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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 46
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XLV

Berthe war nervös.

Tarnowski war abends nicht im Salon erschienen, hatte sie nicht zu einer Fahrt ins Bois abgeholt, wiewohl der Tag herrlich gewesen war. Sein Telephon hatte nicht funktioniert. Entweder eine Störung oder es war absichtlich abgestellt.

Von Mißtrauen erfüllt, wie immer, beschloß Berthe, sich Gewißheit zu verschaffen und Tarnowski einfach in seiner Wohnung aufzusuchen. Einen Schlüssel hatte sie ja.

»Verflucht alte Bude«, murmelte sie, als sie die Holztreppe emporkeuchte, in den Dialekt ihrer ersten Jugend zurückverfallend. »Dieses Schwein von einem Hausherrn hätte auch einen Aufzug einbauen können!«

Endlich stand sie atemlos oben und setzte sich einen Augenblick auf die Bank, die offenbar zur Erholung der Stiegenkletterer auf dem Hausflur stand.

Sie wollte ausgeruht und bei Kräften sein, wenn sie bei Tarnowski eintrat.

Der Schlüssel sperrte – das Schloß war geöffnet, die Klinke ließ sich herabdrücken – aber hinein konnte man nicht. Ein Riegel war offenbar vorgeschoben.

Also, man war zu Hause.

Also läuten.

Es öffnet niemand.

Sturm läuten. Mit dem Schirmgriff an der Türe poltern.

Innen ein Knacksen.

Ihr Ohr hört ein Flüstern – dann der brummige Baß des alten Wodak:

»Ich komme schon ... Was ist denn los?«

Er legt die Kette vor. Ein Spalt der Türe öffnet sich – aber hinein kann man noch immer nicht. Berthe steckte sofort ihren Schirm dazwischen, damit er die Türe nicht wieder zuwerfen kann.

»Lassen Sie mich sofort hinein!«

»Aber der Herr Graf schlafen und haben mir verboten, ihn zu wecken.«

»Ich darf ihn wecken – also rasch aufmachen!«

Über die verwitterten Züge Wodaks huscht ein Blitz des Triumphes: – wenn Madame Berthe befiehlt – er kennt die Abhängigkeit Tarnowskis und kann sich auf die Gefahr ausreden, die sein Zögern bedeutet hätte. Also der Skandal, der Lobositz in den Kot zerren wird, ist da. Er kennt Madame Berthe zu gut. Und Tarnowski, der Bengel, ist gezwungen, diese Gräfin hinauszuwerfen, wenn er sie zehnmal auch liebt, der dumme Junge – Madame ist die Stärkere.

Langsam löst er die Kette aus dem Verschluß ...

Madame stößt die Tür zurück, daß sie fast Wodak an den grauen Schädel fliegt. Dann stürmt sie weiter ...

Abermals ist die Tür geschlossen – aber nur ein Fußtritt, und das schwache Schloß springt auf –

Und jetzt stehen sie einander gegenüber.

Tarnowski und Lilith totenblaß – Berthe rot vor Zorn.

»Du elender Lump, betrügst mich! Von meinem Geld zahlst du dir diese Person?«

»Berthe, du irrst.«

»Schweig'! Daß Sie es nur wissen: er ist mein Geliebter! Ich erhalte ihn, und Sie werden mir ihn nicht wegnehmen – dafür ist gesorgt. Mir entkommt man nicht so leicht. Geht's nicht im Guten, so geht's im Bösen! Er weiß genau, was ich für ein Papier in der Hand habe – und daß er ins Zuchthaus muß, wenn ich nur will. Und ich werde wollen, Madame, wenn Sie nicht sofort gehen.«

Aus Lilith wächst etwas empor, was ihr bisher fremd gewesen ist. Ein Etwas in ihr entfaltet sich plötzlich – so plötzlich, wie ein Blutstrom hochschießt. Ein eiserner Trotz, den das Feuer einer glühenden Wut härtet, bemächtigt sich ihrer. Was will dieses alte, widerliche gedunsene Weib mit der Maske der Jugend, die sich geschminkt hat, will sie diesen Tarnowski, ihren Geliebten, haben, zahlen, kaufen – wie Graf Lobositz sie langsam umgarnt und gekauft hat. Soll sich dieses unnatürliche Schauspiel noch einmal wiederholen? Soll sie – die junge, schöne Lilith – vor diesem alten Weib kapitulieren und schimpflich abziehen?

Nein – sie denkt nicht daran.

»Graf Tarnowski ist seit heute nacht mein Geliebter geworden! Und ich denke nicht daran, ihn noch einmal Ihnen zu überlassen.«

»Was unterstehen Sie sich, Sie unverschämte Person«, keucht Madame Berthe.

»Sehen Sie sich doch einmal im Spiegel an, Sie widerliches, altes Weib! Und dann fragen Sie sich, ob Sie noch ein Recht haben ...«

Wie eine Furie will sich Berthe auf Lilith stürzen – aber sie hat nicht mit der hohen körperlichen Gewandtheit Liliths und ihrer geschmeidigen Kraft gerechnet.

Lilith fängt sie im Sprunge auf, biegt ihr die Arme nach rückwärts, und Berthe liegt lächerlich und hilflos am Boden.

»Werden Sie mir endlich Ruhe geben?« fragt Lilith höhnisch.

Berthe sieht, sie ist lächerlich geworden und hat nichts mehr hier zu suchen, und sie rafft sich auf, um zu gehen. Aber vorher pfaucht sie Tarnowski noch an:

»Morgen früh mache ich die Anzeige, daß ein gewisser Wechsel – er hat nämlich die Unterschrift meines väterlichen Freundes Arpell – gefälscht, und ich habe den Wechsel eingelöst.«

»Wieviel verlangen Sie dafür«, fragt Lilith geschäftsmäßig.

»Er ist nicht zu erkaufen. Und wenn Sie glauben, daß Ihr Graf ein Graf ist, so irren Sie sich! Ein Stallbursche ist er gewesen von irgendeinem feudalen Herrn bei den Tschechoslowaken – weiter nichts.«

Und nach diesem letzten vergifteten Pfeil geht sie ab.

Tarnowski ist in einem Fauteuil zusammengesunken. Auf seiner Stirne stehen große kalte Tropfen: alles ist verloren.

Lilith steht vor ihm, mustert ihn halb spöttisch, halb zärtlich.

Und das will ein Mann sein! Er ist noch immer ein verwöhnter und verzärtelter Bub – süß und dumm, trotz aller Schlauheit.

»Also, was wird jetzt geschehen, lieber Freund? Draußen wär' sie! Ich hab' den Platz behauptet. Ich habe also gesiegt – nach guten alten Begriffen.«

»Ich muß mich erschießen!«

»Ich werde dir meinen Revolver leihen – der ist bestimmt nicht geladen!«

»Du lachst – aber du kennst die Bösartigkeit dieser Frau nicht ...«

»Gott, ich kenne mich – und weiß, was man von mir erwarten darf, wenn man mich reizt oder lächerlich macht. Und wenn ich alt sein werde, werde ich wahrscheinlich auch so sein wie diese Dame. Also, was will sie denn anzetteln gegen dich? Was hat sie in der Hand?«

»Einen Wechsel – du hast ja gehört, den sie eingelöst hat, der auf den Namen des Mannes, der ihr Lebensgefährte und väterlicher Freund ist, lautet. Und die Unterschrift dieses Wechsels ...«

Tarnowski schweigt.

Lilith versteht.

»Und wenn man zu ihrem ... Herrn ... wie heißt dieser Herr, der ihr Lebensgefährte ist?«

»Arpell, der große Juwelier vis-à-vis vom Ritz.«

»Oh, den kenne ich! Den alten Herrn mit dem Pergamentgesicht und den erloschenen Augen. Wir haben viel gekauft bei ihm. Mit dem kann ich reden ...«

»Ich habe das Geld nicht ...«

»Na, wieviel kann das schon sein«, sagt Lilith geringschätzig, »mehr als so ein Armband wert ist?«

»Nein«, sagt Tarnowski kleinlaut.

»Also gut, ich fahre hin. Jetzt brauchst du doch nicht mehr zittern, daß er deine Beziehung zu der Dame erfährt – zu deiner mütterlichen Freundin.«

»Und was willst du ihm sagen?«

»Daß diese Dame – so sag' schon, wie sie heißt ...«

»Berthe Rousillon ...«

»Berthe Rousillon einen Wechsel hat, der seine Unterschrift trägt. Wenn der Wechsel eingeklagt wird, soll er ihn einfach anerkennen – dafür bekommt er dieses Armband. Oder er soll ihn von dieser Berthe zurückverlangen – dann fällt die Klage weg. Das soll er machen, wie er will. Da er ein schlauer Geschäftsmann ist, wird er einsehen, daß es besser ist, ein wertvolles Armband zu besitzen, als eine wertlose Unterschrift.«

»Herrgott, bist du schlau! Und wie du dich auf Geschäfte verstehst ...«

»Ja, glaubst du, ich bin immer Gräfin gewesen und eine vornehme Dame. Ich komme von unten – und du ...«

»Ich auch ...«

»Aber ich bin jetzt eine wirkliche Gräfin – und von dir hat diese Dame gesagt ...«

»Es wird mir niemand beweisen können, daß ich kein Graf bin – wir haben bezahlt dafür ...«

»Wer ist ›Wir‹?«

»Mein Vater und ich ...«

»Na, und wie schaut dein Vater aus?«

»Oh, ganz gut noch«, meint Tarnowski – er fürchtet neue Fragen und Verwicklungen. Erst soll einmal Berthe unschädlich gemacht sein – alles andere wird sich finden.«

»Es ist noch nicht sechs – wir können Arpell noch erreichen. Soll ich dich hinbegleiten?«

»Nein, ich sage dir in einer Stunde vom Hotel aus, wie alles ausgegangen, und wir verabreden, wohin wir dinieren gehen.«

»Also, dann darf ich dich zu einem Auto bringen?«

»Ja, das kannst du.«

Und sie steigen zusammen die Treppe hinunter – er mehr tot als lebendig, sie höchst vergnügt mit dem Gefühl einer grandiosen Lausbüberei.

Und den Abgang des Armbandes wird Lobositz kaum merken. Sie hat so viele – höchstens hat sie es verloren. Arpell kann es übrigens auch auseinandernehmen oder muß versprechen – es nicht vor einem Jahr zu verwerten.

Wenn sie erst einmal drüben ist – und wieder stockt sie, und wieder kommen Gedanken – aber sie schiebt sie mit starker Hand fort.

Nachdenken später – jetzt handeln!

»Du bist so süß – und ich bin dir so dankbar.«

Er küßt ihr die Hand.

»Du bist so süß und ein so elender Schuft – und ich bin so verliebt. Da hast du meine Antwort.«

Sie treten vor das Haus.

Da löst sich eine Figur aus dem Schatten, und eine schrille Stimme ruft:

»Da hast du einen Denkzettel, Kanaille!«

Irgend etwas fliegt durch die Luft, trifft über sein Ziel – Lilith und Tarnowski sind zurückgewichen – und zersplittert an der Mauer des Hauses.

Ein scharfer ätzender Geruch steigt auf.

»Vitriol«, sagt Tarnowski.

»Wir haben Glück gehabt.«

»Stell' dir vor: du – oder ich – ...«

»Die Frau ist verschwunden ...«

»Lassen wir sie laufen!«

Beim Lichtschein des nächsten Auslagefensters blieben Lilith und Tarnowski stehen. Sie waren beide sehr bleich. Auf den aufregenden Moment kam die Reaktion.

Lilith fühlte sich schwach.

In einer Bar schluckten sie rasch ein paar Kognaks.

Dann stieg Lilith in ein Auto ein, um zu Arpell zu fahren; Tarnowski sollte vereinbarungsgemäß zu Hause auf ihren Anruf warten – und kehrte um.

Lilith fuhr ein paar Straßen hinter der Oper hinüber zur Place Vendome und erreichte das Haus Arpell noch knapp vor Geschäftsschluß.

Schon zum Fortgehen angezogen empfing sie der Seniorchef mit schlecht verhehltem Mißbehagen.

»Muß das noch unbedingt heute sein, Madame?«

»Gewiß – oder wünschen Sie, daß ich gegen Madame Berthe eine Anzeige erstatte wegen der versuchten schweren körperlichen Bedrohung und Körperverletzung?«

»Was soll das heißen?«

»Daß sie vor zehn Minuten eine Flasche Vitriol gegen den Grafen Tarnowski und mich geschleudert hat, und daß wir nur wie durch ein Wunder unverletzt geblieben sind.«

»Dieses verrückte Frauenzimmer – immer hat man Affären mit ihr ... Ich schmeiße sie doch noch hinaus! Also«, setzte er mürrisch hinzu, »wieviel verlangen Sie und der Herr Graf Tarnowski – wie er sich nennt – dafür, daß die Sache nicht in die Öffentlichkeit kommt und erledigt bleibt.«

Lilith begriff sofort den Vorteil der Situation.

»Lieber Herr Arpell, eine Hand wäscht die andere. Madame Berthe hat in ihrem Besitz einen Wechsel, der Ihre Unterschrift trägt.«

»Wie kommt sie dazu?«

»Das fragen Sie Madame Berthe, aber nicht mich.«

»Aber ich habe doch keinen Wechsel unterzeichnet. Das habe ich doch nicht nötig.«

»Ich habe ja nur gesagt, daß er Ihre Unterschrift trägt – und nicht, daß Sie ihn selbst unterzeichnet haben.«

»Aber das ist doch Betrug.«

»Richtig. Man kann das so nennen, wenn man undelikat ist.«

»Das lasse ich mir nicht gefallen. Ich mache die Anzeige.«

Die permanente Blässe Arpells war einer feinen Röte gewichen. Die sonst halb herabgesunkenen Lider wurden gewaltsam aufgerissen, die hagere greise Hand, mit den dicken blauen Adern, fuchtelte wild herum.

»Das lasse ich mir nicht gefallen! Das ist gegen meine kaufmännische Ehre!«

»Ganz richtig, lieber Herr Arpell. Ich bin dafür, daß Sie von Madame Berthe verlangen, daß sie Ihnen den Wechsel ausliefert.«

»Ich werde schon herauskriegen, wer ihn gefälscht hat – und ohne Erbarmen die Anzeige machen.«

»Da werden Sie nur Madame Berthe, Tarnowski und sich blamieren. Außerdem machen dann auch wir die Anzeigen wegen – na, Sie wissen schon ...«

»Also, was wollen Sie von mir, in drei Teufelsnamen? Sind Sie nur gekommen, um mir unangenehme Sachen zu sagen – oder ...«

»Im Gegenteil, lieber Herr Arpell. Ich will unangenehme Sachen aus der Welt schaffen. Ich und Tarnowski verzichten auf die Anzeige. Sie holen den Wechsel von Madame Berthe heraus – und wenn Sie ihn morgen vormittag vor meinen Augen zerreißen, gehört dieses Armband – das ja von Ihnen stammt – und gewiß doppelt so viel wert ist wie der ganze Wechsel, wieder Ihnen. Wollen Sie das Geschäft machen?«

Eine Sekunde denkt Herr Arpell nach – dann sagt er nur:

»Gemacht! Ich erwarte Sie morgen um elf Uhr.«

»Danke, mein Herr.«

»Bitte, Madame.«

»Und noch eines: Sie können Madame Berthe mitteilen, daß sie sich nach einem anderen Liebhaber umschauen soll – Graf Tarnowski ist anderwärtig vergeben.«

»Er soll zum Teufel gehen! Je eher – desto besser!«

»Ich werde nicht ermangeln, ihm diesen freundlichen Rat mitzuteilen«, quittierte Lilith höchst vergnügt über ihre gelungene Mission.

Ach, so ein Wirbel um einen herum, wo es drunter und drüber geht und wo man nicht weiß, was die nächste Stunde bringt, hat doch einen wundervoll prickelnden Reiz.

Man schlürft das Leben wie Champagner, und die hochgespannten Nerven tönen schrill, wenn das Schicksal mit seinem Fiedelbogen drüber hinstreicht. Und diese schrillen Töne formen sich zu einer modernen Melodie, die die anderen von gestern nicht verstehen und als Mißklang verhöhnen, weil sie nicht wissen, was wir dabei empfinden – wir Lebendigen von heute.

Tarnowski war wieder in seiner Wohnung emporgeklettert.

Zuerst trat er einmal in die Kammer zu Wodak, der neben dem Ofen im zerschlissenen Fauteuil mit schlechtem Gewissen zusammengekauert saß wie ein Hund, der weiß, daß er etwas angestellt hat, und Prügel fürchtet.

»Eigentlich«, begann Tarnowski, »sollte ich mit dir abrechnen, daß du mir Berthe hereingelassen hast. Da aber alles ganz anders gekommen ist und die Sache wahrscheinlich gut ausgehen wird, ist es überflüssig, sich noch deswegen herumzuzanken. Es ist Aussicht vorhanden, daß jenes bewußte Papier, mit dem Berthe mir droht, endlich ihren Händen entrissen wird.«

Als Wodak sieht, daß er mit heiler Haut davonkommt und von der Brutalität seines Herrn und Sohnes nichts zu fürchten hat, wird er aufrührerisch und frech.

»Und wann wird dieser Lobositz«, er kämpft förmlich, um kein gemeines Wort auszusprechen, »endlich hören, daß seine Frau ...«

»Vielleicht morgen – vielleicht gar nicht – martere mich nicht unnütz ... ich weiß selber nicht, was geschieht ... Sie wird entscheiden ... Sie ist klüger als ich und du ...«

»Er muß es wissen! Er muß zusammengetreten werden! Er muß ...«

»Gar nichts muß sein! Dieses Weib benimmt sich wunderbar gegen mich! Ich will kein Schwein sein und ihr Ungelegenheiten schaffen.«

»Und ich ... ich ... an mich denkst du gar nicht? Habe ich dich deswegen aufgezogen ...?«

»Ich weiß, ich weiß! Ich kenne die Litanei! Du hast sie mir oft genug vorgebetet: du hast dich geopfert für mich – und ich habe die Pflicht ... Aber alles hat seine Grenzen! Und wenn du mich zeitlebens marterst und in den Zug spannen willst, so werde ich dir einfach durchgehen. Und dann hast du gar nichts von mir! Ich habe es satt, mich ewig von dir als Werkzeug deiner verrückten Rachepläne mißbrauchen zu lassen. Du bist ein alter Narr. Sei froh, wenn man dich in keine Anstalt steckt und dich im Hause duldet. Einmal hast du das Geld geschafft, das ist wahr – aber jetzt schaffe ich es. Und ich weiß, was ich zu tun habe, und was nicht. Und wenn du dieser Lilith ein Haar krümmst – so fliegst du im Bogen hinaus!«

Tarnowski hatte sich in namenlose Wut hineingesprochen und schlug die Türe krachend zu. Dann warf er sich aufs Ruhebett – womöglich einen Augenblick schlafen und abwarten, was Lilith bei Arpell ausgerichtet.

In der Kammer saß der alte Wodak und brütete wieder einmal Rache: ›Dieser Bub! Dieser undankbare Bub! Aber ich werde es ihm schon zeigen. Er soll mich kennenlernen! Er auch! Alle sollen sie mich kennenlernen! Er muß es wissen, wer seine Frau ist! Er muß sie hinauswerfen! Sein Herz muß zerstampft werden, wie er meines zerstampft hat.‹

Und er nahm einen tiefen Schluck Sliwowitz.

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