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Madam Bäuerin

Lena Christ: Madam Bäuerin - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
booktitleMadam Bäuerin
authorLena Christ
year1993
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-11670-6
titleMadam Bäuerin
pages3-133
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1919
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Das frisch lackierte Lederdach der Chaise ist aufgespannt, und so sieht er nicht, wessen Fuhrwerk es ist und wer es lenkt.

Aber daß die Nanndl etwas sehr Gewichtiges mit seinem Sohn verhandelt, das sieht er.

Denn sie redet schier mit dem ganzen Körper!

Und zu guter Letzt schlingt sie gar ihre beiden Arme auf offener Straße um seinen Hals und hängt sich an ihn!

Der Schiermoser pfeift durch die Zähne und wendet sich ab.

Er muß lachen.

»Also a so steht dee Sach mit dem Tropf!« sagt er zu sich selber, »o die Rindviecher da drunt am Markt! Wenns jetz dees wieder sehng kunnten, nachher hoaßets do morgn ganz gwiß: der Schiermoserfranzi und d' Straßlernanndl ham si mitanand versprocha. Und dabei is sicherli an dera Gschicht so weng epps Wahrs wia an der andern!« Er lacht belustigt vor sich hin.

Oh, er kennt doch seinen Sohn! Der ist doch nicht aus der Art geschlagen!

»Der werds jetz naher anderscht macha, als wia's i gmacht hab als a junga!« murmelt er. »Bal oana a guater Schmied is, nachher legt er si alleweil z'erscht a drei – a vier Problereisen ins Feuer, bis er dees fünfte oder sechste amal wirkli schwoaßt! Und nachher is's oft no z'fruah! Recht hat er, der Franzl!«

Langsam dreht er sich wieder den beiden zu und sieht nun, wie das Fuhrwerk vor dem Hof des Straßlerbauern hält, wie die Rosel absteigt und sich bei der Nanndl bedankt, und wie sie danach lachend und schwatzend mit dem Franzl zu Fuß weitergeht, indes die Nanndl noch eine Weile wie angenagelt am Fleck stehenbleibt, die Fäuste ballt und schließlich dem Gaul etliche derbe Schläge in die Weichen versetzt, sodaß er erschreckt auffährt und scheut.

Und wenn nicht der Schiermoser grad rechtzeitig hinkäme zum Anhalten, könnte es wohl leicht geschehen, daß ihr das Roß noch vor der Stalltür durchginge!

So aber verläuft die Geschichte noch gut und der Schiermoser weist ihr das zitternde Pferd in den Hof, indem er sagt: »Daß d' gar so grob bist, Nanndl! Was hat er dir denn to, mein Franzl, daß d' an solchen Gift hast auf eahm?«

Die Nanndl lacht ein verlegenes, geziertes Lachen.

»Ja freili! Grob wer i nachher sei! Wenn oan der Häuter aufn Hax auffe tritt!«

»Was für a Häuter?« fragt der Alte verschmitzt, »hoaßt er eppa Franzl?«

»Ah geh, hör auf mit dein Gredats!« erwidert ihm die Nanndl zwischen Lachen und Zorn. »I woaß's gar net, was d' willst mit dein' Franzl!«

»I scho«, meint der Bauer und schickt sich zum Gehen an. »I woaß's guat, was i will mit eahm. Und jetz pfüate Good.«

»Du woaßt es freili, du alter Lapp!« murmelt die Nanndl verbissen. »Nix woaßt! Wennst aber wissen tatst, was i will mit dein' Franzl...«

In tiefes Sinnieren versunken, spannt sie das Roß aus und weist es in den Stall.

Der Schiermoser aber trabt jetzt wieder ganz munter seine Straße dahin.

Also die Nanndl hätt ein Aug auf den Buben!

»Mei, dees ko ma si ja amal a Zeitl überdenka!« meint er für sich. »Und wenn si koa Besserne net findt, nachher is dee aa recht. I schatz s' alleweil auf a dreiß'gtausad Mark, d' Nanndl.«

Er schaut den Weg geradeaus. Dort, ganz vom an der Marterlsäule geht er, der Bub.

Und hat die Rosel wahrhaftig um den Leib gefaßt.

So ein Hallodri!

Sogar der Stadtjungfer verdreht er den Kopf!

Ist übrigens schad, daß sie eine Städtische ist, die Rosl.

So ein riegelsames und tüchtiges Weibsbild muß es nimmer geben landauf und landab!

Weiß der Teufel, wenn sie von den Bauern herstammen tät... er wär gar nicht so sehr dawider, daß der Franzl und sie...

Aber sie stammt ja von dieser alten Stadtmadam her!

Und hat sicherlich keinen Pfennig Geld!

Nein sicherlich nicht.

Aber sonst ist sie ein Weibsbild, wie man sich nur grad eins wünschen kann! Und beim Zeug! In der Arbeit! Am Feld und im Stall, im Haus und mit den Rössern!

»Und gstellt! Sakramentisch guat gstellt!« lobt er, der Alte. »Die hat net grad Holz bei der Hütten! Da is Reiser aa hiebei!«

Er wird ordentlich jung bei dem Gedanken; und sein Tritt wird immer rascher.

So kommt es, daß er die beiden vorne beim Wegkreuz einholt.

Franzl ist einen Augenblick verlegen, da der Alte plötzlich neben ihm hergeht; eine brennende Röte fährt ihm übers Gesicht.

Rosalie aber ist vergnügt und ganz anders wie am Morgen.

»Gehts scho hoam?« fragt der Alte wohlwollend.

»Ja«, erwidert ihm Rosalie; »ma hat allemal glei wieder gnua an dera Gaude.«

Und mit einem leisen Lachen fügt sie bei: »Mir gehts mit der Pratermusik und mit dera ganzen Gaude grad wia mitn Kinderschroa: a Zeitl kann i's hörn und nachher nimmer.«

Der Schiermoser schielt sie betrachtend an.

Sakra, is scho a mentisch mannigs Weibsbild! denkt er. Laut aber sagt er: »Da derfst aber nachher net ans Heiratn denka, balst's Kinderschroa net hörn kannst!«

»Ja no; mit dee eigna Kinder is dees wieder epps anders«, erwidert Rosalie, verlegen werdend.

»A so moanst. Werd eppa a so nimma recht lang osteh, bis d'aa ans Heiratn denkst?«

Franz horcht auf. Was hat er denn, der Vater?

Aber Rosalie geht plötzlich ganz ernsthaft auf die Frage des Alten ein und sagt ohne weiteres: »Ende November wird wohl mei Hochzeit sein.«

Jetzt ist es am Schiermoser, aufzuhorchen. »Was? Du heiratst im November?«

»Ja. D' Mutter meint halt, je ehnder, desto besser.«

»Heiratst oan vo der Stadt?«

Rosalie verzieht den Mund zu einem bitteren ironischen Lächeln.

»Natürli an Stadtherrn! Was moanst denn Vater! Für an Bauernburschen is doch unseroane nix! Dees werd enk ja in der Schul scho predigt, daß d' Stadtmadeln nix taugn!«

Franz fährt erregt auf.

»Red net so grob daher, sag i!«

Und auch der Alte widerspricht ihr.

»Dees is net wahr, Rosl. Dees kimmt ganz drauf o. Bal oana a solcherne kriagn ko, wiast du oane bist, nachher derf er si d' Finger abschlecka, bis zu de Ellabogn hintre! Jawoi! I wollt, mei Franzl bracht mir amal a so a richtigs Leut eina, wias du oans bist!«

Rosalie ist glühend rot geworden. Das sieht ja beinahe aus, als ob's dem Schiermoser gar nicht unrecht wär', wenn sie statt ihres Assessors den Franzl als Eheherrn wollte!

Schade, daß man schon bei der Haustür angelangt ist!

Wer weiß, ob nicht doch noch das Schicksal...

»Wahrhafti kimmt er mit dem Weibsbild daher!« plärrt in dem Augenblick drinnen im Haus die Schiermoserin. »Is no net gnua, daß d'Leut redn über dee Schand – naa, er, der alt Latierl muaß aa no selber mittappen! Aber i hilf enk scho. Allsamm mitanand hilf i enk! Dir und dem Rotzer und dera Stadtscheesn! Und der alten Schmuserin da drobn erscht recht! Heunt no müaßns mir ausn Haus! Heunt no!«

»Ja, was is denn jetz dees...?«

Die drei sind wie vom Donner gerührt über diese Begrüßung.

Aber die Schiermoserin gibt ihnen Gelegenheit, sich zu sammeln.

Mit einem wilden Scheltwort schlägt sie die Haustür zu und stößt den Riegel vor.

Rosalie ist die erste, die sich fassen kann.

»I moan, die Ursach von dem Wetter kenn i!« sagt sie. »I kann mirs denken, wo der Wind herwaaht! Da is z' Glonn am Markt was ganga! Da hat jemand falsch eingsagt!«

Der Schiermoser ist ärgerlich. »Ah freili! Dees narrisch Weibsbild! Freili hams ihr falsch eingsagt! Und sie, 's Rindvieh, 's alte, glaabt alls. I möcht nur grad wissen, wers aufbracht hat dees saudumme Gredats!«

»Was für a Gredats?« fragt Franz, dem die Zornröte auf dem Gesicht brennt.

Der Alte wehrt verächtlich ab. »Ah was! Is ja net wert, daß mans nachsagt! Is ja die hellichte Dummheit, was die Charfreitaratschena drunt verzähln!«

Franz will es ungestüm wissen. »Was is nachher dees?«

Der Schiermoser muß lachen.

»Daß du und d' Rosel mitanand versprocha seids! Daß's bald Hochzat machts!«

Franz wird einen Augenblick ganz kreidebleich. Dann schießt ihm abermals brennende Röte ins Gesicht.

»Ja... und...?«

Er schaut unsicher auf Rosalie.

Die steht gleich ihm mit heißem, brennrotem Kopf da.

»Und... was wirds lang ›und‹ sein!« sagt sie rauh. »Ös wißts es ja, daß i scho oan hab, an Hochzeiter! Da gibts koa Und und koa Aber. Bloß dei Muatta sollt net's Troad scho dreschn, bevors g'maaht is, moan i.«

Damit geht sie an die Stalltür, öffnet das Gitter davor, läuft rasch hindurch und hinein ins Haus, hinauf zur Rätin.

Die alte Dame liegt auf dem Sofa in Weinkrämpfen, und Tante Adele bemüht sich, ihr Linderung zu verschaffen.

»Es ist ein Skandal!« wimmert die Rätin. »Es ist unerhört! Wenn das der Assessor erfährt!«

»Na ja, dann erfährt er's halt«, entgegnet Adele gleichmütig. »Übrigens erfährt er's sicher nicht. Wer soll's ihm denn sagen? Und rauskommen tut der sicher nicht nach Berganger. Davor sind wir sicher.«

Die Rätin schluchzt wie ein Kind.

»Daß ich eine solche Schande erleben muß! Läuft mir das Mädchen als Braut Tag für Tag mit diesem Burschen herum, läßt sich von ihm duzen und tut, als wäre sie seine... seine... seine Magd... oder... seine Geliebte! Die Schande! Das Unglück!«

Rosalie steht schon eine Weile an der Tür. Jetzt tritt sie vor.

»Ja, was gibt's denn? Was ist eine Schand? Was ist ein Unglück? Daß ich drunten mithelfe? Daß ich gut auskomm mit dem Vater und mit den Kindern? Daß ich ein bissl Lieb empfinde für den Franzl? Mein Gott, Mama! So arg ist doch das Unglück nicht! Was ist denn dabei? Und außerdem ist mir der Franzl viel, viel wertvoller und lieber als mancher Stadtherr!«

Die Rätin schreit auf Aber Tante Adele drückt ihr eine kalte Kompresse aufs Herz.

»Na, na, na, Schwägerin! Nur nicht gleich so aufgeregt! Nur Ruhe, Ruhe! Ich muß schon auch sagen: ein gar so großes Unglück wär' es sicher nicht, wenn Rosalie statt ihres adligen Verlobten den feschen, reschen Burschen...«

»Um Gottes willen! Adele! Kein Wort weiter!« ruft die Rätin und vergißt ihren Herzkrampf »Meine Tochter und ein Bauer! Mein Gott! Wenn das meine armen Eltern erlebt hätten!«

»Dann wärns um vieles leichter gstorbn, glaub ich«, entgegnete ihr Adele lächelnd, »denn dann hättens doch wenigstens die Hoffnung mit ins Grab genommen, daß es dem Mädel sein Lebtag nicht schlecht geht.«

Die alte Dame hält sich die Ohren zu.

»Mein Gott, mein Gott! Was redest du! Die Schande! Die Schande!«

»Schande!« sagt Adele verächtlich; »Schande. I weiß net, was mehr Schand is: wenn die Rosel als die Frau Gemahlin eines leichtsinnigen Adligen Schulden machen müßt, oder wenn sie als angesehene Bäuerin über fünf, sechs Knecht und über grad so viel Mägd 's Regiment führn könnt! – Ich will ja dein'm Assessor gwiß nix weg tun. Aber, wie gsagt: wenn der Fall eintreten tät, daß der Franzl die Rosel...«

»Niemals!« ruft die Rätin in höchster Erregung. »Niemals! Solange ich ein offenes Auge habe, gilt unsere Tradition!«

Rosalie steht wie mit Purpur übergossen da und weiß keine Antwort, keine Gegenrede, keinen Trost für die Mutter... für sich selber...

Und Tante Adele ist plötzlich so grausam gegen die alte Dame; so ohne jegliches Mitleid und Verständnis für ihre Gefühle! Sie lacht!

Lacht, daß ihre altmodischen Ringellocken über den Ohren erzittern, und sie ruft: »Tradition! Sag' doch gleich Ahnenstolz! – Und das gute Ding, die Rosel, soll wohl dem ganzen Klimbim auch noch Weihrauch streun und ihr Glück opfern? Nein, meine liebe Schwägerin, das gibt's nicht! Solang ich leb', nicht. Ich weiß genau, was dein Mann, mein Bruder, Gott hab ihn selig, aufm Todbett gsagt hat zu mir: ›Adele‹, hat er gsagt, ›Adele, gib mir aufs Roserl acht! Schau mir auf die Kleine! Laß mir keine Marionette draus machen. Keine Jammerliesl! Sorg du, daß was Gscheits draus wird aus ihr! Und aus den andern! Schaug, daß jede ihr Glück macht‹, hat er gsagt. Bsonders d' Roserl. Also. Bsonders d' Roserl. Was willst denn eigentlich? Was kommen muß, kommt ja doch. Und der ihr aufgsetzt is, den kriegts.«

Aber die Rätin will nichts hören. »Nein, nein, nein!« ruft sie ein übers andere Mal aus, »und ich dulde es ganz einfach nicht! Rosalie ist die Braut des Assessors, heiratet den Assessor und reist im übrigen am Mittwoch mit mir ab! Soo. Wir wollen sehen, wer hier zu reden hat. Das fehlte mir noch! Meine Tochter mit einem Bauern...« Sie steht energisch auf und will an die Tür. Aber mit einem Schmerzensruf sinkt sie wieder aufs Sofa zurück. Ihre Gicht!

Schon die ganzen Tage her hatte sie Schmerzen gehabt. Aber jetzt auf einmal überfällt sie das Leiden mit Gewalt. Und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als gebieterisch zu sagen: »Geht! Ich will allein sein!«, und darnach wieder weiterzuweinen.

Also verlassen die beiden das Zimmer; Adele vergnügt und selbstzufrieden, Rosalie gedrückt und elend.

Denn sie weiß selber am besten, wie es um sie steht.

Was die Schiermoserin einmal im Kopf hat, das muß sie auch ausführen.

Und da sie einen großmächtigen Zorn auf ihre Sommerfrischler, einen tiefen Groll über die Rätin und ihre Tochter im Herzen hat, so muß sie demselben Luft machen.

Gleich auf der Stelle.

Es nützt gar nichts, daß Franz und der Bauer ebenfalls durch den Stall ins Haus gegangen sind und nun der »narrischen Alten« die Leviten lesen; sie macht die alte Rätin nun einmal verantwortlich für allen Ärger, ist davon überzeugt, daß sie ihre Tochter bloß zu dem Zweck nach Berganger gebracht hat, um sie zur Schiermoserin zu machen, und sie muß derselben sagen, was sie sich über sie denkt.

Also rennt sie geradeswegs hinauf zur Rätin und steht unversehens mitten in deren Stube.

Die alte Dame liegt immer noch leise weinend auf dem Sofa.

»I hab epps z' redn mit enk!« sagt da die Schiermoserin.

Die Rätin fährt in die Höhe: »Frau Schiermoser?!«

Die Bäuerin schluckt ihr wildes Herzklopfen hinunter.

»I frag enk, obs ös koan andern Hochzeiter nimmer gfunden habts für enka Deandl als wia mein Buam?«

»Waas? Was sagen Sie?«

»Obs ös koan andern nimmer gfunden habts zum Heiratn für enka Rosl als wia mein Buam, hab i gfragt!«

Sie steht da, die Bäuerin, wie ein Posaunenengel des Letzten Gerichts.

»Was sagen Sie da? Meine Tochter und Ihr Sohn sollten...? Ja, aber das ist ja gerade die Ursache...«

»Was für a Ursach is dös?« fährt ihr die Schiermoserin wild dazwischen. »Dees is überhaupts koa Ursach net! Habts mi verstanden? Überhaupts koane! Indem daß i dees ganz oafach net geduld! Indem daß dees a Niedertracht is! Dees is der Dank dafür, daß ma enk herfuattert den ganzen Sommer über; daß 's oan 's Haus ausschnuffelts und den eigna Buam seine Leut abspensti machts! Eingfadlt habts 'hn, und enka hoamtuckischs Madl, enka Rosl, wollts eahm ohänga als Bäuerin! Aber oha! I bin scho aa no da! I schiab enk an Riegl für die Tür! Dees glaab i! Dees waar freili a gmaahte Wiesen für enk! A reicher Bauerbua und a scheena Hof! Naa, mei Liabe! Da werd nix draus. Da schaugts enk nur wo anderscht um. A anderne Muatta hat aa a liabs Kind. Aber mir zwee ham ausdischbetiert mitanand. Es is mir liaber, ös schaugts enk wo anderscht um zwegn der Sommerfrischn. Bei mir is koa Platz nimmer für enk, daß ihrs wißts.«

Sie setzt nicht ein einziges Mal ab in ihrer Rede; sie sieht nicht das Entsetzen, die starre Verwunderung der Rätin; sie läßt sie auch nicht zu Wort kommen, da die alte Dame ihr versichern will, sie sei unschuldig an dem Verbrechen, dessen man sie hier zeihe!

»Aber, liebe Frau, ich bin doch selbst ganz der Ansicht, daß es ausgeschlossen ist, daß meine Rosalie...«

»Dees is mir ganz Wurscht, was daß ös für a Ansichts habts. I sag enk grad so viel und net mehra: solang i a offens Aug hab, kriagt mir der Hof koa anderne Bäuerin als wia dee, dee, wo mir paßt. Und es is mir liaber, ös verschwindts bald wieder. Soo. Gredt hab i.«

Und damit ist sie auch wieder draußen.

Die Rätin ist so entsetzt und vor den Kopf geschlagen, daß sie sich überhaupt erst besinnen muß, wo sie ist und was eben war.

Erst allmählich formt sich in ihr das Chaos zu einem Ganzen.

Also, diese verrückte Person, diese Schiermoserin, glaubt tatsächlich, daß sie, die Rechtsrätin Scheuflein, ihre Tochter an diesen Sohn, diesen Klotz, diesen Bauern verschachern wollte!

Sie muß trotz Gicht und Ärger lächeln.

»So was kann nur einem Bauerngehirn einfallen! Aber...«

Sie wird wieder ernst.

»Das kommt davon, weil dies leichtfertige Mädel Tag für Tag bei dem Burschen steckt! Ihm am Ende gar den Kopf verdreht! Schauderhaft! Wenn das der Assessor wüßte...!«

Sie beginnt trotz ihrer Schmerzen in der Stube auf und ab zu humpeln.

»Das hat man nun davon. Am besten ist es, wir reisen so rasch als nur irgend möglich ab. Dann wird gleich Ruhe sein.«

Bei diesem Gedanken wird auch sie selber wieder ruhiger, erinnert sich ihrer Gicht und legt sich seufzend wieder aufs Sofa.

Indes die Schiermoserin drunten in der Kuchel werkt wie ein Gockel, der eben seinen Gegner flügellahm gemacht hat.

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