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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 47
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XLVI

Arpell war ins Schlafzimmer Berthes eingetreten.

Von draußen hatte er schon gemerkt – daß irgend etwas nicht stimmte.

Er fand Berthe in den Kleidern im Bett liegend. Wilde Wein- und Schreikrämpfe schüttelten sie.

Vergeblich suchte die Kammerfrau sie zu beruhigen. Es wurde nur ärger. Sie wollte sich nicht beruhigen lassen.

Arpell sah ein paar Sekunden kühl und teilnahmslos, ohne einen Funken Mitleid zu zeigen, die Situation an. Sie schien ihm weder neu, noch interessant, noch gefährlich.

Er schlürfte gegen das Badezimmer, kam mit einem großen Krug Wasser wieder und goß ihn mit satanischer Ruhe der Rasenden über den Kopf, so daß ihr das Wasser ins Kleid rann und die Polster, auf denen sie lag, vollständig durchnäßte.

Mit einem Schlag war der Weinkrampf verschwunden. Mit einem ungeheuren Wutschrei sprang Madame Berthe auf und brüllte Arpell an:

»Was unterstehst du dich? Du herzloser Satan! Ich sterbe, und du schüttest mich mit Wasser an!«

»Hätte ich vielleicht Champagner holen sollen zu diesem Zweck«, fragt Arpell unerschütterlich und blinzelt sie mit seinen erloschenen Augen spöttisch an. Wie ein uralter Kakadu, den die ganze Weltgeschichte, im großen und kleinen, maßlos langweilt.

»Jedenfalls bist du zur Vernunft gekommen – und das wollte ich. Also sei so gut und gib mir den Wechsel, den Tarnowski mit meiner Unterschrift versehen hat, sofort heraus.«

»Niemals!«

»Ich werde mich ein bißchen hinsetzen und warten, bis du ihn gefunden hast. Wenn du ihn aber nicht findest, kannst du noch heute ausziehen – und mein Testament stoße ich auch um ... Also suche ...!«

Berthe kannte ihren Freund und den Ton und wußte, daß mit dem alten Herrn nicht zu spaßen war.

Wütend holte sie unter ihrem Bett einen eisernen Koffer hervor, öffnete ihn nach langen Prozeduren und schmiß endlich das gesuchte Papier Arpell vor die Füße.

Der setzte seine Hornbrille auf, holte außerdem noch eine Lupe hervor und prüfte den Wechsel.

»Es ist gut – die Sache ist in Ordnung. Du kannst dem Tarnowski sagen, falls er sich noch einmal im Salon blicken läßt, lasse ich ihn durch meinen Portier hinauswerfen ...«

»Ich übernehme keine Botschaften an diesen Herrn ...«

»So, so ... Um so besser! Dann werde ich dem Portier den Auftrag direkt erteilen. Vor zwölf brauchst du nicht unten im Salon zu sein. Bis dahin kannst du dich ausruhen. Gute Nacht.«

Und er schlürfte hinaus, ohne sich weiter nach Berthe umzusehen.

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