Lohne dann,
Was man nicht sagen kann?

Madeleine (während sie sich tanzend wieder dem Prinzen nähert)
Wenn ich, was ihr wollt, euch nicht schenken kann –
Was geht es euch alle an?

Eine Gruppe der Tänzer Der Prinz von Soubise –
Er küßt ihr die Hand –
Sein Blick: ein Begehren,
Ihr Lächeln: Gewähren –

Ein Tänzer (zu Despreaux) Der neue Liebhaber ist
Ein Royalist!

Despreaux Und für ihn soll ich tanzen?
Soll mit lustigen Sprüngen
Die Herren amüsieren,
Die das Herz mir zertreten?
Nein, die Zeit ist vorüber!
Der Narr ward zum Menschen.
(wendet sich zu Dauberval)
Hör' auf mich, guter Freund,
Du machst dich verdächtig,
Als Getreuer des Königs –
Rasch bist du gefangen.
Doch schwer wirst du frei.
(zu Nivelon)
Was schaust du so finster?
Sie spielt mit uns allen, –
Sei ein Mann und zerreiße
Die unwürd'ge Fessel –

Dauberval Ich, Getreuer des Königs –
Wer wagt das zu sagen?
Mein Kopf ist mir teurer
Als die süße Madeleine.

Rivelon Sie spielt mit uns allen?!
Doch, ach, selbst ihr Spielzeug
Zu sein, welch Entzücken –

Despreaux Sei ein Mann! –

Nivelon Ach, ich wollte,
Ich wäre ihr Spielzeug! Doch sie lächelt dem Herzog, –
Ich muß wohl ein Mann sein!

(Währenddessen erscheinen von rechts die Tänzerinnen, die sich um Madeleine scharen.)

Madeleine Verzeiht, ihr Herrn, daß wir euch warten ließen,
Die Probe der Kostüme währte lang:
Ich hoffe sehr, es wird euch nicht verdrießen,
Da um so schöner unser Putz gelang.
Kommt nun hinauf. Bald nahen unsere Gäste,
Begierig euch und eure Kunst zu sehn.
Ihr seid die Krone aller meiner Feste,
Kommt nun, Kam'raden, Freunde.
Laßt uns gehn!

(Sie will zur Bühne hinaufgehen, die Tänzerinnen mit ihr, die Tänzer zögern.)

Despreaux (rasch und entschlossen vortretend) Wir tanzen nicht!

Madeleine Du, Despreaux?!

Despreaux Ich, Despreaux, dein alter Kam'rad
In schweren Zeiten, dein bester Gefährte,
Erinnere dich, treuloses Mädchen,
An deine Jugend, an deine Herkunft,
Gedenke der Gasse, in der du aufwuchst.
Des trock'nen Brotes, das du einst aßest.
Des harten Pfühles, auf dem du schliefest.
Gedenke der Mutter, die um dich weinte,
Die dich in Not und Schande gebar!
Ein stolzer Kavalier von altem Namen,
Nicht schlechter als der Herzog von Soubise,
Stieß sie ins Elend.
Und du willst länger seinesgleichen dienen?

Madeleine Ich diene nicht; ich herrsche, wie du siehst.
Kommt, Freunde, auf der Bühne dort
Steht unser Thron, den niemand stürzen wird.

Despreaux So scheiden unsere Wege sich von deinen –

Madeleine Die deinen von den unsern, meinst du wohl?

(Sie geht von einer Tänzerin zur andern, sich leise mit ihnen besprechend.)

Despreaux (zu den Tänzern) Aus ist das Spiel! Wir grüßen
Den Kampf, den wir erwählt;
Zieht die seidenen Schuh von den Füßen,
Werft das Narrenkleid ab, das uns quält.

Madeleine (zu den Tänzerinnen)
Beginnt das Spiel! Wir grüßen
Den Kampf, den sie erwählt.
Zwingt sie uns nur aufs neue zu Füßen,
Sie vergessen um uns, was sie quält.

(Die Tänzerinnen umschmeicheln die Tänzer, während Madeleine sich einzelnen unter ihnen nähert.)

Madeleine (zu Dauberval)
Hörst du nicht die lockenden Geigen?
Komm, wir tanzen zusammen im Reigen.
Ich selbst will Dir Partnerin sein.
(zu Nivelon)
Hörst du nicht die schmachtenden Flöten?
Ich sah dich in Sehnsucht erröten –
Zum Tanze lad' ich dich ein.

Dauberval und Nivelon
Terpsichore, du lockst nicht vergebens!
Und der Tanz sei der Sinn unseres Lebens,
Der Tanz, den die Liebe beschwingt.

(Der Chor der Tänzer und Tänzerinnen fällt in diese Strophe ein.)

Madeleine (zu Despreaux) Glaubst du noch, du kannst uns besiegen?
Sieh dich um, wie sie rasch unterliegen!
Noch bin ich's, die alle bezwingt!

Despreaux (sehr weich und mitleidig)
Der Tänzerin Triumph?! Ein Sommersonnentag!
Ein Falterleben! Verzichte auf das Spiel,
Eh' es zu spät ist.

Madeleine (einen Augenblick lang erschrocken)
Zu spät?!

Despreaux Der Herzog von Soubise steht auf der Liste
Des Tribunals.

Madeleine Für feige hältst du mich?
Die Liebe macht aus Weibern Helden. –

Despreaux (höhnisch und wegwerfend)
Liebe?! Der Herzog von Soubise hat ein Serail –
Für einen Tag bist du die Favoritin.

(Madeleine wendet sich mit verächtlicher Gebärde von ihm ab. Der Vorhang der Bühne öffnet sich. Die Tänzer und Tänzerinnen eilen zur Bühne empor.)

Der Chor Terpsichore, du lockst nicht vergebens!
Und der Tanz sei der Sinn unseres Lebens,
Der Tanz, den die Liebe beschwingt.

(Währenddessen wird es in den Logen lebendig, hie und da erscheint ein Frauenkopf zwischen den Gardinen. Aus den Türen rechts und links kommen die Gäste, lauter Kavaliere, die der Herzog von Soubise begrüßt, der bis dahin mit den Tänzerinnen schäkerte. Er tritt an eine der Logen heran, aus der sich eine Hand ihm entgegenstreckt, die er inbrünstig küßt. Despreaux bemerkt es und macht Madeleine darauf aufmerksam. Sie scheint einen Augenblick erschüttert, dann, als der Herzog sich ihr nähert, erhellt sich ihre Miene wieder. Despreaux entfernt sich nach links mit einer drohenden Gebärde gegen den Herzog.)

Der Herzog von Soubise Die Gäste nah'n, mein schönes Kind;
Heut mußt du sie doppelt entzücken.
Sieh nur, wie bleich, wie ernst sie sind, –
Du mußt sie dem Leben entrücken.

(Die Gäste gehen einer nach dem andern an ihr vorüber und begrüßen sie.)

Madeleine O, Herr Marquis von Boutoulin,
Ich heiße Euch herzlich willkommen.

Der Chor der Gäste (leise) Sie hat ihm einst für einen Tanz
Ein Fürstentum abgenommen.

Madeleine Auch Ihr, mein teurer De la Borde –
Wie fehlen mir Eure Lieder!

Der Chor Für einen Kuß – den ganzen Geist –!
Er dichtet seitdem nicht wieder!

Madeleine Graf Rochefort – sieh, ein selt'ner Gast –
Wie schmerzlich mußt' ich Euch missen!

Der Chor Er legte ihr für jede Nacht
Eine Perlenschnur auf die Kissen!

Madeleine (sich tief verneigend) Ah, Monseigneur! So kann ich heut'
Zum Segen der Kirche gelangen.

Der Chor Er sprach sie aller Sünde frei
Für die, die sie mit ihm begangen.

Boutoulin Wir entflohen dem Fegefeuer.

Rochefort Einer Räuberbande –

De la Borde Dem Chaos.

Jarente Der Hölle selbst.

Soubise Was ist geschehen?

Boutoulin Sie konfiszieren die Güter –

Rochefort Erbrechen die Kassen –

De la Borde Plündern die Schlösser –

Jarente Die Jakobiner!

Die Damen (stecken entsetzt die Köpfe aus den Logen heraus)
Die Jakobiner! Wehe uns!

(Die Damen verbergen sich wieder. Der Herzog von Soubise tritt an eine der Logen und zieht abermals die Hand, die ihm gereicht wird, an die Lippen.)

Der Herzog von Soubise Zittert nicht, schöne Frau! So lange mein Degen
Nicht zerbrochen, Meine Hand
Nicht die eines Toten ist,
Seid Ihr in Sicherheit!

(Er wendet sich wieder zu den andern. Diener reichen Wein umher.)

Der Herzog von Soubise Noch immer diese Leichenbittermienen,
Wo euch die Schönheit und die Liebe winkt?
Heißt das der Herrin dieses Hauses dienen?
Kommt, Freunde, trinkt!

Mag hinter uns die Welt zusammenstürzen.
Wenn dieses Eiland uns zu Sel'gen macht.
Wenn Tanz und Spiel die Stunden uns verkürzen, –
Kommt, Freunde, lacht!

Und weint ihr nach den Schätzen, die euch schwinden,
Wo Liebe sich der Liebe ganz ergibt? (Er umfaßt Madeleine.)
Wo sich die Herzen und die Lippen finden –
Kommt, Freunde, liebt!

Boutoulin Er hat recht.

Rochefort Laßt uns heut' noch vergessen.

De la Borde Eine Schöne –

Jarente ans Herz uns pressen.

Boutoulin Denn morgen –

Rochefort Wer weiß, was uns droht!

De la Borde Die Armut!

Jarente Die Keuschheit!

Soubise Der Tod!

(Finette tritt von rechts auf, ein Schleiergewand über dem Arm.)

Finette (zu Madeleine) Das Spiel beginnt, rasch – das Kostüm –

Rivelon (als Amor, erscheint vor dem Vorhang der kleinen Bühne)
Amor erwartet, Sehnsucht im Herzen,
Seine Frau Mutter Aphrodite.

Die Gäste Aphrodite!
Soubise Aphrodite – und ein Kostüm?!
Niedlichste aller Zofen, entkleide
Rasch deine Herrin! Enthülle,
Madeleine, deine Schönheit,
Daß alle mir neiden Deinen Besitz.

Madeleine Nackt – hier – vor allen!

Soubise Scham ist nichts andres als Scheu,
Fehler, verborgne, zu zeigen!
Beweise, daß du fehlerlos!
(Madeleine zögert noch immer, er wendet sich leise an sie.)
Beweise mir damit, daß du mich lieb hast.

Madeleine (leise zu ihm) Du weißt, wie ich dich liebe!

(Die Gäste umdrängen sie. Die Ballettmusik auf der kleinen Bühne setzt ein.)

Die Gäste Schaumgebor'ne, erscheine uns,
Wie du den Fluten entstiegen.

Die Tänzerinnen (hinter dem Vorhang)
Schaumgebor'ne, neige dich uns,
Daß wir die Herzen besiegen.

Madeleine (sich tief verneigend)
Der Wunsch meiner Gäste ist mir Befehl.

(Sie geht mit Finette durch die Türe rechts.)

Die Tänzerinnen (hinter dem Vorhang)
Kränze von Rosen opfern wir,
Tauben, mit weißem Gefieder,
Knien im Staube, Göttin, vor dir,
Lächle, ach, lächle uns wieder.

Die Gäste (durcheinander) Welch ein Anblick wird uns entzücken –
Diese Brust – die Schultern – der Rücken –

Die Damen (aus den Logen durcheinander)
Welch Entsetzen! – Vor unsern Blicken! –
O, mich graust's! – Mir ist heiß zum Ersticken.

Soubise (vor einer der Logen) Kommt herab, was soll hier das Zieren.

Gräfin Blainvilliers Meinen Ruf – Gott! – ich werd' ihn verlieren –

(Die Gäste suchen die Damen zu bewegen, aus den Logen herunterzukommen. Nach einigem Zögern erscheinen sie.)

Die Gäste (Damen und Herren) In Aphroditens Tempel geborgen,
Was kümmert uns heute das Morgen,
Kommt, trinkt, eh' der Becher entzwei ist,
Und küßt, eh' das Leben vorbei ist.

Soubise (zur Gräfin Blainvilliers) Was tat ich Euch, daß Ihr so grausam seid?

Gräfin Blainvilliers Schwer kränktet Ihr mein allzu gläubig Herz!
Madeleine Guimard –

Soubise sie liebt mich. Und zuweilen,
Wenn Eure Härte mich zu Tode trifft,
Errettet mich ihr Tanz vor dem Verbluten.

Gräfin Blainvilliers Ihr küßtet sie –

Soubise Gewährt mir Eure Lippen,
Damit ich nicht an einer andern Quelle
Vor dem Verdursten mich erretten muß.

Gräfin Blainvilliers Ihr rühmtet ihre Schönheit –

Soubise (stürmisch) Weil du die deine
Mir geizig vorenthältst!

Gräfin Blainvilliers Und Ihr verlangtet,
Was nur die Leidenschaft verlangen kann.

Soubise So glaubt Ihr wirklich, Gräfin,
Ich gäbe diese Schönheit allen preis,
Wenn ich sie lieben würde? – –
Hinter Schleiern und Gittern
Versteckt' ich dich vor jedem fremden Blick,
Wenn du die Meine wärst!

Die kleine Tänzerin
Ist nur ein Zeitvertreib;
Dich allein liebe ich,
Süßes Weib.

Die kleine Tänzerin
Ist nur ein Spielzeug mir,
All meine Sehnsucht drängt
Nur nach dir.

Gräfin Blainvilliers Man sagt, dies Schloß sei ein Geschenk von Euch –
Und Ihr wollt mir, der Armen, glauben machen, Ihr liebtet mich.

Soubise Ich habe ein Schloß am Meer In der Provence
Und eine stolze Burg An der Garonne –
Sei mein heut nacht,
Und morgen sind sie dein!

Gräfin Blainvilliers Was denkt Ihr, Herzog? –
Die Gräfin Blainvilliers ist keine Dirne,
Die ihre Gunst verkauft.

(Sie wendet sich zum Gehen, Soubise hält sie auf.)

Soubise Ich habe in meinem Schatz Diamanten und Perlen
Und aus Rubinen, Rot wie die Liebe,
Glühend wie mein Verlangen,
Eine leuchtende Krone – Willst du sie haben,
Sei mein!

Gräfin Blainvilliers Habt Ihr in Eurem Schatz Diamanten und Perlen
Und aus Rubinen, Rot wie die Liebe,
Glühend wie Euer Verlangen,
Eine leuchtende Krone – So sag' ich dennoch: Nein!
Verlangt Ihr ernstlich
Nach meiner Liebe,
Beweist es mir durch eine Kleinigkeit –
Ein einzig Ringlein Aus glattem Golde –,
Und Euch zu folgen bin ich gern bereit –

(Ein starkes Pochen an der Haustüre läßt alle erschrocken auseinanderfahren. Die Gräfin und mit ihr die anderen Damen flüchten in die Logen, ein paar Diener stürzen entsetzt herein.)

Die Diener Die Jakobiner!

Die Gäste Die Jakobiner!

(Die Abgesandten des Tribunals treten ein, mit ihnen Despreaux. Im gleichen Augenblick geht der Vorhang der kleinen Bühne auf. Man sieht Madeleine Guimard, in einer Muschel ruhend, von Nymphen und Amoretten umgeben. Die ersten Takte des Balletts erklingen und brechen jäh ab, als Despreaux zur Bühne emporsteigt. Madeleine erhebt sich. Despreaux wirft im gleichen Augenblick seinen Mantel um sie.)

Despreaux Wer ist der Sieger nun?!
Du wirst nicht tanzen, sagte ich –

Madeleine Gewalt?!
(Sie stößt ihn von sich und tritt, in den Mantel gehüllt, dicht vor die Rampe der kleinen Bühne.)
Ihr brecht die Türen auf,
Im Namen der Freiheit?!
Ihr schlagt meine Diener, –
Im Namen der Gleichheit?!
Ihr bedroht friedsame Menschen
Im Namen der Brüderlichkeit?!

Regnard Bürgerin Guimard,
Hütet Eure Zunge!
Hört den Befehl:
Das Volk von Paris
Verlangt das Ballett,
Heut abend noch müßt Ihr Im Opernhause tanzen.

Madeleine Ihr seht, wir tanzen hier.

Regnard Vor Royalisten –

Madeleine Vor Kennern der Kunst –

Regnard Ihr meint wohl: des Fleisches? –
Bürgerin Guimard, Ich rate Euch gut,
Kommt nach Paris.

Madeleine Ich bleibe.

Despreaux Du rasest! Dein Leben gilt es vielleicht.

Madeleine (auflachend) Sie wollen meine Füße,
Nicht meinen Kopf.
Des Königs Tänzerin bin ich,
Gewöhnt an ein Parkett von Kavalieren;
In leichtem Reigen dreh ich mich,
Wenn Fürsten meinen Tänzen applaudieren.
(Die Tänzerinnen scharen sich um Madeleine und singen den folgenden Vers mit.)
Ihr kommt, ihr Herren,
umsonst hier her,
Der Roheit dienen,
heißt die Kunst entweihen,
Wir tanzen lieber niemals mehr,
Als vor Perückenmachern und Lakaien.

(Der ganze Chor, auch die Gäste, wiederholen die letzten Strophen.)

Regnard Die Lakaien von gestern
Sind die Herren von heut'.
Die Perückenmacher
Schneiden die Köpfe,
Nicht mehr die Haare.
Und auch du wirst dich beugen.
Nach dem Tanz, den wir pfeifen,
Wirst du dich drehen!

Despreaux (zu den Füßen von Madeleine) Höre mein Flehen –

Madeleine Verräter!

Regnard, Despreaux und ihre Begleiter (indem sie sich langsam zurückziehen)
Die Lakaien von gestern
Sind die Herren von heut'.
Die Perückenmacher
Schneiden die Köpfe,
Nicht mehr die Haare.

(Sie verschwinden durch die Türe links. Man hört von draußen ihre letzten Strophen.)

Und auch du wirst dich beugen.
Nach dem Tanz, den wir pfeifen,
Wirst du dich drehen.

Madeleine (sie läßt den Mantel fallen. Die Ballettmusik setzt wieder ein)
Es beginne das Spiel.
(Sie setzt sich wieder in die Muschel, die Nymphen umtanzen sie; aus den Seitenkulissen der kleinen Bühne erscheinen die der Göttin opfernden Mädchen.)
Die Mädchen Kränze von Rosen opfern wir;
Tauben mit weißem Gefieder;
Knien im Staube, Göttin, vor dir,
Lächle, ach, lächle uns wieder!

Der Vorhang fällt. Ende des ersten Aktes.

Zweiter Akt

Im Salon der Guimard in ihrem Palais zu Paris. Rechts eine Tür und eine versteckte Tapetentür. Links zwei Fenster. Im Hintergrund eine breite Flügeltüre, die zum Speisesaal führt. Elegante Rokokomöbel; darunter ein Tisch, auf dem Blumen stehen, ein Schränkchen, ein Schreibtisch am Fenster, verschiedene Sessel. Durch die offenen Fenster dringt der wüste Lärm der Straße herein, aus dem sich schließlich der Gesang des alten Bourbonenliedes, »Vive Henri quatre « abhebt. Nachdem er eine Zeitlang die Situation allein beherrschte, klingt erst von fern, dann immer näher und brausender die Melodie der Marseillaise dazwischen. Es ist, als bekämpften sich beide Gesänge. Madeleine sitzt am Schreibtisch, ein großes Schriftstück lesend, unter das sie schließlich ihren Namen setzt.

Madeleine (seufzend)
Nach London also geht die Wanderfahrt!
(Sie läutet. Ein Diener tritt ein.)
Das dem Kurier, sobald er wieder kommt!
Doch bald wird mein Paris in neuem Glanz erstehn.
Dann werd' ich's wiedersehn!
(Sie beschäftigt sich, in Gedanken verloren, mit den Blumen auf dem Tisch, die Marseillaise vor sich hinsummend.)
Zum Kampfe auf! Herbei!
Die Ketten brecht entzwei!
Marsch, marsch!
(Melodie der Marseillaise.)
Marsch, marsch!
Der Feinde Tod!
Er färb' die Erde rot.
(Sie horcht hinaus, lächelt und beginnt das Bourbonenlied zu singen.)
Heinrich, mein König,
In Treuen grüß ich dich!
Dein Banner wehe (Melodie von »Vive Henri IV«.)
In Frankreich ewiglich!
Du bist der Einz'ge, doch dreifach ein Held:
Beim Becher, beim Weibe, beim Kampf auf freiem Feld.
Dir ist kein Mädchen
Zu spröd', kein Wein zu schwer.
Kein Wagnis zu gefährlich,
Kein Feind zu reich an Wehr.
Hat auch der Sturmwind die Bäume entlaubt.
Die Lilie hebt stolzer ihr königliches Haupt.

(Finettte stürzt aufgeregt herein)

Finette So schweigt doch stille!
Vor unsrer Türe
Sammelt der Pöbel sich schon!

Madeleine
So laß ihm die Freude!

Finette Freude?!
Er droht uns mit Fäusten
Und stachligen Reden!
Hätt' ich nicht Freunde
Unter den Männern,
Wer weiß, was geschähe!

Madeleine
Mach mich nicht lachen!
Du weißt, wie ich selber,
Daß die Pariser
Nichts Böses mir tun.

Finette Gewißlich nicht, wenn noch ihr Sinn
Auf Lustbarkeiten stünde!
Doch nur an Raub und Plünderung denken sie.
Heut' morgen war das alte Lied,
Das zum Spinett die Blainvilliers gesungen,
Signal zu ihrem Einbruch in das Schloß.

Madeleine Das Schloß der Gräfin Blainvilliers?!

Finette Geplündert!

Madeleine Sie selbst?!

Finette Der Herzog von Soubise befreite sie.

Madeleine Der Herzog von Soubise?! Ganz recht – ich weiß
Sie ist, – so sagt' er, glaub' ich, – seine Base.
Doch sein Palais ist ihrem gar nicht fern.
Sag rasch: geschah ihm nichts?

Finette Ich lief davon –

Madeleine Du Närrin! – Und du weißt –!
(Sie schreibt einige Worte auf ein Blatt Papier)
Rasch – nimm den Brief,
Nutz' deine Freunde
Unter den Männern,
Suche den Herzog, –
Bringe mir Nachricht –
Kehr' mir nicht wieder
Ohne sie!
(Finette zögert, da der Lärm von draußen wieder zunimmt. Madeleine zwingt sie schließlich zu gehen.)
Ich sing' indessen uns zum Schutz
Die Marseillaise!
(Sie stellt sich ans offene Fenster und singt. Das Volk fällt von außen ein.)
Ein ganzes Volk auf Tod und Leben
Zieht in den heil'gen Freiheitskrieg.
Und fällt ein Held für unsern Sieg,
Seht tausend neue sich erheben.
Zum Kampfe auf! Herbei! (Melodie der Marseillaise.)
Die Ketten brecht entzwei!
Marsch, marsch!
Marsch, marsch!
Der Feinde Tod,
Er färb' die Erde rot.

Stimmen von außen Madeleine Guimard –
Die Tänzerin –
Eine der unsern –-
Sie lebe!

(Mit dem Gesang der Marseillaise, der allmählich leise verklingt, hört man die gleichmäßigen Tritte des abziehenden Volkshaufens. Zu gleicher Zeit kommen, gleichfalls im Tempo des Liedes, die Liebhaber der Guimard leise hereingeschlichen, alle in Mäntel vermummt. Sie bemerkt sie erst, als sie eingetreten sind.)

Madeleine Was wollt ihr hier?

Boutoulin Du ludst uns ein –

Rochefort Zum Abschiedsfest,

De la Borde Eh' du Paris

Jarente und uns verläßt.

Boutoulin Und deine Kunst

Rochefort uns ganz entrückst.

De la Borde Barbaren, ach,

Jarente Mit deiner Gunst
Beglückst!

Madeleine So seht ihr nicht
Von selber ein!
Zum Feste feiern
Scheint's kein Tag zu sein!
(Sie sieht wieder zum Fenster hinaus.)
Wo bleibt sie nur?
Es ist nicht weit!

Boutoulin (legt den Arm um ihre Taille)
Für Liebesfeste ist immer Zeit.

(Madeleine reißt sich los. Zugleich greift Rochefort nach ihrem Arm, den er streichelt)

Rochefort In deinen Armen such' ich Vergessen –

(Madeleine entwindet sich ihm. De la Borde nähert sich ihr, ihre Schultern umschlingend.)

De la Borde Laß dich noch einmal ans Herz mir pressen!

(Madeleine sucht sich vergebens zu befreien. Jarente sinkt ihr zu Füßen und umfaßt ihre Knie.)

Jarente Ein Schäferstündchen – ach – schenk' es mir!

Alle In Sehnsucht schmachtet mein Herz nach dir.

(Madeleine befreit sich von den Zudringlichen)

Madeleine Ein Überfall! – Vier Männer – eine Frau –
Und eure Vornehmheit?! – Und euer Anstand?!
Geht – jetzt erst kenn' ich euch!! Dort ist die Türe!

Boutoulin Welcher Hochmut, mein Schätzchen!

Rochefort Welche Krallen, mein Kätzchen!

De la Borde Du warst doch sonst für jedermann
leicht zu erobern!

Jarente (klimpert mit Geld und zeigt ihr eine Hand voll Goldstücke)
Wer dich zahlen kann!

(Madeleine sieht in sprachlosem Erstaunen von einem zum andern, was sie als ein Zögern vor der Wahl zu deuten scheinen.)

Boutoulin (ein Etuis aus der Tasche ziehend, das er ihr zeigt.)
Hier sind Brillanten –

Rochefort (Perlenketten Madeleine entgegenhaltend)
Hier Perlenketten –

Boutoulin Vor den Banditen
Konnt' ich sie retten.

Jarente In sicherm Schutze
Vor frechen Räubern
Ist mein Vermögen, –
Teil' es mit mir.

De la Borde Mein Schloß in England
Wird niemand plündern.
Bist du die Meine,
Schenk' ich es dir.

Alle Mein Vermögen ist nicht konfisziert
Wie das des Herzogs –

Madeleine (auffahrend) Der Herzog?!

Alle Mein Name ist nicht proskribiert
Wie der des Herzogs –

Madeleine Der Herzog?!

Alle Ist ruiniert!

(Madeleine schreit auf und verbirgt das Gesicht in den Händen.)

Alle Das hat sie gründlich
Von ihm kuriert.

Madeleine (leidenschaftlich) Das hat auf immer
Mich ihm vereint.
Ich liebte die Liebe. – Ein Schmetterling,
Der jede Blume küßt,
Weil in jedem Kelch, ob weiß, ob rot,
Ein Tröpflein Honig ist;
Bis die Sonne schwand und der Herbststurm kam
Und die Rose ihn ganz gefangen nahm.
Ob ihr Duft verging und ihr Kelch auch leer,
Er hängt an ihr, und er tanzt nicht mehr. – –
Nun lieb' ich in Ängsten und Weinen
Den Einen, den Einen!

Boutoulin (leise und lachend) Sie liebt?!

Rochefort In Ängsten?!

De la Borde Und Weinen?!

Jarente Nur Einen?!

(Sie lachen. Madeleine sieht wie aus einem Traum erwachend von einem zum andern.)

Alle Die Tänzerin – die sich der Menge preisgibt, –
Die Dirne, – die ein jeder von uns hatte –
Und Liebe?

(Sie lachen noch lauter. Der Lärm vor den Fenstern nimmt wieder zu. Die Töne der Marseillaise klingen dazwischen.)

Madeleine (außer sich, zur Türe zeigend)
Hinaus! –
(Sie stürzt zum Fenster und reißt es auf.)
Hört ihr – sie kommen.
Die uns befreien.
Von euch – Gesindel –
Zur Hilfe ruf' ich sie.
Wenn ihr noch zögert!
(Die Marseillaise klingt lauter. Die vier Liebhaber schleichen zur Tür hinaus. Madeleine sieht zum Fenster hinaus und läuft dann zur anderen Türe.)
Finette!
(Finette tritt ein, vor ihr die Gräfin Blainvilliers als Mann verkleidet.)
Wo ist der Herzog?

Finette Er folgt uns bald, – hier dieser Brief –

Madeleine (lesend) »Versteck' meinen Bruder,
Wenn Du mich lieb hast.
Teure Madeleine.«
(Träumerisch wiederholend.)
Teure Madeleine!
(weiterlesend) »So rasch als möglich
Wird meine Liebe
Zu Dir mich leiten.«
(Wiederholend) Seine Liebe!
(Sie wendet sich an die Verkleidete)
Fürchtet Euch nicht, junger Herr,
Enthüllt Euer Antlitz!
Ach Gott, wie zart – und sowas wird ein Mann!
(Sie öffnet eine versteckte schmale Tapetentür)
Hier – mein Boudoir, das nur die Nächsten kennen –»
Ein Ruhebett – ein Schreibtisch – dort ein Schrank
Mit Wein und Kuchen. Niemand sucht Euch hier.

Gräfin Blainvilliers Ich dank' Euch – gnäd'ge Frau –

Madeleine Was für ein Stimmchen, welch ein hold Erröten!
(Sie streichelt ihr die Wangen.)
Gehabt Euch wohl für jetzt!
(Gräfin Blainvilliers zieht sich hastig in das Boudoir zurück. Madeleine wendet sich an Finette.)
Ruf mir die Diener – rasch den Tisch gedeckt!
Und einen Rosenkranz mir noch ins Haar gesteckt.

(Madeleine geht von Finette gefolgt durch die Türe rechts. Die Diener treten ein, öffnen die Flügeltüren zum Speisesaal und decken den Tisch.)

Der erste Diener (bekümmert) Es wird ein Abschiedsfest!

Der zweite Diener (seufzend) Daß sie uns jetzt verläßt!

Der dritte Diener Sie ist solch gute Herrin uns gewesen!

Der erste Diener Gab meiner Mutter Brot!

Der zweite Diener Half mir aus bitt'rer Not!

Der dritte Diener Hat mich einst auf der Straße aufgelesen!

(Sie ziehen die Flügeltüren hinter sich zu. Die drei Tänzerinnen treten auf.)

Clotilde Duthé Ich tat ihr viel zu Leid –

Rose Allard Oft war ich grün vor Neid –

Claire Dervieur Ich intrigierte hinter ihrem Rücken.

Clotilde Duthé Nun, da sie uns verläßt,
Wie gern hielt ich sie fest!
Es wird uns ohne sie kein Tanz mehr glücken.

(Madeleine erscheint in der Türe rechts, hinter ihr Finette, zu der sie sich zurückwendet.)

Madeleine Du gehst noch einmal zum Palais des Herzogs
Und bringst mir Nachricht.
(Finette verschwindet.)
Kunst der Verstellung, hilf mir nun!
(Sie tritt vor, ausgelassen heiter.)
Was seid ihr so verstimmt?
Wenn ein Freund Abschied nimmt.
Muß man mit Blumen ihm die Wege schmücken!

(Die drei Tänzer treten auf. Nivelon, ein Papier in der Hand schwingend voran.)

Nivelon Ich habe den Kontrakt. Ich fahre mit.
Und tanz' im gleichen Takte mit dir weiter.

Dauberval Ach, meine Beine sind nicht schlank genug;
(Mit einem Blick auf Madeleine.)
Man mag mich nicht!
(Zu den Tänzerinnen.)
Wir sind einander treu,
Wie zwischen Gitterstäben und Eunuchen
Die Türkin treu ist.

Madeleine (gezwungen ausgelassen)
Recht so, alter Freund,
Die Tugend der Gefangnen ist die Treue.
Die Liebe liebt und weiß von Treue nichts.

Rose Allard (zu Despreaux gewendet) Und Freund Despreaux?

Dauberval Er wurde Jakobiner!
Statt daß er tanzt, läßt er nach seiner Pfeife
Die andern tanzen.

Despreaux (zu Madeleine leise) Ich bin ein Ungelad'ner, Unwillkomm'ner,
Und dennoch wirst du mich ertragen müssen;
Zu deinem Schutze nur bin ich hier.

(Madeleine zuckt verächtlich die Achseln. Die Lakaien öffnen die Flügeltüren, man sieht eine festlich gedeckte Tafel.)

Madeleine Doch nun zu Tisch! Macht meinem Gastmahl Ehre!
Seid lustig, Freunde!
Tänzer tanzen nur!

(Alle gehen zu Tisch und setzen sich)

Clotilde Duthé Der sechste Platz!

Madeleine Der Herzog von Soubise!
Wo die Sterne des Balletts beisammen sind.
Darf der Pascha der Oper uns fehlen?
Weiß nicht jeder von uns von des Herzogs Gunst
Ein gar wundersam Stück zu erzählen?

Rose Allard Aus der Hütte des Meisters entführte er mich.
Wo am Webstuhl ich armselig hockte.

Claire Dervieur Im Zigeunerkarren versteckt war ich.
Bis sein Wort an die Sonne mich lockte.

Clotilde Duthé Daß das Leben uns lacht, uns die Lieb' beglückt,
Wir die Jugend genießen, der Not entrückt, –
Die Philister sie werden's ihm nie verzeih'n, –
Doch wir danken's dem Pascha der Oper allein.

(Die Türe wird aufgerissen, der Herzog von Soubise tritt ein, sehr blaß und erregt. Die Tänzerinnen springen auf und umringen ihn, indem sie ausgelassen lachend die letzten Strophen wiederholen.)

Soubise Springt nur und singt und küßt und lacht,
Über Nacht
Bricht auch das sicherste Glück entzwei!
Und rasch vorbei
Ist's mit der ganzen Herrlichkeit.
Nur noch bereit
Heißt's dann zu sein für den letzten Effekt,
Der in den Sand den Helden streckt.

(Er zieht eine Pistole und hebt sie lachend hoch. Die Tänzerinnen fliehen schreiend in den Eßsaal. Madeleine fällt ihm in die Arme. Durch einen Spalt der Tapetentür blickt die Gräfin Blainvilliers hinein.)

Madeleine (entwindet ihm die Waffe) Ein böser Scherz!

Soubise Hast recht, mein holdes Kind,
Geschmacklos ist's, im Freudentempel weinen.
So lachen wir, bis uns das Fallbeil stumm macht.

(Er wendet sich dem Eßsaal zu.)

Madeleine (ihn zurückhaltend)
Nicht lachen – nein! Denn Euer Lachen schneidet
Mir tiefer noch ins Herz als Euer Leid.

Soubise Du weißt nicht, was geschah?

Gräfin Blainvilliers (leise) Er ängstigt mich!

Madeleine Ich weiß:
Du bist ruiniert
Und proskribiert,
Hast Geld und Gut verloren.

Gräfin Blainvilliers (leise) Er ist ruiniert –
Und proskribiert –
Und ich Hab' ihm Treue geschworen!

Soubise Und weißt du es,
Was willst du noch von mir?
Was du mir warst,
In Fülle lohnt ich's dir.
Ein Bettler bin ich, du süßes Kind.
Dorthin, wo jetzt das Leben neu beginnt!
Denn ob sie auch zerstören und verbrennen,
Sie werden euch ja nicht entbehren können.

Madeleine Du irrst, mein Freund, nicht ganz so klein bin ich.
Wie du mich glaubst, denn sieh, ich liebe dich,
Und Liebe bricht den alten leichten Sinn
Und macht ein Weib aus einer Tänzerin.
Wend' dich nicht ab, schau nicht so fremd mich an.
Gönn' mir das Glück, daß ich dir helfen kann!

Soubise Madeleine Guimard – bist du's, die zu mir spricht?!
Und dieses Herz, dies treue, kannt' ich nicht!

Gräfin Blainvilliers (leise) Sie fängt ihn ein – er ist ein dummer Tor –
Sie weiß gewiß, daß er noch nichts verlor.

(Die Flügeltüren zu dem Eßsaal öffnen sich, die Tänzer und Tänzerinnen stecken neugierig die Köpfe heraus. Madeleine öffnet einen Schrank, aus dem sie nach und nach während des Folgenden ihren Schmuck, ihr Silber herausnimmt.)

Madeleine Nimm meinen Schmuck, was soll mir noch sein Glanz,
Schmückt mich für dich doch auch ein Rosenkranz.

Die Tänzerinnen (leise und durcheinander)
Sie gibt ihm ihren Schmuck, was heißt das bloß?

Die Tänzer (leise und durcheinander)
Wie liebt sie ihn! Ihr Herz – wie ist es groß!

Madeleine Kennst du es noch, dies blaue Saphirband?
Zum erstenmal gab ich dir da die Hand.
Hast dieses Steins du einmal noch gedacht?
Es war ein Pfand der ersten Liebesnacht.
Und diese lange blasse Perlenschnur
Gabst du mir einst mit deinem Treueschwur!
Wend' dich nicht ab, schau nicht so fremd mich an.
Gönn' mir das Glück, daß ich dir helfen kann!

Soubise (sinkt ihr erschütternd zu Füßen)
Madeleine, du Engel, – ach, die Sprache ist
Zu arm, um dich zu schildern, wie du bist.
Nimm deinen Schmuck – gedenke mein dabei –
Und such ein Glück, das deiner würdig sei.

Despreaux (leise) Und ich Verworfner schmiedete das Schwert,
Um den zu treffen, dem ihr Herz gehört!
Ich morde sie, wenn er zu Grunde geht –

Die Tänzerinnen (leise) Wie bleich sie wird – helft ihr – sie schwankt – o seht!

(Die Tänzerinnen eilen herzu, Rose Allard umfaßt die mit einer Ohnmacht kämpfende Madeleine.)

Madeleine (rafft sich auf. Zu den Tänzerinnen)
Helft mir erweichen diesen harten Mann!

Die Tänzerinnen Was Liebe gibt, auch Liebe nehmen kann!

Madeleine Denk deines Bruders, wenn du dein nicht denkst,
Dem du das Leben mit der Freiheit schenkst.
Mit diesen Schätzen baust du auch für ihn
Die Brücke, um dem Abgrund zu entfliehn.

(Sie öffnet die Tapetentür und führt an der Hand die Gräfin Blainvilliers heraus. Soubise ist aufgesprungen. Despreaux tritt vor, die beiden anderen Tänzer hinter ihm.)

Soubise (verwirrt) Mein – Bruder!

Despreaux Sein – Bruder?!

Die anderen Sein Bruder?

(Von draußen klingt wieder mit den Tritten nahender Menschen die Marseillaise herein. Despreaux stürzt zum Fenster, blickt hinaus und kehrt, rasch entschlossen zurück.)

Despreaux Hier hilft dein Gold nicht mehr!
In wenigen Minuten
Stürmen sie dir das Haus
Und fangen ihn.

Madeleine Das ist dein Werk, Despreaux!

Gräfin Blainvilliers Rettet – ach – rettet mich!

Soubise (die Pistole aus der Tasche ziehend, den Degen in der anderen Hand)
Nur über meinen Leib
Geht es zu dir!

Die Tänzer und Tänzerinnen Wehe, schon dröhnt's am Tor,
Mit harten Sohlen
Stapft es zu uns empor –

Gräfin Blainvilliers (schreiend) Sie kommen – sie kommen – mich holen!

(Despreaux ist inzwischen in den Speisesaal, wo die Lakaien sich zusammendrängen, zurückgeeilt. Man sieht, wie er hastig mit ihnen spricht. Zwei eilen davon und kehren mit Lakaienlivreen über dem Ann zurück. Er nimmt sie ihnen ab und stürmt damit in den Vordergrund.)

Despreaux (Soubise und der Gräfin Blainvilliers die Anzüge hinhaltend)
Ein Mittel noch:
Rasch in die Kleider,
Spielt die Lakaien –
Als Bediente Madeleines
Kommt ihr heute abend
über die Grenze.

(Soubise macht eine hochmütig abwehrende Bewegung. Di« Gräfin nimmt den Anzug und will durch die Tapetentür entfliehen, als zu gleichen Zeit alle Türen des Salons aufspringen und Soldaten der Bürgergarde sie besetzen. Regnard tritt ein. Der Herzog schießt. Im gleichen Augenblick springen zwei Soldaten von hinten auf ihn und fesseln seine Arme. Regnard, der an der Hand verwundet ist, bindet sich ruhig ein Taschentuch um die Wunde.)

Regnard Mit solchen Scherzen, Bürger Soubise,
Schüchtert Ihr uns nicht mehr ein.
Ihr seid mein Gefangener.

Madeleine (mit stehender Gebärde) Regnard!

Regnard Sagt' ich es nicht:
Ihr werdet tanzen,
So wie ich pfeife –

Madeleine (bittend) Ich werde tanzen,
So wie Ihr pfeift –

Despreaux Bürger Regnard,
Laßt diesen frei!
Was ich Euch sagte,
War nur ein Irrtum.
Mit meinem Kopfe
Steh ich für ihn.

Regnard Köpfe sind billig!
(Er sieht die ausgebreiteten Schmuckstücke und weist darauf hin)
Doch billiger noch
War dir die Ehre!

(Die Gräfin Blainvilliers, die an der Türe von einem der Soldaten festgehalten wurde, sucht sich vergebens aus seiner Faust zu befreien.)

Soubise (wütend, stampft mit dem Fuße auf)
Ihr Schurken – gebt ihn frei!

Regnard Schurken – wir?
Haltet den Knaben!

Gräfin Blainvilliers (reißt sich mit der freien Hand die Perücke vom Kopf, so daß ihre langen Haare hervorquellen)
Ich bin kein Knabe!

Alle Ein Weib!

(Madeleine tritt vor und sieht mit allmählich dämmerndem entsetzten Verständnis von der Gräfin zu Soubise.)

Gräfin Blainvilliers (zuerst sehr ängstlich sich überstürzend, dann immer zuversichtlicher)
Die Gräfin Blainvilliers bin ich!
Und mag von dem Gefangnen nichts mehr wissen.
Mit süßen Worten, ach, betört' er mich,
Hat mir mein Jawort heuchlerisch entrissen.
Ich habe keinen Teil an seinem Tun
Und werf ihm seinen Brautring vor die Füße.
Im Schutze braver Männer bin ich nun;
Als Bürgerin ich euch, Befreier, grüße!

Alle Die Gräfin Blainvilliers ist sie –
Madeleine Guimard hat er mit ihr betrogen –

Madeleine Die Gräfin Blainvilliers ist sie –
Sein Wort, sein Blick, sein Kuß hat mich belogen!

(Despreaux nähert sich ihr, umfaßt sie, und sie sinkt mit dem Kopf an seine Schulter.)

Regnard (spöttisch) Als galante Pariser,
Ihr schönen Damen,
Laßt euch versichern:
Für seinen Treubruch
Soll er euch büßen!

(Er gibt die Weisung, den Gefangenen abzuführen. Die Soldaten nehmen ihn in die Mitte. Dicht vor der Türe wendet er sich um und stürzt Madeleine, die sich im gleichen Augenblick aus den Armen Despreaux losreißt, zu Füßen.)

Soubise Madeleine – verzeih' mir!

Madeleine (neigt sich zu ihm)
Was hätt' ich zu verzeih'n? Du siehst mich an!
Gönn' mir das Glück, daß ich dir helfen kann!

Regnard Vorwärts – ergreift ihn –
Was soll die Posse?

(Die Soldaten reißen ihn in die Höhe und gehen der Türe zu. Madeleine wirft sich mit einer raschen Bewegung dazwischen, und bleibt mit ausgebreiteten Armen vor der Türe stehen.)

Madeleine Ich bin seine Geliebte –
Seine Vertraute,
Schuldig wie er.
Nehmt mich gefangen!

Die Tänzer und Tänzerinnen Sie rast, die Arme –,
Sie ist nicht schuldig –
Reißt sie von hinnen –
Gebt sie uns frei –

Die Lakaien (im Hintergrund) Sie rast, die Arme,
Sie ist nicht schuldig –

Die Soldaten Reißt sie von hinnen,
Rasch gebt sie frei!

(Von draußen klingt die Marseillaise herein. Madeleine horcht auf, lächelt und beginnt mit heller, lauter Stimme das Bourbonenlied.)

Madeleine Heinrich, mein König,
In Treuen grüß' ich dich,
Dein Banner wehe
In Frankreich ewiglich –

Regnard (dazwischen schreiend) Stopft ihr den Mund!

(Das Volk stürmt die Treppe hinauf)

Das Volk Hier sind Verräter –
Reißt sie in Stücke –

Madeleine (weitersingend) Hat auch der Sturmwind die Bäume entlaubt.
Die Lilie hebt stolzer ihr königliches Haupt –

Regnard (durch die drohende Haltung der draußen Stehenden bezwungen)
Nehmt sie gefangen.

Der Vorhang fällt. Ende des zweiten Aktes.

Dritter Akt

Auf der Straße vor dem Tribunal, zu dessen breiter Pforte ein paar Stufen emporführen. Frauen, Kinder und alte Männer drängen von links herein.

Eine Frau Herbei! Herbei!
Ein Zug von Royalisten!

Eine andere Gefang'ne! Hochverräter!
Freunde Capets!

Eine dritte Sie stahlen unser Brot,
Lebten von unsrer Not.
Wir nehmen jetzt, was sie von uns genommen.

Die Kinder Sie kommen! Sie kommen!

(Ein Trupp von Soldaten der Nationalgarde zieht ein, zwischen ihnen die Gefangenen, Männer und Frauen.)

Eine Frau Seht nur, seht!
Die Herzogin von Croix, der Graf von Reite!

Ein alter Mann (dicht an die Herzogin herantretend, mit der Faust drohend)
Dein Vater schlug mich krumm und lahm.
Als ich als Knecht in seine Dienste kam!

(Eine alte Frau drängt sich durch die Menge und stürzt auf einen der Gefangnen zu.)

Die alte Frau Wo hast du, Schurke, meine Tochter, sprich?!
Die Rache aller Mütter treffe dich!

(Der erste Zug verschwindet im Tribunal, dessen Pforte sich krachend schließt.)

Alle Tod allen, die uns geschlagen,
Geschunden, beraubt, verführt!
Wir haben zu lang ertragen
Die Schmach, die uns nicht gebührt.

Wir waren die dunkle Erde,
Die blühenden Blumen – sie!
Auf daß ihre Schönheit werde.
Verschont uns die Pflugschar nie!

Wir recken empor die Arme,
Wir blicken hinauf zum Licht,
Nicht daß sich der Herr erbarme.
Denn unsrer erbarmt er sich nicht.

Wir wollen es endlich wagen,
Zu fassen, was uns gebührt –
Tod allen, die uns geschlagen,
Geschunden, beraubt, verführt.

(Während des Gesanges ziehen wieder Soldaten mit Gefangenen über die Bühne. Der Herzog von Soubise wird vorbeigeführt.)

Ein Mann Der Herzog von Soubise!

Ein Mädchen Welch schöner Mann!

(Sie tritt vor und knixt vor ihm. Ein Bursche zieht sie heftig zurück.)

Ein Bursche Daß dieses Pack das Kokettieren
Und Scharmutzieren
Mit hohen Herrn nicht lassen kann!

(Der Herzog wird ins Tribunal geführt. Zwischen anderen Soldaten erscheint Madeleine Guimard.)

Eine Frau Nun seht einmal:
Wie gütig vom Tribunal:
Es läßt den Armen nicht allein:
Sein süßes Schätzchen darf bei ihm sein!

Eine zweite Frau (erbost zur ersten) Megäre, hüte deine Zunge!
Mein einz'ger Junge
Läge im Grab
Ohne das Brot, das sie gab.

(Einige Frauen und Kinder stürzen auf Madeleine zu.)

Die Frauen und Kinder (durcheinander) Madeleine Guimard!
Was sehe ich!
Wir alle treten ein
Für dich! Für dich!
(Sie suchen die Soldaten beiseite zu drängen.)
Schnell, laßt sie frei!
Ein Irrtum ist's!
Die Freundin des Volkes
Unter Verrätern!

(Die Menge wird immer größer und versperrt den Soldaten den Eingang zum Tribunal.)

Ein Soldat Platz da! – Ins Loch
Kommt ihr sonst alle!

Eine Gruppe von Männern Was, du bedrohst
Uns, das Volk?

(Die ganze Menge schiebt sich in drohender Haltung zwischen die Soldaten und den Eingang.)

Viele Mädchen (zu den Soldaten)
Sangt ihr mit uns nicht jüngst das Lied,
Das schöne Lied von der Guimard?

(Die erste Strophe des folgenden Liedes wird von den Mädchen allein gesungen. Die zweite singt die ganze Menge des Volkes mit. In die dritte stimmen auch die Soldaten ein.)

Wer ist die bacchantische Tänzerin,
Für die alle Herzen glühn,
Um die das Glück, der Glanz, das Gold,
Brillantene Funken sprühn?
Es schwebt ihr Füßchen, es flattert ihr Haar –
Madeleine Guimard –
Madeleine Guimard!

Wer ist der Engel im grauen Kleid,
Der heimliche Feind der Not?
Er stillt den Hunger, vertreibt den Frost,
Er meistert sogar den Tod.
Er half, wenn das Leid am größten war –
Madeleine Guimard –
Madeleine Guimard!

> Wer preist nicht die Nonne auf hartem Pfühl,
Sie ist eine Sel'ge schon hier;
Doch wenn Madeleine eine Nonne wär',
Verhungert wären wir.
O tanze, o sünd'ge drum immerdar –
Madeleine Guimard,
Madeleine Guimard!

(Madeleine, die zuerst sehr teilnahmslos war, erheitert sich während des Gesanges, lächelt und macht, zum Entzücken der Zuschauer, einige Tanzbewegungen.) Die Türe zum Tribunal wird von innen aufgerissen, und Regnard erscheint.)

Regnard Pflichtvergess'ne Soldaten!
Törichtes Volk,
Das jede Dirne noch verführen kann!

Das Volk (in drohender Haltung) Dirne!!

Regnard (zu den Soldaten) Fesselt das Weib!
Vorwärts!
Herein mit ihr!

Madeleine (hochmütig) Es bedarf keiner Fesseln.
Ich folge von selbst.
Ich tanze empor die gefürchteten Stufen
Zum Kerker der Freiheit.

(Sie geht bis zur Türe, als das Volk sich noch einmal dazwischen wirft.)

Das Volk (mit Stöcken und Steinen Regnard und die Soldaten bedrohend)
Gebt die Tänzerin frei!

Madeleine (zu dem Volke gewendet)
Gemach, lieben Freunde!
Keine Gewalt!
Ich will, wie ihr es wünschtet,
Weiter tanzen!
Und Amor und die Grazien
Helfen mir!

(Sie winkt und grüßt nach allen Seiten)

Das Volk (die Frauen wehen mit den Tüchern, die Männer schwenken die Hüte)
O tanze, o sünd'ge drum immerdar –
Madeleine Guimard, –
Madeleine Guimard!

(Madeleine und die Soldaten verschwinden hinter der Pforte, die sich krachend verschließt)

(Verwandlung)

(Der Saal des Tribunals. Eine große Tür rechts, links eine Anzahl kleinerer Türen. Im Hintergrund eine große Glastür, die auf einen Balkon hinausfuhrt. Gefangene unter Aufsicht von Soldaten gehen auf und ab.)

Die Gefangenen (untereinander in steigender Erbitterung)
Von Knechten gefangen!
Besser gehangen,
Als uns, den Herren, dies Sklavenlos.

Dem Pöbel zum Spotte,
Der frechen Rotte,
Die gestern noch klein war und heute groß.

Sie küßte noch eben,
Beglückt und ergeben,
Den Fuß, der sie trat, die Hand, die sie schlug,

Und beugte den Nacken
Vor jedem Kosaken,
Der die Livree eines Großen trug.

(Während der letzten Zeilen wird der Herzog von Soubise hereingeführt.)

Und das will regieren
Und kommandieren –
Zum Herrschen muß man geboren sein.

Soubise Mir scheint, wir verloren,
Was mit uns geboren,
Wer stärker ist, herrscht und – sperrt uns ein!

Paßt auf, ihr Herrn, gleich sollt ihr eine seh'n.
Ein Pöbelkind, das aus der Gosse stammt,
Und eine Krone trägt –

(Durch die große Türe rechts kommen Soldaten mit Madeleine Guimard in der Mitte. Einer der Soldaten schließt mit einem großen Schlüssel die Türe wieder zu.)

Madeleine (sich lächelnd zu dem Schließer wendend)
Mußt du dies rost'ge Ding
Stets mit dir schleppen?
(Der Soldat nickt.)
Es beschwert den Schritt!
Nimmst es wohl gar zu deinem Liebchen mit?!
(Sie wendet sich kokett lächelnd einem anderen Soldaten zu.)
Doch deins war größer noch –
Zeig' es noch einmal!
(Der Angeredete zieht einen großen Schlüssel aus der Tasche, den er ihr schmunzelnd zeigt.)
Ach, seht mir doch den Kerkermeister an:
Auch er ist – nur ein Mann!
(Die Soldaten ziehen sich in den Hintergrund zurück. Madeleine bemerkt Soubise, der ihr eine tiefe Verbeugung macht.)
So feierlich?! Gebt mir die Hand, mein Freund!
Ob arm, ob reich.
Jetzt sind wir alle gleich;
Ob gut, ob schlecht,
Was einem frommt, ist auch dem andern recht.

(Folgendes unisono)

Die Gefangenen (untereinander) Die Tänzerin, und eine Krone – wie?
Der arme Narr ist noch verliebt in sie!

Madeleine (zu Soubise) Das Leben gilt's, die Freiheit – höre zu!

Soubise (zu Madeleine) Du bist die Freiheit und mein Leben – du!

Die Soldaten Wie schön sie ist! Den, der sie schuldig schalt.
Trieb Eifersucht, so fürcht' ich, zur Gewalt.

Die Gefangenen Er fleht – sie spielt die Spröde gar nicht schlecht –
Sie weiß, jetzt liebt man besser einen Knecht
Als einen Herzog, der ein Bettelmann,
Und morgen ein Geköpfter sein kann.

Die Soldaten Wir sind dem Vaterland zum Dienst bereit.
Doch nicht Regnards gemeiner Lüsternheit.
Sie ist ein Kind des Volks wie du und ich –
Madeleine Guimard, getrost, wir schützen dich!

(Währenddessen sprechen Madeleine und Soubise lebhaft miteinander. Sie sucht ihm etwas klarzumachen. Er wehrt ab.)

Madeleine Sprich mir von Liebe nicht, das schmerzt zu sehr:
Du weißt, mein Freund, ich glaube dir nicht mehr,
Ich will nicht glauben –! Bleibt mein Herz auch dein –
Ach, deine Welt wird nie die meine sein!

Soubise Den Grenzpfahl hat ein einz'ger Blitz gefällt,
Nur wo mein Herz ist, da ist meine Welt.
Was gilt das Leben, gilt die Freiheit mir.
Sie haben Wert für mich allein mit dir.

Madeleine Ein Blitz mag wohl den Grenzpfahl niederreißen.
Doch nie, was fremd ist, zusammenschweißen.
Mein lachend Bild soll immer dir gehören,
Doch folgt' ich dir, ich würd' es selbst zerstören.

Soubise So treibt mich deine Liebe in den Tod –

(Ein Trupp von gefangenen Frauen wird in den Saal geführt.)

Madeleine Sieh dorthin, sieh! Rührt dich nicht ihre Not?
Wie diese weint jetzt deine Königin!
Ich, unsres Königs letzte Tänzerin,
Erinnre dich an deine Ritterpflicht:
Du kannst sie retten! – Doch gefangen – nicht!

Die Gefangenen (leise untereinander) Was sagt sie? Retten – Königin – und Pflicht?
Das ist die Rede einer Dirne nicht!
(Sie nahen sich vorsichtig dem Herzog, indem sie leise flüstern)
Gibt's einen Weg? Gedenke, wer du bist!
Ein Pair der Krone Frankreichs! Royalist!

(Soubise kämpft in langem, stummen Spiel mit sich, dann kniet er vor Madeleine nieder, während die Gefangenen das Paar umringen.)

Soubise Verfüge über mich! Und stirb, mein Leid!
Du hast mein Leben einem Ziel geweiht.

Die Gefangenen Ein Pöbelkind – das aus der Gosse stammt –
Und eine Krone trägt!

(Die Soldaten treiben die Gefangenen auseinander.)

Die Soldaten Fort – auseinander – vorwärts! Ah, verdammt.
Ihr wollt wohl konspirieren
Und rebellieren?!
Wer sich noch regt.
Muß auf der Stelle
In die Zelle.

Madeleine (mit den Soldaten kokettierend) Ach Gott! Ist es schon Nacht?
Ich hätte sie am liebsten hier durchwacht!
Seid gut! Seid nett!
Schickt nicht so rasch mich in das harte Bett!

Der erste Türschließer (mit einem verliebten Schmunzeln)
Du bist gewohnt, recht weich zu liegen?!

Der zweite Türschließer Im Arm der Liebe süß dich einzuwiegen?!

Madeleine (schmollend und beziehungsvoll)
Um diese Zeit kein Tänzer schlafen kann –
Da fing, – ihr wißt's! – doch das Ballett erst an!

Ein paar Soldaten Das Ballett? Ach, wie lang ist's her!
Du tanzt nicht mehr!

Andere Soldaten Die Oper schloß die Pforten zu.
Und schuld bist du.

Der erste Türschließer (während Madeleine leise lockende Tanzbewegungen macht)
Wie wär's mit einem Tänzchen hier?!
Ich lohn' es dir –

Madeleine Was gebt ihr mir, bin ich bereit?

Ein paar Soldaten Euch allen – noch eine Stunde Zelt!

Alle Soldaten (Madeleine umringend) Du tanztest oft im Königssaal –
Tanz' für uns einmal –
Tanz' für uns einmal!

Madeleine So gebt gut acht!
Heute nacht
Hab' ich mir diesen Tanz erst ausgedacht.
Die Freiheit, die ihr predigt, werd' ich tanzen!

(Die Soldaten gruppieren sich um Madeleine. Die Gefangenen bleiben im Hintergrund. Soubise steht allein rechts, nicht weit von der Tür, scheinbar ohne Anteil zu nehmen. In dem Tanz Madeleines, den sie langsam, in ihr großes, schwarzes Tuch gehüllt, beginnt, drückt sich zunächst Demut, Angst und Unterwürfigkeit, dann in schnellerem Tempo, Hunger und Verzweiflung aus.)

(Die Soldaten begleiten den Tanz zunächst in abgerissenen, immer wieder unterbrochenen Sätzen.)

Die Soldaten So klagten unsre Mütter ...
So weinten unsre Bräute ...
So jammerte mein Töchterchen um Brot ...

(In der wachsenden Empörung, den der Tanz Madeleines veranschaulicht, wirft sie das Tuch ab, reißt den Hut vom Kopf, so daß die offenen Haare sie umflattern, und nimmt einem Soldaten den Säbel ab, den sie schließlich in wildem Siegesjubel und rasendem Tanze schwingt.)

Die Soldaten Doch der heilige Zorn
Reißt sie empor!
Gegen Willkür und Macht
Sich der Haß verschwor– – –

Die Kronen von den Köpfen –
Die Köpfe vom Leib –
Das ist die Rache,
Das königliche Weib!

Tyrannenmord!
Die Zwingburg fiel.
Zu Ende ging der großen Herren
Verwegnes Spiel.

(Der Tanz geht in einen langsam feierlichen Rhythmus über, wobei Madeleine den Säbel von sich wirft, die Haare aufbindet und sich wie in Ekstase bewegt.)

Die Soldaten Dem Volk gehört die weite Erde nun.
Auf weichen Kissen kann der Ärmste ruhn.
Zur Pflugschar wandeln sich des Säbels Klingen,
Der Greis darf feiern und der Jüngling singen.

(Die Leidenschaft bricht plötzlich im Tanze wieder durch. Madeleine nimmt dem ersten Türschließer die rote Jakobinermütze vom Haupt und drückt sie auf das ihre. Sie entledigt sich ihres Oberkleides und steht im kurzen Ballettröckchen vor den jubelnden Soldaten. In steigender Ausgelassenheit, wobei sie immer herausfordernder mit den Zuschauern, vor allem mit den beiden Türschließern kokettiert, feiert sie durch ihren Tanz die Freiheit. Sie nimmt Soldaten und Wächtern Waffen und Ketten ab, schichtet sie zu einem Haufen, den sie siegestrunken umtanzt. Dann umschmeichelt sie die beiden Türschließer, lockt ihnen die Schlüssel ab, die sie in wilden, wirbelnden Bewegungen, den letzten Sieg der Freiheit über die Knechtschaft ausdrückend, über sich schwingt.)

Die Soldaten Brich die Fesseln entzwei.
Wir sind alle frei,
Denn der Tag der Lust ist gekommen.
Wirf die Waffen fort –
Und dies Losungswort
Heißt das Glück in der Welt willkommen.

Um uns steigt das Gold,
Der Dukaten rollt.
Der Wein in den Kellern steht offen.
Jedes Weib ist mein.
Und was mein ist, dein –
Erfüllt unser üppigstes Hoffen.

(Während die Soldaten sich dichter um Madeleine geschart haben, ist sie in wirbelndem Tanze ganz nahe an Soubise vorbeigekommen, dem sie die Schlüssel zusteckt. Er küßt ihr leidenschaftlich die Hand, schließt die Tür auf und geht hinaus. Madeleines Tanz ist währendessen immer bacchantischer geworden. Die Arme der Soldaten strecken sich ihr begehrlich entgegen; Madeleine fliegt von einem zum andern. Die Gefangenen schleichen hinter den Soldaten durch und versuchen, wie Soubise zu entkommen.)

Die Soldaten Komm, zur heißen Nacht!
Bis die Sonne lacht.
Laß im Liebesrausch uns versinken,
Laß den Becher der Lust
Mich an deiner Brust
Bis zur Neige, der köstlichen, trinken.

(Madeleine taumelt, vollkommen erschöpft, in die Arme des ersten Türschließers. Sie entreißt sich ihm, als er sie zu küssen versucht.)

Der erste Türschließer Du willst nicht?! Was?!

(Er sucht sie zu fassen. In dem Augenblick entdecken die Soldaten die offene Tür und die Gefangenen, die noch hinaus wollen.)

Die Soldaten Verräterei!
(Sie suchen nach ihren Waffen, indessen entkommen noch mehr Gefangene.)
Und Aufruhr!

Der Türschließer Blast Alarm!

(Einer der Soldaten stürzt auf den Ballon und bläst ein Trompetensignal. Madeleine hüllt sich in ihr Tuch und flüchtet in eine Ecke des Saals. Regnard und Despreaux mit einigen anderen Mitgliedern des Tribunals erscheinen im Saal.)

Einige Soldaten (Madeleine verzerrend in drohender Haltung) [unisono]
Jetzt geht's uns schlecht –
Und du bist schuld –
Du Fürstendirne!

Madeleine Nun ist's – verspielt –
Der Tod gewiß –
Wie ich mich fürchte.

(Der Türschließer hat inzwischen den Rapport erteilt.)

Der Türschließer So ist's geschehn,
Bürger Regnard –
Das Mädchen ist schuldig.

Despreaux (tritt dazwischen) Das Mädchen, sagst du?!
Und zwanzig Soldaten,
Besonders erwählte,
Vertraute Männer
Des Tribunals,
Die ihrer Pflicht vergaßen.
Sind ohne Schuld?

Regnard (zu Madeleine, die vorgeführt wird) Madeleine Guimard,
Ich frage dich:
Hast du Verrat geübt
Am Vaterlande?
Gabst du die Schlüssel
Den Gefangenen?

Despreaux (nimmt Madeleine bei der Hand, sehr bedeutungsvoll)
Du weißt:
Auf Hochverrat steht Todesstrafe –
Sprich!

Madeleine (sehr ängstlich und stockend)
Sie wünschten –, daß ich tanzte –

Regnard Und versprachen –?

Madeleine (zuversichtlicher) Uns allen dafür eine Stunde Zeit.
Den Tanz der Freiheit tanzt' ich dann, –
Der Freiheit, wie wir alle sie uns träumen.

Despreaux Die Waffen und die Schlüssel nahmst du wohl –

Madeleine (aufflammend) Als aller Unfreiheit verrucht Symbol.

Regnard (spöttisch) Der Unfreiheit des Allerliebsten – wie?!
Und einem Hochverräter gabst du sie!

(Madeleine sieht ängstlich und flehend auf Despreaux.)

Despreaux (scheinbar streng) Die reine Wahrheit – mach' sie uns bekannt!
Du tanztest – er entriß sie deiner Hand?!
(Madeleine senkt den Kopf. Despreaux wendet sich rasch an Regnard.)
Du siehst: nur Leichtsinn war es – keine Schuld!

(Madeleine wendet sich bittend an Regnard, auf die Soldaten zeigend.)

Madeleine Doch auch für die bitt' ich um Eure Huld!

(Die Tänzer und Tänzerinnen stürmen, von vielem Volk gefolgt, in den Saal; Nivelon voran, der sich Regnard zu Füßen wirft.)

Nivelon (mit erhobenen Händen)
Madeleine Guimard! – Du willst sie töten!

(Eine Frau aus dem Wolke fällt neben ihm auf die Knie.)

Die Frau Nein!
Die uns errettete – das kann nicht sein!

Die Tänzer und Tänzerinnen Frag dich doch selbst, du harter Mann,
Ob diese Anmut sünd'gen kann?!

Das Volk Was sie gefehlt, ist uns einerlei.
Wir wollen eines nur: gib sie frei!
Sahen des Schreckens genug bis heut.
Möchten nun wiedersehn, was uns freut.

Regnard Frei?! Daß sie rasch wieder von uns flieht,
Da sie das Gold in die Fremde zieht.
Frei?! Nicht für euch! Denn zu stolz ist sie,
Tanzt für das Volk, das arme, nie!

Despreaux (leise zu Regnard) Gib ihr als Strafe, daß sie bleiben muß!
Das ist für dich nicht schwer
Und macht dich populär;
Du weißt, man darf auch mit dem Spiel nicht sparen,
Will man die Gunst des Volkes sich bewahren!
(zu Madeleine leise)
Rührt es dich nicht, wie dieses Volk dich liebt,
Das für den Tanz sein ganzes Herz dir gibt?

Regnard Das Volk will dich.
Sein Wille aber ist Gesetz für mich.
Statt harter Strafe drum befehl' ich dir:
Du tanzst vor ihm und bleibst auf immer hier.

Das ganze Volk (zu Madeleine gewendet)
Nun zaubre zurück uns der Grazien Gunst,
Schwinge dein Zepter im Tempel der Kunst –

Rivelon (bittend zu Madeleine)
Nun bleibe! Auch ich bleibe treu bei dir!

Die Tänzer und Tänzerinnen (bittend zu Madeleine)
Heut in der Oper noch tanzen wir!

(Stummes Spiel Madeleines, die mit sich kämpft. In dem Augenblick treten Soldaten ein, die sich zu Regnard begeben.)

Die Soldaten
Bürger Regnard, wir haben sie alle.
(Madeleine birgt entsetzt das Gesicht in den Händen)
Einer nur, leider, entwischte der Falle –
Der Herzog von Soubise –

Madeleine (mit verhaltenem Jubel)
Nehmt mich zurück!
Ich tanze wieder! Tanze euch mein Glück!
(Sehr leise.)
Und wie das Herz mir brach! –

(Sie sinkt weinend in die Arme von Despreaux.)

Das Volk (sie umringend)
Im Reigen wirst du dich wiegen.
Wir jauchzen dir alle zu!
Die Herzen wirst du besiegen.
Du reizende Tänzerin du!

Despreaux (leise)
Im Singen und Drehen und Biegen,
Wie rasch kommt das Herze zur Ruh!
Im Reigen wirst du dich wiegen,
Du reizende Tänzerin du!

Dauberval (leise)
Wir spielen wieder zusammen, –
Bald glaubst du, das Leben sei Spiel!
Wir wärmen an künstlichen Flammen,
Als Spieler ein künstlich Gefühl.

Nivelon (laut und jubelnd)
Die Jugend ist uns geblieben!
Lenz kommt, wenn der Winter vorbei!
(Er beugt ein Knie vor Madeleine)
Und morgen wirst du mich lieben, –
Glaub' an den Mai –, den Mai!

Madeleine (wehmütig lächelnd)
Glaub' an den Mai – den Mai?!

Despreaux (mit einem fragenden Blick auf sie)
Glaub' an den Mai – den Mai?!

Das Volk, die Soldaten und die Tänzer
Und morgen wirst du mich lieben –
Glaub' an den Mai – den Mai!

(Der Vorhang fällt während des Chorgesanges.)

Ende








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